135. Wie eine Schaaserin einen Türken überlistet

Zu jener Zeit, als noch die Türken Siebenbürgen beherrschten und verwüsteten, kam einmal ein Trupp berittener Türken nach Schaas, um zu plündern. Die Bewohner flüchteten in die Kirchenburg und schlossen hinter sich das Tor. Nachdem die Türken geplündert hatten, ritten sie in den Radwiggrund, stiegen da von ihren Pferden, um sie weiden zu lassen. Eine Schaaserin wagte es, aus der Kirchenburg in ihren Weingarten am Romrich zu gehen. Als sie nun ein Türke bemerkte, bestieg er sein Pferd und ritt eiligst heran, band sein Pferd unten an den Zaun und eilte in den Weingarten, um sich die Frau als erwünschte Beute zu erhaschen. Allein diese hatte den Türken ebenfalls heranreiten und sein Pferd anbinden gesehen. Da nahm sie schnell ihren Strohhut vom Kopf, setzte ihn auf den neben ihr stehenden Weinstock, hing ihre weiße Joppe darunter. Während nun der Türke auf diesen Weinstock zueilte, rannte sie im Weingarten des dritten Nachbars hinunter, setzte sich auf des Türken Pferd und ritt darauf ins Dorf in die Kirchenburg; die weidenden Pferde aber liefen auf das Gewieher jenes Pferdes ebenfalls nach, und so rettete sie nicht nur sich, sondern führte auch als Beute den ihrigen mehrere Pferde zu; die Türken aber, die nicht länger verweilen durften, um von ihrem Heere nicht zurückzubleiben, mussten zu Fuß mit langer Nase abziehen.