134. Schaaser Späße

l. Die Schaaser essen nur Übriggebliebenes, denn was nicht übrig ist, kann man nicht essen; sie machen nur im guten
Wetter Heu, denn im schlechten trocknet es nicht; sie brennen stets trockenes Holz, denn auch das grüne muss auf dem Feuer zuerst trocknen, bevor es brennt; es gibt in Schaas in jedem Winter eine Menge Hasen - nämlich in den Schweinen, welche geschlachtet werden.

2. Den Hahn des Schaaser Kirchturmes hat man in Kronstadt gesehen, was gilt die Wette? Er ist nämlich in Kronstadt gemacht worden.

3. Eine Schaaserin verkaufte Erbsen. "Sind sie gut?" fragte die Städterin. "Sie kochen gern", sagte die Schaaserin.

4. Ein Schaaser verkaufte ein träges, unbrauchbares Pferd. "Hat es keine Fehler?" fragte der Käufer. "Es geht nur nicht gern auf Bäumen und in Hanf", sagte der Schaaser. Der Käufer lachte über den Spaß, ohne weiter darüber nachzudenken, und kaufte das Pferd. Das wollte aber im Geschirr nicht gehen und war über keine Brücke zu bringen. Da brachte er es dem Verkäufer zurück; allein nun lachte der Schaaser und sagte:
"Ich habe dir's doch beim Verkaufe ehrlich gesagt, dass das Pferd nicht gern auf Bäumen (Brücken) und in Hanf (Geschirr, Strängen) gehe!"

5. Ein Schaaser Zigeuner, gefragt, welches Geflügel ihm am liebsten sei, sprach: "Das Schwein, wenn es Flügel hätte."

6. "Gibt es nichts Neues in Schaas?" fragte ein Städter einen Schaaser. "Ja freilich!" rief dieser, "eine Walachin hat ihr Kind aufgehängt." Die Mär lief bald durch die ganze Stadt. Das Ortsamt meldete nichts; eine Gerichtsperson eilte nach Schaas. Endlich kam man auf den Urheber des falschen Gerüchtes; doch blieb er dabei, er habe die Wahrheit gesagt, und zeigte nun auch die hängende Wiege, worin die Walachin das Kind aufgehängt hatte.

7. Ein Schaaser fragte einen Städter, wie viel von einer Speckseite (Bächen) eintrockne? Als ihm dieser sagte, bis zu fünfundzwanzig Pfund, erwiderte der Schaaser: "Nun, da muss ich mir noch fünf Pfund zum Eintrocknen kaufen, denn ich habe eine Speckseite gemacht, die nur zwanzig Pfund wiegt."

8. In Schaas gibt es einen steinalten Mann, weit über hundert Jahre alt, ja älter als einst Methusalem war, wer ist das? Der Hinkelmann (ein Berg).

9. "Geht eure Mühle?" fragte ein Trappolder einen Schaaser. "Sie ist mir nicht begegnet", antwortete dieser.

10. Statt des Namens Kraft, wie ein Schaaser heißt, brauchen manche Schaaser zuweilen den Namen Herrlichkeit, weil dieser im Vaterunser auf Kraft folgt: De Harrleget kit!

11. Es schlägt jemand auf einen Schaaser. Da ruft dieser ihm zu: "Hast du Ernst oder Spaß?" - "Ernst", sagt jener. "Dein Glück", erwiderte der Schaaser, "denn solchen Spaß würde ich nicht verstehen."

12. Wiederum schlägt einer einem Schaaser auf den rechten Backen. "Warum schlägst du?" fragt der Schaaser. "Die Schrift sagt", spricht jener, "wenn dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar." Der Schaaser tut es, der andere schlägt. Nun aber packt der Schaaser den andern und haut ihn crudel, indem er spricht: "Es steht aber auch in der Schrift: 'Mit dem Maß, mit dem ihr messet, wird man euch wieder messen, und ein voll gedrückt, gerüttelt, überflüssig Maß wird man euch geben' - und da hast du's jetzt".

13. Ein Schaaser trank in der Stadt in einem Wirtshaus Wein, der sehr gut war; er schwieg und ließ sich ein Seitel nach dem
andern geben. Als er bald wieder einmal in demselben Wirtshaus trank und der Wein schlecht war, lobte er denselben. Der Wirt äußerte seine Verwunderung darüber, dass er den guten Wein nicht gelobt habe, den schlechten lobe. "Ja", sagte der Schaaser, "jener lobte sich selbst, dieser aber tut es nicht, den muss man loben."

14. Ein alter Schaaser zog beim Aufsteigen auf das Pferd den Sattel herunter. "Seht da!" sprach er, "ich bin jetzt stärker als in meiner Jugend: damals zog mich der Sattel auf das Pferd hinauf, jetzt ziehe ich den Sattel vom Pferde herab."

15. "Habt's ihr auch Esel hier?" fragte hohnlächelnd ein Bezirksämtler in Schaas. "Wir haben keine", sagte der Schaaser, "außer den Fremden, wenn welche da sind."

16. In älterer Zeit ritt ein Schäßburger Bürger auf dem Marktplatz der Stadt den hölzernen Schandesel. Ein Schaaser stand davor und schaute sich den Mann genau an. "Wåt quäkt Er mich esi un?" rief ihm der vom Esel zornig zu. Gelassen erwiderte der Schaaser: "Nå, wõ et dem Härrn net jefållt, se rejt der Härr ä jen Jaß! " (Wenn's dem Herrn nicht gefällt, so reite der Herr in jene Gasse!) Die Worte des Schaasers belohnte ein Beifallssturm der umstehenden Menge, der auch jetzt noch in Schäßburg nachklingt.

17. Als einmal im Oktober die Trappolder an einer Feldbrücke bauten, kam ein Schaaser hinzu, um sich die Sache anzusehen. Da schlich ein Trappolder unvermerkt hinter den Schaaser und rief ihm jäh ins Ohr: "Kuckuck, Schaaser!" Der Schaaser wandte sich um und rief verwundert: "Ei der Teufel, ich hätte nicht gedacht, dass die Trappolder einen so dicken Oktoberkuckuck haben sollten." Von da an hieß der Trappolder seine ganze Lebenszeit hindurch Oktoberkuckuck.