DIE LEIDEN DES JUNGEN G
                 ODER
            BEZIEHUNGEN DIE ICH NIE HATTE!
            (UND HIMMELARSCHNOCHMAL VERDAMMT GERNE GEHABT
            HÄTTE)

Eigentlich könnte ich ja noch Papst werden. Der hat in seinem Leben schon sicher mehr Frauen vernascht als ich, ich falle also unter die Bagatellgrenze. Mit seinem Genuschel könnte mein praktisch nichtvorhandenes Latein ebenfalls mithalten, und wenn man mir noch zehn oder zwanzig Jahre Zeit gibt, könnten sich die Engerl auf meiner kahlen Birne widerspiegeln. Der Trend zur Papstfrisur ist jetzt schon unverkennbar. Jeden Morgen kontrolliere ich brav den Fortschritt vor dem Spiegel indem ich mir Genick und Augen verrenke. Damit erreicht man zwar einen leicht quasimodoartigen Touch, der dem Beliebtheitsgrad in seiner näheren Wohngegend vielleicht nicht immer förderlich ist, dafür ist man zu Halloween aber einen Tag lang der unumstrittene König. Trotz all meiner Opfer blieb der Vatikan fortschrittsfeindlich , und meinte der Posten sei schon vergeben. Also bin ich gezwungen die Welt auf andere Art und Weise zu beglücken. Und das ist der Hauptgrund warum ich mein wahrlich erbärmliches Liebesleben und die Untiefen meiner Gefühlswelt hier kundtue. Ich opfere mich sozusagen am Altar der öffentlichkeit, damit all die Jungmänner, die dachten ihnen geht es dreckig, sich an meinem Schicksal laben und wieder aufbauen können, damit all die älteren Herren in Erinnerungen schwelgen können, damit all die Mädels und jungen Frauen Gewissheit über ihre Wirkung erlangen, und damit all den älteren Damen bewusst wird, dass sie mit dem Internet noch immer nicht umgehen können, wenn sie auf dieser Seite wirren Gebrabbels nach Kochrezepten suchen.

Während der Pubertät und auch kurz danach war ich eigentlich ein ganz normaler Schüchti! Ich ging in die Schule, spielte am Computer, spielte an mir, ging gern mal mit mir langjährig bekannten Leuten einen Heben, und wenn ein toller Hase an mir vorbeihoppelte hielt ich unter unmenschlichen Krämpfen mein "jo, bist du deppat!" zurück bis sie sicher außer Hörweite war. (Keine Blösse, Keine Blösse, ich bin cool, nur keine Blösse!) Dann begannen all meine Freunderl sich wahllos Freundinnen zu nehmen, doch ich blieb standhaft, standhaft blöd, oder nur standhaft?

Meine Gedanken waren wie die des wilden jungen Hengsts der mit all den anderen Wildpferden über Stock und Stein galoppiert, die wilde Mähne vom Wind getragen, seinen Durst an den glasklaren Bächen stillend, und egal ob Regen oder Sonnenschein seine Freiheit genießend. Doch eines Tages kommt die Zeit, da beginnen dich die Menschenfrauen, die du zuvor eigentlich nur aus den Augenwinkeln betrachtet hast, die du immer gemieden hast, weil sie anders waren als du, genau diese beginnen dich jetzt zu interessieren. Und du gehst hin zu ihnen, in ihre Nähe, zaghaft, ganz vorsichtig, eigentlich nur im Schritttempo, obwohl das völlig gegen deine Gewohnheit ist. Sie scheinen nett zu sein, alles was sie tun scheint nett zu sein, nur manche kommen dir eben noch netter als die Anderen vor. Und du gehst noch näher, da, ein Wiehern deiner Freunde, sie rufen dich, und du drehst dich um und läufst zu ihnen. Aber du kommst nicht weit! Du hast ein Lasso um den Hals, und die Menschenfrau hält es fest. Wie hat sie das gemacht? Wann hat sie das gemacht? Du hast die Lassos gesehen, aber sie wurden doch nur auf die Anderen geworfen, nicht auf dich. Das Ganze erinnert dich an Regenwetter. Du reitest durch den Regen, durch das Nass. Aber wann hat es angefangen? Wann war der erste Tropfen, warum hast du ihn nicht bemerkt? Egal! Ein sanfter Zug. Sollst du gehen? Sie hält irgendetwas in ihrer Hand. Sie lächelt! Sie ist so lieb. So ein liebliches Geschöpf kann dir doch nichts Böses wollen. Und endlich gehst du zu ihr. Es ist Futter. Sie hat Futter für dich, du mampfst es genüsslich aus ihrer zarten Hand, die andere Hand gleitet zärtlich über deinen Hals und du weißt, hier ist keine Spur von Bösem, im Gegenteil, du spürst nur Wohlwollen und Wärme. Dann gibt sie dir zu verstehen, dass sie nun gehen muss. Du willst auch gehen, und wieder über die Felder galoppieren, dich mit deinen Freunden treffen, vielleicht ein paar Stuten bespringen. Doch halt, etwas ist anders, die Stuten interessieren dich nicht mehr, irgendwie sind sie unwichtig geworden, die Menschenfrau geistert stattdessen in deinem ach so grossen Schädel herum. Und noch etwas! Du kannst nicht so weit weg wie du dachtest, da ist dieses Lasso, aber es ist ihr Lasso, stört es dich wirklich? Nicht wirklich. Du willst sie doch sowieso bald wieder sehen. Jeden Tag schaut sie bei dir vorbei, liebkost dich, bringt dir Naschereien, und du darfst auf ihrem Land grasen. Dir geht es gut, deine Freunde kommen ja auch manchmal zu dir, es ist zwar anders wenn sie dabei ist, aber es ist okay. Manchmal reitet sie mit dir aus, und trifft sich mit anderen Menschenfrauen, die kommen auch auf ihren Kleppern. Dann dürfen wir Hengste zusammenstehen, und wir unterhalten uns über die guten alten Zeiten, damals noch, wie wir wild waren. Und unsere Besitzerinnen schnattern über Gott und die Welt, aber eben meistens über Dinge, die dich absolut nicht interessieren. Irgendwann kommst du dann in ihren Stall. Der Stall ist schön, irgendwie wärmer als draußen, irgendwie behaglicher, obwohl, auf der Weide fandest du es auch ganz schön, und in der freien Natur, wuuiii, das war damals noch was. Dein Leben ist jetzt viel geregelter, du tragst ihre Sachen herum, vielleicht bringst du ihr mal ein Gänseblümchen oder sonst etwas worüber sie sich freut. Und du bist glücklich, schließlich hast du über die anderen Hengste ganz andere Dinge gehört. Einige haben einen miesen Stall erwischt, einige müssen arbeiten wie ein Ackergaul, einige werden von ihrer Menschenfrau nicht allzugut behandelt, und einige versuchen sogar sich loszureißen und zu flüchten. Aber dir geht es zum Glück gut, du hast dich auch schließlich immer redlich bemüht deinen Pflichten nachzukommen, irgendwas warst du ihr doch schuldig, oder? Oder vielleicht doch nicht? Du weist es nicht. Du hast dir eigentlich nie die Frage gestellt, was sie an dir findet. Warum sie das Lasso überhaupt geworfen hat. Sie hat es dir auch nie gesagt. Du hast manchmal den Verdacht dass sie es einfach nur geworfen hat und du bist aus reinem Zufall darin hängen geblieben. Es hätte jeden x-beliebigen anderen Gaul erwischen können. Aber für dich war sie eine der Wenigen, keine stinknormale Stute wo du der Chef am Platz bist, nein, sie war eine Menschenfrau. Irgendwie ist alles so gewöhnlich. Du liebst sie immer noch, aber der Blick aus deinem Stall in die Natur tut weh. Sehr weh. Wenn die jungen Hengste am Horizont vorbeireiten, wild und ungestüm, und die Erde durch ihren Hufschlag erzittert, so wie du einst geritten bist, wenn die Sonne vom Himmelszelt herunterknallt und alles erblüht, wenn die Spuren die Einzigen sind die den jungfräulichen Schnee durchschneiden, dann stehst du mit deinen großen traurigen Augen im Stall und du spürst wie sie feucht werden. Irgendwann kommt der Tag wo es dich zu zerreißen droht, der unbändige Drang in dir erwacht, hinaus in das freie Land treibt es dich. Kein Lasso ist mehr da, dass dich hält, das wurde schon vor Jahren entfernt, nur mehr das Pflichtgefühl gegenüber der Menschenfrau. Doch deine Augen waren zu oft feucht, als das du einfach so hier bleiben könntest, vorbei sind die zahlreichen Liebkosungen, jetzt musst du dem Ruf der Freiheit folgen. Ein kurzer Schmerz des Abschieds durchzuckt deinen Körper als du sie verlässt, du wünscht ihr vom Herzen noch alles Gute, und dann bist du weg. Du springst wieder über reissende Bäche und steil aufragende Zäune. Es geht nicht mehr ganz so wie früher, aber es geht noch verdammt gut. Du findest eine Herde. Manche tragen ein Brandzeichen, so wie du, manche haben noch unversehrtes seidiges Fell. So geht es dahin, Tag für Tag, Monat für Monat, doch irgendwie ist es nicht mehr so wie früher. Ist es nur deine Erinnerung die dich getäuscht hat, oder bist du selbst ein Anderer geworden? Dein Brandzeichen tut weh! Du ahnst das es einigen in der Gruppe so geht wie dir. Da ist kein Feuer mehr in ihren Augen, da ist kein aufbrausendes Schnauben mehr wenn ihnen etwas zuwider ist, da ist keine Freude mehr wenn sie den kalten Wind in ihre Lungen einziehen. Dein Brandzeichen tut noch immer weh, du hoffst inbrünstig auf Nachlassen des Schmerzes, und nach einigen Jahren trägst du dein Zeichen nur noch als Mal einer vergangenen Zeit. Doch deine großen traurigen Augen bleiben feucht!

Meine erste Menschenfrau hieß Martina, war ein rassiges südburgenländisches Mädel mit wallender schwarzer Mähne, eine richtige Teufelsbraut. Ich war Ferialpraktikant, sie war meine Vorgesetzte (Herrin?, Muse??, Domina???, Göttin????, ...). Am ersten Tag als mich mein Vater zu nachtschlafender Zeit in die Firma lieferte (wann genau kann ich nicht sagen, weil Uhrzeiten vor 8.00h morgens nicht auf meiner Uhr ablesbar sind. Die Uhrmacher behaupten aber steif und fest das liegt an mir.) hatte ich nur meine üblichen Motivationsprobleme wenn es um Arbeit geht. Sie war für mich zu dieser Zeit nur ein Name der in einer Woche vom Urlaub zurückkommt. Der nächste Montag hatte es dann in sich, ich taumel mit meinen obligatorischen Montagfrühkreislaufkollaps ins Büro, seh ein wunderbares schwarzgelocktes Geschöpf im Drehsessel schweben, und erstarre mal vorsichtshalber. Als ich dann wieder halbwegs unter den Lebenden war, war sie aber noch immer da, deswegen hielt ich sie für echt und in einem Anfall von Etikette ging ich mich vorstellen. Allerdings war es eine ziemlich klägliche Vorstellung, denn als sie sich dann wirklich voll zu mir umdrehte und ich ihr Aug in Aug gegenüberstand, entglitt mir gleich mal meine Kinnlade und ich offenbarte ihr mein Milchgebiss. (Ja Milchgebiss! Ich bin eben nicht nur psychisch irgendwie komisch sondern auch physisch.) Nach dieser sehr eindrucksvollen Darbietung meinerseits , verbrachte ich die nächsten zwei Wochen damit, möglichst viele Blicke ungesehen auf meine Prinzessin zu werfen. Sie verbrachte ihre Zeit, welch überaschung, mit arbeiten. Eines Tages stand ich wiedermal beim Drucker, und versuchte krampfhaft dessen alltäglichen Amoklauf bei der Papierablage zu stoppen, als sie plötzlich zu mir kam, und mir bei der Dodelarbeit des Papierordnens half. Und zum Erstenmal entstanden Gespräche privaterer Natur, und die Scherzerl zwischen uns wurden mehr und meine Blicke lockerer und entspannter. Die restlichen drei Wochen war sie meine Freundin, auch wenn sie es vielleicht gar nicht wusste(ich bin mir aber ziemlich sicher dass sie es wusste), auch wenn es nie offiziell war, auch wenn es nie zu Handlungen kam wie Verliebte eigentlich handeln sollten, nur immer hart an der Grenze. Und dann war der August zu Ende und wir mussten uns trennen. Sie sagte: ich soll noch ein paar Tage anhängen, ich sagte: ich muss in die Schule, sie sagte: gehen wir am Samstag in die Disco, ich sagte: "is recht" und tat dann nichts weiter, sie sagte: komm mich in der Arbeit besuchen, ich besuchte sie nur einmal. Wie der Geisterreiter ritt ich in Richtung Freiheit davon, getrieben von den Gedanken des wilden jungen Hengstes, hinter mir lies ich die Angst vor der falschen Entscheidung. Habe also geglaubt ich bin schlauer als der Hengst, ich genieße zuerst meine Freiheit bevor ich mich in einen Stall stelle. Schas! Ich war zwar nicht im Stall aber das Brandzeichen hab ich trotzdem verpasst bekommen. Und wenn es nicht sie gewesen wäre dann hätte es mich halt einige Jahre später erwischt, bei einer Dänin die in einem Casino als Groupier arbeitete, oder bei der Gogotänzerin einer Wiener Nobelstripbar wegen der ich bis 5.00h früh nicht einschlafen konnte, oder oder oder, es gab halt ein paar, aber nicht mehr als auf einer Hand Finger sind.

Nachdem ich auf Umwegen von der Schwangerschaft meiner Angebeteten erfuhr, war das so eine Art erlösender Schlussstrich für mich. Das Brandzeichen vernarbt, aber es schmerzt nicht mehr. Aber der Mensch braucht irgendetwas zum anhimmeln und deswegen begab ich mich auf die Suche. Frauen sind da etwas schwer zu kapieren, die lechzen nach alten grauen Männern (Richard Gere) oder nach irgendwelchen Typen die in einer reinen Bubenklasse nur sekiert worden wären oder ständig eine auf Maul bekommen hätten. (Brad Pitt) Wir Männer sind da halt viel einfacher und logischer zu berechnen. Einen ordentlichen Busen, ein gscheiter Arsch, lange Haare sind auch nicht zu verachten, und fertig ist die Traumfrau. Wenn sie schon redet dann bitte nicht zu viel und wenns geht mit einer angenehmen Stimmlage. Das Schicksal war mir hold, denn eines Tages saß ich im Heimkino bei einem Freund und "From Dusk till Dawn" flimmerte auf unsere Netzhaut. Und da war sie, die fleischgewordene Sünde! Salma Hayek zeigte was sie zu bieten hatte, sprach nicht viel, und wenn, dann kams mir im wahrsten Sinne des Wortes spanisch vor. HALLELLUJA! Noch am selben Abend versprach ich ihr sie zu heiraten wenn sie innerhalb der nächsten fünf Minuten anrufen würde, hat sie nicht, ihr Pech, so habe ich leidergottes die folgenden Jahre in wilder Ehe mit ihr verbringen müssen. Salma hatte einige Vorteile, sie war so schön weit weg, belastete einem nie mit ihren Problemen, keine schlaflosen Nächte wegen ihr, kein Geschenke kaufen für irgendwelche unglaublich wichtigen Anlässe (5. Todestag des Goldhamsters oder soetwas ähnliches), keine dämlichen Fragen über ihr Aussehen obwohl sie genau weis wie sie aussieht. Es war so schön einfach! Es war so schön abnormal! Es war so schön passend zu mir! Es war mit der Zeit fad, und irgendwann, als sie jenseits der 35 Lenze war, gab ich ihr den Laufpass. Jaaa! Jetzt bin ich nicht mehr der kleine Schüchti, jetzt kommandier ich die Weiber herum. Wenn ich spätabends am Gürtel entlang in Richtung Heimat torkele und die Randsteinprinzessinnen sich nach meinem Geld ähhh... mir verzehren, dann krieg ich keinen hochroten Schädel mehr und schweige verlegen vor mich hin, nein, ich schleudere ihr im heldenhaften Flüsterton ein: "Uii, jetzt hob i scho ois versoffn!" entgegen! Und wenn irgendwo ein toller Feger an mir vorbeizischt, dann geniere ich mich nicht mehr, weil ich mir gerade aufs Hemd gesabbert habe. Aber irgendwer im Kosmos hielt meine kleine private Unabhängigkeitsrevolte wohl für zu vermessen, und offenbarte mir ein Wesen an dem ich wohl lange zu kauen habe.

Ladies and Gentleman,
Hier kommt,
die Lieblichkeit herself,
die blondeste Versuchung der Nation,
mein persönlicher Lieblingssargnagel, ... Miss Mirjam Weichselbraun


Wenn es Engerl gibt dann wünsche ich mir, dass sie so aussehen wie die Mirjam, mit diesen herrlich blonden Engelslocken, den gebirgsbachblauen Augen, und dem Gesicht so fein wie dem einer Elfengöttin. Und ihr Gehabe so edel, so anmutig, und dem Gefühl vermittelnd, dir alles geben zu können, und fast alles mitzumachen wo andere Frauen schon längst um ihre Fingernägel fürchten. Zu dieser perfekten Schönheit paart sich eine Ausstrahlung, ein inneres Feuer, wie ich es noch nie zuvor bei einem anderen Erdenwesen beobachten konnte. Wenn sie herzlich lacht dann bräuchte man ihr nicht einmal auf den Mund zu sehen, es genügt schon der Blick auf ihr Augenpaar. Es ist als wie wenn du mit dem Wasserflugzeug über die Malediven fliegst und du versinkst schon in den strahlenden Blaustufen des Meeres, doch dann gibt eine klitzekleine Wolke die Sonne vollkommen frei, und dir bleibt die Luft weg, du bist überweltigt von dem Glanz, von der unendlich scheinenden Tiefe, und von dem traumhaften Farbverlauf. Und was ich mir noch wünschen würde ist ein baldiger Tod, denn die Miri nur im Fernsehkastl zu sehen, ist wie wenn dem Esel die Karotte unerreichbar vors Maul gehalten wird. Aber bei meinem Glück lande ich dann in der Hölle, weil ich als kleiner Bub mal versucht habe die Oma am Sessel anzukleben. Und anstatt mit der Mirjam auf einer Wolke zu hocken, steht die Edith Klinger in einem Kleid aus Blattläusen hinter mir und läßt die siebenschwänzige Peitsche auf meinem gebeugten Rücken niedersausen, weil ich mich irrtümlich mit meinem Hintern auf ihre Lieblings-Schmeisfliege gesetzt habe. Aber bis es soweit ist muß ich noch in meiner Kammer vor mich hin darben. Obwohl das, laut meinem kosmischen Gesetz, ja gar nicht notwendig sein sollte. Denn eigentlich ziehen sich Gegensätze magisch an, da ja irgendwie irgendwo alles ausgeglichen werden muss. Und wenn ich mich jetzt mal genauer von oben bis unten betrachte, dann müßte die Miri ganz ganz ganz wahnsinnig auf mich stehen, einen unmissverständlichen Drang verspüren nach Wien zu pilgern, um mich dort mit ihrer Anwesenheit zu beglücken. Und wir würden in die Nähe der Kläranlage ziehen, damit sie so eine Art Landluftersatz schnuppern kann, und an klaren Tagen kann sie ihren Blick über die Silhouette der Müllberge schweifen lassen die zur Verbrennung bereit liegen. Das Haus darf sie sich natürlich so einrichten wie sie will, eigentlich sollte sie es sich auch gleich selber bauen, ich hatte im Werken immer nur einen Dreier und der war meistens geschenkt. Aber die Wirklichkeit ist grausam und hält sich nicht an mein ko(s)misches Gesetz. Die Mirjam blüht vor sich hin, während ich hier vor Sehnsucht vergehe. Aber andererseits, warum soll sie gerade einen der schätzomativ 745.389 Looser erwählen die hinter ihr hersabbern, wenn sie doch Schauspieler, Geschäftsleute, und Prinzen mit einem Fingerschnipp haben könnte, die sie mit Perlen, Gold und Diamanten behängen, während ich ihr höchstens eine Kette aus leergesoffenen Milchpackerl aus dem Altpapiercontainer bauen könnte. Also lieg ich nachts wach im Bett und träume mir die Miri in mein Leben. (Und das ist verdammt anstrengend wenn du um 3.00h in der früh immer noch auf die Uhr scherngelst weil du nicht schlafen kannst und am Morgen dich dann in die Arbeit schleppen sollst.) In meinen Träumen kennt sie mich, in meinen Träumen mag sie mich, in meinen Träumen findet sie mich gut. Es war also nicht jene Mirjam Weichselbraun die von meiner kümmerlichen Existenz nicht einmal etwas ahnt, es war Mirjam Weichseltraum die mich jede Nacht und teilweise auch tagsüber besuchen kommt. Gestern kam sie auf Besuch! Stand einfach so vor meiner Türe und läutete. Ich machte auf, sie sagte: "Hi, ich bin die Mirjam!" und ich sagte: "Servas Weichseltraum, kumm eine!". (Im Traum versteht die Miri ganz toll den Wiener Dialekt!) Zur Beruhigung genehmigte ich mir gleich ein Schnapserl und bot ihr auch eins an, aber sie wollte nicht. (Sogar im Traum bin ich nervös, saublede Gschicht!) Dann zeigte ich ihr meinen gigantischen Palast, der sich auf monströse 28m² erstreckt. Zuerst gingen wir zum Ostflügel, worin Klo und Dusche und irgendeine Maschine die Kleider nass macht stationiert waren. Sie war entzückt von dem windschiefen Gemäuer, der zentimeterdicken Staubschicht auf dem Teppich, den märchenhaft anmutenden Kalkablagerungen in der Duschkabine (ein unvergleichliches Tropfsteinhöhlenfeeling), und der Donald Duck Badeentenfigur, die heroisch die Dusche gegen Eindringlinge wie Silberfische und sonstiges Getier verteidigt. Danach geleitete ich sie in den Westflügel, sozusagen ein Mix aus Aufenthaltsraum und Schlafstätte. Ich forderte sie auf sich irgendwo hinzusetzten, sie nahm ganz sittsam am Bett platz und ich gesellte mich hinzu. (Diebische Freude fuhr mir ins Gebein, endlich konnte ich auch mal angeben, schließlich war ich gerade mit der Mirjam im Bett, oder zählt das etwa nicht?) Egal, jedenfalls passierte das was ich immer schon im Bett mit der Miri machen wollte, wir spielten Schach und ich gewann! (Das ist übrigens die einzige Gelegenheit die ich kenne, wo man direkt vor den Augen seiner Freundin ungestraft eine Dame befummeln darf!) Miri zog ein Schnoferl, klopfte mir meinen Kuschelbären leicht aufs Hirn und meinte sie wolle jetzt fernsehen. Also drehte ich die Flimmerkiste auf, und wir schauten irgendwelchen sonderbaren Gestalten beim Wandern zu. Eigentlich wollten wir schon wieder abschalten, als plötzlich die sogenannte "Außenmoderatorin" ins Bild kam. Die Miri meinte: "Das ist ja mal ein nettes Mädel!" und bezeichnete sie auch gleich als einzigen Lichtblick dieser Scheißshow. Meinen Hustenanfall nahm sie scheinbar als Beipflichtung auf. Aber der männliche Moderator dürfte ihr auch ziemlich getaugt haben. Damit sie auf keine blöden Gedanken kam, drehte ich ihr den Fernseher ab und zeigte ihr den Südflügel. Hier halte ich für Gäste einen besonderen Leckerbissen bereit, hinter Glas habe ich ein waschechtes Fensterbrett ausgestellt, welches von original Wiener Tauben als Rastplatz angeflogen wird. Diese Tauben dürften aus der weitgehend unbekannten Hermann Nitsch-Taubenzüchtungsstelle stammen, da sie mir jede Nacht eine Kostprobe ihres Könnens am Fensterbrett hinterlassen. Damit das Gesamtambiente auch wirklich passt, halte ich Essensreste in Freilandhaltung auf Keramikgeschirr in der Abwasch. Das liegt gleich neben dem Kastl wo ich das Polarlicht eingesperrt habe. (Wenn mans aufmacht leuchtets und es kommt saukalt raus!) Die Miri war aber von meiner Tätigkeit als Polarlichthüter eher unbeeindruckt und bezeichnete meinen Südflügel lapidar als "Küche". Und dann begann sie noch mit Fremdworte wild um sich zu schmeißen, da kam dann sowas wie: "Mon cher, a bisserl putzen hättest owa scho kennan!". Ich stand dann einige Sekunden ziemlich hilflos da, war das französisch oder doch eine andere Sprache, ich wusste es nicht, also fragte ich mal kleinlaut nach:"Du Mirjam, was heist'n 'putzen'?". Ungläubige Blicke lasteten auf mir, dann ein kurzes Flackern in ihren Augen, dann die Erkenntnis meiner ultimativen Unwissenheit. Aber ich bin ja froh dass ich so doof bin, die Miri hat so eine süße Stimme, ich könnt mich stundenlang von ihr in den Schlaf lullen lassen. Wir hatten dann aber wegen dem 'putzen' doch ein längere Diskussion, schließlich musste ich ihr meine durch mich selbst bewiesene Theorie näherbringen, dass im Laufe der Evolution bei einigen Menschen sich das Haushaltsgen extrem weit zurückgebildet hat und stattdessen ein Zumpferl gewachsen ist. Das untermauerte ich unerschütterlich indem ich ihr über meine Kochunfälle erzählte; Das geprellte Steißbein beim Pizza kochen, die blutverschmierten Butterbrote, die verbrannten Speisen aller Art. So ganz überzeugt war sie aber noch immer nicht, und darum wurde ich zum erstenmal richtig böse mit ihr, und beschloss sie zu bestrafen. (Ist ja schließlich mein Traum!) Und so kam es, dass sie sich die nächste Haarlocke die ihr ins Gesicht hang, ganz alleine wegstreichen musste. Aber wie sollte ich der Miri lange böse sein, ich habs versucht, es ging einfach nicht. Also kam ich auf allen Vieren zu ihr hingekrochen (komplett am Boden kriechen wollte ich dann doch nicht, hab ja schließlich auch meinen Stolz), winselte und jaulte ein Wenig, und sie begann meinen Kopf zu tätscheln, mich einen blöden Hund zu nennen, den sie jetzt aber trotzdem was kochen werde. Sie kam mit einem dampfenden Berg Spaghetti zurück, und erklärte mir die Susi & Strolchi Szene. Und als jeder so an dem Spaghetti nagte, und ich mich in ihren blauen Augen auf meine bevorstehende Frühschwimmerprüfung vorbereitete, verlor ich sie an Gevatter Schlaf der mich endlich übermannte. Aber ich bin nicht traurig, denn ich weis, morgen Nacht klopft Mirjam Weichseltraum wieder an meine Türe. Aber ich bin müde! Es ist anstrengend und eine Belastung, und so kann ich nur hoffen daß die echte Mirjam irgendwie ihre Perfektheit ruiniert, oder ein Zeichen setzt damit endlich mein verstörtes Hirn wieder in die Freiheit entlassen wird. Eine Heirat mit irgendeinem Wastl, oder die offizielle Freundschaft mit einem ungustigen, humorlosen Germanen, oder einfach nur ein Kind, würde mir schon enorm helfen. Liebe Mama Weichselbraun, und alle die die Miri irgendwie kennen und liebhaben, ihr wollts doch auch das die Mirjam glücklich ist. Also bitte redets ihr gut zu, und sagts ihr sie soll nicht so haglich ('heikel' für Dialektunkundige) sein, und doch so nett sein und sich einen von ihren Verehrern schnappen und fixieren. Das kann man dann auch schön marketingmässig in der Kronenzeitung deponieren und ich hätte noch ein bisschen Zeit bevor ich mein Zimmer in Steinhof oder Gugging beziehen müßte. (Neben dem Parlament die berühmtesten Irrenanstalten Wiens und Umgebung!) Und seine großen traurigen Augen bleiben feucht!

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