Von der ursprünglichen Idee, nur die eigenen Großskulpturen in der Landschaft zu platzieren, kamen die beiden Bildhauer Charlotte und Johannes Seidl bald ab. Seit 1992 gibt es in wechselnden Konstellationen „Kunst in der Landschaft”. Die aktuelle Ausstellung ist ein Work-in-progress zum Thema: „Mein Raum”. Dabei werden Künstler eingeladen, Objekte speziell für den Ort zu schaffen, die Bezug nehmen auf das Thema, die Wiesen, den Wald und die Topographie.

Die Arbeiten zu Kunst in der Landschaft VIII sind zum Teil noch immer in der Landschaft zu sehen.
Das neue Jahresthema zu Kunst in der Landschaft IX lautet "Mein Raum". Mehr zur aktuellen Ausstellung


  1. Charlotte Seidl (A) „3 Mamis",

links: Robert Svoboda "Wiener Grün"rechts: Wolken von Helga Cmelka (A), Das Wolkenobjekt von Helga Cmelka, entstanden im Rahmen des Projekts
Landschaftsstreichler 2007, bekommt heuer Zuwachs: Die Künstlerin lässt
diesmal neue bläuliche Wolken sich in einem abgestorbenen Baum verfangen.

"My Memory of Husm" von Hiroshi Egami / Japan
Hiroshi Egami hat vor Jahren an der Nordseeküste 14 tage lang jeden tag mehrere exakte, große Sandkuben gebaut, die dann langsam von der flut wieder zerstört wurden. in Erinnerung daran hat er die erste Phase der
Deformation in Stein nachgebaut.


Manfred Gaderer (A) „Cans and Heads“ 2009

Mit Masken zum Hineinschlüpfen aus Plastikgießkannen gefertigt, nimmt Manfred Gaderer Bezug auf die afrikanische Maskentradition und bedient sich des nahe liegenden Materials des Kunststoff-Alltagsgegenstands. Auf weiße Stangen aufgepflanzt, treten Zweier-, Vierer- und Fünfergruppen miteinander in einen Dialog.

Roxane Legenstein (A und Chikago) Die in den USA lebende Österreicherin nimmt mit ihrer Installation Bezug zur politischen Situation: „12 Blind Leaders“, klein geratene Polyesterfiguren, die auf unproportional großen Eisensockelnsitzen (Foto Rechts).

Die Seidls selbst haben für „Kunst in der Landschaft VIII“ ebenfalls neue Objekte geschaffen. Charlotte Seidl setzt je eine neue Wasserfrau, eine Flammenfrau und zwei Wartende hinzu und thematisiert mit der Gruppe der „3 Mamis“, anhand von 2,80 Meter hohen Frauenfiguren, wartende Mütter. Johannes
Seidl gestaltete einen fünften 2.30 Meter hohen Savonius-Flügel. Er nimmt damit das Prinzip des Savonius-Rotors auf und verleiht dem zweischaligen Flügel höchste Empfindsamkeit: Der leiseste Windhauch setzt das Objekt in Bewegung

Weitere Künstler werden kontinuierlich neue Objekte für „Kunst in der Landschaft VIII“ anfertigen – der Natur-Ausstellungsraum verändert sich damit ständig und bringt immer wieder Neues.

Das Jahresthema
Der Begriff des Fremden hat nichts von seiner Aktualität verloren. Je näheruns das Fremde kommt, desto mehr kann es uns beunruhigen, sogar ängstigen. Kann aber auch faszinieren. Fremd und nah stehen in einem ambivalenten Verhältnis zueinander. „Obwohl wir nun schon seit 20 Jahren hier am Gut
Gasteil mit Kunst arbeiten, Kunst machen und auf vielfältige Weise zeigen, sind wir und unsere Arbeit den Einheimischen von Prigglitz doch fremd geblieben“, stellt Charlotte Seidl fest und beschreibt damit den Ausgangspunkt für das Jahresthema. Während uns also das Nahe oft sehr fremd sein kann, kann das scheinbar Fremde sehr nahe sein und uns berühren. Dieses
Wechselspiel lässt sich heuer am Gut Gasteil prägnant erleben.


Roxane Legenstein „12 Blind Leaders“

Christine Eberl (A) “Früher oder Später” 2006Die ursprünglich weiße Kugel erlebt ihre 4. Auflage mit Waldreben.


Andreas Sagmeister (A) “So nah so fremd” 2010Aus einer gemeinsamen Basis entspringen eine gebogene und eine abgewinkelte Form. so nah - so fremd. Sie entfernen sich in entgegengesetzten Richtungen und suchen das Weite. Der Oberösterreicher arbeitet gern mit dem Materialmix Cortenstahl und Holz.

Herbert Hackl (A) “Dino” 2010
Vor jedem großen Wechsel auf der Erde gibt es Gigantonomie. Von den Dinos zum Turmbau zu Babel und den Gebäuden in Dubai.Herbert Hackl lebt als freischaffender bildender Künstler und Jogalehrer in Wien.

Ohya Rica (Japan) "Container for Life" 2010
Eine große, raumgreifende Intervention im nassen Bereich mit Überresten vom letzten Sturm, mit Gras und Erde.

Once overflowed with hope
Once awash with despair
a place for a spinning thread of life
That was a long, long time ago
Now, there is no delight, no sorrow in nature any more.


Hanjyo Katsuki aus Japan, der für Projekte mit Abfällen der Wohlstandgesellschaft international bekannt ist, nutzte während seines vierwöchigen Arbeitsbesuchs am Gut Gasteil im März Baumschnitt als lebenden Abfall Vorort. Er stellte einen begehbaren Kokon mit drei Metern Höhe, 16 Metern Länge und drei Metern Breite fertig – als offenen Raum in der Landschaft.


Steine von Andreas Buisman (A und Australien),

Labrador von Peter Paszkiewicz (A)



Steine sind das Ausgangsmaterial für ganz unterschiedliche Formen von Andreas Buisman und Peter Paskiewicz. Während Buisman die Steine flach wie Findlinge einsetzt und in ihnen Spuren wie archaische Überreste legt, bearbeitet Paskiewicz russischen rötlich gefärbten Granit in ungewöhnlicher Quaderform und dem Format drei mal ein mal ein Meter.


Steinlegung von Johannes Seidl


Das Archiv (CH, D) „Kristall“ 2009
Kristall, Adern, tief im Inneren, Licht bricht sich, das Auge sucht und findet Wege, Durchblicke, sieht Zwischenräume, kristallklar...
Sabina Kaeser (Zürich) und Thomas J. Hauk (Berlin) treten gemeinsam als Installations- und Performenceduo unter dem Namen Das Archiv auf.
Konstruktion Kristall: Johannes Seidl 2004/2005
Das Archiv (CH, D)
„Der vergessene Raum“ 2009
Die Leere des aufgelassenen Raumes, bezeichnet mit rotem Faden, Erinnerungwege vielleicht, Gedanken, Träume, das sichtbargewordene Vergessene...


Das Deutsch-Schweizer Duo
Das Archiv arbeitet grundsätzlich mit vorgefundenen Räumen und so bespannten die beiden Künstler den White Cube, ein Objekt aus früheren Jahren, mit roten Fäden. Wie ein Spinnennetz zieht sich dieses rote Geflecht nun über den „vergessenen Raum“. Auch des
Hausherrn, Johannes Seidls, nie vollendeter Edelstahlkristall erhielt ein rotes Fadennetz – als Kristallstruktur in seinem Inneren.


Charlotte Seidl (A) „Windfrau Jansar"


Ohya Rica "Container for Life" 2010

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