Silvester 1978/1979:

Mein ERSTESMAL! Ich weis es noch als wenn es heute gewesen wäre. Es war in einer lauen Silvesternacht, und die Luft in der Gemeindewohnung wo wir eingeladen waren, war gefüllt mit Zigarettendunst, üblen Mundgerüchen und billigsten Damenparfums. All die eingeladenen Paare tanzten im Wohnzimmer wenn auch nicht immer miteinander. So kam es schon vor, dass der stockbesoffene Hausherr mit einem umgehängten Kinder-Winnetougewehr und einem riesen Pflaster am Hirn (weil er schon vorher im Suff mit einer unkooperativen Kastenecke kollidiert ist) mit einem nicht weniger besoffenen Herren tanzte, welcher den Indianer mimte. Dies war auch für uns anwesende Kinder leicht zu erkennen, da er sein Haupt mit einer wunderbar schwuli-anmutenden rosa Feder im Haupthaar zierte. Und dann sah ich sie. Ich war sofort hingerissen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Wie sie so dastand, ganz alleine in der Nähe des Balkons, all ihre Rundungen an den richtigen Stellen, Schweißperlen rannen über ihren Hals, und erstmals in meinem so kurzen Leben verspürte mein sechsjähriger Körper ein echtes Verlangen. Als Papa sich ihr dann näherte und die Sektflasche öffnete, war es für mich beschlossene Sache, ich musste etwas von dieser köstlichen Flüssigkeit zu mir nehmen, und das Schicksal sollte es gut mit meinem Freund und mir meinen. Die gefüllten Sektgläser standen am Fensterbrett und waren unbeaufsichtigt und unbenutzt, denn die Erwachsenen waren mit dämlichen Gesellschaftstänzen beschäftigt. Mein um zwei Jahre älterer Freund lief zum Fensterbrett, nahm ein Glas, und trank es in einem Zuge leer, danach flüchtete er ins Kinderzimmer. Als ich ihn trinken sah, konnte ich mich natürlich auch nicht mehr halten und tat es ihm nach. Im Kinderzimmer war es dann kurzzeitig ziemlich lustig, der Höhepunkt war dann erreicht, als es meinem Freund aus seinem ledernen Drehsessel fetzte, und er mit einem wunderbaren Bauchfleck auf dem Boden aufschlug. Mein Gleichgewichtssinn war aber auch nicht viel besser, da ich beim anschliessenden Pippi-gehen gleich mal frontal in den Türstock der Häusltür krachte.

Stamperlwertung: 1

Zutaten: 1 Glas Sekt ex trinken und Inhaber eines kindlichen Körpers und Geistes sein.

Rauschgattung: leichter Damenspitz

Nachwirkungen: Keine Nenneswerten, kurzzeitiges angenehmes Rauschgefühl mit Gleichgewichtsstörungen, eventuelle Beeinträchtigung durch Schreikrämpfe der Kindesmutter falls diese über eine scharfe Beobachtungsgabe verfügt.

Der Martinifetzen 1986:

Das erste alkoholische Getränk, dass mir untergekommen war und nicht Wein oder Bier war (und vielleicht Schnaps und Gin, wie soll ich das heute noch so genau wissen) hieß Martini Bianco. Das mit dem Sekt zählt nicht, da war ich ja noch ein Kind und Kinder trinken nicht. Jawohl! Na jedenfalls hat sie mich ganz frech aus der Wohnzimmerbar angelächelt. Die Martiniflasche, zwischen all den anderen Schönheiten. Aber für mich war klar, es gibt nur sie für mich. So wie mir einige Jahre später klar werden sollte, dass ich meine ultimative Traumfrau vor mir hatte, und die unglaubliche Ehre ein Monat mit ihr zusammenarbeiten zu dürfen. Im Gegensatz zur Traumfrau wagte ich mich an die Flasche ziemlich selbstbewusst heran, und verbrachte einen traumhaften Nachmittag mit ihr auf der Wohnzimmercouche. Schließlich schlief ich dann noch mit ihr. Und als ich so dahinschlummerte, sie mit meinen Armen fest umschlossen hielt, und liebliche 60er-Jahre LoveSongs leise aus der Stereoanlage trällerten, da platzten meine Eltern in die Idylle und es gab ein murdsdrum Trara!

Stamperlwertung: 2,5

Zutaten: 1 Flasche Martini, etwa 2/3 voll

Rauschgattung: schwerer Damenspitz

Nachwirkungen: temporärer Gehörschaden ausgelöst durch mütterliche Zurechtweisungen, ansonsten normale Rauschnachwirkungen.

Tanzen ist zum Kotzen! 1987:

Vorneweg muß ich gleich mal eine meiner Verschwörungstheorien offenbaren: Die Weiberleut jeglichen Alters halten echt zusammen wie Pech und Schwefel. Da werden aus ganz normalen Müttern sklaventreibende Furien die ihre ahnungslosen und schutzbedürftigen Söhne in die Arme geifernder Tanznymphomaninen treiben. Nicht das ich etwas gegen Musik habe, oder Mädels im Arm zu halten, beides möchte ich nicht missen, aber als Mann stoßt man da schon schnell an die Grenzen seiner Koordinationsfähigkeit. Schließlich kommen da ja noch irgendwelche mongoliden Schrittfolgen hinzu, ein nicht allzuverkrampftes Lächeln soll in deinem Antlitz prangen, und während der ganzen Plagerei sollst noch irgendwelche glaubwürdigen Lügen .. ähhh .. Komplimente loslassen. Na jedenfalls terrorisierte mich meine Mutter solange bis sie aus meiner gepeinigten Erscheinung ein "Ja" für einen Tanzkursbesuch entlockt hatte. All meine Klagen bei den nationalen Beschwerdestellen für 15-jährige Bubis (Brückenpfeiler, Herrenpissoirs, Salzamt, ..) wurden ignoriert. Mein werter Herr Papa, seines Zeichens selbst ein tänzerischer Wecken, war bei dieser Frage auch nicht gerade eine große Unterstützung. "Jo Bua, des g'hert hoid dazua, des muaßt kenna, de Madln stengan hoid auf des!" verraten und verkauft vom eigenen Vater, so ein Judas! Ergo, wurde ich jetzt jeden Freitag in einen Anzug gesteckt, meine freiheitsliebenden Fussi in Lederschuhe verbannt, und irgendein angeblich schmückender Stofffetzen möglichst streng um meine Gurgel gezogen. Und irgendwie verspürte ich so eine Art Seelenverwandtheit mit gehängten texanischen Viehdieben des 19.Jahrhunderts. Mit gesenkten Haupt zappelte ich jeden Freitag Abend zur Straßenbahn, inständig hoffend keinen Halbstarken zu treffen, der mir schon aufgrund meines Lackaffenaufzuges, meiner Meinung nach völlig zurecht, eine auf die Pappalatur gibt. Und dann war es soweit, ich stand beim Eingang zur Tanzschule Elmayer, lieferte meine 40 Schilling Eintritt ab, und schlupfte in meine schneeweißen Handschuhe um das Bild vom noblen Oberkellner noch zu komplettieren. Voller Erwartung betrat ich den Tanzsalon und fühlte mich gleich als wär ich am Opernball. Und als ich so den prominierenden Paaren und die noch haufenweise frei herumstehenden Mädels erblickte, kam mir sofort die Elmayereröffnung am Opernball in den Sinn: "ALLES SCHEISSE!" oder so ähnlich! Es gab genau 2 Mädels die mir gefielen, aber die waren natürlich eh schon mit Freund da. Am vierten Abend hatte ich neun!! Mädchen in einer Stunde. Klingt gut war es aber nicht, da meine Lederschuhe nicht stöckelabweisend waren, meine eigenes Tanztalent weit unter dem eines russischen Tanzbären einzureihen ist, und das Charisma meiner Partnerinnen auch durch heftigstes herumwirbeln nicht zu steigern war. Einen fünten Tanzabend gab es nicht. Ich trug ab sofort meine 40 Schilling in den nahe gelegenen Augustinerkeller, und investierte sie in Dessertwein (Refosco). Eines Tages legte ich noch etwas Geld dazu und genehmigte mir zwei Viertel Refosco, blöderweise auf nüchternen Magen, weil ich eigentlich nie frühstücke, und die Pausenbrote von Mami in dieser Phase einen etwas vitaminhältigen Einschlag hatten. Auf der Heimreise fühlte ich mich dann doch etwas dämlicher als sonst, und als ich zu Hause war besuchte ich gleich mal das WC. Dort verpasste ich meinem weißen Hemd und meinen schwarzen Anzug einen patriotischen, tiefroten Touch. Scheinbar war ich damals noch sehr ordnungsliebend, denn im Vorzimmer hängte ich die Sachen noch fein säuberlich auf, sagte meine Eltern gleich gute Nacht und ging schlafen. Als ich am Samstag dann von der Schule heimdackelte, wäre ich auch gerne schlafen gegangen, denn meine liebe Mutter wartete schon. Diese Aktion war es aber allemal wert, da ich ab dann nicht mehr in die Tanzschule gehen musste, und ich habe auch bis zum heutigen Tage kein einziges mal mehr getanzt.

ANMERKUNG: Das Nichttanzen führt in unserer Gesellschaft allerdings zu etlichen Problemen. Wenn die beste Freundin der Mutter ihren 50. Geburtstag feiert und jedes männliche Wesen im Saal zum Tanz auffordert, und du dann der Einzige bist der partout nicht mit ihr tanzen will, dann ist das ein Problem. Das Ganze artet dann zur Peinlichkeit aus, wenn sie deine Tat lautstark im ganzen Raum kundtut. Eine auch sehr gefährliche Region sind Lokale mit Tanzflächen, da muß man verdammt schnell aufs Klo starten wenn Damenwahl ist und man schon von einem Augenpaar anvisiert wird.

Stamperlwertung: 3

Zutaten: mind. 2 Viertel schweren Dessertwein auf nüchternen Körper.

Rauschgattung: Massive ölung

Nachwirkungen: Müdigkeit, Schwindelgefühle, Erbrechen

Die Wodkabombe 1989:

Das "Atrium" liegt wunderbar gelegen in Sichtweite des Hochstrahlbrunnens am Wiener Schwarzenbergplatz und fungierte seinerzeit als so eine Art Stammlokal für eine Gruppe Jugendlicher wozu ich mich allerdings nie richtig hinzuzählte. (Die soffen ja wie die Löcher, und hatten alle 2 bis 3 Wochen wem anderen fürs Bett.) Ich gehörte also eindeutig nicht hinzu, da ich bei weitem nicht so trinkfest war und in meinem Bett landete ich nur mit meinen verstaubten Stofftieren die laut Mami schon uralt sind und deshalb sicher irgendwas Wert sein müßten. (Sind aber auch schön weich, im Gegensatz zu so mancher herumwandelnden Fischgräte, die in den Betten meiner Freunde endeten.) Eines Abends bereitete sich unser Trupp beim Hochstrahlbrunnen seelisch und physisch auf den Abend im "Atrium" vor. Die seelische Vorbereitung ist mir entfallen, die physische war eine Flasche Wodka. Das Problem war die Freundin eines guten Freundes. Scheinbar hatte sie den teuflischen Plan beschlossen ihren Habschi halbwegs nüchtern nach Hause zu bekommen, und die völlig irrige Ansicht über mich, dass ich gerne trinke. Eine fatale Konstellation, da ich ja mehr der devote Typ bin, völlig hilflos und ausgeliefert wenn ich einer störrischen Frau gegenüberstehe. Und während meine Tränen das Wasser des Hochstrahlbrunnen salzten, opferte ich mich heroisch für meinen Freund, und kippte innerhalb von fünf Minuten über ein Drittel der Wodkaflasche in mich hinein. Danach watschelten wir ins Lokal und verstreuten uns. Nicht lange danach verstreute ich auch gleich meinen Mageninhalt im Lokal, radierte mit meinem Hintern die Ziegelmauer abwärts entlang, und landete in so einer Art Flugzeugnotlandungshaltung, die in Fachkreisen auch als "Mir_gehts_gut_mir_ist_nur_ gerade_die_Farbe_aus_dem_Gesicht_gefallen-Stellung" bekannt ist. Wie lange ich da so vor mich hin meditierte weis ich leider nicht mehr, jedenfalls wurde ich dann von einen Kellner an die Luft gebracht, wurde von irgendjemanden in Richtung Heimat gedreht, und torkelte los. Und jetzt kommt das Verblüffende: Obwohl ich normal den Orientierungssinn einer einäugigen Seekuh auf Landgang habe, Ich fand nach Hause! Bin zwar am nächsten Morgen mit Blasen an den Füssen erwacht und laut Eltern viel später als normal daheim gewesen, aber daheim!

Stamperlwertung: 4

Zutaten: in möglichst kurzem Zeitintervall mind. 1/3 Flasche Wodka einnehmen.

Rauschgattung: infernalischer Fetzen

Nachwirkungen: Appetitlosigkeit, immens gesteigerte Schlaffähigkeit

Der legendäre Badezimmerrausch von 1989:

Einige Jahre bevor ich aus dem elterlichen Haushalt auszog und zum Warmduscher mutierte, war ich begeisterter Schaum-Wannenbader. Nicht nur weil meine Haut so schön weich wurde, dass ich mich knapp vor dem Einschlafen immer selbst für meine nicht vorhandene Freundin hielt, sondern vor Allem weil man ziemlich viel vor den Eltern im Schaum verstecken konnte. So zum Beispiel eine Cherryflasche! Schliesslich muß man ja die Bestandteile von eventuellen "Büchsenöffnercocktails" selbst mal genauer unter die Lupe nehmen, damit man Situationen besser einschätzen kann. Allerdings war an diesem Tag die elterliche Gefahr gar nicht gegeben und so konnte ich mir in aller Ruhe die Walkmankopfhörer auf meinen Schädel tremmeln, und mich mit meiner Flasche von den 36 Grad warmen Fluten langsam in den wohlverdienten Schlaf lullen lassen. Allerdings kann das Aufwachen doch mit einem ziemlichen Schrecken einhergehen, wenn das Badewasser aufgrund von Cherryauslauf einen gewissen roten Touch bekommt.

Stamperlwertung: 1

Zutaten: 1/2 Flasche Cherry

Rauschgattung: Damenspitz

Nachwirkungen: Kopfweh, da die Strafpredigt der Mutter etwas laut und lange ausfiel. Der geübte Trunkenbold ersetzt die Flasche natürlich durch eine neue was ich damals aber leider nicht tat.

Schikurs Schladming 1990:

Lehrer, vorallem HTL-Professoren, sind eine garstige abartige humanoid aussehende Erscheinunfsform von Leben, deren größte Freude darin besteht, Jugendlichen den Alkoholgenuss in ihrer Schikurswoche zu vermiesen. Und da meine damaligen Freunde als ziemliche Tschecheranten verschrien waren, mussten wir besondere Raffinesse an den Tag legen. (Frag mich bis heute wo wir die damals herhatten!) Ein Freund und ich schmuggelten einen nicht unbeträchtlichen Weinvorrat in unser Zimmer während die anderen Beiden aus meinem Zimmer, und noch ein paar Andere, ein unfreiwilliges Ablenkungsmanöver lieferten, die wurden nämlich in einem anderen Raum gerade zusammengestaucht, weil sie beim trangeln erwischt wurden. Wir schraubten währenddessen mein Stockbett auseinander und lagerten die Flaschen in einem Hohlraum. Ich schlief also eine Woche lang auf unserem Depot (ölberg), und eines Abends kam es so wie es kommen musste, ich war stockbesoffen (angeblich, ich glaubs ja nicht so ganz) und die Kollegas warens nicht viel weniger, aber ich muss in diesem Fall ihren übereinstimmenden Aussagen glauben schenken. Angeblich hatte ich eine ziemlich gute Seehundnummer drauf, indem ich eine Flasche auf der Zeigefingerkuppe auf der Stirn und auch auf der Nase zu balancieren versuchte und dabei immer "Balance, Balance" (so gesprochen wie man schreibt) von mir gab. Dann gab es da noch die Nummer des "Zimmertarzan", ich klammerte mich an den oberen Teil des Stockbetts zog die Beine zum Türkensitz an , schaukelte einige Male hin und her und lies einen etwas gehemmten Pseudotarzanschrei los. Wenn man die weit geöffneten Achselhöhlen und die davon in die Nase aufsteigenden Dämpfe einrechnet, grenzt es sowieso an ein Wunder das ich überhaupt noch schreien konnte. Ich finde bis heute, dass dieses heldenhafte Verhalten meinerseits in meinem Freundeskreis viel zu wenig gewürdigt wurde und wird. Und jetzt, das Highlight, die Tat die meine Brust voller Stolz auf den Umfang eines Freistilcatchers anschwellen lässt. Während des Schlafens wurde mir speiübel, ich springe auf , hau mir die Birne am Stockbett an, behalte trotzdem die übersicht, berechne Nick-Knattertonmässig den durch die herumliegenden Gewandhaufen, Stühle, Flaschen schnellsten Weg zum Klo, registriere das sich das nie ausgehen würde, reiße das Fenster auf, und speibe mal kräftigst aus dem 2.Stock. Ich möchte an dieser Stelle die herausragende Qualität meines Produktes hervorstreichen, denn als ich 5 Jahre später mit meinen Eltern durch Schladming fuhr, glänzte noch immer meine Spur an der Hauswand in der Wintersonne. Unkontrollierte Lachanfälle auf der Rückbank des elterlichen PKWs waren die Folge davon. Auch die Umwelt- und Hautverträglichkeit wurde damals einem Langzeittest unterzogen. Es gab ein Vordach worauf sich gerade ein Klassenkollege befand, weil er einen verschossenen Tischtennisball holen wollte. Obwohl er laut eigenen Angaben von einigen Tropfen meines Elexirs am Kopf getroffen wurde, erblühte seine Haarpracht ohne jegliche Beeinträchtigung. Selbst als ich ihn das Letztemal sah, thronten dichte, blonde Locken auf seinem Haupt.

Stamperlwertung: 4,5

Zutaten: Wein, Wein und nochmals Wein

Rauschgattung: infernalischer Fetzen

Nachwirkungen: Kultstatus bei den beteiligten Kollegen, Respektvolles Lächeln bei männlichen Zuhörern, zumeist völlige Abscheu und Ekel vor meiner Einer gepaart mit ungläubigem Kopschütteln bei weiblichen Zuhörern!

Die Referatsvorbereitung 1990:

Auch wenn es der werte Leser nicht glauben mag (auf die weibliche Form bzw. geschlechtslose Schreibweise des Wortes "Leser" kann aufgrund reiner Schreibfaulheit leider keine Rücksicht genommen werden, außerdem ziemt es sich für wirkliche Damen und wohlerzogene Mädis nicht, in solch verruchten Schriftstücken eines simmeringer Proletariers zu wühlen), trotz meines etwas wahnsinnigen Geistes war es mir vorausbestimmt die Matura zu absolvieren, und das sogar in einer HTL, dummerweise lagen auf dem Weg zur Matura ziemlich viele Referate die mehr oder weniger nach Vorbereitung schrien. An diesem Abend bekam ich von einem Klassenkollegen einen Besuch abgestattet, denn wir mussten das Referat gemeinsam durchdrucken ähh... bestreiten. Da die blöde Computerkiste damals ewig lange zum hochfahren brauchte, beschlossen wir in einer demokratischen Abstimmung mit absoluter Mehrheit, uns einen Bacardi-Cola zu generieren. Wir merkten auch sehr bald, dass die Arbeit mit Bacardi-Colas viel leichter von der Hand ging, und benutzten diese neue Erkenntnis auch gleich heftig an diesem Abend. In diesem Jahr befand ich mich auch gerade in einer Cocktailmixphase, und in einem Buch fand ich das Rezept für einen "Negroni" auf Englisch. Da stand soetwas drinnen wie: "... 1 measure of gin, 2 measures of campari, 3 measures of martini .." zsammischen und irgendein nichtalkoholisches Klumpert war auch noch dabei. Unser beider Englisch war nicht gerade besonders, und unser Cocktailmixwissen lag ungefähr noch zwei Stufen unter dem Englischwissen. Ich schnappte also zwei Longdrinkgläser, schüttete die Hälfte mit Martini voll, dann wurde der Rest des Glases mit Campari und etwas weniger Gin gefüllt! Voila! Das Gebräu schmeckte wirklich vorzüglich, und so folgte noch ein zweites und ein drittes der gleichen Gattung hinten nach. Allerdings merkten wir schon nach dem Zweiten, dass wohl an Arbeiten heute nicht mehr zu denken ist. Der Freund war dann so nett die Wohnung rechtzeitig zu verlassen, damit er zu Hause in seiner gewohnten Umgebung speiben gehen konnte. Ich schlummerte den Schlaf des Gerechten im Wohnzimmer. Ach ja, unerklärlicherweise war das Referat am nächsten Morgen ein Fleck! Gelernt habe ich aber auch etwas, den Unterschied zwischen Cocktail und Longdrink!

Stamperlwertung: 3,5

Zutaten: einige Bacardi-Cola, mit maßlosen Negronis hinterherspülen

Rauschgattung: Massive ölung

Nachwirkungen: leichte Magenreizung die bis zum Erbrechen führen kann, akuter Schlafanfall.

Commodore 64 1991:

Entweder war ich damals ein extrem spätpubertärer Rotzbub, oder ein genialer Trendsetter der die Retrogamingwelle eingeleitet hat. Ich weis es leider selber nicht. Bei mir (also eigentlich im Domizil meiner Eltern) war eine C64er Party angesagt, und ein mir bekannter Weinbauersprössling belieferte mich mit etlichen Litern selbstverbrochenem Fusel, den ich ihm zu einem völlig überteuerten Spottpreis abnahm. Der erste Gast kam etwas zu früh, aber wir begannen halt trotzdem schon mal zu gambeln, und die Weingläser einzuweihen. Die anderen kamen viel zu spät (mindestens eine halbe Stunde) und so war es kein Wunder ,dass schon vier Flaschen leer waren. Okay, vielleicht kam der erste Gast ein bisschen sehr früh, aber deswegen musste man uns ja nicht gleich wegen unseres Zungenschlags und unserem wackeligem Gang verspotten. Aber meine Rache sollte fürchterlich sein, denn wir spielten "Barbarian" ein Spiel wo jeder einen Schwertkämpfer steuert und man den Gegner ordentlich die Rübe massieren konnte. Außerdem gab es einen "Move" mit dem man den Anderen die Birne abschlagen konnte, und dann kam ein kleines, grünes ,bucklickes Männchen und räumte das Spielfeld auf indem es den Schädel einfach wegkickte. (über die herbe Entäuschung die ich als ca. 14 jähriger erlitt, als ich erfuhr das es den Beruf "Schlachtfeldsschädelwegkicker" gar nicht gibt, möchte ich mich hier ja gar nicht äußern.) Irgendwie schien der Wein meine Nervenenden zu schmieren und den Hirnteil der für die Steurung meiner Schweißgriffel zuständig ist, schwang sich zu einer koordinativen Höchstleistung auf. Nach der Reihe fielen die Köpfe meiner Gegner zu Boden, und mitten in das verschreckte Gewinsel meiner Gegner hinein, startete ich mein Triumphgeheul und untermalte es mit einer gogoartigen Tanzeinlage an der pseudovergoldeten Stehlampe (das Ding rostet seitdem!!!) , wobei jeder thailändische Transsexuelle vor Neid erblasst wäre. Da kein ebenbürtiger Gegner zur Stelle war, und vielleicht auch ein ganz klein wenig weil mein etwas zu stark abgefüllter Kadaver Anzeichen von Rebellion zeigte, begann ich mich vom Spiel zurückzuziehen und die leer herumliegenden Flaschen zu beseitigen. Die Aufräumszene ähndelte auf eine gespenstisch anmutende Art und Weise jener im 64er-Spiel. Ein kleines, gebücktes im Gesicht grünes Männchen schleicht im Wohnzimmer herum und kickt die völlig verwaist herumliegenden Flaschen aus dem Sichtbereich.

Stamperlwertung: 4,5

Zutaten: mind. 2,5 Liter naturbelassener Weisswein aus einem miesen niederösterreichischen Weinbaugebiet.

Rauschgattung: infernalischer Fetzen

Nachwirkungen: hmm, wie soll ich sagen, nach Samstag kommt Montag!

Klassenparty im Waldviertel 1991:

Eigentlich nicht weiter erwähnenswert, da ich ja schon des öfteren mit einer Doppelliterflasche mich ins Dickicht verdrückt habe (das kann in einer lauen Sommernacht in geeigneter Umgebung wirklich ein sehr erfüllendes Erlebnis sein, und man findet Zeit über Gott und die Welt zu philosophieren, während der Winterzeit eignet sich diese Taktik eher um eine ganz private Frostbeulenzucht aufzuziehen), aber ab diesen Zeitpunkt bekamen sie einen Namen. Lizzy die I. Lizzy regierte von ungefähr 19.30h bis ca. 3.10h. Und das mit eiserner Hand. Ich musste sie schließlich überall umhertragen, jeden vorstellen den sie kennen lernen wollte beziehungsweise auch umgekehrt, denn die Klassenkollegen waren ziemlich neidisch. Das war kein Wunder, weil Lizzy und ich meist ganz eng umschlungen gemeinsam in den Sternenhimmel gafften, während die lieben Kollegen krampfhafte aber dafür chronisch erfolglose Versuche starteten bei irgendwelchen Gören zu landen, die sie aus ihrer Tanzschule kannten.

Stamperlwertung: 4

Zutaten: Doppler Rot

Rauschgattung: infernalischer Fetzen

Nachwirkungen: eigentlich keine Dramatischen, da Doppler aus der Lizzydynastie von edlem Blut sind und zumeist in frischer Luft eingenommen werden.

Schikurs Hermagor 1992:

Der letzte Schikurs meines Lebens! (*Schniff!*) Sozusagen die Abschiedstournee der Wiener Elitedumpfbacken durch die Bundesländer! Diesmal traf es Kärnten. (Die haben uns eh verdient, kein Mitleid mit ihnen.) Allerdings dürften die Kärntner irgendein dunkelschwarzes Voodooritual vor unserem Besuch ausgeführt haben, denn meine Gesundheit verschwand für zwei, drei Tage und ich musste das Bett hüten , während die restliche Bagage Versuche startete, als biblische Plage in den Annalen von Hermagor einzugehen. Die absolute Verschärfung (leider eher im negativen Sinn, obwohl sie ja wirklich nichts dafür kann.) war aber meine ach so liebe Krankenschwester. In einer der Klassen die mitfuhren gab es nämlich eine handvoll Mädels und die mit Abstand Hässlichste (dabei hätten die anderen auch höchstens nur die Wahl zur Miss Troll oder Kobold gewonnen.) fungierte als Krankenschwester. Ihr Haar dürfte so eine Art Vorstufe von Rastalocken gewesen sein, allerdings auf natürliche Weise entstanden, also mehr zusammengeklebt als verflochten. Dazu trug sie ein leicht abstoßendes Gesicht, und das ganze Gebilde thronte direkt auf ihren Schultern. WIRKLICH! Ich hab sowas zuvor auch noch nicht gesehen, aber die Frau hatte keinen Hals. Ihr Spitzname sprach Bände: "Neckless"! Kompletiert wurde ihre Anziehungskraft durch eine scheinbar nicht enden wollende Mitteilsamkeit. Sie vereinte also genau das, was sich junge Männer mit 67,5 Grad Körpertemperatur erträumen. Blöd war halt, dass ich nur 38,5 hatte. In den wenigen ruhigen Momenten die ich hatte, fragte ich mich schon was Gott wohl damit bezwecken will. Ich konnte mich zwar dunkel daran erinnern, als pubertierender Jüngling im Krankheitsfall ein blondes Biest als Krankenschwester herbeigesehnt zu haben, aber wie man so einen Wunsch so missverstehen kann ist mir schleierhaft. Bin nach der Matura daher auch gleich aus der Kirche ausgetreten, sozusagen aus Protest, weil der liebe Gott meinen Wunsch so wörtlich genommen hat (Die Haarfarbe war ja nicht so wirklich zu erkennen, aber das Biest allemal!) und mir gezeigt hat, dass er mich eigentlich überhaupt nicht versteht. Trotz meines Austritts bin ich im Grunde genommen ein herzensguter Mensch, und deshalb konnte ich auch nicht lange mitansehen, wie der arme Wein, wovon vom Vortag noch die Hälfte in seiner Flasche dahintümpelte, den willkürlichen Launen der tyrannischen Krankenschwester ausgesetzt wurde. Ich erlöste ihn von dem Bösen und umhüllte ihn mit meinem schützenden Magen. Es gibt aber egoistische Tabletten, die wollen den Magen ganz alleine für sich haben, und begannen den Wein zu attackieren. Das führt dann meist zu Meinungsverschiedenheiten im Körper. Verschwommenes Sehen, übelkeit, Magenkrämpfe. Sozusagen die perfekte Untermalung für einen Horrorfilm oder auch den Auftritt der Krankenschwester.

Stamperlwertung: 1,5

Zutaten: 3 Achterl (Wiener Mischung -> Medikamente + Alkohol)

Rauschgattung: Damenspitz

Nachwirkungen: Verschwommenes Sehen, übelkeit, Magenkrämpfe

Der Nachahmungstäter 1992:

Es gab Zeiten, da galt ich in der Gesellschaft scheinbar noch als "gerade akzeptabel", anders kann ich mir die freiwilligen Besuche einiger Leute in meinem Domizil nicht erklären. Also kurz zusammengefasst, es fanden sich ab und zu einige Leute bei mir zu Besuch ein, deren Potential für geistige Abartigkeit doch um Einiges über dem des Durchschnittspsycho liegt. Das Schicksal bestättigte meine These, denn Einer von Ihnen werkt tagein tagaus in derselben Halsabschneiderinstitution wie ich. Aber zurück zum eigentlichen Tatabend. Der Kollege schneite also auf Besuch herein, und wir führten einige Deziliter Rotwein ihrer gerechten Bestimmung zu. Da wir schon damals multitaskingfähig waren, übten wir während dieses Rituals auch noch andere Tätigkeiten zwecks Zeitvertreibs aus. Zum Beispiel ein Fußballspiel wo die Spielfiguren auf Federn aufgeschraubt waren, und man bei jeden Schuss eine 40%-Chance hatte, dass die Figur statt der Ball losflog. (Das war taktisch gar nicht so unwichtig, da so eine Figur im Auge des gegnerischen Manschaftsführers doch eine gewisse Konzentrationsschwäche hervorrufen kann.)Um nicht zu frühzeitig zu einem Sozialfall zu mutieren, wechselten wir die Beschäftigung und begannen mit Dart. Obwohl wir uns beim Zielen durch die Einäugigkeit einen Vorteil erwarteten, war unsere Leistung eher als desaströs einzustufen. Die Metallspitzen bohrten sich doch eher mehr ins Gemäuer als in die Scheibe, und als eine gewisse Tendenz in Richtung Gasrohr zu erkennen war, brachen wir das Spiel aufgrund von geistiger Dunkelheit ab. Last but not least gabs da noch den hochprofessionellen Vergleich zwischen den diversesten Strippokercomputerprogrammen hinsichtlich Grafik und Spielstärke. (Komischerweise lagen jene mit schwacher Spielstärke und relativ guter Grafik bei uns ziemlich hoch im Kurs.) Als eine der Damen ihren BH fallen lies passierte allerdings etwas Unerwartetes, mein Besucher sprang auf, lief zum offenen Fenster und bröckelte herzhaft aus dem 5.Stock. Ich fand das eigentlich nicht sehr nett, ihr Busen war ja schließlich gar nicht so schrecklich. Ich entschuldigte mich bei der Computerfrau, drehte ihr den Strom ab (wenns bei den echten doch auch nur so einfach wäre.), und ging das Werk meines Freundes begutachten. Was soll ich sagen, es war einfach nur ein Pfusch eines blutigen Anfängers. Dem Kunstwerk fehlte einfach die Konsistenz. Total erbärmliche Leistung! Nach einem Jahr sah man auf der Hauswand überhaupt nichts mehr, obwohl es sich um eine reine Südwand handelt, und das Wetter praktisch nie von dieser Seite kommt.

Stamperlwertung: 2,5

Zutaten: Flascherl Rot

Rauschgattung: schwerer Damenspitz

Nachwirkungen: die Aufräumungsarbeiten gestalteten sich äußerst kompliziert.

Abrüsteeeeeen! 1994:

Die folgende Geschichte wird wunderbar illustrieren, wie man auch mit fast keinem Alk fürchterlich kotzen kann. Ich hatte die zweifelhafte Ehre meinen Militärdienst in der Kaserne Großmittel absolvieren zu dürfen. Zum besseren Verständnis sollte ich vielleicht erwähnen, dass hier meiner Meinung nach die unsichtbaren Kraftlinien der Blödheit, der Arroganz, des Sadismus und der absoluten Unfähigkeit einen Schnittpunkt bilden, der scheinbar eine unsägliche Anziehungskraft auf die meisten dort dienstversehenden Ausbildner ausübte. In der Abrüsterwoche war es allerdings nicht so schlimm, trotzdem gelang mir die schlafloseste Woche meines Lebens mit nachgerechneten 11 Std. Schlaf für fünf Tage. Am längsten büseln konnte ich noch als ich Chargendienst hatte, da ich bis zwei Uhr in der Früh unsere Schlafhütte bewachen musste und dann ungestört mich hinlegen konnte, weil der Rest des Zimmers irgendwo auswärts die durch zuviel Frischluft gebildeten Hirnzellen wieder abzutöten versuchte. Da es grässlich langweilig bei mir war und es auch nur Bier (die ganzen Zuckerlwasser kamen ja nicht in Frage) gab, genehmigte ich mir halt ausnahmsweise zwei Flascherl, die allerdings eine ziemliche Wirkung auf meinen Magen zeigten. Ich weis und wusste zwar das ich nicht viel Bier vertrage weil ich ein ausgesprochener Weintrinker bin, allerdings war es schon eine herbe Entäuschung als ich doch tatsächlich aufs Klo reihern rennen musste. Dann hörte ich am Klo das Leuten an der Eingangstüre, stolperte mit meinem faalen Gesicht zwei hässlichen Gestalten entgegen und öffnete. Und danach hatten die beiden Herren von der Militärpolizei viel Freude mit mir, und sie fragten mich viele Sachen die ich eigentlich wissen sollte aber natürlich nicht wusste. Am nächsten Tag war der Spieß ein ganz kleines bissi böse und unser Zug hatte viel Spaß an der gesunden Bewegung in der frischen Februarluft.

Stamperlwertung: 2

Zutaten: Bier, Schlafentzug, und tagelanges Vorglühen

Rauschgattung: Damenspitz

Nachwirkungen: übles Aufstossen von wiederspenstigen Bierdämpfen.

Die Wohnungsweihe 1994:

Nachdem ich acht Monate meines kümmerlichen Erdendaseins Vater Staat geopfert hatte, zog ich in meinen äußerst weiträumigen Gemeindebaupalast der sich auf die enormen Ausmasse von 27,92m² erstreckte. Mein werter Herr Papa und ich führten grundlegende Instandsetzungsarbeiten durch, wobei ich aufgrund meiner begnadeten Geschicklichkeit eher der Werkzeugszureicher war. Einige Wochen später erstrahlte der Palast in dem ihm gebührenden Glanz, nicht zuletzt durch meine Motivationskünste, denn Mami putzte wie ein wild gewordener Derwisch, und wenn Meister Propper noch Haare gehabt hätte, wären sie ihm spätestens jetzt vor Neid ausgefallen. Meine Eltern hatten sich also ziemlich ins Zeug gelegt um mich loszuwerden, und ich bewegte mich für meine Verhältnisse eigentlich auch gigantisch viel. (Konnte schließlich nie länger als 5 Minuten irgendwo sitzen bleiben, ohne dass ich von einem Elternteil nicht wieder weggestampert wurde.) Bald darauf war mein Geburtstag. Ich hasse meinen Geburtstag! Das sagen zwar viele Leute die mich kennen über mich und meinen Geburtstag, ich hasse ihn aber aus einem anderen Grund. Ich komm mir da vor wie der Frodo der jedesmal näher zum Sauron rückt, wobei der Sauron für mich der Sensenmann ist. über meine damalige Traumfrau, war ich offensichtlich nach zwei Jahren!!! (AAAAHHHHRRRGGGGHHH!) auch noch nicht hinweg. Ich legte also an meinem Geburtstag eine waschechte Depression hin. Obwohl, eine Depression kann es ja nicht gewesen sein, weil so echte Helden wie ich ja so etwas nie haben würden. Wir einigen uns also auf ein Aufblitzen einer kurzfristigen Unzufriedenheit in meinem Leben. Die Unzufriedenheit habe ich dann zwei Tage lang in diversesten Alkoholbädern ertränkt. Eine Kur sozusagen. Ich würde ja gerne mehr und genauer über diese zweitägige Kur sprechen leider fehlt mir aber jegliche Erinnerung. Was ich aber noch genau weis ist, dass ich am Ende des zweiten Tages in meinem neuen Heim die Küchentür mit der Klotüre verwechselte und in hohen Bogen eine Fontäne in die Küche loslies, danach legte ich mich voller Glückseeligkeit nieder. Am nächten Morgen war Alarmstufe Rot (Desaster Recovery) angesagt, denn die Eltern hatten ihren Besuch für den Abend angesagt. Folgende Ausgangsituation war gegeben: Ich hatte eine ziemliche Restfettn, die Küche war mit eingetrockneten Mageninhalt verziert, der auch die neue Tapete bis in eine Höhe von 1,60m zu einem modernen Schüttbild wandelte. (Der Nitsch war a Schas dagegen!) Ich wusste das ich die Tour mit meinem Auto gestartet habe, aber nicht mehr wo es steht, außerdem konnte ich mich dunkel an misslungene Startversuche erinnern. Ich rief also einen Freund an, und wir gingen mein Auto suchen. "Wien darf nicht Chicago werden!" sonst würden so Leut wie ich ja ihr Auto nie mehr finden. Wir fanden es irgendwo im tiefsten 10.Bezirk, wo rein zufälligerweise meine Angebetete residierte. (Wahrscheinlich hab ich einen Tag lang an ihrer Türe gekratzt und gewinselt.) Die Autobatterie und ich waren so ungefähr im selben Zustand, nämlich völlig am Sand! Wie ein Wunder lies sich der Kübel aber trotzdem noch ein letztes Mal starten, und wir tuckerten zurück zu meiner Wohnung. Nun kam Freund 2 angetanzt, und wir gingen zu dritt ein riesengroßes Poster zum auftapezieren besorgen. Selbstverständlich entschied ich mich beim Motiv für eine Bar. Dann rissen wir das Schüttbild von der Wand, und pickten stattdessen das Barposter auf. Dieses Mahnmal klebt heute noch in meiner Küche, so schief als hätte ich es damals eigenhändig geklebt (waren aber meine angeblich nüchternen Freunde), und meine Eltern wissen bis heute nicht warum.

ANMERKUNG: Liebe Kinder und Jugendliche, der gute Onkel der euch da diese Zeilen geschrieben hat und völlig unnötigerweise ins Internet gestellt hat, möchte dazu noch ein paar Worte anmerken. Erstens: Das war mit Abstand der schwerste Fetzen den ich jemals in meinem Leben hatte. Zweitens: Es war mit Abstand die blödeste Aktion, das Auto auf diese Tour mitzunehmen und auch noch benutzen zu wollen. Wenn ich die Kiste in Gang gebracht hätte wäre ich mit höchster Wahrscheinlichkeit heute Zentralfriedhofbenutzer. Drittens: Die Araber sind verdammt schlaue Leute, die verhüllen die Frauen einfach. Wenns eine Schirche ist, bist als Mann für diese Maßnahme sowieso dankbar, und wenns eine Schöne ist, hast keine schlaflosen Nächte weil du sie ja nicht wirklich gesehen hast. Und wenn sie sich doch mal irgendwo im Geheimen angesoffen haben, könntens höchstens in der Wüste irgendein Kamel umfahren.

Stamperlwertung: 5

Zutaten: Trotz intensivster Nachforschungen nicht mehr nachvollziehbar.

Rauschgattung: Filmriss

Nachwirkungen: Herzrasen, Kreislaufprobleme, übelkeit, Schweißausbrüche, purer Stress

Die dunkle Epoche 1995 - 2002:

In die dunkle Epoche fallen so Highlights wie: Aufwachen an einem griechischen Sandstrand und nicht wissen wo man überhaupt ist, die Annäherung an eine Schafherde auf der vergeblichen Suche nach körperlicher Liebe, das körperliche Niederbrechen am Damenklo des Arbeitgebers da ein angehender Kreislaufkollaps die Sicht etwas trübte, die übernachtung in einem Wagen der Straßenbahnlinie 33 in der Remise weil mich der Idiot von Fahrer scheinbar nicht bemerkt hat, ... . In der dunklen Epoche herrschte übrigens völlige alkoholische Anarchie, da die letzte Vertreterin der Lizzydynastie im letzten Quartal 1994 verschied, ohne entsprechendes Suchtverhalten bei ihrem Untertan auszulösen.

Stamperlwerung: -

Zutaten: So ziemlich alles!

Rauschgattung: -

Nachwirkungen: -

Silvester 2002/2003:

Hab 'ne ordentliche Sonnenfinsternis gebaut. ca. schon um 1.00h! War wie wenn man einen Ausschaltknopf drückt. Aus dem nichts war ich plötzlich extrem müd, schwindlig, und hab gschwitz wie a Sau! Ohne Vorankündigung! Bin aufs Häusl gewankt, mit der Birne aufn Pissoirrunterlassknopf geknallt, kurz reingespieben, dann war es nicht mehr möglich den Kopf zu heben, bin dauernd mit dem Plutzer wieder am Runterlasser angedonnert. Die Spülung is dauernd grennt, und die Heislsteine waren immer neu angeordnet. War besser als Fernsehen, hat mir ur getaugt dortn. Irgenwer hat mir dann den Schädel gewaschen (Ich hoffe mit dem Wasser aus der Waschmuschel!) dann is der Kreislauf halbwegs zrückgekommen. Ab dann alles nur noch im Tunnelblick gesehen. GottSeiDank gleich einen Haberer gefunden damit er mir den Weg zur UBahn beschreibt. Im 31er eingestiegen, und mir dauernd vorgesagt ; "Nicht einschlafen, Nicht einschlafen" Ich hab nicht mal die 1. Station erlebt. Aufgewacht in Floridsdorf, in den Gegenzug rein und heim. Vermutungen liegen nahe, dass ich mind. 1 Runde gefahren bin, weil zu Haus war ich erst um 4.00h Nächster Tag die totalen Vergiftungserscheinungen gehabt. Es war unmöglich wachzubleiben bis ca. 20.00h. Viereckiger Abdruck auf der Stirn von Pissoirknopf und hat ziemlich weh getan wenn man draufdrückt. Scheint ein total tolles Jahr zu werden.

Stamperlwertung: 5

Zutaten: zahlreiche Sekts pur und gemischt(Orange) am Nachmittag bei einer inoffiziellen Firmenfeier zu sich nehmen, am Abend dann etwa eine halbe Flasche guten Weißweines bei Zimmertemperatur (Raumtemperatur) zu sich nehmen, dann in die Kälte hinaus und 1,5 Flaschen Sekt in den Körper schütten. Anschließend in ein überheiztes Lokal setzen und auf die Wirkung warten.

Rauschgattung: Filmriß

Nachwirkungen: Angenehme Tiefschlafphasen, gefolgt von leichten aber anhaltenden Dösphasen am nächsten Tag, die nur durch kurze Lullupausen unterbrochen werden.

Das Weinfest 2007:

Ich hab einen Freund! Der wohnt am Land. Er sagt zwar daß er am Stadtrand wohnt, aber ich sage immer Perchtoldsdorf ist KEINE Stadt. Wenn man eine eigene Autobahnabfahrt besitzt, das einzige öffentliche Verkehrsmittel eine Schnellbahn ist, die sich meilenweit entfernt mühevoll ihren Weg durch die Prärie bahnen muss, und wo selbst alte Damen die nur noch durch ihre Stützstrümpfe aufrecht gehalten werden, sich völlig unbehelligt von ihren Kötern durch die mit Bäumen verseuchten Gassen ziehen lassen können, so kann man das Ganze nicht allen Ernstes mit Wien in Vergleich bringen. Aus diesem Grunde, und vielleicht auch ein klein wenig aufgrund meines schwächlichen Orientierungssinnes treffen wir uns stets immer bei der Schnellbahnstation Liesing, sozusagen der letzte Vorposten der Zivilisation bevor es in die Pampa geht. Zur Feier des Tages hatte mein Freund seine Turnschuhe angeschnallt während ich meine Sandalen trug, natürlich mit Socken, eine meiner zahlreichen Möglichkeiten die ich auspacke um gierige geifernde Weiber von meinem allmählich verfaulenden Luxuskörper fernzuhalten. Unbemerkt von den Liesinger Bahnhofsgrenzsoldaten stahlen wir uns also über die grüne Grenze und pilgerten eine knappe halbe Stunde lang zur Perchtoldsdorfer Burg. Um den Leser nicht zu verwirren möchte ich klarstellen, dass die Burg in dieser Geschichte nur als ein völlig irrelevanter Steinehaufen zu sehen ist, das interessante dort war einzig und allein das Weinfest, welches von sechs ortsansässigen Heurigenbetrieben geschmissen wurde. Das Ganze hatte einen Aufbau wie bei einer Art Wagenburg aus dem wilden Westen, nur statt den Wagen standen die Standln und in der Mitte die Heurigenbänke mit den Alkoholabstellflächen (in Perchtholdsdorfer Slang auch Tische genannt). Wir enterten das Areal, checkten die Lage, und da wir nicht sofort als Trangler auffallen wollten, wählten wir erst den zweiten Heurigenbetrieb als Startpunkt aus. Die Kellnerin die dort herumwieselte war toll, blonde längere Haare, extrem liebes Gesicht, gute Figur, und sie konnte Wein schleppen, literweise sag ich euch. Wir wurden dann endlich auch bedient ..., von der Anderen, die die mein Verstand ausklingte, sie schleppte zwar auch literweise Wein, sah aber auch so aus als hätte sie sich jahrelang mit Weinfassstämmen darauf vorbereitet. Nachdem ich am Fest so circa fünf Stunden verweilte, gab mein Hirn nun endlich den Befehl zum taktischen Rückzug. Mein Mittrinker hatte leider keine Ahnung von Taktik, deshalb hat ihn auch am nächsten Morgen die Polizei geweckt, und ihn auch gleich freundlichst aufgefordert sich gefälligst nach Hause zu Schleichen. In der Zwischenzeit befand ich mich schon längst am NachHauseWeg, also ... vielleicht sollte ich diese Aussage etwas präzisieren, ich hätte mich auf dem NachHauseWeg befunden, wenn nicht irgendsoein unbekannter Bösling die Schienen die schon seit Ewigkeiten, und wenn ich Ewigkeiten sage dann meine ich Ewigkeiten, also die schon immer immer nach Liesing geführt haben, nicht plötzlich und hinter meinem Rücken um einige Grade gedreht hätte, sodass sie aufeinmal in das sieben Kilometer entfernte Kaltenleutgeb führten. Die Strecke ist aber zu Fuss recht schön, kann ich nur jedem empfehlen, man torkelt zuerst glückseelig an den Schienen entlang bis die Häuser immer weniger werden, irgendwann kommt dann eine unverbaute Landschaft, und um diese besser geniessen zu können, wechselt man am Besten direkt auf die Schienen, es lässt sich dort ja auch viel besser gerade gehen als auf diesen abschüssigen Steinehaufen worauf sie immer diese Geleise betten. Wenn das Licht dann ganz weg geht weiss man hundertprozentig, "I bin im Woid!". Es haut einem aber eh alle fünfzig Meter auf die Schnauze und anhand des Schmerzverlaufs an den angeschlagenen Knochen kann man feststellen ob man den Schienen noch längsweise gefolgt ist oder vielleicht gar etwas vom Kurs abgekommen ist. Zug kam keiner, also wurde es mir allmählich fad und ich versuchte mich auf eine etwas lichtreichere Gegend durchzuschlagen. Das gelang mir dann auch, die Büsche waren nur hüfthoch die Unebenheit des Geländes vernachlässigbar und mein Promillpegel auf dem Höchststand. (Darum hab ich mir auch nicht viel getan als es mich dreimal fest in das Buschwerk hineinpflanzte. Obwohl die zerschnittenen Unterarme schon etwas lästig sind.) Ich krabbel also schon ziemlich fertig auf eine mies beleuchtete Strasse die aber sogar einen Gehsteig besass. Hilfsbereit war ich auch, weil als ich so eine wacklige Autobusstation sah, hab ich ihr geholfen und die Stange mit beiden Armen dann fest gehalten. Der Fahrplan war aber in so einer schirchen verwaschenen Schrift geschrieben, dass ich ihn nicht lesen konnte, also hab ich mich einfach dort am Boden gelegt und gewartet bis ein freundlicher Mensch kommt. Ich bin dann aufgewacht, mit geschlossenen Augen warten war irgendwie angenehmer, hab gebibbert wie ein epileptischer Zitteraal so frostig war es, allerdings muss einer von den Verkehrsbetrieben den Fahrplan nachgezogen haben, den konnte ich jetzt nämlich wieder scharf lesen. Ich entschloss mich meine Pilgerreise fortzusetzen, streunte Richtung Kaltenleutgeb in der Hoffnung einen Funken Zivilisation namens Taxi zu erhaschen. Auf der Suche nach dem rettenden Gefährt traf ich einen Leidensgenossen, der wankte mit seinen zwei Hunden am Bahndamm entlang und es war nicht genau zu erkennen wer die Herrschaft über die Fortbewegungsrichtung inne hatte. Den fragte ich wo ich bin, und schon nach zehn Minuten hatten wir uns darauf verständigt dass er auch stockbesoffen war und nur mit seinen Hunden irgendwo Gassi ging, die bringen ihm dann auch wieder heim. Endlich sah ich ein Taxi und auf der anderen Seite des Gehsteigs stand sogar ein Haus. Ich wackelte zur Taxitüre, erschreckte mich fürchterlich weil trotz meiner stattlichen Promillzahl eine noch immer furchtbar hässliche Frau am Rücksitz sass. Der Taxler und die Frau hatten Erbarmen und nahmen mich mit, sie setzte sich sogar nach vorne, wahrscheinlich damit ich mich nicht anspeib. Danach machte sie noch im tiefsten fünften Bezirk einen Zwischenstopp, gab ein bisserl Geld in einem Wettschuppen ab, und kam dann flotten Schrittes mit den Worten zurück "Schnö weg!" Der Taxler lies sich das nicht zweimal sagen, vielleicht war ihm der vernarbte Typ unangenehm der ihr folgte. Jedenfalls hat mich das Erbarmen der Beiden fast 60 Euro gekostet und ich landete total k.o. zu Hause.

Stamperlwertung: 4

Zutaten: Einen Spritzer,dann noch einen dazu SpareRibs essen, dann an Wösch, einen Rhein und nochmal zwei Welschriesling, das ganze mit Chardonnay nachspülen. Danach austesten ob die genannten Weine auch ohne SpareRibs so gut schmecken.

Rauschgattung: infernalischer Fetzen

Nachwirkungen: Gähnende Leere im Geldbörsel da das wertvollste Stück von mir (meine 70 Euro Sonnenbrille) jetzt wahrscheinlich irgendwo im Wald vor sich hin rottet.

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