Sammlung Kanaltal

Sammlung Kanaltal 1

Einleitung  4

Zur Landeskunde des Kanaltales  5

Die Phasen der Besiedlung (bis 1938) 8

Das Kanaltal im Zeitalter der Illyrer und Noriker: 9

Kanaltal in der Römerzeit 11

Die spätantiken und langobardischen Burgen in Kärnten. 12

Das Gailtal. 13

Beginn der mittelalterlichen Landnahme  14

Die Siedlungstätigkeit des Bistums Bamberg (1007 - 1759) 15

Die kirchliche Organisation im Patriarchat Aquileia  20

Einleitung  20

Erzdiakonate  21

Die Pfarren Kärntens im aquilejischen Anteil 22

10. Saifnitz  26

1000 – 1200  31

1106  31

1146-70 Gründung der Feste Federaun  31

1184 Pontafel, 31

1200 – 1300  31

1200 Malborghet 31

1260 Uggowitz  31

1279 Burg Straßfried  31

1300 - 1450  31

1311 Verpfändung der Feste Federaun  31

1328 Landesgericht im Kanaltal 31

1341 Belehnung der Himmelberger mit der Feste Federaun  32

1348 Zerstörung der Feste Federaun durch das Erdbeben 1348  32

1357 Heinrich Raspe  32

1399 Tarvis  32

IV. Die Grafschaft Friaul (Kärntner Anteil). 32

1411 Kollnitzer 44

Bamberger Maut in Villach  44

Kaiserliche Mautstelle Obertarvis  44

Mautstelle Pontafel 44

1450 - 1500  45

1455, 24. September 45

1458  45

1460, 25. Januar 45

Der zweite Türkeneinfall 1476. 45

1500 -1550  45

1500, 12. April 45

1508 – 1516 Friulanischer Krieg  46

1515, Herbst 49

1516, 3. Dezember 49

Vor 1529  49

Steuerforderungen der Landschaft Kärnten  49

1535 Ferdinandeischer Rezess  49

1550 - 1600  49

1554 König Ferdinand I. erlässt eine Hausordnung  49

1559 Grenzstreitigkeiten mit Venedig  50

1567 Erbhuldigung  50

Michaelsbruderschaft in Malborghet 50

Wirtschaft im Kanaltal 50

1600 - 1650  53

Grenzstreitigkeiten mit Venedig 1604  53

Krieg mit Venedig 1615/17  53

Wirtschaft 53

Religion  54

1650 - 1700  56

1659 Steuerschulden  56

Wirtschaft 56

Fremdenverkehr 56

Verkehr 56

Bevölkerungsentwicklung  57

Religion  57

1700 - 1750  57

Wirtschaft 57

Religion  60

1750 - 1800  60

Der letzte bambergische Vizedom und die Verkaufsverhandlungen  60

Vom habsburgischen Erwerb bis zu den napoleonischen Kriegen  62

Verkehr und Straße  64

Gewinnung und Verarbeitung von Bodenschätzen im Kanaltal 65

Die Zeit der napoleonischen Kriege  67

Die Franzosenzeit 1797 – 1815 und ihre Auswirkung auf das Kanaltal 72

1800 – 1850  73

Die Kriegsereignisse des Jahres 1809  73

Das Jahr 1813  83

Die Franzosenzeit (1797) 1800 – 1815 und ihre Auswirkungen auf das Kanaltal 84

Das Kanaltal im Vormärz  88

Verwaltungsgeschichte  88

Kirchengeschichte des Vormärz  89

Die Bevölkerung des Kanaltals  90

Handel und Verkehr im Vormärz  91

Wirtschaft im Vormärz  93

Land- und Forstwirtschaft 98

Erwerbszweige im Zusammenhang mit dem Durchzugsverkehr 99

Lokalgeschichtlich Details  100

Das Kanaltal im Jahr 1848  101

1850 - 1900  104

Kanaltal: Die Zeit von 1848 bis zum Ersten Weltkrieg  104

Verwaltungsgeschichte  104

Bevölkerungsentwicklung  105

Verkehrsgeschichte  109

Wirtschaftliche Verhältnis  115

Schulwesen  134

1900 - 1950  136

Der Erste Weltkrieg im Kanaltal 136

Vor Ausbruch des Weltkrieges bis zur Kriegserklärung Italiens  136

Ursachen für die Abwehr des mit überlegenen Kräften geführten italienischen Angriffs  138

Weitere Gründe für das Gelingen der Abwehr des italienischen Angriffes  144

Das Kanaltal im Kriegsjahr 1915  145

Die Kriegsereignisse im Kanaltal vom Winter 1915/16 bis zum Kriegsende  146

Einige bekannte Persönlichkeiten, die an der Kanaltalfront standen  148

Die Lage der Bevölkerung und die wirtschaftlichen Zustände im Kanaltal 1915 – 1919  148

Der Vertrag von St. Germain  149

Die Folgen des Ersten Weltkrieges auf Siedlung und Bevölkerung im Kanaltal 151

Die Option 1939 und ihre bevölkerungsgeographische Auswirkung. 154

Die Option und ihre Ergebnisse  155

Bestrebungen der Kanaltaler Bevölkerung in der Nachkriegszeit 160

Argumente betreffend das Kanaltal für eine Zugehörigkeit 163

Die Bevölkerung des Kanaltals in der Nachkriegszeit 164

Die Enteignungen im Kanaltal 166

Das Kanaltal in der Gegenwart 168

Die neuere Bevölkerungsentwicklung im Kanaltal 168

Zur zahlenmäßigen Erfassung der einheimischen Kanaltaler 172

Methodisches zur Erfassung der einheimischen Kanaltaler 175

Der ethnische Proporz  178

Sprachlich-kulturelle Eigenarten  181

Sprachbewußtsein und -gebrauch  188

Die beiden Minoritätensprachen des Kanaltals in der Öffentlichkeit- Volkstumsarbeit 190

Zu den Kanaltaler Ortsnamen  199

Sozioökonomische Verhältnisse  201

Land- und Forstwirtschaft 202

Wandel und Beharrung im ländlichen Siedlungsraum   211

Zusammenfassung und Ausblick  214

 

Einleitung

Ernst Steinicke

Fast der Generalisierung ist in den Schulbüchern und im allgemeinen Wissen die Tatsache zum Opfer gefallen, dass Österreich nach dem Ersten Weltkrieg im Friedensvertrag von St.Germain (1919) nicht nur Südtirol sondern auch das Kanaltal an Italien abgeben musste . So ist der geringe Bekanntheitsgrad des Kanaltales zu verstehen, obwohl es in den Ostalpen nur wenige Räume gibt, die eine ähnliche kulturgeographische Mannigfaltigkeit aufweisen.

Selbst in Kärnten, dem der größte Teil des Kanaltals vor den Ersten Weltkrieg angehörte, greift die Unwissenheit über dieses " Tal " um sich, in das man von den Anhöhen um Villach - schwenkt man seinen Blick bei Schönwetter gegen Südwesten - hineinsehen kann. Der Besuch des Tarviser Marktes, die Benützung der Autobahn oder der Nationalstraße durch das Kanaltal, um möglichst schnell an die Adria zu gelangen, oder der Empfang des Pop- und Werbesenders "Radio Valcanale" in Kärnten reichen nicht aus, sich Vorstellungen zu machen, dass in diesem nordöstlichen Teil Italiens noch immer eine Restbevölkerung von deutsch- und slowenischsprachigen ehemaligen Kärntnern ( mit ihren Nachkommen) siedeln.

Ein Grund für diese Unkenntnis liegt darin, dass es sich hierbei mehr um einen historisch entstandenen als um einen geographischen  "Tal" Begriff handelt. Unter "Kanaltal" - der Ausdruck hat seine Wurzeln im friulanischen Wort „Chianâl" oder „Cjanâl", welches für schlauchartige Täler ( Berggräben ) gebraucht wird - versteht man heute jenen Teil der Provinz Udine , Region Friaul-Julisch Venetien , den Italien 1919 von Kärnten annektierte, sowie die ebenso an  Italien angegliederte, vor 1919 zu Krain gehörige Streusiedlung Weißenfels (Fusine in Valromana).

Das so 1919 entstandene Gebiet mit einer Fläche von 36.576,5 ha stellt eine geographisch eindeutig abgegrenzte Einheit dar.

Im Norden bilden die Karnischen Alpen vom Roßkogel (2.240 m) bis zum Gailitzdurchbruch bei Thörl und die Westkarawanken bis zum Dreiländereck am Ofen (Mt. Forno , Peč 1.509 m), die Grenze zu Österreich; im Süden ist das Kanaltal begrenzt durch die Gipfel der Westlichen Julischen Alpen , mit dem:

Zweispitz - Due Pizzi , 2.046 m,

Mittagskofel - Jôf di Miezegnot , 2.087 m,

Montasch oder Bramskofel - Jôf di Montasio 2.753m,

dem Nevea-Sattel (1195 m) bis hin zum Predilpass (1156 m). Von dort folgt die östliche Umrahmung der italenisch - slowenischen Staatsgrenze über den Mangart (2677 m) zur Ratschacher Höhe (870 m) und weiter bis zum Ofen. Wie im Süden wird das Kanaltal auch im Westen durch die alte österreichisch - italienische Grenze, nämlich der Ponebbana Bach (Pontafler Bach), abgeschlossen.

Das Kanaltal umfasst somit den Einzugsbereich der obersten Fella und über die Saifnitzer Wasserscheide (805 m) hinaus auch jenen der Gailitz. Es ist im Westen, Süden und Norden deutlich begrenzt, nur im Osten bildet die Wasserscheide zwischen Save und Einzugsbereich der Gailitz eine kaum sichtbare Trennungslinie (Ratschacher Höhen). Auch die Wasserscheide von Saifnitz (Camporosso) tritt im Gelände nicht besonders hervor. Während die Gailitz im Einzugsbereich der Donau liegt, entwässert die Fella zum Tagliamento und somit zum Mittelmeer. Dazwischen liegt eine der niedrigsten Talwasserscheiden der Alpen, was die Verkehrsbedeutung des Kanaltales begründet und für die Italienischen Gebietsansprüche mitentscheidend war.

Die Hälfte des Kanaltals wäre noch bei Österreich, hätte sich Italien auf die ursprüngliche Forderung nach der „gottgewollten“ natürlichen Grenze, die Wasserscheide, beschränkt. Aus strategischen Gründen wurde jedoch auch das jenseits dieser „natürlichen Grenze“ liegende und ein verkehrsgeographischen Knotenpunkt darstellende Becken von Tarvis beansprucht, um dadurch den zentralen Kärntner Raum militärisch unter Kontrolle zu haben. Die im Frieden von St.Germain ausgesprochene Abtrennung des Kanaltals, als ein ehemaliges österreichisches Grenzgebiet, brachte es mit sich, dass die dort lebenden deutschen und slowenischen (windischen) Bewohner zur Minderheit wurden.

Zur Landeskunde des Kanaltales

Um die Landesnatur zu verstehen, müssen mehrere Faktoren - auch solche geologischer, morphologischer, klimatischer und vegetationskundlicher Art - berücksichtigt werden.

Geologie des Kanaltals

Das Kanaltal folgt einer von West nach Ost ziehenden tektonischen Linie, die mit dem heutigen Talverlauf übereinstimmt. Die nördliche Begrenzung bildet der östliche Teil der Karnischen Hauptkette, über die im besprochenen Gebiet vom Trogkofel (2.279 m) bis zum Oisternig (2052 m) die europäische Wasserscheide verläuft. Diese überquert bei Saifnitz (Camporosso in Val Canale) in 813 m Seehöhe den Talboden und steigt im Süden über den Luschariberg (Monte Santo di Lussari, 1.766 m) , Wischberg (Jôf Fuart, 2.666 m) zum Nevea-Sattel empor (1.195 m). Wie bereits erwähnt, stellt der Ostzug der Karnischen Alpen im Gegensatz zur ungegliederten Front der Julischen Alpen kein abweisendes „Grenzgebirge“ dar. Es überwiegen sanfte, gerundete Höhenrücken, und nur vereinzelt wachsen aus ihnen - Zähnen gleich - Kalkriffe empor. Diese aus einer Transgression im Silur und Devon hervorgegangene Paläozoonischen Kalke bauen die höchsten Teile der Karnischen Alpen auf, wie Roßkofel (2.240 m), Poludnig (1.899 m) und den schon genannten Oisternig (2.052m).

Weiche, dunkle Schiefer des Karbon begünstigen die Entstehung von Verflachungszonen unmittelbar unter den Kämmen. Besonders im Osten eignen sich diese Verebnungen hervorragend für die Almwirtschaft. Die Bäche jedoch verlaufen in wilden, tief eingeschnittenen Schluchten. Alle acht Gräben auf der südlichen Abdachung schlagen in ihrem oberen Bereich die Richtung zur Gailitz ein, welcher sie ehemalig tribunär waren. Heute entwässern sie dagegen mit Ausnahme des Bartolobachs zur Fella. Die Waldbedeckung der Karnischen Alpen und ihrer geologischen Fortsetzung jenseits des tief eingekerbten Gailitzdurchbruches, der Westkarawanken, bis hinauf zu den isolierten Kalkkuppen erzeugen neben den erwähnten Formen - auch einen Farbkontrast zu den Julischen Alpen.

Im Süden des Kanaltals erheben sich die Kalkwände der Julischen Alpen mit ihrem ausgesprochenen Hochgebirgscharakter. Sie gehören fast ausnahmslos der Trias an. Hier sind die Seitengräben oftmals nur angedeutet und verlieren sich bald in steilflankigen Tobeln. Nur zwei Seitentäler führen mit geringer Steigung in das Gebirge hinein. Nach V. Paschinger zählen sie zu den niedrigst gelegenen der Alpen, was die relative Höhe der Gipfel für die Besucher besonders beeindruckend macht.

Das Seiseratal (Val Saisera, Valbruna), ein typisches Beispiel eines glazial geprägten Trogtales, unterbricht die 1.800 bis 2.000 m hohe Kette Mittagskofel (Jôf di Miezegnot) - Zweispitz (Due Pizzi) - Berda , die im Luschariberg ihre Fortsetzung findet. Am Trogschluss steigen die gewaltigen Flanken des Bramkofel oder Montaschs (Jôf di Montasio , 2.753 m) und des Wischberges (Jôf Fuart, 2.666 m) auf.

Das zweite Seitental bildet die Gailitz, die oberhalb von Tarvis Schlitza, und von der Mündung des Kaltwassergrabens an bis zu ihren Quellen Seebach, genannt wird. Ebenso tief eingesenkt wie das Seiseratal ist das Seebachtal bis zur Wasserscheide - am Nevea-Sattel. Jenseits davon setzt es sich im Raccolanatal fort. Vereinzelt treten hier, infolge der flachen Lagerung des Gesteins, verkarstete Hochflächen auf, woraus sich wiederum dolomenartige Felsblöcke erheben, wie zum Beispiel der Raibler Seekopf (Cma.del Lago, 2.125 m), die Confinspitze (2.328 m) , Weißenbacher Spitze (Cma.Alta di Riobianco, 2.257 m) oder, noch weiter nördlich, der pyramidenförmige Königsberg (Monte Re, 1.912 m) .

Das Kanaltal erweckte im Laufe der Geschichte wegen seiner Bodenschätze stets Interesse. Es finden sich diese vorwiegend in zwei Zonen. Die erste folgt der Berührung der paläozooischen Kalke mit den Schiefern der Karbonformation entlang der Karnischen Kette. Im Bereich des Poludnigs und des Kokbergs (Monte Cocco, 1.941 m) - nordwestlich von Uggowitz - treten Rot- und Braunhämatite auf, denen Mangananteile beigemengt sind.

Nördlich von Pontebba, am Kronberg (Monte Corona, 1.815 m), befinden sich auch Kohlevorkommen.

Die zweite Zone liegt weiter im Osten, in den Julischen Alpen. Die reichen Blei- und Zinkvorkommen in den Schichten der oberen Trias des Königsbergs ließen im Seebachtal mit Raibl (Cave del Predil) die einzige geschlossene Dauersiedlung eines Seitentales entstehen. Weniger bedeutend sind die Bodenschätze im Seissera Tal.

Klima und Vegetation des Kanaltales

Das Kanaltal ist nicht nur Begegnungsraum verschiedener Völker, sondern auch verschiedener Klimagebiete, die ihren Einfluss entsprechend der jahreszeitlichen Verlagerung geltend machen. Während sich in den tieferen Lagen eher der kontinental gefärbte Witterungsablauf der Illyrieschen Klimaprovinz bemerkbar macht, werden die Höhen von feucht ozeanischen Strömungen erfasst. Sie bewirken dort einen verhältnismäßig ausgeglichenen Jahresgang der Temperatur. Obwohl die Julischen Alpen wie eine Barriere für die feuchten Winde aus dem Süden wirken, können sie nicht das Übergreifen mediterraner Einflüsse gänzlich verhindern. So ist der westliche Teil des Kanaltals im Juli und Jänner um 3 bzw. 5 Grad wärmer, als der jenseits der Karnischen Alpen gleich hoch liegende, nur zwölf Kilometer Luftlinie entfernte Ort Tröpolach im Gailtal. Dem entspricht auch die Tatsache, dass im Herbst die niederschlagreichste Zeit des Jahres ist. In den jährlichen Niederschlagsmengen besteht kein nennenswerter Unterschied zu benachbarten Räumen, wohl aber im Auftreten von Starkregen, welche die Wasserläufe in brausende Wildbäche verwandeln. Davon sind besonders die trichterförmig angelegten Gräben der Karnischen Kette betroffen; sie gefährden die auf ihren Schuttkegeln errichteten Siedlungen. Wie sehr sich dieses Kräftespiel auch in der geologischen Gegenwart äußert, erkennt man beim Vergleich von alten Katastralmappen mit dem heutigen Bild. Ohne ständige Regulierungsarbeiten wäre eine Besiedlung und Verkehrserschließung kaum möglich, ja selbst die große Wasserscheide würde sich verändern.

Der im Laufe der Jahrtausende ständig aufgeschotterte Talboden konnte nur eine karge Bodenkrumme bilden. Siedlungsgebiete halten sich daher mehr an die fruchtbaren Endmoränen der verschiedenen Rückzugsstadien der eiszeitlichen Gletscher.

Die heutige Vergletscherung beschränkt sich auf zwei kleine Gletscher; die Gletscher des Bramskofels und des Canin (Gletscherzungen zwischen 2.000 und 2.200 m) die als Besonderheit, die niedrigsten Gletscher der Alpen, darstellen. Außerdem gehören sie zu den südlichsten der Ostalpen. Das Zusammenwirken der verschiedenen klimatischen, geologischen und geomorphologischen Voraussetzungen fand seinen Niederschlag nicht nur im Wechsel des Formenschatzes sondern auch in der Vegetation.

Die auf engstem Raum zusammentretende Unterschiede des Klimas entsprechen der Reichtum und die Vielfältigkeit der Flora sowie das Vorkommen einzigartiger Pflanzen, wie etwa der Kärntner Wulfenia, die im Gebiet des Nassfeldes zu finden ist. Auch in der Pflanzendecke bestehen Abweichungen zwischen den Karnischen Alpen und Julischen Alpen, die sich nicht zuletzt in die starken Expositionsunterschiede im obersten Fellatal zeigen. Nicht zu vergessen ist jedoch der Einfluss des Menschen, der besonders auf den sonnseitigen Karnischen Alpen für seine Almen und Weiden große Schlägerungen vornahm (Uggowitzer Almen).

Was bei der rezenten Vergletscherung schon angedeutet wurde, gilt für alle Höhengrenzen, nämlich ihr niederer Verlauf im Kanaltal.

Der Talboden, welcher östlich von Pontebba mit 570 m seine tiefste und an der Wasserscheide von Saifnitz mit 813m seine höchste Stelle besitzt und auf dem sich der Großteil der Siedlungen befinden, liegt im Übergangsbereich der submontanen Stufe. Das Gebiet der Saifnitzer-Wasserscheide tragen schon die Merkmale der montanen Stufe. Sie beginnt zumeist am Hangfuß und erstreckt sich bis in eine Höhe von etwa 1.500m. In den Seitentälern - dem Seisera - oberhalb von Wolfsbach sowie dem Seebachtal schließt sie auch den Talboden ein.

Aus der Verbreitung des Waldes kann man ersehen, welche Bedeutung dieser für die Kanaltaler Wirtschaft hat. Knapp die Hälfte des gesamten Areals ist mit Wald bedeckt. Es herrscht der Hochwald mit Fichte und Lärche vor. Über die Waldgrenze schließt sich, bis ca.1900 m, die subalpine Stufe mit Zwergsträucher, Legföhren und vereinzelten Lärchen an. Sie dient vor allem als Sommerweide. Wo sie in Felsgeröll übergeht und die Vegetation nur mehr durch Zwergsträucher, Gräser und Flechten gebildet wird, beginnt die alpine Stufe.

In Lawinenstrichen und Schluchten haben sich Vertreter der oberen Vegetationsstufe mancherorts bis auf den Talboden vorgeschoben. So kommen in der Schlitzaschlucht Legföhren und Alpenrosen vor, die Inseln in den Schuttströmen bilden. Andererseits klettern Pflanzengemeinschaften des Talbodens an warmen Stellen weit in die Höhe, so dass mitunter Zyklamen neben Edelweiß wachsen.

Wie erwähnt, liegen die Höhengrenzen im Kanaltal tiefer als in anderen Teilen der Alpen. So befindet sich die Waldgrenze in einer Höhe von 1.500 m bis 600 m, während sie auf der Nordseite der Karnischen Alpen wieder auf ca. 1.800 m ansteigt. Insgesamt verlaufen die Höhengrenzen vielfach um 400 m tiefer als in den West- und Zentralalpen. Neben anthropogenen Einflüssen liegen die Gründe im Lokalklima.

Aus dem Vorhergehenden wird ersichtlich, dass im landwirtschaftlich nutzbaren Teil des Kanaltals - trotz relativ geringer Seehöhe - die Wald- und Weidewirtschaft dem Ackerbau vorzuziehen ist.

Besiedelungsphasen des Kanaltales - Siedlungen

Tarvis

Saifnitz

Uggowitz

Malborgeth

Pontafel

Leopoldskirchen

Bad Lusnitz

St. Kathrein

Weißenfels

Wolfsbach

Goggau

Greuth

Raibl

Die Phasen der Besiedlung (bis 1938)

und ihre Auswirkung auf die ethnische Gliederung der Gegenwart

Um die aktuelle volkliche Zusammensetzung des Kanaltals und - damit zusammenhängend - die Sprachenverteilung zu verstehen, ist die Kenntnis des Ablaufs der historischen Ereignisse unerlässlich.

Die geographische Lage als Durchzugsraum für verschiedene Völker hat den Gang der Besiedlung vorgezeichnet. Die kaum wahrnehmbare Wasserscheide von Saifnitz bietet einen leichten, direkten und relativ wenig gefahrvollen Übergang von der friulanischen Ebene in das Herz der Alpen und weiter zur Donau. Fast ein Dutzend Völker haben sich daher im Kanaltal abgelöst bzw. überschichtet.

Es entspricht nicht dem Sinn der Thematik, hier einen umfassenden historischen Abriss zu liefern. Im nachfolgenden seien daher nur die wesentlichen Schritte des Geschichtsablaufs erörtert, wobei uns vor allem der Aspekt der phrasenhaften Siedlungsentwicklung und ihre Auswirkung auf das gegenwärtige, teils ethnisch bedingte kulturgeographische Raumbild beschäftigt.

Die Literatur zu historischen Fragestellungen wurde zum Teil bereits bei der Vorstellung der Autoren, die sich mit dem Kanaltal befassten, vorweggenommen. Die Arbeiten von Gstirner (l900/01, 1905 - 1907), v. Platzer (1899) - durch Lorenzoni (1926/27) übersetzt und erweitert – Battistella (1924), Tinivella (1930, V. Paschinger (1937), Grafenauer (1946), Fontana (1951), Biasutti (1958), Bonetti (1960), des Kanaltaler Kulturvereins (1978) sowie die Studien der Ortsnamensforscher Lessiak (1919, 1922), Cossutta (1956/57), Kranzmayer (1956), Desinan (1976/77) und die Fachliteratur zur Geschichte Friauls bilden die Grundlage zu den nachstehenden Ausführungen bis zur Abtretung des Kanaltals an Italien.

Die Anfänge der Besiedlung

Es ist nicht sicher, ob eine vorrömische Bevölkerung im Kanaltal auf die Dauer ansässig war. Weder Funde noch Ortsnamen liefern einen zwingenden Beweis, dass sich die keltischen Karnier auch im Kanaltal niedergelassen hätten.

Auf alle Fälle bildete das Kanaltal schon vor der Gründung von Aquileia (183 v.Chr.) und vor der römischen Eroberung der Karnia (115 v.Chr.) einen Durchgangsraum (Die Karnier wurden endgültig allerdings erst um 35 n.Chr. geschlagen; vgl. Bianchetti). Erst mit der Ausbreitung des Imperium Romanum trat eine nachweisliche Besiedlung des obersten Fellalaufs ein (Münzfunde und Ausgrabungen in Saifnitz, Tarvis und Arnoldstein zeugen davon). Entlang der Römerstraße, welche von Aquileia nordwärts führte, sich beim heutigen Ort Venzone in eine über den Plöckenpass ziehende (Via Julia Augusta) und eine dem Fellalauf folgende Straße gabelte, legten die Römer zahlreiche Siedlungen an (vgl. Sricotti, 1937). Die Tabula Peutingeriana nennt im heutigen Kanaltal die Lokalität „Larix“ (Im Gebiet der heutigen Ortschaft Saifnitz); „Summa Alpis“ bezeichnet das Tal, in dem Larix liegt (vgl. Rigoni, 1972). Da im Kanaltal die Grenze zwischen Venetia et Histria und der Provinz Noricum Mediterraneum verlief, hatte Larix wahrscheinlich die Funktion einer Zollstation. Das soll aber nicht unbedingt bedeuten, dass die damalige Grenze der Wasserscheide bei Saifnitz folgte. Man neigt derzeit dazu, diese entweder bei Chiusaforte (vgl. Moro, 1956, 110 f.) oder eher noch bei Pontebba (vgl. Bianchetti, 1977) zu suchen, wo ihr dann später eine fast l000 jährige Grenze gefolgt wäre. Ortsbezeichnungen aus dieser Zeit haben jedoch den Lauf der Jahrhunderte nicht überdauert. Schon Gstirner und später Kranzmayer wiesen darauf hin, dass der Name für den südlich von Greuth verlaufenden Graben, das „Römertal“ (Valromana), nicht auf den Durchzug eines römischen Heeres zurückgehe, sondern ein Kunstprodukt des Humanismus darstelle (Im Slowenischen heißt dieses Gebiet Vranjica, d.h. „Remmer“ daraus „Römer“ ist die Pluralform des altbayr. Wortes Ramm für den Raben – noch heute in der Gottscheer Mundart - . Das „Römertal“ stammt also sprachlich von „Remschental“ remmisch – rabenhaft ab). Italienische Autoren (Lorenzoni, Battistella, Biasutti, Fontana) betrachten allerdings neben Grabdenkmälern, -Inschriften, Münzfunden und der Römerstraße auch dieses Römertal als Zeugnis römischer Vergangenheit.

Nach dem Niedergang des Römischen Reichs folgte fast ein halbes Jahrtausend urhafte Einöde, was durch die Natur des Kanaltals zusätzlich begünstigt wurde. Die unruhige Zeit der Völkerwanderung führte zu einer Unterbrechung der Siedlungskontinuität, da das unwirtliche Land seine Bevölkerung nicht allein ernähren konnte, und eine Versorgung von außen nicht mehr gegeben war (vgl. Kranzmayer, 1956, 33). Zudem darf angenommen werden, dass die durchziehenden Horden der Heruler, Goten und Langobarden das Land verwüsteten (Die Namensgebung des Königsberg (Monte Re) bei Raibl geht, einer Sage zufolge, auf einen Langobardenkönig zurück).

Das Kanaltal im Zeitalter der Illyrer und Noriker:

Wenn der vergleichsweise wenig steile Übergang über den Saifnitzer Sattel als Handels- und Verkehrsweg Bedeutung bekam, wissen wir nicht genau. Seit ungefähr 700 v.Chr. begann mit dem Mittel-Metallicum die Osthallstattkultur im Kärntner Gebiet ihre Wirksamkeit zu entfalten.

Für den, das Kanaltal im Norden begrenzenden Gebirgszug der Karnischen Alpen können wir mit venetischen Einfluss rechnen. Am Kärntner Zugang zum Plöckenpass, der der westliche Nebenpass des Saifnitzer Sattels ist, haben sich von venetischen Handel nach Oberitalien wichtige Zeugnisse erhalten. Auf den Hochplateau der Gurina wurden Bronzebleche gefunden, die venetisch beschriftet, sowie mit figürlichen Darstellungen bedeckt sind.

Unweit davon, auf einer Felswand der Würmlacher Wiesen, entdeckte man Inschriften in venetischer Sprache, die allerdings sehr schwer zu entziffern sind. Sie wurden ins 4./3. vorchristliche Jh. datiert und deutet an, wie lange sich die vorkeltische Bevölkerung gegenüber den seit 250 v.Chr. hier vordringenden Kelten behaupten konnten.

So schwierig und nicht immer unumstritten die Analysen durch die Sprachforscher sein mögen, deutet doch alles darauf hin, dass die Veneter hier und im anschließenden Pustertal Fuß gefasst hatten. Die venetische Bevölkerung, die man hier vermutet, war wohl eng mit den venetischen Volksstämmen des östlichen Oberitaliens verwandt.

Was die Verbreitung der verschiedenen illyrischen Volksstämme im südlichen Kärnten betrifft, lassen sich ebenfalls nur Vermutungen anstellen. Sicherlich hatten sie einen wesentlichen Anteil an der vorkeltischen Bevölkerung des späteren südlichen und südöstlichen Noricums.

Uns vorliegende Funde aus dem Isonzotal (Karfreit, Sanct Lucia) zeigen große Ähnlichkeit mit jenen von Frög (Rosegg). Sie deuten darauf hin, dass die nördlich und südlich des Predilpasses siedelnden kulturverwandten Völker miteinander in Handelsbeziehungen standen. Diese Funde können ins Mittel-Keramikum eingeordnet werden und bekunden damit das Vorhandensein eines vorgeschichtlichen Verkehrs über diesen Seitenpass des Kanaltals.

Der Predilpass setzt einen Straßenbau durch seine steilen Anstiege und die überdurchschnittlich großen Niederschlagsmengen im Gebiet von Raibl beträchtliche Hindernisse entgegen. Tatsächlich beginnt ein Handelsverkehr von nennenswerten Umfang erst zu Ende des Mittelalters.

Wir können das Ende der Hallstattzeit in unserem alpinen Grenzgebiet mit der Mitte des 3. Jh. v.Chr. festlegen. Zu diesem Zeitpunkt dringen Keltenstämme in den Kärntner Raum ein und fixieren damit den Beginn des Spät-Metallikums (La Tène-Zeit). Als Einwanderungsrichtung kommen dabei sowohl jene vom Süden aus Norditalien in Betracht als auch jene vom Norden von der Donau her.

Für das Vordringen der Kelten aus de Süden wird die von ihnen verlorene Schlacht von Telamon (228 v.Chr.), mit der die Römer sie aus Oberitalien vertrieben, in Zusammenhang stehen. .Rasch begannen sich die keltischen Zuwanderer im Gebiet des heutigen Kärntens durchzusetzen und so dominierten sie die illyrisch-venetischen Volksgruppen, die sie im Süden und Südosten Norikums vorfanden. Keltisierungsspuren finden wir entlang der späteren norischen Reichsstraßen, nördlich des Glantales und im Gebiet um Villach.

Der einheimische Eisenbergbau gelangte unter keltischer Oberhoheit. Für den damit verbundenen Eisenhandel, genauso wie für den Transport des Salzes aus dem Salzkammergut kommt die Kanaltalstraße schon in dieser Zeit in Frage. Jedenfalls könnten die keltischen Funde beim Hoischhügel in der Nähe des heutigen Maglern diese Annahme unterstützen.

Am Anfang des 2. JH. v.Chr. (vor 170 v.Chr.) wurde im Raum des Kärntner Beckens das Königreich Noricum begründet. Mit diesem, vom keltischen Stamm der Noriker dominierten Staatgebilde, steht die römische Regierung in Kontakt und schließt vielleicht schon 170 v. Chr. eine Art Freundschaftsvertrag mit dem benachbarten Königreich. Die Handelsbeziehungen zwischen dem Reich der Noriker und der römischen Republik reichten aber viel weiter zurück. Hier traten die Römer die Nachfolge der venetisch-keltischen Handelspartner Oberitaliens an. Mit Anfang des 2. Jh. war es dann den Römern gelungen, diesen Raum endgültig unter ihre Herrschaft zu bringen.

Die Alpenketten wurde bis in die Zeit des Kaisers Augustus als naturgegebene Grenze des römischen Staates betrachtet, so dass man vorerst nicht an eine weitere Expansion dachte. Welche Art die Beziehungen zwischen Noricum und Rom waren, ist an der Regelung des Einfalls einer Gruppe von 12.000 Kelten in die Gegend von Aquileia abzulesen. Diese Kelten, die nach eigenen Angaben wegen Übervölkerung und Kargheit des Bodens aus ihrer Heimat auswanderten, wurden, nachdem sie schon ein „Oppidum“ in der Nähe des späteren Aquileia errichtet hatten, ohne kriegerische Auseinandersetzung in ihre Heimat zurückgeschickt (183 v.Chr.). Zu diesem Anlass wurde eine hochrangige römische Gesandtschaft im nördlich benachbarten Keltenstaat Noricum empfangen.

Den Weg, den diese 12.000 Menschen bei ihrem Marsch gegen Süden einschlugen, kennen wir nicht genau. Von Livius wissen wir nur, dass dieser Weg zuvor als unbekannt galt. Nachdem daraufhin die Straße über den Birnbaumerwald ausfällt, kommt nur der Plöckenpass, bzw. der Saifnitzer Sattel in Frage. Da ein Zug von Auswanderern durch das Mitführen ihrer ganzen Habe bei freier Wahlmöglichkeit den niedrigen Pass mit dem sanfteren Anstieg genommen haben dürfte, spricht vieles dafür, dass sie den Weg über das Kanaltal bevorzugten.

Kanaltal in der Römerzeit

Statio Bilachinium

das heutige Camporosso/Saifnitz hier wird auch eine Zollstation vermutet. Der Saifnitzpass bildet die Grenze zwischen Italien (Italia) und dem regio Noricum. Man muss mit römischen und norischen Regierungsbeamten rechnen.

Mehrere Inschriften , Statuen, Meilensteine und Kleinfunde belegen eine größere Siedlung und Grenzstation.

Die Fundstücke sind:

Der Bilachinium - Sarkophag aus Saifnitz: Heute im Museum in Villach ausgestellt

Es ist dies ein steinerner Sarg eines kleinen Mädchens Namens „Capra“ die Inschrift nennt eine Zollstation „Bilachinium“. Datierung 2/3 Jh. n. Chr.

Der Sarkophag wurde 1910 in Saifnitz gefunden und nach Villach gebracht, die kaum lesbare Inschrift lautet ungefähr:

„Den Totengöttern; Ermianus, Sklave unserer Kaiser, Zollbeamter der Station Bilachinium, und seine Gattin Leontia, ließen den Sarg für ihre liebste Tochter Capra machen, die mit 5 Jahren, 11 Monate und 13 Tagen verstarb.“

Der Ortsname Bilachinium ist auf Villach bezogen worden, jedoch hat die neueste Forschungen ergeben, dass damit der Fundort Saifnitz bezeichnet wurde.

 

Inschrift am Haus „Kranner“: (Carinthia 1891)

„AGLI DEI MANI - IN MEMORIA DI AVILIA LEDA

MORTA ALL´ ETA DI ANNI 23

MUTILIO FORTUNATO E AVILIO GRATO , ALUNNI FRECERO“

 

Inschrift gefunden 1565: (Carinthia 1891)

„AGLI DEI MANI QUINTO MUTILIO CRESTO - VIVENTE

FECE A SE ED A FIORENTINA SECUNDINA

MOGLIE DI RARE DOTI - DI ANNI 25

ED A MUTILIA FORTUNATA MADRE DI

ANNI 70 ED A MUTILIA CRESPINA

NIPOTE DI ANN 4“

 

Tarvis: In Tarvis wurden drei Inschriften gefunden und ebenfalls einige römische Münzen. Unterhalb des Bahnkörpers bei Tarvis sollen Reste der Römerstraße zu erkennen gewesen sein.

 

Larix

Wird heute mit den heutigen Chiusaforte gleichgesetzt, früher wurde Larix mit Saifnitz identifiziert. Als „larix“ wurden auch Zollstationen bezeichnet, aus diesen Grund kann für beide Orte diese Bezeichnung richtig sein.

Die spätantiken und langobardischen Burgen in Kärnten.

Von Franz Jantsch, Klagenfurt.

In der nahen Umgebung des Kanaltales

Tscheltschnigkogel oder Kadischen bei Warmbad-Villach.

Das Kastell liegt an der antiken Straße, die über die Napoleonswiese bei Warmbad-Villach nach Federaun führt und den Anstieg zum Passe von Federaun sowie den dahinter liegenden Gailübergang sperrt, falls nicht, wie im Abschnitte über das Gailtal noch ausgeführt wird, bei Federaun selbst eine Sperre lag.

Das Kastell wurde von H. Dolenz und W. Görlich entdeckt und von Fachleuten ursprünglich für eine prähistorische Befestigung gehalten. Ich führe diesen Umstand deshalb an, weil die Unterscheidung im Gelände zwischen einer prähistorischen Befestigung und einem spätantiken Kastell schwierig ist und die Grabung erst die Entscheidung brachte, die in mehreren Fällen zugunsten der Spätantike ausgefallen ist. Dolenz und Görlich haben die Burg in den Jahren 1932 - 1936 in mustergültiger Weise ausgegraben und im Plane festgehalten.

Eine starke Mauer schützt das ganze Werk, an dessen Ostseite eine starke Toranlage, die viele Spolienstücke enthielt, den Zugang sichert. Eine weitere Turm- und kleine Toranlage ist im Süden, wo ein kleiner Sattel den Zugang von Westen ermöglicht. Felsabstürze sind geschickt in die Verteidigung miteinbezogen. Bei den beiden Toranlagen schließen sich die üblichen Baracken an. Im Inneren findet sich nur am Südosthang ein kleineres Gebäude mit Heizanlagen. Eine frühchristliche Kirche wurde im Inneren nicht gefunden wohl aber fand sich ein solcher Bau außerhalb des Kastells etwas unter dem Osttor: doch ist sein Zweck noch nicht vollkommen geklärt. Die Funde reichen am Tscheltschnigkogel von der Hallstattzeit bis in die Spätantike. Drei Umstände sind bemerkenswert: Das Vorhandensein einer verhältnismäßig großen Anzahl kaiserzeitlicher Münzen, nach Angabe des Keramik-Fachmannes F. Wiesinger, Wels, viel Gebrauchskeramik des 2. - 4. Jahrhunderts n.Chr. und die relativ sorgfältige Aufführung der Mauern, die im Vergleiche zu Duel wesentlich besser erscheinen. Dies lässt die Vermutung aufkommen, dass der Tscheltschnigkogel mit seiner Befestigung älter ist als die anderen Kastelle. Es wäre möglich, dass so wie schon in der Einleitung vom Kastell am Hoischhügel bei Thörl-Maglern gesagt wurde, auch dieses noch auf die Markomannenkriege zurückzuführen ist. Dadurch wäre auch das Fehlen der frühchristlichen Kirche im Innern des Kastells erklärlich.

Die bisher über den Tscheltschnigkogel erschienene Literatur wird angeführt:

Car. 1, 1893, S.159-160.

Car. 1, 1935, S.133-140, H. Do1enz und W. Görlich, Eine spätantike Fliehburg.

Car. 1, 1937, S.27-28.

Kärntner Heimatblätter, Jg. 1, Folge 19, vom 5. Mai 1934, R. Egger, Urvillach.

Kärntner Heimatblätter, Jg. 1, Folge 42, S.3 und 4.

Kärntner Heimatblätter, Jg. II, Folge 12, S.50.

Am Tscheltschnigkogel wurden bisher folgende Münzen gefunden:

Vespasian                   69 -   79 n.Chr.

Hadrian                    117 - 138 n.Chr. 2 Stück

Marc Aurel               161 - 180 n.Chr.

Lucius Verus             161 - 169 n.Chr.

Gallienus                   253 - 268 n.Chr.

Severina                   270 - 275 n.Chr.

Valentinian                371 - 392 n.Chr.

Theodosius               379 - 395 n. Chr.

Das Gailtal.

Die Besiedlung des Lesachtales setzt verhältnismäßig sehr spät ein. Es sind bisher keinerlei prähistorische oder römische Funde darin gemacht worden. Es kommt daher für den Limes nicht in Betracht.

Im Gailtal sind in erster Linie die Verbindungen mit dem Drautal einerseits und mit Italien anderseits zu untersuchen. Wenn wir im Westen beginnen. Kommt zuerst der Gailberg und seine weitere Fortsetzung, der Plöckenpass, in Frage, ein bedeutender Übergang, die kürzeste Verbindung von Aquileia durch das Pustertal und über den Brenner nach Deutschland. Es dürfte dies jener Übergang sein. der auf Kärntner Boden in der Spätantike am längsten benützt wurde.

Dann folgt die Ochsenschlucht, die schon beim Abschnitte I erwähnt wurde und bei Gurina mündet. Westlich von Hermagor, bei Tröpolach, ist ein alter Übergang aus dem Gailtal über das Nassfeld und den Bombaschgraben nach Pontafel (Neuitalien).

Bei Hermagor kommt die Kreuzbergstraße aus dem Gitschtal, bei St. Stefan im Gailtal ist die Windische Höhe, bei Nötsch führt der Bleiberger Graben aus dem Drautal herüber.

Südlich von Nötsch bei Feistritz an der Gail geht ein alter Weg durch den Bartolograben nach Saifnitz im Kanaltal (heute Camporosso). Das Haupteinfallstor nach Italien aus Noricum ist an der alten römischen Reichsstraße Aquileia - Virunum - Ovilabis zwischen Maglern und Tarvis.

Östlich von Arnoldstein bei Riegersdorf führt die Straße zum Wurzenpass und nach Krain. Beim Gailübergang von Federaun wird der Anschluss an das Villacher Becken erreicht. Das nächste Kastell am Tscheltschnigkogel wurde bereits im vorigen Abschnitt besprochen.

Hermagor.

Die Kirche und einige Gebäude stehen auf einem erhöhten Platz, der an der Nordseite gegen den Gössenugbach steil abfällt. Im Jahre 1904 fand man südlich der Kirche frühgeschichtliche Gräber mit emaillierten Scheibenfibeln als Grabbeigaben, die sich im Museum in Klagenfurt befinden. Es ist daher möglich, dass am Kirchhügel eine Befestigung war.

Windische Höhe - St. Stefan i. Gailtal.

Der Zugang aus dem Drautal wurde, wie schon im Abschnitt II besprochen, durch das Kastell von Duel gesichert. Nach den bisherigen Beispielen wäre die korrespondierende Anlage beim Ausgang zwischen St. Stefan und der Windischen Höhe zu suchen. Bisher ist jedoch kein Hinweis dafür gefunden worden. Es sind noch Begehungen im Gelände notwendig.

Nötsch im Gailtal.

Wegen der leichten Passierbarkeit des Bleiberger Grabens muss man den Bestand einer Befestigung in der Gegend zwischen St. Paul und Nötsch annehmen. Die Sperre ist bis jetzt noch nicht gefunden, wohl aber weisen germanische Funde bei Förk darauf hin, wo Reihengräber mit Beigaben, darunter ein Krug und Scheibenfibeln, ausgegraben wurden, die dem largobardischen Kulturkreis angehören. Es muss also in der Nähe eine Siedlung gewesen sein, die wieder mit dem Kastell im Zusammenhang stand. Prof. R. Egger hat 1925 in Förk eine Versuchsgrabung an der Fundstelle durchgeführt, ein Bericht darüber ist aber nicht erschienen.

An der Straße von Nötsch nach Maglern trifft man auf mehrere Fundstellen. Sie zeigen die starke Besiedlung dieser wichtigen Einfallspforte.

Feistritz a. d. Gail.

Im Jahre 1925 wurden bei einem Hausbau Skelettgräber gefunden. Als Beigabe fand man einen mondsichelförmigen Ohrring aus Bronze, der aber in den Besitz des damals diensthabenden Gendarmeriebeamten gelangte. Eine Erwerbung für das Museum war nicht möglich.

Im Kirchhügel von Achomitz kann die Sperre des Bartolograbens liegen.

Dreulach.

1926 wurden Skelette, Bronzeringe der Völkerwanderungszeit und eiserne Klingen gefunden (Car. I. 1927, Jahresbericht).

Göriach, Zagrad, Draschitz.

Aus einer Mitteilung des Herrn Mjr. Kohla ist zu entnehmen, dass 1,5 km südöstlich von Göriach ein großes Plateau mit Steilhängen den Namen Zagrad führt. Mauerreste sind zu erkennen, zum Teil wurde Baumaterial daraus gewonnen und nach Draschitz geführt.

Von Draschitz stammt eine spätantike Tonlampe palästinensischer Form des 5. - 6. Jahrhunderts n.Chr., die heute im Museum des Geschichtsvereines in Klagenfurt unter Inv.-Nr. 6366 aufgestellt ist.

Hoischhügel bei Maglern.

An der Hauptstraße von Aquileia nach Virunum liegend, war Maglern schon in der Antike besiedelt. Durch drei Altäre ist der Bestand eines Jupiter Heiligtums und einer Beneficiarier-Station gesichert (C.I.L. III, Suppl. 13518, 11 482). Sämtliche Altäre sind datiert: 168 n.Chr., 200 n.Chr. und 215 n.Chr.

Siedlungsspuren aus dieser Zeit wurden 1936 am Hang nördlich der Ortschaft Maglern festgestellt. Die hierbei gefundenen Münzen reichen bis Theodositis (408 - 450 n.Chr.).

Gegenüber der Ortschaft Thörl auf dem rechten Ufer der Gailitz liegt auf einem mit Steilhängen vorspringenden Ausläufer das Kastell. Der westliche Teil ist durch Unterwaschungen des Gailitzflusses in das Flussbett abgestürzt. Es wurde 1914 von Prof. Egger teilweise ausgegraben. Dabei deckte man die frühchristliche Basilika und die besonders stark bewehrte Südfront auf. Ein ausführlicher Bericht mit Plan ist erschienen. Prof. Egger gelang es auch, den Namen des Kastells als Meclaria nachzuweisen.

 

Beginn der mittelalterlichen Landnahme

Gedrängt durch die Awaren, kam es im 6. und 7. Jahrhundert zur Einwanderung slawischer Völkerschaften in die Ostalpen. Es gilt als gesichert, dass damit die Slowenen (Alpenslawen) aus dem Gailtal über den Kamm der Karnischen Kette den Weg in das Kanaltal und weiter bis zum Zusammenfluss der Fella mit dem Tagliamento fanden. Mit bajuwarischer Unterstützung lösten sich zwar diese Alpenslawen aus der Herrschaft der Awaren (784), jedoch blieb der Einfluss der Bajuwaren anfangs sehr bescheiden.

Aber auch bei der alpenslawischen Invasion kann noch von keiner echten, nämlich umfassenden Landnahme gesprochen werden. Zu unwirtlich war das Kanaltal, zudem hatte es infolge der Wirren der Völkerwanderungszeit seine Bedeutung als Durchzugsraum weitgehend verloren, da sich der Verkehr größtenteils auf die Straße über den Plöckenpass verlagerte.

Allerdings geht die dünne Besiedelung durch das slawische Hirtenvolk heute noch aus den Ortsnamen hervor. Zwar wurden sie im Dogna- und Raccolanatal von der friulanischen Kultur überschichtet, überdauerten jedoch im Resia- und auch im Kanaltal. Noch heute geht ein Großteil der Ortsnamen auf diese slawische Erstsiedlung zurück, obwohl das Kanaltal 791 in das Frankenreich eingegliedert wurde und damit für über ein Jahrtausend in den Einflussbereich der deutschsprachigen Kultur kam. Kirchlich gehörte es, wie alle Gebiete südlich der Drau, von 811 bis 1751 zum Patriarchat von Aquileia.

Im 10. Jahrhundert gab es keine einheitliche ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung. Zu slawischen und bayrischen Siedlern gesellten sich - folgt man den Ausführungen von Biasutti (1958, 151) - noch einige Friulaner.

Erst mit der Jahrtausendwende tauchen schriftliche Quellen über die Geschichte des Kanaltals auf, welche uns konkretere Hinweise für die folgenden Epochen liefern.

Die Siedlungstätigkeit des Bistums Bamberg (1007 - 1759)

Die eigentliche Landnahme begann erst, als Kaiser Heinrich II. dem Bistum Bamberg (vgl. Jaksch, 1907) 1007 die weltliche Herrschaft über das Kanaltal (jedoch ohne das Gebiet von Weißenfels) und untere Gailtal verlieh. Der Pontebbana Bach bildete dabei die Grenze zum Patriarchat von Aquileia; vorher trennte dieser Bach das Herzogtum Kärnten von der Markgrafschaft Verona.

Mit dem Übergang an die Bamberger Bischöfe - nur einige Liegenschaften bei Leopoldskirchen verblieben im Besitz der Herren von Gemona - verbesserten sich die Verkehrs- und damit auch die Handelsbeziehungen zwischen Kärnten und Venetien. Der Ausbau der Straße an der obersten Fella bot die Grundlage für die weitere Siedlungstätigkeit, und mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Villachs erhielt diese Straße höchste Bedeutung für den Warenverkehr (Zwischen 1146 und 1179 „Via Canalis qui ducit Villacum“ und um 1213 „Via stricta de Canale de Carentana“ benannt).

Dass sich im Kanaltal schon vor der bambergischen Einflussnahme Ortschaften gebildet hätten, ist unwahrscheinlich (Sieht man von der ehemaligen römischen Station Larix - bei Saifnitz - ab), da noch heute die meisten Dörfer Züge einer planmäßigen Anlage mit langen Straßenzeilen und streifenförmigen Besitzparzellen (Waldhufenanlagen) aufweisen, die nach V. Paschinger (1937,261) auf herrschaftliche Zweckgründungen hindeuten. Die Siedlungsweise der Alpenslawen war dagegen der Weiler bzw. das daraus entstehende Haufendorf.

Nach und nach entwickelten sich acht Kanaltaler Dörfer: Malborgeth mit Lusnitz und St. Kathrein, Tarvis, Pontafel, Leopoldskirchen, Saifnitz, Uggowitz, Goggau und Greuth.

Saifnitz

Die älteste Pfarre des Kanaltals ist Saifnitz, dessen St. Ägidius Kirche auf das Jahr 1106 zurückgeht („Saifnitz“ – 1204 Sevenik, 1260 Seventz, mundartlich „Saffnitz“, stammt vom slow. „Žâbnice“ von slow. žaba – Frosch; ital. rospo) die friulanische Form für Saifnitz „Chiampròss“ (ital. „Camporosso“) weist ebenso auf „Froschfeld“ (Krötenfeld) hin.

1421 wurde Saifnitz mit 70 Dukaten besteuert.

Leopoldskirchen

Aber auch Leopoldskirchen, die Kapelle der hl. Gertrude wird in Dokumenten von 1106 und 1139 genannt, ist noch eine Gründungen des 12. Jahrhunderts.

1106 – 1139 capalla sanctae Gertrudis in mantanis Chanol; Leopoldskirchen, früher auch Diepoldskirchen (von 1355 Dyepoltskirchen) im slow. Lipalja Vas, mundart. Lêpolja Ves oder Dêpolja Ves (vas – Dorf), furl. La Glesie (Kirche).

Leopoldskirchen / Diepoldskirchen geht auf Diepold, Schutzpatron der Holzfäller, zurück.

1421 wurde Leopoldskirchen mit 50 Dukaten besteuert.

Pontafel

Pontafel, 1184 erwähnt, ist noch Gründungen des 12. Jahrhunderts.

1184 Pontavele (wahrscheinlich aus Ponte a Fella), wobei nicht geklärt ist, ob damit das jenseits des Pontebbanabaches liegende Wälsch-Pontafel oder das im Kanaltal liegende Deutsch - (auch Windisch) – Pontafel gemeint ist. Nach Kranzmayer, 1958, 39, entstand „Pontebba“ aus Ponte a(d) Viam und entwickelte sich über Pontaiba (friul.) zu Pontebba.

1421 wurde Pontafel mit 40 Dukaten besteuert.

Malborgeth

Im zentralen Teil des Kanaltals entstand nicht viel später (um 1200) die Siedlung Malborgeth, welche bald ein wichtiges Handels- und Gewerbezentrum wurde.

Um 1200 taucht der Name „Bomborghetto“ (Gutes Dorf) auf. Nach Cossutta, 1956/57, 106 f., hat sich dieses Wort aus „Bamborghetto“ (Bambergerdorf) entwickelt. Einfälle der Venetianer, Brände und Überschwemmungen hätten den Wohlstand des Dorfes ins Wanken gebracht, sodass sich der Name „Malborghetto“ (Schlechtes Dorf) einschlich. Dagegen nimmt Kranzmayer, 1958, 149 an, dass die Silbe „Mal-„ die älteste und ursprüngliche Lautung war. Nach ihm gehe der welsche Name auf eine friulanische Fortifikation des 10. Jh. zurück.

Zwischen Malborgeth und Bad Lussnitz entstanden entlang der rechten Seite der Fella mehrere Dutzend Eisen- und Drahtschmieden, welche u.a. für Venedig Anker produzierten.

1421 wurde Malborgeth (mit Wolfsbach, Lussnitz und St. Kathrein) mit 200 Dukaten besteuert.

Uggowitz

1260 „Ukewitz“; der Name dieses Ortes klingt zweifellos slowenisch. Lessiak, 1922, 73, bringt den Namen des Baches, der durch dieses Dorf fließt, „Ukva“ (Rio Uqua), mit dem Ortsnamen in Verbindung. „Ukva“ stammt vom slow. ukati und meint „glucksendes Wasser“ (Kranzmayer, 1958, 232.

1421 wurde Uggowitz mit 40 Dukaten besteuert.

Aus einem Dokument von 1326 geht hervor, dass die Einwohner von Saifnitz und Uggowitz (1260 erstmals erwähnt) schon damals die Höhenregionen in den Karnischen Alpen zur Sommerweide benutzten und Almen bewirtschafteten. Einen gewissen Einfluss auf die ethnische Verteilung der Bevölkerung brachte nicht nur der Frachtenverkehr durch das Kanaltal mit sich, welcher durch den Einfluss von Bamberg bald in deutsche Hände geriet, sondern auch der vom Bistum ausgehender Impuls zur Ausnutzung der Bodenschätze. In der Folge strömten Friulaner, Venezianer und auch deutschsprachige Kärntner in das Tal, das diese Arbeitskräfte gerne aufnahm. Es entwickelten sich neben dem Bergbau kleinere Gewerbebetriebe, vor allem die durch den Fuhrwerksverkehr notwendig gewordenen Schmieden.

Nach V. Paschinger (1937, 262) bevorzugte die eigentliche deutsche Kolonisation mehr den östlichen Teil des Kanaltals. Im 15. Jahrhundert wurden dort auf den besseren Böden Rodungen vorgenommen, was sich heute noch teilweise in den Ortsnamen spiegelt. Während im mittleren und unteren Kanaltal die geschlossenen Reihensiedlungen - durch Waldzungen voneinander getrennt – charakteristische sind, herrscht im flacherem östlichen Teil bis in die Gegenwart die Streusiedlung vor.

Greuth

Eine der ersten deutschen Siedlungen war wahrscheinlich Greuth (1483 erwähnt); der Name „Greuth“ (Geräuth), „Rodung“, kennzeichnet in Kärnten die hoch- und spätmittelalterliche Binnenlolonisation; nach Kranzmayer, 1958, 81 und 92, liegen die Greuth- Orte fast ausnahmslos in unmittelbarer Nachbarschaft zu Gewerken. Bei Tarvis „Die Teutschgreiterer“, um 1538 erwähnt; slow. Rûte, ital. Rutte.

Goggau

Ach Goggau entwickelte sich bald zu einer rein deutschsprachigen Ortschaft. Schon 1260 taucht der Name Kogoue auf, der auf slow. Kokava – „steinige Schlucht“ bedeutet; friul. Còccau; (Kranzmayer, 1958, 84)

Größere Rodungen wurden etwas früher auch im unteren Teil des Kanaltals getätigt, wobei hier die Nähe zum holzarmen Venetien den Anstoß gab.

1458 wurden die Venezianer bei Goggau von den Österreichern geschlagen.

Lusnitz

Lusnitz, wegen seiner Schwefelquellen schon im 14. Jahrhundert bekannt, wurde ebenso deutschsprachige Zentren.

1353 erwähnt, wahrscheinlich aus slow. „Lusnica“ (Sumpfgebiet) oder „Luzice“ (Laugen- oder Schwefelwasser) abgeleitet (nach Kranzmayer, 1958, 84); friul. Lugizze.

St. Kathrein

 

 

Tarvis

Tarvis wurde 1399 zum erstenmal erwähnt. Der ursprünglich hier dominante Einfluss der Venezianer wurde zurückgedrängt, als deutsche Bergleute mit dem Bleiabbau in Raibl begannen, und sich das Gebiet um Tarvis damit zu einem Mittelpunkt der deutschen Kolonisation entwickelte. Aufgrund seiner besonders günstigen verkehrsgeographischen Lage erlangte Tarvis -gemeinsam mit Malborgeth - zentrale Bedeutung und wurde 1456 mit dem Marktrecht ausgestattet.

1319 bezog sich der Name „Tarvis“ noch auf ein Gewässer: Wasser Tarvis (heute: Bartolobach). Der Name wurde wahrscheinlich von der Stadt Treviso (lat. Tarcisium aus kelt. Tarvos – Stier) übertragen; slow. Trbiž; vgl. dazu Biasutti, 1958, 141 – 144; Kranzmayer, 1958, 219; G. Perusini, 1945, 68 – 71.

1421 wurde Tarvis mit 90 Dukaten besteuert.

Um 1400 bildete Tarvis eine romanische Sprachinsel zwischen den deutschsprachigen / windischen Kärntnern von Villach und den Saufnitzern Slowenen; Jaksch beschreibt Tavis um 1400 als rein italienischen Ort.

Wolfsbach

Wie aus dem Reisehandbuch von Paolo Santonio (vgl. Vale, 1943) hervorgeht, verdankt auch die bis 1740 zu Malborgeth gehörende Siedlung Wolfsbach ihre Entstehung der Eisenverarbeitung.

Der Name stammt vom slow. Vučja Vas, mundartl. Volča Ves (Wolfsdorf); heute oft Ovča Vas (Schäferdorf); der ital. Name Valbruna für das Dorf sowie für den ganzen Graben (Seisseratal, von slow. za jezera – hinter dem See) stammt nach Kranzmayer, 1958, 250 vom friul. Valbrùne, „Zwetschkental“.

Weißenfels

Im Windischen wurde die lokela Eisenverarbeitung „Fužine“ (friul. Fusinis) benannt, die Ortschaft jedoch nach der Burg (wind. „Bajsenfeljž“), welche über dem Weißenbach angelegt ist (Weißenfels); die ital. Namensgebung griff auf das friulanische Idiom zurück, fügte aber noch eine Ortsbezeichnung, „in Valromana“, hinzu, die topographisch nicht korrekt ist. Das Römertal (Valromana) befindet sich nämlich etwa zwei Gehstunden vom Ort Weißenfels entfernt.

Etwa zur selben Zeit, nach Gstirner (1900, 419) um 1404 (allerdings nachweisbar erst ab 1430), entstanden die Gewerke in dem nicht im Einflussbereich von Bamberg unterstellten äußersten Osten des Kanaltals, nahe der zu Beginn des 15. Jahrhunderts von den Grafen von Cilli erbauten Weißenfelser Burg. Diese Hämmer leben noch heute in der Eisenindustrie von Weißenfels (Fusine in Valromana) fort. Die Überlieferung kennt die Kanaltaler Eisenhämmer als älteste von ganz Kärnten. Mit Erbvertrag gelangte die Herrschaft Weißenfels 1456 an das Haus Habsburg. Durch die Zuwanderung deutscher Arbeitskräfte überschichtete auch in dieser Ortschaft das Deutschtum schnell das ursprüngliche slowenische Element. Neben der Gottschee im Süden entstand in dieser Weise im Nordwesten ein zweites ausgeprägtes deutsches Sprachgebiet in Krain.

Raibl

Gstirner, 1900, 418, Bonetti, 1960, 58, und andere (zumeist ital.) Autoren verbinden „Oswald Rablers Zinsguet“ (1447) mit dem heutigen Ortsnamen. Eine andere Auffassung hat Kranzmayer, 1958, 172, der den Ortsnamen von einem alten Rechtslehnwort in der Bedeutung für „Henker“ ableitet. Die amtliche ital. Schreibweise für Raibl ist Cave del Predil.

 

Die ständige Zuwanderung von Deutschkärntnern, von Friulanern und Venezianern ließ die rein agrarisch orientierte slowenische Grundbevölkerung des Kanaltals schließlich zur Minorität werden.

Malborghet, mit seinen in venezianischen Händen liegenden eisenverarbeitenden Betrieben, bildete das Zentrum der italienischsprachigen Bevölkerung. Ebenso waren in Tarvis zahlreiche Hammerwerke in Besitz von Venezianern. In beiden Orten bestanden damals schon vier Sprachen: Italienisch, Deutsch, Friulanisch und Slowenisch.

Aus der Karte 3 wird ersichtlich, dass die Bevölkerungszusammensetzung des Kanaltals beim Übergang vom Spätmittelalter zur Neuzeit in ethnischer Hinsicht keinesfalls homogen war. Die ersten Dauersiedler, die Slawen, hatten ihre Zentren in Leopoldskirchen, Uggowitz und Saifnitz. In Tarvis und Malborgeth überwogen die Romanen (Friulaner und Venezianer), während in Pontafel, Lusnitz, Greuth, Goggau, Raibl und Weißenfels die Deutschsprachigen das zahlenmäßige Übergewicht besaßen. Eine ethnisch gemischte Siedlung bildete Wolfsbach, wo Slowenen und Deutsche etwa den gleichen zahlenmäßigen Anteil hatten.

Neben einer eher unbedeutenden landwirtschaftlichen Tätigkeit, hauptsächlich vom slawischen Bevölkerungsteil getragen, und dem Transit-Frachtenverkehr erhielt die Wirtschaft des Tals durch die Ausnützung der Bodenschätze und deren Verarbeitung ihre stärksten Impulse. Eisenverarbeitende Betriebe standen in Leopoldskirchen, Lusnitz, St. Kathrein, Malborgeth, Wolfsbach, Tarvis und Weißenfels. Bergbau wurde in Uggowitz und Raibl betrieben. Raibl ist auch die jüngste Siedlung des Kanaltals. Es verdankt seinen Aufschwung den Blei- und Zinkvorkommen, die seit 1456 abgebaut werden.

1477 erhielt Tarvis die Weiderechte für das obere Seebachtal, was zu einem Grenzstreit mit den Bewohnern des Raccolana Tals führte. Mit Hilfe des Bistums Bamberg konnte jedoch diese venezianische Einflussnahme nördlich des Nevea Sattels gestoppt werden. Außerdem ließ die ständige von Bamberg geförderte Zuwanderung Deutschsprachiger die Bevölkerung im Laufe des 15. Jh. beträchtlich angewachsen. Die Rodungskolonisation drang in das Innere des Täler ein und schuf einerseits neue Weidegebiete, welche für die Almwirtschaft bedeutend waren, zum anderen stellte sie das für den Bergbau und die Gewerke notwendige Holz zur Verfügung. Auch der Durchzug des Türkenheeres am Ende des 15. Jahrhunderts verhinderte nicht die Bevölkerungszunahme und die damit zusammenhängende fortwährende Verlagerung der Höhengrenze der temporären Besiedlung nach oben, sodass bald ein fühlbarer Holzmangel eintrat. Darauf erließ das Bistum 1537 bzw. 1584 eine Waldordnung, welche die bis in die Gegenwart hereinreichenden Servitutsrechte (Holz- und Weiderechte) regelte (vgl. V. Paschinger, 1937, 261).

Die laufende Zuwanderung führte schließlich auch zu einer Vermischung der Volksgruppen. War Tarvis zu Beginn des 15. Jahrhunderts noch eine venetianisch-friulanische Ortschaft, so deuten die in den Urbaren der Marktgemeinde Tarvis im 16. Jahrhundert genannten Familiennamen eine veränderte ethnische Zusammensetzung an. Nach diesen war bis 1595 der Anteil der romanischen Bevölkerung auf ein Drittel zurückgegangen.

Auch in Malborgeth nahm die Zahl der italienischsprachigen Bevölkerung ab. Vor allem traf es das venezianische Unternehmertum, das in zunehmendem Maße vom Hüttenberger Roheisen abhängig wurde und nach und nach die Möglichkeit des Wettbewerbs verlor. Daneben wirkten sich die politischen Niederlagen Venedigs gegen die Habsburger - die Auseinandersetzungen fanden auch auf Kanaltaler Boden statt - ebenso ungünstig für die italienischsprachige und mit ihnen die friulanische Bevölkerung aus.

Gestärkt ging aus dieser Entwicklung das deutsch-slowenische Element hervor, woraus im Laufe der Jahrhunderte durch das Ineinanderwachsen beider Volksgruppen die Windischen entstehen sollten.

Nachdem das Bistum die Herrschaft über das Kanaltal 1675 aus wirtschaftlichen Gründen an Österreich abgegeben hatte - einzelne Rechte, wie z.B. im Forstwesen und Bergbau blieben in Händen Bambergs - schrumpfte der Anteil der romanischsprachigen Bevölkerung schließlich zu einem unbedeutenden Faktor zusammen. Als das Tal mit allen Rechten an Österreich überging, befanden sich daher die meisten Gewerke im Besitze deutschsprachiger Unternehmer.

168 – 215

Hoischhügel bei Maglern.

An der Hauptstraße von Aquileia nach Virunum liegend, war Maglern schon in der Antike besiedelt. Durch drei Altäre ist der Bestand eines Jupiter Heiligtums und einer Beneficiarier-Station gesichert (C.I.L. III, Suppl. 13518, 11 482). Sämtliche Altäre sind datiert: 168 n.Chr., 200 n.Chr. und 215 n.Chr.

Siedlungsspuren aus dieser Zeit wurden 1936 am Hang nördlich der Ortschaft Maglern festgestellt. Die hierbei gefundenen Münzen reichen bis Theodositis (408 - 450 n.Chr.).

Gegenüber der Ortschaft Thörl auf dem rechten Ufer der Gailitz liegt auf einem mit Steilhängen vorspringenden Ausläufer das Kastell. Der westliche Teil ist durch Unterwaschungen des Gailitzflusses in das Flußbett abgestürzt. Es wurde 1914 von Prof. Egger teilweise ausgegraben. Dabei deckte man die frühchristliche Basilika und die besonders stark bewehrte Südfront auf. Ein ausführlicher Bericht mit Plan ist erschienen. Prof. Egger gelang es auch, den Namen des Kastelles als Meclaria nachzuweisen.

Die kirchliche Organisation im Patriarchat Aquileia

Einleitung

Seit dem Schiedsspruch Karl des Großen, von 811 bildete die Drau die Nordgrenze des Gebietes, das der geistlichen Gewalt der Patriarchen von Aquileia unterstanden. Sowie der Diözesansprengel des Salzburger Erzbischofs aus einem bayrischen Kern vom Inn bis in die Alpen und an die Salzkammerseen und einem größtenteils slawischen Missionsgebiet; Karantanien bestand, genau so wuchs das einstige Bistum der Landschaft Friaul, das seit 567 infolge eines Zwistes mit Rom wegen des „Dreikapitel“ Streites den stolzen Titel eines Patriarchats führte, über sein italienisches Kerngebiet, das vor allem zwischen Isozo und Tagliamento lag, hinaus in die slawischen Lande bis an die Kupa, Gurk und Sottla und nach Norden in die Alpen. Hier zählten schon früher die noch römischen Landschaften Cadore und Carnien zum Sprengel der Nachfolger des hl. Hermagoras, der als Gründer der Kirche von Aquileia und Schüler des Evangelisten Marcus galt. Die Nordgrenze war durch die Drau gegeben, von ihrer Quelle an, die Ostgrenze deckt sich später mit der des hl. römischen Reiches gegen Kroatien. Verwickelter lief die Südgrenze.

Denn die Lagunen von Venedig und Grado bildeten das Gebiet eines eigenen, 606 durch eine Doppelwahl entstandenen Gegenpatriachats, gestützt auf die Unabhängigkeit dieses Gebiete vom italienischen Königreich der deutschen Kaiser. Nur eine kurze Strecke von der Isozomündung bis Prosecco rainte das Patriarchat ans Meer. Von hier zog sich die Grenze gegen das Bistum Triest erst nordöstlich, bog dann südlich von Comen und St. Daniel nach Südost um, den Wippacher Kessel abschließend, überschritt, dann wieder nordwärts laufend, den Sattel von Präwald südlich des Nanos und stieg auf dessen Hochfläche hinauf, südöstlich umbiegend, verlief sie durch das Waldland, das das Zirknitz- und Unzbecken vom Adelsberger trennte. Die Grenze reichte also knapp bis an die Römerstraße, die von Haidenschaft gegen Longarieum (Loitsch) und Emona (Laibach) führte. Während diese Straße die Verbindung der Hauptstadt des Patriarchats mit dem Karst, Krain und Untersteiermark bildete, zog eine andere nordwärts durch das Fellatal nach ins Gailtal und Pustertal. Der jeweilige Treffpunkt der drei Straßen, erst Aquileia, dann Cormons, Cividale und schließlich Udine, wurde zum geistigen Mittelpunkt dieses ausgedehnten Sprengels.

Bis 1461 haben die seit 1419 unter venezianischer Oberhoheit stehenden Patriarchen in diesen weiten Gebieten keine Weihbischöfe neben sich geduldet, wie sie Salzburg erst in Maria-Saal, dann in Gurk und schließlich in Chiemsee, Seckau und Lavant eingesetzt hatten. Verschiedene istrische oder venezianische Bischöfe besorgten die geistlichen Pflichten, die Salzburg seinen Weihbischöfen übergeben hatte.

Die istrischen Bistümer standen in einer Art Abhängigkeit vom Patriarchen, die in ihren rechtlichen Auswirkungen an die Rechtsstellung der Salzburger Weihbistümer erinnert; denn seit 996 war eines nach dem anderen von den Kaisern an die Patriarchen geschenkt worden, bis 1094 auch Pola als letztes unter diese Hoheit gebeugt war. Das schwächste und kleinste, das von Pedena, dessen Sitz nicht einmal Stadt war, das einzige, das nicht unter Venedigs Herrschaft kam, hat am ehesten die Rolle eines Weihbistums gespielt. Das italienische Bistum Concordia war bereits 928, ein sonst nicht nachweisbares in Udine 996 an Aquileia gelangt, dem schon um 730 das Bistum in Julium Carnicum (Zuglio) zugefallen war, Belluno und Ceneda folgten im 11. Jh..

Erst 1461 sprengte Kaiser Friedrich III. durch die Gründung des Bistum Laibach den einheitlichen Aquilejer Sprengel; das Amtsgebiet des neuen Bischofs bildet kein geschlossenes Gebiet, sondern lag zerstreut in Kärnten, Krain und Steiermark und war direkt dem Papst unterstellt. Dieser erste Schritt zur Loslösung der österreichischen Gebiete von dem venezianischen Senat vorgeschlagenen und vom Papst ernannten Patriarchen folgte 1575 ein zweiter, indem für die bisher direkt dem Oberhirten und seinem Generalvikar unterstellten Gebieten in Görz und am Karst ein eigener Erzdiakon in Görz aufgestellt wurde. Schließlich hat der Gegenreformationskaiser Ferdinand II. 1628 den tiefsten Schnitt getan: er verband dem Klerus in Österreich den Verkehr mit dem Patriarchen. Aber erst 1751 gelang es, den Papst zur Errichtung eines Görzer Erzbistums zu bewegen. Bis zur Diözesanregulierung Josefs II. gehörten auch die einst aquilejischen Gebiete Kärntens nach Görz. Die außerordentlich wirre Geschichte dieses Metropolitansprengels in der Folgezeit interessiert uns hier nicht, es genüge die Bemerkung, dass neuerdings das Kanaltal wie der Karst Görz wieder untergeordnet worden sind.

Übersicht der Pfarren; Einteilung des Patriarchats.

Die erste Gesamtübersicht über die Pfarren in dem eben umschriebenen Sprengel  bietet das von Kovač herausgegebene Zehentverzeichnis von 1296, das seinen Ursprung einer ähnlichen päpstlichen Zehentauflage verdankte, wie der von Hauthaler veröffentlichte libellus decimationis von 1285, unser älteste Übersicht für das Erzbistum Salzburg.

Eine knappere und weniger vollständige Liste entstand aus ähnlichen Anlass 1323, die wegen des engen Zwischenraums nur zur Ergänzung der inzwischen neu entstandenen Pfarren dienen kann. Für Krain liegt auch eine ähnliche von etwa 1370 vor.

Für die Pfarren Kärntens liegen nur teilweise Übersichten vor, z.B. für die Ebendorfer Pfarren von 1408, eine Übersicht der Pfarren von 1498 in der Vizedomamtsrechnung des Jörg Waldengurger anlässlich der Einhebung des gemeinen Pfennings; für die Pfarre Hermagor ein Filialenverzeichnis von 1590. Eine geschlossene Übersicht haben wir erst in dem schon für den Salzburger Sprengel herangezogenen Index des Guberniums von 1784, im Wesentlichen auf Meldungen von 1751 beruhend. Diese Übersichten genügen jedoch völlig, da auch für die meisten derselben eigene Urkunden der Patriarchen vorliegen.

Für Krain, das zur Ergänzung notwendig herangezogen werden musste, war die ausgezeichnete Übersicht, die Valvasor um 1680 verfasste, grundlegend. Eine ältere von 1526 gibt nur teilweise Auskunft. Einen Auszug aus einer dem Index von 1784 entsprechenden Liste hat Hitzinger 1854 veröffentlicht. Für das Bistum Laibach liegen Auszüge aus den Visitationsberichten Bischof Chröns von 1605 vor. Schließlich liegt ein Verzeichnis der unter Cillier Patronat stehenden Kirchen von 1458 – 60 vor.

Für die Untersteiermark hat Drožens „Diözese Lacant“, wenn das Werk auch unvollständig ist und Štegenšek nur das Dekanat Gonobitz neu hinzugefügt hat, soviel Nachrichten gesammelt, dass, wir mit Ausnahme der Gegend um Winischgraz die Pfarrentwicklung lückenlos überblicken. Schlüsse aus Patronatsverhältnisse erleichtern sie wesentlich.

Für Görz liegt ein Auszug aus einem Visitationsakt von 1570 gedruckt vor, der wenigstens das enthält, was notwendig ist um Vergleiche anzustellen und die Organisation der slawischen Gebiete zu überblicken.

Erzdiakonate

Ursprünglich war das Gebiet in folgende Erzdiakonate geteilt:

1. Kärnten

Kärnten reicht ursprünglich von der Drauquelle bis nach Saldenhofen, das ganze Windischgrazer Gebiet mit Weitenstein eingeschlossen. Der Abt von Arnoldstein erlangte angeblich 1267 das Erzdiakonat in der Pfarre St. Johann und 1394 in der Pfarre Hermagor. Das Erzdiakonat für St. Jakob im Rosental kam 1267 an Ossiach, für Kappel 1445 an Viktrin, für Möchling 1206 an St. Paul, Ebendorf erhielt es für seine Pfarren vor 1469, so dass nach der Errichtung des Bistums Laibach 1462 nur mehr St. Martin bei Windischgraz und Saldenhofen übrig blieben, die dann zum Erzdiakonat Saunien geschlagen wurden, und der Villacher Erzdiakon nur mehr Oberkärnten verwaltete.

2. Saunien

Dieses Erzdiakonat umfasste Untersteier ohne Windischgraz und rechts der Save 1296 Schärfenberg. Das Bistum Laibach, die Klöster Sittich und Landstraß und das Kapitel Rudolfswert brachen eigene Erzdiakonatssprengel aus dem bis auf Josef II. noch ziemlich geschlossenen Gebiet.

3. Krain

Im Osten grenzte dieses Erzdiakonat nur nördlich der Save an Saunien. Knapp am Kloster Sittich vorbei lief dann die Grenze südwärts, bog westwärts am Laibacher Moor vorbei bis Loitsch hinab. Das Gebiet von Idria zählte schon zum Erzdiakonat Tolmein. Nachdem mehrere Pfarren an Sittich gekommen waren und mehr als die Hälfte zum Bistum Laibach gelangt war, blieben nur frei kleine Stücklein übrig, das Bischoflacker Gebiet, das Steiner Gebiet und die Pfarre des Kloster Michelstetten nebst Neumarktl und St. Peter in der Commenda.

4. Mark

Das Erzdiakonat in der windischen Mark umfasste das Gebiet östlich von Sittich und südlich der Save. Nach Einverleibung mehrerer Pfarren in die Klöster Sittich und Landstraß und Gründung des Kapitels Rudolfswert blieb nur das Dekanat des Deutschen Ordens und die Pfarre Gurkfeld über.

5. Tolmein

Das obere Isonzotal wurde zum Teil vom Kapitel Cividale verwaltet, das in Tolmein einen Erzdiakon sitzen hatte.

6. Kloster Rosazzo

Von den noch verbliebenen Gebieten des Patriarchats hat nur das Kloster Rosazzo mit der Pfarre Canale in unserem Zusammenhang Bedeutung. Auch hier werden Erzdiakone erwähnt. Erwähnt sei, dass Carnien wie Cadore eigene Erzdiakone hatten, dass jedoch das übrige Gebiet dem Patriarchen und seinem Generalvikar in spiritualibus (in geistigen Dingen) unmittelbar unterstanden.

Die Pfarren Kärntens im aquilejischen Anteil

Erzdiakonat Kärnten; ursprünglicher Sitz Villach (Maria-Gail?)schon 1169

Als Grundlage dient der Stand von 1296, für die Filialen der Index von 1784

1. St. Martin bei Windischgraz

Ende des 11. Jh. entstanden

2, St. Martin in Leifling

Zwischen 1106 und 1154 entstanden

3. St Michael bei Bleiburg

Wohl vor 1050 entstanden.

4. U.L. Frau in Eberndorf

vielleicht schon im 9. Jh. entstanden 1106 Chorherrenstift, 1599 an die Jesuiten bis 1773

5. St. Kanzian

Schon vor 1000 entstanden; oder erst um 1070?

6. Kappel im Rosental

Vielleicht um 810 gegründet.

7. Rosegg

vielleicht 875/83 gegründet;

8. Maria Gail

wahrscheinlich vor 811 vorhanden, Gründung der Largobarden im 7. Jh. 1090 genannt Patronat seit 1514. um 1520 Herrschaft Finkenstein

Filiale:

Faak

S. Andreae in Egg am Faaker See

 St. Nikolai an der Drau

abgegeben:

a. Fürnitz

hiezu Neuhaus und Korpitsch, Oberlatschach, Ober- und Unter-Rain, Unterschütt und Suschalitz; nach 1090 Patronat später Herrschaft Rosegg

Filiale:

St. Job, Korpitsch

b. St Leonhard

hiezu Riegersdorf, Rattendorf und Hart (aus a) 1757 ?

Filiale:

St. Anna am Hart

S. Mauritii in Riegersdorf

c. Villach

Vikariat gegen 1169 selbständig 1526

Filiale:

S. Marei ob Villach (nach Angabe von Hr. Hofrat Dr. Janitti am Marxrain)

St. Johann, Minoritenkloster

d. St. Martin bei Villach

Pfarre 1233, Patronat Bamberg

Filiale:

S. Annae bei St. Martin

Kalvarienberg in der oberen Vellach

Unter Vellach

Federaun

e. St Georgen bei Villach

1367 anscheinend Vikariat später Filiale von St. Martin

Filiale:

Heiligengeist

f. Bleiberg

abgegeben aus e 1570

Filiale:

Dobratsch

Kreuth, angeblich 1267 mit St. Georgen vor dem Bleiberg strittig

g. Kellerberg

gehört 1274 noch zum Zehentgebiet der Landesfürsten, das von hier bis ans Ende des Jauntals reichte, 1309 als capella- Vikariat und Gründung der Ortenburger genannt.

Filiale:

Töplitsch S. Johannis B. in Staslbach

h. St. Stefan bei Finkenberg

wahrscheinlich von dem vor 1301 selbständig gewordenen St. Kanzian übertragen, Patronat Herrschaft Finkenstein genannt 1384.

Filiale:

Mallestig

Dechanting

Gödersdorf

St. Gregor in Goritschach

St. Kanziansberg

S. Magdalenae

i. Unterlatschach

Vikariat von 1757 Patronat Finkenstein

Filiale:

Pogöriach

Greuth

Unerferlach

Petschnitzen

k. Puzoren

vielleicht ist noch aus Maria-Gail hervorgegangenen Puzoren 1296 genannt wohl Vikariat, identisch mit dem 1348 zerstörten Soriach, in der Nähe der Filiale St, Magdalena in der Schütt (hiezu die Orte Krainberg, Krainegg, Roggau, Tschau, später zu Arnolstein)

9. St. Johann an der Gail

Bei Förk und Saat an der Gail, vielleicht übertragen von Maglern, Meclaria und dann Gründung des 7. Jh.. 1251 an Arnoldstein, vorher Patronat. 1348 zerstört und geteilt in:

Untergegangene Kirchen durch das Erdbeben 1348 St. Johann, Puzoren bei Schütt, ad Thuronem (bei Neuhaus)

a. St. Georg vor dem Bleiberg

Filiale:

St. Paul im Gailtal

Tratten (mit St. Stefan gemeinsam)

Emmersdorf

Kerschdorf

b. aus St. Georg abgetrennt

Saak (1757 Vikariat Patronat Wasserleonburg)

Filiale:

windische Kirche am Dobratsch

c. Göriach

1316 gegründet. Vikariat von Thörl übertragen.

Filiale:

Thörl (capella – Vikariat 1169)

Goggau

S. Mariae bei Hohenthurn

d. Arnoldstein

gegründet 1053 – 1106, wahrscheinlich um 1060/70 von den Eppensteiner; 1106 aus Kloster Arnoldstein.

Filiale:

Dreinagl- und Kreuzkapelle bei Arnoldstein

Gailitz

Seltschach

Hohenthurn

Greuth

Pöggau

Lind

e. Neuhaus

wahrscheinlich die capella Thuro (pod Turje) Neuhaus, an der Wurzenstraße zu suchen, 1261 genannt, zu Arnoldstein gehörig, wohl 1348 untergegangen.

Filiale:

Tschau1784 bei Neuhaus,

f. Feistritz

capella Vikariat des Klosters Mosach- Moggio 1199, dann PatronatGörz, später Cilli

Filiale:

St. Magdalena

Feistritzer Alm

10. Saifnitz

Gründung des Bischofs Otto I. von Bamberg (1103 – 39) 1106.

Kirchen:

St. Aegyd 1106

Ägidius

Gedenktag katholisch: 1. September

Name bedeutet: der Schildträger (griech.)

Einsiedler, Gründer des Klosters St. Gilles, Nothelfer

* um 640 in Athen

+ 1. September 720 (?) in St. Gilles in der Camargue

In der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts soll Ägidius, ein vornehmer Athener, in die heutige Provence gekommen sein, wo er zunächst als Einsiedler lebte; der Legende zufolge nährte ihn eine Hirschkuh mit ihrer Milch. Ägidius wurde bei einer Jagd vom Pfeil des Westgotenkönigs Wamba getroffen als dieser versuchte, das Tier zu erlegen. Um seine Schuld zu tilgen, gestattete der Monarch dem Verletzten, nach seiner Genesung ein Kloster zu gründen. 680 schuf Ägidius die Benediktiner-Abtei St.-Gilles, der er bis zu seinem Tod als Abt vorstand.

Die Legende ließ ihn den Sohn des Fürsten von Nîmes zum Leben erwecken. In Rom warf er unter Gebeten die ihm vom Papst für sein Kloster geschenkten Türen aus geschnitztem Zypressenholz in den Tiber, er fand sie tatsächlich nach seiner Rückkehr im Hafen seines Klosters wieder. Als ein Klosterbruder an der Jungfräulichkeit Mariä zweifelte und drei Fragen in den Sand schreib, erblühten als Antwort des Ägidius drei weiße Lilien aus dem dürren Boden.

Nach anderen Legenden bemühte sich Karl, der Große, - er lebte fast 100 Jahre später - um die Fürbitten Ägidius,: Ein Engel brachte danach einen Zettel mit der bestätigten Sündenvergebung auf den Altar, an dem Ägidius sein Amt versah. Seitdem gilt Ägidius als Beistand einer guten Beichte und Vergebung und zählt als solcher zu den 14 Nothelfern. Sein Tod wurde ihm im voraus verkündet, bei der Bestattung des Entschlafenen hörten Anwesende die Chöre der Engel, die seine Seele gen Himmel trugen.

Schon im 11. Jahrhundert waren Wallfahrten zu seinem Grabe berühmt wie die nach Rom oder Santiago de Compostela. Das Kloster wurde in den Hugenottenkriegen des 16. Jahrhunderts zerstört. Die Gebeine von Ägidius liegen heute in Toulouse. Der Ägidiustag ist noch heute vielerorts ein Tag der Volksfeste.

Attribute: vom Pfeil durchbohrt und mit Hirschkuh

Patron von Graz, Nürnberg, Osnabrück, Braunschweig und Wollaberg im Bayerischen Wald; der stillenden Mütter, Hirten, Jäger, Schiffbrüchigen, Bogenschützen, Bettler und Aussätzigen; des Viehs; bei Feuer, Dürre, Sturm und Unglück; bei der Beichte; in geistiger Not und Verlassenheit; gegen Fallsucht, Geisteskrankheiten, Unfruchtbarkeit von Mensch und Tier; Nothelfer

 Bauernregeln: Ist Ägidius ein heller Tag, so folgt ein guter Herbst.

"Wenn St. Ägidius bläst ins Horn, / heißt es: Bauer sä' Dein Korn."

"Gib auf Ägidius Acht, / er sagt dir, was September macht."

 

Filiale:

St. Dorothea in Saifnitz

Dorothea

Gedenktag katholisch: 6. Februar

in Minden: Ankunft der Gebeine: 11. März

in Metz: Übertragung der Gebeine: 12. M

Jungfrau, Märtyrerin, Nothelferin

* um 290 in Cäsarea in Kappadokkien, dem heutigen Kayseri

+ 305 daselbst

Nach den Berichten flüchtete die christliche Familie des Thorus und der Thea aus einer altrömischen Senatorenfamilie mit ihren zwei Töchtern vor der Christenverfolgung unter Diokletian und siedelte nach Cäsarea in Kappadokien über, wo die dritte Tochter, Dorothea, geboren wurde. Der Richter Fabricius wünschte die Herangewachsene zu heiraten, erfuhr aber, dass sie Christin sei und nur Christus angehören wolle, und ließ sie vor Gericht bringen.

Die erste Marter mit "wallendem Öl" konnte Dorothea nichts anhaben; sie entstieg dem Kessel "als wie mit edlem Balsam gesalbt". Nach neuer Bedrohung wurde sie neun Tage und Nächte ohne Nahrung in einen lichtlosen Kerker gesperrt; schöner als je zuvor trat sie aus ihm heraus. Noch schrecklicher bedroht, bat sie ihren himmlischen Gemahl um ein Zeichen: Ein Götterbild auf hoher Säule wurde daraufhin von Engeln gestürzt und zerbrochen, viele Menschen sahen die Engel, hörten Teufel in der Luft schreien und bekehrten sich. Als auch gütliches Beschwören des Richters nichts vermochte, ließ er Dorothea mit den Füßen an das Folterpferd hängen, geißeln, die Brüste mit Fackeln brennen - dem Tode nahe wurde sie davongetragen. Aber über Nacht heilten ihre Wunden, sie stand ohne Schaden auf. Da ließ der Richter ihre beiden Schwestern greifen, die zwar wieder ungläubig geworden waren, sich nun aber doch öffentlich zu Christus bekannten. Aneinander gebunden wurden sie in ein Feuer geworfen und verbrannt.

Als sie mit dem Tod bedroht wurde, erwiderte Dorothea, den wolle sie gerne leiden aus Liebe zu ihrem Herrn, in dessen Garten sie sich ewiglich erfreuen, Rosen und Apfel brechen werde. Das hörte der Schreiber Theophilus und rief Dorothea höhnisch zu: "Wenn du zu deinem Gemahl in den Garten kommst, so schicke mir doch von den schönen Rosen und süßen Äpfeln welche zu!" Hinausgeführt betete Dorothea an der Richtstätte, als ein goldlockiger Knabe in sternbesticktem Kleidchen mit einem Korb voller Rosen und Äpfeln erschien. Dorothea schickte es zu Theophilus, neigte sich und wurde enthauptet. Das Kind brachte Rosen und Äpfel zu Theophilus und wurde vor seinen Augen entrückt. Dieses, und eine solche Gabe in winterlicher Zeit empfangen zu haben, bekehrte Theophilus; er bekannte sich mit lauter Stimme, wurde ergriffen, vielfältig gemartert, nach erbetener Frist getauft, schließlich enthauptet und sein Leichnam zerstückelt den Tieren vorgeworfen.

Amerikanische Ikone, 20. JahrhundertDorothea gehört mit Barbara, Margareta und Katharina zu den "Virgines Capitales", wird verehrt als Nothelferin, und ist in der mittelalterlichen Kunst eine der beliebtesten Heiligen.

Attribute: Körbchen von Blumen und Äpfeln

Patronin der Blumengärtner und -händler, Bierbrauer, Bergleute, Bräute, Neuvermählten und Wöchnerinnen; gegen Armut, falsche Anschuldigungen, Geburtswehen und Todesnöte

Bauernregel: "St. Dorothee / gibt den meisten Schnee."

Luschariberg

abgegeben;

a. Uggowitz

1260 Klostergründung geplant, damals wohl Pfarre.

Kirchen:

St. Philipp und Jacob  1260 erbaut

Filiale:

Wolfsbach

b. Malborghet

Pfarre seit 1487 ?

Kirchen:

St. Anton der Einsiedler ( † um 370 Didier de la Mothe bei Vienne F.)

Filiale:

Sankt Katharina, Lusnitz ( † um 300 am Berg Sinai Spitalspatronin )

c. Pontafel

1184 gegründet; seit 1729/46 Vikariat von Saifnitz

Kirchen:

St. Johann d. Täufer

Filiale:

Sankt Anton

d. Leopoldskirchen

Gründung Bischof Otto I. von Bamberg 1106/39; Vikariat von Saifnitz seit etwa 1755

1771 Pfarre

Kirchen:

St. Gertrud  ( † um 700 Nivelles Ordensheilige Äbtissin )

e. Tarvis

Pfarre seit 1399

Kirchen:

St. Peter und Paul

Filiale:

Raibl

Flitsch

11. St. Stefan an der Gail

angeblich 793 von Chorbischof Theodorich von Maria-Saal geweiht, Patronat scheinbar Graf von Görz, dann Landfürst, Streitigkeiten 1428.

Filiale:

St. Stefan

Vordernberg mit Wahlfahrtskirche St. Streben

Maria im Graben

Windische Höhe

Tratten mit Sankt Georgen gemeinsam

12. (St.)Hermagor

wohl älter als die Neuordnung von 1070 – 1140, vielleicht aus dem 9. Jh. Patronat 1394 an Arnoldstein geschenkt, Streit um das Patronat mit den Grafen von Görz ca. 1430 – 39.

Filiale:

Untervellach

Rading

Mitschig

Kühweg

Watschig

Möderndorf

Obervellach

S. Aloysii im Guggenberg

Kraschach

SS. Trinitatis am Tanz

St. Urban

St. Maria am Thurn

abgegeben:

a. Egg

1233 Pfarre Patronat Bamberg

Filiale:

Latschach

Rampolach

Dellach

Mellweg

Paßriach

Fritzendorf

b. Tröpolach

Vikariat 1339

Filiale:

St.Leonhard

Rattendorf

c. Weißbriach

Vikariat um 1600

Filiale:

St. Lorenz

Gatschach am Weißensee

S. Friderici am Gitschberg (genannt 1507, fehlt 1784)

d. Förolach

Vikariat 1757

Filiale:

St. Ruprecht

Görtschach

13. St. Daniel

sicher älter als 1014 vielleicht aus dem 9. Jh.

14. Feistritz im Drautal

1169 genannt; ortenburgische Patonat

15. Kamering

1085/97 als Eigenpfarre entstanden.

16. St. Peter im Holz

1072 noch beiderseits der Drau entstanden

17. Lind

Um 1139/40 gegründet.

18. Lavant in Tirol

Vogtei 1448 Gründer von Görz

19 Tristach in Tirol

Eigenpfarre gegründet 1959/65

1000 – 1200

1106

In Saifnitz wird die älteste Pfarre des Kanaltals durch den Bischof von Bamberg gegründet.

Die Kapelle der hl. Gertrude in Leopoldkirchen wird in Dokumenten von 1106 und 1139 genannt

1146-70 Gründung der Feste Federaun

Die wichtigste Feste im Bereich zwischen Villach und Pontafel wo die Hauptverkehrsstraße nach Italien verlief. war Federaun. Sie wurde unter Bischof Eberhard II. von Bamberg (1146 - 1170) erbaut und durch die Bestimmung. daß sie nie als Lehen ausgegeben werden dürfte vor Entfremdung geschützt. Die wechselvolle Geschichte von Federaun, besonders auch im Hinblick auf die Fehden, die sich hier abspielten, ohne daß man aus den Quellen die rechtlichen Begründungen für deren Entstehen kennt, unterstreicht die Bedeutung dieser Burg. Sie lag auf dem steilen Felsabbruch genau über dem Gailübergang und war durch zwei Brückenwachtürme direkt am Fluß gesichert, von denen einer noch erhalten ist.

1184 Pontafel,

Erste Nennung Pontafels

1200 – 1300

1200 Malborghet

Um 1200 taucht der Name „Bomborghetto“ (Gutes Dorf) auf.

1260 Uggowitz

„Ukewitz“ Erste Nennung von Uggowitz; der Name dieses Ortes klingt zweifellos slowenisch.

1279 Burg Straßfried

Die Burg Straßfried westlich von Arnoldstein. von Bamberg wohl Mitte des 13. Jahrhunderts zur Sicherung der Straße nach Italien errichtet, taucht 1279 erstmals als Burg auf. als Bischof Berthold von Bamberg den Söhnen Rudolfs von Habsburg alle Bamberger Lehen verlieh. Im 15. Jahrhundert wurde die Herrschaft Straßfried. die die Strasser (1359). auch die Hämel (Hämbl) aus Villach besaßen. die seit 1464 im Pfandbesitz der Gera, dann der Sködl - lauter Namen, von denen im nächsten Kapitel die Rede sein wird - war. vom Landgericht zwischen Villach und Pontafel getrennt und zum selbständigen Landgericht.

1300 - 1450

1311 Verpfändung der Feste Federaun

Verpfändete Bamberg Federaun mit anderen Besitzungen an Herzog Heinrich von Kärnten. Damals wurde bekanntlich ein Vertrag abgeschlossen, in dem der Bamberger Bischof dem Kärntner Herzog den Verkauf seines ganzen Kärntner Besitzes anbot - eine einmalige Chance, die Herzog Heinrich jedoch Wegen Zahlungsunfähigkeit nicht nutzen konnte.

1328 Landesgericht im Kanaltal

Das Gebiet zwischen Villach und Pontafel bildete ursprünglich ein einziges Landgericht, über dessen Entstehung wir nicht unterrichtet sind. Da dieses gauze Gebiet zur Zeit der Bildung des Landgerichtes dem Bistum Bamberg gehörte, die Gerichtsbarkeit aber nicht, so war diese an keinen bestimmten Sitz gebunden, weshalb das Landgericht auch keinen besonderen Namen hatte. Die Gerichtsbarkeit stand schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts dem Herzog von Kärnten zu. Wir erfahren dies aus einem Schreiben des Kärntner Laudeshauptmanns Konrad von Aufenstein an den Patriarchen von Aquileja von 1328, wonach die Grenzsteine des bambergischen Besitzes und des „iudicium provinciale“ des Kärntner Herzogs „in ripa Ponteuille“ gesetzt waren (Font. II, 40, 33). Wenn daher wenige Jahre später (1341) die Grafen von Görz im Besitze dieses Landgerichtes erscheinen, so haben sie es nicht als Eigengut inne wie ihre übrigen Landgericht in Oberkärnten, sonder als Lehen des Kärntner Herzogs, das sie offenbar zum Lohne für ihre treuen Dienste bei der Erwerbung Kärntens (1335) von den Habsburgern erhielten, wenn auch die vorhandenen Urkunden keinerlei Andeutung über eine solche Belohnung geben. Damit hatten die Görzer ein Ziel, das sie schon lange anstrebten (vgl. Dopsch in ÖA. 87, 35), wenigstens teilweise erreicht: eine bequeme und sichere Verbindung ihrer oberkärntischen Besitzungen mit der Grafschaft Görz. Anderseits aber hatten die Habsburger sich die Oberlehensherrlichkeit über dieses Gebiet gewahrt, das auch für sie wegen seiner Pässe von größter Bedeutung war. 1341 verliehen die Grafen Albert III., Meinhard VII. und Heinrich III. von Görz das LG. „umb Villach und durch den Chanol“.

1341 Belehnung der Himmelberger mit der Feste Federaun

Vor 1341 waren die Finkensteiner von den Görzer Grafen mit diesem Landgericht belehnt. Die Finkensteiner starben aus die Görzer verliehen das Landgericht weiter an die Himmelberger;

1348 Zerstörung der Feste Federaun durch das Erdbeben 1348

Die Feste Fereraun wird 1348 durch das Erdbeben zerstört, dann aber wiedererstanden; ist die Burg seit dem 17. Jahrhundert zur Ruine geworden.

1357 Heinrich Raspe

1357 ist Heinrich Raspe als Inhaber des Landesgericht zwischen Villach und Pontafel bezeugt.

1399 Tarvis

Tarvis wurde 1399 zum erstenmal erwähnt.

IV. Die Grafschaft Friaul (Kärntner Anteil).

Im Friauler Grafschaftsanteil treffen wir nur zwei Herren: seit 1014 das Bistum Bamberg, beziehungsweise 1057 - 1106 das Haus der Eppensteiner, dann  wieder Bamberg im westlichen Teil als Besitzer von Federaun, Malborghet, Tarvis, Wasserleonburg, Straßfried und Finkenstein, dann schon vor 1028 im östlichen Teil die Stifterfamilie des Benediktinerklosters Ossiach, welche mit Otto von Cordenons vor 1138 ausstarb und Markgraf Ottokar II. von Steiermark beerbte, umfassend die LGe Ras (Rosegg) und Hollenburg südlich der Drau, dann nach Aussterben der steierischen Dynasten († 1192) ihre Erben, die Babenberger usw. Dieses Gebiet war eine willkommene Ergänzung zu dem Hollenburger Gebiet nördlich der Drau, welches, wie zu vermuten ist, Markgraf Leopold von Steiermark († 1129) durch Salzburg 1121 überkam (S.125).

Die einstige Zugehörigkeit dieser Landgerichte zur Grafschaft Friaul ergibt sich aus historischen und geographischen Gründen.

In der Urkunde von 1014, Februar 14 (MC. 1, n. 225) schenkt Ks. Heinrich II. die heute verschollenen Ortschaften Gocoleu, Niuzellici und Liubrodici, die in pago ... et in comitatu ... (die näheren Bezeich­nungen fehlen) liegen, dem Bistum Bamberg. Unter der hier genannten Grafschaft ist der Komitat Friaul zu verstehen und unter Cocoleu vielleicht Goggau bei Tarvis (Car. 1, 1907, 113). Weiters liegt nach der Urkunde von 1060, Februar 8 (MC. 3, n. 338), der Ort Villach in der Grafschaft Ludwigs von Friaul. Somit gehörte das ganze Gebiet zu beiden Seiten der Straße von Villach bis Pontafel, das im 14. Jahrhun­dert als ein Landgericht erscheint und im 15. in die Gerichte Burgamt Villach, Federaun, Tarvis und Malborghet zerfiel, noch 1060 zweifellos zum Komitat Friaul, ebenso wohl auch das Gebiet des seit dem 15. Jahrhundert genannten LG. Straßfried.

Weniger sicher, doch auch sehr wahrscheinlich, ist dies beim LG. Wasserleonburg einerseits und den LG. Finkenstein und Rosegg und dem südlich der Drau gelegenen Teil des LG. Hollenburg anderseits.

Bezüglich des Gebietes von Wasserleonburg ist vor allem hervorzuheben, daß Eigengut und Gerichtsbarkeit der Görzer gerade nur bis zu den Grenzen Wasserleonburgs reichten und Wasserleonburg mir einmal, um 1310, und auch da nur vorübergehend wahrscheinlich als Pfand im Besitze der Görzer erscheint. Daher kann es nicht aus der Grafschaft Lurn hervorgegangen sein, von welcher die übrigen Görzer Landgerichte hervorgegangen sind.

„untzen an die Pontaeuel“, die Vogtei zu Wöeth und St. Martin bei der Gail (Feistritz) und alles, was die Finkensteiner von ihnen und ihren Vorfahren zu Lehen getragen hatten und ihnen von Cholo, weil. Gholos von Finkenstein Sohn, ledig geworden war, an Otto von Himmelberg (Revers von 1341, Dezember 9, WStA. Orig.). Ottos Sohn Kuntz ver­kaufte das Landgericht und die übrigen Gülten 1357 dem Heinrich Rasp, der noch in demselben Jahr von den Görzern damit belehnt wurde (HR. 3, 602'). Im  15. Jahrhundert beginnen die Versuche Bambergs, das Landgericht, das damals im Lehenbesitze der Kollnitzer war, für sich zu gewinnen. 1411, Mai 26, erwirbt es Bischof Albrecht als Pfand für 1000 fl., die er dem Eberhard Kollnitzer vorstreckte (Orig. GV., Hermanns Darstellung Hb. 1, 340, ist falsch). Doch lösten es die Kollnitzer bald wieder ein. Graf Heinrich von Görz verlieh das Landgericht noch 1451 dem Eberhard Kollnitzer und dessen Bruder Daniel (HR. 2, 576'. Vgl. Beschreibungen S. 308).

Daniel Kollnitzer verkaufte es 1455, September 24 (Orig. WStA.), noch als Görzer Lehen dem Grafen Ulrich von Cilli um 1600 fl. Durch den Pusarnitzer Frieden (1460) fiel auch dieses Landgericht an Ks. Friedrich III. Damals war es durch die MG.e Malborghet und Tarvis und BF. Arnoldstein mehrfach durchbrochen (vgl. LG. Stralfried, S. 238) und zerfiel so in zwei Teile, wovon der eine sich von Villach bis Federaun erstreckte und der andere das Kanaltal umfaßte. Aus dem ersten Teil entwickelte sich das spätere LG. Burgamt Villach, aus dem zweiten das LG. Federaun-Kanaltal. Außerdem erhielten auch noch die Herrschaft Straßfried sowie die Märkte Malborghet und Tarvis volle Gerichtsbarkeit.

A. LG. zwischen Villach und Pontafel.

Das Gebiet zwischen Villach und Pontafel bildete ursprünglich ein einziges Landgericht, über dessen Entstehung wir nicht unterrichtet sind. Da dieses gauze Gebiet zur Zeit der Bildung des Landgerichtes dem Bistum Bamberg gehörte, die Gerichtsbarkeit aber nicht, so war diese an keinen bestimmten Sitz gebunden, weshalb das Landgericht auch keinen besonderen Namen hatte. Die Gerichtsbarkeit stand schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts dem Herzog von Kärnten zu. Wir er­fahren dies aus einem Schreiben des Kärntner Laudeshauptmanns Kon­rad von Aufenstein an den Patriarchen von Aquileja von 1328, wonach die Grenzsteine des bambergischen Besitzes und des „iudicium provin­ciale“ des Kärntner Herzogs „in ripa Ponteuille“ gesetzt waren (Font. II, 40, 33).  Wenn daher wenige Jahre später (1341) die Grafen von Gürz im Besitze dieses Landgerichtes erscheinen, so haben sie es nicht als Eigengut inne wie ihre übrigen Landgericht in Oberkärnten, sonder als Lehen des Kärntner Herzogs, das sie offenbar zum Lohne für ihre treuen Dienste bei der Erwerbung Kärntens (1335) von den Habsburgern erhielten, wenn auch die vorhandenen Urkunden keinerlei Andeutung über eine solche Belohnung geben. Damit hatten die Görzer ein Ziel, das sie schon lange anstrebten (vgl. Dopsch in ÖA. 87, 35), wenigstens teilweise erreicht: eine bequeme und sichere Verbindung ihrer oberkärntischen Besitzungen mit der Grafschaft Görz. Anderseits aber hatten die Habsburger sich die Oberlehensherrlichkeit über dieses Gebiet gewahrt, das auch für sie wegen seiner Pässe von größter Be­deutung war. 1341 verliehen die Grafen Albert III., Meinhard VII. und Heinrich III. von Görz das LG. „umb Villach und durch den Chanol“.

Die Katastralgemeinden Hart und Riegersdorf entsprechen dein Gericht Krainegg, die Katastralgemeinde Federaun dem gleichnamigen Burgfried. -

Katastralgemeinden des Gerichtes Federaun:

Greuth, Kockau, Leopoldskirehen, Pontafel, Saifnitz, Uckowitz. -

Beschreibungen:

1. Für LG. Burgamt Villach (S. 308): A 1341 bis 1455, B 1579-1586. - Im 15. Jahrhundert Grenzstreitigkeiten mit LG. Wasserleonburg, das die Grenze nach dem Nötschbach zog (Wasserleonburger Beschreibung C, S.329), im 17. Jh. mit LG. Paternion (Grenzvertrag von 1629 in der Paternioner Beschreibung F, S. 293).

2. Für Gericht Krainegg und BF. Federaun in der Villacher Beschreibung B (1579 - 86, S. 311, 316, 318). Vom 16. bis in das 19. Jahrhundert Streitigkeiten mit der Herrschaft Weißenfels über die Grenze an der Wurzen (vgl. Car. I, 1906, S.98 ff. und die Villacher Beschreibung B, S. 312).

3. Für das Kanaler Gericht, S.321: A 1521, B, Grenzvertrag mit LG. Wasserleonbnrg von 1643, C XVIII, D Grenz­vertrag mit Flitsch 1781, E 1830.

Das Hochgericht stand am Galgenbichl bei Villach. Nach der Beschreibung des LG. Burgamt Villach B (1579 - 86, S. 313) wurden Verbrecher vom Burgamt Villach aus aufgegriffen, durch das vom Stadtrichter berufene und von der Bürgerschaft besetzte Malefizrecht abgeurteilt, sodann aber der Herrschaft Weißenfels in Krain übergeben und von dieser hingerichtet, da die Gerichtsbarkeit auf der zum Galgenbichl führenden Straße der Herrschaft Weißenfels zustand (vgl. die Einleitung, S. 14, „Straßengericht“; Valvasor, Ehre des Herzogtums Krain 11, 642, und Beschreibungen, Anh. S. 340). Dasselbe geschah mit den im Gericht Krainegg, im Kanaler Gericht, in den BFen Federaun, Arnoldstein und Neuhaus und im  StBF. Villach aufgegriffenen Verbrechern, nur daß die Verbrecher aus dein StBF. Villach nicht in das Burgamt geführt wurden. Im Rezeß von 1624 wurde dieses Recht der Herrschaft Weißenfels bestätigt (vgl. Car. I, 1907, S. 174). Es ist darauf zurückzuführen, daß die Herrschaft im 16. Jahrhundert das herzogliche Straßengericht im Kanaltal erworben hatte.

LG. Burgamt Villach.

Durch die Abtrennung des Gerichtes Federaun schrumpfte das Gericht „zwischen Villach und Pontafel“ auf die nächste Umgebung von Villach, das Bleiberger Tal und das Gericht Krainegg, das eine Zeitlang durch den BF. Federaun vom übrigen Ge­biet abgetrennt war, zusammen. Im 16. Jahrhundert kam dieser Rest sowie das Gerecht Federaun tatsächlich in den Besitz Bambergs, wie, wissen wir nicht, doch jedenfalls nicht lange vor 1579. Die Verwaltung wurde nunmehr vom Burgamt Villach aus besorgt, weshalb jetzt die Bezeichnung „LG. Burgamt Villach“ üblich wurde. Bald nach dem Übergang an Bamberg wurde der BF. Federaun dem Landgerichte einver­leibt, der daher im Katasterabschluß von 1789 nicht mehr ausgewiesen ist. Nach  dem Verkauf der bambergischen Herrschaften an Maria Theresia (1759) blieb das Landgericht bis zur Aufhebung der Landge­richtsbarkeit durch die Franzosen 1812 ärarisch. Die Herrschaft wurde 1833 vom Staat an Anton Nagele verkauft (Ghon, Geschichte von Villach, S. 197).

StBF. Villach.

Katastralgemeinde:

Villach.

Beschreibungen (S. 316): A-C 1334 - 1436, den Burgfried am linken Drauufer betreffend, D 1579 - 86, E XVI ex, F 1738. Zwischen der Abfassung der Beschreibung E und der der Beschreibung F wurde der Burgfried bis zur Gail erweitert, 1789 hatte er wieder den alten Umfang. Grenzvertrag mit Landskron von 1568, abgedruckt unter LG. Landskron, Beschreibungen S. 241.

Der am linken Ufer der Drau liegende Teil des Stadtburgfrieds gehörte zu LG. Landskron.

Der Ort Villach wird zum erstenmal in der Urkunde Ks. Karlmanns von 878 (MC. 3, u. 41) genannt, und zwar als Brückenstätte, bis zu welcher das Gebiet des von Karlmaan dem Kloster Oetting geschenkten Hofes Treffen reichte. Über die Erwerbung durch Bamberg siehe Jaksch, Car. I, 1907, S. 114 ff. Ks. Heinrich IV. verlieh dem Orte durch die Urkunde von 1060, Februar 8 (MC. 3, n. 338), das Marktrecht, befreite ihn von der Macht der Herzoge, Grafen, Richter und anderer Gewalten, so daß er in Hinsicht auf Bann, Münzrecht, Zoll und allen Marktrechten einzig und allein dem Bischof von Bamberg untergeben sein sollte. Durch diese Urkunde wurde der Grund zum späteren Stadtburgfried gelegt. Da der Gesamtbesitz Bambergs bereits durch die Privilegien von 1034, 1039 und 1058 (vgl. die Einleitung S. 15) die Immunität erhalten hatte, die Verleihung eines eigenen Privilegs für Villach also nicht nötig gewesen wäre, so ergibt sich auch daraus, daß Villach, wie Dr. von Jaksch annimmt, erst nach 1058 an Bamberg kam. Von der Blutge­richtsbarkeit ist im Privileg keine Rede, weshalb die Folgerungen Tangls ÖA. 30, 32, unzutreffend sind, abgesehen davon, daß es damals ein LG. Landskron noch nicht gab. Richter werden verhältnismäßig erst spät genannt, der erste 1240, April 2 (MC. 3, n. 2197). Von „rechten und setzen“ der Stadt wird in der Urkunde von 1298, Februar 1 (GV.) Erwähnung getan. Bischof Lainprecht erließ 1392, Juni 5, eine Stadtordnung (abgedruckt bei Loshorn, Geschichte des Bistums Bamberg 3, 449-451).  Bischof Ernst erneuerte und verbesserte die Statuten der Stadt 1584, Dezember 12 (GV.). Darin wurde dem Stadtrichter die Bestrafung aller geringeren Frevel überlassen, während die schweren Fälle dem Bischof und seinen Beamten vorbehalten blieben. So auch nach Beschreibung F von 1738. 

Der am linken Ufer der Drau liegende Teil des Burgfrieds war seit dem Anfang des 14. Jahrhun­derts zwischen den Besitzern von Treffen und später von Landskron (vgl. LG. Landskron, S. 102) einerseits und Bamberg anderseits strittig. Durch den Schiedspruch Herzog Albrechts II. von 1334, Sep­tember 4 (vgl. Beschreibung A; der Auszug bei Eichhorn, Beiträge 2, 225, ist unrichtig), zwischen Bischof Werntho und dessen Bruder Heinrich Schenk von Reichenegg, dem bambergischen Hauptmann in Kärnten, einerseits und den Grafen von Ortenburg und den Aufensteinern, welch letztere damals Treffen besaßen, anderseits wurde Bamberg im Burgfried am linken Ufer der Dran bis zum Seebach dieselbe Gerichtsbarkeit zuerkannt, wie sie das Gotteshaus in der Stadt hergestellt hatte.

1. LG. Burgamt Villach und LG. Federaun

(Blatt 24 Spittal, 25 Klagenfurt, 30 Flitsch).

Zu LG. Burgamt Villach gehörten:

Gericht Krainegg,

StBF. Villach,

BF. Arnoldstein,

BF. Neuhaus,

BF. Federaun und bis in das 17. Jahrhundert auch das Kanaler Gericht

Gericht Federaun

(Beschreibung des LG. Burgamt Villach B, 1579 - 86, S. 311, 314, 316).

LG. Burgamt Villach, Gericht Krainegg, Kanaler Gericht - Gericht Federaun, BF. Federaun. Katastralgemeinden des LG. Burgamt Villach samt dem vor 1789 dahin einverleibten Gericht Krainegg und BF. Federaun, 1789:

Agatlien (1829 bei Peran),

Auen oder Judendorf (1829 Judendorf),

Bleyberg-Kreuth (1829 Kreuth),

Federaun,

Hl. Geist,

Hardt,

St. Johann (1829 Völkendorf),

St. Martin,

Pogöriach,

Legersdorf ! (1829 Riegersdorf),

Vorder-Bleyberg.

im Gailtal abstammten, sondern muß mit einer anderen Grafschaft in Zusammenhang gebracht werden. Das kann nur jene Grafschaft sein, der auch die Gegend von Villach bis Pontafel angehört hat, also die Grafschaft Friaul, zumal das Gebiet von Wasserleonburg mit der ge­nannten Gegend in geographischer Hinsicht auf das innigste zusammen­hängt und mit Rücksicht auf den schon damals sehr regen Verkehr auf der Straße Villach-Pontafel ganz und gar dahin neigte.

Dasselbe gilt auch von den LGen Finkenstein und Rosegg und dem südlichen Teile des LG. Hollenburg, einem Gebiete, das im Norden von einer schönen natürlichen Grenze abgeschlossen wird, der Drau. Betreffs des LG. Hollenburg ist es bezeichnend, daß das Landgericht ursprünglich von einem näher bekannten Punkte südlich der Drau aus verwaltet wurde und daß das nördlich der Drau gelegene Schloß Hollenburg erst vor 1417 (vielleicht schon vor 1349) Sitz der Verwaltung geworden ist (vgl. LG. Hollenburg, S. 126).

Wir werden daher nicht fehlgehen, wenn wir annehmen, daß der Komitat Friaul auf Kärntuer Boden duch die Grenze zwischen den LGen Aichelburg und Wasserleonburg, den Kamm der nördlichen Ausläufer der Gailtaler Alpen, die Drau und wahrscheinlich den Freibach, der die Ostgrenze des LG. Hollenburg bildete, umschlossen wurde. Es ist kein Zufall, wenn diese Grenze an zwei Stellen, im Gailtal und am Freibach, mit heutigen Bezirksgrenzen zusammenfällt, denn dieselben geographischen Momente, die bei der Bildung und Abgrenzung der Grafschaften maßgebend waren, sind eben heute noch vorhanden, abgesehen davon, daß beide Grenzstücke ehemals Landgerichtsgrenzen waren, als welche sie schon in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters gegolten haben.

Bald nach 1060 traten wichtige Veränderungen ein.

Schon vor 1057 hatte Graf Marchward von Eppenstein († 1076) von seinem Bruder Adalbero, Bischof von Bamberg, das Arnoldsteiner Gebiet samt den Alpenpässen als Lehen erhalten (Car. I, 1907, f.). Sein Sohn Liutold blieb im Besitze von Arnoldstein und wurde 1077 Herzog von Kärnten. Auf dessen Bitte schenkte Ks. Heinrich IV. 1077 (April) die Grafschaft Friaul dein Patriarchen Sigehard von Aquileja (MC. 3, n. 446). Bei dieser Gelegenheit muß der Kärntner Teil der Grafschaft Friaul von dieser abgetrennt und dem Herzog Liutold, einem treuen Anhänger Heinrichs IV., überlassen worden sein. Damit war beiden, dem König und dem Herzog, gedient: Liutold hatte die Grafen­rechte über ein Gebiet erhalten, das durch seine Pässe für König und Herzog gleich wichtig war. Um so leichter konnte Liutolds Bruder, Herzog Heinrich III., 1106 das die späteren LGe Federaun, Wasserleonburg, Straßfried, Villach, Finkenstein, Rosegg und Hollenburg südlich der Drau sowie die MGe Tarvis und Malborghet umfassende Arnoldsteiner Gebiet an das Bistum Bamberg zurückgeben (a.a. 0. 117).

Für die nächsten zwei Jahrhunderte fehlt jede Nachricht über die Gerichtsbarkeit dieser Gegend. Im 14. Jahrhundert aber wird der Gerichtsherr dieses Gebietes wiederholt genannt, bezeichnenderweise ist es überall der Herzog. Nur das Landgericht zwischen Villach und Pontafel erscheint seit 1341 im Besitz der Görzer, die es jedoch erst kurz vorher erworben haben müssen.

Die folgende Tabelle veranschaulicht die Aufteilung des zu Kärnten gehörende Gebiet der Grafschaft Friaul:

IV. Grafschaft Friaul, Kärntner Anteil (1077)

 

A.. A. LG: zwischen

 V. Villach und Pontafel

 

         

B.  LG.

an der Gail. Genannt seit 1338 als hz. Lehen

vereint LG.

Wasserleonburg

LG.

Finkenstein

Genannt seit 1434

 

D.  LG.

Rosegg,

Genannt seit 1434

LG.

 Hollenburg

 

LG. Burgamt Villach

genannt seit 1579 - 86

BF. Federaun

BF. Arnoldstein

BF. Neuhaus

Kanaltaler Gericht, später LG. Federaun; genannt seit 1411

zerfällt im 15. Jh.

 

 

Kanaltaler Gericht - Gericht Federaun

BF. Federaun, genannt 1579 - 1586, zu LG. Burgamt Villach geschlagen und schließlich dahin einverleibt

 

Gericht Federaun.

Die Feste wurde von Bischof Eberhard II. von Bamberg zwischen 1146 und 1160 zur Sicherung der von Villach nach Italien führenden Straße erbaut (MC. 3, n. 1004). Infolge der großen Längserstreckung des alten Landgerichtes von Villach bis Pon­tafel wurde schon zur Zeit der Görzer und Ks. Friedrichs III. für den südwestlichen Teil desselben von Federaun einschließlich bis zur Landesgrenze ein eigener Landrichter bestellt, und zwar in der Regel der bambergische Pfleger zu Federaun und Krainegg, der auch die Pflege im Kanaltal innehatte. Daher kam für dieses Gebiet die Bezeichnung „Gericht Federaun“ auf. Der erste Landrichter im Kanaltal, der urkundlich genannt wird, siegelt in der Urkunde von 1411, März 3 (GV.), als Pfleger zu Federaun und Krainegg und Landrichter „im Chanol“. Durch den BF. Arnoldstein war das Gericht Federaun von Anfang an in zwei Teile geschieden, das Kanaltal, das schon in der Wasseeleonburger Beschreibung von 1441 als Canaler Gericht genannt wird, und als solches 1469, Juli 7, von Ks. Friedrich III. dem Paul Krawat in Bestand gegeben wurde (Orig. WStA.), nach der Federauner Beschreibung A von 1521 aber wieder zur Pflege Federaun gehörte, und das Gebiet von Federaun, das in der Beschreibung des LG. Burgamt Villach als Burgfried angeführt und abgegrenzt wird. Im 16. Jahrhundert wurden beide Teile auf unbekannte Weise bambergisch, das Kanaler Gericht zwischen 1505, wo es noch kaiserlich ist (WStA., Österr. Akten, Kärnten, Fasz. 20, Fol. 98), und wahrscheinlich 1543, wo der bambergische Vizedom Konrad von Gich den Untertanen im Kanaltal den Auftrag gab, dem zu einem  Richter im Kanal ernannten Jakob Schinigin, Bürger und Waldmeister an der Tarvis, in allen gerichtlichen Handlungen gehorsam zu sein (1. c. Fasz. 23 i Fol. 195'). Fortan unterstand das Kanaltal dem neuerrichteten Waldmeisteramt in Tarvis auch in Hinsicht auf die Gerichtsbarkeit, so daß die Verbindung mit Federaun aufhörte (vgl. Car. I, 1907, S. 175). Trotzdem wurde auch weiterhin das Kanaltal als Gericht und Herrschaft Federaun bezeichnet.

Nach der Erwerbung der bambergischen Herrschaften durch Ks. Maria Theresia (1759) wurde die Herrschaft Federaun 1778 samt dein Waldamt Tarvis und allem Zugehör, als dem Patronatsrecht über die Pfarren in Kanaltal, dem Vogtrecht über alle Gotteshäuser daselbst, der Oberherrlichkeit über die Märkte Tarvis und Malborgeth, der freien Land- und Halsgerichtsjurisdiktion in sämtlichen dazugehörigen Bezirken und Burgfrieden (Malborgeth und Tarvis) an Franz Graf Orsini-Rosenberg verkauft (GV., Sammelarchiv, Federaun). Graf Franz Orsini.Rosenberg erwarb 1790 auch die bis dahin zur Herrschaft Khünburg gehörige Pontafler oder Kronalpe (vlg. LG. Grünburg, S. 190)

1807 wurde die Herrschaft von Anton Holl von Stahlberg gekauft (Generelle Beschreibung der Herrschaft Föderaun-Tarvis, Tarvis 1885, S. 22). Nach dem Schätzungsprotokoll von 1830 (GV., Federaun) war der Sitz der Herrschaft und des „LG. Federaun zu Tarvis“ das Haus Nr. 31 in Tarvis, „da dieselbe kein eigenes herrschaftliches Schloß besaß“. Dort ist noch heute die k.k. Forst- und Domänenverwaltung untergebracht.

BF. Arnoldstein.

Katastralgemeinden:

Arnoldstein,

Peckau,

Seltschach.

Beschreibungen (S.319): A aus einem Ziasregister von 1257 (vgl. Beschreibungen A, Anm 5), B 1519, 1669, C 1679, Spruch­brief über die Grenze gegen Straßfried und Federaun, D 1774. Über den Grenzvertrag mit Wasserleonburg von 1643 siehe Wasserleonburger Beschreibung F, 8.331. Grenzstreitigkeiten mit LG. Weißenfels siehe Car. I, 1906, S. 88 ff.

Das Kloster Arnoldstein, gegründet von Bischof Otto I. 1106 (vgl. Jaksch, Car. I, 1907, S. 115), besaß schon frühzeitig über seinen im Umkreis des Ortes gelegenen Besitz Burgfriedsgerechtigkeit, wenn auch die Beschreibung A nicht aus dem Jahre 1257 stammen kann. So wird 1447 bezeugt, daß der Bischof von Bamberg und das Gotteshaus zu Arnoldstein das Gericht, die Jagd, die Fischerei in der Gail und Gailitz etc. seit undenklicher Zeit besessen habe  (GV., Abt. Graz, Arnoldstein 17). Hofrichter werden allerdings erst seit 1454, Mai 8 (GV.) genannt, früher ist nur von officiales und Amtleuten die Rede.

BF. Neuhaus. 

Katastralgemeinde:

Neuhaus, 1815 mit Katastralgemeinde Riegersdorf vereinigt.

Beschreibung in der Villacher Beschreibung B, 1579-86, S. 316.

Schloß Neubaus gehörte im 16. Jahrhundert zur Herrschaft Rosegg. Diese beanspruchte dazu zur Zeit der Abfassung der Beschreibung des LG. Burgamt Villach B 1579 bis 1586 Burgfriedsgerechtigkeit, die von Bamberg anfangs bestritten, später aber anerkannt wurde (Villacher Beschreibung B, S. 316, Anm. 39, 40)

2. MG. Tarvis

(Blatt 24 Spittal, 30 Flitsch).

Katastralgemeinden 1789 und 1829:

Flitschel,

Raibl,

Tarfis!

Beschreibung von 1738 bis 1740 (S. 304). Tarvis, irrtümlich oft mit dem italienischen Treviso verwechselt, war noch im 14. Jahrhundert ein kleiner Ort, erhielt 1399 eine eigene Pfarrkirche, da in der Pfarrkirche (Saifnitz) nur die slowenische Sprache im Gebrauch war, die Bewohner von Tarvis aber nur „gallisch“ (italienisch) verstanden (Gstirner, Die julischen Alpen, Zeitschr. d.D. u.Ö.A.-V. 1 900, S. 417). Durch Zuwanderung bald deutsch geworden, erhielt Tarvis 1456, März 18, von Bischof Anton von Bamberg einen Jahrmarkt und die Erlaubnis, jähr­lich mit Vorwissen des bambergischen Vizedoms einen Richter oder Kämmerer und Rat zu wählen (Orig. GV.). Bischof Georg III. bestätigte Tarvis gelegentlich seiner Anwesenheit zu Kärnten 1521, Oktober 31, das Stockgericht bis auf Widerruf (Car. I, 1905, S. 155). Diese Freiheit des Stockgerichtes wurde später noch wiederholt bestätigt, das letze Mal durch Bischof Ernst 1584, November 13 (Sammlung Schroll, GV.). 1740 hatte der Markt nur mehr die niedere Gerichtsbarkeit, während über schwere Verbreche die bambergische Anwaltschaft zu Wolfberg und der bambergische Bannrichter urteilten. Zum Tode verurteilte Verbrecher wurden der Herrschaft Weißenfels zur Hinrichtung übergeben (Beschreibung).

Nach dem Verkaufe der bambergischen Herrschaften an Ks. Maria Theresia (1759) stand die hohe Gerichtsbarkeit im MG. Tarvis der Herrschaft Federaun zu (vgl. LG. Federaun).

3. MG. Malborghet

(Blatt 24 Spittal, 30 Flitsch).

Katastralgemeinden 1789:

Malborgeth (1829 Malborgeth und Lussnitz);

Wolfsbach.

Beschreibung von 1738 bis 1740 (S. 246).

Das Hochgericht stand nach  dem Berichte des Federauner Pflegers Georg Holzmann von 1738, März 12 (GV., Malborgh, Archiv, 56, 1, 24) am Sattel zwischen dem hohen und niederen Stabet, später weiter unten im Tale gegen den Silbergraben zu.

Der Ort wird zum erstenmal in einem Indulgenzbrief von 1367, September 30, für die Geißlerbruderschaft daselbst genannt, und zwar unter der Bezeichnung Bamborgeth. 1386 heißt er Bonborgeth, 1397 bereit Malburgetto (Lebingers Archivberichte).

Marktrichter und Rat von Malborghet werden zum erstenmal 1460 erwähnt (Eichhorn, Bei­träge 2, 264). Bischof Georg IV. bestätigte 1558, Mai 18, dem Markte das Hoch- und Stockgericht bis auf Widerruf, so daß Richter und Rat in allen peinlichen Fällen mit Wissen des Vizedoms zu Wolfsberg und des Pflegers zu Federaun verhandeln durften. Als das Hochgericht 1738 neu errichtet werden sollte, bat der Federauner Pfleger den Vizedom, den Malborghetern dies wegen ihrer „allzugroßen Arroganz“ zu verwehren, da ihnen dadurch Anlaß zu weiteren  „Eindringlichkeiten“ in das Federanuer Gebiet geboten werde. In der Tat stand dem Markt schon nach der Beschreibung von 1738 bis 1740 nur mehr die niedere Gerichtsbarkeit zu. Das Weitere wie bei Tarvis.

4. LG. Straßfried

(Blatt 24 Spittal).

Katastralgemeinden von 1789 und 1829:

Hohenturn

Maglern.

Beschreibungen (S. 302): A von 1464, Abschrift XVI, B von 1587 wie A, doch mit einem Zusatz, C von 1802, ausführlicher als A und B.

Das Hochgericht stand bei Hohenturn (Beschreibung B, 1587).

Schloß Straßfried wurde wahrscheinlich von Bischof Heinrich I. von Bamberg (seit 1242) zur Sicherung der Straße nach Italien erbaut und wird zum erstenmal iii der Urkunde von 1279, September 17 (Oberösterr. Urk.-B. 3, 502, 505; Redlich, Reg. Rud., n. 1128; n. 1141) erwähnt. Darin verleiht Bischof Berthold von Bamberg den Söhnen K. Rudolfs alle seiner Kirche durch das Aussterben der Herzoge von Österreich, Steier, Kärnten etc. erledigten Lehen, wogegen Rudolf unter anderem auf ein einst von Bischof Heinrich I. ca. 1255 dem Herzog Bernhard von Kärnten verliehenes Grundstück auf dem Schlosse Straßfried verzichtet (vgl. Jaksch in Car. I, 1907, S. 127 f.). Das Landgericht taucht erst im 15. Jahrhundert auf. Seine Entstehung ist unbekannt. Es dürfte jedoch jedenfalls vom Landgericht „zwischen Villach und Pontafel“ abgetrennt worden sein.  1441, März 16, wurde das Schloß mit der Burghut von Bischof Anton dem Oswald Häusel verpfändet.  In demselben Jahre wird der Burgfried des Schlosses genannt (Beschreibung von Wasserleonburg B). Bald darauf kam es, vermutlich 1464, als Pfand an Wilhelm von Gera, der auch die Grenzen des Gerichtes beschreiben ließ. Von nun au blieb Straßfried im Pfandbesitz der Gera, bis es um 1607 durch Abt Emerich von Arnoldstein von Raimund von Gera abgelöst wurde (Arnoldst. Arch. XXIX, 43/2, Fol. 4-34).

B. LG. Wasserleonburg

(Blatt 24 Spittal).

Katastralgemeinden von 1789:

Feistritz (1829: Feistritz und Dreulach),

St Georgen (1829: St. Georgen und Kerschdorf, Dreulach und Kerschdorf 1815 gebildet, VIII. Kreisaintsarehiv, Fasz. 187) und

Sack.

Beschreibungen (S. 329):

A von 1404, B von 1441, C zwi­schen 1475 u. 1478, D von 1522, beide Teile des Gerichtes umfassend, E von 1524-1581. Vertrag mit Federaun von 1643. - Im 15. Jahrhundert Streitigkeiten mit Bamberg-Villach. Vgl. Beschreibung G.

Das Schloß hieß bis zum Beginn des 16 Jahrhunderts Leonburg und erst von da an Wasserleonburg. Cholo und Reimbert, die Brüder Rudolfs von Ras (MG. 4 b, Stammtafel VII a), von welchen sich Cholo schon 1250 von „Lewenburch“ nennt (MG. 4 a, n. 2437), schenkten widerrechtlich 1253 das Schloß an den Erwählten Philipp von Salzburg und empfingen es wieder zu Lehen (MG. 4a, n. 2541). Dann kam Wasserleonburg - unbekannt wie - an das Bistum Bamberg zurück, dem es ursprünglich jedenfalls gehört hatte, und wurde von Cholo  und seinem gleichnamigen Sohn zu Lehen getragen. Nach dem Ableben beider, vor 1276, belehnte Bischof Berthold von Bamberg den Burggrafen Friedrich III. von Nürnberg, welcher aber durch Widerstand der Grafen von Görz nicht in den Besitz des Schlosses kommen konnte. Da erhob Herzog Meinhard nach seiner Belehnung mit Kärnten 1286 Ansprüche auf W. Bischof Arnold von Bamberg (1286 - 1296) erklärte sich schließlich auf Bitten des Burggrafen 1287 (Redlich, Reg. Rud., n. 2130) bereit, W. dem Herzog Meinhard und dessen Erben zu Lehen zu geben, wenn er um die Belehnung ansucht. Doch Meinhard beanspruchte W. als freies Eigen und nahm das Schloß widerrechtlich in Besitz und er und nach seinem Tode († 1295) seine Söhne gaben nicht nach, so daß endlich dem Burggrafen nichts anderes übrig blieb, als auf die Belehnung mit W. zugunsten Bambergs gegen Entschädigung Verzicht zu leisten (Bamberg. Mitteilungen 22, 124). Doch blieb W. in den Händen des Kärntner Herzogs.

1309 überließ Herzog Otto das Burgstal „Leunberch“ erblich dein (Heinrich) Graland, Vizedom in Kärnten, mit der offenbar gegen die Hohenzollern gerichteten Bestimmung, daß das Lehen nach Gralands Tod keinem Ausländer zufallen solle (WStA., Cod. 383, Fol. 43, Schönach). Unter diesem „Leunberch“ ist keineswegs Schloß Lebenberg bei Meran zu verstehen, wie R. Müller in Car. I, 1895, S. 66, meint, sondern unser Wasserleonburg, denn Graland erhielt im folgenden Jahre (1310) dasselbe Burgstal „Lewenberg bei der Gail“ von Herzog Heinrich zu Lehen mit der Erlaubnis, eine Feste darauf bauen zu dürfen (WStA., Cod. 426, Fol. 22'). Es scheint also das alte Wasserleonburg damals verfallen gewesen oder neben dem alten Leonburg ein neues entstanden zu sein (vgl. Till in Mitt. d. Geogr. Gesellschaft 1907, 8.575, wobei jedoch zu bemerken ist, daß das daselbst erwähnte Schloß Burgwalden erst vom 17. Jahrhundert an bestanden haben könnte, als W. in den Besitz der Proy von Burgwalden gekommen war). Noch im selben Jahre erscheinen im Besitze der Lehensherrlichkeit über Wasserleonburg vorübergehend die Görzer Grafen, die sie vielleicht als Pfand erworben hatten; denn 1310 verleihen auch die Brüder Heinrich II. und Albert II. von Görz das Burgstal „Lewenburch bei der Gail“ dem Heinrich Graland und erneuern dem Graland die schon von Herzog Heinrich gegebene Erlaubnis, daselbst eine Feste erbauen zu dürfen (HR. 3, Fol. 590). Von Bamberg ist damals nicht die Rede, ja es scheint, daß Bamberg selbst die Ansprüche auf Wasserleonburg wenigstens für eine Zeitlang fallen gelassen hat, da Wasserleonburg im Kaufvertrag von 1311 unter den bambergischen Gütern nicht aufgezählt ist. Auf Heinrich Graland folgte sein gleichnamiger Sohn, der sich 1336, Juli 30, zum letztenmal mit dein Beinamen „von Leunburg“ nennt (WStA.).

Mittlerweile war Kärnten an die Habsburger gekommen, was auch für Wasserleonburg von Bedeutung wurde. 1334, September 4 (Kol). GV.; vgl. S.235), hatte Herzog Albrecht einen Spruch zwischen Bischof Werntho von Bamberg und dessen Bruder Heinrich, dem bambergischen Pfleger in Kärnten, einerseits und den Ortenburgern und Aufensteinern anderseits gefällt. Wenige Tage später, am 17. September (Lichn. 3, n. 993/4) schlossen die Herzoge Albrecht und Otto ein Bündnis mit dem Bischof. Bei dieser Gelegenheit muß auch betreffs Wasserleonburg ein Übereinkommen geschlossen worden sein, denn schon in der nächsten Zeit finden wir einerseits die Habsburger als Nachfolger Herzog Heinrichs von Kärnten im Besitze der Lehenherrlichkeit über Wasserleonburg, während anderseits auch von seiten Bambergs gewisse Rechte auf das Schloß beansprucht wurden. 1346, September 16 (Kop. GV.), gelobte nämlich Wülfing der Ungnad dem Bischof Friedrich von Bamberg mit der halben Feste Leunburch, die von dem Herzog von Kärnten zu Lehen sei, zu dienen. Die andere Hälfte der Feste besaß damals ein Weißenegger.

Um 1408 scheint auch die zweite Hälfte durch die Habsburger an die Ungnad gekommen zu sein, denn in diesem Jahre verleiht Herzog Leopold dem Wulfing und Konrad Ungnad die Güter an der Gail, die vormals zu Bamberg gehörten und nach dem Tode des Weißeneggers ledig geworden seien (WStA., Österr. Akten, Kärnten, Wolfab. Archiv, Fasz. 27 d, Fol. 4, n. 28). Tatsächlich erscheinen die Ungnad im weiteren Verlaufe des 15. Jahrhunderts als Inhaber des ganzen Schlosses. Die Rechte Bambergs gerieten bald wieder in Vergessenheit  Schon in der Urkunde des Herzogs Primislaus zu Teschen, in der er 1383 im kaiserlichen Hofgericht zu Nürnberg den bambergischen Besitz in Kärnten bestätigte, wird Wasserleonburg nicht erwähnt (Kreisarch. Bamb., lib. priv., Fol. 41).

Das LG. Wasserleonburg, wie es durch die Beschreibungen des 16. Jahrhunderts (Beschreibung D u. E) umgrenzt wird, ist durch Vereinigung zweier Gerichte, dem „Oberen“ und „Unteren“, entstanden. Sie entsprachen den beiden Teilen des Schlosses und werden seit 1308 genannt, zunächst ohne Beziehung auf Wasserleonburg. 1338, August 7 (KA. 9, 116, n. 779), beurkunden nämlich vier Grafen von Ortenburg, daß ihnen die Herzoge Albrecht und Otto von Österreich alle Güter, die Hermann, ihr Vetter, von den Herzogen zu Lehen besessen habe, lehenweise weiter verliehen hätten, darunter die zwei Gerichte an der Gail. Da der Görzer Besitz gerade bis gegen Wasserleonburg reichte und Schloß Wasserleonburg nur kurze Zeit und, wie es scheint, auch da nur als Pfand, den Görzern gehörte, so ist anzunehmen, daß die Lehensherrlichkeit über die zwei Landgerichte zugleich mit der Übernahme der Kärntner Herzogswürde an die Habsburger gekommen war.

Die zwei namenlosen Gerichte an der Gail werden auch im Testamente des letzten Ortenburgers, des Grafen Friedrich, von 1377 genannt. 1404 wird das Obere Landgericht als LG. zu Feistritz an der Gail genannt und von Graf Friedrich mit Stock und Galgen an Heinrich Hemmel verliehen (Beschreibung A). Es war vorher im Besitze eines Graland ge­wesen, dann offenbar zugleich mit dem Schloßteil an die Weißenegger gekommen und von Otto dem Weißenegger dem Hemmel verkauft worden. 1441 wurde es von Graf Friedrich II. von Cilli und Ortenburg dem Hans Ungnad verliehen (Beschreibung B), der auch das zweite Gericht an der Gail erworben haben muß. Die weiteren Lehenbriefe für die Ungnade sprechen bereits von einem LG. Wasserleonburg, ein Zeichen, daß die Vereinigung vollzogen war, und betreffen stets auch Stock und Galgen, so die Lehenbriefe Ks. Friedrichs für Christoph Ungnad von 1468 (Fpk. II, n. 95) und Hans Ungnad von 1493 (KA. 2, 36, n. 26). Zum letztenmal ist von den zwei Gerichten die Rede in der Urkunde von 1522, April 21, in der die Gebrüder Ungnad dem Wilhelm Neumann das Schloß Wasserleonburg samt dem Unteren und Oberen Gericht verkauft (Beschreibung D).

Von Seite Ortenburgs wurde die Lehensherrlichkeit über das „Landgericht zu Feistritz an der Gail“ noch 1532 beansprucht (GV., Fasz. Ortenburg), mit welchem Erfolg, ist nicht bekannt. Von Wilhelm Neumann kam Wasserleonburg schließlich an seine Tochter Anna, nach deren Tod (1623) an ihren Urgroßneffen Christian Proy von Burgwalden, dessen Enkelin Susanna einen Semler heiratete, wodurch Wasserleonburg an die Semler kam (Urkunden im Wasserleonburger Archiv; vgl. Beckh-Widmannstetter, Studien an den Grabstätten alter Geschlechter, 5. 96ff., bes. 117).

C. LG. Finkenstein

(Blatt 24 Spittal, 25 Klagenfurt).

Katastralgemeinden, 1789:

Fack,

Fiernitz,

Gödersdorf,

Kor­pitsch,

Latschach,

Mallestig,

Marin-Gaill,

Outschena (1829 Greuth),

St. Stephan.

Beschreibung von 1606 (S.201).

Blutgericht nachweisbar seit 1514.

Finkenstein war schon im 12. Jahrhundert Sitz des gleichnamigen Ministerialengeschlechtes, das im 13. Jahrhundert zu großer Macht ge­langte. Seine Besitzungen lagen zerstreut in der Gegend von Finkenstein und im Rosental bis gegen Ferlach (vgl. MG. 4 b, n. 2955). Jedenfalls war mit Finkenstein schon frühzeitig die Gerichtsbarkeit über die Umgebung verbunden, da schon 1201 ein Martinus tunc temporis index de Vinchenstein als Zeuge angeführt wird (MG. 3, n. 1512). 1247 beanspruchten die Finkensteiner Rechte in der benachbarten provincia Reifnitz (MG. 4 a, n. 2344) und 1278 erscheint Otto von Finkenstein im Besitze der Vogtei über die Propstei Maria - Wörh. Damals fällte Bischof Berthold von Bamberg im Auftrage Ks. Rudolfs einen Schiedspruch zwischen dem genannten Vogt und Propst Heinrich, wonach sich der Finkensteiner mit der Blutgerichtsbarkeit über den gesamten Besitz der Propstei in Kärnten zufrieden geben mußte und auch diese nur mit Zustimmung und in Gegenwart des Maria - Wörther Amtmannes oder Pflegers ausüben sollte (Font. II, 31, 378, ii. 358; vgl. Böhmer- Redlich Reg. Rud., n. 913). Dieser Schiedspruch wurde 1278 durch Ks. Rudolf (Böhmer-Redlich, n. 947) und 1363, März 19, durch Herzog Rudolf IV. bestätigt (G V.). Über neue Streitigkeiten 1297 vgl. Tangl, IIb.(388, 701.)

Nach dem Tode des letzten Finkensteiners (erste Hälfte des 14. Jahrhunderts ; vgl. Wallner, Annus Mill. Oss., S. 79) fiel das Schloß an den Kärntner Herzog zurück und wurde dann von den Herzogen wiederholt verpfändet, so 1434 samt dem bei dieser Gelegenheit zum erstenmal genannten Landgericht dem Haug von Tybein, Burggrafen von Lienz (GV., 1434, Juli 15). Ks. Friedrich III vergab Finkenstein pflegweise. Ks. Maximilian betraute mit der Pflege den Sigismund von Dietrichstein, zuerst 1508, April 3 (WStA.), und dann neuerdings 1509, August 1 (GV.), auf Lebenszeit, samt dem dazugehörigen „Gerichtl“, das also damals schon den Umfang gehabt haben dürfte, wie er durch die Beschreibung bestimmt wird. 

1514, Juli 8, erklärte Ks. Maximilian Finkenstein zugleich mit Hollenburg zu einer freien Herrschaft im Besitze Sigismunds von Dietrichstein, erhob diesen in den Freiherrenstand und verlieh ihm und dessen Erben zu den beiden herrschaften Bann und Acht (Beitr. z. K. st. G.-Quellen 13, 121, n. 44; vgl. auch LG. Paternion, S. 25). Seitdem blieb es im Besitze der Dietrichsteiner.

D. LG. Rosegg

(Blatt 24 Spittal, 25 Klagenfurt, 31 Laibach).

Katastralgemeinden, 1789 u. 1829;

Berg,

Drobolach,

Frießnitz,

St. Jackob,

St. Ilgen,

Latschach,

Maria-Elend,

Mühlbach

Oberferlach,

St. Peter,

Pogenfeld,

Roseg,

Schlacken (1829 Schlatten).

Beschreibung keine.

Blutgerichtsbarkeit urkundlich nicht nachgewiesen. Das Hochgericht stand angeblich südlich von Rosegg.

Die Burg „Ras“ - Altrosegg stand nach MC. 4b, 8.989, bei der Ortschaft Cemernitzen-Kanin südlich von Rosegg und gehörte seit der Mitte des 12. Jahrhunderts dem Herrn von Ras. Etwas jünger ist das demselben Geschlechte gehörige (vgl. Stammtafel, MC. 4 b, VII a) Rosegg, heute eine Ruine im Tiergarten des neuen Schlosses Rosegg an der Drau. Das Gebiet von Rosegg gehörte schon Ende des 12. Jahrhunderts den Herzogen von Steiermark. Ottokar III. bestätigte in der Urkunde von 1180-1190, daß sein Vater die Kapelle St. Jakob, „que sita est in provintia, que Rase dicitur“, dem Kloster Ossiach geschenkt habe (MC. 3,11.1260). Doch ist hier der Ausdruck provintia wahrschein­lich nicht in der Bedeutung „Landgericht“ aufzufassen. 1213 wird Rudolf von Ras als Ministeriale des Herzogs von Steiermark genannt (MC. 4 a, n. 1675). Nach dem Aussterben der Steirer kam Rosegg an ihre Erben, die Herzoge von Österreich. Selbstverständlich waren auch die Kärntner Herzoge bemüht, in der Gegend von Rosegg festen Fuß zu fassen, was ihnen jedoch nur teilweise gelang.

1293 erwarb Herzog Meinhard zwar die Vogtei über die Kirche Rosegg von Herzog Albrecht von Österreich (ÖA. 87, 110, n.VII), aber noch nach dem Aussterben der Herren von Ras zu Anfang des 14. Jahrhunderts besaßen die Habsburger die Lehensherrlichkeit über die Feste Rosegg, von der sie 1326 einen Teil dem Hans Jungling vergaben (HR. 1,143). Durch den Anfall Kärntens an die Habsburger (1335) wurde auch diese Frage gelöst.

Rosegg kam dann als Lehen teils an die Grazer Linie der Walseer, die den Habsburgern 1335 wichtige Dienste geleistet hatten (vgl. Doblinger., ÖA. 95, 360ff.), teils an Hertncyd von Pettau, einen Verwandten der Herren von Ras (Urkunde von 1346, Mai 1, GV.; vgl. Urkunde von 1352, Mai 13 u. Mai 17, Nbl. 4, 294 0. 295).

Eberhard VIII., der letzte Walseer aus der Grazer Linie († 1363), verschrieb seinen Teil von Rosegg 1362 dem Hertneyd von Pettau. Die Schwestern des letzten Pettauers Friedrich, Agnes, Gemahlin Leutolds von Stubenberg, und Anna, Gemahlin des Grafen Johann von Schaunberg, teilten sich 1441 in das brüderliche Erbe, wobei Rosegg samt Amt und Gericht an Gräfin Anna fiel (Mitteilung Pircheggers aus Slekovec, Wurmberg, 8.41-52; vgl. LG. Hollenburg, 8.126).

1411 Kollnitzer

Anfang des 15. Jahrhunderts versuchte Bamberg, das Landgericht, das 1411 im Lehensbesitz der Kollnitzer war, für sich zu gewinnen, damals noch ohne Erfolg.

Bamberger Maut in Villach

Die Bamberger Maut in Villach war die bei weitem einträglichste in Kärnten. Sie wurde 1416 vom Bischof dem Villacher Bürger Hans Khevenhüller für vier Jahre verpachtet. Die Einkünfte aus dieser Maut sind aus einer Veranschlagung von 1431 ersichtlich, sie erbrachten damals schon 1400, nach einer späteren Berichtigung 1.600 Dukaten pro Jahr. Zum Vergleich - die bambergische Maut in Griffen etwa erzielte nur 30 Dukaten, die in Wolfsberg zehn. Hinsichtlich der Villacher Maut wurde errechnet, dass der Bamberger Bischof aus ihr genau soviel Ertrag zog wie aus seinem gesamten restlichen Besitz in Kärnten.

Kaiserliche Mautstelle Obertarvis

Lukrative landesfürstliche Aufschläge und Mauten bestanden in St. Veit und Völkermarkt. Sie wurden 1490 gegen eine jährliche Pachtsumme von 1.900 Gulden vergeben. Auch St. Paul hatte bis ins 16. Jahrhundert hinein einen Zoll in Völkermarkt, den das Kloster an Bürger bzw. an die Stadt selbst verpachtete. 1455 errichtete Kaiser Friedrich III. trotz heftiger bambergischer Proteste in Obertarvis, wo er wahrscheinlich über einen kleinen Besitz verfügte, eine Mautstelle, ursprünglich nur auf Getreide, das nach Italien geführt wurde, dann erweitert auf alle Handelswaren. Der Gewinn der kaiserlichen Maut in Tarvis 1496/98 für den Berechnungszeitraum von zwei Jahren und acht Monaten belief sich auf 38.000 Dukaten Rheinisch. Bei der sogenannten unteren Maut in Tarvis die den Verkehr über den Predil erfasste, wurden 5.239 Dukaten eingenommen.

Mautstelle Pontafel

Kleinere Mautstationen existierten bei Pontafel für den Weg aus dem Gailtal über das Nassfeld, bei Tröpolach für die Transporte durch das Gailtal. Die Maut am Plöckenpass passierten in diesen zwei Jahren und acht Monaten 1496/98 2512 Saumtierlasten Wein und 300 Zentner Getreide. Winklern im Mölltal hatte eine Maut für jene Händler, die von Lienz über den Iselsberg bzw. nordwärts durch das Mölltal zu den Tauernpässen zogen. Die herzogliche Loiblstraßenmaut, die die Verbindung von Klagenfurt nach Krain kontrollierte, war um 40 Dukaten jährlich verpachtet. Die Maut in Oberdrauburg für den Handel nach Südtirol erbrachte in den Jahren 1 496/98 Einnahmen von 3.437 Dukaten. Ein Dukaten, für den man damals sechs Kälber kaufen konnte, war gleich einem Pfund Pfennig, d.h. 240 Pfennig; ein Laib Brot kostete drei Pfennig, ein Tagwerkerlohn bei der Mahd etwa betrug zehn. Nach einer Grazer Aufstellung war um 1460 ein Kilo Rindfleisch für zwei, eine Ente für fünf bis sechs, ein Kalb für ca. 40 Pfennig zu haben. Ein Tageslohn für einen Maurer oder Zimmermann machte im Sommer ca. 18, im Winter wegen der kürzeren Arbeitszeit ca. 14 Pfennig aus.

1450 - 1500

1455, 24. September

Kauf des Landesgerichtes durch Graf Ulrich von Cilli

1455 verkaufte Daniel Kolnitzer das Landgericht von Rennstein (bei Villach) bis Pontafel an den Grafen Ulrich von Cilli. Daniel Kollnitzer verkaufte es 1455, September 24 (Orig. WStA.), noch als Görzer Lehen dem Grafen Ulrich von Cilli um 1600 fl.

1458

wurden die Venezianer bei Goggau von den Österreichern geschlagen.

 

1460, 25. Januar

Das Landesgericht wird habsburgisch

1460 wurde das Gericht im Zuge der Ereignisse (Friede von Pustarnitz) habsburgisch, nach 1460 kristallisierte sich langsam eine Teilung in ein Landgericht Federaun - Kanaltal und ein Landgericht Burgamt Villach heraus.

Durch den Pusarnitzer Frieden (1460) fiel auch dieses Landgericht an Ks. Friedrich III. Damals war es durch die MG.e Malborghet und Tarvis und BF. Arnoldstein mehrfach durchbrochen (vgl. LG. Straßfried) und zerfiel so in zwei Teile, wovon der eine sich von Villach bis Federaun erstreckte und der andere das Kanaltal umfasste. Aus dem ersten Teil entwickelte sich das spätere LG. Burgamt Villach, aus dem zweiten das LG. Federaun-Kanaltal. Außerdem erhielten auch noch die Herrschaft Straßfried sowie die Märkte Malborghet und Tarvis volle Gerichtsbarkeit.

Der zweite Türkeneinfall 1476.

Am Dienstag, Kolomanstag, d.i. der 10. Oktober, des Jahres 1476 erfolgte der zweite, abermals überraschende Einfall der Türken in Kärnten. Von Krain über Weißenfels und Tarvis kommend, drangen sie in das Land ein. Hier setzten sie „Arlatstein“. d.i. Arnoldstein, in Brand und versuchten auch das brennende Kloster zu erobern, in das sich Teile der Bevölkerung - Schutz suchend - begeben hatten. Erst nach mehreren vergeblichen Versuchen ließen die Türken von ihrem Vorhaben ab. Am Freitag überquerten die Türken bei Villach die Drau und schlugen bei Wernberg ihr Lager auf. Von hier aus unternahmen sie in mehreren Teilen ihre Raub- und Plünderungszüge zum Ossiacher See, über Köstenberg nach Feldkirchen sowie auch nach St. Martin am Techelsberg, der Wirkungsstätte Jacob Unrests. Am Freitag und am Samstag gelangten die Reiterscharen bis „Syranitz, Gryffen, Glodnitz und geyn Hymelberg“, am Sonntag zerstörten sie Feldkirchen. Im Zuge ihrer Plünderungen kamen diese Scharen sogar nach Steuerberg und Weitensfeld, ins Gurktal und nach Pisweg. Von hier aus setzten die Türken ihre Plünderungen im St. Veiter Raum fort, von denen auch Osterwitz und der „Sannd Helenaperg“ betroffen waren.

1500 -1550

1500, 12. April

Graf Leonhard von Görz stirbt

Damit erlischt das Geschlecht der Görzer Grafen. Gemäß dem Erbvertrag (mit Rudolf IV. 1363, 27. April) kommen an das Haus Habsburg: die Grafschaft Görz, Gradiska, Gebiete im Pustertal (Südtirol), in Krain und in Friaul. Das Pustertal und die Stadt Lienz werden mit Tirol vereinigt. - Die bereits seit geraumer Zeit bestehenden Grenzstreitigkeiten zwischen König Maximilian I. und Venedig nehmen wegen des Gebietszuwachses zu.

1508 – 1516 Friulanischer Krieg

Das Kanaltal als Grenzgebiet und strategisch wichtiger Durchgang wurde in diesem Konflikt wieder Ort von Kriegshandlungen.

1508

Venezianer dringen in Krain ein, worauf Landtage in Krems und Wien Geld für 3.000 Mann unter Graf Niklas von Salm (allerdings nur auf drei Monate) bewilligen - die Stände waren nur zur unmittelbaren Landesverteidigung verpflichtet.

1511

unternahm es Antonio Savorgnano, das Gelände des Kanaltals zu sondieren und gelangte dabei bis Tarvis.

Im selben Jahr kam Bischof Georg III. nach Tarvis und hinterließ uns einen interessanten Bericht über die örtlichen Konflikte, in die Tarvis dieser Zeit verwickelt war.

1514

strömte die entfesselte deutsche Soldateska, die von den Venezianern in die Flucht geschlagen worden war, durch das Kanaltal und verheerte das Gebiet.

Kriege mit den Venezianern

Die Qualität des Kanaltales als Durchmarschgebiet wurde schon erwähnt. Diese besondere geographische und militärstrategische ,,Gabe" wurde immer wieder zur Bedrohung für die Bewohner des Kanaltales. Im 15. Jahrhundert hatte Venedig sich Friaul angeeignet. Am meisten hatten Malborgeth und Tarvis darunter zu leiden. Kein Fleckchen im Kanaltal sei durch die häufigen Einquartierungen des Kriegsvolkes oder auch nur seinen Durchzug während des langen venezianischen Krieges (1508 bis 1516 zwischen Kaiser Maximilian und Venedig) so sehr geschädigt worden wie Tarvis, beklagten sich Richter, Rat und Gemeinde dieses Marktes, als der Herr des Kanaltales, Bischof Georg von Bamberg, bei einer Besuchsreise zu seinen kärntnerischen Herrschaften am 1. Oktober 1521 in Tarvis halt machte. Schon im 14. und 15. Jahrhundert hatten die Venezianer Einfälle in das Kanaltal unternommen, die sich dann 1616 mit besonderer Härte wiederholten.

In der Darstellung der ,,Venezianer- und Franzosenkriege und Freischärler im Kanaltale" wird zur besonderen Illustration dieser Einfälle ein besonders heftiger aus dem Jahre 1616 herangezogen, der auch vom Marktschreiber von Malborgeth umfassend geschildert wird. Der historische Hintergrund: Im Dezember 1615 griff Venedig den noch habsburgischen Teil von Friaul an, um seinen Besitz abzurunden. Planmäßig waren schon in den vorhergehenden Jahrzehnten einzelne venezianische Stützpunkte ausgebaut worden. Im ersten Ansturm gelang es den Angreifern, große Erfolge zu erringen und nach einigen kleineren Rückschlägen bis auf den Karst vorzudringen. In zahlreichen Gefechten in der Umgebung von Görz waren die Venezianer den Österreichern überlegen. Beim Versuche, die auf österreichischer Seite liegenden wichtigen Übergänge in die Hand zu bekommen, kam es im August 1616 zu Kämpfen im Kanaltal bei Malborgeth und Tarvis. Die Ausgangspunkte für den venezianischen Angriff in dieser Richtung waren die Orte Gemona und Venzone, die von Natur aus gegebenen wichtigsten Stützpunkte am Austritt des Tagliamento aus dem Gebirge in die oberitalienische Tiefebene. Von österreichischer Seite wurde der englische Soldhauptmann Smith mit 400 Mann zu Schutze des Kanaltales kommandiert Von Graz aus erhielt dieser seine Befehle zur Verteidigung; eine Überschreitung der Grenze bei Pontafel nach Welsch-Pontafel (Pontebba) war nur im besonderen Falle vorgesehen Nachrichten von einem vorbereitet feindlichen Angriff veranlassten den englischen Hauptmann, Pontebba besetzen, um von dort aus weiter gegen die Venezianer vorzudringen. Durch eine Verzögerung im Vormarsch gelangten aber die Venezianer in Vorteil und trieben mit einem kräftigen Gegenstoß Smith mit sein Mannschaft zurück, der vergeblich auf eine Unterstützung durch ein Aufgebot der bischöflich bambergische Truppen hoffte. Die Feinde drangen bis Tarvis vor und machten überall, aber ganz besonders in Tarvis selbst, große Beute, die sie sogleich den nachziehenden Kaufleuten verkauften Durch eine Änderung in der gesamten Kriegslage sahen sie sich veranlasst, über Tarvis nicht hinauszugehen, vielmehr zogen sie den größten Teil der Truppen wieder zurück und ließen nur in den einzelnen Orten des Kanaltales ausreichende Besatzungen. Erzherzog Ferdinand ließ unterdessen in Villach ein größeres Aufgebot sammeln und zum Gegenangriff vorrücken. Die Venezianer wurden ohne größere Kämpfe bis Pontebba zurückgedrängt, nachdem sie den Markt Malborgeth geplündert und in Brand gesteckt hatten. Nach starker Befestigung von Pontebba wurde der Großteil der venezianischen Truppen an die Görzer Front zurückgezogen. Nach weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen, bei denen aber das Kanaltal verschont blieb, kam es erst im November 1617 zu einem Waffenstillstand, der keine größeren territorialen Veränderungen brachte. Der Marktschreiber von Malborgeth, beschreibt diese Auseinandersetzung wie folgt:

,,Was der Feind an Mannspersonen bekommen konnte, wurde grob geschlagen ...“

,,Am Sonntag, dem 7. August anno 1616 um 10 Uhr vor Mitternacht ist ein Hauptmann namens Wilhelm Schmidt, ein geborner Engländer, wohnhaft in Innsbruck in Tirol, mit einem Fähnlein Knechte und 50 Reitern in schöner Ordnung und ganz still ohne Rührung der Trommel und ohne Pfeifenspiel gen Malborgeth ankommen, hat vor des Herrn Marktrichters Jacoben Zenneggen Behausung angehalten, ihn auf die Gassen begehrt und ihm ein verschlossenes Schreiben Ihrer Fürstlichen Durchlaucht Erzherzogs Ferdinand von Österreich an Richter, Rat und gemeine Bürgerschaft zu Malborgeth mit dem Inhalt übergeben, ‚dass weilen ihre fürstliche Durchlaucht ihm Hauptmann Schmid wider den venedigischen sie zu tentieren anbefohlen, dass man ihm auf Verlangen alle Assistenz leisten solle'. Er verlangte, das Schreiben zur Kenntnis zu nehmen und auf Grund desselben - zur - Unterbringung seiner Kriegsmunition etliche Wagen raschest zu bestellen und jedes Mal, wenn er Mannschaften anfordern werde, ihm diese also gleich zu schicken. Darauf ist der Hauptmann in der gleichen stillen Ordnung mit dem Reiter- und Fußvolk nach Venedig-Pontafel (Pontebba) vorgerückt und bei Tageseinbruch dort mit großem Lärm eingefallen; er hat die Stadt eingenommen und als sich auf seine Aufforderung, sich zu ergeben, nichts rührte und auch nichts sehen ließ, sondern jedermann aus dem Schlafe und Bett sprang und in Hemden mit bloßen Händen und großem Schrecken bei den hinteren Türen und Fenstern hinweggeloffen ist, begann der Hauptmann die Häuser aufzumachen und zu ,spohlieren; er verschonte außer der Kirche nichts. Sowohl der Pontäfler eigene Sachen als auch der Kaufleute ,Teutsch und wällischer Nation, alldort gehabte und niedergelegte Güter wurden angegriffen, verzehrt, verkauft und verschickt, darinnen ziemlich viel Barschaft vorhanden war. Hierauf fing der Hauptmann an, sich auf der wällischen und teutschen Pontafel zu verschanzen, wozu ihm zur Hilfeleistung aus den Märkten Tarvis und Malborgeth und aus den cannalerischen Dörfern allzeit an die 100 Mannspersonen abwechslungsweise zugeschickt wurden, die Tag für Tag arbeiteten und weder Sonn- noch Feiertag feiern konnten. Das hat bis zum Frauenhimmelfahrtstag, dem 15. August gedauert. Da der Hauptmann aber vom bambergischen Vizdom, dem alle diese Leute eigentlich verpflichtet waren, keinen besonderen Befehl hatte, wurde ein eigener Bote zum Vizdom Herrn Johann Kaspar von Kammersheim nach Villach gesandt, und diesem berichtet, was der Hauptmann für einen landesfürstlichen Befehl überantwortet und welches Ansinnen er gestellt habe. Der Vizedom befahl, den Anordnungen des Hauptmanns nachzukommen.

Am Dienstag, dem 16. ließ sich der venedigische Feind bei der nächsten Brücke unterhalb Pontafel blicken, stellte die zerstörte Brücke wieder her und trieb in zwei Scharmützeln den dort befindlichen Hauptmann mit seinen Musketieren zurück; beim dritten Scharmützel, das sehr heftig war, mussten die Unseren die Flucht ergreifen, nachdem sich starker Munitionsmangel bemerkbar gemacht hatte; die Venediger folgten den Flüchtigen und erschossen etliche; in großer Furia wurde Reiterei und Fußvolk, soweit es überhaupt noch am Leben war, gefangen genommen. Ein kleiner Teil konnte sich in die Berge retten und kam abends gegen 6 Uhr ganz gehetzt nach Malborgeth und lief von dort weiter; diese Flüchtlinge sagten, jeder solle sein Vieh wegtreiben und seine Habe retten, da der Feind die Oberhand bekommen und Deutschpontafel eingenommen habe und gleich nachrücke; daraufhin sind alle, die beisammen gewesen sind, Bürger und Mannschaft, hinausgelaufen und jeder hat, was er in der Eile erwischen konnte, mitgenommen; der Jammer und das Elend, so bei den Leuten, Weib und Kindern sich erhob, ist nicht alles zu beschreiben, da man nichts anderes dachte, als dass der Feind schon da wäre. Der Feind ist aber die gleiche Nacht noch nicht nach Malborgeth gekommen, sondern erst am anderen Tag den 17. August gegen 10 Uhr vormittags; zuerst kam Reiterei, dann Fußvolk, die Haustüren wurden aufgerissen, die besten Sachen aus den Häusern geraubt und weggeführt; ein Teil der Reiterei wurde gegen Tarvis hin aufgestellt und an der oberen Tarvis wurden 13 Häuser abgebrannt, in Saifnitz wurden 2 angezündet, in Uggowitz wurde zwar kein Feuer gelegt, aber alles zerschlagen, zerbrochen und verderbt. Die Feinde sind die gleiche Nacht Malborgeth geblieben, haben ihre Fahne gehisst und mit lauter Stimme ,Viva San Marco' geschrieen und haben bis auf den nächsten Mittag immer geraubt und die Beute nach Pontafel geschickt; dabei wurde die Kirche nicht verschont, vielmehr aus der versperrten Sakristei alle Kelche und das ganze Silberzeug, das Sammelgeld und die Monstranzen aus dem Sakramenshäuschen, die Gefäße aus dem Taufstein und die silbernen Bussoli zum hl. 01 genommen und weggetragen; das Sakramentshäuschen wurde hinausgetragen und mit faulem Käse angesteckt, das Mariabild vom großen Altar wurde entblößt, der seidene Rock, Schürze und Patschen (Filzpantoffel) wurden weggenommen; hierauf wurde im Markt an verschiedenen Stellen Feuer gelegt und erst dann weggezogen, als das Feuer überhand nahm und nicht mehr zu löschen war; der ganze Markt samt der Kirche, dem Glockenturm und dem Pfarrhaus ist ganz und gar verbrannt, in der Sakristei sind die Messgewänder, drei Truhen mit den Marktbüchern, Schriften, Urbaren, Stiftbriefen, den Marktfreiheiten, Protokollen und Schuldregistern, mit den Amtsrechnungen des Kanalrichters und anderen Schriften verbrannt und nicht eines Pfennigs Wert übrig geblieben. Dabei ist die große und die mittlere Glocke zerschmolzen und die Uhr zerbrochen. Was der Feind an  Mannspersonen bekommen konnte, wurde sehr grob geschlagen, gefangen genommen, ihren allerlei zu tragen anbefohlen, wie dem Vieh, und schließlich wurden sie fortgejagt; die Weiber wurden ausgezogen, geschlagen, ebenfalls grob behandelt und geschändet; weder alt noch jung wurde dabei verschont. Das verborgene Vieh wurde aufgesucht und weggetrieben. Im ganzen wurde an Kirche, Leute und Häuser ganz ohne Rücksicht gehandelt.

Am nächsten Tag stürmte die Reiterei weiter ins Kanaltal und über das Freistritzer Moos bis nach Hermagor im Gailtal; an die 900 Stück Vieh sollen weggetrieben worden sein.

Am folgenden Tag, den 20. Sind die Feinde wieder nach Malborgeth gekommen und am 21. Nach Untertarvis und haben in der Eile geplündert und geraubt, aber kein Feuer gelegt, da sie nicht gut dazu die Gelegenheit hatten. Sie haben uns alle ins Elend gejagt, dass es Gott geklagt sei. Zur gleichen Zeit ist aber das Landvolk zu Tarvis zusammengekommen und als die wellische Reiterei abermals nach Tarvis streifen wollte, wurde sie zurückgetrieben und zwei vornehme Anführer dabei erschossen. Darauf haben sich die Feinde nach und nach zurückgezogen und haben in Pontafel einen Hauptmann mit einem Fähnlein Knechte in der dort erbauten Befestigung gelassen. Der Marktrichter und andere Bürger von Malborgeth haben sich in dieser Zeit nach Villach geflüchtet. Dort erledigten sie die laufenden Geschäfte, die vom Marktschreiber Jakob Lilgen in dem neu angelegten Marktbuch protokolliert wurden.“

So weit der Bericht des Marktschreibers über den Einfall der Venezianer. Es brauchte Jahre, bis nach den von Jakob Lilgen beschriebenen Verwüstungen alles wieder aufgebaut war.

 

1515, Herbst

Windischer Aufstand

Bauernunruhen in der Untersteiermark, in Kärnten und Krain. Die Bauern wandten sich gegen die immer höher werdenden Steuern wegen der nicht enden wollenden Kriege mit Venedig - zu Beginn des Jahres 1516 werden sie unterdrückt.

1516, 3. Dezember

Friede von Brüssel zwischen Kaiser Maximilian I. und Venedig. Maximilian gibt gegen eine Entschädigung Verona ab, behält aber seine Eroberungen im Alpenland: Peutelstein, Ampezzo, sowie Rovereto, Riva und Torbote am Gardasee. - Die Grenzen von Tirol im Süden sind damit bis 1918 festgelegt - Tirol wird zur »gefürsteten Grafschaft« erhoben.

Vor 1529

erwarb Bamberg das Landesgericht zwischen Villach ind Pontafel.

Die Gerichtsbarkeit gelangte das Kanaltal im Zeitraum zwischen 1505 bis 1543, hinsichtlich seiner Jurisdiktion in die Kompetenz des Bischofs von Bamberg. Bisher waren bloß Malborghet und Tarvis bambergische Gerichtsbezirke gewesen.

Steuerforderungen der Landschaft Kärnten

In den zwanziger Jahren des 16. Jh. kam es zu Streitigkeiten wegen der Steuerforderungen der Landschaft Kärnten. Der Bischof von Bamberg wehrte sich dagegen, dass seine Untertanen zweifach belastet werden sollten, da schon auf Reichsebene eine diesbezügliche Abgabe zu zahlen war. Es kam lediglich zu einer gewaltsamen Eintreibung der Steuern von Seiten des Herzogtums Kärntens.

Die Folge dieser Streitigkeiten war ein Vergleich zwischen König Ferdinand als Herzog von Kärnten und dem Bischof Weigand von Bamberg. In diesen Vergleich wurde den Bischof von Bamberg zum letzten Mal für seine Besitzungen in Kärnten die alten Rechte zugesichert. Die einzige Einschränkung war, daß Bamberg bei unmittelbarer Gefahr für Kärnten dem Land Unterstützung gewähren sollte.

Dieser Vergleich wurde nie wirksam, da seine Bestimmungen nie zur Durchführung gelangten.

1535 Ferdinandeischer Rezess

Also kam es fünf Jahre später, 1535, zu einen neuen Vertrag, dem Ferdinandeischen Rezess.

In diesem Vergleich wurden die illegalen Praktiken der Landschaft Kärnten, was die Steuereintreibung betraf, als ordnungsgemäß festgelegt. Aber auch bei der Gerichtsbarkeit gab es für das fränkische Bistum einen starken Einbruch, Münzfälscher, Straßenräuber, reisige Knecht und Adelige sollten nicht mehr durch die Rechtsprechung der bambergischen Verwaltung abgeurteilt werden. Auch die letzte Appelationssinstanz wurde den Bischof von Bamberg genommen und in die Hände des Landesfürsten gelegt. Insgesamt blieben dem Bischof von Bamberg zwar noch eine Reihe von Sonderrechten, faktisch trat er aber in Kärnten nicht länger als ein reichsunmittelbarer Fürst auf, sondern war hier als einer der Landstände anzusehen.

 

1550 - 1600

1554 König Ferdinand I. erlässt eine Hausordnung

1554, 25. Februar König Ferdinand I. erlässt eine Hausordnung, die die Teilung der österreichischen Erblande nach seinem Tod unter seinen drei Söhnen regeln soll (→ 1564, 25. Juli): Maximilian, Nachfolger im Reich, in Böhmen und in Ungarn, erhält Österreich Ober und Unter der Enns sowie Hallstatt und das Salzkammergut. - Ferdinand erhält Tirol und die habsburgischen Vorlande. - Karl erhält die Steiermark, Kärnten, Krain, Görz, Triest und Istrien.

1559 Grenzstreitigkeiten mit Venedig

Im schon erwähnten Jahr 1559 kam es auch zu Grenzstreitigkeiten mit der Republik Venedig wegen Weiderechte. Diese Streitigkeiten wiederholten sich noch mehrmals in der zweiten Hälfte des 16. Jh..

1567 Erbhuldigung

1567 kam es erstmals zur Erbhuldigung des Vizedoms gegenüber dem Herzog von Kärnten, bei der der Kärntner Vertreter des Bischofs von Bamberg feierlich protestierte.

Michaelsbruderschaft in Malborghet

1581 entstanden Kontroversen zwischen der Michaelsbruderschaft von Malborghet und dem dortigen Marktrichter (Hanns Zenegg 1580/81). Der Ort Malborghet, dem seit 1569 wie Tarvis das Recht verliehen worden war, einen Jahrmarkt abzuhalten, hatte ein Spital, das der Michaelsbruderschaft gehörte. Wegen der Verwaltung dieses Spitals war der Streit entstanden.

Wirtschaft im Kanaltal

In diesem 16. Jh. erreichte die Prosperität des Tales ihren Höhepunkt. Weiterhin wanderten venezianische Familien in diese Südkärntner Landschaft ein. Zwischen 1550 und 1564 wurde von den bambergischen Bischöfen auch das Eisenbergwerk auf der Uggowitzer Alpe ausgebeutet.

In dieser Zeit drang auch die Reformationsbewegung aus den Gebieten nördlich der Alpen bis ins Kanaltal. Ihre Verbreitung hier mag mit den von dort stammenden Fachkräften im Bergbau zu tun haben. In diesen Zusammenhang kommen das erwähnte Eisenbergwerk auf der Uggowitzer Alpe und die noch wichtigeren Blei- und Zinkgruben von Raibl in Frage.

1563 wurde Tarvis das Jahrmarktprivileg zugesprochen.

1569 wurde dem Ort Malborghet das Jahrmarktsprivileg zugesprochen, damit zog der Markt mit Tarvis gleich.

Aus einem Dokument des Jahres 1578 geht hervor, dass der Rat von Malborghet 51 Bürger umfasste, von denen fünf Hammerwerkbesitzer waren. Die anderen waren direkt oder indirekt im eisenverarbeiteten Bettrieben beschäftigt.

In den achtziger Jahren des 16. Jh. kam es zu einem Streit zwischen Bischof Ernst von Bamberg und Erzherzog Karl II. um den Eisenerzabbau auf der Uggowitzer Alpe. Der Erzherzog hatte an zwei bambergischen Untertanen das Recht, eine neue Grube des Eisenbergwerks auf der Uggowitzer Alpe zu eröffnen, verliehen. Dadurch fühlte sich der Bischof von Bamberg in seinen Rechten verletzt und opponierte mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mittel. Das Ende dieses Zwistes war, dass alles im Sand verlief, weil sich die Streitparteien gegenseitig blockierten.

Im letzten Drittel des 16. Jh. kam es im gesamten Ostalpengebiet zu einem Niedergang des Bergbaus. Die Gründe dafür waren vielfältig. Da der Rückschlag besonders für den Buntmetallbergbau schwerwiegend war und die gegenreformatischen Maßnahmen die Auswanderung von wirtschaftlich führenden Kräften bewirkte kam es für den Bergbau in Raibl sowie allgemein für die Gewerken des Kanaltals zu einer wirtschaftlichen Verschlechterung.

Straßen

Die Kanaltalerstraße blieb weiterhin sehr bedeutend für die Holz- und Eisenexporte nach dem Süden. Vom Jahr 1556 wissen wir, dass damals Krainer Gewerkebesitzer die Verbesserung der Straßenverbindung aus dem Savetal über den Weissenfelser Sattel nach Tarvis forderten.

Im Jahr 1575 wurde die Straße zwischen Villach und Pontafel wesendlich verbessert und teilweise neu trassiert. Die Bauleitung hatte Christoph della Grotta der Jüngere.

Gleichzeitig kamen im selben Jahr 1575 die Arbeiten an der Loiblstasse zu einem Ende. Diese Route war von einem Saumpfad zu einer befahrbaren Handelsstraße umgewandelt worden. Am höchsten Punkt der Straße war ein Tunnel zur Erleichterung der Passüberquerung gebohrt worden. An Bedeutung konnte sich diese Straße dennoch mit der Venezianerstraße durch das Kanaltal einstweilen nicht messen.

Waldordnung 1584

Die Rodungskolonisation drang in das Innere der Täler ein und schuf einerseits neue Weidegebiete, welche für die Almwirtschaft bedeutend waren, zum anderen stellte sie das für den Bergbau und die Gewerke notwendige Holz zur Verfügung. Auch der Durchzug des Türkenheeres am Ende des 15. Jahrhunderts verhinderte nicht die Bevölkerungszunahme und die damit zusammenhängende fortwährende Verlagerung der Höhengrenze der temporären Besiedlung nach oben, sodass bald ein fühlbarer Holzmangel eintrat. Darauf erließ das Bistum 1537 bzw. 1584 eine Waldordnung, welche die bis in die Gegenwart hereinreichenden Servitutsrechte (Holz- und Weiderechte) regelte (vgl. V. Paschinger, 1937,261).

Im Jahr 1584 erließ der schon erwähnte Bischof Ernst eine neue Waldordnung, die vor allem von Tarvis nicht ohne Widerstand hingenommen wurde. Auf den Wunsch der Bürger von Tarvis, die Waldordnung nicht bloß von der Kanzel verkündet zu bekommen, sondern selbst Einsicht darin nehmen zu dürfen, antwortete die bambergische Verwaltung mit einer Strafe von 1.000 Dukaten. Die neuen Vorschriften sollten für eine noch stärkere Einschränkung der Waldnutzung sorgen.

Bevölkerungsentwicklung

Die laufende Zuwanderung führte schließlich auch zu einer Vermischung der Volksgruppen. War Tarvis zu Beginn des 15. Jahrhunderts noch eine venetianisch-friulanische Ortschaft, so deuten die in den Urbaren der Marktgemeinde Tarvis im 16. Jahrhundert genannten Familiennamen eine veränderte ethnische Zusammensetzung an. Nach diesen war bis 1595 der Anteil der romanischen Bevölkerung auf ein Drittel zurückgegangen.

Auch in Malborgeth nahm die Zahl der italienischsprachigen Bevölkerung ab. Vor allem traf es das venetianische Unternehmertum, das in zunehmendem Maße vom Hüttenberger Roheisen abhängig wurde und nach und nach die Möglichkeit des Wettbewerbs verlor. Daneben wirkten sich die politischen Niederlagen Venedigs gegen die Habsburger - die Auseinandersetzungen fanden auch auf Kanaltaler Boden statt - ebenso ungünstig für die italienischsprachige und mit ihnen die friulanische Bevölkerung aus.

Gestärkt ging aus dieser Entwicklung das deutsch-slowenische Element hervor, woraus im Laufe der Jahrhunderte durch das Ineinanderwachsen beider Volksgruppen die Windischen entstehen sollten.

Aus dem Jahr 1595 ist ein Urbar erhalten, die Marktgemeinde Tarvis betreffend. Daraus meint Biasutti ablesen zu können, dass der Anteil der friulanischen Bevölkerung von Tarvis ein Drittel und von Raibl ein Viertel betrug. Obwohl wir von mehreren venezianischen Familien wissen, die in diesem Jh. in das Gebiet des Kanaltals einwanderten, wird wahrscheinlich ein Rückgang des romanischen Bevölkerungsanteils stattgefunden haben. Vor allem, wenn man davon ausgeht, dass Tarvis um 1400 eine vorwiegend friulanische Siedlung war.

Biasstti, 1958,160 f., zitiert folgende Familiennamen:

In Obertarvis:

Ostner, Mogen Turner, Herbert, Senussin, Ostermann, Stadler, Creus, Soprim, Sehaidenperger, Riemer, Milnaro, Goldperger, Gusseto, Waizmann, Pozner, Strassgietel, Toso, Puffz, Rues, Magerle, Dorigo, Scrotti, Manfredin, Sperl, Macori, Longo, Furlan, Ekher, Trampus, Gaspar, Chroff, Sinigini, Turco, Lampruzi, Venezian, Cuenz, Ross, Puhler, Rossian, Pernfeindt, Cristan, Costner;

in Untertarvis:

Moir, Curnig, Comina, Wolgemuet, Wermuet, Schbarz, Calmus, Prenisen, Tonin, Tessador, Zimerman, Eller, Murador, Catin, Naglsmid, Serafin, Crainiz, Gatti, Puccher, Lederer, Peer, Biduz, Mandel, Tropiz, Lenussio, Bernadin, Stainer, Gottardo, Rechpacher, Venier, Bettola, Pausser, Fischerle, Gaspar, Berginz, Fornador, Cropf, de Poli, Longo, Parth, Goldperger, Mogen, Candit, Goderner, Pinter, Denzel, Fraiberger, Reicart, Bolther, Peer, Bastian, Preneissen, Lemberger, Zurla, Osterman, Geiger, Barnaba, Beder, Luca, Fallanz, Pignat, Niderle;

die Deutung von Familiennamen, um eine ethnische Zusammensetzung zu konstruieren, ist gewagt, da die sprachliche Wurzel nicht immer eine Auskunft über den Anteil des fremden Bluts zuläßt.

Heuberger-Hardtop, 1969; ein Urbar der Kirche St. Peter und Paul in Tarvis zählt unter 179 Namen 149 deutsche, 3 slowenische und 27 friulanische Namen auf.

Religion

Reformation

Mitte des 16. Jh. drangen die reformatorischen Bestrebungen Martin Luthers auch ins Kanaltal vor (siehe Aufschwung des Erzabbaues).

Vielleicht stand die Klage des Pfarrers von Saifnitz über den Pfarrer von Tarvis, der sein Amt vernachlässigte, damit in Zusammenhang.

1574 ließ der Pfarrer von Uggowitz eine Anordnung des Priors von Ospedaletto zurück – mit der Begründung, er habe keine Autorität über ihn.

1581 beschwerte sich die Michaelsbruderschaft in Malborghet, dass auf das ihr gehörige Spital von Seiten des dortigen Marktrichters unzulässiger Einfluss ausgeübt werde. Von dieser Bruderschaft hören wir auch, dass sie schon seit 1455 eine Dorfschule unterhielt.

Gegenreformation

Hatte sich der Protestantismus bisher relativ ungehindert ausbreiten können, so änderte sich das mit dem Amtsantritt des Bischofs Neidhard von Thüngen (1581 – 1598). Dieser wollte gemeinsam mit dem neuen katholischen Vizedom gegenreformatorische Maßnahmen in seinem Herrschaftsgebiet in Kärnten durchsetzten. Dabei kam es zu einer Zusammenarbeit zwischen dem Bischof von Bamberg und dem Patriarchen von Aquileia.

Seit 1590 lief ein Prozess wegen Häresie gegen die Pfarrer von Saifnitz und Uggowitz. Interessant dabei ist, dass die Anklage wegen Zeugnisverweigerung in einem anderen Ketzerprozess nämlich in jenem gegen den Bürger von Malborghet Bernhard Zinegg. Die zwei Pfarrer wurden exkommuniziert, übten ihr Amt aber weiterhin aus, nicht zuletzt, weil sie die Gläubigen ihrer Pfarre hinter sich wussten.

Einzige Ausnahme in protestantisch gewordenen Kanaltal war die Pfarre Malborghet, wo die venezianische Familie della Grotta mit dem katholischen Pfarrer der Reformationsbewegung Luthers wirksamen Widerstand entgegensetzte, obwohl die Mehrzahl der Bürger protestantisch geworden waren.

Die eigentliche Gegenreformation im Gebiet des Patriarchen von Aquileia, dem ja auch das Kanaltal zugehörte, begann mit der Visitation des Patriarchen 1592. Im Jahr 1594 kam er dabei durch das Kanaltal und weihte hier die Kirche von Tarvis neu ein.

Nicht nur dort waren solche Maßnahmen vergeblich, wie wir von Uggowitz wissen. Dort wurde nämlich die Feier einer Hl. Messe durch die protestantische Bevölkerung verhindert, wenige Wochen nachdem der Patriarch dort gewesen war. 1595, im Jahr darauf, wurde die Pfarrkirche von Tarvis für das Begräbnis eines Protestanten gewaltsam geöffnet.

Auch der scharfe Drohbrief, dem der Bischof von Bamberg 1598 an die Pfarre Tarvis schickte, hatte anscheinend keinen Erfolg.

Der Vizedom des Bischofs von Aquileia in Kärnten drohte den mehrheitlich protestantisch gewordenen Tarvisern 1594 mit einer Strafe von 1.000 Talern falls sie der Abhaltung des katholischen Gottesdienstes in der Pfarrkirche Widerstand entgegensetzen sollten. Diese Maßnahme blieb aber ohne den gewünschten Erfolg.

In diesen letzten Jahren des 16. Jh. begann die Gegenreformation unter Zuhilfenahme staatlicher Maßnahmen (Reformkommission) wirksam zu werden.

1600 - 1650

Grenzstreitigkeiten mit Venedig 1604

1604 kam es, um die ausufernden Grenzstreitigkeiten zwischen venezianischen und bambergischen Untertanen des Kanaltals einzudämmen, zu einer kommisionellen Begehung des strittigen Gebiets. Als Resultat dieser Untersuchung erfolgte eine schriftliche Festlegung der Grenze. (Platzer, Canal- und Fella-Thal; Martin Wutte, Kärntner Gerichtsbeschreibung)

Krieg mit Venedig 1615/17

1615/17 führte Erzherzog Ferdinand Krieg mit der Republik Venedig wegen der Uskoken, die vom kroatischen Küstenland aus ihr Seeräuberunwesen gegen Venedig trieben.

Sowohl der Bischof von Bamberg als auch der österreichische Erzherzog stellten je 400 Mann ins Kanaltal ab. Diese standen unter dem Befehl von Willian Smith.

Dieser drang zunächst ins venezianische Pontebba vor und plünderte es in August 1616. Dabei nahm er keine Rücksicht darauf, ob die dort requirierten Waren Italienern oder Österreichern gehörten.

Bei seinem Vorrücken gegen Süden hatte William Smith aber wenig Kriegsglück. Bei Dogna verlor er das entscheidende Gefecht gegen die venezianische Kavallerie unter Giacomo Antonini und war selbst unter den Gefallenen.

In der Folge drangen die Venezianer nach Norden bis Tarvis vor und plünderten die Orte des Kanaltals, vor allem Malborghet.

Die kaiserliche Gegenoffensive drängte aber die Venezianer noch im selben Jahr 1616 bis St. Kathrein zurück, wo eine Befestigung, die Karlsschanze, errichtet wurde. Diese Schanze wurde mit einer Besatzung versehen, die noch über die Kriegsdauer hinaus zum Schutz des Tales dort stationiert blieb.

Tatsächlich entwickelte sich die dort stationierte Mannschaft zu einer Plage für die Bürger von Malborghet.

Schon damals machte der Rat von Malborghet auf die beherrschende Lage des Tschalawai- Bergrückens aufmerksam.

Wirtschaft

Im Jahr 1600 wurde das Eisenerzbergwerk auf der Uggowitzer Alpe wieder in Betrieb genommen.

Die Ereignisse des Uskokenkrieges 1615/17 verschlechterten die wirtschaftliche Lage noch weiter, selbst Jahrzehnte später waren im Kanaltal noch Häuser unbewohnt beziehungsweise standen Hammerwerke leer.

Im Jahr 1642 verhinderte der Bischof Franz von Bamberg mit zwei energischen Eingaben an Kaiser Ferdinand III., den von einer venezianischen Familie geplanten Ausbau der Plöckenstrasse. Dieser Straßenbau hätte dem Kanaltal zusätzlichen schweren Schaden zugeführt. Die Fuhrwerksunternehmungen wären dadurch in ihrer Existenz gefährdet gewesen.

1616 verkauft della Grotta ein Gewerk an Borromäus von Canal (nun von und zu Ehrenberg); und Paul von Nägelschickh an Gabriel von Canal.

1618 verkaufte Andreas Slavina sein abgebranntes Haus „Cia la ter“ an Anton della Grotta um 300 fl. und 3 fl. Jahreszins

Zahlreich venezianische Gewerkenbesitzer verkauften in der ersten Hälfte des 17 Jh. ihre Betriebe; einige Unternehmernamen waren:

Slavina, Wald, Sabotta, Zurla, Filaferro, Wohlgemuth, Azula, Pesamosca, della Grotta.

Neue Unternehmerfamilien sind:

Aicherau, Strahlendorf, Ressmann, Rachoy, Jesse, Giromelli.

Religion

Gegenreformation

Im Jahre 1600 erschien der landesfürstliche Befehl, rigoros alle evangelischen Kirchen- und Schuleinrichtungen aufzulösen. Diese Einrichtungen befanden sich häufig in Privathäusern. Protestantische Schulmeister und Prediger sollten innerhalb von zehn Tagen ausgewiesen werden. Um dieser Anordnung größeren Nachdruck zu verleihen, wurde die Reformkommission, die vom Bischof von Seckau angeführt, auf ihren Zug durch Innerösterreich von 300 Büchsenschützen begleitet.

Als Folge dieser energischen staatlichen Maßnahme entschied sich ein Großteil der protestantischen Bewohner des Kanaltals, zum alten Glauben zurückzukehren. Denn, vor die Wahl gestellt, Heimat und Wohlstand zu verlieren, entschlossen sich die meisten zum Nachgeben.

Es kam aber auch zur Emigration von wohlhabenden und tüchtigen protestantischen Familien, die in den protestantischen Norden Europas zogen.

Wir haben noch 1603 eine Nachricht über den Verdacht, dass ein Priester weiterhin protestantische geblieben sei, aber in den ersten Jahrzehnten des 17. Jh. dürfte der Protestantismus im Kanaltal ausgemerzt worden sein. Die einzige Ausnahme könnte der Bergwerksort Raibl gewesen sein, wo sich wie überall sonst in Kärnten der Kryotoprotestantismus hielt.

Protestanten im Kanaltal:

Über die Geschichte der Protestanten im Kanaltal berichtet die Dissertation von Rossi. Dieser berichtet von den Schwierigkeiten, die entstehen, wenn man die Geschichte der Reformation für das Kanaltal nachvollziehen will: eine entsprechende Quellenlage gibt es erst für die Zeit, in der sich die Gegenreform auf den Weg macht. Ausreichendes Material sei so nur für die Zeit zwischen 1580 und 1600 vorhanden, hält Rossi fest.

Im 16. Jahrhundert habe des Kanaltal schon 500 Jahre zu Kärnten und den Bambergischen Besitztümern gehört, schreibt Rossi, andererseits sei das Tal jetzt in eine Phase der wirtschaftlichen Blüte (Bergbau und Handel, Metallbearbeitung und Forstwirtschaft; die Straße durch das Tal gewann auch an Bedeutung). Tarvis und Malborgeth erhielten die Marktrechte.

Die wirtschaftliche Aufwärtsbewegung  führte zu einer Einwanderungswelle aus Kärnten und Süddeutschland, das wiederum stärkte die Rolle des deutschen Elements im Tal. Rossi: ,,Die Einführung der Reformation im Kanaltal muss freilich im Zusammenhang mit dieser Zunahme der deutschen Bevölkerung und der dadurch bedingten Intensivierung, kultureller und wirtschaftlicher Beziehungen zwischen dem Kanaltal und Kärnten verstanden werden. Zu den Ursachen der Verprotestantisierung dieses Gegend trug auch ein Unabhängigkeitsgefühl bei das in diesem Zeitalter bei niederen Klerus und bei der Bevölkerung Platz gegriffen hatte. Dieses Gefühl beruhte auf der Vernachlässigung der geistigen Aufgaben von Seiten des Patriarchats von Aquileia, und auf der unentschlossenen Haltung der Bischöfe von Bamberg gegenüber der Reformation. Die Lehre Luthers traf also das Kanaltal in einer reformationsfreudigen Verfassung an. Der Protestantismus fand schon vor der Mitte des Jahrhunderts große Verbreitung, eine Tatsache, die an jeder der vier Pfarren des Tales nachweisbar ist, von denen aber jede einzelne ihre eigene Reformationsgeschichte hat."

Eine zentrale Rolle für die Geschichte der Reformation im Kanaltal hatte Tarvis, zu jener Zeit mehrheitlich deutsch bewohnt. Rossi: ,,Dort schloss sich fast die ganze Bevölkerung der neuen Religion an und die katholische Pfarre wurde zu einer evangelischen. Ein evangelischer Pfarrer wirkte an der Stadtpfarrkirche. Von Urkunden erfahren wir u.a., dass er sich in eine feierliche Zeremonie vor aller Öffentlichkeit trauen ließ. Protestanten anderer Gemeinden wandten sich um religiösen Beistand an den protestantischen Pfarrer. So breitete sich der Wirkungskreis von Tarvis bis weit hinein ins Tal aus und beförderte das Vordringen des Luthertums. Wie tief der evangelische Glaube in Tarvis eingewurzelt war, trat zur Zeit der Gegenreformation besonders deutlich in Erscheinung. Bemerkenswert ist die Hartnäckigkeit und die Einheit, welche die Bevölkerung beim Verteidigen ihrer Religion zeigte. Mehr als sechs Jahre dauerte der Streit zwischen Behörden und Tarviser, bevor der größte Teil der Bürgerschaft zum Katholizismus zurückkehrte."

In Malborgeth dagegen konnte sich die katholische Kirche behaupten. Zwar war die Mehrzahl der Bürger zum Protestantismus übergewechselt, aber eine ,,noble, venezianische Familie" (Rossi) und der Pfarrer von Malborgeth stellten sich der Reformation entgegen. Die Pfarre blieb katholisch. Über die Entwicklung informiert genau ein Briefwechsel des Pfarrers von Malborgeth mit der patriarchalischen Kurie.

Mit dem Besuch des Patriarchen Francesco Barbaro hatte im Kanaltal die Gegenreformation begonnen. Die katholischen politischen und geistlichen Landesherren wirkten dabei zusammen: Der Bamberger Bischof Neidhardt von Thüngen und sein Kärntner Vizedom Johann Georg von Stadion einerseits, andererseits der Patriarch von Aquileia, Francesco Barbaro. Ferdinand II., selbst von Jesuiten erzogen, unterstützte diese Koalition freudig. Über das weitere Vorgehen des Patriarchen von Aquileia schreibt Rossi:

,,Barbaro musste feststellen, dass, besonders durch die Nachlässigkeit der Bambergischen Fürsten, die ,Ketzerei' stark verbreitet war. In Tarvis ließ er sich die Schlüssel der Kirche übergeben und befahl den Bürgern, den evangelischen Prädikaten zu entlassen. In Saifnitz und Uggowitz entfernte er die zwei Priester Muhiz und Nuspamer aus den Pfarren.“ Nur mit Malborgeth durfte Barbaro zufrieden sein. Die dortige Pfarre hatte sich behauptet. Die Visitation durch den Patriarchen Barbaro zeigte freilich geringe Wirkung:

,,Die Reaktion der anonymen Masse auf seine Maßnahmen äußerte sich unverzüglich in erregten Handlungen gegen die neuen Priester. Die verschiedenen, immer mehr verschärften Mandate, in denen der Bischof seinen Untertanen mit seiner höchsten Ungnade und mit drastischen Strafen drohte, wurden einfach ignoriert.“ Man brauchte Jahre, ehe die gesetzten Maßnahmen Wirkung zeigte, und das erst nach weiteren Verschärfungen, die Rossi beschreibt: ,,Die evangelischen Beamten wurden unter Androhung des Verlustes ihrer Ämter zur Bekehrung genötigt Ein Opfer dieser geänderten Dienststellenpolitik des Hochstiftes wurde der Waldmeister im Kanal und Pflegswalter von Federaun Lorenz Döller. Protestantische Eheschließungen und Kindstaufen wurden verboten. Die Schulen wurden überprüft, um die katholische Lehre wiederaufleben zu lassen. Bald wurden die Protestanten im Kanaltal vor die Entscheidung: Bekehrung oder Auswanderung gestellt. Zwischen Glauben einerseits, Amt, Ansehen, Vermögen und Heimat andererseits entschied sich die Mehrheit für die Erhaltung der letzteren. Aber es fehlten nicht die Exilanten, besonders unter den wohlhabenden Bürgern. Ein Zweig der Familie von Paul verkaufte ihre Güter im Malborghet und zog nach Schweden, andere Mitglieder dieser Familie ließen sich in Nürnberg nieder.“ Der Protestantismus im Kanaltal war damit besiegt worden. Er sollte nie wieder Fuß fassen in diesem Tal. Allerdings wird man angesichts des unbändigen Unabhängigkeitsstrebens der Kanaltaler auch fragen dürfen müssen, wie tief der Katholizismus noch eindringen und wurzeln konnte.

Die ethnischen Verschiebungen, die in Folge auftraten, schildert Ernst Steinicke umfassend: „Die laufende Zuwanderung führte schließlich auch einer Vermischung der Volksgruppen. War Tarvis zu Beginn des 15. Jahrhunderts noch eine venetianisch-friulanische Ortschaft, so deuten die in den Urbaren der Marktgemeinde Tarvis im 16. Jahrhundert genannten Familiennamen eine veränderte ethnische Zusammensetzung an. Nach diesen war bis 1595 der Anteil der romanischen Bevölkerung auf ein Drittel zurückgegangen. Auch in Malborgeth nahm die Zahl der italienischsprachigen Bevölkerung ab. Vor allem traf es das venetianische Unternehmertum, das in zunehmendem Maße vom Hüttenberger Roheisen abhängig wurde und nach und nach die Möglichkeit des Wettbewerbs verlor. Daneben wirkten sich die politischen Niederlagen Venedigs gegen die Habsburger - die Auseinandersetzungen fanden auch auf Kanaltaler Boden statt - ebenso ungünstig für die italienischsprachige und mit ihnen die friulanische Bevölkerung aus. Gestärkt ging aus dieser Entwicklung das deutsch-slowenische Element hervor, woraus im Laufe der Jahrhunderte durch das Ineinanderwachsen beider Volksgruppen die Windischen entstehen sollten.“

 

1650 - 1700

1659 Steuerschulden

Infolge der hohen Verschuldung des Fürstbischofs von Bamberg konnte diese den Steuerforderungen des Landes Kärnten nicht nachkommen.

1659 hatten die Schulden einen Stand von 400.000 Gulden erreicht. Dieser Schuldenstand stieg später noch weiter und es kam oft zu Mahnungen seitens des Landes Kärnten.

Wirtschaft

Die drei Bergwerke au der Uggowitzer Alpe, die von der Familie Della Grotta betrieben wurden sind: St. Johann, St. Maxen und St. Marthes.

In der zweiten Hälfte des 17. Jh. kam das um 1600 wieder in Betrieb genommenes Bergwerk auf der Uggowitzer Alpe neuerlich zum Stillstand. Wir sind über die Gründe nicht informiert, die die Gewerkenfamilie Della Grotta bewog, den Erzabbau dort einzustellen. Klarerweise war den Hüttenberger Grubenbesitzer sowie den St. Veiter Eisenhändler das Bergwerk, das viel näher zu ihren südlichen Handelspartnern lag, ein Dorn im Auge.

1674 „Ewigen Rezess“

Im wichtigen „Ewigen Rezess“ von 1674 bemerkt man die gestiegene Bedeutung des Bleibergwerks von Raibl an seiner Einbeziehung in den Vertrag. Auch die bergrichterliche Rechtssprechung behielt sich der Landesherr vor, auf das gewonnene Blei wurde dem Kaiser ein Vorverkaufsrecht eingeräumt.

Das Ausmaß der Bleiproduktion von Raibl betrug ein Drittel von derjenigen von Bleiberg, der wichtigsten Bleiproduktionsstätte des Landes Kärntens.

Fremdenverkehr

Für diese zweite Hälfte des 17. Jh. können wir die Anfänge einer Art von Fremdenverkehr annehmen. Die auf die Gegenreformation folgende barocke Frömmigkeit fand im Wallfahrtsort Maria Luschari ein viel besuchtes Pilgerziel, das bald zum meistbesuchtes von ganz Kärnten wird.

Verkehr

Die Republik Venedig legte im Jahr 1677 eine neue Straße aus dem Piavetal durch das Cadore über den Kreuzbergsattel ins Pustertal an. Durch die Abzweigung von Tolmezzo über Sappada konnte man aus dem Tagliamentotal an diese neue Straße Anschluss finden und so bestand Gefahr, dass Fracht- und Fuhrwerksunternehmer von Gemona den Kanaltaler und Villacher Unternehmer Aufträge entziehen würden. Abgesehen davon steigerten die Venezianer die Maut von Pontebba. Durch diese Maßnahme gingen jedenfalls die kaiserlichen Mauteinnahmen zurück.

1680 – 1686 wurde die Predilstraße wiederhergestellt und dadurch der bis zur Errichtung des Freihafens von Triest sehr rege Handelsverkehr ins Isonzotal erleichtert. Um diese Passage winterfest zu machen, wurde damals eine eigene vor Lawinen geschützte Winterstraße angelegt. Diese Route die Tarvis berührte, war für den Handel auf habsburgischem Territorium von Bedeutung (Görz, österreichische Adriahäfen), während die Straße über Pontafel/Pontebba für den Handel mit Venedig von Wichtigkeit war (Venezianerstraße.

Bevölkerungsentwicklung

Nachdem das Bistum die Herrschaft über das Kanaltal 1675 aus wirtschaftlichen Gründen an Österreich abgegeben hatte - einzelne Rechte, wie z.b. im Forstwesen und Bergbau blieben in Händen Bambergs - schrumpfte der Anteil der romanischsprachigen Bevölkerung schließlich zu einem unbedeutenden Faktor zusammen. Als das Tal mit allen Rechten an Österreich überging, befanden sich daher die meisten Gewerke im Besitze deutschsprachiger Unternehmer.

Für eine jährliche Rente von 40.000 Gulden trat 1675 der bambergische Bischof Peter Philipp Dorbach das Kanaltal an Ks. Leopold I. von Österreich ab.

Religion

Um den in Raibel sich haltenden Kryptoprotestantismus zu bekämpfen, wurde 1659 eine kleine Kirche zu errichten begonnen, die dem heiligen Florian geweiht wurde. 1675 wurde eine Kapelle Maria Schutz erbaut. Schon im 16. Jh. hatte ein der heiligen Barbara geweihtes Heiligtum in diesem Bergwerksort bestanden.

1666 wurde die Wolfsbacher Kirche erbaut, die in der bambergischen Periode eine Filialkirche von Malborghet war.

1668, zwei Jahre später, wurde ein Benefizium errichtet, das der seelsorglichen Betreuung des Wallfahrtsorts Maria Luschari diente. Der Wallfahrtort blühte in diesem Jahrhundert rasch auf und trug dazu bei, viele Menschen ins Kanaltal zu bringen.

1689 wurde die Kirche von Unter-Tarvis durch die adelige Familie Rechbach erbaut, die bis 1816 durch einen Kaplan betreut wurde.

Zu Ende dieses Jh. gelangte das Patronatsrecht der Pfarren des Kanaltals nach und nach an das Hochstift Bamberg. Zuvor waren die Pfarrer von den Gemeinden selbst gewählt worden. Dadurch ließen sich die solchermaßen eingesetzten Geistlichen die Curia vom Patriarchen von Aquileia erteilen. Das Hochstift Bamberg hatte schließlich die Einsetzung zu billigen. Diese Situation war oft die Quelle von Streitigkeiten zwischen allen drei Beteiligten.

Im übrigen war die materielle Versorgung der Pfarren und ihrer Angestellten größtenteils von Stiftungen der Gewerken abhängig.

1700 - 1750

Wirtschaft

Die Jahrhundertwende von 1700 mit dem Ende des großen Türkenkrieges hatte bereits für das kommende Jahrhundert eine steigende Bedeutung des Ost-Westhandels angekündigt. Ungarn war wieder habsburgisch geworden und damit waren ganz neue Handelsverbindungen wichtig.

Der darauf folgende Spanische Erbfolgekrieg hatte die Erweiterung des österreichischen Besitzstandes in Oberitalien als Resultat, Mailand und die Lombardei blieben eineinhalb Jahrhunderte österreichisch und stärkten damit die Brennerstasse, bzw. die Verbindung durch das Pustertal, die auf der Strecke Wien – Mailand lag.

Insgesamt aber waren die österreichischen Habsburger in ihrem Vorhaben gescheitert den spanischen Familienzweig zu beerben. Damit war auch die Hoffnung, der österreichischen und vor allen der Kärntner Eisengewerbe dahin, dass Karl VI. als spanischer König die lästige schwedische Konkurrenz ausschalten werde können. Diese bracht ihre Eisen- und Stahlerzeugnisse auf den Seeweg in den Mittelmeerraum.

Verkehr

Was das Straßen- und Verkehrswesen betraf, war man ebenfalls in ein neue Phase eingetreten. Das Wirtschaftssystem des Merkantilismus versuchte staatlicherseits die Exporte zu fördern und legte infolgedessen großen Wert auf gute, ausgebaute Straßen zu den Reichsgrenzen. Für die Kosten der Reparatur- und Instandsetzung der Straße in Gebiet des Kanaltals hatte das Bistum Bamberg aufzukommen. Diese Kosten sind bei den häufigen Überschwemmungen, Vermurungen und Lawinenschäden nicht gering zu veranschlagen.

Allerdings war man bestrebt, das Exportgeschäft möglichst unter eigener Kontrolle zu halten. In diesem Fall bedeutete das, die österreichischen Adriahäfen zu fördern und zu privilegieren, was auf Kosten des venezianischen Handels gehen musste.

1701 war Villach Truppensammelplatz für Soldaten, die im Spanischen Erbfolgekrieg eingesetzt wurden. Die Stadt stöhnte unter der Versorgungspflicht und in weiterer Folge trat eine Teuerung bei Lebensmittel auf. Auch das Kanaltal wird von diesen Ereignissen nicht unberührt geblieben sein. Man kann annehmen, dass häufig Truppenkontingente das Tal durchzogen und dies nicht ohne unangenehme Begleiterscheinungen abgingen.

1704 wurde der Uggowitzer Bergbau revitalisiert. In Hüttenberg reagierte man sofort darauf. Die Hüttenberger waren bereit, den vom neuen Bergbauunternehmer aus Malborghet errichteten Eisenschmelzofen auf eigene Kosten abzutragen. Aber der bambergische Bergrichter erhob dagegen Einspruch und erwirkte das Grubenlehen für die Uggowitzer Alpe und für ein zweites Eisenbergwerk in der Seisera. Beide Anstrengungen konnten aber die Abhängigkeit vom Hüttenberger Eisen kaum mildern, auf das die Gewerken im großen und ganzen angewiesen waren.

Das Jahr 1719 war für die verkehrspolitische Entwicklung des Kanaltals sehr wichtig. Der Hafen von Triest wurde durch Karl VI. zum Freihafen erklärt, was entsprechende Folgen für den Handelsverkehr seines Einzugsgebiets mit sich brachten. Deshalb wurde nämlich die Benutzung des bisherigen österreichischen Adriahäfen verboten. Ja, man ging sogar soweit, den Handelsverkehr über den Predil und über Pontafel zu untersagen, was natürlich nicht aufrecht zu halten war. Jedenfalls erlitt der Handelsverkehr von Villach über Pontafel eine starke Einbuße, die sich ab den zwanziger Jahren des 18. Jh. sehr bemerkbar gemacht haben muss.

Im Jahre 1726 wurde die Straße über den Wurzenpass sowie die Straße über den Loiblpass ausgebaut und für schwere Fuhrwerke passierbar gemacht. Im gleichen Jahr wurden diese beiden Verbindungen von Linz und Wien zu den Freihäfen von Triest und Fiume zu Hauptkommerzialstrassen erklärt. Bei der Planung dieser Straßenrouten kam es zu einem Streit zwischen den Krainer und den Kärntner Ständen. Die Kärntner wollten nämlich an Stelle des später erfolgten Ausbaus über die Wurzen die Straße über den Weissenfelser Sattel ausbauen. Dagegen hatten die Krainer entschiedene Einwände, da sie fürchteten, dass ein Kaufmann, der durch Tarvis käme, seine Reise weiter durch das Kanaltal fortsetzen würde.

Tatsächlich wurde dann die Straße über den Wurzenpass viel benützt und ständig unterhalten. Allerdings war auch die Weissenfelser Straße über den gleichnamigen Sattel nach 1724 wieder hergestellt worden.

Die verkehrspolitische Entwicklung in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war also für das Kanaltal und seine Italienerstraße eher ungünstig. Der Niedergang Venedigs und die immer bedeutender werdenden Handelszentren von Triest und Görz bewirkten eine Verlagerung des Warenverkehrs im Alpen-Adriaraum. Zum Glück für Tarvis berührte der vom Isonzotal und Savetal nach Kärnten führende Handelsweg diesen Verkehrsknotenpunkt. Die übrigen Orte des Tales blieben dabei unberücksichtigt.

Handel und Mauteinnahmen

Die Mauteinnahmen der kaiserlichen Grenzämter spiegeln, wenn sie auch nicht lückenlos überliefert sind, die Reaktionen auf alle diese Veränderungen sehr gut wider. Durch das ganze 17. Jahrhundert lieferten Pontafel und Tarvis durchschnittlich die höchsten Einnahmen von Mautämtern in Oberkärnten. In dieser Zeit hatte auch der Plöckenpass einen regen Handelsverkehr zu verzeichnen. In bestimmten Jahren übertrafen seine Mauteinnahmen sogar die des Kanaltals.

Auch höhere und beschwerlichere Übergänge über die Karnischen Alpen in das Kanaltal hatten für die Säumerei an Bedeutung gewonnen. Für diese umsatzmäßig kleineren Nebenerwerbshändler wird natürlich die Umgehung der Zollstellen eine große Rolle gespielt haben. Abgesehen davon, dass sie durch Abkürzungswege Zeit einsparten. Hier sind der damals noch nicht ausgebaute Nassfeldpass (1552 m) , der Hermagor mit Pontafel verbindet und der Rattendorfer Sattel (1783 m), der Tröpolach ebenfalls mit Pontafel beziehungsweise Pontebba verbindet zu nennen. Ein dritter Übergang war der Bartolo-Sattel (1175 m) , der von Nötsch aus dem Gailtal nach Saifnitz in das Kanaltal überleitet.

In den zehner- und zwanziger-Jahren des 18. Jahrhunderts traten starke Veränderungen auf. Der Rückgang der Einnahmen war deutlich und allgemeiner Natur. Die Venediger Straße konnte ihre alte Bedeutung nicht wiedererlangen. Allerdings nahm die Abgabensumme auf exportierte Waren bis 1735 wieder zu, jedoch nur in Tarvis, was auf steigende Frequenz des Handelsverkehrs ins Savetal und über den Predilpass hinweist.

Also hatte der Handel über Pontafel Richtung Venedig nach 1719 stark abgenommen. Auch eine gründliche Reparatur der Straße in den zwanziger Jahren konnte daran nichts ändern.

1731 wurden Wegmacher, die auf den guten Straßenzustand zu schauen hatten, bestellt. So war zum Beispiel ein Wegmacher für den Abschnitt zwischen Tarvis und Goggau zuständig.

Im selben Jahr 1731 wurde die Pontafler Straße für venezianische Weinimporte gesperrt, was den Handelsverkehr über diese Route weiter reduzierte. Dafür kam jetzt Görzer und Triestiner Wein im großen Umfang zum Zug.

Der für Österreich ungünstig verlaufende Polnische Erbfolgekrieg (1733 – 1735) wurde teilweise auf dem italienischen Kriegsschauplatz ausgetragen. Zahlreiche Truppenbewegungen belasteten die Bevölkerung des Kanaltals durch den bestehenden Verpflegungszwang.

Der nun fünf Jahre darauf folgende österreichische Erbfolgekrieg Maria Theresias bracht den Habsburgerstaat an den Rand seiner Existenz (1749). Für die Bevölkerung bedeutete er eine unerträglich hohe Steuerbelastung. Naturgemäß gingen daher die Mauteinnahmen von Tarvis nach 1735 und vor allem in den vierziger Jahren wieder zurück.

Beispielweise waren Blei- und Eisenerzeugnisse einem Exportverbot unterworfen, was die Oberkärntner Erzeuger und Gewerken hart trafen.

Das letzte Jahrzehnt unter bambergischer Herrschaft brachte für die Untertanen  eine noch größere Steuerbelastung, weil der Vizedom versuchte, das Territorium schuldenfrei zu machen, um einen höheren Verkaufspreis zu erzielen.

Religion

Zwischen 1729 und 1746 wurde die bisherige Filialkirche im Pontafel zu einem Vikariat mit einem eigenen Seelsorger umgewandelt.

Im Jahr 1731 stiftete Susanne Struggi, die reiche Witwe eines Bergwerkbesitzers von Raibl, eine bedeutende Summe für die Errichtung einer kleinen Kapelle, sowie für ein Benefizium zum Unterhalt des dort tätigen Geistlichen. Diese Expositur gehörte ebenso wie die Filialkirche von Flitsch zur Pfarre Tarvis.

1750 - 1800

Der letzte bambergische Vizedom und die Verkaufsverhandlungen

Als der bambergische Vizedom in Kärnten Johann Wilhelm Anton Hornegg, Freiherr von Weinheim, 1747 seine Stellung antrat, bereiste er zunächst das Gebiet, um die Huldigung seiner Untertanen entgegenzunehmen. Bei dieser Gelegenheit wurde ein Zustandsbericht angefertigt. Eine Reihe von Missständen werden aufgezählt, die mit dringend nötigen größeren Reformen beseitigt werden könnten.

Über das Kanaltal schreibt der unbekannte Verfasser, dass es verhältnismäßig zu stark bevölkert war und daher die Grundstücke immer mehr zerteilt wurden. Deshalb müsse man die Untertanen teilweise „hinausbezahlen“.

Die äußerst stark besuchte Wallfahrtskirche Maria Luschari war in bedauernswertem Zustand und hatte eine Renovierung dringend nötig. 17.000 Gulden an Spenden waren vom Bistum entliehen worden, wobei die Zinsen der Rückzahlung bereits 12.000 Gulden erreicht hatten. Im Volk sprach man deshalb davon, dass das Hochstift der Wallfahrtskirche die Opfer entziehen wolle. Daher beabsichtigte der Vizedom, sofort Maßnahmen zur Erneuerung des einsturzgefährdeten Kirchturms einzuleiten.

Aber nicht die misslichen Zustände des Gebiets selbst oder die Tatsache, dass sich das Hochstift mit den Steuerzahlungen stark im Rückstand befand, ließen die Situation sich dramatisch zuspitzen. Es waren die durch ständischen Widerstand provozierten Verwaltungsreformen, die Maria Theresia unter Mitarbeit von Graf Friedrich Wilhelm von Haugwitz im selben Jahr 1747 durchzuführen begann. Als für Maria Theresia in den Kriegen gegen Preußen eine Kampfpause eingetreten war, nutzte sie diese zur Einleitung von wichtigen Verwaltungsreformen. Sie hatte erkannt, dass sie dem zentralistischen organisierten preußischen Staat an finanzieller Leistungsfähigkeit unterlegen war. Deshalb trachtete sie so schnell wie möglich, verlorenes Terrain wieder zurückzugewinnen. So begann sie, die verschiedenen staatlichen Institutionen und Ämter in Hinblick auf eine größere Effektivität umzugestalten.

Für Kärnten brachte das Patent von 1748 mit der Einführung der gleichförmigen Behördeneinrichtung in allen deutsch-böhmischen Ländern die staatliche Aufsicht durch die k.k. Deputation. Diese ersetzte die ein Jahr zuvor angeordnete Repraesentatio Regia in Cameralibus et Politicis.

Damals entstand auch die Kreiseinteilung Kärntens, bei der das Kanaltal zum Villacher Kreis gezählt wurde.

Ganz wesentlich waren die Änderungen auf dem Steuersektor. Der Adel hatte zu den staatlichen Kontributionen, die auf Grund der neuen Theresianischen Steuerrektifikation festgesetzt wurden1 selbst ein Drittel beizutragen. Vorher hatten die Untertanen allein die ganze Steuerlast tragen müssen.

Seitdem die Verwaltung in Kärnten gestrafft und vereinheitlicht worden war, wurden die Konflikte zwischen Wien und Bamberg immer offenkundiger. Der bambergische Besitz machte immerhin ein Drittel des Landes Kärnten aus. Es ist klar, dass die 500 km entfernte Außenstelle des Erzbistums Bamberg, die unter ganz anderen Voraussetzungen vom Ottonenkaiser Heinrich II. wegen seiner verkehrspolitischen und strategischen Bedeutung an Bischof Eberhard geschenkt worden war, im Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus als Fremdkörper wirken musste. Verwaltungsvorgänge komplizierten sich durch diese Situation und überdies arbeitete der Beamtenapparat des bambergischen Hochstiftes in Kärnten eher ineffektiv und ungenau.

Natürlich mögen die habsburgischen landesfürstlichen Stellen mit Schikanen nachgeholfen haben, aber es musste schon längere Zeit die Übergabe der Herrschaften an die österreichische Dynastie für die bambergischen Kärntner wünschenswert erschienen sein.

Seit dem „Ewigen Rezess“ von 1674 mussten sie unwiderruflich wie alle Kärntner dem Land ihre Steuern entrichten. Unabhängig davon waren die Bischöfe berechtigt, eigene Abgaben einzutreiben, die sie, gemessen an österreichische Verhältnisse, zu hoch ansetzten.

Die Vorteile die den bambergischen Kärntner im Mittelalter durch die Reichsunmittelbarkeit des Erzbischofs von Bamberg erwachsen waren, waren längst vorbei.

Ganz im Gegenteil, die fiskalische Belastung war gewaltig geworden. Zu den bischöflichen und landständischen Abgaben kamen die seit der Steuerrektifikation empfindlich gestiegenen landesfürstlichen Kontributionen. Letztere führten dazu, dass das Hochstift bei ihrer Einhebung und Ablieferung bis 1750 mit zirka 250.000 Gulden im Rückstand war und kaum Aussicht bestand, diesen Schuldenberg in absehbarer Zeit zu verkleinern.

Der Vizedom des Bischofs beschuldigte die landesfürstliche Behörde, bei der Einschätzung der Erträge der bambergischen Gebiete in Kärnten viel zu hoch gegriffen zu haben. Er war aber weder imstande, andere stichhaltige Zahlen zu liefern, noch überhaupt eine Bilanz der Einnahmen und Ausgaben zur Verfügung zu stellen.

In diese Jahre setzt Vonend, der ein Jahrhundert später diese Zustände schilderte, den Tiefpunkt der Entwicklung. Die Straße im Kanaltal war auf Kosten des Bistums erweitert worden, allerdings trachteten die Händler, die als mittelalterlich und wirtschaftsfeindlich empfundenen Niederlagsgebühren von Villach zu vermeiden, sodass diese Maßnahme nicht viel zum Guten verändert haben dürfte. Die Villacher Bürger waren bereit, die Hausschlüssel abzugeben und auszuwandern. Die einst blühende Handelsstadt war schwer angeschlagen und befand sich in einem wirtschaftlichen Tief. Für die Märkte Tarvis und Malborghet galt ähnliches.

Maria Theresia und ihre Mitarbeiter beabsichtigten, die rückständigen Schulden mit militärischem Druck einzutreiben. Einerseits erforderten die kriegerischen Auseinandersetzungen mit Preußen die volle Finanzkraft der Monarchie, andererseits war es eine gute Gelegenheit, den unhaltbaren Zustand in Kärnten ein für allemal zu beenden. 1753 begann dann die militärische Exekution und kaiserliche Beamten übernahmen zwangsweise die Steuereintreibung trotz bambergischen Protest.

Im Domkapitel von Bamberg begann man sich mit dem Gedanken zu beschäftigen, die südlich gelegene Außenstelle des Bistums zu veräußern. 1754 sprach es sich in einer Sitzung dafür aus, mit päpstlicher Genehmigung die Gebiete an das Haus Habsburg zu verkaufen.

1755 waren die Finanzbeamten in Wolfsberg soweit, eine Bilanz der Einnahmen und Ausgaben von 1738 bis 1745 vorzulegen. Der jährliche Überschuss für den Bischof betrug 21.000 Gulden. Die Schulden hatten 234.000 Gulden erreicht.

Im selben Jahr 1755 begannen die Verkaufsverhandlungen. Das Bistum Bamberg dachte dabei an eine Verkaufssumme von 2 Millionen Gulden, die bei der angespannten Finanzlage des Hauses Habsburg nicht bezahlt werden konnten. Auch der Eintausch von anderen Reichsgebieten, etwa in Schwaben, wurde von den habsburgischen Unterhändlern abgelehnt. Graf Haugwitz, der Kanzler von Maria Theresia, meinte, die Gebiete würden nicht einmal 34.000 Gulden im Jahr an Ertrag bringen.

Als der Kaufvertrag Ende 1756 schon abgeschlossen war, starb der Fürst Bischof von Bamberg im März 1757 kurz vor der Ratifizierung des Vertrags.

Der neue Bischof Adam Friedrich5 Graf von Seinsheim, nahm im Sommer des selben Jahres 1757 die Verhandlungen behutsam wieder auf. Obwohl der Schuldenstand von 234.000 Gulden im Jahr 1755 auf 190.000 Gulden im Jahr 1757 verkleinert worden war und man meinte, eine Sanierungsmöglichkeit feststellen zu können, blieb man weiterhin beim Verkaufsbeschluss.

Am 5. Mai 1759 war es dann soweit. Der Kauf- und Verkaufsbrief mit Übergabedatum vom 15. Juni wurde am 5. Mai 1759 ausgefertigt. Die Kaufsumme war auf eine Million Gulden festgesetzt, wobei das Kapital in Wiener Stadtbanko-Obligationen angelegt wurde, wovon vier Prozent 40.000 Gulden an das Domkapitel bis ins Jahr 1802 als Zinsen ausgezahlt wurden.

Dass die Verkaufssumme niedriger genannt werden kann, versucht Vonend dadurch zu beweisen, dass er den Erlös aus der Erzgewinnung von Raibl allein schon höher als die zu bezahlende Zinssumme veranschlagt.

Vom habsburgischen Erwerb bis zu den napoleonischen Kriegen

Verwaltungsgeschichte

Mit den Frieden von Hubertusburg endete 1763 der Siebenjährige Krieg. Damit war ein Abschnitt, der die Wirtschaft Kärntens durch Kriege stark belastete, vorübergegangen. Bis zum Ende des Jahrhunderts war der Kärntner Wirtschaft nun eine von Kriegsereignissen im großen und ganzen ungestörte Entwicklung gegönnt.

Im selben Jahr 1763 wurde die k.k. Landeshauptmannschaft an Stelle der „Repräsentation“ eingerichtet, die den Ständen die ihnen entzogenen Rechte teilweise wieder zurückgab. Sie wurden wieder mit der Einhebung der staatlichen Kontributionen betraut, hatten aber weiterhin keinen Einfluss auf die Festsetzung ihrer Höhe.

Mit den 1. Jänner 1776 wurde die Herrschaft Federaun, der auch das Kanaltal angehörte von der Regierung an Franz Graf Orsini- Rosenberg verkauft. Damit hatte er das Patronatsrecht über alle Pfarren im Kanaltal, die Vogteirecht über die Gotteshäuser selbst, die Oberherrschaft über die Märkte Tarvis und Malborghet, des Forst und das Waldamt von Tarvis, sowie die Land- und Halsgerichtsbarkeit in diesen Gebiet erworben.

1782 wurde die ständische Selbstverwaltung in Kärnten von Kaiser Joseph II. weitgehend beseitigt. Kärnten wurde nunmehr mit Krain  und Steiermark vom Grazer Gubernium aus regiert. Die Landeshauptmannschaft wurde wieder aufgehoben und die Kreisämter, die die Untertanen vor Übergriffen der Herrschaften schützen sollten, als unterste Gerichtsinstanz aufgewertet.

Diese Josephinischen Maßnahmen wurden von Leopold II. 1790 dahingehend gemildert, dass die Landeshauptmannschaft, sowie ein eigenes Landrecht wieder gestattet wurde.

Im selben Jahr 1790 erwarb Graf Orsins-Rosenberg von der Herrschaft Khünburg die Kronalpe nördlich von Pontafel zu seinen Besitzungen dazu.

Ebenfalls unter Joseph II. wurde die Truppenrekrutierungen für das Heer der Monarchie mit dem Konskriptionssystem auf eine neue Basis gestellt. Die männliche Bevölkerung wurde in Konskriptionslisten eingetragen und in Werbebezirke zusammengefasst. Dieses System erhielt nun gesetzliche Gültigkeit. Das Kanaltal mit Ausnahme der Herrschaft Weißenfels, die dem Land Krain angehörte, war Teil des Werbbezirkskommissariats Fedraun. Die Herrschaft Weißenfels bildet ein eigenes Webbezirkskommissariat.

Ebenso wurde die direkte Besteuerung reformiert. Auf Grund des allgemeinen Grundsteuerpatentes von 1785 wurden Steuer- und Katastralgemeinden gebildet, die mit der Einhebung der Abgaben betraut wurden. Für diese steuerlichen Zwecke wurden die Gemeinden vermessen, allerdings noch kein Plan angefertigt. Beim Katasterabschluss 1789 bestanden im Kanaltal folgende Steuer- und Katastralgemeinden: Pontafel, Leopoldskirchen, Uggowitz, Wolfsbach, Malborghet, Saifnitz, Flitsch,  Raibl, Tarvis, Goggau, Greuth.

Auf dem Gebiet des Marktgerichts Tarvis lagen die Katastralgemeinden Flitsch, Raibl und Tarvis. Auf dem Gebiet des Marktgerichts Malborghet lagen die Katastralgemeinden Wolfsbach und Malborghet. Die übrigen Katastralgemeinden Greuth, Goggau, Leopoldskirchen, Saifnitz, Uggowitz und Pontafel unterstanden dem Gericht Fedraun.

Joseph II. war bestrebt, die Steuereinnahmen aus der Kompetenz der Grundherrschaft herauszunehmen und installierte deshalb „Bezikssteuereinnehmerämter“. Diese Einrichtung war jedoch nur von kurzer Dauer, da sie von Leopold II. wieder aufgehoben wurden. Auch kehrte er zur Mariatheresianischen Steuerregulierung von 1748 zurück, die bis in die Napoleonische Zeit wieder Gültigkeit besaß.

Kirchengeschichte

Mit dem Verkauf der bambergischen Besitzungen war im Kanaltal die Patronats- und Vogteirechte vom Bischof von Bamberg auf die Herrschaft Fedraun übergegangen.

1760 war die 400-Jahrfeier des Wallfahrtsortes Maria Luschari. Vom 15. bis 17. August lösten sich hohe Geistliche in Messelesen und Predigen ab. Noch mehr Volk als in sonstigen Jahren besuchte damals die Gnadenstätte.

Im Jahr 1771 wurde Leopoldskirchen, das bisher eine von Uggowitz abhängige Kuratie war, zur selbständigen Pfarre erhoben.

1774 wurde das Schulwesen von Joseph II. durchgreifend reformiert. Die Errichtung von Trivialschulen (Grundschulen) wurde in Tarvis, Malborghet und Pontafel geplant. Das Lehrpersonal rekrutierte sich in den ländlichen Gebieten meist aus Geistlichen, beziehungsweise aus Personen, die mit der Kirche in Verbindung standen, zum Beispiel aus Mesner. In Malborghet wurde 1778 ein „Winterkurs“ für Kinder, dem 1781 ein „Sommerkurs“ hinzugefügt wurde, durchgesetzt. Auch in Tarvis, wo man 1794 einen eigenen Schulbau plante und sich dann auf die Mietung eines Schulzimmers beschränkte, sowie in Pontafel wurde ebenfalls bis Ende des Jahrhunderts die geplanten Schulen eingerichtet.

1778 gelangten durch Verkauf der Herrschaft Fedraun die Patronats. und Vogtrecht aller Pfarren des Kanaltals an Franz Graf Orsins-Rosenberg.

Benediktinerkloster von Arnoldstein

Ende 1783 wurde das Benediktinerkloster von Arnoldstein aufgehoben. Das über 600 Jahre alte Kloster wurde zum damaligen Zeitpunkt von 17 Patres bewohnt.

Schon Ende des 16. Jh. schien das Kloster, das am Nordende des Kanaltal lag, auszustreben, 1579 gab es nur mehr zwei Benediktinerpatres, die das große Kloster bewohnten. Nur dem energischen Eingreifen des Patriarchen von Aquileia ist es zuzuschreiben, dass der protestantenfreundliche Vizedom Bambergs seinen Plan, das Kloster aussterben zu lassen, nicht durchführen konnte.

Später wurde durch einen verschwenderischen Abt das Kloster an den Rand des finanziellen Ruins gebracht. Nun, unter dem letzten Abt, schien der Tiefpunkt überwunden, dennoch wurde das Kloster von Joseph II. aufgehoben. Die 91.000 Gulden Klostervermögen wurden an das definizitäre Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal weitergegeben.

1782 ließ Joseph II. vom Fürstbischof von Gurk Graf Auersperg Reformvorschläge für eine Neuorganisation der Kirche in Innerösterreich ausarbeiten. Einer seiner drei Vorschläge wurde noch im selben Jahr angenommen. Dieser Plan wurde Ende 1783 dem Papst mitgeteilt und 1787 von ihm anerkannt.

Maria Luschari

Joseph II. hob 1787 den Wallfahrtsort Maria Luschari auf. Die verehrte Marienstatue wurde nach Saifnitz gebracht, die Glocken entfernt, die Altäre zerstört, das Kirchenpflaster aufgerissen. Die Kirche blieb als Ruine zurück, trotzdem ließen sich die Pilger nicht vom Besuch der Gnadenkirche abhalten. Sofort nach dem Tod von Joseph II. verfassten die Kanaltaler ein Ansuchen um Wiedereinführung der so beliebten Wallfahrt. An erster Stelle führten sie dabei an, dass die durch das Tal strömenden Pilgerscharen für die arme Bevölkerung dieses Gebiets eine wesentliche Einnahmequelle dargestellt hatten. Der damit befasst Staatsrat gab den Ansuchen statt. Die Untertanen würden andernfalls Not leiden und Aberglaube sei durch Zwang von oben ohnedies nicht zu beseitigen. So wurde die Wallfahrt ein halbes Jahr nach dem Tod Joseph II. auf Staatsratsbeschluss noch im Herbst 1790 wieder zugelassen.

Pfarren im Kanaltal

Die Billigung der kirchlichen Neuordnung wurde 1787 als Konsistorialdekret dem Bischof von Gurk in einem Breve übermittelt. In diesem Dokument sind auch die Pfarren des Kanaltals aufgezählt: Pontafel, Leopoldskirchen, Uggowitz, Malborghet, Saifnitz, Raibl, Tarvis.

In einem Pfarrverzeichnis des Jahres 1789 sind wiederum Leopoldskirchen und Pontafel als eigene Pfarren erwähnt. Als besetzte Beneficia werden Unter-Tarvis und Außer-Raibl (An-der-Maut) bezeichnet.

In einer Liste der Pfarren des Jahres 1796 finden wir Goggau als eigene Pfarre des Kanaltals verzeichnet. Bis zur Aufhebung des Klosters Arnoldstein wurde die Ortschaft ebenso wie Greuth vom Kloster Arnoldstein betreut und war von der Pfarre Göriach abhängig.

Verkehr und Straße

Ab 1763, dem Jahr der Beendigung des Siebenjährigen Krieges begannen die Mauteinnahmen von Tarvis wieder zu steigen.

Zwei Jahre später, im Jahr 1765 nahm der Staat eine Reorganisation des Straßenerhaltungswesens vor. Für die Funktionstüchtigkeit der Straße war ein Wegdirektor verantwortlich, ihn unterstanden die Wegmeister. Der Bereich des Kanaltals war im Straßenbezirk Raibl/Malborghet zusammengefasst. Ein Wegmeister hatte hier etwaige Reparaturen zu organisieren.

Bis Ende des Jahrhunderts nahm die Bedeutung der „Pontafler Straße“ wieder zu. Es existierte eine Postverbindung zwischen Wien und Venedig. Wöchentlich gingen in beiden Richtungen Postkutschen, die täglich ungefähr 60 km zurücklegten. Die Fahrt nach Venedig dauerte daher 10 Tage.

Im Jahre 1766 erschien erstmals eine detaillierte Maut- und Zollordnung für die innerösterreichischen Länder. Maßgebliches Kriterium war dabei die Schutzzollpolitik, die neu entstehende österreichische Industrie- und Gewerbebetriebe schützen sollte. Gleichartige Produkte aus dein Ausland sollten mit einem Zollaufschlag als Konkurrenz ausgeschaltet werden. Andererseits wurden die für die österreichische Produktion dringend notwendigen Rohstoffe mit einem Ausfuhrverbot belegt, auch wenn sie einen noch so guten Erlös gebracht hätten.

Es fällt schwer zu beurteilen, ob der Nutzen hier den Schaden überstieg, denn solche Anordnungen riefen entsprechende Vergeltungsmaßnahmen des betroffenen Auslands hervor.

Im Jahre 1775 kam dann eine neue Zollordnung heraus, deren bedeutendstes Kennzeichen die Abschaffung aller Binnenzölle war. Die böhmischen und österreichischen Erbländer sowie Innerösterreich wurden zu einem einheitlichen Zollgebiet. Nur Wegerhaltungsmauten waren erlaubt.

In den Jahre 1781 und 1782 hob Joseph II. alle, den Eisenhandel beschränkenden Maßnahmen auf, darunter den Wegrichtungszwang für hüttenbergisches Eisen, das ab jetzt nicht mehr nur nach Süden verhandelt werden muss. Als Resultat dieser abgeschafften Vorschrift trat eine Verdoppelung der Eisenproduktion Kärntens bis zur Jahrhundertwende ein, was seine Auswirkung auch auf den Export Richtung Süden über die Kanaltalerstraße hatte. So wird diese Straße 1798 wieder als wichtigste und größte Hauptstraße Kärntens bezeichnet. In diesem Zusammenhang wird sie auch als am meisten benutzte Straße beschrieben, obwohl sie nicht als Kommerzialstrasse galt und man staatlicherseits darauf bedacht war, den Handel nach Triest zu leiten.

Die wichtigsten Exportgüter waren Eisen und Eisenprodukte Holz, Schlachtvieh, Produkte der Almwirtschaft. Wichtigster Import aus dem Süden war mengenmäßig italienischer Wein, dazu kamen noch Textilwaren, Öl, Gewürze, Sudfrüchte und Luxuswaren.

Gewinnung und Verarbeitung von Bodenschätzen im Kanaltal

Im selben Jahr 1759, in dem das Kanaltal von Bamberg an Österreich kam, erschien eine neue Bergordnung von Maria Theresia, die die staatlichen Abgaben auf Erz- und Metallgewinnung regelte.

Aus Nachrichten, das Jahr 1761 betreffend, entnehmen wir, dass es vier Gewerken (Unternehmer) in Raibl gab, die Blei- beziehungsweise Zinkerz abbauten. Sie waren dazu übergegangen, dieses Erz durch Sprengverfahren zu gewinnen. Die Stollen wurden ohne kostspielige Holzstützung dem Fels abgewonnen. 68 Knappen arbeiteten in den Bergwerken rund um den kleinen Gebirgsort.

Das kleine Bergwerk am Poludnig (Uggowitzer Alpe) , in dem Eisenerz gewonnen wurde, wurde im Jahr 1763 von einer Grazer Gesellschaft betrieben. Wie lange, können wir nicht sagen.

Die Wirtschaftspolitik Maria Theresias ging davon aus, jeden entstehenden Industriebetrieb durch jede nur irgend mögliche Maßnahme zu fördern. Gleichartige ausländische Produkte wurden mit Einfuhrzöllen belegt, während für die Inlandproduktion notwendige Rohmaterialien durch Ausfuhrverbote im Land gehalten wurden.

In diesem Zusammenhang muss die kaiserliche Entschließung vom Jahre 1762 gesehen werden, in der die Eisenausfuhr untersagt wurde. Ähnliches gilt für das Bleiausfuhrverbot seit 1770.

Allerdings muss erwähnt werden, dass die Regierung Ausnahmeansuchen von Fabrikanten oft nachgab. Auf diese Art wurden die Verbote durchlöchert. Abgesehen davon blühte wegen mangelhafter Grenzüberwachung der Schmuggel, außerdem drückten die Zollbeamten gegen eine gutes Douceur (Bestechungsgeld) gern die Augen zu.

Im Jahre 1772 finden wir das k.k. Bergamt als Gewerken in Raibl. Ausschlaggebend für das staatliche Interesse war die Zinkgewinnung. Für die Messingerzeugung in Möllbrücken wurde dringend Zink für die Kupferzinklegierung benötigt.

In den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts florierte das Bergwerk von Raibl. Beispielsweise war die Bleiproduktion 1774/75 höher als die von Bleiberg. In den vier Bergwerken waren 113 Männer beschäftigt.

Damals setzte sich auch ein neues Verfahren zur Bleigewinnung durch. Ein neuartiger Schmelzofen wurde in Verwendung gestellt. Dieser ermöglichte eine Verbilligung und Verbesserung der Bleigewinnung. So konnte die Metallproduktion immer höhere Werte erreichen, wenn man auch die Aufzeichnungen dieser Zeit vorsichtig beurteilen muss. Sie sind keineswegs mit Statistiken der Gegenwart zu vergleichen.

Im selben Jahrzehnt nach 1770 bemühte sich die Regierung, den Absatz der Kärnten Eisenprodukte nach Italien zu verbessern. Zu diesem Zweck wurden Experten nach Kärnten und Italien geschickt, um die Verhältnisse genau kennen zulernen und die richtigen Förderungsmaßnahmen treffen zu können. Im Sommer 1771 inspizierte Karl Graf von Zinzendorf die Metallgewinnungs- und Verarbeitungsbetriebe in der Steiermark, Kärnten und Krain.

Bei dieser Inspektionsreise kam er auch durch zwei Orte des Kanaltals: Am 12. August 1771 besichtigte er die Baron Rechbachschen Hammerwerke in Weißenfels, am Abend desselben Tages das Bergwerk Raibl.

Am folgenden Tag ging er zu Fuß auf den Predilpass. Dann fuhr er mit dem Wagen, der ihm dorthin gefolgt war, nach Görz weiter. Die Schlussfolgerungen, die auf Grund dieser Reise zog, blieben zunächst unbeachtet. Er empfahl nämlich, das innerösterreichische Eisenwesen durch folgende Maßnahmen zu fördern: Den Handel und Verkauf von Eisen und Stahl zu liberalisieren, die Produzenten die Erzeugungsmengen bestimmen zu lassen und den Kohle- und Eisenpreis von staatlicher Beeinflussung freizuhalten. Erst unter Joseph II. fanden seine Überlegungen Beachtung.

Im Jahre 1778 kam Balthasar Hacquet nach Raibl und war beeindruckt vom dortigen Bergwerksbetrieb, über den er einen Bericht hinterließ. Daraus erfahren wir, dass der österreichische Staat an der Zinkgewinnung beteiligt war. Auch auf die Beschäftigtenverhältnisse geht Hacquet ein. Er berichtet von 68 „Hasplern“, 42 „Hundstossern“ (Männer, die die Karren voll Erz durch die Stollen beförderten) sowie von 64 Frauen und Kindern, die zur Erzscheidung herangezogen wurden. Ihr Verdienst lag zwischen fünf und zwölf Kreuzern pro Tag. Anfang des Winters 1778 standen fünf Flammöfen unter Feuer, die zur Ausschmelzung des Bleis dienten. Sie befanden sich im Nachbarort Kaltwasser.

Im ersten Teil seines Werkes beschreibt Hacquet die eisenverarbeitenden Betriebe von Weißenfels. Diese lagen in einem Seitental des Kanaltals, das über den Weissenfelser Sattel die Verbindung mit dem Savetal herstellt. Hier wurde Kärntner Eisen zu Stahl und Nägel verarbeitet. Diese Produkte wurden hauptsächlich nach Italien exportiert. In jedem Fall fand er das Eisenwesen in diesem Ort auf „ziemlich gutem Fuße“. Die Dokumente des Hofkammerarchivs bestätigen diese Aussage. Die kleinen Eisenbergwerke die es hier im 17. Jahrhundert gegeben hatte, waren nicht mehr in Betrieb. Auch scheint es im Umkreis des Ortes Weißenfels niemals Schmelzöfen gegeben zu haben. Eisenankäufe, die die dortigen Gewerken in Kärnten tätigten, sind aus diesen Dokumenten zu belegen. Hammerwerke und auch Stahlhämmer gab es hier schon seit dem 15. Jahrhundert, im 17. und 18. Jahrhundert sind sie durch diese Hofkammerdokumente nachzuweisen.

Auf seiner Reise in die angrenzenden Gebiete von Krain kam Hacquet auch ins Kanaltal selbst. Er schreibt von vier Hammerwerken in Unter-Tarvis und 13 Hämmern in Malborghet, die ebenso wie die Gewerken von Weißenfels Kärntner Roheisen für italienische Aufträge verarbeiteten. Zu den Verhältnissen des Tals merkte der Autor an, dass infolge der überdurchschnittlichen Niederschläge „dieses ganz enge Tal durch den Einsturz eines der kahlen, senkrechten Kalkberge überschüttet werden kann“.

Des weiteren empfahl er im Rahmen seiner Ausführungen, mit Holzkohle sparsamer umzugehen, weil ansonsten bald Holzkohlenmangel auftreten würde. Damit sprach Hacquet ein Problem an, das sich sehr bald noch verschärfen sollte. Durch das Josephinische Patent vom 29. Dezember 1781 wurden alle, den Eisenhandel reglementierenden Bestimmungen aufgehoben und ein Jahr später 1782 wurden auch die bisher gültigen Roheisenwidmungen aufgehoben. Die direkte Folge davon war, dass die Eisenproduktion bis zur Jahrhundertwende aufs Doppelte anstieg. Dieser rapide Produktionszuwachs verschärfte das Kohleproblem zusätzlich. Den Holzexport hatte man bereits zu erschweren versucht.

Die einzige Lösung wäre die Verfügbarkeit von billiger Steinkohle gewesen. Allerdings befand sich der Abbau von Kohle für industrielle Zwecke erst in den Anfängen. Nicht nur ihr hohes Gewicht, das den Transport von den Kohlebergwerken zu den Hammerwerken verteuerte, sondern auch der schwefelige Geruch der Braunkohle bei der Verbrennung ließ den Widerstand gegen ihre Verwendung wachsen.

Im Kanaltal bediente man sich also vorwiegend der Holzkohle, wobei man auf den reichen Forstbestand noch mehr als früher zurückgriff. Seit dem Verkauf des Tarviser Forstes an Franz Orsini-Rosenberg 1778 begann die stärkste Ausbeutung der Wälder und es kam häufig zu Streitigkeiten zwischen den Talbewohnern und dem Forstpersonal. Nicht zuletzt hatte ja die aus bambergischer Zeit stammenden Weide- und Holzrechte der Kanaltaler nun ihre Gesetzeskraft verloren.

Für das Jahr 1871 sind uns in einem Produktionsausweis der Kanaltaler Hammergewerken acht Namen überliefert, von denen die bedeutendsten Strohlendorf und Canal sind. Strohlendorf allein verarbeitete im Stichjahr 1781 4.081 Zentner Stahl, wozu er 21.342 Schaff Kohle verbrauchte und 80 Personen beschäftigte. Die entsprechenden Zahlen für den Unternehmer Canal lauteten 3.340 Zentner Stahl, 16.716 Schaff Kohle und 16 Personen. Insgesamt wurden 12.634 Zentner Stahl verarbeitet, 154 Personen waren dabei beschäftigt.

1783 kam es zu einem letzten Versuch, vom Roheisen der Hüttenberger Gewerken unabhängig zu werden. Man beabsichtigte mit einem Eisenerzabbau „In der Schütt“ zu beginnen (nahe Fedraun). Dieses Unternehmen scheiterte aber schnell am Widerspruch der Hüttenberger Gewerken sowie am Mangel an Kohle.

Ganz allgemein kann gesagt werden, dass im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts Italien als Absatzgebiet für Kärntner Roheisen und Stahl an schwedische, aber auch an englische und russische Produzenten verloren ging. Dagegen waren die Produkte der Hammergewerken auch in Italien sehr geschätzt. Darunter sind zu verstehen: Draht, Nägel, Hufeisen, Pfannen sowie Werkzeuge aller Art.

Aus einem Dokument des Jahres 1793 kann man entnehmen, dass in den Strohlendorfschen Hammerwerken in Malborghet und Wolfsbach vier 11-, beziehungsweise zwölfjährige Kinder arbeiteten, wobei ein Knabe schon ab zehn Jahren eingesetzt worden war.

Das war durchaus kein Einzelfall. Wohl hatte sich Kaiserin Maria Theresia schon 20 Jahre vorher 1773 bemüht, die ärgsten Missstände zu beseitigen, indem sie eine „Bruderladenordnung“ einführte. Gemäß dieser hatte jeder Arbeiter von je einem Gulden seines Lohnes einen Kreuzer in eine gemeinsame Kasse einzuzahlen. Im Falle eines Arbeitsunfalls, der im Bergbau leider nicht selten war, wurde daraus die Krankenfürsorge, aber auch eine Invaliden- oder Witwenrente bestritten. Für Kinder und zwar Mädchen unter acht Jahren, beziehungsweise Knaben unter zehn Jahre erhielten die Witwe beispielsweise acht Gulden Erziehungsbeitrag pro Jahr. Ab diesem Alter hatten die Kinder einer Broterwerbstätigkeit nachzugehen. Wie unser Beispiel zeigt, war das auch tatsächlich der Fall.

Die Franzosenzeit brachte für die Eisenwerke Kärntens eine schwere Krise mit sich. Es blieben viele ausländische Kunden aus, der Export musste eingeschränkt werden und die allgemeine Unsicherheit der politischen Lage, sowie die Inflation trug zur wirtschaftlichen Rezession bei.

Um 1800 gab es im Kanaltal sieben oder acht Hammergewerken, in Malborghet finden wir noch immer den Namen Canal als Unternehmer vertreten. Die Strohlendorfschen Hämmer von Tarvis waren an einen neuen Besitzer übergegangen: Eine Triestiner-Fiumaner Compagnie taucht als neuer Gewerke auf. Die wichtigsten Standorte waren außer Malborghet und Tarvis St. Kathrein und der Bombaschgraben nördlich von Pontafel. Erzeugt wurden außer den oben erwähnten Produkten noch Häfendeckel, Marinepechkessel, Hammerambosse, Pflugeisen, Sensen, Sicheln und Feilen.

Die Zeit der napoleonischen Kriege

Das Jahr 1797

Im Zuge des Ersten Koalitionskrieges 1792 bis 1797 war es Napoleon 1796 gelungen die Lombardei zu erobern. Erzherzog Karl, der Bruder Kaiser Franz II., hatte im selben Jahr 1796 den Oberbefehl über die österreichischen Truppen übernommen. Dem Vordringen der französischen Armee unter Napoleon in Oberitalien konnte er allerdings nicht Parole bieten. Nach dem Fall der starken Festung von Mantua am 3. Februar 1797 war ein weiteres Vorstoßen der Franzosen gegen die österreichischen Alpenländer zu befürchten.

Mitte März 1797 erteilte Napoleon seiner Division Massena Befehl, den Tagliamento flussaufwärts vorzudringen, Chiusaforte zu besetzen und Vortrupps nach Pontafel und Tarvis zu senden.

Österreichischerseits sollte Feldmarschallleutnant Mercandin befehlsgemäß mit vier deutschen Grenadierbataillonen in Villach eine Reserve bilden und mit vier ungarischen Bataillonen Tarvis besetzen. Die Hauptmasse der Truppen Erzherzog Karls befand sich noch am 19. März 1797 bei Görz und Gradisca. An diesem 19. März 1797 legte der Erzherzog die endgültige Richtung des Rückzugs seiner Streitmacht fest. Obwohl er sich bis hinter den Isonzo abdrängen hatte lassen, war er bisher fest entschlossen gewesen, den weiteren Rückzug seiner Truppen über Tarvis zu wählen.

Am Vormittag des 19. März 1797 traf jedoch die Meldung ein, dass Truppen der französischen Division Guieu durch das Isonzotal gegen Karfreit in Gang gesetzt worden waren. Wesentlich weiter im Norden mussten bereits jene Truppen der Division Massena stehen.

In diesem Moment setzte auch noch der Angriff auf Gradisca ein, über dessen ungünstiges Ende für die Österreicher so gut wie kein Zweifel bestehen konnte.

Das der Erzherzog meinte, das Kanaltal mit den vier Bataillonen Mercandins, weiters zwei unter Generalmajor Ocskay, sowie zwei anderen unter Major Zedtwitz genügend geschützt zu haben, nahm er die vordringenden Soldaten der Division Guieu wichtiger. Das Isonzotal schien nämlich im Vergleich zum Kanaltal offener zu sein und daher gab Erzherzog Karl entsprechende Befehle zur Truppenverlegung. In jedem Fall musste der Rückzug eilends vorangetrieben werden. Das Gros der Truppen durch das Isonzotal den Weg nehmen zu lassen, war höchst riskant. Die zeitweilige Enge des Tals ließ nämlich jeden Zwischenfall zu einem Stocken für sämtliche nachfolgende Truppen werden. Sollte ein Aufenthalt im schluchtartigen Tal aber notwendig werden, war die Versorgungslage dort sehr ungünstig. Darüber hinaus ließ die momentane Situation den geplanten Obertritt über den Predilpass und dann weiter nach Tarvis durch die Schnelligkeit der Truppen Massenas zweifelhaft erscheinen.

Die vom Erzherzog getroffene Entscheidung wird nach dem Fall der Stadt Gradisca ausgeführt: Die österreichische Streitmacht wird geteilt und zieht sich auf verschiedenen Routen zurück. Die unter Feldmarschallleutnant Bajalica und unter Generalmajor Gontroeul stehenden Truppen sollen den Weg durchs Isonzotal nehmen. Der Rest der Armee soll über den Birnbaumer Wald nach Laibach, Krainburg und dann über den Loiblpass nach Klagenfurt marschieren.

Der Erzherzog selbst wollte so schnell wie möglich nach Villach eilen, um von dort aus die kommende Gegenoffensive zu leiten.

Als Napoleon durch sein siegreiches Vorgehen die Österreicher vom Tagliamento vertrieben hatte, hatte der Erzherzog die ungeteilte Streitmacht nach Pontafel transferieren können, um von dort aus den Franzosen entgegenzutreten. Diesem Vorhaben wollte man nun auf die oben erwähnte Weise entsprechen. Da die Österreicher sich aber jetzt gezwungen sahen, sich hinter dem Isonzo zurückzuziehen, hatte Napoleon die Gewissheit, durch einen raschen Vorstoß gegen Tarvis, die Österreicher empfindlich schlagen zu können. Für die Ausführung dieses Planes hatte Napoleon der Division Massena entsprechende Befehle erteilt. Die Österreicher hatten immer noch die Möglichkeit, vom Isonzotal über den Predilpass Tarvis von der Flanke her zu nehmen. Auch Napoleon zog das ins Kalkül. Deshalb hatte General Massena nicht nur den Hauptort des Kanaltals als erster zu erreichen und zu besetzen, er erhielt außerdem den Auftrag, Tarvis nach der Einnahme gegen derartige Attacken zu schützen.

Insgesamt hätten aber die vom Erzherzog geplanten Präventivmaßnahmen genügen müssen, um die Franzosen vom Kanaltal fernzuhalten, wären diese Maßnahmen so ausgeführt worden, wie er sie geplant hatte. Das war jedoch keineswegs der Fall.

So griff Mercandin, der vier Bataillone nach Tarvis hätte abstellen sollen, in die Kampfhandlungen des Kanaltals überhaupt nicht ein. Seine Rolle bei der Abwehr der Franzosen war darüber hinaus recht unglücklich. Denn noch vor dem von Napoleon befohlenen Vorstoß in Richtung des Kanaltals, war General Massena gegen österreichische Truppen unter General Lusignan vorgegangen, die an der oberen Piave (Cadore) standen. Bei den sich daraus ergebenden Kämpfen war ein Teil der Brigade und auch deren Befehlshaber, der General Lusignan in Gefangenschaft geraten (13. März 1797).

Dies sollte in mehrfacher Hinsicht Bedeutung bekommen: Erstens hatte Napoleon nach diesen siegreichen Gefechten am nördlichen Rand Venetiens die Sicherheit, von dieser Flanke nicht sobald gefährdet zu werden. Zweitens sollte die Kunde von der verheerenden Niederlage der Brigade Lusignan, die durch Flüchtlinge übertrieben wurde und sich rasch ausbreitete, überall große Bestürzung hervorrufen.

Zu dem Zeitpunkt, als Massena siegreich im Cadore kämpfte, passierten Mercandins Truppen 50 km nördlich davon das Pustertal. Wäre Mercandin rechtzeitig zum Einschwänken nach Süden angewiesen worden, hätte er großen Einfluss auf den Gang der Auseinandersetzungen nehmen können. Eine Verzögerung für Napoleons Vordringen gegen Kärnten, beziehungsweise wertvoller Zeitgewinn für die Planung einer möglichen Gegenoffensive des Erzherzogs wäre das mindeste gewesen.

Dazu kam es aber nicht, uns so war es gerade Massena durch rasches Zugreifen gelungen, die Verbindung der österreichischen Truppen, die in Tirol standen, mit jenen, die in Friaul kämpften, zu unterbrechen. Viel zu spät, am 14. März 1797, dem Tag der Gefangennahme des Generals Lusignan, gab der Erzherzog an Mercandin Befehl, dem Schwerbedrängten beizustehen.

An diesem Tag befanden sich Mercandins Truppen im Hochpustertal. Einen Tag später am 15. März 1797 war der General in Oberdrauburg. In drei bis vier Tagesmärschen hätte er von hier leicht Tarvis erreichen können. Nun erfuhr General Mercandin aber von Lusignans Gefangennahme. Auf Grund dieser neuen Situation hielt es Mercandin für ratsam, seine Truppen in Ost- beziehungsweise Südtirol zu stationieren. Er selbst ging nach Sillian zurück, wo er am 16. März den Befehl Erzherzog  Karls vom 14. März erhielt, der ganz offensichtlich überholt war.

Erst am 17. März gelang es Mercandin, näheren Aufschluss über die Absichten des Erzherzogs zu bekommen und er ging nach Oberdrauburg zurück. Hier wurde er dringend angewiesen, sofort nach Pontafel zu eilen. Am 20. März stand er aber erst in Lienz, am 23. März in Villach, viel zu langsam, um für die entscheidenden Kämpfe bereit zu sein.

Die des weiteren vorgesehenen zwei Bataillone von Major Sedtwitz, die Mercandina Truppen unterstutzen sollten, befanden sich am 17. März in Tolmezzo. Als der Major von den unglücklichen Ereignissen um die Brigade Lusignan erfuhr, hielt er es für vernünftig sich gegen West zurückzuziehen. Also gelangte auch er nicht rechtzeitig ins Kanaltal.

So kam es, dass statt der geplanten acht Bataillone nur die relativ schwache Brigade von Ocskay zur Verteidigung des wichtigsten Südzuganges nach Kärnten übrig blieb. Wohl wurden seine Kampftruppen von zwei ungarischen Bataillonen mit insgesamt 1.000 Mann verstärkt, deren Kampfstärke war aber höchst zweifelhaft.

Ocskay postierte eine Vorhut an der Fella-Brücke bei Casa Sola, zirka 13 km südlich von Pontafel. Er selbst stand unweit davon bei Chiusa Veneta, dem heutigen Chiusaforte.

Am 19. März morgens drang Massena über Resiutta gegen Chiusa vor und hielt Ocskay durch Feuergefechte ausreichend lang hin, dass er die Österreicher von den Flanken her umgehen konnte.

Auf diese Art gelangte die Brücke von Casa Sola schnell in französischen Besitz und die die Flucht ergreifenden österreichischen Soldaten wurden von den nachjagenden Franzosen eingeholt und 600 von ihnen gefangen genommen. Somit war auch schon im wesentlichen der Widerstandswille dieser Brigade gebrochen.

Noch am selben 19. März ging Pontafel vom österreichischen in französischen Besitz über. Ocskay wich aber noch weiter zurück, gab Tarvis auf und damit die über den Predil führende Isonzostrasse und verließ das Kanaltal. Erst bei der Abzweigung der Wurzenpassstraße aus dem Gailtal, hinter Arnoldstein, machte er Halt.

Massena blieb jedoch in Pontafel stehen. Bloß eine Vorhut entsandte er gegen Tarvis. Die Leichtigkeit des Vorstoßes muss selbst Napoleon überrascht haben. In einem am 19. März in Palma Nuova ausgestellten Befehl ordnete er die Einnahme Chiusafortes an und wollte Patrouillen gegen Pontafel und Tarvis vorgeschickt haben. Dieser Befehl erreichte Massena wahrscheinlich am 20. März 1797 früh.

Der französische General Massena seinerseits vermutete triftige Gründe hinter dieser Anordnung Napoleons und hielt sich daran,  indem er den 20. März untätig verstreichen ließ.

Am diesem 20. März stellte sich die Situation folgendermaßen dar: Bercandin stand mit seinen Truppen erst in Lienz. Der angeschlagene Ocskay stand hinter Arnoldstein. Der kommandierende General von Klagenfurt, Baron Neugebauer, hatte keine Truppen zur Verfügung und an die Aushebung der einheimischen männlichen Bevölkerung dachte noch niemand. Massenas Vorhut stand in Tarvis. Dadurch waren die Truppen des Generalmajor Gontroeul und des Feldmarschallleutnant Bajalics, die den Weg über die Isonzostrasse seit dem 19. März, beziehungsweise 20. März eingeschlagen hatten, abgeschnitten.

Am 21. März 10 Uhr vormittags kam Feldmarschallleutnant die Meldung zu, dass Tarvis in Händen der Franzosen sei. Der ebenfalls davon verständigte Generalmajor Gontroeul entschloss sich sofort, mit vier Bataillonen und Reiterabteilungen Tarvis anzugreifen, um den Durchgang nach Kärnten passierbar zu halten, so lange es nur ging.

Der selbständige Entschluss des Generalmajor Gontroeul stellte sich als völlig im Sinn des Heerführers Erzherzog Karl heraus. Dieser erfuhr von den Ereignissen im Kanaltal am 21. März in Krainburg, worauf er den Angriff anordnete und den diesbezüglichen Befehl für Gontroeul sofort ausfertigte, welche ihm jedoch nicht mehr zugestellt werden konnte.

Auch war der Erzherzog über Ocskays Rückzug informiert worden, was die sofortige strenge Anweisung zur Folge hatte, sich sofort wieder gegen Tarvis zu bewegen. Diese Anweisung wurde ihn in der Nacht vom 21. auf den 22. März übergeben.

Am Abend des 21. März stand Gontroeul schon bei Flitsch. Die Artilleriereserve, die auf keinen Fall in die Hände des Feindes fallen durfte, war von ihm angewiesen worden, sich dicht hinter ihm zu halten, um bei günstiger Gelegenheit rasch in Sicherheit gebracht zu werden.

Bis zum 21. März abends hatten Napoleons Truppen, die am Isonzo standen, keine weiteren Fortschritte gemacht. Der Oberbefehlshaber war sich auch nicht darüber klar, wo und in welcher Stärke sich sein Feind eigentlich befand. Nun, am selben 21. März, 22 Uhr 30, gab Napoleon in Görz an die Division Guieu Befehl, von Cividale gegen Caporetto vorzugehen und die Vereinigung mit Massenas Truppen in Tarvis anzustreben. Massena sollte am 22. März gegen Pontebba und Tarvis vorrücken, um dort auf Guieu zu treffen.

Somit waren durchaus Möglichkeiten gegeben, die Truppen von Gontroeuls und Bajalics bei energischen Vorgehen aus den Isonzoschluchten herauszubringen.

Den 22. März hindurch marschierte Gontroeul weiter, den Isonzo aufwärts, gelangte über den Predilpass und griff bei Raibl stehende französische Truppenteile an. Es gelang ihm, diese zurückzudrängen. Daraufhin nahm er Tarvis ein, wo er sich mit den zurückgekommenen Truppen Ocskays vereinigte. Weiters ließ Gontroeul sofort Posten bis gegen Pontafel einrichten und beschloss für den 23. März einen Angriff gegen die dort stehenden Franzosen. Er mag dabei auf Unterstützung durch Bajalics und vielleicht sogar durch herannahende Truppen der Rheinarmee gehofft haben.

Noch den 22. März über war Massena nicht aktiv geworden. Der französische General Guieu drängte gegen Caporetto und wurde von drei österreichischen Kompanien, die einen Posten bei Stupizza besetzt hielten, aufgehalten, was wertvollen Zeitgewinn für die weiter nördlich verharrende Division Bajalics bedeutete.

Dieser wartete in Caporetto, dass er von Gontroeul grünes Licht für das Weitermarschieren nach Tarvis bekäme. Das war nun der Fall und so setzte er sich gegen Flitsch in Bewegung. Die Brigade Köblös sollte ein Nachkommen der Division Guieu an der Flitscher Klause verhindern.

Am 23. März 1797 griff Gontroeul die Franzosen bei Pontafel mit sechs schwachen Bataillonen an. Zwei davon waren noch von den Kämpfen des 19. März arg mitgenommen. Insgesamt waren es höchstens 2.500 Mann. Die Franzosen unter Massena zählten dagegen zwischen 5.000 und 6.000.

So riskant der Angriff auch war, er war tatsächlich gerechtfertigt. Bajalics und die Artilleriereserve hingen von Gontroeus Behauptungsvermögen ab. Seine Aufgabe war es ja nun, die Predilstraße so lange wie möglich, freizuhalten. Das hieß, je weiter westlich er damit begann, Widerstand zu leisten, umso mehr Terrain hatte er gewonnen, um dieses dann nur stückweise und so langsam wie möglich der französischen Übermacht zu überlassen.

Am 23. März morgens nahm Gontroeul bei Saifnitz Stellung. Um 10 Uhr begann Massena seinen Angriff gegen den Ort an der Filzabrücke, den die österreichische Artillerie abwehren konnte.

Die Uggowitzer Höhe, unweit von Saifnitz, die zur Beherrschung des Orts von großer strategischer Bedeutung war, war von den Österreichern gut besetzt worden. Am Nachmittag wurde diese Stellung aber aus nicht ganz geklärten Gründen verlassen, sodass Saifnitz nicht mehr zu halten war und um 14 Uhr von den Österreichern geräumt wurde.

Gontroeuls nächste Verteidigungsposition war dann hinter dem Bartolobach gelegen. Den Österreichern kam dabei eine kleine Pause zugute, die Massena benötigte, um seine Divisionen zu reorganisieren.

Um 15 Uhr des selben 23. März traf Erzherzog Karl, von Laibach kommend, in Weißenfels ein, wo er davon erfuhr, dass Gontroeul bei Saifnitz in ein schweres Gefecht verwickelt worden war. Als er weiter zum Kampfplatz eilte, stieß er auf Ocskay, der mit seinen Soldaten langsam gegen Goggau zurückging, um dort Reservepositionen zu beziehen. Daraufhin machte ihm der Erzherzog seine Unzufriedenheit unzweifelhaft deutlich und sandte ihn sofort zurück. Ungefähr gegen 17 Uhr befand sich der Erzherzog in Tarvis, eben als die Franzosen zum Angriff auf diesen Ort des Kanaltals ansetzten.

Unter heftigem Artilleriefeuer wichen die Österreicher zurück. Der Erzherzog ließ das zweite Treffen vorrücken, aber mit dem gleichen schlechten Erfolg. Eine Reiterattacke von einige Husareneinheiten an deren Spitze sich Gontroeul mit dem Adjutanten des Erzherzogs stellte, ging ebenfalls daneben. Einige Indizien deuten auf Glatteis hin, das maßgeblich am Fehlschlag Anteil haben konnte.

Die beiden Anführer des Angriffs wurden schwer verletzt. Der den Erzherzog Karl vor Gefangennahme bewahrende Husarenoberstleutnant Fedak wurde ebenfalls schwer verletzt und geriet in französische Gefangenschaft. Fedak wurde für diese Heldentat mit dem Ritterkreuz des Maria Theresienordens ausgezeichnet und allgemein „der Held von Tarvis“ genannt.

Ein unbekannter Dragoner überließ sein eigenes Pferd einem General, vermutlich General Gontroeul, der das seinige auf der Flucht eingebüßt hatte. Danach deckte der einfache Dragoner zu Fuß die weitere Flucht des Generals, bis er der feindlichen Übermacht zum Opfer fiel. Die Bürger von Tarvis wollten, von soviel Opfermut beeindruckt, zur Erinnerung an den Gefallenen ein Denkmal errichten, sein Name war aber nicht mehr festzustellen.

Die Brigade Ocskay wich ebenfalls zurück und besetzte Weißenfels, um den Rückzug der Artilleriereserve, die auf dieser Straße Richtung Wurzen marschierte, zu decken.

Von den in Villach nun endlich eingelangten Truppen der Division Mercandin wurden in der folgenden Nacht vom 23. auf den 24. März zwei Bataillone nach Arnoldstein vorgeschoben.

Bei den Gefechten um Tarvis gab es auf österreichischer Seite 150 Tote, 500 Verletzte und 1.460 Gefangene. Auf französischer Seite gab es 220 Tote, 624 Verwundete.

Auch an der Predilstrasse entschied sich an diesem 23. März 1797 das Schicksal der österreichischen Kämpfer in eindeutiger Weise. Die Brigade Köblös hatte sich in die Flitscher Klause zurückgezogen, um der Artilleriereserve, beziehungsweise der Division Bajalics, den Rückzug offen zuhalten. Sie sollte damit den nachstürmenden französischen Truppen unter Guieu die Verfolgung unmöglich machen.

Bis 13 Uhr des selben 23. März verteidigten sich die Österreicher recht geschickt. Nachdem die Franzosen aber alle umliegenden Höhen in ihren Besitz gebracht hatten und die Einschließung so gut wie vollständig war, ergaben sich die Truppen unter Köblös.

Die durch den österreichischen Widerstand erfolgte Verzögerung des französischen Nachstoßes durchs Isonzotal gegen den Predilpass reichte aus, damit sich die schwere Artilleriereserve der österreichischen Armee über Predil und Weißenfelser Sattel ins Savetal retten konnte.

Diese Verzögerung reichte aber nicht aus, dass sich die Truppen der Division Bajalics in Sicherheit bringen konnten. Um 16 Uhr nämlich hatten die rasch vorstoßenden französischen Truppen die österreichischen Kolonnen eingeholt. Bis dahin hatte auch Massena das Kanaltal bis Tarvis unter seine Kontrolle gebracht und so saßen die Österreicher in der Klemme. Um 17 Uhr 30 standen Massenas Truppen bereits bei Raibl. Guieus Truppen lancierten Angriffe von Unterbreth aus. In dieser Situation ergab sich Bajalics und mit ihm der größte Teil seiner Division, der hier in Gefangenschaft geriet. Einziger Ausweg wäre gewesen, über die Berge auszuweichen, was aber offiziell nicht in Betracht gezogen worden war.

So gelangten 1.540 Österreicher in Gefangenschaft und 300 Bagagewagen in die Hände der Franzosen.

Ein großer Teil  nämlich 800 Mann, hatte sich allerdings schon vorher ins Gebirge geschlagen und sich auf diese Weise der Gefangennahme entzogen. Diese Truppenteile gelangten so zum Wurzenpaß, beziehungsweise nach Klagenfurt, wo sie wieder Anschluss an österreichische Kontingente fanden.

Insgesamt brachte der 23. März 1797 den Österreichern Verluste von zirka 3.000 Mann, 25 Geschützen und 400 Bagagewagen. Außerdem war der wichtige Knotenpunkt Tarvis in französische Hand geraten und somit die Predilstraße und der Übergang über den Weißenfelser Sattel ins Savetal für österreichische Streitkräfte nicht mehr passierbar. Die österreichischen Truppen hatten sich in weiterer Folge um Klagenfurt zu konzentrieren, um von dort erneut zu versuchen, Widerstand aufzubauen.

Ohne auf die Ereignisse weiter einzugehen, sei hier noch festgestellt, daß bereits einen Monat später, am 24. Mai 1797, die letzten Franzosen Klagenfurt verließen und das Land damit frei von französischen Truppen war. Darauf folgte der Durchzug von kaiserlichen Besatzungstruppen für das Österreich zuerkannte Venetien, die auf ihrem Weg Richtung Süden auch durch das Kanaltal kamen.

Die Franzosenzeit 1797 – 1815 und ihre Auswirkung auf das Kanaltal

Im Feldzug von 1797 zeigte sich deutlich, dass die Österreicher für den Gebirgskrieg nicht genügend Eignung beziehungsweise Ausbildung mitbrachten. In dieser Hinsicht zeigten sich die Franzosen eindeutig überlegen. Besonders, was die Marschleistungen und die Ausnutzung von Terrainvorteilen betraf, waren die Franzosen den Österreichern voraus. Sie verstanden es auch, die Berghöhen in ihren Besitz zu bringen und damit die in den Tälern operierenden Österreicher zu umgehen, beziehungsweise zu überhöhen. Die Österreicher zeigten sich auch im Abschätzen von Entfernungen unsicher und hätten zum richtigen Zeitpunkt mit kurzfristig größerer Anstrengung entscheidend bessere Stellungen erreichen können.

Im Vorfrieden von Leoben vom 18. April 1797 erfuhr die Kärntner Grenze keine Veränderung. Ebenso wenig geschah dies im Friedensvertrag von Campo Formio vom 17. Oktober 1797. Allerdings kam das ehemals venezianische Friaul nun in österreichische Rand. Damit war das Kanaltal nicht mehr an der Reichsgrenze gelegen.

Im Laufe des 2. Koalitionskrieges wurde das russische Heereskontingent unter General Suworow unter anderem durch Kärntner Gebiet auf den oberitalienischen Kriegsschauplatz geleitet. Im April 1799 zogen sie dabei durch Villach und das Kanaltal. Dabei hatte die Bevölkerung mit Einquartierungen und der Verpflichtung zur Versorgung von Soldaten mit Lebensmitteln zu rechnen. Das gleiche galt für den Durchzug des französischen Emigrantencorps, das aus verarmten französischen Edelleuten bestand.

1800 – 1850

Die Kriegsereignisse des Jahres 1809

Im Krieg von 1809 befand sich die Südarmee in Oberitalien unter dem Kommando von Erzherzog Johann seit 1. Mai 1809 auf dem Rückzug. Napoleon an der Spitze der Großen Armee hatte Österreichs Streitkräfte bei Regensburg in die Defensive gezogen, was letzten Endes ein weiteres Vorrücken der bis dahin siegreichen Südarmee unmöglich machte.

Wichtigstes Ziel der von Italien zurückmarschierenden Österreicher war es, so rasch als möglich wieder das Gebiet von Tarvis zu erreichen, den südlichsten Teil von Kärntens. Den Zutritt dorthin hoffte man, dem Feind erfolgreich verwehren zu können.

Berechtigung dazu sah man nicht zuletzt in den im Winter 1808/09 erbauten Verteidigungsanlagen bei Malborghet und am Predil. Spätestens seit 1797 hatte man die Notwendigkeit, diese Anlagen zu errichten,  zur Kenntnis nehmen müssen.

Ungünstig war, dass die Bauten unvollendet stehen geblieben waren, da man in der ersten Siegeseuphone im April 1809 die letzten Anstrengungen zur Fertigstellung der Fortifikationen unterlassen hatte. Überhaupt waren die Blockhäuser, die nämlich als Forts fungierten, wegen des Winters und aus Zeitmangel bloß in Holz und Erde ausgeführt worden.

Bis 12. Mai 1809 war es dem Vizekönig Eugéne Beauharnais gelungen, alle an die vorstürmenden Österreicher einen Monat vorher verlorengegangenen Gebiete wieder zurückzuerobern. Er hatte gemäß den Befehlen Napoleons nun den kürzesten Weg nach Wien einzuschlagen. Dabei musste er Kärnten passieren.

Der Rückzug der Österreicher war von Erzherzog Johann so organisiert, dass die Hauptmacht das Tagliamento- und Fellatal hinaufziehen sollte. Ein kleinerer Teil erhielt den Auftrag, über Udine an den Isonzo zu rücken und diesen Weg gegen Norden einzuschlagen.

Ganz analog reagierte der Vizekönig, der die Division Seras anwies, über Cividale und Karfreit isonzoaufwärts zu streben, während das Gros seines Heeres den Österreichern längs des Tagliamento und der Fella folgte. Wiederum sollten sich beide Gruppen beim strategisch bedeutsamen Knotenpunkt Tarvis treffen.

Am 13. Mai 1809 erreichten die Gruppen des Erzherzogs Johann das Kanaltal. In den Überlegungen der Heerführer, nun die Truppenteile möglichst günstig zu placieren, hatten die Seitenverbindungen des Kanaltals eine entsprechende Berücksichtigung gefunden. Es war nämlich möglich, durch das Dognatal über den Somdognasattel und durch das Saiseratal nach Wolfsbach und somit in den Rücken der Befestigung von Malborghet zu gelangen. Ähnliches gilt vom Racollanatal, dem Neveasattel und dem Seebachtal für die Umgehung der Befestigung vom Predilpaß.

Also wurden Truppenteile, wenn auch, wie sich bald zeigen sollte, viel zu schwache, auf die Höhen vom Somdognapass, dem Neveasattel und auch bei der verfallenen Flitscher Klause postiert, wo die Predilstraße sich aus dem Isonzotal löst.

An diesem 13. Mai 1809 hatte die österreichische Division Frinont den Ort Arnoldstein erreicht, die Division Gyulay stand bei Saifnitz. Die österreichische Nachhut hatte sich über Pontafel nach Kärnten zurückgezogen, nachdem die dortige Fellabrücke zerstört worden war.

Beide Divisionen zusammen brachten es ungefähr auf 15.000 Mann an Kampfstärke. Mit dieser Streitmacht gedachte der damals 28-jährige Erzherzog Johann Innerösterreich von hier aus zu verteidigen und in weiterer Konsequenz eine Vereinigung der Truppen des Vizekönigs Eigene mit denen Napoleons zu verhindern.

Der Bruder des Kaisers war seinen Truppen schon vorangeeilt, um die Befestigungen von Malborghet, Predil und die Verschanzungen bei Tarvis zu besichtigen. Er fand alles in voller Tätigkeit. Jeder war bemüht, Halbfertiges in einem Bruchteil der notwendigen Zeit so gut wie möglich brauchbar zu machen.

An diesem 13. Mai entsprach der Erzherzog auch den Bitten der beiden Hauptleute des Geniecorps Friedrich Hensel und Johann Hermann, sie zu Befehlshabern von Malborghet, beziehungsweise Predil zu ernennen. Bis dahin war die Befestigung von Malborghet schon mit Artillerie und Besatzung versehen worden.

Die Blockhäuser am Predil wurden am nächsten Tag dem 14. Mai in verteidigungsbereiten Zustand versetzt.

Noch am Abend des 13. Mai wurden die Österreicher bei Pontafel durch die Vorhut der Truppen des General Desaix angegriffen und bis gegen Malborghet zurückgedrängt.

Der Befehlshaber dieser österreichischen Kompanie, Hauptmann Mamula, hatte von Feldmarschallleutnant Albert Gyulay den Befehl, nur so langsam als möglich zurückzuweichen, um die dringenden Arbeiten, beziehungsweise Versorgungslieferungen für die Befestigungen zu Ende bringen zu können.

Außerdem hatte der Vizekönig zur Umgehung des Forts von Malborghet Truppenteile in Bewegung gesetzt, die nun von österreichischen Posten gesichtet wurden. Es waren zwei Bataillons der Division Durutte. Diese sollten durch das Dognatal gegen Wolfsbach vorstoßen, um die Verbindung des Forts von Malborghet zur österreichischen Heeresmacht zu unterbrechen.

Genauso waren aber zwei weitere Bataillone durch das Roccolanatal gegen Raibl in Marsch gesetzt worden. Bis zum Abend des 14. Mai 1809 war der erste Stoßtrupp so gut wie am Ziel. Um zirka 22 Uhr standen jene zwei Bataillone unter Major Daguzan schon vor Wolfsbach, wo sie ohne besondere Sicherheitsvorkehrungen unweit des Ortes nächtigten.

Feldmarschallleutnant Graf Albert Gyulay hatte den strikten Auftrag, nach Tarvis zurückzukehren. Trotzdem hatte er am Nachmittag des 14. Mai dafür gesorgt, dass der Ort Malborghet noch nicht aufgegeben wurde, auch als die französische Avantgarde das Dorf praktisch umstellt hatte. Nun auf seinem nächtlichen Rückweg nach Saifnitz sah er die Lagerfeuer der Franzosen hinter Wolfsbach.

Nachdem rasch geklärt worden war, dass es sich um ein vorgerücktes Seitendetachement des Feindes handeln müsse, wurde sofort beschlossen, dessen Unvorsichtigkeit auszunutzen. Das Regiment Franz Jellachich wurde in der Nacht des 15. Mai um 2 Uhr in Bewegung gesetzt, um noch im Schutz der Dunkelheit nahe genug für den geplanten frühmorgendlichen Überfall heranzukommen.

Im Morgengrauen ging dann auch alles blitzschnell. 7 Offiziere und 300 Mann wurden gefangen genommen, sowie Waffen, Munition und Lagergeräte erbeutet. Der Rest der zirka 1.300 Franzosen konnte allerdings, indem er sich das entstehende Durcheinander zunutze machte, entkommen.

Gyulay hatte vermutet, dass es sich bei diesen zwei Bataillone um einen Vortrab einer größeren Abteilung handle und die Brigade Colloredo; von der Division Frimont von Arnoldstein ins Kanaltal zur Verstärkung der Österreicher vorrücken lassen. Erzherzog Johann erfuhr von dieser eigenmächtigen Ordre seines Feldmarschallleutnants und machte diesen Befehl sofort rückgängig. Außerdem schärfte er Gyulay ein, ausschließlich auf die Verteidigung der ihm angewiesen Stellung bei Tarvis bedacht zu sein.

Auf diese Art wurde der Unterschied in der Auffassung der Situation der beiden Militärs deutlich: Gyulay wollte von Saifnitz und Wolfsbach gegen die aus Richtung Malborghet vorstoßenden französischen Truppen vorgehen und Tarvis mit seinen überalterten und unvollendeten Verschanzungen als Rückzugsstellung nehmen. - Erzherzog Johann hingegen wollte, dass alle Truppen von vornherein die Stellungen bei Tarvis einnehmen sollten, was er auch bis zum 15. Mai abends durchsetzte.

Am 15. Mai 10 Uhr vormittags meldeten österreichische Vorposten, dass französische Kolonnen am Weg durch das Raccolanatal gegen Raibl seinen. Die bei Raibl stehenden vier Kompanien unter Hauptmann Gries mussten der feindlichen Übermacht Platz machen. Das zur Verstärkung der Bedrängten hinbefohlene Bataillon kam nämlich leider zu spät. Dabei wäre es eminent wichtig gewesen, Raibl so lange als möglich zu halten. Denn noch waren nicht alle Truppen von Malborghet und Saifnitz in die Stellung bei Tarvis zurückgegangen. Wohl gelang es zunächst den wenigen österreichischen Truppen, die Franzosen hinhaltend abzuwehren, aber um 17 Uhr war es dann soweit: Raibl war in französischer Hand. Die Österreicher zogen ab gegen Kaltwasser.

Für das Fort Predil war damit die Stunde der Bewährung gekommen. Nachdem die Division Seras am 14. Mai schon Flitsch erreicht hatte, stand sie nun am 15. Mai abends vor der Befestigung und musste erleben, wie ihr erster Angriff energisch abgewehrt wurde. Der 15. Mai war der letzte Tag, an dem das Fort Predil Kontakt zu den übrigen österreichischen Feldtruppen hatte. In der darauf folgenden Nacht wurden die letzten Transporte in die dortigen Blockhäuser gebracht.

Auch das Fort bei Malborghet war ab jetzt sich selbst überlassen. Dort waren die Franzosen schon am 14. Mai mit der Avantgarde unter dem Befehl des Vizekönigs bis zum Markt Malborghet gelangt und hatten auch hier sofort einen ersten Angriff auf das vor dem Ort befindliche Fort geführt. Dieser wurde auch hier überzeugend abgewehrt.

Am 15. Mai erhielt General Desaix Befehl, mit drei Bataillonen der Avantgarde und vier Bataillonen der Division Durutte den Ort anzugreifen und zu besetzen. Die vorgeschobenen Truppen der Division Gyulay mussten weichen. Nun stand einem weiteren Vordringen der Franzosen vor allem das Fort entgegen. Schon nach dem ersten Angriff war klar, dass die Befestigung nicht ohne weiteres genommen werden konnte.

Ein geschicktes Umgehen sowohl der Blockhäuser bei Malborghet als auch der am Predil wäre möglich gewesen. Jedoch waren die seitlichen Verbindungen durch die engen Nebentäler für den Transport von Artillerie- und schweren Armeegütern ohne entsprechende Verbesserung der Fahrwege unmöglich. Alles in allem würde dieses Vorhaben viel Aufwand und Zeitverlust bedeutet haben. Dies stand als Alternative gegenüber den in Kauf zu nehmenden großen Menschenverlusten, falls sich, was zu erwarten war, die Einnahme des Forts nur unter harten Kämpfen, Mann gegen Mann, durchführen lassen würde.

Nicht vergessen werden darf, dass der Vizekönig wusste, dass Napoleon auf seine Armee rechnete. Er sollte ja so rasch wie möglich zu ihm eilen, stand also unter Zeitdruck. Jedenfalls galt: Die Hauptstraße muss freigemacht werden.

Ganz abgesehen von den Kämpfen um das Fort von Malborghet, war es für die feindlichen Truppen kein unüberwindliches Hindernis, um im Kanaltal weiter vorzurücken. Schon in der Nacht vom 15. auf den 16. Mai gelang es der französischen Avantgarde im Schutz der Dunkelheit an den Befestigungen vorbeizukommen. Am folgenden 16. Mai Vormittag gelangten diese französischen Abteilungen, 7 Bataillone unter General Desaix in Uggowitz ein.

Außerdem strebten zwei weitere französische Kolonnen ebenfalls Richtung Tarvis. Sieben Bataillone unter General Bonfanti befanden sich am Weg durch das Raccolanatal über den Neveasattel durch das Seebachtal gegen Raibl mit dem Zweck, sich dort mit den schon seit 14. Mai hier lagernden zwei Bataillonen der Division Durutte zu vereinigen. Fünf Bataillone unter General Fontanelli, hatten sich schon am 15. Mai früh durch das Dognatal in Bewegung gesetzt, aber die Fußsteige erwiesen sich als viel beschwerlicher als erwartet, sodass die Truppe sich am 15. Mai abends noch am Somdognapass befand.

Von den bei Wolfsbach überfallenen, allerdings größten Teils wieder entkommenen zwei Bataillonen, hatten die Nachrückenden keine Meldung. Unbeeinflusst von den Kämpfen um das Fort Malborghet in seinem Rücken, setzte General Desaix seinen Vormarsch Richtung Kärnten fort. Vor Saifnitz trafen seine Abteilungen auf die zwei entkommenen Bataillone, die im Morgengrauen des 15. Mai überfallen worden waren. Diese wurden mit dem Rest der Truppe unter dem Befehl von General Valentin vereint und sofort in Marsch gesetzt.

Um 14 Uhr schon standen sie vor Tarvis. Hier wurden sie von lebhaften Artilleriefeuer der Österreicher empfangen und mussten halt machen, da sich hier hartnäckiger Widerstand zu entwickeln schien. Tatsächlich hatten die Österreicher nur das zügige französische Vorrücken verzögern wollen. Danach zogen sie sich nämlich Danach zogen sie sich nämlich zum Gros ihrer Streitkräfte zurück, die sich auf dem Höhenzug zwischen Tarvis, Flitsch, Goggau und Weißenfels postiert hatten, von wo man am ehesten meinte, alle zum Verkehrsknotenpunkt Tarvis führenden Straßen kontrollieren zu können.

Nach Abzug der Österreicher war es General Desaix ein Leichtes, sich des Ortes Tarvis zu bemächtigen. Allerdings auf der Straße Richtung Goggau gab es dann kein Vorwärtskommen mehr. Die Artillerie der Österreicher ließ dies nicht zu. Der General ließ daher den Großteil seiner Bataillone seiner bewaldeten Abhängen nördlich von Tarvis eine gedeckte Stellung einnehmen. Die Truppen Fontanellis, die seit Tagesanbruch vom Somdogna weitermarschiert waren, gelangten in der Früh des 16. Mai nach Wolfsbach, standen zu Mittag bei Saifnitz und kamen bald nach General Desaix gleichfalls nach Tarvis. Sie nahmen eine Position südlich des Ortes ein.

Kurz darauf näherten sich auch die Kolonnen des General Bonfanti dem Zielpunkt Tarvis. Sie wurden gemäß General Fontanellis Befehl bei Flitsch zum Stillstand veranlasst.

Zur Verbindung der beiden Abteilungen war ein Posten auf dem Luschariberg eingerichtet worden. Gegen 18 Uhr rückten dann aber auch die Truppen Bonfantis gegen Tarvis vor. Der Angriff von Flitsch durch den Wald gegen die österreichischen Stellungen führte allerdings nicht zum erhofften Erfolg des Feindes. Es gelang ihm unter großen Verlusten erst nach mehrmaligem blutigem Anstürmen zu einem Teilerfolg zu kommen. Es war der dritte Angriff, der es der Übermacht ermöglichte, die Schanze auf der linken Flanke der österreichischen Stellungen zu erobern.

Danach gebot die Vernunft, wegen der einbrechenden Dunkelheit einerseits und den großen Verlusten, die man durch Einsatz von Artillerie zu reduzieren hoffte, andererseits, die Kampfhandlungen einzustellen. Bonfanti bezog daraufhin eine Stellung zu beiden Seiten der Straße von Flitsch nach Tarvis.

Am 16. Mai abends war die Lage für die Österreicher höchst bedrohlich. Die 4.000 Österreicher saßen in Verschanzungen, deren Wehrhaftigkeit höchst zweifelhaft war und hatten es noch dazu mit einer drückenden Übermacht von 10.000 Soldaten, die um Tarvis standen, zu tun. Eine ebenso große Anzahl französischer Soldaten wurde vor den Forts bei Malborghet und am Predil festgehalten.

Es war logischerweise das Gebot der Stunde, schleunigst für die Verteidiger Verstärkung herbeizurufen. Die schon erwähnte Division Frimont wurde dringend für den 17. Mai Vormittag in Tarvis erwartet. Sie wäre 9.000 Mann stark gewesen. Am Morgen des 17. Mai traf aber statt der erhofften Verstärkung die Nachricht von Feldmarschallleutnant Frimont ein, er müsse bei Maglern abkochen lassen.

Eine zu diesem Zeitpunkt vorgetragene Offensive der Österreicher hätte gute Chancen auf Erfolg gehabt. Die Franzosen hatten noch keine Artillerie  - die Österreicher hingegen 17 Geschütze. In einem Bericht an den Kaiser schildert der Erzherzog die Situation als höchst bedrohlich, wollte aber, auch in der Hoffnung auf ein siegreiches Ende der Kämpfe an der Donau, hier ausharren.

Am 17. Mai vormittags wurden die französischen Angriffe mit gesteigerter Vehemenz fortgesetzt. Auf Befehl des Vizekönigs hatte General Baraguey-d'Hilliers das Kommando derjenigen Gruppe übernommen, der es am Vorabend gelungen war, in die linke österreichische Flanke einzudringen. Sein Plan ging dahin, nun die österreichischen Truppen zu umgehen und ihnen den Rückzugsweg gegen Weißenfels abzuschneiden. Gleichzeitig hätte General Desaix vorgehen und vom Schlitzabach-Abschnitt her angreifen sollen.

Die fehlende Koordination innerhalb der französischen Truppenteile ließ dieses Vorhaben schon früh scheitern. Desaix preschte zu früh vor, zu einem Zeitpunkt, als nämlich die Einheiten unter Baraguey-d'Hilliers noch ungeordnet waren.

Nachdem die Österreicher dem französischen Frontalangriff erfolgreich entgegengetreten waren, hatten sich noch Zeit und Umsicht genug, die bedrohte linke Flanke durch Truppenumverteilung zu stärken. So war es dann auch Feldmarschallleutnant Graf Gyulay möglich, den Franzosen entgegenzuwirken und sie nicht nur an ihrem Vorhaben zu hindern, sondern bis Flitsch zurückzutreiben. Der erlittene Einbruch vom Vorabend war somit bis 10 Uhr vormittags wiedergutgemacht und verlorenes Terrain zurück gewonnen worden.

Am Nachmittag wurde die Situation für Österreichs Streitmacht wieder kritischer. Kolonne auf Kolonne französischer Soldaten rückte gegen Tarvis vor. Die Übermacht der Franzosen wurde immer größer. Dieser rapide Zuwachs bei den französischen Kampftruppen konnte nur einen Grund haben: Das Sperrfort bei Malborghet musste gefallen sein.

In den Vormittagsstunden des 17. Mai war tatsächlich Malborghet verlorengegangen. Jetzt stand der Vizekönig in den Nachmittagsstunden vor Tarvis und beobachtete jede Truppenbewegung der Österreicher. Auch bei den Österreichern überstürzten sich die Ereignisse. Es waren nämlich dem österreichischen Hauptquartier, das sich in Villach befand, Meldungen über die Kapitulation von Wien zugegangen. Erzherzog Johann, der gerade das Regiment Strassoldo zur Unterstützung der bedrängten Österreicher bei Tarvis in Bewegung gesetzt hatte, beschloss infolgedessen einen allgemeinen Rückzug anzutreten. Alle irgendwie verfügbaren Truppen sollten sofort nach Wien gebracht werden.

An Feldmarschallleutnant Gyulay erging daher Befehl , die Stellung zu räumen und sich in keine Gefechte mehr einzulassen. Die Division Frimont hatte von Arnoldstein nach Villach zu gehen. Bis allerdings der Befehl Gyulay zukam, war er schon in heftige Kämpfe verstrickt.

Zwischen 15 und 16 Uhr des 17. Mai 1809 war dann die Verstärkung durch das Regiment Strassoldo mit zirka 1.000 Mann eingetroffen und wurde sofort an die linke Flanke gezogen. Man wusste um den schwachen Punkt der Verteidigungsstellung offenbar genau Bescheid.

Aus der Verlagerung des zur Verstärkung herangeführten Regiments Strassoldo schloss der Vizekönig auf einen beabsichtigten Angriff aus dieser Richtung, was ihn veranlasste, diesem zuvorzukommen. Seit dem Fall von Malborghet hatten die Franzosen Kanonen bis vor Tarvis transportiert und diese auf dem Bergrücken zwischen Tarvis und Flitsch wirkungsvoll in Stellung gebracht.

Nach 16 Uhr begann jedenfalls der Kampf mit dem gleichzeitigen Vorgehen der französischen Einheiten vom Schlitzabach her sowie gegen die Waldbefestigungen der linken österreichischen Flanke. Laut Veltzé soll der Beginn der feindlichen Attacke erst um 18 Uhr gewesen sein. Gleichzeitig wäre am Abend dieses 17. Mai 1809 der Befehl des Erzherzogs eingetroffen, sich in keine Kämpfe mit den Franzosen einzulassen.

Dafür war es jedoch zu spät. Bald drang die französische Obermacht in die österreichischen Schanzen ein, der Rückzug der Österreicher war unausweichlich. In äußert blutigen Kämpfen Mann gegen Mann bahnte sich der Feind den Weg. Da der Rückzug über Thörl schon verlegt war, blieb nur noch der Ausweg über Weißenfelser Sattel und Wurzenpass. Dabei wurden die Soldaten der Division Gyulay durch die Division Fontanelli aufs heftigste bedrängt, was nicht ohne Verluste abging.

In der Nacht erreichten die Besiegten den Wurzenpass. Der 17. Mai hatte den Österreichern bei Tarvis arge Verluste zugefügt. 11.000 Mann wurden gefangen genommen, die Artillerie, elf Kanonen, ging ebenfalls verloren. An Toten und Verwundeten waren 500 Mann zu beklagen. Die Franzosen hatten insgesamt nur 400 Mann verloren.

Dass die Franzosen ihren Sieg nicht in eine völlige Vernichtung der österreichischen Truppen bei Tarvis hatten verwandeln können, lag daran, dass ein Teil ihrer Streitkräfte von den Kämpfen um Malborghet arg mitgenommen war. Diese konnten nicht ausgeruht gegen die Österreicher in die Schlacht geführt werden und waren deshalb auch nicht imstande, die Österreicher energischer zu verfolgen.

Nicht vergessen werden darf, dass die Predilstrasse durch das sich tapfer haltende österreichische Sperrfort noch immer für den Feind unpassierbar war.

Der oberste Befehlshaber der französischen Streitkräfte, Vizekönig Prinz Eugéne, übernachtete bei Greuth und gab an zwei Bataillone Befehl, sich zum Predil zu begeben, um dort die Division Seras, die gegen das dortige Fort anstürmte, zu verstärken.

Die Kämpfe um das Sperrfort bei Malborghet

Die Arbeiten am Sperrfort von Malborghet waren 1808 begonnen, im Winter 1808/09 fortgesetzt, aber mangels Geld und in Anbetracht der militärischen Erfolge des Frühjahrs 1809 nicht abgeschlossen worden. Auch fehlte es an Annäherungshindernissen und das Vorfeld war nicht entsprechend gelichtet, um feindliche Angriffe leichter abhalten zu können.

Das Fort selbst bestand im wesentlichen aus zwei hölzernen Blockhäusern, bei denen bloß der zwei Meter hohe Sockel steinern aufgebaut war. Der k.k. Geniekorps-Hauptmann Hensel war, von Sacile kommend, von Erzherzog Johann vorausgesandt worden und am 11. Mai 1809 in Malborghet eingetroffen. Er, der den Bau des Forts geleitet hatte, sollte nun so gut wie möglich darum bemüht sein, Fehlendes rasch zu ersetzen.

Am 13. Mai vormittags, nach Besichtigung der Anlagen, übergab der Erzherzog auf ausdauernd vorgetragenen Wunsch Hauptmann Hensel das Kommando. Damals beabsichtigte der Erzherzog noch, sich hinter den Kärntner Engpässen zu halten und den bedrohten Punkten später mit seiner Hauptmacht von Villach her Unterstützung zu bringen. Der junge Geniehauptmann Hensel dürfte sich der Aussichtslosigkeit seiner Aufgabe jedoch genau bewusst gewesen sein. Die Schwachpunkte des Forts waren ihm gut bekannt. Auch im Hinblick darauf wird man die legendären Abschiedsworte, die Hensel an seinen Freund Hermann richtete, bewerten dürfen: „Es wird mein und meiner Gefährten Grab sein, dieses Fort, aber ein herrliches Grab, wie das des Leonidas und seiner Spartaner bei Thermopylae.“

Nicht nur die Unfertigkeit und Mangelhaftigkeit der ganzen Anlage ließ Schlimmstes befürchten, die Lage an sich war für eine wirklich effektive Sperre des französischen Truppenvormarsches nicht geeignet. Mehrfach würde es dem Feind gelingen, die Wehranlage zu umgehen und dann würden die Isolierten völlig auf sich selbst angewiesen sein. Ein Entsatz der vom Rückzug arg mitgenommenen österreichischen Streitmächte würde höchst unwahrscheinlich sein.

Am 12. Mai 1809 langte vom Artilleriedepot Fedraun die artilleristische Ausstattung des Forts ein: Zehn Kanonen und eine Haubitze. An Proviant war genügend eingelagert worden, es hätte für einen Monat gereicht.

Am 13 Mai wurde die Besatzung einquartiert und zwar ein Oguliner Grenzregiment, 300 kroatische Infanteristen, die durch die ununterbrochenen Kämpfe der sich zurückziehenden Armee total erschöpft waren. Außerdem kamen 24 Artilleristen unter Oberfeuerwerker Rauch, zwei Ärzte und zwei Bäcker.

Am 14. Mai kam es zur ersten Auseinandersetzung mit den Invasoren. Der Ort Malborghet war besetzt worden und eine ganz unüberlegte Annäherung an die Befestigung musste für die Franzosen ergebnislos und verlustreich abgebrochen werden. Bei Kroner und Hartwig wird dieser Angriff mit 15. Mai, 22 Uhr angegeben.

Am 15. Mai 1809 morgens erschien erstmals ein Parlamentär mit der Aufforderung zur Übergabe des Werkes. „Ich habe Befehl, mich zu verteidigen und nicht zu verhandeln“ war die Antwort des jungen Kommandanten.

Der am Vorabend eingelangte Vizekönig Eugéne erteilte nun Befehl zum Angriff. Aus dem Ort Malborghet vorstoßend, trachteten Scharen von Schützen die umliegenden Hänge in der Nähe des Sperrforts zu erklettern. Eine Kolonne war beauftragt, über den jenseits der Fella, gegenüber dem Werk gelegenen Col di Cos (Gollegosch), in den Rücken der Österreicher zu gelangen. Dieser Frontalangriff der französischen Infanterie wurde durch österreichisches Artilleriefeuer zum Stillstand gebracht. Der Feind war zum Rückzug gezwungen.

Gefährlicher waren die sich geschickt hinter Felsen deckenden Schützen, die bereits volle Einsicht ins Innere des Forts gewonnen hatten und diese auch zum Leidwesen der Österreicher nutzten. Die Verbindung zwischen beiden Blockhäusern war somit unterbunden. Mit Infanteriefeuer war den versteckt zielenden Schützen nicht beizukommen.

Oberfeuerwerker Rauch ließ deshalb mühevoll eine dreipfündige Kanone auf einen günstigen Punkt außerhalb der Umfassung des Forts schaffen und von dort gegen die Schützen am Buchkopf feuern. Mit dem gewünschten Erfolg, denn die Franzosen mussten sich dadurch auf feuerunwirksame Distanz zurückziehen.

Über den Col di Cos gelang es allerdings General Desaix mit einer Abteilung nach Wolfsbach durchzustoßen. In der Nacht war er den österreichischen Geschützen auf diesem Weg ausgewichen. Den Forcella-Paß übersteigend, gelangte er am Tag darauf bis nach Uggowitz. Also war das Fort vom Rest der Österreicher vollkommen abgeschnitten.

Vizekönig Beauharnais sah nun ein, dass ohne Artillerie nichts auszurichten war und gab entsprechende Anweisungen an die das Fellatal hinaufziehenden Einheiten weiter. Ganz untätig wollte er bis zur Heranschaffung der Kanonen aber nicht bleiben. Er wollte es darauf ankommen lassen, ob einem nächtlichen Überrumpelungsunternehmen nicht doch Erfolg beschieden sein könnte. Dazu kam es laut Veltzé in der Nacht vom 15. auf den 16. Mai 1809.

Die österreichischen Posten jedoch waren wachsam und entdeckten die mitternächtlichen Kolonnen rechtzeitig. Das Überraschungsmoment konnten die Angreifer also nicht für sich buchen. Schlimm genug war für die Verteidiger, dass sie keine das für sie nachteilige Dunkel erhellenden Leuchtkugeln zur Verfügung hatten. Ihren Waffen war es so nicht möglich, gut zu zielen.

Ein Kanonier, Bartholomäus Burgstaller, war es, der zum Retter der Situation wurde. Es war mit den Gegebenheiten des Terrains gut vertraut und setzte, seinerseits das nächtliche Dunkel nützend, ein leerstehendes Hammerwerksgebäude an der Kanaltaler Straße in Brand. Der Wind half mit, binnen kürzester Zeit ein die Umgebung ausreichend erhellendes Feuer auflodern zu lassen. Infolgedessen konnten die Geschütze wieder bessere Wirkung erzielen und die Franzosen mussten den Angriff erfolglos abblasen.

Der gleiche nächtliche Angriff wird von Kroner und Hartwig in die Nacht vom 16. auf den 17. Mai verlegt. Er soll vor allem als Ablenkung gedacht gewesen sein, um den geplanten Bau der Straße über den Vercella-Pass, der im Bereich der österreichischen Artillerie gelegen war, in Ruhe durchführen zu können. Dieser Vermutung liegt die Annahme zugrunde, dass der Vizekönig auf eine Einnahme des Forts hätte verzichten wollen und die Artillerie trotzdem weiter nördlich hätte bringen lassen wollen.

Der 16. Mai wurde aus zwei Gründen für die Kämpfenden zum Ruhetag. Ohne Artillerie war für die Franzosen ein weiteres Anstürmen sinnlos. Die Truppe benötigte dringend Zeit, um frische Kraft zu schöpfen. Bis am Abend die ersehnten Geschütze einlangten, wurden noch einmal französische Unterhändler abgesandt. Sie kamen jedoch wieder erfolglos zurück.

Auch das Argument, dass der Ehre genug Opfer gebracht seien und die Besatzung des Forts gegen die gesamte französische Armee unmöglich bestehen könne, hatte auf den entschlossenen Hauptmann Hensel keinen Eindruck gemacht. Der Vizekönig hatte schon den ganzen Ruhetag über den Gegenhügel des Forts, den Col di Cos rekognoszieren lassen. Die nun eingelangten vier Kanonen und eine Haubitze wurden unterhalb dieses Hügels aufgebaut und der entscheidende Angriff für den 17. Mai anberaumt.

Der Plan war, dass von allen Seiten Infanterie gegen die Befestigung anstürmen sollte und dass mit Artillerieunterstützung der tote Winkel unterhalb der steilen Abstürze erreicht werden sollte. Dann müsste man durch Rinnen hochsteigen und im Kampf Mann gegen Mann das Fort erstürmen. Der benachbarte Buchkopf wurde zu diesem Zweck in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai durch drei französische Kompanien besetzt. Andere Truppenteile umgingen das Fort am frühen Morgen des 17. Mai, um es von der Rückseite her anzugreifen.

Auch auf österreichischer Seite wurden alle Anstrengungen unternommen, um den erwarteten Großangriff abzuwehren. Leider war die Besatzung zahlenmäßig zu gering. Es mussten Infanteristen den Kanonieren beigegeben werden, weil zu wenig geübte Artilleristen vorhanden waren, um alle Geschütze zu bedienen. Abgesehen davon war die Truppe sehr abgekämpft.

Gegen Mittag des 17. Mai sah man von Uggowitz Raketen aufsteigen. Es war das verabredete Zeichen der Umgehungskolonne unter General Pactold, dass sie sich am verabredeten Ort befinde. Bald darauf stieg von Col di Cos eine Rauchsäule auf. Der Vizekönig hatte damit das Signal zum allgemeinen Angriff gegeben. Auch wenn die österreichische Artillerie die französischen Kanonen zum Schweigen brachte, letztlich blieb es vergebens. Die Verluste der Franzosen waren groß, aber ihre dezimierten Kolonnen erreichten schließlich die rettenden Felsabstürze. Sofort kam das nächste Kommando, die steilen Felsen hochzuklettern, worauf der Nahkampf folgen sollte.

Um 13 Uhr gelang es dem Feind, in den Verbindungsgang zwischen den Verteidigungswerken einzudringen und einzelne Gefechtsbatterien auszuschalten. Hauptmann Hensel wollte in diesem Moment, als er merkte, dass feindliche Truppen ins Befestigungsareal eindrangen, seinen Kameraden durch persönlichen Mut ein Vorbild sein. Einen erlittenen Streifschuss am Kopf versuchte er mit einem Taschentuch am Bluten zu hindern. Mit dem Degen in der Faust warf er sich einer vielfachen Übermacht entgegen, die ihn schonungslos niedermachte. Damit hatte ein organisierter Widerstand der Verteidigungsanlage sein Ende gefunden.

Noch ein weiterer Hauptmann, der im Fort kämpfte, soll erwähnt werden: Hauptmann Kupka vom Infanterieregiment Franz Karl hatte sich Hauptmann Hensel angeschlossen. Nun kämpfte dieser Freund Hensels, dem eine legendäre Tapferkeit zugeschrieben wurde, erbittert weiter, bis er, aus vielen Wunden Blutend, weggeschleppt wurde.

Die Batterie unter Oberfeuerwerker Rauch hielt noch eine Weile den Angriffen stand. Als letztes Mittel, den Vormarsch der Franzosen zu verzögern, hatte er den Markt Malborghet durch Beschuss in Brand gesetzt.

Als die Franzosen nun nicht mehr zu halten waren und die Befestigungsanlagen regelrecht überrannten, nahmen sie die Gelegenheit wahr, sich jetzt für die hohen Verluste, die ihnen von der Besatzung des Forts zugefügt waren, zu rächen. So wurde beispielsweise der Unterarzt Hutzler, der über einen Verwundeten gebeugt, diesem einen Verband anlegen wollte, hinterrücks getötet.

Gegen den Bombardier Ignaz Rauch richtete sich der Hass der französischen Soldaten in besonderem Maß. Seine Schonung, an der ein Offizier, der ihn zum Zeugen haben wollte, dass er als erster seine Batterie genommen hätte, besonders interessiert war, wollten die meisten nicht hinnehmen. Wenn nicht rechtzeitig ein Adjutant des Vizekönigs erschienen wäre, wäre er höchstwahrscheinlich nicht mit dem Leben davongekommen.

Auf das äußerste überrascht zeigte sich der Vizekönig über den geringen Stand der Besatzung, was ihm die wiederholte Weigerung zur Übergabe noch unsinniger erscheinen ließ. 80 Gefallene, 120 Verletzte, 80 Gefangene und nur wenige Flüchtlinge, das war das Fazit des ungleichen Kampfes auf österreichischer Seite. Auf französischer Seite sind die Zahlen schwieriger zu ermitteln. Allein am 17. Mai 1809 sollen 1.300 Franzosen gefallen oder verwundet worden sein.

Zum Andenken an die heldenhaften Kämpfe jener Tage des Jahres 1809 wurde 1844 ein heute noch zu besichtigendes Denkmal errichtet. Es besteht aus einer aus fünfzehn Quadersteinen zusammengesetzten Pyramide, an deren Basis ein von einem Speer tödlich getroffenen Löwe liegt. Die Inschrift lautet: Zur Erinnerung an den Heldentod des k.k. Ingenieur-Hauptmanns Friedrich Hensel am XVII. Mai MDCCCIX und der mit ihm gefallenen Kampfgenossen. Kaiser Ferdinand I..

1881 wurde dann mit der Abtragung des alten Forts begonnen. Das neue Fort, das 1881 als Ausbau des Nachfolgebaus von 1850 entstand, hieß seit 1883 Fort Hensel.

Die Kämpfe am Predilpass

Zu dem Zeitpunkt, als der Generalmajor Nobili, der Geniedirektor der innerösterreichischen Armee, die Verteidigungsanlagen am Predil besichtigte, waren weder Besatzung noch Artillerie am Ort. 6 Geschütze, 16 Kanoniere und 25 Mann Handlanger trafen allerdings am Abend desselben Tages, des. 12. Mai 1809 ein. Verpflegung war für einen Monat eingelagert, Munition, soviel die Magazine aufnehmen konnten, vorhanden.

Am 13. Mai morgens traf 29jährige Hauptmann Hermann bei den Verschanzungen ein. Auch er war erst nach Einspruch von Nobili von Erzherzog Johann zum Kommandanten des Forts bestimmt worden, nachdem der junge Offizier dringend darum gebeten hatte. Ober seine Chancen machte er sich ebensowenig Illusionen wie sein Freund Hensel. Beim Abschied von seinen Kameraden soll er gesagt haben: „Gedenkt meiner im Gebet, ich habe mein Grab gebaut. Hienieden sehen wir uns nicht wieder!“.

Die endgültige Besatzung des Forts traf am Mittag des 14. Mai ein. Es war eine zusammengesetzte Kompanie Szluiner unter Hauptmann Witkovich. Das waren zirka 200 Mann, darunter 14 Scharfschützen. Auch hier wie in Malborghet, waren es Kroaten, die für Österreich heldenmütig ihr Leben ließen. Leider waren es auch hier nicht ausgeruhte Truppen, sondern von den Strapazen des Rückzugs abgekämpfte Soldaten, auf denen die Verteidigung der Landesgrenzen lastete.

Am Nachmittag des 15. Mai suchte Hauptmann Jankovich, der ein Korps des gleichen Regiments befehligte, vorn Feinde hart bedrängt, um Aufnahme ins Fort an. Es handelte sich dabei um jene Truppen, die als Verstärkung für die im Raccolanatal stehenden Österreicher vorgesehen waren, aber durch die Brigade Bonfanti, beziehungsweise durch die Soldaten der Division Durutte daran gehindert worden waren. Aus Platzmangel konnte Hermann bloß Jankovich und dreizehn Mann einlassen, der Rest mußte sich, so gut es ging durchschlagen.

Am selben 15. Mai abends drängten die Franzosen unter Seras gegen das Fort. Die Avantgarde wurde abgewehrt und setzte sich bei Oberbreth fest. Der Feind entsandte außerdem ein Patrouille gegen Raibl, die ihn klar machte, dass die Besatzung bereits isoliert dastand.

Für Seras war die Aufgabe viel schwieriger als für die im Kanaltal kämpfenden Franzosen. Wohl war die Verteidigungsanlage am Predil kleiner als die bei Malborghet, das Umfeld für Operationen allerdings wesentlich ungünstiger. Darüber hinaus hatten die Angreifer ernsthafte Versorgungsschwierigkeiten. Die Gegend dort bot keine Möglichkeit, sich selbst zu versorgen.

Seras war dadurch schwer unter Druck, zu einem schnellen Erfolg zu kommen. Die Anlagen auf dem Pass hatte man ihm als völlig unbedeutende, hölzerne Blockhäuser geschildert. Er erwartete leichtes Spiel. Bestand bei Malborghet die Möglichkeit, für den Weitertransport von schweren Armeegütern eine Umgehungsstraße anzulegen, schien das hier unmöglich. Ein weiterer zwingender Grund für Seras, die Straße so schnell wie möglich passierbar zu machen. Hier jedoch konnte die artilleristische Überlegenheit der Franzosen viel schwerer zum Zug kommen. Das Terrain war diesem Vorhaben zuwider.

Am 16. Mai 1809 versuchte der Feind Schützen oberhalb des Forts in Stellung zu bringen. Dieses Vorhaben gelang ihm auch, von allen Seiten sahen sich die Österreicher am Morgen des 16. Mai angegriffen. Hermann ließ seine Scharfschützen aber eine bedrohliche Annäherung des Feindes an das Fort verhindern.

Um 15 Uhr des selben Tagen erschien ein Parlamentär von Seras, der zur Übergabe gegen freien Abzug aufforderte. Hermann wies ihn ab.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai gelang es den Franzosen vier oder fünf Kanonen entlang der Paßstraße in Stellung zu bringen. Sie hatten dafür Verschanzungen im Schutz der Dunkelheit gesprengt, beziehungsweise gegraben. Sofort machte sich ihre Wirkung für die Österreicher bemerkbar. Die Außenposten der Scharfschützen waren nicht mehr zu halten und mussten zurückgezogen werden. Die Blockhäuser wurden durch den Beschuss immer desolater. Sie stellten ein wehrloses, sicheres Ziel für die französischen Geschütze dar.

Dennoch gaben die Österreicher nicht auf. Die mehrfach anstürmenden feindlichen Kolonnen wurden weiterhin erfolgreich abgewehrt. Auch ein zweiter, am Nachmittag des selben 17. Mai abgesandter französischer Unterhändler musste ergebnislos umkehren.

Im Rücken des Forts tauchten immer stärkere französische Verbände auf. Der Vizekönig hatte sie zur Unterstützung des Angriffs von Seras hinbeordert. Nach dem Fall von Malborghet sollte der Predilpass  am nächsten Tag um jeden Preis erobert werden.

Wäre noch ein weiterer Tag ergebnislos verlaufen, die Division Seras hätte wahrscheinlich umkehren müssen, da die Versorgungslage schon hoffnungslos geworden war.

In der Nacht auf dem 18. Mai hatte sich die Besatzung, so gut es ging, bemüht, die entstandenen Schäden zu tarnen.

Um 8 Uhr früh des 18. Mai 1809 kam ein Parlamentär mit drei gefangenen Österreichern, die vom Fall Malborghets und dem Zurückweichen der Österreicher über Tarvis hinaus berichteten.

Das bedeutete, dass an einen Entsatz der auf dem Pass durchhaltenden Truppen nicht zu denken war.

Die schlechten Nachrichten sollen auf Hermann das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung hervorgerufen haben. Vielleicht fühlte er auch die Verpflichtung, die Division Seras so lange wie möglich aufzuhalten, um ein rasches Verfolgen der zurückflutenden österreichischen Armee zu verhindern. Jedenfalls war er erst recht zum Hartbleiben entschlossen. Seine Absicht wurde schriftlich protokolliert und der Besatzung wurde der Hergang der Ereignisse in kroatischer Sprache mitgeteilt.

Die Kämpfe wurden danach mit voller Heftigkeit wieder aufgenommen. Von der Kehlseite der Befestigung her war es den vom Vizekönig entsandten Bataillonen gelungen, die Straße bis zum Fort in ihren Besitz zu bringen. Sie standen hier vor dem letzten Ansturm. Noch einmal kam ein Parlamentär ins Fort, um sinnloses Blutvergießen zu vermeiden. Hermann blieb bei seiner schriftlichen Erklärung.

5.000 bis 6.000 Franzosen traten nun zum Sturm auf das isolierte Fort an. Trotzdem ließen die Österreicher ihre Anstrengungen nicht geringer werden, auch wenn die Menschenverluste auf beiden Seiten immer größer wurden.

Die Entscheidung brachten schließlich Soldaten, die den Abhang nördlich der Blockhäuser erstiegen hatten und von dort brennende Pechkränze auf die hölzernen Verteidigungsanlagen schleuderten. Diese setzten die Decke und das obere Stockwerk der zweigeschossigen Anlage in Brand. Ein verzweifelter Ausbruchsversuch bei dem Hauptmann Hermann voranstürmte, war zum raschen Scheitern verurteilt. Er selbst fiel dabei.

Der Großteil der Besatzung wurde von den Franzosen im brennenden Blockhaus, beziehungsweise Vorwerk eingeschlossen und kam darin um. Acht Überlebende gab es, die ihr Leben ihrer Besinnungslosigkeit verdankten. Man hatte sie nämlich ebenfalls für Gefallene gehalten.

Jetzt erst, am 18. Mai abends, konnte die Division Seras den Predilpass übersteigen. In diesem Fall hatte die unnachgiebige Sperre immerhin diese Truppen unter Seras daran gehindert, bei den Kämpfen um Tarvis einzugreifen.

Noch im selben Jahre 1809 wurde von 600 Grenzern unter Major Grmatica ein Versuch unternommen, das Sperrfort Malborghet durch einen Überrumpelungsangriff wieder in österreichische Hand zu bekommen. Das Grenzfort war, nachdem es am 17. Mai 1809 von Franzosen erstürmt worden war, mit zirka 200 Mann italienischen Nationalgardisten besetzt worden. Dieser Rückeroberungsversuch misslang aber durch die ungeschickte Vorgangsweise der Österreicher. Dank schlauen Taktierens des für die Franzosen kämpfenden Schweizer Kommandanten Weber gelang es, durch zeitgewinnende Verhandlungen den unkoordinierten österreichischen Angriff abzuschlagen.

Während die Reste der Grenzsperre Predil von den Franzosen sofort gesprengt wurde, verfuhr man mit dem Festungsbau bei Malborghet anders. Erst 1811 wurde die Sperre von den Franzosen aufgelassen und 1812 demoliert.

Obwohl die Lombardei und Venetien im Wiener Kongress 1815 an das österreichische Kaiserreich kamen und insofern Grenzsperren an der Südgrenze Kärntens überflüssig schienen, regte Erzherzog Johann 1818 den Neubau der Sperren an. Gebaut wurden sie allerdings nicht.

Auch am Predil wurde zur Erinnerung der Ereignisse des Mai 1809 ein Denkmal für die hier Gefallenen errichtet. In gleicher Ausführung wie dasjenige bei Malborghet wurde es 1847 am Predil fertiggestellt.

Das Jahr 1813

Nachdem für Napoleon der russische Feldzug Ende 1812 mit einer verheerenden Niederlage geendet hatte, erwachte von neuem der Widerstand in den französisch beherrschten Gebieten Europas. Auch Österreich bemühte sich, die an Frankreich verloren gegangenen Illyrischen Provinzen zurückzugewinnen. Ein Teil dieser Provinzen war Kärnten südlich der Drau. Das Kanaltal hingegen war Teil des neugebildeten Königreichs Italien geworden. Als Verhandlungen zur Wiedergewinnung der ehemals österreichischen Gebiete misslangen, kam es zur kriegerischen Auseinandersetzung.

Im Zuge der Kämpfe des Herbst 1813 hatte sich Ende September der französische General Grenier in Tarvis festgesetzt, um diesen strategisch wichtigen Ort so hartnäckig wie möglich zu verteidigen. Alle einmündenden Täler wurden durch Verhaue gesperrt. Bei Greuth, Goggau und Tarvis wurden Schanzen angelegt.

Am 28. September 1813 unternahm der österreichische Hauptmann Pirquet mit drei Kompanien einen Oberfall auf Pontebba. Dazu wählte er einen beschwerlichen Übergang aus dem Gailtal über den Kamm der Karnischen Alpen. Dieser Überfall war vor allem durch seine psychologische Wirkung von Bedeutung.

Das Oberkommando in diesem Abschnitt hatte Feldzeugmeister Freiherr von Hiller inne. Nachdem sich dieser ein Bild der Lage gemacht hatte, beabsichtigte er, am 6. Oktober 1813 die französischen Stellungen anzugreifen. Der Feind hatte sich aber in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober in eine zusammengedrängtere Stellung zurückgezogen. Der Angriff wurde nun für den 7. Oktober vorgesehen.

Bei der Zurückeroberung des Kanaltals ging man in fünf Abteilungen, drei am linken und zwei am rechten Flügel, vor. Am linken Flügel sollte die Brigade Mayer von Ratschach gegen Weißenfels vorgehen, ferner die Brigade Vecsey, die am rechten Gailitzufer von Weißenbach abwärts gegen Greuth vorstoßen sollte. Schließlich eine Abteilung mit Feldzeugmeister Freiherr von Hiller selbst, die auf der Reichsstraße von Thörl über Goggau südwärts marschierte.

Am rechten Flügel sollte General Winzian von Feistritz die Goriacher Alpe übersteigen und durch den Wagengraben, Goggau östlich umgehen, auf Tarvis zustreben. Eine andere Abteilung unter General Eckhardt sollte über den Sommerwirth und den Bartholograben westlich von Tarvis zum Einsatz kommen. Diese beiden Gruppen des rechten Flügels erstiegen unter Führung des Oberstleutnants Baron Welden und des Oberstleutnants Sallaba noch am 6. Oktober nachmittags die Südseite der Karnischen Alpen, wo sie auch nächtigten. Die auf den Kamm führenden Wege waren von den Franzosen nach Möglichkeit unbegehbar gemacht worden. Dennoch konnten die beiden Abteilungen bei Tagesanbruch des 7. Oktober den Zenith des Bergzuges gewinnen.

Die Gruppe unter General Eckhardt rückte südlich gegen den Bartholograben vor, ganz wie geplant. An seinem südlichen Ausgang ins Kanaltal wurde sie von den Franzosen bemerkt und begnügte sich damit, die wichtigen Anhöhen in Besitz zu halten. Der Hügel,

der vor dem Ausgang des Grabens gelegen war, wurde von den Franzosen zweimal hartnäckig gegen österreichische Angriffe verteidigt.

Die Kolonne unter General Winzian war ebenfalls bei Tagesanbruch durch das Wagenbachtal gegen das Kanaltal vorgerückt. Beim Übergang zur sogenannten Schattenseite stießen die Österreicher dann auf heftigen Widerstand. Einige Kompanien besetzten die Höhen am rechten Ufer des Wagenbaches. Die Franzosen, die an diesem 7. Oktober 1813 Tarvis aufgaben, hatten gegen die Abteilung des Generals Winzian starke Kontingente abgestellt, die ein weiteres Vorgehen unvernünftig erschienen ließen.

Ganz ähnlich erging es den zentralen Kolonnen, bei denen sich auch der Kommandierende, Feldzeugmeister Freiherr von Hiller befand. Diese Kolonnen standen unter dem Befehl des Generals der Kavallerie, Baron Frimont. Sie stießen auf der Straße gegen Goggau vor, fanden diesen Ort aber stark befestigt, weshalb man abwartete.

Die Truppen unter General Vecsey und jene des General Mayer waren im Rücken des Nesseltales heruntergekommen und standen nun vor Greuth. Die sich daraufhin zurückziehenden Franzosen wurden von den Österreichern über den Predil beziehungsweise über Pontebba hinausverfolgt und zwar, so schnell es ging - denn der Feind bemühte sich, durch Zerstörung der Brücken und Abgrabung der Hauptstraße die k.k. Armee am Nachstoßen zu hindern. Auf diese Weise wurde das Kanaltal von der französischen Besatzung befreit.

Die Franzosenzeit (1797) 1800 – 1815 und ihre Auswirkungen auf das Kanaltal

Im folgenden Jahr 1800 wurde nach der siegreichen Schlacht Napoleons bei Marengo die Landesgrenze Kärntens erneut von einem möglichen französischen Angriff bedroht. Erstmals kam es zur Aufstellung von Freiwilligenverbänden auf Anordnung eines Hofdekrets. Diese Verbände wurden allerdings nicht mehr eingesetzt, nachdem Ende des Jahres 1800 schon ein Waffenstillstand vereinbart worden war.

Das Jahr 1804 brachte für die Kärntner Verwaltung wichtige Veränderungen. Erneut wurde die Kärntner Landeshauptmannschaft aufgehoben und Kärnten dem Grazer Gubernium unterstellt. Bloß das ständische Zivilgericht blieb in Klagenfurt.

Im Laufe des 3. Koalitionskrieges 1805 hatte das Land Kärnten gemäß eines kaiserlichen Patentes eine große Menge Korn und Hafer unentgeltlich zu liefern. Für das vom letzten Krieg noch immer erschöpfte Land bedeutete das eine arge Belastung. Der Krieg selbst ging rasch verloren und Ende November 1805 stand die französische Armee wieder in Kärnten. Sie verließ Kärnten Anfang des Jahres 1806.

Durch den Frieden von Pressburg vom 25./26. Dezember 1805 war das Kanaltal wieder Grenzgebiet der österreichischen Monarchie geworden, da Venetien an das neu gebildete Königreich Italien, das unter französischem Einfluss stand, abgetreten werden musste.

Bereits im Juni 1806 hatte Fürst Rosenberg den Pontaflern 3.400 ha seines Gutes verkauft. Im Jahr 1807 veräußerte er die gesamte Herrschaft Fedraun an den Grafen von Strassberg, Anton Holl von Stahlberg. Die Kaufsumme betrug 70.000 Gulden.

Der Feldzug des Jahres 1809 endete für Österreich mit den Frieden von Schönbrunn vom 14. Oktober 1809. Dabei kamen die Gebiete Kärntens südlich der Drau gemeinsam mit Krain und Kroatien südlich der Save zu den schon 1805 abgetretenen istrischen und dalmatinischen Gebieten als Illyrische Provinzen an Frankreich. Somit schienen die schweren Opfer und das heldenhafte Durchhalten der österreichischen Kämpfer vergeblich gewesen zu sein.

Was die „Kärntner Thermopylen“ betrifft, über die in den folgenden Jahrzehnten zur Erbauung der Schuljugend in diversen Lesebüchern berichtet wurde, sind die Meinungen geteilt. Es ist umstritten, inwieweit diese Aktionen wirklich sinnvoll waren, so vorbildlich auch der bedingungslose Einsatz der Männer gewesen sein mag.

Der Rezensent Zwiedineck-Südenhorst:, Friedrich von Fossel, verstärkt die Andeutungen, die in dem von ihm besprochenen Werk gemacht werden. Er ist der Meinung, dass die Verteidigung der „ungenügenden hölzernen Blockhäuser“, die zu spät mit Proviant versehen wurden und mit einer viel zu schwachen Mannschaft belegt worden war, von vornherein aussichtslos war. Dies vor allem deshalb, weil die Höhenzüge und Nebentäler dieses Gebiets nicht von einem einheimischen Aufgebot besetzt worden war. Dadurch unterblieb die so notwendige Unterstützung der beiden Durchhalteposten, die nun isoliert den französischen Angriffen ausgesetzt waren.

Allerdings verbluteten die kroatischen Grenzregimenter, die die Besatzung der beiden Festungen bildeten, nicht vollkommen sinnlos. Wie Hermann nämlich anmerkt, war die Überlegung der beiden Festungskommandanten, dass jede Stunde Verzögerung des französischen Vormarsches von großer Bedeutung wäre, richtig.

Unbestrittener Erfolg des Durchhaltens von Hauptmann Johann Hermann am Predil war die Sicherstellung der österreichischen Artilleriereserve, die in der dadurch gewonnenen Zeit ins Landesinnere gebracht werden konnte.

Dass die französischen Truppen die beiden Straßensperren schon lange vor deren Niederkämpfen umgangen hatten, ist allein noch kein Grund, alle Opfer als wertlos darzustellen. Entscheidend war nämlich, dass vor dem Fall der Festungen die Straßen nicht zum Transport der schweren französischen Artillerie zur Verfügung standen. Es wäre allerdings etwas gewagt, zu behaupten, dass diese Verzögerung zur Niederlage bei Aspern führte. Tatsächlich war es so, dass die Einheiten des Vizekönigs Eugéne Beauharnais zur Schlacht von Aspern am 21./22. Mai 1809 nicht rechtzeitig eintrafen. - Hingegen konnten sie zum französischen Sieg der Schlacht von Wagram am 5.16. Juli 1809 beitragen.

Den heldenhaften Genieoffizieren muss man immerhin zugestehen, dass sie der festen Überzeugung waren, sie müssten die Franzosen um jeden Preis am Passieren der Kärntner Grenze hindern - und wenn das nicht möglich war, so doch so lange als möglich aufhalten. Sie konnten ja nicht ahnen, dass Napoleon selbst ohne Beauharnais' Unterstützung nicht entscheidend geschlagen werden konnte. Ihr Durchhalten kann nicht allein von einem späteren Zeitpunkt aus beurteilt werden.

Gemäß Artikel 3 des Schönbrunner Friedens vom 14. Oktober 1809 musste unter anderem auch der Villacher Kreis mit dem Kanaltal an Napoleon abgetreten werden. Dieser Kreis bildete also eine der Illyrischen Provinzen, die nun nach französischen Prinzipien verwaltet wurden. Einer der 8 Kantone des Villacher Kreises war der Kanton Tarvis, der das Gebiet der Herrschaft Fedraun samt den Märkten Malborghet und Tarvis, sowie das Gebiet des ehemals krainischen Weißenfels umfasste.

Die Kantone wurden wieder in Arrondissements communeaux (auch Kommunen oder Mairien) gegliedert. Diese Kommunen wurden ohne Rücksicht auf die alten Gerichtsbezirke gebildet, jedoch immer so, dass sie eine Anzahl josephinischer Katastergemeinden umfasten.

Für das Kanaltal bedeutet das die Einrichtung von zwei Mairien: Malborghet und Tarvis, auf die die zwölf Steuergemeinden des Tales aufgeteilt wurden. Die neue Verwaltungsorganisation nahm keine Rücksicht auf die Patrimonialgerichtsbarkeit, die gemäß dem Gedankengut der französischen Revolution für aufgehoben erklärt worden war. Dafür machten sie sich die neue Einteilung des josephinischen Katasters zu Nutzen.

Überhaupt wurden die Vorrechte des Adels nach französischem Vorbild stark reduziert. Die bäuerlichen Abgaben an die Adeligen wurden in Form eines Servituts geleistet, das wie eine Hypothek auf jeden Besitz eingetragen wurde. Alle Naturalabgaben wurden in Geldzinse verwandelt, wobei der Grundherr auf ein Fünftel zugunsten des Bauern verzichtete. Allerdings wirkte sich das auf das Kanaltal kaum aus, da es hier kaum Feldwirtschaft gab.

Eine weitere Veränderung für das Kanaltal bedeutete die Zuordnung des Kantons Tarvis an das Königreich Italien. Grund dafür war die strategische Bedeutung des Gebiets und der rationale geographische Gesichtspunkt bei der Grenzziehung des neugebildeten Königreichs. Erstmals seit der Antike war Italien wieder mehr als ein geographischer Begriff, wenn es auch bloß ein Satellitenstaat Napoleons war. Das Kanaltal, wie übrigens auch der Kanton von Caporetto (Karfreit), wurden am 1. Oktober 1811 diesem neuen Königreich angegliedert. Somit waren alle Pässe der Ostalpen vorn Brenner bis zum Predil unter Italiens Einfluss gelangt.

Ausschlaggebend für diese Erweiterung des italienischen Königreichs war Napoleons Erkenntnis, dass das Kanaltal von hervorragender strategischer Bedeutung sei. Die Kämpfe von 1809 hatten das deutlich gezeigt. Bei einer Studie, mit der er 1806 den späteren Marschall Marmont beauftragt, stellte sich heraus, dass unter den projektierten Festungen, die einen möglichen österreichischen Angriff auf Oberitalien abwehren sollten, ein Festungsbau bei Malborghet von vordringlicher Notwendigkeit wäre.

Auch soll Napoleon geplant haben, das österreichische Galizien gegen Illyrien zu tauschen, falls Österreich die Kontinentalsperre einhalten würde. Das wäre allerdings erst verwirklicht worden, wenn Napoleon den russischen Feldzug gewonnen hätte. Nicht an Österreich zurückgeben wollte er im Zuge dieses Tausches aber das Kanaltal, das er als „Pfand und Schlüssel zu Österreichs deutschen Provinzen“ beim Königreich Italien belassen wollte.

Rückblickend schrieb Marmont über das Konzept seines Verteidigungssystems, bei dem er der Festung von Malborghet hervorragende Bedeutung beimaß: „Ich ... schlug Werke vor, die Italien eines Tages ausführen muss, wenn es jemals eine Macht wird und seine Grenze gegen Österreich sichern will.“.

Als Marmont dem französischen Kaiser diesen Vorschlag unterbreitete, war das Kanaltal noch nicht beim Königreich Italien, sondern Teil des Villacher Kreises. Seine Anregung mag zumindest mitentscheidend für die neue Grenzziehung zwischen Italien und den Illyrischen Provinzen gewesen sein. Dass das Kanaltal, wenn auch nur für eineinhalb Jahre zum Königreich Italien, Departement Passariano, mit Präfektur in Udine, geschlagen wurde, hatte schwerwiegende Folgen im nächsten Jahrhundert.

Die Lage des Kanaltals war, nachdem es Schauplatz der schweren Kämpfe des Jahres 1809 geworden war, ganz allgemein eine schlechte. Malborghet war von der österreichischen Artillerie in Brand geschossen worden, um den Franzosen zu schaden. Das zweite Zentrum, Tarvis, war durch Plünderungen und Durchmärsche arg mitgenommen worden. Die Hammerwerke waren teilweise durch Beschießungen zerstört worden oder hatten durch die Kriegsereignisse jede Existenzgrundlage verloren. Nach Österreich durften sie natürlich nichts exportieren und infolge des kriegsbedingten wirtschaftlichen Rückschlages fielen viele Abnehmer im Süden aus. Die noch vor wenigen Jahrzehnten florierenden Strohlendorfschen Hämmer waren bei den Kämpfen um Malborghet angezündet worden, um in der Nacht als Lichtquelle zu dienen. Andere Gewerken wanderten aus oder änderten ihren Tätigkeitsbereich.

Noch vor den kriegerischen Ereignissen hatte Fürst Rosenberg 1803 bei Pontafel um 100.000 Gulden einen Hochofen errichten lassen und das Bergwerk auf der Uggowitzer Alpe wieder in Betrieb genommen.

Am 26. November 1810, zu diesem Zeitpunkt war das Kanaltal noch beim Villacher Kreis, wurden die österreichischen Bankozettel außer Kraft gesetzt. Das ersparte den Bewohnern dieses Gebiets immerhin den österreichischen Staatsbankrott vom Jahre 1811.

Mit Ausnahme der italienischen Weinimporte nahm nun der Handelsverkehr hauptsächlich den Weg über den Wurzenpass Richtung Laibach. Auch diese Veränderung trug dazu bei die wirtschaftliche Lage des Tals noch zu verschlimmern. Die einzige Branche, die wirklich florierte, war der Schmuggel.

In der französischen Verwaltung des Kanaltals finden wir dann bekannte Namen: Joseph Jesse ist Vorsteher der Registratur in Malborghet, Anton von Canal der dortige Friedensrichter, Podestá (Bürgermeister) von Malborghet war Joseph von Canal.

Trotzdem im Februar 1811 die Gemeinden von der Kanzel belehrt worden waren, sich bei der bevorstehenden Rekrutierung nicht zu widersetzen, war ein großer Teil der jungen Männer, als es nach einem Monat tatsächlich dazu kam, bereits ins österreichische Unterkärnten geflohen.

Als Napoleon 1812 im Russlandfeldzug eine schwere Niederlage hinnehmen musste, schlug auch für das Kanaltal die Stunde der Österreichischen Rückeroberung. Günstig für die Ausführung dieses Vorhabens war der Umstand, dass das von Marmont vorgeschlagene Bollwerk bei Malborghet nicht gebaut worden war.

In diesen Feldzug gingen die Österreichischen Offiziere mit einer ganz anderen Einstellung zu der Bedeutung der Alpen hinsichtlich strategischer Operationen. Man war bestrebt, die Erfahrungen der bisherigen Napoleonischen Kriege diesmal auszuwerten. Unter diesen Offizieren war auch Feldzeugmeister Freiherr von Hiller, dem der Oberbefehl über die österreichische Armee übertragen worden war.

Auch waren es die Österreicher, die noch bevor die gegnerischen Streitkräfte im Kanaltal aufeinander prallten, die französischen Stellungen umgingen. Dies gelang ihnen einerseits durch einen Vorstoß über den Nassfeldpass, der sie schon am 29. September 1813 bis Pontafel führte, andererseits über den Bartholosattel, der es ihnen ermöglichte im Rücken der französischen Besatzung von Tarvis Stellung zu beziehen.

Dadurch war der französische General Grenier gezwungen, mit seinen Truppen das Kanaltal in südlicher Richtung zu verlassen.

Die Völkerschlacht bei Leipzig, 16. bis 19. Oktober 1813 entschied das Schicksal Napoleons endgültig. Kärnten war allerdings schon seit dem 11. Oktober von französischen Truppen geräumt. Waren damit auch die kriegerischen Ereignisse abgeschlossen und im Wiener Kongress 1815 die politische Neuordnung Europas durchgesetzt worden, so herrschte in den bäuerlichen Kreisen Kärntens noch drei Jahre später, bis 1818, Elend und Hunger.

Auch auf die kirchlichen Verhältnisse des Kanaltals hatten die politischen Umwälzungen dieses Zeitabschnitts nachhaltigen Einfluss. Eine der ersten Handlungen des französischen Intendanten von Villach, der im dortigen Kreisamt die Verwaltung des ehemaligen Kreises Villach führte, war es, Ende 1809 alle Dekane nach Villach zu berufen. Der Grund dafür war, die bisherigen Bezüge der Geistlichkeit aus dem Religionsfonds zu erfassen.

Auch der Dekan des Kanaltales schickte seinen Kaplan, um die Gehaltszahlen eintragen zu lassen. Auf Grund dieser Gehaltsliste wurde dann die Besoldung des Dechants und der Pfarrer des Kanaltals bewilligt. Dieses System funktionierte noch im Jahre 1810. Nach zwei Ratenzahlungen des Jahres 1811 blieben die Gehaltsanweisungen aber aus.

Das bedeutete für die Kanaltaler Geistlichkeit, dass sie in den Jahren zwischen 1811 und 1814 in große Not geriet, da die Pfarren mit wenigen Servituten dotiert waren und alle Bezüge aus Stiftungen und sonstigen öffentlichen Fonds stockten.

Jedenfalls wanderten die führenden Geistlichen des Kanaltals, der Dechant und Pfarrer von Saifnitz, sowie die Pfarrer von Malborghet und Tarvis ins österreichische Unterkärnten aus. Ihre Stellen nahmen italienische Geistliche ein, die ihre Bewerbungsgesuche an die französische Regierung zu richten hatten.

Mit Wirkung vom 1. Jänner 1812 bestimmte die französische Verwaltung, dass die Matrikelbücher der Pfarren nicht mehr als staatliche Urkunden anerkannt werden durften. An ihre Stelle wurden Zivilregister gesetzt. Durch ein  Reskript vom 26. März 1812 bestimmte der Fürsterzbischof von Gurk, indem er dem französischen Druck nachgab, das auch das Kanaltal Teil der Diözese Laibach sei. Am 31. Oktober desselben Jahres 1812 wurde das Kanaltal an den Erzbischof von Udine abgetreten.

Ansonsten wurde auch vom Klerus des Kanaltals Loyalität gegenüber dem Kaiser Napoleon verlangt. Der Pfarrer von Pontafel, der ein erklärter Anhänger Österreichs war und daraus kein Hehl machte, wurde beispielsweise zu „6-tägiger Correktion“ nach Udine zitiert. Darüber hinaus wurde den Geistlichen eingeschärft, sich an freiwilligen Kriegsbeiträgen zu beteiligen. Die Spender sollten jedoch nicht unter zwei Lire betragen.

Die Klagen wegen Nichtbezahlung des Gehalts der Geistlichkeit wurden schließlich unüberhörbar. Als im Jahre 1812 der Landesgouverneur Graf Bertrand dem Villacher Kreis einen Besuch abstattete, hatte der Generalvikar Michael Drocker den Mut, den französischen Machthaber darauf aufmerksam zu machen. Er kündigte ihm an, dass es bei weiteren Unregelmäßigkeiten in der Besoldung zu Kirchenschließungen kommen würde.

Dadurch kam es tatsächlich zur Anweisung eines Teils der ausständigen Gehälter, was besonders wichtig war, da ja alle Privatpatronate von den Franzosen stillgelegt worden waren. Insgesamt blieb aber die Situation weiter unbefriedigend. Erst im August 1813 bestimmte der italienische Vizekönig Eugéne Beauharnais, dass den Geistlichen der Gebirgsdepartements ein. Zulage von 25.000 Lire zu gewähren sein, die ab September 1813 in Mailand behoben werden könnte. Dazu war aber infolge der raschen Befreiung durch die Österreicher keine Gelegenheit mehr.

Bei der Wiederherstellung der alten Zustände hatten die Gehaltsrückstände eine beträchtliche Höhe erreicht. Sie wurden erst nach einigen Jahren ausbezahlt, wobei ein Teil der Gehaltsforderungen von herumreisenden gewinnsüchtigen Spekulanten den Seelsorgern um einen geringen Preis bereits abgekauft worden war.

Das Kanaltal im Vormärz

Verwaltungsgeschichte

Am 17. Oktober 1813 wurden die Illyrischen Provinzen durch das soeben eingerichtete provisorische Generalgubernium Illyrien als vom Kaiserreich Österreich erobert erklärt.

Das Kanaltal wurde durch kaiserliche Entschließung vom 30. März 1814 wieder mit Kärnten vereinigt. Am 14. Juni 1814 wurde durch eine Note der Hofkommission der Kreis Villach in seinen alten Grenzen wieder errichtet. Schon am 13. Juni 1814 war die Gliederung des Kreises in 15 Bezirke vorgenommen worden, unter denen Tarvis einen davon darstellt.. Am 23. Juni 1814 wurden die Illyrischen Provinzen als integrierender Bestandteil des Kaiserreiches erklärt.

Am 20. November 1814 suchten die Stände Kärntens des Villacher Kreises um Wiedereinführung der ständischen Verfassung in ihrem ganzen Umfang an. Diesem Ansuchen wurde nur teilweise stattgegeben. Wohl wurden die Adelsrechte anerkannt, die Verwaltungs-, Steuer- und Gerichtsverfassung jedoch nicht mehr wie vor Napoleon eingeführt. Der Fünftel-Abzug der Herrschaftsgebühren, sowie die Möglichkeit, die Naturalabgaben und die Robotleistungen für die Herrschaft in Geld ablösen zu können blieb bestehen.

Die beiden Arondissements des Kanaltals, Malborghet und Tarvis, wurden als Hauptgemeinden belassen und die übrigen Katastralgemeinden diesen beiden zugeordnet. Der Bezirk der das Kanaltal umfasste, wurde als „Fedraun zu Tarvis“ bezeichnet. Dies deshalb, weil die Herrschaft Fedraun ihren Sitz in Tarvis im Haus Nr. 31 hatte. Die Burg Fedraun selbst war ja nur mehr Ruine.

Die Gerichtsbarkeit in Zivilangelegenheiten blieb den Herrschaften entzogen und wurde den Bezirksobrigkeiten zugeteilt. Für die Strafgerichtsbarkeit galt das Stadt- und Landgericht in Klagenfurt als kompetent.

Allerdings wurden für die Verwaltung und Rechtssprechung der einzelnen Bezirke nach wie vor herrschaftliche Beamte eingesetzt, die schlecht bezahlt, sich im Machtbewusstsein unbeschränkter Gewalt viele Missgriffe zuschulden kommen ließen. Landesfürstliche Ämter wurden in den meisten Bezirken als Ersatz für die von den Herrschaften bestellten Bezirksobrigkeiten eingerichtet. Nachdem der Bezirk Tarvis noch vor 1829 mit dem von Arnoldstein vereinigt worden war, war der Sitz des Landgerichts Fedraun zu Tarvis, das Haus Nr. 31 in Tarvis. Dort war es bis zum Ersten Weltkrieg gemeinsam mit der Forstverwaltung untergebracht.

Was das Steuerwesen betraf, so waren die diesbezüglichen Abgaben im Kanaltal entsprechend einem Bericht des Jahres 1833 recht gering. Die beiden Hauptgemeinden Tarvis und Malborghet umfassten jeweils zwei weitere Dorfschaften und bildeten eigene Dominien. Abgesehen von den 10, beziehungsweise 8-prozentigen Laudemialgebühren bei Verkaufsfällen belief sich das jährliche Dominikale dieser sechs Dorfschaften auf knappe 500 Gulden. Nur Saifnitz hatte von einigen seiner Äcker einen Zehent an die Herrschaft Fedraun zu entrichten.

Allgemein bildete der Josephinische Kataster weiterhin die Grundlage für die Einhebung der Grundsteuer. Gemäß dem Grundsteuerpatent von 1817 wurde in den Jahren 1824 bis 1829 in Kärnten eine neue Vermessung der Grundstücke vorgenommen. Diese zeigte wesentliche Abweichungen im Vergleich zur Josephinischen Aufnahme. Der daraus hervorgehende „Stabilde Kataster“ von 1827 trat allerdings erst 1840 vollständig in Kraft. Bis zu dieser genaueren Landvermessung hatte das Land Kärnten zirka 150.000 Gulden zu viel an Grundsteuer bezahlt. Der Grund dafür war, dass es bei der Josephinischen Vermessung durch ungeschultes Personal zu häufigen Vermessungsfehlern kam. Diese wurden nun korrigiert.

Die Bekanntgabe und Einhebung der staatlichen Steuern war Aufgabe des Adels. Auf das Ausmaß dieser Steuern hatte er jedoch keinen Einfluss.

Waren die Verwaltungseinheiten, was Steuerwesen und Gerichtsbarkeit betraf, nach französischem Muster abgeändert worden, so galt dies nicht für die Rekrutierungen. Hier gab es noch die alten Jurisdiktionen als Werbbezirke, von denen Tarvis, Fedraun und Malborghet in der Sektion 1 des Villacher Kreises zusammengefasst waren.

An dieser Stelle soll noch erwähnt werden, dass auf Antrag vom 19. 1. 1826 die Ortsbezeichnung Diepoldskirchen die bisher hauptsächlich üblich gewesen war, mit Erlass des k.k. Länderguberniums Laibach vom 13.9.1634 in Leopoldskirchen umgewandelt wurde. Grund dafür war, dass die Bewohner des Orts durch boshafte und unwissende Menschen gehänselt worden waren, da die erste Silbe von Diepoldskirchen mit dem Wort Dieb in Verbindung gebracht wurde.

Was die Gemeindestruktur des Kanaltals betrifft, so geht aus einem Dokument des Jahres 1837 folgende Veränderung gegenüber dem 18. Jahrhundert hervor: Das Dorf Lußnitz , das in der Zeit von Maria Theresia als Fraktion von Malborghet galt, scheint nun als eigene Gemeinde auf. Aus dem gleichen Dokument einer vorläufigen Grenzbeschreibung der Gemeinde Malborghet, ist erkennbar, dass jede Steuergemeinde als selbständige Gemeinde aufgefasst wurde. Nur an der Bezeichnung der Richter (Oberrichter, Unterrichter) wird die jeweilige Stellung dieser Gemeinden deutlich.

Kirchengeschichte des Vormärz

Nachdem die Österreicher im Oktober 1813 die Wiederbesetzung des Kanaltals deklariert hatten, bemühte sich der Fürstbischof von Gurk im Dezember des gleichen Jahres um die ihm gebührenden Diözesanrechte. Da jedoch die politische Wiedervereinigung des Kanaltals mit Illyrien noch nicht vorgenommen worden war, wies Bischof Salm die Geistlichen des Kanaltals vorläufig dem Erzbischof von Udine zu. Im Juli des folgenden Jahres 1814 setzte der Fürstbischof von Gurk eine Visitation im Kanaltal an, um die Wiederbesitzergreifung durch ein österreichisches Bistum zu unterstreichen, nachdem die provisorische Verwaltung im Juni 1814 zu Ende gegangen war.

Am 4. Oktober 1814 leistete dann der Fürstbischof auch namens der Kanaltaler Geistlichen den Huldigungseid in Laibach.

Von da an blieb das Kanaltal mit Ausnahme von Weißenfels, das zum Bistum Laibach gehörte, bis zum Ende der Monarchie Bestandteil des Bistums Gurk.

Das Dekanat Kanaltal umfasste sieben Pfarren und zwar die Dekanatspfarre Saifnitz, die Pfarre Tarvis mit der Außenstelle in Raibl, die Pfarre Goggau mit der Kurazie Thörl, die Pfarre Uggowitz mit der Kurazie Wolfsbach, die Pfarre Malborghet, die Pfarre Leopoldskirchen und die Pfarre Pontafel. Im Dekanat befanden sich neun Filialen und Kapellen sowie neun Schulen.

Saifnitz besaß zwei Filialen, davon war eine die Wallfahrtskirche „Maria am Luschariberg“. Eine Schule, ein Bürgerspital und ein Armeninstitut wurden von dieser Pfarre verwaltet.

Auch in Tarvis gab es ein Armeninstitut und eine Schule. Zu dieser Pfarre gehörten zwei Filialkirchen, davon war eine die Rechbachsche Kapelle in Unter-Tarvis die andere die Kirche von Flitsch.

Die Pfarre Goggau besaß eine Filiale, Thörl, und ab den 1840er-Jahren eine eigene Schule. Auch in Thörl befand sich eine Schule, ebenso wie in Uggowitz.

Die Marktpfarre Malborghet hatte zwei Filialen, eine in Lußnitz und eine in St. Kathrein. In Malborghet gab es ebenfalls eine Schule.

Die Pfarre Pontafel besaß zwei Filialen und war Schulort ebenso wie Leopoldskirchen.

Gemäß der Schematismen der Dreißiger-Jahre, beziehungsweise nach Hohenauer gab es im Kanaltal so gut wie keine Protestanten. Bloß am Eingang desselben, hielt sich eine scheinbar wechselnde Minderheit von 28 - 48 Lutheranern.

Die Bevölkerung des Kanaltals

Auch wenn uns über den Zeitabschnitt des Vormärz keine exakten Zahlen im Sinn einer modernen Bevölkerungsstatistik vorliegen, lassen sich folgende Feststellungen treffen:

In den Friedensjahren 1816 - 1848 nahm die Bevölkerung in Oberkärnten wieder zu. Sie übertraf allerdings erst in den Dreißiger-Jahren des 19. Jahrhunderts die Bevölkerungszahl von 1782. Dabei hatte der Bevölkerungsstand unmittelbar nach den Napoleonischen Kriegen seinen Tiefstand erreicht. Dafür waren aber nicht bloß die kriegerischen Ereignisse zu Anfang des 19. Jahrhunderts verantwortlich, schon zuvor trugen Blatternepidemien zu einer Verringerung der Kärntner Einwohnerzahl bei.

Insgesamt nahm auch die Bevölkerung des Kanaltals in diesem Zeitraum von 5.333 Einwohnern des Jahres 1782 auf 5.939 des Jahres 1857 zu. Die einzelnen Zahlen betrugen:

 

1782

1857

Zunahme

Marktgericht Malborghet

1.026

1.089

+ 6,1 %

Marktgericht Tarvis

1.306

1.491

+ 13,4 %

übriges Gebiet dem Landgericht Federaun zugehörig

3.001

3.359

+11,9 %

Summe

5.333

5.939

+ 11,3 %

 

Durchschnittlich nahm also die Bevölkerung des Kanaltals von 1782 bis 1857 um 11,3 % zu. Verglichen mit der Zuwachszahl der Bevölkerung des Villacher Kreises von 8,2 % kann man sogar von einem überdurchschnittlichen Bevölkerungswachstum des Kanaltals im Vormärz sprechen.

In seiner demographischen Untersuchung verwendet Moro die Zahlen des Diözesanschematismus von Gurk nicht, die eine weitere Aufschlüsselung ermöglicht hätten. Zufolge dieser Bevölkerungszahlen hätte die Anzahl der Seelen, Katholiken als auch Protestanten, bereits in den Dreißiger-Jahren 7.000 überschritten.

Zusätzlich ist noch zu bemerken, dass die Carinthia 1815, die Bevölkerung des Kanaltals mit zirka 5.600 Einwohnern angibt, Tarvis 1.260, Malborghet 810. An anderer Stelle wird die Bevölkerung des „Bezirksgerichts Fedraun im Kanaltal mit 3.064 Einwohnern angenommen.

1833 wird in derselben Zeitschrift des Kanaltals als eines der volkreichsten Täler Oberkärntens bezeichnet. In diesem Artikel wird die Einwohnerschaft des Gebiets mit 6.667 beziffert.

Hermann gibt die Einwohnerzahl des Kanaltals für das Jahr 1844 mit 7.114 an. Wahrscheinlich bezieht sich der Autor dabei auf die Zahlen des Diözesanschematismus.

Alle diese Zahlenangaben lassen sich schlecht miteinander vereinbaren und zeigen, wie schwierig die Einschätzung des Bevölkerungsstandes dieser Zeit ist.

Was Aussagen über die ethnische Zugehörigkeit der Bewohner unseres Tales betrifft, gilt das oben gesagte in verstärktem Ausmaß. In den mit heutigen Volkszählungen kaum vergleichbaren Erhebungen, wurde die Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe nicht erwähnt. Will man dennoch darüber Feststellungen treffen, muss man sehr darauf achten, nicht in das Gebiet der Spekulation abzugleiten. Eine frühe Meldung, dieses Thema betreffend, kann einem Artikel der Carinthia des Jahres 1815 entnommen werden. „Der Karakter der Kanalthaler nähert sich der größeren Anzahl nach sehr jenem der Friauler. Er erinnert nur wenig an den teutschen und wendischen Kärntner. Die teutsche, windische und italienische Sprache wird hier untereinander gemischt in schlechten Mundarten gesprochen.“

Heinrich Hermann geht in seinem Werk „Text zu Josef Wagners Ansichten aus Kärnten“ auch auf die Bevölkerungszusammensetzung des Kanaltals ein. Als hervorstechendes Merkmal beschreibt er, dass die Siedlungen dieses Gebiets abwechselnd deutsch und slowenisch waren. Dadurch ergaben sich förmlich wechselnde Siedlungsstreifen deutscher, beziehungsweise slowenischer Bevölkerung.

Der Grenzort Pontafel war rein deutsch und bildete einen scharfen Kontrast zum italienischen Nachbarort Welsch-Pondtafel. Darauf folgte das slowenische Leopoldskirchen, diesem wiederum der deutsche Marktort Malborghet, dem auch die Ortschaften Gugg, St. Kathrein, sowie Lußnitz angehörten Der östlich angrenzende slowenische Abschnitt bestand aus den Orten Saifnitz, Uggowitz und Wolfsbach. Maria Luschari, 3km südlich von Saifnitz gehörte ebenfalls zu diesem Abschnitt.

Der wichtigste Ort, in dem sich auch die Verwaltung des Gerichtsbezirks befand, war Tarvis, zu dem auch der wichtige Bergwerksort Raibl gehörte. Hier erweitert sich das Tal und bildete ein zusammenhängendes größeres Gebiet mit deutscher Einwohnerschaft. Begrenzt wurde das Kanaltal vom slawischen Thörl.

In dieser Beschreibung des Jahres 1844 wird mehr oder weniger bereits vorweggenommen, was durch genauere Bevölkerungserhebungen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts festgestellt wurde.

Handel und Verkehr im Vormärz

Die Angliederung des Lombardo- venezianischen Königreichs ans Kaiserreich Österreich ergab für den Handel und Verkehr durchs Kanaltal eine neue Situation. Keinerlei Zollschranken, bis auf das Verzehrsteueramt, behinderten den Warenstrom von und nach Venedig. Die Blütezeit der alten Handelsmetropole lag allerdings schon lange zurück. Daran konnte auch die Eröffnung des Freihafens durch den Vizekönig Erzherzog Rainer im Jahre 1830 wenig ändern.

Immerhin hatte man bedeutende Anstrengungen unternommen, um den Handel Venedigs zu fördern. Dazu zählte auch die entscheidende Verbesserung der „Italienerstraße“ von Pontafel nach Gemona, also jenes Abschnitts der am unwegsamsten und den Naturgewalten am meisten ausgesetzt war. Die von Talachini neu angelegte Straße wurde teilweise neu trassiert, wofür ungeheure Felsmassen gesprengt werden mussten und neue Brücken über die Gebirgsbäche errichtet wurden. Die Verwüstungen von 1837 und 1838, durch Unwetter verursacht, veranlassten weitere Verbesserungen und Schutzbauten um diese strategisch bedeutende Straße stets befahrbar zu halten.

Dies war umso wichtiger als er in den italienischen Provinzen ständig österreichische Einheiten stationiert sein mussten, die man bei Gefahr auch über diese Straße rasch verstärken konnte.

Obwohl die Konkurrenz von Triest und des Handelswegs über den Loiblpass schon traditionellerweise eine Beeinträchtigung der Kanaltalstraße bedeutete, konnte sich diese im Vormärz doch gut behaupten Nach Jakob Scheließniggs Statistik kamen 22.000 Zentner Waren vom Süden über die Saifnitzer Wasserscheide nach Kärnten. Das waren immerhin um 2.000 Zentner mehr als über den Loibl. Die Ausfuhrzahlen sind vergleichsweise noch günstiger. Von 187.000 Zentner gingen 120.000, also zirka zwei Drittel über Saifnitz nach Italien.

Auch wenn der Kreisingenieur Baumgartner auf seiner Reise durch die österreichischen Länder die Italienerstraße als gering befahren beschreibt, meint Andreas Ritter von Buzzi, der Autor der topographisch- statistischen Skizze des Kanaltals, dass Wirte, Fuhrleute und Handwerker entlang dieser Straße gute Erwerbsmöglichkeiten finden würden. Auch wird die Straße im Kanaltal zumindest im Sommerhalbjahr durch die Luschari-Wallfahrt höhere Frequenzen aufgewiesen haben.

Eine auf neue geänderte Situation ergab sich für das Kanaltal, als der Eisenbahnbau auch für Kärnten von Bedeutung wurde.

Schon 1836, berichtet Jakob Scheließnigg, hatte der vorausschauende Erzherzog Johann gemeint, Kärnten könne sich gratulieren, weil die Eisenbahnlinie von Wien über Bruck/Mur nach Triest Kärnten durchqueren würde. Diese Andeutung des kaiserlichen Bruders hätte bei den Kärntner Ständen intensive Bemühungen in Hinblick auf die in diesen Jahren erfolgende Planung des österreichischen Eisenbahnnetzes auslösen müssen. Tatsächlich war eine Version der Streckenführung der Südbahn von Wien nach Italien diejenige, die nach der Semmeringüberquerung den Weg über Bruck/Mur, Leoben, Judenburg, Neumarkt, Klagenfurt, Villach und weiter durch das Kanaltal einschlug.

In einem Gutachten von Jahr 1836, das Franz Xaver Riepl, ein Professor des Wiener Ploytechnikums erstellt hatte, tauchen allerdings noch zwei andere Möglichkeiten der Linienführung der in Planung befindlichen Südbahn auf.

Bedauerlicherweise ließen es die Kärntner Stände an einer entscheidenden Unterstützung der Linienführung der Südbahn durch ihr Land fehlen. Dadurch konnte es den steiermärkischen Ständen gelingen, die Südbahn von Gloggnitz nach Triest durch ihr Land zu lenken. Dieses Versäumnis der Kärntner Landstände führte zu einem Rückstand in der Verkehrsentwicklung des Landes, der für Jahrzehnte unaufholbar blieb. Im einem Hofkanzleidekret des Jahres 1841 wurde das Programm für die Anlegung von staatspolitisch besonders wichtigen Bahnen vorgelegt, in dem die Bahnlinie von Wien über die Steiermark nach Triest einen Punkt bildete.

Damit war die Position für alle künftigen eisenbahnpolitischen Bemühungen Kärntens festgelegt, nämlich den Anschluss an diese Hauptstrecke zu gewinnen, wenn schon eine Parallellinie durch Kärnten nicht durchgesetzt werden konnte.

Im Jahre 1840 erklärte eine Versammlung von Handelsleuten in Klagenfurt allerdings, dass man nur an einer Eisenbahnverbindung des Drautals mit dem Kanaltal interessiert sei - und das als Antwort auf die Bemühungen von Triester Handelskreisen, Eisenbahnverbindungen von ihrem Adriahafen nach Kärnten zu planen. Einzig der Plan einer umständlich geführten Eisenbahnlinie von Leibnitz über den Radlpass ins Drautal und von dort ins Kanaltal bis nach Triest wurde 1843 ins Gespräch gebracht, aber selbstverständlich nicht weiter verfolgt.

Das Verschlafen dieser durchaus günstigen Möglichkeit, eine Hauptstrecke des staatlichen Eisenbahnnetzes durch Kärnten zu bekommen, bedauerte schon Jakob Scheließnigg 1862. Dieses Versäumnis erscheint umso unverständlicher als Kärnten zu den Ländern gehörte, die bereits durch die erste Bahn der Monarchie eine Ahnung bekam, was für wirtschaftliche Umwälzungen mit dieser technischen Neuerung verbunden waren. Schon die Inbetriebnahme der Bahnstrecke Budweis - Linz 1832 (zunächst Pferdebahn), die 1836 bis Gmunden verlängert wurde, brachte bedeutende Umstellungen für den Handelsverkehr Kärntens.

Die Folgen davon waren, dass der Klagenfurter, aber auch der Villacher Transithandel einen Anstieg verzeichneten, was den Gütertransport von und zu dieser Bahn betraf. Allerdings nahmen diese Handelsvorteile für Kärnten im Zusammenhang mit den Eröffnungen von Teilstrecken der Südbahn über die Steiermark ab.

Das Teilstück Wien - Wiener Neustadt wurde 1841 eröffnet, das Teilstück Mürzzuschlag - Graz 1844, die Verlängerung bis Cilli wurde 1846 dem Verkehr übergeben.

Damals war für vorausblickende Menschen bereits das sichtbar, was Martin Wutte „einen neuzeitlichen Straßenzwang“ nennt, da infolge der Billigkeit und Schnelligkeit der Beförderung von Gütern die Bahn sich gegenüber der Straße in einer ganz deutliche überlegenen Position befand.

Wirtschaft im Vormärz

Eisengewinnung

Der jahrhundertlange Kampf der Kanaltaler Gewerken um Verarbeitung von billigem, im Tal selbst gewonnenen Eisen war grundsätzlich 1783 gewonnen worden. Zwischen 1781 und 1783 hatte Joseph II. alle Zwangsmaßnahmen und Bindungen des sogenannten Eisensystems aufgehoben. Waldreiche Gebiete wie das Kanaltal waren daraufhin als Standort von Hochöfen für die Roheisengewinnung prädestiniert, da sie die erforderlichen großen Mengen Holzkohle garantierten. Dazu kam es allerdings erst um die Jahrhundertwende. Bis dahin hatte die Josephinische Liberalisierung der Eisen- und Stahlwirtschaft nicht nur ein rasantes Ansteigen der Produktion bewirkt, sondern auch eine Verknappung und Verteuerung der Holzkohle mit sich gebracht.

1803 investierte Fürst Rosenberg 100.000 Gulden in die Errichtung eines Hochofens bei Pontafel und die Wiederinbetriebnahme des Bergwerks auf der Uggowitzer Alpe. Leider war auch dieser Initiative, unabhängig von Hüttenberger Eisenankäufen zu werden, kein durchschlagender Erfolg beschieden. Schuld daran waren nicht nur die Ereignisse der Franzosenzeit, wobei vor allem das Jahr 1809 das Kanaltal arg schädigte und seine Wirtschaft zugrund gerichtete. Die immer größer werdenden erforderlichen Mengen an Holzkohle waren nicht mehr so einfach zu beschaffen. Immerhin benötigte man zur Erzeugung eines Zentners Roheisen das Holz einer Waldfläche von 1.625 Joch. Für das noch im Lauf des Vormärz in Kärnten eingeführte Puddlings-Verfahren benötigte man nur mehr 1/7 dieser Menge.

Nachdem Fürst Rosenberg 1807 die ganze Herrschaft Fedraun zu Tarvis verkauft hatte, gelangte auch die Konzession des Hochofens in andere Hände. In der Pfarrchronik von Malborghet wird der Hochofen im Zusammenhang mit Johannes von Vest und Paul Hauser erwähnt. Letzterer besaß den Ofen auch, als 1823 die letzte Campagne abgeführt wurde.

Im gleichen Jahr 1823 erwähnt dieselbe Pfarrchronik die Gebrüder von Canal als Besitzer der Hochofenlizenz. Diese kam 1827 an Josef Jesse, 1846 an Graf Andreas Renard und 1849 schließlich an Graf Ladislaus Esterházy-Galantha.

Mit der Konzession des Hochofens stand jeweils der Besitz des Bergwerks auf der Uggowitzer Alpe in Verbindung. Nachdem der Hochofen ab 1824 nicht mehr in Betrieb war, wurde das im Eisenbergwerk gewonnene Erz nach Aßling (heute Jesenice) verkauft.

Im letzten Jahr des Schmelzbetriebs 1823 wurden 3.103 Zentner Roheisen gewonnen. (Kärnten: 294.212 Zentner).

Die Schwierigkeiten des Hochofens im Bombaschgraben bei Pontafel hätten durch Beschaffung von billiger Kohle gemeistert werden können. Aber so günstig der Standort des Betriebs zu den Steinkohlelagern der Kronalpe gewählt worden war, sie erschienen nicht abbauwürdig.

Eine andere Möglichkeit, nämlich Kohle von anderen Bergwerken nach Pontafel zu bringen, scheiterte am Fehlen eines billigen Transportmittels. Hier kam die Bahn um 50 Jahre zu spät. Jedenfalls musste das Werk wegen Unrentabilität stillgelegt werden und den Kanaltaler Hammergewerken war damit die Möglichkeit genommen, Roheisen, das im Tal selbst gewonnen wurde, weiterzuverarbeiten. Also waren sie wieder gezwungen, ihr Eisen in Hüttenberg anzukaufen. Ihr Verdienst wurde dadurch natürlich verkleinert.

Eisenverarbeitung

Die Hammerwerke stellten bis ins 19.. Jahrhundert den wichtigsten Erwerbzweig für das Kanaltal dar. Die Zeit der französischen Durchzüge in den Napoleonischen Kriegen und hier vor allem das Jahr 1809 bildete hier eindeutig eine Caesur. Bis dahin war nämlich Malborghet das Zentrum der eisenverarbeitenden Betriebe des Tals gewesen. Im Jahr 1809 wurde der Marktort im Zusammenhang mit den Kämpfen um das Fort am Calavai von Oberfeuerwerker Rauch in Brand geschossen. Dadurch brannte der ganze Ort ab, der Kirchturm stürzte ein. Nur 10 Häuser, die südlich des Fella-Baches standen, blieben unversehrt.

Schon vorher hatte Bartholomäus Burgstaller, als das Fort durch einen nächtlichen Angriff der Franzosen in Gefahr geraten war, den rettenden Einfall gehabt, das leerstehende Strohlendorfsche Hammerwerkgebäude als Beleuchtungskörper zu verwenden.

So wurde der Kriegsschauplatz ausgezeichnet beleuchtet und der feindliche Angriff konnte abgewehrt werden - eine wichtige Produktionsstätte war allerdings vernichtet worden. Hermann berichtet, dass in dieser Zeit die ehemals wohlhabenden Gewerkenfamilien der Ritter von Strohlendorf, der Filaferro, Rachoi, Giromelli und andere auswanderten oder ausstarben. Das stellte einen schweren Schlag für die Wirtschaft Malborghets dar, von dem es sich nicht mehr richtig erholte. Bloß die Jesse und die von Canal waren im Vormärz hier noch Gewerken.

Auch die übrigen Orte des Kanaltals wurden arg mitgenommen, aber im Vergleich zu Malborghet nicht so schwer getroffen.

Natürlich hätten die abgebrannten Produktionsstätten wieder aufgebaut werden können. Das an Kärnten südlich angrenzende Venetien war Österreich auf dem Wiener Kongress 1815 zugesprochen worden. Nun trennte das Kanaltal von Venedig keine Staatsgrenze mehr und somit war auch die Maut bei Pontebba weggefallen. Einzig die Verzehrsteuer wurde hier und am Predil eingehoben. Zusätzlich stand auch bis 1824 das Pontafler Roheisen zur Verfügung. Alles also Faktoren, die zu einem neuerlichen Aufschwung der Eisenindustrie hätten führen müssen. Warum war das aber nicht der Fall?

Vordergründig war das Kohleproblem wieder eine Hauptschwierigkeit. Die großen Mengen von Holzkohle konnten aus den ohnehin schon übermäßig ausgebeuteten Wäldern nicht gewonnen werden. Dadurch musste jeweils ein Drittel der bestehenden Hammerwerke untätig bleiben.

Dabei zählte Oberkärnten und das Kanaltal noch zu den waldreicheren Gebieten Kärntens. Spätestens 1830 dürfte die Holzknappheit auch hier akut geworden sein. Waren um 1830 noch 100 % des gewonnenen Roheisens auf Hammerwerken verarbeitet worden, so senkte sich dieser Prozentsatz bis zur Jahrhundertmitte auf 50 %.

In den Dreißiger-Jahren war es auch, dass die Kärntner Eisenindustrie von technologischen Veränderungen erfasst wurde, die zum Niedergang der jahrhundertealten Eisenwerke des Kanaltals beitrugen. Der Trend zum ökonomischen und billigeren Produzieren mit modernen Verfahrenstechniken in größerem Stil nahm den kleinen Gewerkschaften jede Konkurrenzmöglichkeit.

Das begann schon bei der Eisenschmelzung, bei der man neue, vor allem von England vorgezeichnete Wege beschritt. Das hatte aber ebenso Auswirkungen auf die Weiterverarbeitung, die man nun gleich an Ort und Stelle vornahm.

Auch was das Exportgeschäft der Kanaltaler Gewerken betrifft, verstärkte sich der Trend, der schon im 18. Jahrhundert abzusehen gewesen war. Zur Zeit der von Napoleon verhängten Kontinentalsperre waren die Chancen für Oberkärntner Eisenprodukte natürlich gut, allerdings wird das Kanaltal nach den Zerstörungen von 1809 davon nicht viel profitiert haben können. Die ersten Friedensjahre bis etwa 1820 sorgten für eine kurze Scheinblüte, die aber vorüber war, sobald der Nachholbedarf gedeckt war.

Absatzchancen im Ausland hatte nur noch erste Qualitätsware, wenn man schon nicht preismäßig mithalten konnte. Hier waren englische und schwedische Konkurrenzprodukte unschlagbar. Diese Schwierigkeiten glichen die günstigen Bedingungen, die durch den Zusammenschluss von Venetien und Kärnten gegeben waren, wieder aus.

Zu welchen Produkten das Roheisen verarbeitet wurde, entschied die gerade bestehende Nachfrage. Das konnten sowohl Stahl- als auch Eisensorten sein. Ein solches Zwischenprodukt wurde dann an den sogenannten Wärmfeuern zu Nägeln, Pfannen, Feilen und dergleichen verarbeitet.

Trotz allen Anstrengungen aber, war das durch Jahrhunderte hindurch im Kanaltal florierende Eisengewerbe nicht mehr zu retten. Die negative Entwicklung im Vormärz war nicht aufzuhalten. Bergrat Hillinger versuchte 1873 rückblickend das Absterben dieser Wirtschaftssparte detailliert aufzuzeigen. So bestanden vor der Jahrhundertwende 1800 nach dem Besitzstandsbuch der k.k. Berghauptmannschaft folgen Gewerkschaften im Kanaltal.

Pontafel:                      Josef Thomas Jesse.

 

St. Kathrein:                Josef Melchior Ressmann.

 

Malborghet:                 Thomas Giromelli.

Anton von Canal.

Georg Max Rachoi.

Karl Wolfgang Filaferro.

Johann Martin von Strohlendorf.

Franziska Huebmershofen von Silbernagel.

 

Tarvis:                         Josef Thomas Jesse.

Johann Cavallar.

 

Greuth:                        Johann Neudieser.

 

Darüber hinaus waren im krainischen Weißenfels weitere drei Hammerwerke in Betrieb.

Jedes Hammerwerk bot inklusive Holzkohlenbeschaffung und Gütertransport ungefähr 30 Menschen Beschäftigung.

Im Jahr 1833 wurden die Eisenhämmer noch als „bedeutender Erwerb und Unterhalt“ für die Kanaltaler eingestuft. In Malborghet und Tarvis befanden sich damals:

24 große Manipulationsfeuer,

8 Wärm- oder Glühfeuer,

1 Pfannenhammer und

3 Feuer für Nagelschmiede

befunden haben. Anschließend wird dann überschlagsmäßig der Verdienst der Eisengewerken berechnet. Er beziffert sich auf 40.608 Gulden und wird als „nicht übertrieben viel“ bezeichnet. Zum Vergleich: Vom Bleibergwerk Raibl sollen dem Tal ungefähr 60.000 Gulden zugute gekommen sein.

Im einem Ausblick auf die Zukunft legt Buzzi keinen übertriebenen Optimismus an den Tag. Er prophezeit den Eisenhämmern, dass sie alle innerhalb weniger Jahre zu arbeiten aufhören müssten.

Darin sollte der Autor unrecht behalten. Die Entwicklung war wohl unaufhaltsam, aber sie ging glücklicherweise langsam vor sich.

Unter den vielfältigen Bemühungen der Kärntner Eisenunternehmer, ihren Niedergang aufzuhalten, zählen auch die Bestrebungen um einen innerösterreichischen Industrieverein. Bereits 1820 gegründet, kam es aber erst 1838 unter Vorsitz von Erzherzog Johann zur 1. Generalversammlung in Graz. Dort wurde beschlossen, jährlich Industrieausstellungen zu veranstalten, von denen die erste 1838 im Klagenfurter Landhaus stattfand.

Auf dieser Ausstellung war auch ein Tarviser Unternehmer, Johann Walcher, vertreten. Mit Ausstellungsnummer 157, Stücknummer 1435 - 1442 gelang es dem Aussteller, eine „ehrende Anerkennung“ zu erringen.

Hermann berichtet 1844, dass von 21 Hämmern 11 außer Betrieb standen und dass die frühere Erzeugung von 12.800 Zentnern Eisen und Stahl schon länger nicht erreicht wurde.

In den Montanschematismen der Vierziger-Jahre des 19. Jahrhunderts lassen sich die einzelnen Hammerwerke gut verfolgen. Das Eisenwerk des Josef Thomas Jesse wird als „Eisen-, Berg- und Schmelzwerk, Eisen- und Stahlhammer, Tarvis, Malborghet und Pontafel, dann Bergbau an der Uggowitzer Alpe. im Jahre 1839 eingetragen. Der gleiche Eigentümer bleibt bis 1846 verzeichnet. In diesem Jahr muss der Verkauf an Ladislaus Graf von Esterházy-Galantha erfolgt sein, der im darauffolgenden Montanschematismus an seiner Stelle eingetragen ist.

In Tarvis finden wir Herrn Johann Walcher, den Teilnehmer an der Industrieausstellung Klagenfurt durchgehend verzeichnet. Gleichzeitig war er Werksleiter der Enterházyschen Hammerwerke.

Das Hammerwerk des Franz Giromeih, das sich in St. Kathrein bei Malborghet befand, dürfte faktisch schon im Jahr 1639 von dem als Verwalter angeführten Josef Capellari geleitet worden sein. Im folgenden Jahr 1840 wird er als „Verweser“ bezeichnet, 1841 schon als Eigentümer. So bleibt es bis 1846.

In Malborghet befand sich ein Hammerwerk im Besitz der Herren Anton, Ernst und Joseph von Canal.

In St. Kathrein bei Malborghet befand sich ein weiteres Hammerwerk, dessen Eigentümer Joseph Melchior Ressmann war. Auch er muss 1846 an Graf Esterházy verkauft haben.

In Weißenfels bestanden die ganze Zeit hindurch 3 Hammerwerke, von denen 2 im Besitz des Franz Leopold Koss waren, sowie eines im Besitz des Anton Walcher.

Zur Jahrhundertmitte hatte sich die Anzahl der Gewerken auf 4 Namen reduziert: Johann Walcher'a Erben, Graf Kasimir Esterházy, Anton Edler von Canal, sowie die Weissenfelser Gewerken.

Die 26 Zerrennfeuer, 27 Schläge und 4 Wärmfeuer waren zu Jahrhundertbeginn ungefähr auf 1/5 zurückgegangen.

Die Blei- und Zinkgruben in Raibl

In der napoleonischen Zeit wurde, als der Kanton Tarvis ans Königreich Italien abgetreten wurde, wurde Raibl1 wegen der Bedeutung des Bergwerks davon ausgenommen. Es blieb Teil der Illyrischen Provinzen.

Naturgemäß hatte die neue Grenzziehung dieser Zeit nachhaltige Folgen für das Wirtschaftsleben des verkleinerten Österreichischen Kaiserreichs. Da die Oberkärntner Bleibergwerke an Napoleon abgetreten werden mussten, wurden die Unterkärntner Bleibergwerke forciert. Zusätzlich gemildert wurde dieser wirtschaftliche Engpass durch die Erlaubnis der Franzosen, Bleiasche vom französischen Oberkärnten ins österreichische Unterkärnten auszuführen. So war dem rigorosen Bleiexportverbot seine Schärfe genommen, denn die Österreicher wussten das Bleioxyd der Bleiasche nutzbringend zu verwerten.

Im übrigen wird der Schmuggel, der in dieser Zeit eine besondere Blüte erreichte, die Situation noch weiter entspannt haben.

Die Aufwertung der Unterkärntner Bleiabbaugebiete sollte noch im Vormärz von Bedeutung sein, denn man beutete diese Erzlager weiterhin intensiv aus.

War der Anteil von Raibl an der Bleigewinnung des Landes stellenweise im 18. Jahrhundert größer als der von Bleiberg, so hielt er nun im Vormärz ungefähr bei einem Viertel der Kärntner Bleigewinnung, Bleiberg hingegen bei 50 %.

Im Jahre 1808, ein Jahr vor den umwälzenden Ereignissen des Jahres 1809, betrug die Produktionszahlen von Raibl:

Ararisches Werk

7.161 q Blei

7.911 q Galmei (Zinkerz)

Struggl‘sches Werk

841 q Blei

302 q Galmei

Summe

8.002 q Blei

8.213 q Galmei

 

Schon in diesem Jahr 1808 überstieg die Ararische Galmeigewinnung die Bleigewinnung. Das aus Galmei gewonnenes Zink diente zum Legieren von Messing und war in diesen Kriegsjahren von erhöhter Bedeutung. Insgesamt waren im Bergwerk von Raibl ungefähr 400 Menschen beschäftigt.

Nach dem Wiener Kongress kehrte man wieder zu jener montanistischen Organisation zurück, die schon unter Joseph II. üblich gewesen war: Vom Klagenfurter Oberbergamt und der Berggerichts-Substitution war das k.k. Bergamt von Raibl abhängig. Es bestand aus dem Bergverwalter, dem Bergamtskontrollor und Zeugschaffer, dem Pech- und Hüttenschaffer, zugleich Probierer, dem Hüttenadjunkt zu Thörl, dem Oberhutmann, zugleich Zeugschaffer, dem Amtsschreiber, dem Curat, dem Bergchirurg und dem Schullehrer.

Diesem Bergamt war ein eigener Bergbaubezirk zugeordnet. Er umfasste im großen und ganzen das Gebiet von Tarvis. In den Jahren zu Anfang des Vormärz ging die Produktion von Raibl langsam zurück, da die Verkaufschancen im Ausland ebenso wie für Kärntner Eisen- und Stahlprodukte ungünstig waren. Durch die Umschichtung der wirtschaftlichen Struktur während der Franzosenzeit war der Absatz nun auf den Inlandsmarkt beschränkt.

Des weiteren war die Produktion vom Weltmarktpreis für Blei und Zink abhängig. Als in den Dreißiger-Jahren des 19. Jahrhunderts der Blei- und vor allem der Zinkpreis sank, wurde auch der Betrieb in Raibl stark eingeschränkt. Die Hälfte der Arbeiter musste aus diesem Grund entlassen werden und der Produktionsstand sank auf 9.000 Zentner Blei. Dennoch würde der Gewinn aus dieser Produktion für das Tal um ein Drittel höher sein als durch die Kanaltaler Eisenindustriebetriebe, da im Falle Raibls alle Frachtspesen im Tale blieben.

In den folgenden Vierziger-Jahren des 19. Jahrhunderts stieg die Bleiproduktion wieder an. Bleiberg und Raibl lieferten damals 85 % des österreichischen „metallischen Blei“. Auch die Zink-Produktion, die in den Dreißiger-Jahren fast ganz zum Erliegen gekommen sein soll, erholte sich wieder in den Vierziger-Jahren.

Selbstverständlich wurden in dieser Zeit auch technische Verbesserungen vorgenommen. Am wichtigsten war hier vielleicht eine sogenannte „Wassersäulenmaschine“, die unter Wasser stehende Bergwerksstollen trocken legte.

Land- und Forstwirtschaft

Ackerbau

Der Ackerbau des Kanaltals war seit jeher ärmlich und konnte den Bedarf der Einwohnerschaft höchstens zu einem Drittel decken. Die Getreidearten, die angebaut wurden, waren Roggen und Gerste, seit dem Vormärz aber vorzugsweise Mais. Der von Dr. Burger senior propagierte Maisanbau hatte sich in den schrecklichen Hungerjahren zwischen 1815 und 1818 durchgesetzt.

Was den anbaufähigen Boden betrifft, gliedert sich das Tal in einen oberen Abschnitt von Greuth bis Saifnitz und in einen unteren von Wolfsbach bis Pontafel. Im oberen Tal steht eine weit größere Fläche für den Getreideanbau zur Verfügung. Allerdings ist hier durch die Abflachung nach Norden hin ein dementsprechend raueres Klima die Folge. Deshalb gedieh die Hauptfrucht des Kanaltals, der Mais, bloß im unteren Talabschnitt. Die meisten Felder befinden sich deshalb zwischen Malborghet und Leopoldskirchen. Insgesamt spielte der Ackerbau als Erwerbszweig für das Tal keine große Rolle.

Viehzucht

Die Viehzucht war für das Kanaltal sicher bedeutender als der Feldbau. Hier waren es vor allem Schafe und Ziegen, die in größerer Zahl gehalten wurden. Dieses Kleinvieh, das sich auf den steilsten Abhängen zurechtfindet, schien für die Gegebenheiten des Kanaltals am geeignetsten zu sein. Der Nutzen aus dieser Viehhaltung bestand nicht nur in der Milch der Tiere, die drei Monate im Jahr gemolken werden konnten (Käseverarbeitung!). Die jungen Lämmer wurden von Tirolern mit Vorliebe aufgekauft. Die anfallende Schafwolle galt als feiner als die übrige Kärntner Landwolle und wurde vorzugsweise von italienischen Hutmachern erworben.

Diese Schaf- und Ziegenhaltung wurde als Almwirtschaft häufig von den slowenischen Bewohnern des Tals betrieben, beispielsweise auf dem Luschariberg, was sich in der Entstehungslegende des Wallfahrtsortes widerspiegelt. Ein weiteres Beispiel, dass gerne ausführlich und ausgeschmückt zitiert wurde, ist das von Uggowitz. Hier zogen die Bewohner des Ortes in den Sommermonaten auf die gleichnamige Alpe und kehrten erst im Herbst wieder in ihren tiefer gelegenen Heimatort zurück.

Im Jahr 1833 sollen im Kanaltal 6.529 Schafe, sowie 2.176 Ziegen gehalten worden sein. Dagegen soll die Anzahl der Kühe äußerst gering gewesen sein. Ochsen und Pferde wurden für den Ackerbau nicht gehalten, höchstens als Zugvieh zur Beförderung der Fuhrwerke von Eisen- und Bleigewerken sowie im Transportgeschäft.

Die gesamte Landwirtschaft ist jedenfalls im Vergleich zur Eisenindustrie beziehungsweise zur Bleigewinnung in Raibl von untergeordneter Bedeutung. Größtenteils soll es so gewesen sein, dass die kleine Wirtschaft, die nicht weit vom Haus entfernt war, von Frau und Kind bestellt wurde, während der Mann in den oben erwähnten Betrieben einem zusätzlichen Broterwerb nachging. Dass dieses System funktioniert haben muss, bewies die überdurchschnittliche Bevölkerungsdichte in diesem größtenteils unfruchtbaren Gebiet.

Forstwirtschaft

Die Missbräuche der Forstwirtschaft wurden bereits erwähnt. Seit dem Mittelalter zog sich dieses Problem wie ein roter Faden durch die Wirtschaftsgeschichte des Tals. Die überlieferten Waldordnungen sind dafür beredtes Zeugnis.

Nun,  in der Zeit des Vormärz, begann das Holz auch als Handelsprodukt eine größere Rolle zu spielen. Zusammen mit den für die Eisenverarbeitung benötigten riesigen Holzmengen erreichte damals die Abholzung der Wälder ein nicht mehr vertretbares Ausmaß. Tatsächlich begannen sich bereits ernste Schäden zu zeigen. In dem von hohen Niederschlagsmengen betroffenen Kanaltal konnten im Sommer die Wildbäche und im Winter Lawinen immer ärgere Verheerungen anrichten.

Für die Erholung der Wälder war es daher kein Nachteil, dass die meisten Hammerwerke nach der Jahrhundertmitte schließen mussten und der Holzhandel nicht mehr das ganze zuvor benötigte Holzkontingent absetzen konnte.

Noch in der napoleonischen Zeit war der ehemalige bambergische Forst von Fürst Rosenberg an Anton Holl von Stahlberg um 70.000 Gulden verkauft worden. Dieser Besitz wechselte im Jahre 1843 wieder seinen Eigentümer. Für 315.000 Gulden erwarb ihn Graf Andreas Renard. Zwei Jahre später wurde Graf Ladislaus Esterházy für 1,3 Millionen Gulden der neue Eigentümer des ausgedehnten Wälder des Kanaltals. Jeder dieser Männer trachtete den größtmöglichsten Nutzen aus dem Wald zu ziehen. Dabei soll es öfters zu argen Streitereien zwischen Forstpersonal und Talbewohnern gekommen sein, die mitunter in Tätlichkeiten ausgeartet sein sollen. Um die Gemüter zu beruhigen wurde von der Kreisamtskanzlei Villach am 15. 11. 1843 die Provisorialverordnung Nr. 9541 herausgegeben. Darin wurden den Talbewohnern die ehemaligen Servitutsrechte wieder zugesichert.

Erwerbszweige im Zusammenhang mit dem Durchzugsverkehr

Hier war es vor allem der Verkehrsknotenpunkt Tarvis, der von seiner günstigen Lage profitierte. In Tarvis trafen mehrere Poststraßen aufeinander und zwar die vom Predil kommende „Görzer Straße“, die „Italienerstraße“ von Villach nach Italien führend und die weniger benützte Bezirksstraße über den Weissenfelser Sattel, die ins Savetal führte. Da die Straße nach Venedig in ihrer handelspolitischen Bedeutung richtig erkannt und eingeschätzt wurde, wurde sie in den Dreißiger-Jahren des 19. Jahrhunderts durch den Mailänder Unternehmer Antonio Talachini zwischen Pontafel und Gemona neu angelegt. Von da an dürfte diese winterfeste Straße immer stark benutzt gewesen sein.

Schon in der Carinthia Jahrgang 1815, wurde der „Frachtzug“ zwischen Venetien und Österreich als wichtiger Erwerbszweig des Tales bezeichnet. Die wichtigsten Frachtgüter waren nach wie vor Eisen- und Stahlprodukte, die schon traditionsgemäß nach Italien und nach Krain geführt wurden, sowie Holz, das ein wichtiges Exportgut zu werden begann. Dagegen nahm der importierte südliche Wein an Bedeutung ab. Seit den Vierziger-Jahren ersetzte nämlich österreichischer Wein größtenteils die südlichen Sorten.

Der verpasste Anschluss an das eben entstehende Eisenbahnnetz mag für die Wirtschaftsentwicklung von Kärnten und speziell unseres Kanaltals vielfältige Nachteile gebracht haben. Einen Vorteil hatte es aber doch: Die Fuhrwerksbranche war nicht schlagartig durch neue Bahnlinien überflüssig geworden, wenn auch die Auftragslage Umfang mäßig nicht den alten Stand halten konnte. Sicher wird die etappenweise fertiggestellte Südbahnlinie den Fuhrwerksunternehmern Frachtaufträge entzogen haben, jedoch war bis 1873 der Gütertransport zwischen Villach und Krain und bis 1879 zwischen Villach und Udine nur durch Fuhrwerke zu bewerkstelligen.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass der Straßenzug durchs Kanaltal noch in anderer Hinsicht einen bedeutenden Erwerbszweig darstellte. Handwerker der verschiedensten Berufssparten, die mit dem Fuhrwerksunternehmen in Zusammenhang standen, fanden entlang dieser Verkehrsader immer genügend Aufträge. Davon abgesehen konnten sich auch die an dieser Straße gelegener Gasthäuser nicht über mangelndes Geschäft beklagen. Die beiden Verzehrsteuerämter in Pontafel, beziehungsweise in Raibl dürften zusätzlich zu Aufenthalten Anlass geboten haben.

Zur Orientierung über damalige Reisegeschwindigkeiten soll erwähnt werden, dass man für die Strecke Tarvis - Pontafel ungefähr drei Stunden rechnete.

Lokalgeschichtlich Details

Aus den Akten der Kreisamtsregistratur Villach von 1814 bis 1850 lassen sich folgende lokalgeschichtliche Details entnehmen:

Die von den Franzosen verursachten Kriegsschäden, beziehungsweise durchgeführten Requisitionen sollten vom Staat durch eine Reihe von Entschädigungen in den zwanziger- und Dreißiger-Jahren wiedergutgemacht werden.

Beispielsweise wurde der Gemeinde Saifnitz im Jahr 1833 für Weinlieferungen des Jahres 1809 eine Vergütung ausbezahlt.

Die notleidende Geistlichkeit wurde in den Jahren nach dem Wiener Kongress durch eine Reihe von Stiftungen unterstützt. So erinnerte man sich wieder an eine Mariatheresianische Stiftung von 1773 mit 13.250 Gulden, die die Kaiserin zur Unterstützung der armen Geistlichen des Kanaltals gegründet hatte.

Im Jahre 1820 wurden Stiftungen für Lußnitz und St. Kathrein, den zwei Filialen der Pfarre Malborghet hinterlegt. Ähnliche Stiftungen wurden 1818/20 für Saifnitz 1819/20 für Uggowitz, sowie 1819/20 für die Kurazie Wolfsbach eingesetzt.

Auch den Bergarbeitern ging es nach den Napoleonischen Kriegen schlecht. Sie wurden schon 1813 staatlich unterstützt. Streiks und Aufstände zwischen 1835 und 1837 deuten die weiterhin gespannte Lage bei den Grubenarbeitern an.

Auf dem Marktsektor ergaben sich in den Jahrzehnten des Vormärz einige Veränderungen. Pontebba, das nun nicht mehr an der Staatsgrenze, sondern bloß an der Provinzgrenze lag, erreichte 1832 die Bewilligung eines Getreide-Wochenmarktes und eines Vieh-Monatsmarktes. Das Jahrmarktsprivileg für Malborghet und Tarvis wurden bestätigt. Der Jahrmarktstag für Malborghet wurde verlegt.

Aus Anlass der Reise Kaiser Ferdinands nach Kärnten im Jahre 1838 schaffte die Herrschaft Fedraun eine schwarzgelbe Fahne an, die feierlich angesteckt wurde. Grund für diese kaiserliche Reise war die 1. innerösterreichische Industrieausstellung im Landhaus zu Klagenfurt.

Noch festlicher ging es im Kanaltal zu, als Kaiser Ferdinand I. auf der Rückreise von Laibach im September 1844 das Kanaltal besuchte. Schon an der Landesgrenze zu Pontafel war eine Ehrenpforte errichtet und die Glocken läuteten, als um 15 Uhr das kaiserliche Paar durch diese Kärntner Boden betrat. Der Kaiser hielt seine Mittagstafel in Pontafel, an der auch die Erzherzöge Johann und Rainer teilnahmen, die ihm bis hierher entgegengekommen waren. Obwohl es am Nachmittag regnete, ließ sich der Kaiser von einem Spaziergang nicht abhalten. Am Abend war der Ort dann festlich illuminiert.

Als der Kaiser am nächsten Tag durch Malborghet kam, verweilte er an dem Ort, wo der heldenhafte Hauptmann Hensel mit seinen Kameraden für Österreich gefallen war. Damit im Zusammenhang steht die nachfolgende Errichtung eines Heldendenkmals, die auf kaiserliche Initiative zurückgeht. Auch Tarvis war festlich geschmückt, wie überhaupt alle Ortschaften des Kanaltals Ehrenpforten errichtet hatten und der geistliche und weltliche Vorstand sich versammelt hatte, um den hohen Gast willkommen zu heißen.

Schon einige Jahre vorher, 1840 war Anton Ernst von Canal in den Adelsstand erhoben worden.

Das Kanaltal im Jahr 1848

Im Zusammenhang mit den revolutionären Ereignissen des Jahres 1848 tritt die strategische Bedeutung des Kanaltals erneut zutage. Nachdem sich die revolutionäre Bewegung, von Mailand ausgehend, in allen großen Städten des lombardo-venezianischen Königreichs ausbreitete, machten Freischärler auch die Grenze zwischen Kärnten und Friaul unsicher.

An der scharf ausgebildeten Nationalitätengrenze Pontafel - Pontebba war man schon bald in Alarmbereitschaft versetzt. Es dürfte jedenfalls nicht grundlos gewesen sein, dass der Bezirkskommissar von Tarvis am 24. März 1848, dem Tag der Deklaration der Republik von Venedig, das Kreisamt Villach um militärische Hilfe bat. Dieses leitete seinen Appell an das Gubernium Laibach weiter, dass sich außerstande sah, der Aufforderung nachzukommen und den Bittsteller an das Militärkommando Klagenfurt verwies. Im übrigen empfahl man, Selbsthilfe „umsichtig in Wirksamkeit zu bringen“.

Daraufhin wurde ein Kommissar des Kreisamts Villach in das Kanaltal geschickt, der in Pontafel und Leopoldskirchen eine 150 Mann starke Sicherheitswache unter dem Kommando des Postmeisters organisierte, die die Landesgrenze durch Patrouillen bewachen sollte. Derselbe Kommissar suchte auch den Podesta von Pontebba auf und forderte ihn auf, Störungen von etwaigen Insurgenten zu unterbinden.

Am 8. April 1848 ersuchte das Verzehrsteueramt von Pontafel dringend um zwei Kompanien, die die Grenze besetzen sollten. Am 10. April 1848 sah sich die Sicherheitswache von Pontafel auf verlorenen Posten gegenüber der bewaffneten Übermacht des italienischen Nachbarortes. In dem Bericht des Verzehrsteueramtes an das Kreisamt Villach ist die Rede davon, dass die Aufständischen in voller Rüstung samt Trikolore nach Pontafel marschierten, wo sie sich äußerst anmaßend benahmen. Dafür durfte sich kein Pontafler mehr über die Grenzbrücke wagen. Man hoffte dringend auf die Absendung einer Truppenformation.

Darüber hinaus war die Stimmung im Kanaltal durch Gerüchte gedämpft. Man erzählte sich nämlich, dass die österreichische Armee in Italien geschlagen worden sei, was zusammen mit der ausbleibenden Unterstützung die italienischen Aufständischen noch frecher werden ließ.

Wie sah es nun wirklich mit einer möglichen Truppenunterstützung aus?

Das Hausregiment Kärntens, das Regiment Prohaska (später Khevenhüller) war im benachbarten Italien bereits stark engagiert. Der befehlshabende Major Diez hatte bereits am 9. April 1848 Ordre erhalten, zur Division nach Villach zu gehen um sich dort bereit zu halten. Diese Meldung hielt Major Diez für einen Irrtum und fragte nochmals an. Durch die Verzögerung der Bestätigung des Befehls verließ der Major erst am 14. April 1848 abends Klagenfurt und erreichte am nächsten Tag die ihm zugewiesene Division unter Hauptmann Wolf. Dieser hatte in der Zwischenzeit bereits zwei Kompanien unter Hauptmann von Leitner nach Raibl beordert, um die Verbindung ins Dognatal zu sperren. Major Diez folgte mit der 3. und 4. Kompanie, mit der er am 16. April 1848 Tarvis erreichte, wo er auf Oberst Gorizutti vom Hauptquartier des Feldzugmeisters Nugent stieß, der ihn als Brigadier empfing.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Aufständischen Pontebbas bereits bemächtigt und Flüchtlinge aus Pontafel baten dringend um Hilfe. Daraufhin wurde Hauptmann von Leitner von Raibl nach Malborghet beordert und Patrouillen Richtung Pontafel ausgesandt. Der Standort des Bataillons blieb aber weiter Malborghet. Der Berichterstatter erklärt das mit der vermeintlichen Übermacht der Aufständischen in Pontebba, die allerdings bloß 2.000 Mann gewesen sein sollen.

Um den gegnerischen Rebellen auch kräftemäßig gewachsen zu sein, wurden jedenfalls je ein Bataillon des Regiments Hohenlohe beziehungsweise Kinsky mobilisiert.

Die Gailtaler Schützen ließen sich durch die Übermacht nicht schrecken und trafen, wie vom Bezirkskommissar des Nachbarbezirkes Hermagor befohlen, als erste in Pontafel ein. Am 19. April 1848 nach Mitternacht passierte das von Malborghet kommende Landwehrbataillon Leopoldskirchen. Als sich das Bataillon Pontafel näherte, bemerkte man, dass die umliegenden Anhöhen von Aufständischen besetzt waren, die eine Fahne schwenkten und mit Böllern schossen, die sie mit Eisenstücken geladen hatten.

Die eintreffenden Kompanien vereinigten sich nun mit den Gailtaler Schützen und man versuchte sofort, die Brücke nach Friaul zu passieren. Dies wurde allerdings durch dichtes Gewehrfeuer unmöglich gemacht. Ein Leutnant wurde daraufhin als Unterhändler bestimmt, aber nachdem dieser unvermutet beschossen wurde, war man für den Augenblick ratlos.

Schließlich ging man daran, die Pontebba gegenüberliegende Häuserfront systematisch zu besetzen und konnte nunmehr die Situation besser beurteilen. Die Italiener hatten die Passage über die Brücke durch eine Barrikade gesperrt und sich in den gemauerten Häusern verschanzt. Dort waren die Fenster verrammelt und mit Schießscharten versehen worden. Hinter der Barrikade standen zwei Gruppen von je 20 Mann, die von einem Offizier mit gezogenem Degen befehligt wurden. Außerdem war die Insurgenten gerade damit beschäftigt, eine Mine unter der steinernen Brücke anzulegen, um den Durchmarsch von Truppen von Kärnten nach dem aufständischen Venetien für längere Zeit zu blockieren.

Nachdem die Kärntner Truppen ihre Posten bezogen hatten und die beobachteten Vorgange gemeldet worden waren, wurde wieder Befehl zum Feuern gegeben. Nun schien sich das Gefecht zugunsten der Österreicher zu entwickeln, denn Hauptmann von Leitner war bereits mit Hilfe von Leitern in das gegenüber der Brücke liegendes Finanzhaus von Pontebba eingedrungen, als zum Erstaunen aller der eben angekommene Oberst Gorizutti Befehl zum Feuereinstellen gab.

Als er sich Selbst der Brücke näherte, wurde er von einem Schuss niedergestreckt und schwer verletzt. Durch diesen Vorfall erbittert, wurde daraufhin das Feuer mit erneuter Heftigkeit eröffnet.

Franziszi meint, der Feuereinstellungsbefehl von Oberst Gorizutti wäre aus der Einsicht heraus gegeben worden, dass die Eroberung des Übergangs bei Pontebba mit zu großen Verlusten hätte erkämpft werden müssen.

Um 17 Uhr desselben 19. April 1848 versuchte eine Abteilung Erzherzog Karl-Ulanen die Brücke zu erstürmen, hatte aber kaum zur Attacke angesetzt, als sie schon zwei Pferde verloren hatte. Auch dieser Angriff scheiterte. Eine Stunde später, um 18 Uhr, traf Oberstleutnant Tomaselli mit einem Bataillon Hrabivsky ein. Aber obwohl das Feuer noch die ganze Nacht andauerte, stelle sich kein Erfolg mehr ein.

Den entscheidenden Vorteil brachte den Aufständischen der Besitz des Campanile von Pontebba , der die offenen Gassen von Pontafel beherrschte. Dadurch konnte in aller Gemütsruhe das ganze Terrain vom Feind ins Visier genommen werden. Sosehr sich auch die Gailtaler Schützen Mühe gaben, die Besatzung dieses Turms unschädlich zu machen, sie scheiterten. Abhilfe konnte hier nur der Einsatz von Artillerie bringen. Major Diez war klar, dass so schnell wie möglich Kanonen herbeigeschafft werden mussten. Ein entsprechendes Schreiben erreichte den Kommandanten der Kärntner Nationalgarde, Baron Eugen Dickmann, und dieser machte dem Kompaniehauptmann Baron Longo davon Mitteilung, welcher die glorreiche Idee hatte, die sechs Kanonen  die den Ständen Kärntens von Kaiser Franz nach der Befreiung von den Franzosen geschenkt worden waren, für diesen Zweck zu mobilisieren.

Franziszis Version, der sich auch Wutte anschließt, besagt, dass es der 22jährige Leopold von Moro gewesen war, dem am Gründonnerstag, dem 20. April 1848, der rettende Gedanke gekommen sei.

Da die Kanonen nur noch bei festlichen Gelegenheiten für Salutschüsse eingesetzt worden waren, schien bis dahin niemand auf den Gedanken gekommen sein, die Geschütze auch für den Ernstfall zu verwenden. Etwaige Zweifel über deren Einsatzfähigkeit wurden bei drei der sechs Kanonen durch einen militärischen Fachmann ausgeräumt.

Die notwendige Munition wurde rasch durch Graf Alfred Christalnigg zu gießen veranlasst. Die Bedienung der drei tauglichen Kanonen übernahmen Kanoniere der versprengten Garnison der Artillerie von Palmanova, beziehungsweise Osoppo. Auch die nötigen Pferde waren bald aufgetrieben und so stand dem Einsatz der altehrwürdigen Kanonen nichts mehr im Wege. Am Ostersonntag, dem 23. April 1848 um 14 Uhr, zogen die bespannten Kanonen Richtung italienische Grenze ab.

Schon am 20. April 1848, als der Hilferuf aus Pontafel eingelangt war, war eine Freiwilligenschar von 30 jungen Männern aus den besten Familien ins Kanaltal geeilt. Dass nicht mehr zusammenkamen, war wohl auf die kurze Frist und auf die Bestimmung zurückzuführen, dass jeder Freiwillige Ausrüstung und Unterhalt selbst beizusteuern hatte. Ein größeres Freiwilligenkontingent folgte dann am Ostermontag.

Die Kolonne mit der so sehnlich erwarteten artilleristischen Unterstützung langte noch am Ostersonntag um 23 Uhr in Tarvis ein. Am Ostermontag 4 Uhr früh erreichte die Gruppe Pontafel.

In der Zwischenzeit war in Pontafel die Lage weiterhin unentschieden. Der Schusswechsel hatte Gründonnerstag über, dem 20. April 1848, weiter angedauert, doch ohne irgendwelche Veränderungen zu bewirken. Die Gailtaler Schützen bemühten sich weiterhin ergebnislos, die Besatzung des Pontafel beherrschenden Campanile zu vertreiben, jedoch ergebnislos.

Um die Flanken zu sichern, ging eine Kompanie Hohenlohe die Berghöhen südlich von Pontafel hinauf und von Soldaten des Bataillons Hrabovsky und Kinsky wurden Patrouillen nördlich des Fellabaches geführt.

Am folgenden Tag, dem 21. April 1848, wurde das Landwehrbataillon Prohaska in seiner Stellung von den Einheiten Hohenlohe und Hrabovsky abgelöst. Im übrigen wurde das Hin- und Herschießen fortgesetzt, wobei auffiel, dass das Feuer der italienischen Aufständischen schwächer zu werden begann und mit Steinen, Nägeln und Kaffeebohnen geschossen wurde, die sie infolge von Munitionsmangel verwendeten.

Die Ereignisse des 23. April 1848, an dem Feldzeugmeister Nugent Udine besetzte und damit die. Pontafler Straße vom Süden zu bedrohen begann, hatte ihre Folgen auch für die Kämpfenden von Pontebba. Diese, in der Nacht davon benachrichtigt, entflohen zu einem großen Teil ins Gebirge.

Laut Hermann setzten sich diese Aufständischen hauptsächlich aus Freischärlern zusammen, die von italienischen Adeligen mit einem täglichen Sold von zwei venezianischen Lire angelockt worden waren. Dazu kamen noch Soldaten vom übergetretenen Regiment Zanini. Was die Einwohner des benachbarten Carnien selbst betrifft, so sollen jene keine Absicht gehabt haben, gegen Kärnten offensiv vorzugehen.

Im Bericht von Ignaz Mayer wird der Ablauf der Ereignisse so dargestellt, als ob die Kunde der Rückeroberung Udines auch den Kampf um Pontafel bereits entschieden hätte.

Jedenfalls kamen die in Pontafel eingelangten Geschütze sofort zum Einsatz - mit dem gewünschten Erfolg: Niemand erwiderte das Feuer und es zeigte sich eine weiße Fahne am Turm. Diesen Erfolg „schrieb man sich und den Geschützen zu“, ohne zu wissen, woher er wirklich kam.

In anderen Berichten wird die positive Wendung tatsächlich auf den artilleristischen Einsatz zurückgeführt.

Nach denselben Berichten wären die Aufständischen erst in der Nacht des 24./25. April 1848 in die Berge geflohen. Jedenfalls wurde Pontebba erst am 25. April 1848 um 11 Uhr vormittags, von den österreichischen Truppen besetzt, gerade als die 2.000 Freiwilligen, die am Ostermontag, den 24. April 1848, von Klagenfurt abmarschiert waren, in Pontafel eintrafen.

Mayer zufolge soll Pontebba bis auf einen deutschen Müllerjungen vollkommen entvölkert gewesen sein.

Andererseits berichtet Wutte, dass die aufständischen Bauern entwaffnet und 50 Freischärler sowie 15 „Amazonen“ gefangen genommen wurden.

Die Freiwilligen die zum entscheidenden Durchbruch in Pontebba zu spät gekommen waren, trieben die Aufständischen noch bis Tolmezzo zurück und organisierten den Grenzdienst im Oberen Gailtal. Am 30. April 1848 kehrten sie nach Arnoldstein und einige Tage später nach Klagenfurt zurück. Sie hatten ihre Aufgabe soweit als möglich erfüllt und er hielten ehrenvolle Dank- und Anerkennungsschreiben.

1850 - 1900

Kanaltal: Die Zeit von 1848 bis zum Ersten Weltkrieg

Verwaltungsgeschichte

Durch die Einführung der konstitutionellen Monarchie 1848 sollten sich die Ortsgemeinden bis zu einem gewissen Grade selbst verwalten. „Die Grundfeste des freien Staates ist die freie Gemeinde“ (Reichsgesetzblatt Nr. 170 / 1849).

Daraufhin konstituierten sich zunächst im Rahmen der beiden Kreisämter Kärntens die politischen Bezirke, die aus mehreren Gerichtsbezirken und diese wieder aus den Ortsgemeinden bestehen sollten. Das Kanaltal zählte zur Bezirkshauptmannschaft Hermagor, einem der sechs Bezirke, die sich 1849 in Kärnten bildeten.

Der Gerichtsbezirk Tarvis, der das Kanaltal umfasste, besaß aber viel bessere Verkehrsverbindungen nach Villach als nach Hermagor und strebte daher eine Eingliederung in diese Bezirkshauptmannschaft an. Diese erste praxisfremde Einteilung ging auf Anweisung der Wiener Zentralstellen zurück, die möglichst gleich große politische Bezirke wünschten.

Als dann 1854 die Bezirkshauptmannschaften vorübergehend aufgelöst wurden und erst 1868 wieder eingeführt wurden, wurde der Gerichtsbezirk Tarvis der Bezirkshauptmannschaft Villach eingegliedert.

Die Ortsgemeinden, die auf der Zusammenfassung der Katastralgemeinden von 1785 basierten, waren in ihrer Bildung 1850 bereits abgeschlossen. Die Zusammensetzung der Ortsgemeinden wird nach dem Ortsrepertorium von 1910 im folgenden zusammengefasst wiedergegeben.

Ortsgemeinde Pontafel (slow. Pontabelj; friul. Ponteibe; 1324 Poltabia; ital. Pontebba)

Die Ortsgemeinde Pontafel bestand aus dem Dorf Pontafel, „zerstreuten Häusern“ im Confingraben und der Rette Gamischen.

Ortsgemeinde Leopoldskirchen (Lipalja Ves):

bestehend aus dem Dorf Leopoldskirchen.

Ortsgemeinde Malborghet (slow. Naborjet; friul. Malburghèt; 1368 Buonborghetto, ital. Malborghetto):

bestehend aus dem Markt Malborghet, der Rotte Gugg, den „zerstreuten Häusern“ am Tschalawai, ferner der Rotte Haslach und dem Dorf St. Kathrein, sowie der Gemeinde Lußnitz.

Ortsgemeinde Uggowitz (slow. Ukva):

bestehend aus dem Dorf Uggowitz und dem Dorf Wolfsbach (Vučja Ves).

Ortsgemeinde Saifnitz (slow. Žabnice):

bestehend aus dem Dorf Saifnitz, der Rotte Čeztraviša, der Rotte Kasarenca, der Rotte Kreuth (Rute), der Rotte am Luschariberg (Višarje), der Rotte Robas und den Rotten Sedelca und Zamline. Auch die Luscharialpe zählte zum Gebiet dieser Ortsgemeinde.

Ortsgemeinde Tarvis (slow. Trbiž, Trabiž; friu. Tàrvis; 1066 Tarvisia; ital. Tarvisio)

umfassend die Marktgemeinde Tarvis, ab 1909 Stadt Tarvis, mit den Ortsteilen Ober-Tarvis und Unter-Tarvis, der Rotte Flitschl samt dem Weiler Kaltwasser, sowie den Rotten Ober-Goggau und Unter-Goggau, dem Dorf Greuth, der Rotte Grünwald, der Rotte Überwasser und der Rotte Weißenbach. Auch die Speikalpe zählte zum Gebiet dieser Ortsgemeinde, weiteres das Dorf Raibl, die Rotte Mauth, identisch mit Außerraibl und die Rotte Briesnig.

Ortsgemeinde Weißenfels:

umfassend den Markt Weißenfels (Bela Peč) mit den Ortsteilen Ober-, Unter- und Mitter-Weißenfels, das Dorf Aichelten, das Dorf Hinterschloß (Zagrad), das Dorf Nesselthal (Keprivnak), sowie das Dorf Stückel (Pod Klancem). Dieser Ort lag in Krain, Gerichtsbezirk Kronau (Kranjska Gora), Bezirkshauptmannschaft Radmannsdorf (Radovljica).

Der Kärntner Landtag bemühte sich, die Gemeinde Weißenfels gegen die südlich des Karawankenkammes gelegene Kärntner Gemeinde Seeland einzutauschen. Der Krainer Landtag lehnte dies jedoch ab.

Bevölkerungsentwicklung

Von 1857 bis 1910 stieg die Bevölkerung des Kanaltals weiter an und zwar von 5.939 auf 7.064, was einem Bevölkerungszuwachs von 19 % entspricht. Die Zahlen im einzelnen betragen:

Einwohnerzahl:

1857

1910

%

Malborghet

1.089

922

- 15,3

Tarvis

1.481

2.578

+ 74

Übrige Ortsgemeinden

3.359

3.564

+ 6,1

 

Das heißt, dass der Bevölkerungszuwachs des Gebiets hauptsächlich auf das Gebiet des zur Stadt erhobenen Marktes Tarvis konzentriert war.

Der durchschnittliche Zuwachs von 19 % der Bevölkerung des Kanaltals steht einem durchschnittlichen Zuwachs von 22.3 % in Oberkärnten gegenüber. Damit fällt die Bevölkerungszunahme des Gerichtsbezirks Tarvis vergleichsweise etwas ab. Den Zuwachs bei den einzelnen Ortsgemeinden schlüsselt Moro wie folgt auf:

 

Einwohnerzahl:

1857

1857-69 %

1870-80 %

1881-90 %

1891-00 %

1901-10 %

Pontafel

495

+ 5,45

+ 31,03

+ 7,31

+ 9,54

+ 14,05

Leopolds-kirchen

414

- 13,04

+ 11,11

- 12,75

- 5,16

+ 10,88

Malborghet

723

- 1,52

+ 25,56

- 13,87

- 0,91

+ 2,36

Uggowitz

1.110

- 12,07

+ 4,82

- 3,71

- 8,52

- 6,53

Saifnitz

984

- 5,93

- 1,93

- 5,91

- 0,35

- 1,4

Tarvis

2.203

+ 9,49

+ 22,43

+ 6,57

+ 15,67

+ 7,53

 

Die letzte Volkszählung vor dem Ersten Weltkrieg ergab folgende Zahlen für 1910:

 

1910

Einwohner

Pontafel

917

Leopoldskirchen

367

Malborghet

781

Uggowitz

844

Saifnitz

844

Tarvis St

3.914

Summe

7.667

 

Dieses Zahlenmaterial soll andeutungsweise mit den wirtschaftlichen Veränderungen des Gebiets in Verbindung gebracht werden. Als die wichtigen Teilabschnitte der Kronprinz-Rudolph-Bahn, die die Verkehrsverbindung zwischen Wien und Triest entscheidend verbesserten, fertiggestellt worden waren, bekam das Kanaltal die Auswirkungen davon bald zu spüren. (1873 Abschnitt Villach-Tarvis, 1879 Abschnitt Tarvis-Pontafel fertig gestellt).

War es im allgemeinen so, dass Gebiete, die an Bahnlinien lagen, davon wirtschaftlich profitierten und an Bevölkerung zunahmen, so stellte sich im Kanaltal der gegenteilige Effekt ein. Das vormals rege Fuhrwesen im Kanaltal kam nämlich dadurch endgültig zum Erliegen. Auch die mit dem Bahnbau verbundene touristische Erschließung des Gebiets, die schon bis zum Ersten Weltkrieg eine beträchtlichen Fremdenverkehrsaufschwung nach sich zog, konnte den wirtschaftlichen Niedergang des Tals nur unwesentlich mildern.

Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass das Kanaltal durch das Verschwinden der Hammerwerke, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit den großen Eisenindustrien nicht konkurrieren konnten, schwer getroffen worden war. Hier ist vor allem Malborghet zu erwähnen, das das eisenverarbeitende Zentrum des Tales gewesen war. Nicht nur hier trachtete man, für die zugrundegehenden kleinen eisenverarbeitenden Betriebe durch Holzhandel und Holzverarbeitung Ersatz zu schaffen.

In diesem Zusammenhang soll auch die Drechslerschule, die auf Initiative Marie von Plazers 1892 entstand, erwähnt werden.

Die unruhige Bevölkerungsentwicklung des Marktes Malborghet wird darüber hinaus noch durch die Arbeiten an der Eisenbahn durch das Kanaltal und durch Errichtung und Vergrößerung der Garnison in Fort Hensel bewirkt.

Die Lage Pontafels an der Staatsgrenze scheint günstige Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung gehabt zu haben. Sie hat durch alle Jahrzehnte hindurch Zuwachsquoten aufzuweisen, die stärkste in den siebziger Jahren mit +31 %.

Im übrigen profitierten in diesem Jahrzehnt alle Gemeinden des Kanaltals von den Arbeiten für den Bahnbau, mit Ausnahme von Saifnitz dass durchgehend Bevölkerungseinbußen aufweist. Tarvis hingegen wächst ständig. Zu Tarvis zählte allerdings auch der große Bergwerksort Raibl, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ebenfalls stark angewachsen war.

Was die Zusammensetzung der Bevölkerung des Kanaltals nach Nationalitäten betrifft, liegen uns nach 1848 detailliertere Zahlenangaben vor. Sie geben im Wesentlichen kein anderes Bild als das Hermanns von 1844.

Grundsätzlich stellt sich die ethnische Situation nach Wutte wie folgt dar: Da sich das Kanaltal südlich des von Wutte angenommenen geschlossenen deutschsprachigen Gebiets befindet, werden von ihm die deutschsprachigen Orte Pontafel und Malborghet als Sprachinseln aufgefasst. Das zusammenhängende größere Gebiet von Tarvis und Weißenfels ist nicht so deutlich vom nördlich liegenden deutsch-kärntner Sprachraum abgetrennt. Das hat seine Ursache in dem stark veränderlich erscheinenden deutschsprachigen Anteil der Gemeinde Arnoldstein, die das Kanaltal nördlich begrenzt.

Die Prozentanteile der Bevölkerung mit deutscher Umgangssprache betrugen in Arnoldstein:

1880

60 %

1890

39 %

1900

46 %

 

Zu solch starken Schwankungen meint Wutte, dass sie nur in einem „Wechsel der Parteiverhältnisse“ zu finden wären. Dieses Beispiel illustriert ausgezeichnet die Problematik noch so sorgfältig durchgeführter Spracherhebungen in der Bevölkerung.

Paschinger lehnt es ab, im Kanaltal sowohl deutsche als auch slowenische Sprachinseln festzustellen, „da der unmittelbare Zusammenhang mit den Volksgenossen nur durch unbewohnte Flächen, nicht durch anderes Volkstum unterbrechen“ sei.

In einem anderen Zusammenhang spricht er von zwei slowenischen Querstreifen (Nord - Süd), die sich vom Weideland der karnischen Höhen bis zur Saisera, beziehungsweise bis zur Leopoldskirchner Alm erstrecken.

Für die Lage ,im die Mitte des 19. Jahrhunderts überliefert uns Carl Czörnig in seiner „Ethnographie der österreichischen Monarchie“, 1. Band, entsprechende Zahlen:

Gemeinde

Deutsche

Slowenen

Wohn-bevölkerung

 

%

 

 

 

Pontafel

520

 

0

 

520

Leopoldskirchen

0

 

419

 

419

Malborghet

648

86.64

100

13,36

748

Uggowitz

0

 

1.181

 

1.181

Saifnitz

0

 

958

 

958

Insgesamt

3.181

51,82

2.958

48,18

6.139

 

Die Veränderungen im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ergeben nach den Volkszählungen 1880, 1890 und 1900 folgendes Bild für die Deutschen und Slowenen in Prozentanteilen:

Gemeinde

1880 in %

1890 in %

1900 in %

Dt.

Sl.

Dt.

Sl.

Dt

Sl.

Pontafel

100

0

98

2

98

2

Leopols-kirchen

5

95

2

98

5

95

Malborghet

92

8

99

1

93

7

Uggowitz

2

98

99

1

93

7

Saifnitz

4

96

6

94

19

81

Tarvis St.

95

5

94

6

93

7

Insgesamt

63

37

64

36

70

30

 

Die letzte Volkszählung vor dem Ersten Weltkrieg, die Volkszählung von 1910, ergibt folgende Nationalitätenanteile in Prozenten:

 

Gemeinde

Deutsche(%)

Slowenen(%)

Italiener(%)

Pontafel

88

1,85

1,09

Leopoldskirchen

13,07

83,92

0

Malborghet

88,98

5,12

0

Uggowitz

29,26

70,02

0

Saifnitz

40,87

58,29

0

Tarvis

88,91

2,37

0

Insgesamt

76

20,90

0,13

 

Die fehlenden Prozentanteile ergeben sich laut Paschinger durch Nationen des alten Österreich (Militärpersonal), die in diesem Gebiet stationiert waren.

Die Zahlenwerte, die Czörnigs Ethnegraphie entnommen sind, werden von Wutte mit der Anmerkung „ungenau“ versehen. Im Grund genommen dürften sie für eine exakte Darstellung der Trendentwicklung nicht herangezogen werden, dennoch sind sie hier aus Interesse wiedergegeben worden.

Die vielen anderen Hinweise auf die Bevölkerungszusammensetzung Oberkärntens, sowie speziell des Kanaltale, werden von Wutte genau aufgezählt und in einer Schrift des Jahres 1919, die in Laibach in französischer Sprache gedruckt wurde, erweitert wiederholt. Sie alle können keine Grundlage für eine ernstzunehmende wissenschaftliche Erläuterung über Veränderungen in der Bevölkerungszusammensetzung bilden.

Die Entwicklung 1880 bis 1910 zeigt eine Zunahme der deutschsprachigen Bevölkerungsanteile von 63 % des Jahres 1880 auf 64 % für 1890, auf 70 % des Jahres 1900 und schließlich bis auf 76 % im Jahre 1910.

Die wirtschaftlich stärkeren deutschsprachigen Kärntner dürften auch im Kanaltal slowenische Bevölkerungsanteile assimiliert haben.

Verkehrsgeschichte

Der Anschluss des Kanaltals an das Eisenbahnnetz der österreichisch-ungarischen Monarchie.

Verkehrspolitisch gesehen hatte das Kronland Kärnten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Verschlechterung der Verhältnisse erfahren. Hatte schon im vergangenen 18. Jahrhundert der Niedergang Venedigs eine starke Verminderung des Verkehrsflusses von Villach nach Italien bewirkt, so setzte sich im Vormärz durch die Anlage der ersten Eisenbahnen diese Tendenz fort.

Schon die Gmunden - Budweis-Bahn hatte, wie oben erwähnt, deutlich werden lassen, welche Veränderungen eine neu erbaute Bahn für den Handelsverkehr bringen konnte.

Waren die Folgen bei dieser Bahn für Villach und das Kanaltal positive, so galt für die etappenweise in Betrieb genommene Südbahn das Gegenteil. 1848 war der Betrieb bis Gloggnitz aufgenommen, 1857 die Verbindung zwischen Wien und Triest durchgehend befahrbar.

Kärnten hatte also, im Gegensatz zur Steiermark, den Anschluss an das Eisenbahnzeitalter zunächst verpasst.

Erste Anzeichen zu einer Umkehr kann man in den Bemühungen der Kärntner Stände sehen, die 1843 in Wien vergeblich versucht hatten, Klagenfurt  mit einer Seitenbahn an die südliche Staatsbahn (Wien - Triest)anzuschließen.

Ein Jahr später (1844) einigte sich bereits die Mehrheit der Landstände darauf, eine Kärntner Bahnlinie mit Tunnel durch den Loibl sowie Anschluss an die Südbahn in Laibach anzustreben - diesen Weg nahm damals ein Großteil des Kärntner Handelsverkehrs nach Triest. Auf staatliche Unterstützung konnten solche Projekte infolge der Bindung der staatlichen Mittel an die Fertigstellung der Südbahn nicht rechnen. Für Privatbahnen war die wirtschaftliche Lage aber ungünstig.

Erst das geänderte Konzessionsgesetz vom Jahre 1854 brachte eine prinzipielle Erleichterung. Nun konnten Privatinitiativen auf Begünstigungen bei einer Baubewerbung zählen. In dem im selben Jahr veröffentlichten „Eisenbahnnetz für den österreichischen Kaiserstaat“ waren die Linien Marburg - Villach und Villach - Udine schon enthalten.

In weiterer Folge gelang es dann der Kärntner Handels- und Gewerbekammer, sowie dem Kärntner Landtag entsprechende „Comitées“ zu bilden. Auch das nötige Kapital für das Verantreiben der Kärntner Bahnprojekte wurde aufgebracht.

Nicht geklärt war allerdings noch die Frage, welche Linien gebaut werden sollten. Als die Terrainuntersuchungen 1856 begannen, untersuchte man Streckenführungen von Marburg, Cilli oder Pöltschach nach Villach, sowie von dort nach Udine. Der Anschlussort an die Südbahn war nach einiger Zeit in Marburg gefunden. Für den südlichen Zweig blieben weiterhin mehrere Möglichkeiten offen. Das Finanzministerium setzte sich für eine Verbindung über den Wurzenpass nach Laibach ein, Triest wollte eine Predilbahn forcieren und auch die traditionelle Route nach Italien durch das Kanaltal war weiterhin aktuell. Um dieser ungeklärten Frage auszuweichen, wurde in der Konzessionsurkunde vom Jahr 1857 keine konkrete Formulierung der Linienführung für die südliche Strecke hineingenommen.

1857 erfolgte der erste Spatenstich in Klagenfurt für den Bahnabschnitt Klagenfurt - Marburg und nach vielen Schwierigkeiten wurde diese Strecke am 31. Mai 1863 eröffnet. Damit war eine Bahnverbindung Wirklichkeit geworden, die 1851 bei einer Abstimmung des provisorischen Landtagsausschusses bloß ein Viertel der Stimmen erhalten hatte. Drei Viertel der hatten damals noch eine Eisenbahn von Bruck an der Mur nach Udine für wichtiger gehalten. Trotz dieser eindeutigen Meinungsäußerung wurde dieses Projekt damals nicht weiterverfolgte

Als nun 1864 die Verbindung zur Südbahn hergestellt war - und auch Villach mit Klagenfurt und Marburg durch eine Eisenbahn verbunden worden war, - war eine neue Situation entstanden. Hatten die kriegerischen Ereignisse des Jahres 1848 in Oberitalien die bahntechnische Erschließung dieser Gebiete noch nicht als absolut dringend erscheinen lassen, so war die Lage nach dem Krieg des Jahres 1859 schon viel prekärer geworden. Der Truppenaufmarsch im Frühjahr 1859 gelang den feindlichen Verbündeten (Frankreich und Sardinien-Piemont) dank ihres gut ausgebauten Bahnnetzes wesentlich schneller als den Österreichern. Besonders störend wirkte sich dabei aus, dass zwischen der Südbahn Hauptstrecke Wien - Graz- Marburg - Laibach - Triest und der oberitalienischen Bahn Verona - Venedig - Casarsa noch eine Lücke zu schließen war. Andererseits zeigte sich deutlich der Vorteil des bereits existierenden Bahnnetzes.

Eine Eisenbahnverbindung von Villach nach Oberitalien musste daher schon aus militärischen Erwägungen heraus zügig in Angriff genommen werden. Bei einer weiteren kriegerischen Auseinandersetzung im damals noch österreichischen Venetien musste für den raschen Aufmarsch der Truppen und das Heranführen von Verstärkungen und Nachschub einer derartigen Eisenbahnlinie hervorragende Bedeutung zukommen. Die wichtigsten Lücken wurden schon 1860 durch das fehlende Verbindungsstück Casarsa - Nabresina geschlossene Damit konnte man von Wien über Triest nach Venedig und Verona mit der Eisenbahn gelangen. Außerdem war damit Udine in das österreichische Eisenbahnnetz eingebunden worden.

Die noch fehlenden 110 km zwischen Villach und Udine wurden deshalb in der 1864 vom Handelsministerium veröffentlichten Denkschrift für die erste Ausbauphase vorgesehen. Diese Denkschrift zielte darauf ab, einerseits gesunkenen Unternehmungsgeist von Privatfinanciers zu ermuntern und andererseits den in Rückstand geratenen Ausbau des österreichischen Eisenbahnnetzes zu forcieren. Der 15 Meilen lange Abschnitt von Villach nach Udine wurde mit 12 Millionen fl. Anlagekosten veranschlagt und sollte nach Möglichkeit in den nächsten zwei, spätestens aber in den nächsten drei Jahren gebaut werden. Allerdings nahm die Bahn Villach - Udine in der nach Dringlichkeit geordneten Liste bloß die 13. Stelle von insgesamt 16 Projekten ein. Leider verhallte dieser Appell an das Privatkapital aber größtenteils ungehört, sodass aus dieser Richtung kein Vorantreiben des Projektes zu erhoffen war.

Nun entwickelte der Verkehrsreferent des Landesausschüsse von Kärnten eine Initiative, indem er die Landesausschüsse von Oberösterreich und Steiermark zur Zusammenarbeit aufrief, beziehungsweise die Handelskammern von Triest und Udine für den Bahnbau zu interessieren trachtete. Die Trassenprojektierung wurde von den drei Handelskammern Triest, Udine und Klagenfurt im selben Jahr (1864) noch zum Abschluss gebracht, während Vorarbeiten für eine Weiterführung der Strecke bis nach Leoben schon eingeleitet werden waren. So Leodegar Canaval in seinem Schreiben vom 6.9.1864 an die Landesausschüsse von Oberösterreich und Steiermark.

Damit war der Plan gefasst, dem schrägen Durchgang, der eine lange Tradition als wichtigste Verbindung von Wien nach Italien besaß, zu einer Bahnlinie zu verhelfen. Die Genehmigung für die technischen Vorarbeiten für die Strecke Tarvis - Villach - Leoben erhielt die Handelskammer von Kärnten relativ schnell, nämlich schon am 28. November 1864.

Ansonsten aber verging länger. Zeit, ohne dass  tatsächlich Fortschritte erzielt werden konnten. Immerhin räumte Kaiser Franz Joseph dieser Bahn „für den eventuellen Fall ihres Zustandekommens“ das Recht ein, sich Kronprinz Rudolph-Bahn zu nennen. Die Trassenvermessung und die Berechnung der Kunstbauten waren bis Juli 1865 abgeschlossen.

Als am 11. November 1866 Franz Joseph dem Zentralkomitee der Kronprinz – Rudolph - Bahn das feierliche Patent der Konzession erteilte, erscheint als Hauptstrecke St. Valentin - Hieflau - St. Michael - Villach. Die Konzessionäre werden bloß gleichzeitig verpflichtet, auf Verlangen der Staatsverwaltung unter anderem eine Bahn von Villach nach Triest mit Einschluss einer Linie von der Reichsgrenze gegen Udine zu errichten.

Zu diesem Zeitpunkt war der österreichisch-preußische Krieg schon vorüber und Venetien an Italien verlorengegangen.(Friede von Wien - 3. Oktober 1866). Hinsichtlich der Bahnlinien in Oberitalien hatten sich die Verhältnisse gebessert. Durch die Bahnlinie Wien - Triest - Verona war eine durchgehende Verbindung zum Kriegsschauplatz rechtzeitig hergestellt werden und die Verbindung von Marburg nach Villach hatte dazu „eine hochwichtige Abzweigung“ gebildet.

Jedenfalls war Venetien ab 1866 keine österreichische Provinz mehr und deshalb konnte die Kronprinz Rudolph – Bahn nicht die geplante Fortsetzung zur Adria erhalten. Diese Bahnlinie sollte nun in erster Linie eine Verbindung von der Kaiserin Elisabeth - Bahn zur Südbahn sowie zum obersteirischen und Kärntner Industriegebiet bilden.

Man hatte nun die Bahn auf einer anderen Trasse von Villach nach Triest über österreichisches Gebiet zu führen. In der ersten Bauphase war von einer Fortsetzung über Villach hinaus überhaupt nicht mehr die Rede. Nur auf Verlangen der Staatsverwaltung sollte „von Villach (nach Wahl der Staatsverwaltung) nach Triest oder einem andern Küstenpunkte mit Einschluss einer Linie bis zur Reichsgrenze in der Richtung gegen Udine“ eine Verlängerung hergestellt werden.

Auch der Kärntner Landtag brachte seine Sorgen über die vage gehaltene Formulierung einer Fortsetzung der Kronprinz Rudolph - Bahn in einer Adresse an den Kaiser zum Ausdruck.

Dann aber schritten die Bauarbeiten relativ zügig voran. Die ersten Bauabschnitte wurden im Herbst 1868 eröffnet.

Worauf es nun ankam, war, für eine Weiterführung der Bahn über Villach hinaus in das wichtige Kärntner Exportland Italien zu sorgen. Sonst konnte es passieren, dass die Bahn dazu diente, obersteirische Industrieprodukte auf billigem Transportweg nach Kärnten zu bringen, während der Weitertransport von Kärntner Produkten (Eisen, Blei, Holz) nach wie vor mittels teuren Straßentransporten zu bewältigen war.

Für die Fortsetzung der Kronprinz Rudolph - Bahn standen zunächst zwei Möglichkeiten zur Wahl. Die schwierigere Trassenführung von Villach nach Tarvis über den Predil durch das Isonzotal nach Görz und dann weiter nach Triest, sowie als zweite Möglichkeit von Villach durch das Kanaltal und Tagliamentotal nach Udine und dann über Palmanova nach Triest. Die schwierige Trasse hatte den Vorteil, dass sie ausschließlich auf österreichischem Gebiet verlief.

In Anbetracht der wirtschaftlich ungünstigen Situation des Landes Krain wollte die österreichische Regierung eine Verbindung zwischen Laibach und Tarvis herstellen und zog bei der Planung dazu den Verwaltungsrat der Kronprinz Rudolph – Bahn - Gesellschaft bei. Tatsächlich gelang es auch dieser Kärntner Bahngesellschaft trotz großer Konkurrenz die Konzession am 23. Februar 1869 zu erhalten. Der Abschnitt Tarvis - Laibach sollte innerhalb von drei Jahren vollendet sein war aber schon Ende 1870 fertiggestellt.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Gesellschaft der Kronprinz Rudolph - Bahn noch gar nicht die Konzession für die Anschlussstrecke von Tarvis nach Villach. Erst am 25. November 1871, nach vier Jahre langen Bemühungen, war auch das erreicht. Am 25. November 1873 war es schließlich möglich, die Kronprinz Rudolph - Bahn von St. Valentin (Kaiserin Elisabeth - Bahn) bis Laibach (Südbahn) über Tarvis durchgehend zu befahren.

Ungelöst war nach wie vor das Problem, wie man unabhängig von der Südbahn eine Verbindung zum adriatischen Meer herstellen sollte. Eine solche zweite Verbindung, die großen Gebieten des Westens der Monarchie den Zugang zum Hafen Triest ermöglicht hätte, wäre von größter Bedeutung gewesen. Viele technische Studien wurden dafür vorgenommen, aber die Entscheidung zu ihrer Durchführung blieb aus.

Um nicht vollständig von der Südbahn abhängig zu sein, was Transporte Richtung Italien betraf, bemühte man sich, den Anschluss an das italienische Eisenbahnnetz bei Pontebba herzustellen. Im Jahr 1875 eröffnete die „Societá Alta Italia“ die Teilstrecke Udine - Ospedaletto. Die Reststrecke bis Pontebba sollte bis Ende 1877 fertiggestellt sein.

Das fehlende Stück zwischen Tarvis und Pontafel wurde deshalb 1876 in Angriff genommen, allerdings nicht mehr von der Kronprinz Rudolph – Bahn - Gesellschaft, sondern im Rahmen des Überganges zum Staatssystem bereits auf Staatskosten. Am 11. Oktober 1879 wurde dann die Strecke Tarvis - Pontafel dem Verkehr übergeben.

Bedauerlicherweise konnte sich die österreichische und die italienische Regierung nicht auf einen gemeinsamen Grenzbahnhof einigen und so wurden zwei Grenzbahnhöfe, einer in Pontafel und einer in Pontebba gebaut.

Damit war das leidige Problem um die südliche Verlängerung der Kronprinz Rudolph - Bahn aber noch immer nicht gelöst. Erst der Bau der Verlängerung konnte dieser Bahn ihre volle Bedeutung verleihen. Nachdem der Staat aber, wie in der Konzessionsurkunde festgelegt werden war, zu keiner Verlängerung in den Süden aufgefordert hatte, blieben zunächst alle derartigen Bemühungen aus.

Inzwischen wurde die gesamte Kronprinz Rudolph - Bahn am 1. Jänner 1880 von der k.k. Staatsbahn übernommen. Auf eigene Rechnung des Staates wurde sie allerdings erst ab 28. August 1887 betrieben.

Eine zweite Verbindung zum wichtigsten Adriaseehafen der österreichisch-ungarischen Monarchie, Triest, blieb also weiterhin ein brennendes Problem, nicht zuletzt deshalb, weil die bislang einzige Verbindung dorthin im Privatbesitz der Südbahngesellschaft war. Außerdem konnte man die wirtschaftliche Zukunft Triests nur dann sichern, wenn man auch den westlichen Gebieten der Monarchie durch eine Bahnlinie den Zugang nach Triest erleichterte.

In diesem Sinne richtete die Triester Handelskammer im März 1869 eine Petition an den Kaiser, dass in Anbetracht der Eröffnung des Suezkanale im selben Jahr eine zweite Bahnlinie nach Triest dringend notwendig wäre. Auch um mit dem Seehafen Genua und Venedig, sowie mit Fiume konkurrenzfähig bleiben zu können, die alle besser an das Eisenbahnnetz angeschlossen wären.

Am 3. März 1870 wurde eine Regierungsvorlage über die Herstellung einer Predilbahn zunächst bis Görz, später bis Triest, eingebracht. Wegen des bald darauf folgenden Sessionsschlusses kam es aber nicht mehr zur Beratung darüber. Das Land Krain  und seine Handelskammer sprachen sich gegen dieses Projekt aus. Sie wollten die Verbindung nach Triest lieber von Laak aus, einer Station auf der Strecke Tarvis - Laibach erbaut haben.

Zwischen den Anhängern dieser beiden Projekte entspannen sich länger andauernde Zwistigkeiten, die in mehreren Streitschriften ihren Niederschlag fanden.

Die Triester Handelskammer, Görz und Oberkärnten waren für die Predillinie, - Unterkärnten, Oberösterreich und Böhmen, sowie Krain, aber auch der Triester Gemeinderat traten für die Laaker Linienführung ein.

Tatsächlich hatten beide Projekte Vor- und Nachteile, die Mehrheit der Fachleute sprach sich immerhin für die von Tarvis ausgehende Predilbahn aus. Bei der k.k. Generalinspektion 1871 ging die Trassenführung über den Predilpass nach eingehender Prüfung beider Möglichkeiten siegreich hervor. Deshalb konnte am 22. März 1872 wieder eine die Predilbahn betreffende Regierungsvorlage im Reichsrat eingebracht werden. Ein zu dieser Frage eingesetzter Eisenbahnausschuss war aber noch zu keinem Ergebnis gekommen, sodass im Reichsrat wieder keine Entscheidung gefällt werden konnte.

Ein anderer Sonderausschuss des Abgeordnetenhauses des Reichsrate, dem auch Militärfachleute angehörten, sprach sich gegen die Predilbahn aus. Seine Begründung war, dass die Eisenbahnlinie zu nahe der italienischen Grenze verlaufen würde. Obwohl diesem Argument großes Gewicht zukam, war aber noch immer keine endgültige Entscheidung gefallen. Deshalb forderte das Abgeordnetenhaus am 6. Mai 1874 nochmals auf, eine entsprechende Regierungsverlage einzureichen. Dazu kam es am 5. November 1874. Zu diesem dritten Entwurf sprach sich dar Eisenbahnausschuss eindeutig negativ aus, sodass die Vorlage zurückgezogen werden musste.

Bis 1887 wurde ein Teilstück der Laaker Bahnlinie, nämlich der Abschnitt Divača - Triest fertiggestellt. Was aber, selbst mit der Erklärung Kaiser Franz Josephs, die Predilbahn könne aus strategischen Gründen nicht gebaut werden, noch immer keine Lösung darstellte. Am ärgsten von diesem Verschleppen einer endgültigen Entscheidung wurde der Seehafen Triest betroffen, dessen Anteil am europäischen Warenverkehr immer mehr abnahm.

Nachdem 1897 die Grafen Hugo, Lazy und Arthur Vonckel von Donnersmarck Anteile am Raibler Bergbau erworben hatten, bemühten sie sich um eine Bahnlinie von Tarvis nach Raibl. Diese sollte vor allem für den Abtransport der Blei- und Zinnkerze dienen und als Schmalspurbahn ausgeführt werden. Die Korrespondenz zwischen den Adeligen und dem Eisenbahnministerium befindet sich unter den Landesausschussakten im Kärntner Landesarchiv. Im Zeitraum zwischen 1899 und 1902 kam es zu mehrfachen kommissionellen Begehungen der geplanten Trassenführung der Tarvis – Raibl - Bahn, die immer wieder mit Trassenrevisionen endeten. Das letzte Schriftstück ist vom 3.1.1902, in dem das k.k. Eisenbahnministerium die Aufstellung des Detailprojektes genehmigte Dabei wird nochmals an die Auflagen für die Trasse bei Kaltwasser erinnert, sowie Rücksichtnahme auf das Post- und Telegraphenaerar, sowie auf das Straßenaerar gefordert. Der Bau dieser Bahn kam jedenfalls nie zustande. Eine wesentliche Änderung der Verkehrssituation trat mit der Errichtung der Tauern-, Karawanken- und Wocheiner – Bahn ein. Das Konzept dafür war durch Gesetzentwurf im Juni 1901 angenommen worden und wurde bis 1909 ausgeführt.

Die Karawankenbahn, die Verlängerung der Tauernbahn, führte von Villach nach Rosenbach und von dort durch einen 7,97 km langen Karawanken - Tunnel Richtung Aßling. Also verlief die zweite, so dringend benötigte Eisenbahnlinie nach Triest 26 km östlich des Predilpasses und erreichte in Fortsetzung der Karawankenbahn mit der Wocheinerbahn St. Lucia, von wo sie die Linie der projektiert gewesenen Predilbahn nach Görz und weiter bis Triest verfolgte.

Somit war ein fast 30 Jahre dauernder Streit zuungunsten des Kanaltals beendet. Vom Verkehrsknotenpunkt Tarvis ging also keine weitere Bahnlinie aus, die die Bedeutung dieses Orts noch vergrößert hätte. Ganz im Gegenteil, durch die oben beschriebene Linienführung der Karawankenbahn ersparte man sich den Umweg Villach - Tarvis- Aßling auf dem Weg in Richtung Triest, wodurch die Strecke Tarvis - Aßling ihre Bedeutung für den Verkehr weitgehend verlor.

Die Bewohner des Kanaltals mussten der Entwicklung des Bahnnetzes mit gemischten Gefühlen zusehen. Einerseits wäre es sicher ein großer Schaden für das Gebiet gewesen, wenn keine Bahnlinien durch das Kanaltal gebaut worden wären. Andererseits erfolgten durch die Modernisierung der Verkehrswege soziale und wirtschaftliche Umschichtungen von großer Tragweite. Alle Berufsgruppen, die bisher ihren Nutzen aus dem Gütertransport auf der Straße gezogen hatten wurden durch die Errichtung der Bahnlinien schwer geschädigt. Der nun aufkommende Fremdenverkehr war dafür nur ein schwacher Ersatz.

An dieser Stelle muss betont werden, dass dem Bau von Eisenbahnen im 19. Jahrhundert enorme wirtschaftliche Bedeutung zukam, eine Bedeutung, wie sie nicht einmal mit dem Bau von Autobahnen im 20. Jahrhundert zu vergleichen ist. Natürlich waren die Kanaltaler daran interessiert, Anteil am Eisenbahnnetz der österreichisch-ungarischen Monarchie und darüber hinaus am Eisenbahnnetz Europas zu haben. Dabei hofften sie auf ein großes Verkehrsaufkommen mit positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft des Tales. Das konnte bei dem immer schnelleren Durchströmen von Personen und Gütern per Eisenbahn nur bedingt der Fall sein.

Was im besonderen die eisenverarbeitenden Betriebe angeht, die einst den Stolz des Tales bildeten, brachte der Eisenbahnbau keine Wendung zum Besseren mehr. Einzig die Holztransporte nach Italien, die durch den Waldreichtum des Tales eine Rolle spielten, wurden durch die schnelle und billige Bahnverbindung erleichtert.

Die Straßen

Die Entwicklung des Straßenwesens in Kärnten zu dieser Zeit ist von zwei Momenten geprägt: Erstens durch den abschnittweise Ausbau der Eisenbahnen, der bewirkte, dass ab 1863 die Straße nicht mehr alleiniger Verkehre träger blieb. Zweitens war es der Verlust der italienischen Provinzen, der für das Straßen- wie auch das Eisenbahnnetz völlig veränderte Voraussetzungen schuf. Von beidem war das Kanaltal in hohem Ausmaß betroffen.

In der Zeit nach 1848 forcierte man aber nicht nur den Eisenbahnbau, sondern wandte Buch der Qualität der Straßen größeres Augenmerk zu. In der Zeit des Vormärz war die Kanaltaler Straße durch lange Verwahrlosung in einen trostlosen Zustand geraten. 1848/51 wurde durch Antonio Talachini die Reichsstraße in diesem Abschnitt neu hergestellt. 1853 wurde das Straßenwesen im Kanaltal erneut verbessert.

Das Jahr 1848 hatte durch die kriegerischen Ereignisse in Pontebba und Friaul gezeigt, wie große Bedeutung diese Straßenverbindung auch in militärischer Hinsicht besaß. Dabei war der finanzielle Aufwand zur Beseitigung der witterungsmäßig bedingten Schäden an der Straße nicht geringe Durch die häufigen Niederschläge und die dadurch oft aus den Ufern tretenden Wildbäche wurden die Straßentrassen unterspült und aus dem gleichen Grund auftretende Vermurungen unterbrachen ebenfalls immer wieder den Verkehrsfluss, ganz abgesehen von den Lawinenschäden im Winter. Kein neues Problem übrigens, wie schon Reiseberichte des 18. Jahrhunderts bezeugen.

Aus dem Jahr 1855 ist uns eine Straßenstatistik Kärntens überliefert. Damals bildete der Abschnitt der Kanaltaler Straße ein Teilstück der Hauptdurchzugslinie Kärntens. Ihr kam der Rang einer Reichsstraße zu. Von dieser „Italiänerstraße“ wird behauptet, dass sie „jetzt weniger befahren“ sei als zur Zeit der Blüte Venedig. Dennoch wäre sie ein wichtiger Ausfuhrweg für die Kärntner Eisenindustrie, ebenso wie für die von Kärnten benötigten Getreideimporte.

Außer dieser Reichsstraße R I gab es noch eine zweite Reichsstraße im Kanaltal: die Görzer Straße. Sie begann in Tarvis und führte über den Predil nach Görz. Da durch die hohen Niederschlagsmengen in Raibl vor allem im Winter verkehrsbehindernde Schneeverwehungen auftraten, wurde eine eigene Görzer Winterstraße angelegt. Auf einer kurzen Strecke nach Raibl wurde diese Reichsstraße nämlich in zwei Ästen zum Predilpass geführt, wobei die Winterstraße in den Wintermonaten besser zu passieren war. Die Görzer Sommerstraße wurde als Reichsstraße Nr. XI, die Görzer Winterstraße als Reichsstraße Nr. XII in der Straßenstatistik angeführt.

Auf jeden Fall fällt die hohe Anzahl von Brücken bei der Italienerstraße und der Görzer Straße auf: 22 Brücken auf 12 Meilen bei der Italienerstraße, sowie 11 Brücken auf der Görzer Sommerstraße auf 1 ½ Meilen. (Eine österreichische Meile - 7,585 km.)

Damals war der Gebirgsstock der Karnischen Alpen zwischen Gail- und Kanaltal von keiner befahren Straße durchzogen. Aus dem Savetal führte eine Bezirksstraße über den Weissenfelser Sattel nach Tarvis. Durch ihre Benutzung konnte man die beschwerlichen Steigungen des Wurzenpasses vermeiden. Vor allem beim Transport von großen Lasten nahm man den damit verbundenen Umweg gern in Kauf. Diese Weissenfelser Straße scheint in der Statistik als Landesstraße Nr. 30 auf.

Elf Jahre nach dem Zeitpunkt dieser Zustandsschilderung der Kärntner Straßen ging die benachbarte Provinz Venetien 1866 an Italien verloren. Das bewirkte eine Umorientierung der Kärntner Verkehrspolitik, die aber vor allem im Eisenbahnball ihren Niederschlag fand. So geschah es dann, dass die straßenmäßig unbedeutendste Verbindung über den Weissenfelser Sattel als erste mit einer Eisenbahn, 1870, ausgestattet wurde.

Die Italienerstraße, die ehemalige Hauptverbindung Kärntens, wurde auch wegen des geänderten Territorialverhältnisse erst 1879 durch eine Eisenbahnlinie verstärkt. Hingegen gelangte die Predilbahn nie über das Planungsstadium hinaus.

Das Straßennetz, wie es 1855 existierte, wurde durch Instandsetzungsarbeiten laufend benützungsfähig erhalten. Um die hohen Kosten der Ausbesserungsarbeiten an den Schäden, die durch über die ufertretende Wildbäche entstanden waren, reduzieren zu können, wurden in den Siebziger-Jahren des 19. Jahrhunderts Schutzbauten errichtet. Diese Arbeiten gaben einem dabei beschäftigten Wasserbauingenieur Anlass zum Verfassen einer Monographie darüber.

Besondere Schwierigkeiten bei der Wildwasserverbauung machte der Vogelbachgraben, der kurz vor Pontebba in das Fellatal einmündet. Außerdem musste das Problem des zur Zeit der Schneeschmelze auftretenden Sees bei Saifnitz bewältigt werden.

Auch im nordöstlichen Teil des Kanaltals wurde die Verkehrssituation verbessert. Der Abschnitt Arnoldstein - Tarvis wurde in den Siebziger-Jahren des 19. Jahrhunderts neu angelegt. Man achtete also darauf, dass die Reichsstraße gegenüber der fertiggestellten Bahn nicht vernachlässigt wurde.

Wirtschaftliche Verhältnis

Eisen

Für die Klein- und Mittelbetriebe der Eisenindustrie Kärntens war die Entwicklung dieser Branche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts äußerst betrübliche Die Tendenz, die bereits im Vormärz erkennbar gewesen war, setzte sich nun, vor allem nach dem Börsenkrach 1873, weiter fort auch wenn dass Kanaltal seinen wirtschaftlichen Niedergang größtenteils schon im Vormärz erlebt hatte, betrafen die Auswirkungen der Kärntner Gesamtentwicklung auch dieses Gebiet. Die wenigen Hammerwerke, die noch existierten, mussten fast alle ihren Betrieb einstellen. 1873 bestanden in Greuth, bzw. in Tarvis, je ein Hammerwerk, dass sich im Besitz von Wilhelm Walcher befand. In Malborghet bestand zu diesem Zeitpunkt noch immer das Hammerwerk des Anton von Canal, das sich hauptsächlich mit der Rohstahlerzeugung beschäftigte, (1.454 q pro Jahr ) während in Greuth und Tarvis Hammereisen erzeugt wurde. (Beide zusammen 2.840 q pro Jahr) In ganz Kärnten produzierten vergleichbare Kleingewerken 24.813 q Hammereisen und 16.915 q Rohstahl pro Jahr. Also waren die Anteile von Greuth und Tarvis, bzw. Malborghet 11,5 %, beziehungsweise 8,5 %.

In Weißenfels bestand die Stahl- und Stahlwaren-Fabrik des A. Klinzer & Co.

Insgesamt war die Auflösung der traditionsreichen, aber unrationell produzierenden Hammerwerke unabhängig von der wirtschaftlichen Gesamtlage. Die moderneren Walzwerke, die die Tendenz zu einer großtechnologischen Herstellung mit neuesten Produktionsmitteln repräsentierten, ließen keine derartige Konkurrenz mehr zu. Dabei brachte es dem Kanaltal keinen Trost, dass die Umwälzung erst nach und nach erfolgte, beziehungsweise dass die Walzwerke insgesamt mehr Leute beschäftigten und mehr produzierten als es den Hammerwerken je möglich gewesen war.

Die altertümliche Drahterzeugung von mit Zangen gezogenem Draht, der einst im Orient und im südlichen Italien guten Absatz gefunden hatte, wurde im Kanaltal bis 1871 fortgesetzt. In diesem Jahr wurde die Drahterzeugung jedoch aufgegeben, die ihren Standort in Greuth bei Tarvis gehabt hatte. Hier waren durchschnittlich 1.000 q Draht pro Jahr produziert worden. Ab 1871 gehörte der Markt den modernen Drahtwalzwerken, von denen das erste schon 1840 in Betrieb gesetzt worden war.

Was den Eisenerzabbau betrifft, wurden die auf der Uggowitzer Alpe abgebauten Erze schon seit 1823 nicht mehr an Ort und Stelle ausgeschmolzen, sondern unverhüttet nach Aßling verfrachtet. Im Jahr 1890 waren das immerhin noch 450 Tonnen. 1893 kam der Abbau dieses manganreichen Erzes zum Erliegen.

Im Jahr 1899 bemühte sich eine Gesellschaft aus Aßling in Krain um Wiederaufnahme des Bergwerksbetriebes. Diese Anstrengungen führten jedoch zu keinem Erfolg mehr.

Blei und Zink.

Die wichtigsten privaten Blei- und Zinkerzminen Raibls befanden sich im Besitz von Ciprian Struggls Erben, Werksleiter Joseph Schnablegger, später Kajetan Schnablegger.

1897 wurden diese nichtärarischen Blei- und Zinkbergwerke von den schlesischen Grafen Henokel von Donnersmarck erworben. Dieser Besitzerwechsel führte zu einer starken Belebung des Erzabbaus.

Weitere Abbaustellen, beziehungsweise Bleiseifenwerke bei Raibl kamen an Bedeutung, an die obenerwähnten Montanbetriebe nicht heran. Die technologische Entwicklung hielt ungefähr Schritt mit der von Bleiberg.

Die Fördermengen der ärarischen Werke betrugen:

1856

5.333 q

Blei

Bleiberg 31.000 q

1857

5.330 q

Blei

 

 

11.168 q

Zinkblende

Bleiberg 35.500 q

1858

6.242 q

Blei

 

 

16.126 q

Zinkblende

 

 

Schon aus diesen Zahlen geht klar hervor, dass die Raibler Produktion nur mehr einen Bruchteil von der Bleiberge ausmachte. Wir können die jährliche Bleiproduktion der ärarischen und privaten Gruben dieser Zeit mit zirka 10.000 q annehmen, was ungefähr ein Drittel der Bleiberger Produktion ausmacht.

Über die Investitionen und Produktionsverhältnisse der ärarischen Gruben dieser Jahre geben die Übersichten Auskunft. 1869 wurde für die ärariachen Werke eine neue Aufbereitungsanlage erbaut. Für ihren Betrieb wurde Wasser vom Raibler See abgeleitet. Die Verhüttung der Bleierze wurde ebenfalls im Raibler Tal vorgenommen. Die Zinkerze wurden hingegen zur Weiterverarbeitung an eine Gewerkschaft in Kroatien verkauft.

Das in sechs Ofen gewonnene Blei wurde als Pressblei zur Schrotfabrikation und Munitionserzeugung verwendet, beziehungsweise als Rührblei für die Farbengewinnung (Bleiweiß) verwertet.

Der Export von Blei hatte damals schon völlig aufgehört. In Deutschland und in der Levante ließ die ausländische Konkurrenz österreichischem Blei keine Absatzmöglichkeit mehr.

Die staatliche Produktion zu Ende der sechziger Jahre betrug zirka 6.000 q Blei, 6.500 q Zinkblende und 7.600 q Galmei. Der Wert des Bleis entsprach 76.500 fl., der von Zinkblende und Galmei 8.850 fl. Es waren 284 Arbeiter beschäftigt.

Im Vergleich dazu die Produktionszahlen des Werk der Ciprian Struggischen Erben (Schnablegger):

 

Menge

Wert

Blei

4.600 q

58.500 fl.

Zinkblende

5.800 q

2.200 fl

Galmei

5.800 q

4.600 fl.

 

Mit einem Beschäftigtenstand von 150 Arbeitern können die Produktionswerte als überdurchschnittlich gelten. Auf Gulden umgerechnet kamen sie mit über 65.000 fl. auf ungefähr drei Viertel des staatlichen Umsatzes. Bemerkenswert ist außerdem, dass die werkseigenen Schmelzöfen schon teilweise mit Braunkohle betrieben wurden.

Die Vergleichswerte der Bleiberger Produktion betrug:

 

Menge

Wert

Blei

29.000 q

376.000 fl.

Zinkblende

48.800 q

37.000 fl.

Galmei

11.000 q

7.400 fl.

 

Auch Bleiberg gab Zinkblende und Galmei an andere Verarbeitungsstätten weiter.

1870/71 wurden in den Schnableggerschen Bleigruben die Erzförderung am Abhang des Königsberges bei Raibl mit von Menschen gezogenen Handschlitten durch eine Neuerung ersetzt. Die Errichtung einer Seilbahn ermöglichte eine 22 mal so große Leistung, sowie einen Arbeitsgewinn von 50 %, verglichen mit dem mühsamen Ziehen der Handschlitten. Noch im selben Jahrzehnt zog das Ärar mit drei solchen Anlagen nach und trachtete mit einigen weiteren Verbesserungen die staatlichen Betriebe auf den neuesten Stand zu bringen.

Die Blei- und Galmeibergbaue Raibl II und Raibl III nahmen auch an der Wiener Weltausstellung 1873 teil. Die beiden Bergwerke befanden sich damals im Eigentum der Familie Schnablegger. Der Weltausstellungskatalog verzeichnet eine Beschäftigungszahl von 116 Männern, 34 Frauen und 4 Kindern. Folgende Objekte wurden von diesem Betrieb im Pavillon der Kärntner Montanindustriellen gezeigt:

1. eine geologische Karte von Raibl und Kaltwasser,

2. Proben von Galmei, Zinkblende, Rühr- und Pressblei,

3. das Modell eines Seilbahn-Bremsberges,

4. Geognostische Belegstücke,

5. Zementproben.

Das Schwergewicht der Raibler Produktion verlagerte sich in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts immer mehr auf den Zinkerzabbau. Wesentlich war hier der Besitzerwechsel der Schnableggerschen Bergwerke, die von den Grafen Henckel von Donnersmarck erworben wurden. Auf sie ging die verstärkte Förderung der Zinkerze hauptsächlich zurück. Von 1890 bis 1906 steigerte sich die Zinkerzfördermenge auf das Dreieinhalbfache, von 3.600 t auf 12.300 t. Aber auch die Zinkerzfördermenge der ärarischen Werke stieg im selben Zeitraum von 5.160 auf 8.900 t, die weiterhin nicht an Ort und Stelle verschmolzen wurden. Nachdem die Bleierzgewinnung im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bei den ärarischen Gruben auf zirka 650 t, die der Henckelschen Gruben auf 2.000 t gefallen war, ergab sich ein Verhältnis von Bleierz zu Zinkerz wie 1 : 10.

Am 8. Jänner 1910 kam es zu einer spektakulären Einsturzkatastrophe, bei der leider auch Menschenleben zu beklagen waren. Um die Mittagszeit stürzte, ausgelöst durch einen Sprengschuss ein zirka 100 m2 großes Gebiet, auf dem das Werkspital stand, in die Tiefe. Der auf diese Art entstandene Trichter hatte 50 m im Durchmesser und war 15 m tief. Er füllte sich noch am selben Tag mit Wasser, sodass die Bergung der Opfer trotz aller Anstrengungen unmöglich schien. Sieben Menschen waren bei dem Unglück ums Leben gekommen. Ein geistesgegenwärtiger junger Bursch hatte sich durch einen raschen Sprung aus einem Fenster retten können.

Ursache der Katastrophe war ein Wassereinbruch in die Henckelsche Zeche Raibl II, die Spätfolgen der fehlenden Zimmerung des Grubenstollens.

Das Bleibergwerk von Raibl, das das einzige derartige Unternehmen Kärntens war, das nicht zur Bleiberger Bergwerks-Union gehörte, stellte jedenfalls den wichtigsten Wirtschaftsbetrieb des Kanaltal dar. Das zeigen vor allem die rasch ansteigenden Bevölkerungszahlen von Raibl.

1869    389 Einwohner

1890    531 Einwohner

1910    1.209 Einwohner

Raibl, in dem übrigens jedes Jahr enorme Niederschlagsmengen zu verzeichnen sind, gelang es durch diese wichtige Erzvorkommen auch den benachbarten slowenischen Ortschaften Breth und Flitsch, sowie den Bewohnern der Wocheiner Gegend Arbeit zu geben. 1905 waren hier 825 Menschen beschäftigt. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden hier 27.770 q Blei, sowie 265.000 q Zinkerz pro Jahr gefördert.

Zement.

Auf der Wiener Weltausstellung 1873 wurden Zementproben präsentiert, die aus hydraulischem Kalkstein erzeugt worden waren. Dieser Kalkstein wurde im Kunzenbachgraben abgebaut und mit 2/3 bis 3/4 Anteilen Sand erfolgreich beim Bahnbau der Kanaltaler Abschnitte eingesetzt. Die in Raibl gelegene Zementfabrik wurde für diesen Zweck 1871 errichtet und erzeugte 2.000 Zentner dieses Baumaterials pro Jahr.

Unter Tarvis ist im österreichischen Zentralkataster des Jahres 1903 ein Zementwerk verzeichnet. Das bedeutet, dass die Zementproduktion sich im Kanaltal bis zum Ersten Weltkrieg halten konnte.

Die Forste

Um 1850 war der Zustand der Kärntner Waldungen durch Rücksichtslosigkeit in der Vergangenheit besorgniserregend geworden. Der Holzbedarf des Landes schien für die Zukunft nicht gesichert zu sein. Joseph Wagner gibt elf Ursachen für die Missstände in den Kärntner Waldungen an. Da diese auch für das Kanaltal zutreffen dürften, sollen hier die wichtigsten davon angeführt werden:

Die Servitutsrechte der Nachbarschaften brachten für eine geregelte Forstwirtschaft gewisse Nachteile mit sich. Darunter zählt das Weiden des Viehs in den Wäldern, durch das die junge Saat von Bäumen oft zugrundegerichtet wurde. Ferner dass in Oberkärnten übliche „Taxenschnatten“, das ist ein Beschneiden der Bäume, um Streu für die Stallungen zu gewinnen.

Ein anderer Grund war das „Gereutbrennen“, das heißt, Waldflächen wurden durch Feuer vernichtet, um dadurch die Weideflächen zu vergrößern. Selbstverständlich war ein solches Vorgehen strengstens untersagt, muss aber dennoch vorgekommen sein. Zahlreiche, nachteilig wirkende Lichtungen wurden nämlich auf von Weideberechtigten gelegte Waldbrände zurückgeführt.

Das Fällen des Holzes geschah durch Beile und noch nicht durch die zweckmäßigeren Sägen. Schädlich war außerdem das „Schwenden“, das heißt, das Ablösen der Rinde, sowie das Pechbohren. Durch die geringe Anzahl des Forstaufsichtspersonal wurden die geltenden Waldgesetze kaum eingehalten. Die Nachpflanzung wurde vernachlässigt und Holz wurde für Zaun-, Wohnungsbau- und Hausbrand maßlos vergeudet.

Im Handelskammerbericht des Jahres 1851 wird ebenfalls auf das Forstwesen eingegangen. Eine verheerende Überschwemmung im Berichtsjahr 1851 und die dadurch verursachten Schäden rückten den schlechten Zustand der Kärntner Wälder wieder nachhaltig ins Blickfeld. Die Bedeutung der Forste wird noch ganz im Zusammenhang mit den Montanbetrieben gesehen, für die sie die nötige Holzkohle liefern sollten. In einer darauffolgenden Kalkulation wird der Nachweis geführt, dass diese Möglichkeit prinzipiell besteht. Gleich im nächsten Absatz wird jedoch darauf hingewiesen, dass durch mangelnde Forstpflege die Verhältnisse tatsächlich nicht diesen Möglichkeiten entsprechen würden.

Der Besitzer der Wälder des Kanaltals war zu dieser Zeit Graf Kasimir Eszterházy de Galantha, der infolge einer verfehlten Finanzpolitik den Konkurs eröffnen musste. Die Güter wurden gerichtlich auf 600.000 fl. geschätzt und bei der „exekutiven Feilbietung“ am 5. Februar 1858 von Graf Arco-Zinneberg erstanden.

Ende der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts gab es im Kanaltal nur mehr drei eisenverarbeitende Betriebe und das Bleibergwerk Raibl.

Dadurch waren bedeutende Mengen Holz für den Holzexport nach Italien freigeworden. Dieser hatte schon immer existiert, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm er jedoch stark zu. Dies wiederum war erst durch das Zugrundegehen der Eisengewerkschaften möglich geworden. Da das Kärntner Holz bei den italienischen Händlern sehr begehrt war, steigerte sich der Preis der Holzkohle, wodurch die noch bestehenden Eisenwerke in ihrer Rentabilität noch mehr beeinträchtigt wurden. Die immer wichtiger werdende Holzhandelsbranche litt allerdings unter dem Fehlen einer Bahnlinie zwischen Villach und Udine, sodass die Holztransporte bis zum Fertigstellen dieser Bahnverbindung 1879 in fast mittelalterlicher Art und Weise mit Ochsengespannen bis zum flößbaren Tagliamento geführt werden mussten.

Die Veränderungen in der Verwertung des Kärntner Holzes von der Holzkohle zum Handels- und Exportprodukt gingen natürlich nicht reibungslos vor sich. Das hatte aber wieder positiv. Auswirkungen auf die schon arg mitgenommenen Wälder, die sich infolge des zeitweiligen Absatzausfalles etwas erholen konnten.

Der Zusammenhang zwischen sterbenden Montanbetrieben und aufblühendem Holzhandel wird besonders deutlich, wenn man beobachtet, wie als erste Täler jene mit zugrunde gegangenen Eisenwerken im Holzhandel Geltung erlangten. Für das Kanaltal hatte noch zusätzlich die günstige Lage zum Abnehmerland Italien eine hohe Bedeutung.

Sägewerke

In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts setzten sich bei den Sägewerken die neuen Bundgatter durch, mit welchen sich ein Baumstamm in einem Schnitt in mehrere Bretter zerschneiden ließ. Vorher hatte man mit den Venezianer Gattern jeden Stamm mehrmals zersägen müssen, um Bretter zu erhalten. Durch diese Rationalisierung wurde eine weitere Steigerung in der Holzverarbeitung ermöglicht.

Was Weißenfels in Krain betrifft, nahm dort die gleiche Entwicklung ihren Fortgang. Weißenfels profitierte ja vom ersten fertiggestellten Bahnabschnitt im Kanaltal, der Villach mit Laibach verband. Jedenfalls finden wir die Weissenfelser Firma Andreas Klinzer & Co. bei der österreichisch-ungarischen Industrieausstellung in Triest 1882 in der Abteilung von Produkten der Holzindustrie als einzige unseres Gebiets vertreten.

Die Firma besaß drei Brettsägen und eine Kreissäge, die mit Wasserkraft betrieben wurden. Beschäftigt waren drei Säger mit drei Gehilfen, sowie 40 Holzknechte und 30 Köhler. Die Säger verdienten bis zu 60 fl. pro Monat, Holzknechte und Köhler 80 kr. bis 1 ½ fl. pro Tag. Die Arbeitszeit betrug 12 Stunden täglich. Die Holzknechte arbeiteten von Mai bis Oktober. Es wurde bis zu 15.000 Festmeter Holz pro Jahr verarbeitet. Die Lieferpreise wurden franko Station Ratschach-Weißenfels berechnet. Der Absatz ging hauptsächlich nach Italien, aber auch in die Levante und den Orient. Beim Waldgebiet handelte es sich um 4.000 Joch Forste der Herrschaft Weißenfels.

Zwischen 1877 und 1885 steigerte sich die Kärntner Schnittholzausfuhr von 110.000 m3 auf 200.000 m3, also fast das doppelte, pro Jahr und bis 1892 auf 306.000 m3 pro Jahr.

Im Kanaltal gab es bis 1878 noch keine Bundgattersägen, sondern man behalf sich mit hintereinander aufgestellten einfachen Gattersägen. So gab es in Tarvis, Malborghet und Lußnitz je ein Werk mit drei Gattersägen, in Tarvis zusätzlich noch ein Werk mit vier Gattersägen.

Nach Fertigstellung der Pontebbabahn 1879 war ein weiterer Aufschwung im Holzgeschäft zu spüren. Nun war die Flößung überflüssig geworden. Weil man aber Kärntner Qualitätsware an den äußeren Merkmalen, die für die Flößung notwendig gewesen waren, zu erkennen gewohnt war (Abrundung, Spronzung und Bohrung), dauerte: es noch ein Jahrzehnt, bis sich die Kunden an dass Verschwinden dieser Merkmale gewöhnt hatten.

Besitzverhältnisse

In den Besitzverhältnissen der Forste des Kanaltals ergab sich Ende 1886 eine wesentliche Änderung: Die Verlassenschaft des Grafen Arco-Zinneberg, bzw. die ehemalige Herrschaft Fedraun samt Waldamt Tarvis, die ein Teil der Verlassenschaft war, wurde am 30. Dezember 1886 vom k.k. Ackerbauminister um 470.000 fl. für den Kärntnerischen Religionsfonde erworben. Am 1. Jänner 1887 wurden die Forste in Staatsverwaltung übernommen.

Um die Flächenverhältnisse dieser Gebiete deutlich werden zu lassen, soll die Zusammenstellung Schindlers aus dem Jahr 1888 wiedergegeben werden:

Waldungen

51 %

Ertragsunfähiges Land

42 %

Wiesen

1,12 %

Almen

3,47 %

Weiden

0,94 %

Äcker

0,02 %

Gärten

0,01 %

Verbautes Gebiet

0,01 %

Gewässer

1,28 %

 

Das dem Waldamt Tarvis unterstehendes Gebiet umfasste fast das gesamte Territorium des Gerichtsbezirks Tarvis.)

Gliederung des Gebiets nach Höhenregionen:

Gebiete

 

unter 1.000 m

8 %

1.000 - 1.500 m

42 %

1.500 - 2.752 m

50 %

 

Das bedeutet, dass 92 % des Gebiets höher als 1.000 m liegen. Die Entwässerung des Gebiets ist auch für die Forstwirtschaft von Bedeutung, weil die Gebirgsbäche zum Transport von gefällten Baumstämmen dienen können. Damals wurde allerdings nur der Malborgheter Bach zum Triften benützt. Das eingeworfene Holz wurde in Triftrechen bei Malborghet aufgefangen und entnommen.

Zur Sicherung der Straßen wurden gemäß Forstgesetz vom 3. Dezember 1852 bestimmte Waldstücke in der Nutzung eingeschränkt, beziehungsweise „in Bann gelegt“

Nach wie vor standen die Interessen der Weideberechtigten einer gezielten Aufforstung entgegen.

Forstverwaltung

Der Forst- und Domänenverwalter hatte seinen Amtssitz in Tarvis, elf Förster und zwei Forstgehilfen standen ihm zur Seite. Ungefähr 200 Forstarbeiter begannen in der Regel im Mai mit ihrer Holzfäller- und Kohlungsarbeit. Die zur Saftzeit gefällte Bäume wurden bis in den Herbst hinein entrindet und aufgearbeitet. Der durchschnittliche Taglohn der Holzarbeiter betrug gemäß Schindler in den achtziger Jahren zirka 1 fl. Ein gewöhnlicher Arbeiter brachte es auf 80 kr. Für leichtere Tätigkeiten wurden 30 - 60 kr. pro Tag ausbezahlt.

Die acht Sägemühlen der staatlichen Forstverwaltung wurden um den Gesamtbetrag von 960 fl. pro Jahr verpachtet. Die Sägen befanden sich in Tarvis, bei Tachalawai, in Gugg, in St. Kathrein und in Lußnitz.

Der Hauptabsatz des gefällten Holzes war selbstverständlich nach Italien gerichtet. Dabei trennte man säuberlich qualitätsvolles Merkantilholz von mit Fehlern behaftetem Brennholz. Bezeichnenderweise wurden bei der detaillierten Abstufung der Nutzhölzer auch die italienischen Benennungen angeführt, wie ja überhaupt der Kärntner Holzhandel größtenteils in italienischen Händen war.

An forstlicher Nebennutzung gab es die servitutsmäßig festgelegten Streu- und Weiderechte, die immerhin einen Wert von ungefähr 10.000 fl. pro Jahr darstellten, wobei allerdings die Brenn- und Nutzholzabgabe an die Dorfgemeinschaften in dieser Summe einberechnet ist.

Im Voranschlag für das Jahr 1888 steht einem Bruttoertragswert des Forstgebiets von 107.000 fl. Gesamtausgaben von 63.730 fl. gegenüber, also ergab sich ein Nettoertrag von 43.340 fl.

Die vorherrschende Holzart im Kanaltal war die Fichte. Tannen, Lärchen, Kiefern und Buchen kamen weniger häufig vor.

Die Servitutsansprüche der Gemeinden, sowie des k.k. Bergamtes Raibl waren schon durch Erkenntnisse des Vormärzes geregelt worden (1831, 1843). Im Falle Pontafels wurden die dieser Ortsgemeinde zustehenden Servitute durch Abtretung von 3.191 ha Wald, Weide- und unproduktiver Fläche um 6.000 fl. abgelöste Den übrigen elf Katastralgemeinden standen insgesamt 21.000 Festmeter Holz, 37.154 Raummeter Boden- und Aststreu, sowie Weiden für 14.000 Stück Vieh zu. Das k.k. Bergamt Raibl bezog jährlich durchschnittlich 294 Festmeter Nutzholz, 3.975 Raummeter Brennholz und 942 Raummeter Kohlholz. Als Gegenleistung bezog dass Forstamt den sogenannten Ofenzins, der durchschnittlich 354 fl. im Jahr ausmachte. Seit 1869 bemühte sich die Forstverwaltung um weitere Minderung der Servitutsrechte, was aber nur in geringem Ausmaß gelang.

Auch wenn es in einem zehn Jahre älteren Bericht über das Kanaltal hieß, dass die Waldwirtschaft dort durch generationenlangen Missbrauch der Waldungen auf ein Minimum reduziert war, weiß Schindler, dass sich die Bewohner dieses Gebiets hauptsächlich forstwirtschaftlichen Tätigkeiten widmeten.

Drechslerschule in Malborghet

Um die Voraussetzungen für ein Aufblühen dieses Wirtschaftszweiges hier weiter zu verbessern, gründete Marie von Plazer 1892 die Drechslereifachschule in Malborghet. Diese Schule bestand bis Ersten Weltkrieg und hatte im Schuljahr 1903/4 17 Schüler.

Holzverarbeitende Betriebe

Es muss aber zweifelsfrei klargestellt werden, dass die Holzwirtschaft den Bewohnern niemals ein vollwertiger Ersatz für die zugrundegegangene Eisenverarbeitung sein konnte. Der Zentralkataster von 1903 führt folgende holzwirtschaftliche Betriebe im Kanaltal an:

Pontafel

-

Leopoldskirchen

Sägewerk und Holzhandel des Michael Kovač

 

Protokollierte Firma Fratelli Pesamosoa: Sägewerke und Holzhandel

St. Kathrein

Protokollierte Firma Fratelli Pesamosoa: Sägewerke und Holzhandel

Malborghet

protokollierte Firma Fratelli Pesamosoa: Sägewerke und Holzhandel

 

Sägewerk der Emilie Schnablegger

Uggowitz

Holzhandel des Joseph Kanduth

 

Sägewerke des Philipp Janach

 

Sägewerk des Andreas Keil

Wolfsbach

Sägewerk des Johann Ehrlich

Saifnitz

Holzhändler Johann Ehrlich

 

Sägewerk des Johann Ehrlich

Tarvis

protokollierte Firma Fratelli Feltrinelli: Sägewerk

 

Sägewerk des Thomas Florian

 

Sägewerk des Karl Lagger

 

Holzhändler Karl Lagger

 

Holzhändler Josef Treu

Goggau

Sägewerk des Sebastian Majeron

Greuth

Holzhändler Sebastian Majeren

 

Sägewerk des Blasius Tilli

Weißenfels

Holzhändler Josef Kešir

 

Sägewerk des August P.M. Mallý

 

Sägewerk der Stahlwerke AG Weißenfels

Hinterschloss

Holzhändler Vinzenz Wuilz

Aichhelten

Holzhändler Bartholomäus Dorn

 

Diese lange Liste von Betrieben der Holzwirtschaft mag im Vergleich zu der wenig umfangreichen Liste der Eisengewerken in vergangenen Zeiten beeindruckend wirken. Es muss aber beachtet werden, dass jeder einzelne Eisengewerke ungefähr 30 Leute beschäftigte. Abgesehen vom damit verbundenen Fuhrwesen, das früher noch mehr Menschen Arbeit bot.

Von den oben angeführten holzwirtschaftlichen Betrieben, bei denen die Drechsler- und Tischlerei-Betriebe nicht berücksichtigt wurden, kann man das nicht annehmen.

Almwirtschaft.

Haben wir über die Almwirtschaft vergangener Jahrhunderte nur vereinzelte Nachrichten, so ändert sich das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Schon Hermann berichtet 1860 in seinem Handbuch der Geschichte Kärntens von der starken Zunahme der Schafzucht in Kärnten. Dieser Zweig der Viehwirtschaft nahm von 1830 mit 129.359 Stück bis 1857 mit 152.993 Stück beträchtlich zu. Man hielt diese Tiere hauptsächlich der Wolle wegen, weniger als Mastvieh und exportierte sie meist nach Italien. Von den Karnischen Alpen, an deren Südabhängen das Kanaltal Anteil hat, weiß Hermann zu berichten, dass folgendes System angewandt wurde: Auf den Almen ließ man Rinder und Schafe weiden, wobei die kletterfähigeren Schafe ihre Nahrung auch in schwerer zugänglicheren felsigen Regionen fanden, während die Rinder die leichter zugänglichen Almweiden abgrasten.

Der bedeutendste Kärntner Schafmarkt war damals in Bleiburg, wo die Oberkärntner Bauern im Herbst ihre Schafe an Nordkärntner Bauern verkauften, weil sie „zu wenig Areale und Stoffe“, für deren Mästung hatten.

Im Stichjahr 1857 gab es in Kärnten auch 34.232 Ziegen, die in geringerer Anzahl, gemeinsam mit den Schafen, in der Gebirgsregion gehalten wurden. Auch Hermann versäumt nicht, auf ihre große Schädlichkeit für junge Bäume hinzuweisen.

Aus den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts ist uns dann ein viele Details enthaltendes Werk über die Kärntner Almwirtschaft überliefert, über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Kanaltals schreiben darin Kosmas Schütz und August von Scheidlin. Letzterer war Major und hielt sich vier Jahre lang anlässlich des Baus der militärischen Befestigungsanlagen von Malborghet im Kanaltal auf. Sein Bericht bezog sich hauptsächlich auf die südlichen Teile des Kanaltals (Wischberggruppe), während Schütz als Sekretär der Landwirtschaftsgesellschaft den Nordteil des Kanaltal (Südabhang der Gailtaler Alpen) beschrieb.

Im Kanaltal gab es 1875 50 Almen:

Pontafel

 

9 Almen

Leopoldskirchen

 

4 Almen

Lußnitz          

 

6 Almen

Malborghet

 

5 Almen

Uggowitz

 

4 Almen

Wolfsbach

 

3 Almen

Saifnitz

 

7 Almen

Tarvis

Raibl

9 Almen

 

Flitschl

1 Alm

 

Greuth

1 Alm

 

Goggau

1 Alm

 

Die wichtigsten dieser Almen waren: Im südlichen Abschnitt (Wischberggruppe) von West nach Ost:

Leopoldskirchner Alpe

Deutsche Alpe

Lußnitzer Alpe (Granuda Alpe)

Strekizza-Alpe

Wolfsbacher Alpe (Saisera-Hütte)

Luschari-Alpe (Alpenwirt)

Fischbach-Alpe

Greuther Alpe

Weißenbach-Alpe

Moritacher Alpe

See-Alpe.

Im nördlichen Abschnitt (Südabhang der Gailtaler Alpen) von West nach Ost:

Winckel-Alpe

Malurch- und Patergotte Alpe

Prikotisch

Auernigg-Alpe

Kron-Alpe

Zirkel-Alpe

Ionas-Alpe

die Tratten

Gugg-Alpe

Tschurtschele-Alpe

Mezesnik-Alpe

Matschunig-Alpe (Roßbacher Alpe, einzige Privatalm)

Rauna-Alpe

Uggowitzer Alpe

Achomitzer Alpe

Auf diese Almen wurde folgendes Vieh aufgetrieben:

Pferde

46

Sprungstiere

21

Milchkühe

1.077

Galtvieh

1.110

darunter Ochsen

92

Schafe

4.857

Ziegen

2.764

Schweine

251

 

Auf den Almen waren beschäftigt:

Käsmacher

21

Gehilfen derselben

1

Knechte

4

Mägde

58

Hirten

149

 

Auf diesen Almen wurde erzeugt:

fetter Käse

12.153 kg.

41 %

halbfetter Käse