S t a d t   P u l k a u
Sichtbare Zeichen der Geschichte laden Sie zu einer kurzen Besichtigung ein. Beginnend am Rathausplatz, führt die Wanderung von der Blutkirche über die ehemalige Pfarrschule zur St. Michaelskirche mit Karner. Durch den Pfarrhof gelangt man zurück über den Rathausplatz auf den Hauptplatz. Die Pestsäule und die Alte Post erinnern an vergangene Tage. Die Mattes-Mühle, der Pöltingerhof, der Rote Hof, der Gerasser Hof und Reste des Pernegger Hofs zeigen noch die einstige wirtschaftliche Bedeutung Pulkaus.
Aber zur Kultur bietet Pulkau auch den Wanderern Abwechslung und ein eindrucksvolles Naturerlebnis: Eine Wanderung durch das Landschaftsschutzgebiet Oberes Pulkautal, vorbei an romantischen Mühlen, zur Bründlkapelle, dann zur Ruine Neunegg und zurück über den Löns-Stein ist einen Tagesausflug wert. Den krönenden Abschluss könnte ein Rundblick über Pulkau und das Retzer Land von der Aussichtswarte bilden.
Das Rathaus
Der Bau stammt aus der Renaissance (16.Jhdt). Die barocke Fassade von 1659 mit ihren zwei Giebeln und der schönen Freitreppe ist zum Wahrzeichen von Pulkau geworden. Rechts im ersten Stock befindet sich der Sitzungssaal mit einer kostbaren Balkendecke. An seiner Wand ist ein Steinrelief mit dem Pulkauer Wappen, verliehen 1437 durch Herzog Albrecht V, eingelassen. In diesem Raum ist auch auf einem Ölbild aus dem 17.Jhdt die älteste Ansicht von Pulkau zu sehen.
Pranger (Rathausplatz)
Gegenüber vom Rathaus befindet sich die Gerichtssäule (Pranger) des Marktes. Pulkau wird erstmals 1312 urkundlich als Markt genannt. Bereits 1310 erscheint neben Taetzel, dem Hofrichter des Grafen Berthold von Rabenwalde-Hardegg, ein Marktrichter namens Wechsler auf. Die Säule mit der Figur des Ritters Roland stammt aus dem Jahr 1542 und ist Symbol für die niedere und hohe Gerichtsbarkeit. Während die sogenannten Schandstrafen hier am Pranger abgebüßt wurden, vollstreckte man die Todesurteile bei der Gerichtsmarter an der Straße nach Schrattenthal.
Chronos
Der Gott der Zeit (um 1590).wurde in beim Neubau des Pöltingerhofes dorthin übersiedelt. Er befand sich ursprünglich als Mauerschmuck des Gerasser Hofes in der Bründlstraße. Der geflügelte Gott weist auf eine Tafel mit der Inschrift: „Tempora mutantur et nos mutantur in illis“ - die Zeiten ändern sich und wir in ihnen.
Schottenhof (Rathausplatz)
Die Ostseite des Rathausplatzes wird durch den Schottenhof mit der Apotheke- begrenzt. Sein Erker stammt aus der Barockzeit. 1235 schenkte Konrad Graf von Hardegg diesen Hof dem Schottenstift. Hier wurde der Zehent übernommen und eine Weinschenke betrieben.
Kirche zum Kostbaren Blut Christi Kirchengasse
Sie gehört zu den eigenwilligsten Kirchenbauten Österreichs. Ihre Form ergab sich wahrscheinlich aus dem Zusammenwachsen der Corpus Christi-Kapelle mit dem quer dazu stehenden Brunnenhaus (um 1400). In den Ecken befinden sich zwei Anbauten, von denen der südliche Turm im Jahr 1703 zur heutigen Höhe von 62m aufgebaut wurde. Der Anlass zum Bau der Kirche war ein angebliches Hostienwunder, das sich um 1338 ereignet haben soll. Opfer des angeblichen Hostienfrevels waren die in Pulkau lebenden Juden, denen man vorwarf, sie hätten eine Hostie mit Nadeln durchstochen, worauf sie zu bluten begonnen hätte. Die Judenverfolgung griff auf mehrere Städte in NÖ und Mähren über. An Stelle der Judenhäuser von Pulkau wurde die Blutkirche errichtet. 1988 wies Friedrich Lotter nach, dass das „Wunder“ eine Fälschung und der „Frevel“ eine Verleumdung waren. Der eigentliche Grund der Judenverfolgung lag in den geldaufwendigen Kriegen der früheren Habsburger gegen Böhmen, unter denen Pulkau und das Weinviertel schwer gelitten hatten.
Der im Inneren befindliche spätgotische Flügelaltar wurde um 1515 vollendet. Das Konzept des Altares und die Predella-Bilder stammen vom Pulkauer Meister, Niclas Preu. Die Chronologie der Passion Christi umfasst folgende Szenen:

Chronologie der Passion Christi umfasst folgende Szenen:
1: Einzug Christi in Jerusalem
2: Das letzte Abendmahl
3: Ecce Homo
4: Verurteilung durch Pilatus
5: Veronica m d Schweißtuch
6: Kreuzigung
7: Abnahme Christi v Kreuz
8: Grablegung

Verfolgt man die Chronologie, so geht der Blick mehrmals diagonal über den Altar. Der Kreuzungspunkt befindet sich einmal diagonal über dem Altar und das zweite Mal an der Herzwunde der großen Christusstatue im Schrein. Christus, flankiert vom hl. Bartholomäus und dem hl. Sebastian als früheste Blutzeugen, trägt zugleich die Merkmale der Passion und der Auferstehung - Dornenkrone, Königsmantel und Wundmale der Kreuzigung. Über dem Altarkasten befindet sich die Figur des NÖ Landespatrons der Hl Leopold Links neben dem Hauptaltar steht eine Holzschnitzplastik, ebenfalls aus der Donauschule um 1520. Sie stellt den Tod Mariens dar.

Ehemalige Pfarrschule (Kirchengasse 12)
Bereits um 1397 wird ein scholarum rector Michael genannt. Bis zum Jahr 1450 gingen nicht weniger als 14 Studenten aus dieser Schule hervor, welche in Wien an der Universität weiter studierten. Der prominenteste von ihnen war Petrus Czech de Pulka, auch de Horn, de St. Bernhard genannt, welcher dreimal Rektor der Uni Wien wurde. Er vertrat diese Universität beim Konzil von Konstanz (1414 -1418), welches zur Verurteilung und Verbrennung von Jan Hus führte. Dieses Konzil einigte sich auf einen einzigen Papst und beendete das Kirchenschisma. Mit dem Neubau der Bürgerschule nächst der Kirche zum hl. Blut im 18. Jhdt, wurde die Schule dorthin verleg
Pfarrkirche St Michael
Sie steht auf einer urzeitlichen Anlage, deren Erdwälle bis heute sichtbar sind. Ursprünglich im Besitz der Babenberger, gelangte die Kirche 1155 als älteste Schenkung an das Schottenstift von Wien. Charakteristisch für diese Zeit ist der mächtige Chorturm, der wie ein Bergfried als Zufluchtsstätte in Kriegszeiten diente. Die ursprünglich einschiffige Kirche wurde noch in der Romantik um eine Wehretage über der Decke erhöht, wodurch auch der Turm erhöht werden musste. Die Schießscharten dieser Wehretage sind heute nur von innen zu sehen. In Friedenszeiten übernachteten hier die Pilger, die ins Heilige Land zogen. Von der ursprünglich romanischen Apsis erhielt sich nur der Michael-Stein (Seelenwaage) an der heutigen Südwand des gotischen Chores. Im Inneren der Kirche fällt der wuchtige Triumphbogen mit den romanischen Würfelkapitellen (12.Jhdt) auf. Die ehemalige romanische Adelsempore trägt die 1763 errichtete Jeßwagner-Orgel, die bei Kirchenkonzerten und Messen erklingt. Die Katharinen-Kapelle an der Vorderseite wurde um 1270 als adelige Begräbnisstätte angebaut. An der Wand ist ein Fresko vom Martyrium der hl. Margaretha und darunter der hl. Katharina aus der ersten Hälfte des 14. Jhdts. Das Bild dieses Seitenaltars stammt aus der Troger-Schule. In der Sakristei befinden sich bemerkenswerte Kapitelle aus dem Übergangsstil um 1270. Eines davon zeigt zwei verschlungene Drachen als Symbole für die Urkräfte der Natur. Unter diesem Raum befindet sich die vom Altarraum aus zu erreichende Krypta. Als Erbauer kommen Graf Heinrich von Dewin-Hardegg und seine Gemahlin Wilbirgis in Frage. Ungefähr um 1300 entstanden der gotische Hauptaltarraum mit der Figur des Erzengels Michael und die südliche Seitenkapelle
Karner (Beinhaus, Ossarium)
Seine Form als Rundkapelle verdankte er den Kreuzfahrern. Man wollte in der Heimat eine Nachahmung des hl. Grabes von Jerusalem haben. Um 1250 von den Grafen von Plain-Hardegg gestiftet und dem hl. Bartholomäus geweiht, wurde er um die Mitte des 14. Jhdts mit den gotischen Giebelspitzen versehen. Bemerkenswert ist das spätromanische Portal mit dem Zackenfries und den Lilienkapitellen. Das Hauptwerk dieser Giebelspitzen befindet sich in Ják in Westungarn. Die Figuren auf den Giebelspitzen stellen den Pantokrator, das Stifterpaar, eine vierblättrige Rose und einen Pelikan dar. An der Spitze des Karners befindet sich ein sogenantes Jerusalem-Kreuz. Im Inneren des Karners haben sich noch mehrere Weihekreuze erhalten. Als Schlussstein ist ein Christuskopf zu sehen. Im Rundbogenfenster ist als gotische Glasmalerei die hl. Helene zu sehen. Das Gemmenkreuz über dem Altar wurde anlässlich des Papstbesuches im Jahre 1983 geschaffen
Der Pfarrhof und das Europahaus
An Stelle eines alten Gebäudes aus dem 13.Jhdts wurde um 1700 dieser dreiflügelige Bau mit Barockfassade errichtet.
Hauptplatz
Er wird von der Pestsäule (Dreifaltigkeitssäule) beherrscht. Sie wurde 1778 errichtet und soll an die 1679-1681 in Pulkau wütenden Seuche erinnern, die 600 Opfer gefordert hat. Auf einer schön gewundenen Säule thront hoch oben die Allerheiligste Dreifaltigkeit. An den Ecken der Steinumfriedung stehen die Statuen der Jungfrau Maria, des hl. Johannes, des hl. Florian und des hl. Sebastian
Alte Post (Hauptplatz5)
Im Hof befinden sich noch Steintröge für die Pferde. Pulkau war ein wichtiger Etappenort auf der Hauptstraße von Wien nach Prag. Von hier führte die Straße über Weitersfeld und Langau nach Böhmen. Unter Kaiserin Maria Theresia wurden Verkehrswege neu angelegt. Sie führten abseits von Pulkau, die eine über Horn, die andere über Znaim nach Prag, womit die wirtschaftliche Bedeutung Pulkaus seither abnahm
Mattes-Mühle (Hauptstraße 22)
Der Gebäudekomplex, in den an der Straßenenge den ein Pfeiler des ehemaligen Stadttores eingebunden ist, gehört zu den wenigen Bauten in Pulkau, in denen Schmuckelemente aus der Renaissance vollständig erhalten geblieben sind. Der Kern dieser alten Herrschaftsmühle geht ins 14.Jhdt zurück. Im Inneren befindet sich noch Tonnengewölbe mit Perlstabmuster. Das eigentliche Mühlengebäude weist rote Sgraffiti mit der Jahreszahl 1592 auf. Der Arkadengang im Westtrakt des Hofes ist mit Sgraffiti gestaltet und nennt den Erbauer Joseph Haselpach neben dem Renovierungsjahr 1723 und einem Mühlrad als Wappen.
Pöltingerhof: (Rathausgasse
Ursprünglich im Besitz der Hardegger Grafen, gelangte er 1322 an die Augustiner Chorherrn von St. Pölten. Nach einem Brand 1709 ließ ihn Probst Christophorus Müller in seiner heutigen Form wieder aufbauen. Die Fassade in der Rathausgasse wurde von Jakob Prandtauer gestaltet. In diesem Haus mit wunderschönen Stuckdecken huldigten 1712 die NÖ Stände dem Kaiser Karl VI. bei seinem Regierungsantritt, als er sich hier auf der Durchreise von Prag nach Wien befand. In der Zeit der Napoleonischen Kriege (1808) diente das Gebäude als Lazarett für die an Typhus erkrankten Soldaten. Heute befindet sich hier das städtische Museum und ein neuerbautes Kulturzentrum, sowie angrenzend der Stadtsaal
Mariensäule (Brückenplatz)
Sie stammt aus dem Jahre 1695 und stand ursprünglich auf der oberen Brücke, die damals aus Stein und die einzige Brücke von Pulkau war. Sie wurde im Cholerajahr 1832 an diesem Platz gebracht.
Hier beginnt die Eggenburger Gasse, ein Teil der alten Poststraße von Wien nach Prag, die im Bereich des Roten Hofes noch das mittelalterliche Pflaster trägt
Roter Hof (Eggenburger Gasse 18)
Er stammt aus dem 16. Jhdt. und gehörte einst Adam von Traun, Herr auf Wildberg und Aggstein. Er diente als Zehenthof dieser Grundherrschaft. Das Presshaus im Keller birgt noch die riesige Doppelpresse
Gerasser Hof (Bründlstraße 31)
Heute sieht man an der Fassade nur noch die Apsis und den Renaissance Eingang der ehemaligen Margarethenkapelle, die Teil des Zehenthofes des Stiftes Geras war
  Pernegger Hof (Bründlstraße 37)
Von der ehemaligen Ahnenkapelle dieses Hofes hat sich nur eine leichte Mauerkrümmung an der Hausfront erhalten. Die zwei letzteren Höfe gehen auf Stiftungen des Grafen Konrad von Plain-Hardegg aus dem Jahre 1240 zurück. Unter Kaiser Joseph II. wurden beide Kapellen säkularisiert.
Bründlkapelle um 1724
Die Quelle, der man Heilkräfte nachsagt, ist wahrscheinlich schon in der Urzeit bekannt gewesen. 1702 wurde nach der Pest die erste Holzkirche und 1724 eine Steinkapelle gebaut. Alljährlich findet am 2. Juli das Bründlfest der Wallfahrer statt.
  Burg Ruine Neudegg (Neuneck)
Die erste Bauphase der Burg dürfte schon vor 1150 liegen, in der 2. Phase wurde sie Mitte des 12. Jhdts umgebaut. 1390 wurde sie urkundlich erwähnt. Die Ruine liegt im Landschaftsschutzgebiet im Oberen Pulkautal, das durch Silikattrockenrasen und mächtige Granitformationen gekennzeichnet ist. Sie war Teil der Befestigungsanlage
  Löns-Stein (Am Haidberg)
Gedenkstätte seit 1932 für den Heidedichter Hermann Löns (1866 - 1914). Er schrieb Natur- und Heimatdichtungen und Tiergeschichten. Seine Lieder wurden von zahlreichen Komponisten vertont.

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