136. Humor auf der Kanzel, in der Kirche, bei Leichen

l. Ein Dorfsprediger, der zugleich ein großer Raucher im Herrn war, hatte bei dem Lernen der Predigt unbemerkt eine Kohle
auf das aufgeschlagene Evangelienbuch fallen lassen, und diese hatte in dem Evangelium: "Jesus fuhr über das Meer" gerade das Wort "Meer" durchgebrannt. Als er nun sonntags in der Predigt das Evangelium auflesen sollte, las er also:
"Jesus fuhr über das - Jesus fuhr über das - " - nun nahm er das Buch näher vor die Augen und las frisch weg: "Jesus fuhr über das - Loch."

2. In einer magyarischen kleinen Gemeinde da oben bei Bistritz war ein Pfarrer gestorben, und die Gemeinde konnte lange keinen andern finden; endlich verirrte sich ein aus dem Sachsenlande durchgegangener lüderlicher Kantor dahin; den fingen sie und machten ihn zu ihrem Pfarrer, was dieser sich auch gern gefallen ließ. Nach langen Jahren kamen zufällig Leute aus dem Orte, aus welchem der Kantor durchgegangen war, in diese Gemeinde, und zwar gerade an einem Sonntag während der Predigt. Als sie nun in die Kirche eintraten und der Pfarrer von der Kanzel sie sogleich erkannte, erschrak er; doch fasste er sich sogleich und sprach sächsisch: "Ir verflacht Kärl, wat en Deuwel hõt ich hier gebrõcht? Net dåt er sõt, wierich bän! Nõ der Kirch awer kut zea mir zem Eßen! - ugy mondja a görög szó" (magyarisch: so sagt der griechische Text) und predigte magyarisch fort bis zu Ende.

3. Als in einer Predigt ein Pfarrer die oratorische Frage gebrauchte: "Wi äs dåt? (Wer ist das?) -Wi äs dåt?" glaubte ein Zuhörer, auf welchen der Pfarrer gerade bei diesen Worten sah, die Frage gelte ihm und beziehe sich auf seinen Nachbar, den er als Gast in die Kirche gebracht, und antwortete bei der wiederholten Frage: "Et äs me Schõger (Schwager) vu Büß!" - Der Pfarrer predigte weiter: "Diër Hemmel uch lërden erschaffen hõt!" Nun sprach der Mann wieder: "Ach nä, dåt hõt der net verschûld."

4. Ein frühtrunkener Kantor war während der Predigt eingeschlafen. Als die Predigt zu Ende war, stieß sein Nachbar an ihn und flüsterte ihm zu: "Et äs aus!" Da rief der Kantor laut: "Em sål e Fräschet äschinken."

5. Ein Bauer war während der Predigt eingeschlafen. Träumend seufzte er nur einmal und sprach: "Et wås enzet e Geähr, dåt em ãse Szirkå schännt, Gott håf e sêlich an der Iard!"

6. Ein reicher älterer Bauer machte die Anzeige, dass sein einziges spätgebornes Kind, ein Söhnchen von fünf Wochen, ihm gestorben sei, und wünschte, der Herr Pfarrer selbst solle ihm die Leichenpredigt halten und führte nun folgendes Gespräch mit dem Pfarrer:
Bauer (beim Eintreten zum Pfarrer): Ach, ach, ach!
Pfarrer:     Wat fuër e Bekridnes hut Ich härgefahrt, Mächel?
Bauer:       Ach, mei hãrz Gongelche äs gestorben.
Pfarrer:     Ich bedaueren Ich sihr, Mächel, awer wat ãser Härrgott schäckt, maß der Mansch erdrõ.
Bauer:       Der Harr Vuëter sal em prädige.
Pfarrer:     Wõ Er et wänscht, et sal geschah.
Bauer:       Der Härr Vuëter muk et awer bung den Leut, und der Härr Vuëter sal sõ, wä geschät det Gongelche wõr und wat
                aus im hat wiërde kenne und wä wiërt et ãs wõr - ach, ach, ach!
Pfarrer:     Lot nur, Mächel, dåt wäll ich schu mõche.
Bauer:       Awer, Harr Vuëter, wat kost de Prädig?
Pfarrer:     Na Ir wäßt et jõ, Mächel, wä et bä ãs rêcht äs: en
                Horgasch! (Ehemalige Münze von beiläufig. 17 Kr. ö. W.)
Bauer (zurückweichend): Awer Härr Vuëter, en Horgasch - für esu e klï Gongelche - et äs jõ ganz net äsuvel wiërt.