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Zu unserer Arbeit |
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Unsere fotografische sowie filmische Arbeit bewegt sich im
Bereich der Inszenierung und/oder Komposition. Die Themen sind
dabei oft biografischen Ursprungs, sei es in Form von Erlebtem oder
Gesehenem, sei es in Form von Fundstücken aus Wissenschaft,
Kultur, Medien. Die Verarbeitung des Ausgangsmaterials erfolgt
mittels geistiger sowie materialer Manipulation: Medientheorie wird
in den Arbeiten reflektiert, imitiert, persifliert;
Langzeitbelichtungen, Lochkameraaufnahmen, Doppelbelichtungen etc.
finden sich als stilistische Mittel. Ergebnisse werden in Form von
Fotoserien, Objekten, Rauminstallationen präsentiert. Ein
erzählerischer Kern bleibt stets erhalten, der selbst wieder
Ausgangspunkt für neue Assoziationen und Geschichten sein kann.
Die Präsentation unserer Arbeiten erfolgt zum Teil mittels
Displays, die aus populären Bereichen wie Werbung, Tourismus,
Massenmedien - wie etwa Fotowürfel, Leporellos,
Zeitungsbeilagen, Leuchtkästen - kommen und diese mit anderen
Inhalten füllen. Dabei werden diese Präsentationsmedien
aus ihrem massenhaften Zusammenhang gelöst und als
Einzelstücke oder Serien in einen Fotoobjektcharakter
überführt, der mit dem Spannungsfeld zwischen
Populärästhetik und Kunstobjekt spielt. Film- bzw.
Videoarbeiten werden immer wieder im Hinblick auf Installation,
Skulptur oder Mehrfachprojektion realisiert. Dieses breit angelegte
Spektrum an Präsentationsformen soll uns als
Medienkünstler die Bewegungsfreiheit zwischen den
verschiedenen Kategorien medialer Inszenierung (vom Kino bis zum
Projektraum) erhalten und darüber hinaus ermöglichen, die
für uns interessanten Ränder und Überschneidungen
von Medienprodukten zu erforschen. |
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Translation |
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Das Projekt TRANSLATION basiert auf der Vorstellung, dass in jeder Sprache eine andere Sprache verborgen ist. Dies ist eine zugleich poetische, sprachwissen-schaftliche, musikalische und medientheoretische Vorstellung. Sie ist aber auch das Ergebnis eigener Erfahrung. Wer kennt nicht das Phänomen, dass man plötzlich in einer Fremdsprache - z.B. einer tschechischen Radiosendung - deutsche Fetzen zu verstehen meint. Oder dass man etwas hört, was überhaupt nicht gesagt wurde. Die Idee, dieses Phänomen systematisch zu verfolgen, wurde durch meine Praxis im Videoschnitt bestärkt, wo es häufig vorkommt, dass mitten im Satz oder manchmal sogar im Wort geschnitten wird und das mit durchaus plausiblen Ergebnissen.
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flugs |
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Ich habe meine Arbeit an der Bilderserie "flugs" im Sommer 2002 begonnen. Seitdem beschäftige ich mich kontinuierlich mit dem Thema Fahren und Wahrnehmung. Die Bewegung in einem Fahrzeug, sei es im Auto, Zug, Schiff oder auf dem Fahrrad ruft eine spezielle Bildwahrnehmung hervor. Diesen Fluss der Bilder halte ich mit Fotografie und Video fest. Ein Widerspruch, ich weiß, doch das festhalten macht es möglich, dem Bilderfluss bleibende und damit wiedergebbare Eindrücke zu entreißen. Dabei sind die Konzepte zu Fotografie und Video etwas unterschiedlich:
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Zu den Doppelbelichtungen |
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In unseren neueren fotografischen Arbeiten beschäftigen wir
uns mit Doppel- und Mehrfachbelichtungen. Mit dieser Technik
erweitern wir unseren Montagegedanken ins Innere der Bilder. Die
langjährige Beschäftigung mit elektronischen Medien
bildet die assoziative Folie für den geschichteten Bildaufbau.
Wipes, Keys, Superimpose sind die Grundgrößen des
Videomischers, Untertitel, Blenden, Stanzen nehmen den Film auch
noch mit. Wir verwenden dafür aber nicht die diesem Vokabular
nachempfundenen Features diverser digitaler
Fotobearbeitungsprogramme, unsere spezielle Ästhetik ergibt
sich daraus, dass die Belichtungseffekte in der Kamera erzielt
werden. Dadurch entsteht eine mittlerweile ungewohnte Weichheit,
ein Rest von dreidimensionaler Illusion, Fotografien die digital
sein könnten, es aber nicht sind. Die Serien werden in
verschiedenen Formaten, in Dreierserien, Einzelbildern,
Viererserien, hinter Plexiglas, zwischen Glas, auf Aluminium und
auch wieder in Leuchtkästen präsentiert. Wir verstehen
diese Werkgruppe auch als Station einer 20-jährigen
Medienarbeit, in der Grundfragen zum elektronischen Bild, zum
chemischen Bild, zum Schnitt, zur Blende diskutiert wurden. Trotz
aller Erfahrung, nein wegen aller Erfahrung, dem Zufall wird Raum
gegeben. Die Ungenauigkeiten, die er schafft, sind präzise. meanwhile
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Reilluminierte Fahrplanzylinder |
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Seit September 1996 betreiben wir eine permanente
Fotoinstallation am Ort der ehemaligen Fahrplanhinweise am Wiener
Südbahnhof. Unser Konzept ist einfach: Wir stellen Fotoserien her, die
Narration und optische Prägnanz so verbinden, dass ein
Bahnhofslaufpublikum angeregt wird, diese Zylinder wieder in
Betrieb zu nehmen. Die Verbindung von Kinetik (Drehbarkeit der
Zylinder) und Lichtprojektion (Beleuchtung der Zylinder) assoziieren
wir mit einem Animations-Effekt, die Serien mit ihrer "Story" -
auch wenn diese nur angedeutet ist - kommen dieser Assoziation
entgegen. Da wir uns in all unseren Medienarbeiten (Fotostories, Filme,
Installationen) einerseits mit dem Thema Erzählung - Serie,
anderseits mit dem Thema Licht (Leuchtkästen, Projektionen,
Durchleuchtung usw.) beschäftigen, verbindet sich für uns
der serielle Charakter dieser Installation (5 Bilder) ideal mit
ihrer Form als Leuchtobjekte. Die Drehbarkeit bietet die
interaktive Kontaktaufnahme des Betrachters, der Betrachterin mit
der Arbeit und verweist zugleich auf unsere Vorliebe für das
Aufspüren von (scheinbaren und wirklichen) Parallelitäten
unterschiedlicher Medien (z.B. das Foto als Filmstill, der Zylinder
als Gebetsmühle, die Fotostory als literarische Form
usw.) |
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Gedächtniskunst |
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Gedächtniskunst und Eselsbrücke oder
Geschirrständer und Seemannsgarn |
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Experiment of the Month |
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Die Arbeit "Experiment of the Month" bezieht sich in ihrem Titel auf eine Kolumne im Magazin "Spektrum der Wissenschaft" (die deutsche Ausgabe des "Scientific American"), in der regelmäßig auch für Laien verständliche wissenschaftliche Experimente beschrieben werden. ( ... >>) Zwei solcher
Experimente waren der inhaltliche Ausgangspunkt für unser
Filmobjekt, das 1997 in einem Artist in Residence Aufenthalt in
Canada entstanden ist: Die Eislinse und der Grinsekatzeneffekt. |
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Visitez ma tente |
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Es ist ein Regentag. Er eilt nach Hause. Ein Mann mit Papiersack kommt ihm entgegen. Durch den Regen aufgeweicht, reißt der Boden. Der Mann bückt sich, um die ins Nasse gefallenen Papiere aufzuheben. Er meint, im Vorbeigehen auf ihnen ausgeschnittene Nacktfotos zu sehen. Die Begegnung dauert nicht länger als 10 Schritte. Der Eindruck "es sind Pornos" wird in zwei Schrittlängen gebildet. Mit seinen roten Lackhandschuhen zieht er die schwarze Strumpfhose vor und lässt Schokopudding hineinplumpsen. Er drückt auf den Pudding, schiebt ihn zwischen die zusammengepressten Beine. Die gallerte Masse schmilzt und rinnt an den Schenkeln herab. Er fühlt den Raum, es ist ein Frisiersalon, obwohl er nichts erkennt, was darauf hindeutet. Er fühlt sich wohl, obgleich alles dagegen spricht. Ihr Bauch wird von mehreren Händen befühlt. Dreimal
die selben Fragen, dreimal die selben Antworten. Als die
Elektrokontakte im Gelee auf ihrer Haut schwimmen, bekommt sie
Angst. Im TV wird eine Bauchdecke geöffnet. Im Glas ruht eine
Schlaftablette. An der silbernen Oberfläche spiegelt sich ihr
immer wieder das fleischfarbene Bild eines gesunden Körpers.
Über Nacht wächst ihr ein zarter Schwanz. Zwei
verschlungene Geschichten erzählen von Joghurt und
Schokopudding. Einmal weiße Spitzenstrümpfe, einmal
schwarze Strümpfe mit eleganterem Slip. Die Klinge fährt
auf und ab. Die Spritze dringt nun rechts ein. Heute spurlos
gegenüber vier blauen Blutseen. Danach kommen Fische.
Unkenntlich bis zu Senfgurken winden sie sich um Handschuh und
Höschen. |
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Doppeltes Spiel |
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Ist etwas geschehen ? Eine Frage, die sich wie ein Fadenspiel über eine Medieninstallation legt, die Gedanken an mögliche Verbrechen aufkommen und zugleich wieder anzweifeln lässt. Als ob man im Kopf eines Kriminalisten verkehren würde, kann man die gesehenen Bilder als harmlos oder verdächtig interpretieren, als Fiktion oder Realität, je nach dem Zusammenhang, den man herstellt.
Sie hat ihren Pass dabei, sie landet sofort auf der Terrasse
über dem See. Blasser Mond, junge Herren, viel Wein, ein
wunderbares Haus, Gesang. Ein äußerst gefährlich
aussehender Mann bewegt sich durchs Foyer. Sie weiß, dass er
ihr Untergang wäre. Sie würde ihn hassen, seine
dünnen Locken am Nacken, sein drogenmissbrauchtes Gesicht. Im
Zoo hatte sie gesehen, wie riesige Schmetterlinge aus ihren Kokons
schlüpften. Ein älterer Herr hatter erklärt, dass sich die
Puppen vollkommen auflösen, bevor sie zu Schmetterlingen
werden. Im Kokon ist nur ein formloser Brei. Jack bringt die
Zeitung ans Krankenbett ihres Vaters. Als sie aus dem Krankenzimmer
tritt, wird ein Bett vorbeigeschoben, das vollkommen mit einem
Leintuch bedeckt ist. Darunter eine schmale Gestalt. Auf einem
großen Pappschild, ans Bett gebunden, steht "STROKE". |
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Goethes Farbenlehre |
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"Als ich gegen Abend in ein Wirtshaus eintrat und ein
wohlgewachsenes Mädchen mit blendendweißem Gesicht,
schwarzen Haaren und einem scharlachroten Mieder zu mir ins Zimmer
trat, blickte ich sie, die in einiger Entfernung vor mir stand, in
der Halbdämmerung scharf an. Indem sie sich nun darauf
hinwegbewegte, sah ich auf der mir entgegenstehenden weißen
Wand ein schwarzes Gesicht mit einem hellen Schein umgeben, und
die übrige Bekleidung der völlig deutlichen Figur
erschien von einem schönen Meergrün." (aus: Goethe,
Johann Wolfgang von: Farbenlehre, Stuttgart 1979) |
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