128. Zbing

Ein Zigeuner trat abends in ein Haus mit der Absicht, etwas wegzutragen, was nicht von selbst mitgehen wollte, und fragte, ob altes Eisen zu verkaufen wäre. Die Wirtin, welche allein war, fürchtete, dass, während sie draußen Eisen suche, der Zigeuner im Zimmer etwas in seinen Schnappsack stecken könne, und sagte darum, sie dürfe keines verkaufen, denn käme ihr Mann zufällig nach Hause, so würde es für sie (die Frau) und ihn (den Zigeuner) Prügel setzen. „Oh", sprach der Zigeuner, „fürchte dich nicht; kommt dein Mann nach Hause, so springe ich schnell unter den Tisch, und merkt er etwas Schwarzes unter dem Tisch und fragt darnach, so sage nur, es sei ein alter Kessel !" Kaum hatte der Zigeuner ausgesprochen, trat auch der Mann der Frau von draußen ins Zimmer. Er hatte die ganze Unterredung gehört. „Mich hungert!" rief der Mann zu seiner Frau, „mache, dass das Essen bald auf den Tisch kommt! Was ist aber unter dem Tisch so Schwarzes?" — „Ach, es ist ja ein alter Kessel!" sprach die Frau lächelnd und zwinkerte mit den Augen. Da setzte sich der Mann an den Tisch und stieß absichtlich an den Zigeuner. Um der aufgenommenen Rolle treu zu bleiben, rief dieser: „Zbing!" als klinge der Kessel. „Schön klingt dieser Kessel!" sprach der Mann; „doch muß ich jetzt mit einem dicken Stocke versuchen!" Als der Zigeuner vom Stocke hörte, sprang der hervor, und husch! war er zur Türe hinaus.