textfire.de Grand Prix 2011


Vorweg, für die, die mich nicht kennen, ich bin nicht sehr geduldig. Und ich hab hohe Erwartungen. Ich möchte gerne eine atmosphärische Welt, mit der ich auf bedeutungsvolle Weise interagieren kann, eine packende Geschichte, interessante Charaktere und gute Puzzles. Die Spiele des diesjährigen Grand Prix haben zum Großteil ein bisschen vom Ersten. Es ist eine Weile her, dass ich sie gespielt habe, aber ich kann mich nicht wirklich an ein überzeugendes Puzzle erinnern. Was haben wir hier? Ein nettes kurzes Märchen, ein Fantasyding, das eher wie der Vorspann zu einem Spiel wirkt, eine aufwändige Kochsimulation, die nicht wirklich gut spielbar ist, und eine Kurzgeschichte, die ein interessantes Thema hätte, aber so viel tiefer gehen müsste um auch nur irgendeine Wirkung zu haben. Die Benutzerfreundlichkeit könnte auch etwas größer sein. Heutzutage erwarte ich, dass das Spiel davon ausgeht, dass ich einfache Dinge erledigen kann, und wenn ich sie nicht kann, mir mitteilt, woran ich scheitere.


Die rote Blume von Frank Sindermann

Ein Märchen. Wald ist immer ein gutes Setting, soll heißen, es ist relativ einfach, mich mit den Beschreibungen zufriedenzustellen. Nett geschrieben, ziemlich solide implementiert, atmosphärisch und fast nicht frustrierend. Irgendwie hab ich am Ende aber doch nicht den Ehrgeiz gehabt, alle zu retten. Das so ziemlich einzige Puzzle im Spiel ist nicht sehr gut beschrieben; ich hab die ganze Zeit geglaubt, ich hab die richtige Idee, aber kann mich nicht richtig ausdrücken.

  >hack baumstamm mit axt
  Damit wirst du nichts erreichen.

Warum? Woher weiß ich, dass das nicht nur der Parser ist, der nicht weiß, was los ist? Kannst du mir bitte erklären, dass das keinen Sinn hat, weil die Baumstämme viel zu groß sind oder was auch immer? Oder besser noch, zeigen, wie ich die Axt schwing und nichts ausrichte.

Das Puzzle mit der Blume dagegen war sehr gut, oder vielleicht war es auch völlig einfach und naheliegend (der Autor hat mir mitgeteilt, dass es das anscheinend nicht ist), aber es hat mir gut gefallen.

Insgesamt war es ziemlich kurz, aber nett.


Gorgonir von Werner Rumpeltesz

Bleh, Fantasy. Nettes Dorf, nette Landschaft, (so gut wie) keine Leute. Viel Text auf den ersten Blick, aber nicht viel dahinter, wenn man genauer schaut. Soll heißen, Raumbeschreibungen haben viel Text, aber alles, was man danach anschaut ist eher knapp gehalten. Bin eigentlich nicht an der Erfüllung meines Plans interessiert, geh aber trotzdem los, weil was soll ich sonst machen?

Das ist das zweite Spiel (nach The Edifice), in dem es unglaublich schwierig ist, Feuer zu machen. Gut, hier ist es einfacher, aber die Dinge sind an irgendwelchen Orten und man weiß ja nicht, was man genau brauchen wird. Jedenfalls hab ich die meiste Zeit damit zugebracht, ungefähr eine Vorstellung davon zu haben, was ich machen will (Feuer, Leck stopfen), aber ohne Hilfe hätte ich nichts zustande gebracht. Es ist auch nicht ganz logisch, dass weder die Backstube noch die Küche etwas haben, mit dem man Feuer machen kann.

Ja, ich hab praktisch die ganze Zeit damit zugebracht, zu versuchen, die einfachsten Dinge zu tun, bzw. mich mit einem Baum zu unterhalten, und das war nicht sehr interessant, wenngleich ziemlich frustrierend.

Von der Geschichte her ist es so, dass die richtige Handlung eigentlich erst nach dem Schluss anfängt, angeblich, also auch nicht so spannend.


Ausgerechnet Mamph Pamph! von ?

Hat keinen Info-Text und keinen Autor. Okay, offenbar ist es von C++, aber das ist ja kein Name.

Das Ausmaß an Raumtext ist überwältigend. Es gibt nur zwei Räume, aber die haben wahnsinnig viele Sachen drin. Offenbar ist das Ziel des Spiels, ein kompliziertes Essen zu kochen. Man findet das Rezept in einem Kochbuch, und die Zutaten sind irgendwo. Man kann nur drei oder vier Dinge gleichzeitig tragen, man kann das Ei nicht auf den Tisch legen, Feuer machen ist einigermaßen schwierig (ein Kinderspiel gegen das vorige Spiel, natürlich), kochen ist fast unmöglich, man kann nicht schauen was in der Pfanne ist, und die Sardellenpaste hab ich nie gefunden.

Glücklicherweise, ist debug eingeschaltet, so kann man mit >tree alle Objekte sehen, und mit >purloin nehmen. Aber zu dem Zeitpunkt hab ich eh schon längst aufgegeben gehabt. Offenbar gibt es auch eine begrenzte Zeit, jedenfalls sagt die Sanduhr hin und wieder, wie spät es schon ist.

Hier ein Auszug aus meinem Transkript. Schaut das wie ein spannendes Spiel aus?

  >nimm pfanne
  >i
  >leg sauce und salz auf den tisch
  >nimm pfanne
  >leg pfanne auf herd
  >nimm streichholz
  >nimm brett
  >leg brett auf den tisch
  >nimm messer
  >küchenmesser
  >nimm zwiebel
  >i
  >leg kochbuch auf tisch
  >nimm zwiebel
  >leg zwiebel auf brett
  >schneid zwiebel
  >nimm brett
  >gib zwiebel in pfanne
  >l
  >x talgdrüse
  >gib talg in pfanne
  >nimm talg
  >i
  >leg brett auf tisch
  >leg messer auf tisch
  >nimm talg
  >gib talg in pfanne
  >w
  >o
  >lass talg
  >w
  >lass talg
  >leg talg auf tisch
  >l
  >such mamphpamph in kochbuch
  >öffne schrank
  >nimm schüssel
  >leg schüssel auf tisch
  >nimm mörser
  >leg mörser auf tisch
  >nimm entenfuss
  >leg entenfuss in mörser
  >nimm stössel
  >zerstoss entenfuss
  >l
  >zerstoss entenfuss mit stössel

Und das ist nur ein winziger Teil, und wie gesagt, ich hab nicht bis zum Ende gespielt.

Jedenfalls ist das sicher ein enormer Aufwand gewesen, und es ist auch nicht schlecht geschrieben, aber bei allem Respekt, das kann man nicht spielen. Ich jedenfalls nicht. Ein bisschen weniger Simulation und ein bisschen mehr Geschichte wär nett.


Schießbefehl von Marius Müller

Das Thema wär ja spannend.

Im Einleitungstext sind schon Fehler, und dann kann man nicht wirklich irgendwas tun, es ist nicht sehr engagierend geschrieben, und es ist sehr sehr kurz.

Beim ersten Mal erschossen werden war ich noch leicht irritiert, aber dann hab ich mir gedacht, lass ihn halt liegen, mich kümmert der Mensch eh nicht, und bin abgehaut. Offenbar kann man ihn retten, aber wozu?

Wie gesagt, viel zu kurz. Es braucht schon etwas mehr, um mich für jemandes Schicksal zu interessieren.



Ich veröffentliche keine Noten, sonst wird mir wieder vorgeworfen, dass meine Noten viel besser sind als meine Kritiken. ;) Jedenfalls ein Dankeschön an alle Autoren und den Organisator und hoffentlich bis zum nächsten Mal!


Copyright © 2011 by Sophie Frühling