Der Luschariberg - Monte Santo di Lussari

Lage

Der 1789 m hohe Berg erhebt mich ungefähr 3 km südlich von Saifnitz, das auf 817 m Seehöhe liegt. Er ist ein Ausläufer des Wischbergs (Jôf Fuart), 2666 m, und befindet sich zwischen Saisertal (Valbruna) und Schlitzabachtal (Slizza). Unmittelbar unter dem Gipfel, au! 1766 m Höhe, liegt die der heiligen Maria geweihte Wallfahrtskirche. Seit 1960 (600 – Jahr - Jubiläum) führt eine 2.384 m lange Kabinenseilbahn von Wolfsbach (Valbruna) auf den Monte Santo di Lussari, wie der Luschariberg heute auf italienisch heißt.

Zur Entstehungsgeschichte

Der Ursprung der Wallfahrt soll ins Jahr 1360 fallen. Eine kleine Inschrift am Chorbogen zum Presbyterium will darauf hinweisen. Das Chronographikon lautet:

In hoC Lo Co Mater .Cristi In Venta stetIt

(An dieser Stelle ist die gefundene Muttergottes gestanden.)

Gründungslegend Nr.447

Im Jahre 1360, an einem Samstag abends, der in katholischen Ländern der Marienverehrung gewidmet ist, wollte ein Hirt seine Schafe zum Melken sammeln. Diese findet er um einen Wacholderbusch im Kreis kniend. Da bemerkt er im Strauch eine kleine Marienstatue, die er sofort ins Tal bringt. Die Schafe gehen ihm, wie in einer Prozession, paarweise voran. Der Pfarrer von Saifnitz lässt sich das Ereignis berichten und da niemand etwas über die Herkunft der Statue weiß, verschließt er sie zunächst in einem Kasten. Tage darauf, am Sonntag, eilen die Tiere aber zur selben Stelle und allem wiederholt sich in der gleichen Weise. Nach zweimaliger wunderbarer Ortsveränderung der Statue, die zweimal aus dem verschlossenen Kasten an die Auffindungsstelle zurückgekehrt war, nimmt der Pfarrer die Madonnenfigur und reist mit ihr zum Patriarchen von Aquileja. Dieser ordnet den Bau einer Kirche an der Fundstelle an.

Zwei andere Legenden (Sagen) um Maria Luschari.

In der Wallfahrtskirche Maria Luschari ist auch ein Türkenkopf angebracht. Er soll daran erinnern, dass die Bewohner von Saifnitz Zuflucht am Luschariberg suchten, als sich die Türken dem Ort näherten. In der Wallfahrtskirohe flehten die Verzweifelten die Madonna um ihren Schutz an. Als die Türken dann die Straße durch Saifnitz zogen, spannte die heilige Maria eine brennende Schnur über die Straße, die allen Osmanen den Kopf abschnitt.

Der “Steinerne Engel“ auf einer 3 m hoben Säule, der unmittelbar an der Straße stand, nahm darauf Bezug. Mit seinem ausgestreckten Arm wies er den Pilgern die Richtung zum Heiligen Berg. Die steinerne Skulptur wurde auf zirka 1800 datiert.

Auch nach dem erfolgten Bau der Kirche, immer dann, wenn man zu Winterbeginn die Marienstatue nach Saifnitz bringen wollte, hielt es diese dort nicht lange. Sie kehrte immer wieder an den von ihr bevorzugten Ort zurück. Außerdem fand man jedes Mal die im Herbst versperrte Tür im Frühjahr offen vor.

Darüber schreibt Valvasor 1688:

“Diese Kirchen bleibt von S. Michaeli biss Pfingsten gantz unbesucht, weil wegen des großen Schnees kein Mensch hinauf kommen kann. Ungeacht der Altar Unser lieben Frauen mit Gold und Silber, Perlen und Edelgestein, zuforderst, wenn die gewöhnlichen Prozessionen jährlich hinauf geschehen, aufs allerschönste geschmückt und gezieret ist, so wird die Kirchen gleichwol niemals gesperrt, sondern bleibt immerfort Tag und Nacht offen und so man unterweilen mit starken Thüren und eisernen Schlössern verwahrt und versperrt, ist sie nichts destoweniger den darauf folgenden Tag allezeit offen gefunden worden und gilt die Erfahrung, dass man aus dieser Kirchen nicht. stehlen oder heimlich wegtragen kann.“

Die Geschichte des Gnadenortes

Die tatsächlichen Anfänge der Wallfahrt liegen verschwommen im Dunkeln. Am Luschariberg befand sich zunächst eine bescheidene Kapelle. Schwer zu sagen, wie weit diese bäuerliche Kultstätte zurückreicht. Wie wir sahen, setzt der legendenumrahmte Volksglaube die Anfänge zumindest in jene unruhige Zeit der Türkeneinfälle. Die Türkeneinfälle ins Kanaltal erfolgten gegen Ende des 15. Jahrhunderts.

Der Gnadenort wird 1544 als “Holluscharia Kürchen“, 1638 als “Unser Lieben Frauen Berg“ erwähnt. Auf alten Zeichnungen, au! den sogenannten “Breferln“ ist ein sonst nicht nachweisbarer, schlanker gotischer Turm zu erkennen, der das Marienheiligtum früher geschmückt haben soll.

Aus dem Pfarrverzeichnis des 16. Jahrhunderte wissen wir, dass Santa Maria Luschari eine Filiale von der zunächst gelegenen ältesten Pfarre des Kanaltals, von St Ägid in Saifnitz, ist.

1668 scheint in der Pfarre von Malborghet ein Beneficist auf, das heißt, eine Dotation, die dafür sorgen sollte, dass über den Sommer Aushilfe am Luschariberg geleistet würde. Dieses Amt wurde von den nicht wiedergewählten Pfarrer von Malborghet ausgeübt.

In diesem 17. Jh. Ermöglichen die zahlreich eingehenden Spenden den Kirchenbau. Valvasor hat die Kirche auf seiner Reise durch Kärnten bereits gesehen. Mit seiner Beschreibung liegt uns eines der ältesten Zeugnisse über die Wallfahrt von Maria Luschari vor.

Zu diesem Zeitpunkt muss der Wallfahrtsort schon recht bedeutsam gewesen sein. Dass sein Ruf nicht schon früher in weiter entferntere Gebiete gedrungen war, sollen die wiederholten Einfälle der Türken bewirkt haben. Darüber hinaus waren es die Begrenztheit des bambergischen Herrschaftsbereiches und besonders die Lehre Luther, die hier im “gemeinen Volk“ großen Anklang gefunden hatte, die ein stärkeres Bekannt werden von Maria Luschari verhindert haben sollen.

Unter dem Stichjahr 1695 vermerkt der Autor, dass die Kunde von den Wundern (“Blindgeborene können wieder sehen, Lahme wieder geben“), sowie der Standort mit seiner beeindruckenden Aussicht die Zahl der Wallfahrer auf 40.000 pro Jahr ansteigen ließ. Diese kamen aus Kärnten, Krain, Steiermark, Friaul und dem Küstenland. Sie machten große Spenden für die heilige Jungfrau. Diese Spenden, betont Vondend ausdrücklich, wären unter der bambergischen Regierung nie an fremde Kirchen weitergegeben worden.

Maria Luschari taucht auf Landkarten erst ab 1718 auf. Auf Johann B. Zauchenbergs Karte „Novissima Carinthiae Tabula“ findet sich der Ort als “Unsere Frau am Eis“

Auf Letters Karte (1735) ist der Gnadenort als „S. Maria am SyB“ (wohl ebenfalls: am Eis) eingetragen.

Von 1744 sind Rechnungen erhalten, die den sommerlichen Betrieb auf der Luschari - Wallfahrtskirche gut illustrieren. Es handelt sich dabei um Auszahlungen an Trägerinnen und Träger, die für ihren Dienst einen entsprechenden Lohn erhielten. Die Frauen trugen dabei leichte Lasten, zum Beispiel Stroh für das Lager der Pilger, Paramente und so weiter in Körben au! dem Kopf. Dafür erhielten sie 10 Kreuzer pro Schicht. (“Schicht“ - einmaliges Hinauftragen). Die Männer beförderten Hausteine, Bauholz, Schindeln und anderes Baumaterial, welches sie am Rücken hinaufschafften. Dafür empfingen sie 15 - 18 Kreuzer pro Schicht.

Für die Beheizung der Quartiere musste Brennholz hinaufgeschafft werden. Auch für die Lagerfeuer, um die herum die Pilger oft aus Platzmangel übernachteten, benötigte man es. In diesem Fall verband man das Religiöse mit dem Zweckdienlichen. Die frommen Besucher von Maria Luschari konnten sich von längs des Wegs befindlichen Holzstößen (Holzgredn) einige Scheiter zur Buße aufladen. Damit trugen sie zu einer billigen Lösung des Problems bei.

Vom 400 Jahr-Jubiläum berichtet uns Franz L. Hohenauer folgendes : Die Feierlichkeiten fanden am 15., 16. und 17.August 1760 statt. Der erste Jubiläumstag war für Maria Joseph, Baron von Rehbach, Dompropst von Gurk, der zweite für Roman, Abt von Ossiach, und der dritte Tag für Ämilian, Abt von Arnoldstein, als Hauptzelebranten reserviert. Außerdem waren Dechant Tomaselli aus Tarvis, Pfarrer Walcher aus Malborghet und Pfarrer Just aus Pontafel gekommen. Die Predigten wurden teilweise in deutscher und teilweise in slowenischer Sprache gehalten. Insgesamt waren es 24 Priester und viel Volk, die zu dieser großen Feier gekommen waren. In eindrucksvollen Prozessionen zogen die Gläubigen um den der heiligen Maria geweihten Ort.

Unter Joseph II. wurde die Wallfahrtskirche 1786 aufgehoben. Das Gnadenbild (Statue) wurde nach Saifnitz gebracht, die Altäre wurden zerstört, die Glocken entfernt und das Kirchenpflaster wurde aufgerissen. Es wurde jedenfalls alles getan, um den Gnadenort gewaltsam zur Ruine werden zu lassen. Er sollte um jeden Preis der Vergessenheit anheimfallen. Dennoch kamen weiterhin Pilger trotz allem, jetzt eben zur Ruine des Gnadenortes gezogen.

Zwei marmorne Seitenaltäre sind damals möglicherweise in die Pfarrkirche von Saifnitz verbracht worden. In der Österreichischen Kunsttopographie von 1689 werden diese Altäre als aus der Luscharikirche stammend angesprochen.

Bezeichnenderweise soll die Madonna sich wiederum der Vorbringung ins Tal nach Saifnitz durch wiederholte wundersam Rückkehr auf den Berg entzogen haben.

Schon ein halbes Jahr nach dem Tod von Joseph II., am 23. September 1790, befahl Leopold II., das Gnadenbild auf den Heiligen Berg zurückzubringen. In einer feierlichen Prozession geschah dies am 9. Juni 1791. An der Prozession nahmen 4.000 Menschen teil. Allein in den ersten Tagen kamen 1,900 fl. an Spenden zusammen. Überhaupt liefen viele Spenden für den Wiederaufbau und die Wiedereinrichtung der Kirche ein.

Die kurze Zeitspanne zwischen dem Tod Joseph II. und der Anordnung, die Wallfahrt wieder in vollem Umfang zuzulassen, lässt jedenfalls auf ihre große Bedeutung schließen, beziehungsweise auf das starke Drängen der Gläubigen auf Rücknahme der josephinischen Verfügung.

Während der Napoleonischen Kriege, in der Nacht vom 14.auf den 15. Mai 1809, zog eine Schar österreichischer Soldaten, vom Feind unbemerkt, über den Luschariberg. Auf diese Art gelang es ihnen, die überraschten Franzosen in aller Früh bei Wolfsbach zu überfallen.

Zur Saecularfeier 1860 sollen etwa 100.000 Kommunikanten gekommen sein, was in den 150 Tagen, in denen die Kirche seelsorglich betreut wurde, einen Schnitt von zirka 670 pro Tag macht. Weil die Kirche für diesen Andrang viel zu. klein war, musste man die Kommunion auch im Freien spenden. In dieses Jahr trennte noch keine Staatsgrenze Friau1 von Kärnten.

Am Vorabend von Christi Himmelfahrt, Samstag, 16.Mai 1860, eröffnete der Dechant von Saifnitz, Franz Kulnigg, die Jubiläumsfeierlichkeiten. Am 22.Mai traf die erste Prozession von Wallfahrern ein. An Spitzentagen kamen bis zu 3.000 Pilgern, wobei nicht vergessen werden darf, dass es nur drei Gebäude zur Unterbringung der vielen Menschen gab. Diese drei Pilgerhäuser konnten bis zu 2.000 Gäste beherbergen.

Am 1.Juli kam der Fürstbischof von Gurk und zelebrierte einen Festgottesdienst. Seine Predigt wurde sowohl deutsch als auch slowenisch als Andenken an die Wallfahrt zum Kauf angeboten.

Bei Klier ist die Rede von über 150.000 Besuchern im Jahr 1860. Auf jeden Fall muss ein ganz außergewöhnlicher Trubel um Maria Luschari geherrscht haben. Anton von Rauschenfels, der in diesem Jahr dort gewesen ist, schildert ihn anschaulich. Er findet schon auf dem Weg und dann auf der Bergkuppe selbst alles mit Menschen voll. Aus Platzmangel schlagen die Wal1fahrer ihre Quartiere sogar in der Kirche auf dem Steinboden auf. Die Beichtstühle sieht er belagert.

Um dem großen Ansturm der Pilger in diesem Jahr standhalten zu können, wurden Priester über den Sommer auf den Berg geschickt. Dieser kümmerten sich um die Seelsorge, nahmen die Beichte ab und hielten Predigt.

Vom 550 Jahr Jubiläum wissen wir, dass drei Beichtväter zur Verfügung standen. 21.000 Kommunikanten waren bei 705 Messen anwesend. Der Andrang zur Beichte war so groß, dass die Priester oft bis um Mitternacht ihr geistliches Amt versehen mussten. Es gab 65 Predigten, 32 slowenische und 33 deutsche. 50 Pilgerprozessionen zogen auf den Heiligen Berg, wo zwischen 4. Mai und 2. Oktober 1910 die Wallfahrer willkommen geheißen wurden. In diesem Jahr scheint das Wetter besonders widrig gewesen zu sein. Den ganzen Sommer über lag Schnee. Bei der Eröffnung am 4. Mai sogar 3 m hoch.

Die Betreuung der Kirche hatten Anfang unseres Jahrhunderts Franziskaner aus Krain über. Allerdings feierten fremde Priester 130 - 150 Messen pro Saison. Im Durchschnitt kamen im Jahr 30 - 35.000 Gläubige zum Gnadenort. 50 Menschen wohnten ständig auf Maria Luschari. Es gab zwei Wirtshäuser und acht bis neun ständige Devotionalienhändler hatten ihren Sitz auf dem Heiligen Berg.

Im Ersten Weltkrieg wurden die kleine Kirche und die Häuser auf der Bergkuppe des Luschariberg arg zerstört. Am 23. Mai 1915 hatte Italien den Krieg erklärt - tage darauf folgte bereite heftiges Artilleriefeuer.

Das von den Kriegshandlungen am schwersten betroffene Gebiet von Kärnten war das Kanaltal. Die Bevölkerung hatte man evakuiert - die italienische Artillerie war fast pausenlos im Einsatz.

Eines ihrer Ziele war auch der Luschariberg. Am 15. September 1915 begann die Beschießung und am 16. September lag die Erhebung von 9 Uhr früh bis 17 Uhr abends dauernd im Granatfeuer. Die Kirche fing hierbei Feuer und brannte aus. Es soll sich dabei um ein Schauschießen anlässlich des Besuches von König Viktor Emanuel und des französischen Oberst Jeffre gehandelt haben. Die Aktion war für die Italiener völlig gefahrlos und so konnte man den Gästen, wenn schon keine Siegesmeldung, so doch die Zielgenauigkeit der Artillerie präsentieren. Auch später soll die demolierte Bergspitze angepeilt worden mein, bloß um die Zieleinrichtung der Geschütze zu kontrollieren.

In italienischen Presseberichten wurde die Beschießung des 16.September damit begründet, dass sich im Kirchturm ein Artilleriebebachtungsposten der Österreicher befunden hätte. Veltzé leugnet dies entschieden. Er behauptet, dass man vom höheren „Steinernen Jäger“ auch nachher noch viel besser Einsicht in die feindlichen Stellungen hätte nehmen können.

Das Gnadenbild hatte man Jedoch schon längst in Sicherheit gebracht. Zunächst war es nach Saifnitz, dann nach Villach zu den Franziskanern gelangt. Diese übergaben es ihrer Ordensniederlassung in Marburg, von wo es nach dem Krieg nach Heiligenkreuz bei Unterdrauburg kam. Nach 1921 wurde es zurück ins Kanaltal, nach Saifnitz (Camporosso) gebracht.

1925 fand die Odyssee schließlich ihr Ende, als die hölzerne Statue in der wiedererbauten Kirche am Heiligen Berg neu aufgestellt wurde. Durch die Zerstörung der Bauten und vor allem durch die Übergabe des Gnadenortes an Italien hat die Wallfahrt aber in nicht gutzumachender Weise Schaden genommen.

Nicht so arg gelitten hat Maria Luschari im Zweiten Weltkrieg. In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 wurde die kleine Siedlung Jedoch vollständig ausgeplündert. Der entstandene Schaden wurde aber rasch wiedergutgemacht und das in Sicherheit gebrachte Gnadenbild wieder an seinen angestammten Platz gestellt.

1954 suchten Kärntner beim Bischof von Udine um zeitweise Überlassung der Marienstatue an. Dem wurde stattgegeben und so wurde diese ins Ta1 getragen und mit einem geschmückten Auto von Saifnitz (Camporosso) zur Pfarrkirche von Thörl gebracht, wo sie bis zum 6. Juni 1954 (Pfingstsonntag) den Gläubigen zur Verehrung zur Verfügung stand. Wohl ein Paradoxon für die Statue der heiligen Jungfrau in Anbetracht der Gründungslegende, aber bezeichnend für unsere Zeit.

Das Gnadenbild und die Kirche.

Das Gnadenbild.

Es handelt sich hierbei um eine stehende Figur der Muttergottes, die auf dem linken Arm das Jesuskind hält. Das Material der 54 cm hohen Statue ist Lindenholz. Sowohl Maria als auch das Jesuskind sind mit einer vergoldeten Silberkrone geschmückt. Ausgearbeitet sind nur die Köpfe, da alles Übrige den Blicken durch ein die Figuren umhüllendes Velum aus Seide entzogen ist. Dadurch fehlt auch jede Andeutung von Händen. Maria blickt frontal zu den Betrachtern, das Jesuskind ist halb zur Mutter, halb zum Volk gewendet. Auffällig ist das dunkle Inkarnat der beiden Gesichter, das auf hohes Älter deutet und an Ikonen der griechisch-orthodoxen Kirche erinnert. Maria scheint auf einer großen schmalen Mondsichel zu. stehen. Die ganze Plastik ist in einen barocken Rahmen von Wolkendarstellungen eingefügt.

Davor waren seinerzeit in mehreren Reihen Gold- und Silbermünzen drapiert. Die Figur war über und über mit Schmuck behängt.

Das beschriebene Gnadenbild ist nach wie vor auf dem Hochaltar der Kirche aufgestellt.

Die Kirche.

Diese ist keineswegs prächtig, sondern eher einer Dorfkirche ähnlich. Sie ist von kreuzförmigem Grundriss und fasst zirka 800 Personen. Beim Hochaltar, wo sich das Gnadenbild befindet, weist das oben schon erwähnte Vorbogenchronographikon auf das legendäre Gründungsjahr hin. Die Kirche hatte vor dem Ersten Weltkrieg vier Altäre. Es kam vor, dass an allen Altären gleichzeitig die Messe gelesen wurde.

Ferner dekorierte ein Deckengemälde das fast leer wirkende Innere. Insgesamt hat man eine einfache, niedrige Kirche vor sich, an die sich gegen den Berghang ein gedrungener, viereckiger Campanile anschiebt. Das bescheidene Gotteshaus, das einmal sogar als “unansehnliche Kirche“ bezeichnet wird, wird mit der Unterbrechung der Wallfahrt durch Joseph II. und durch die hohen Trägerkosten entschuldigt.

Bei dem kalten, niederschlagsreichen Klima war eine solide Bauweise auch viel wichtiger als eine prunkvolle Ausstattung - überhaupt, wo es sich bloß um eine “Sommerkirche“ handelt.

Die Gebäude rund um die Kirche.

Hermann schreibt 1844, dass es “drei gemauerte Gebäude aus neuerer Zeit“ bei der Kirche gibt, in denen notfalls 2.000 Menschen Aufnahme finden können. Außerdem erwähnt er den Pfarrhof für die Priester und ein “Lokal“ für erkrankte.

Zu. Anfang unseres Jahrhunderts waren aus den gemauerten Pilgerhäusern teilweise Gasthäuser geworden. In einem von ihnen war die frühe Einführung einer Art von Selbstbedienung bemerkenswert. Die große rauchige Stube, in der man slowenisch, deutsch und italienisch reden hörte, war nämlich gleichzeitig Küche. Wer zu seinem Essen kommen wollte, musste zu. dem, mit einer Barriere abgetrennten Herd gehen und es gegen Bezahlung direkt von den Köchen in Empfang nehmen, So konnten die Preise durch eingesparte Lohnkosten niedriger gehalten werden und der Gast musste weniger bezahlen.

Selbstverständlich durften auch hier nicht die Buden der Souvenir- und Devotionalienhändler fehlen. Allein acht bis neun von ihnen waren während der Saison ständig am Heiligen Berg zu. finden.

Die kleine Ansiedlung zählte im Sommer 50 Bewohner.

Drei Franziskaner aus Heiligenkreuz bei Unterdrauburg (Krain) logierten im Pfarrhof.

Die Wallfahrer.

Anzahl.

Der Besucherstrom ist nur annähernd abzuschätzen. Eine genaue Statistik wurde nicht geführt - die verschiedenen Zahlenangaben divergieren beträchtlich. In großen Zügen lässt sich aber feststellen, dass der Höhepunkt des Zulaufs im 18. Jahrhundert war. Es sollen in den vier bis fünf Sommermonaten durchschnittlich 100.000 Pilger gekommen sein. Die Unterbrechung der Wallfahrt 1786 - 1791 konnte schon deshalb zu keiner endgültigen werden. Im 19. Jahrhundert kamen immer noch zirka 50.000 Pilger pro Jahr.

Im Jubiläumsjahr 1860, zur 500 – Jahr - Feier, gab es natürlich einen außergewöhnlichen Ansturm, über 150.000 Besucher.

Zu Beginn unseres Jahrhunderts geht die Besucherzahl langsam, aber stetig zurück. Zu dieser Zeit sind es 30.000 Menschen im Jahr, beziehungsweise 20.000 Kommunikanten, die den höchstgelegenen Wallfahrtsort der Monarchie aufsuchen. Trotzdem war Maria Luschari immer noch das beliebteste Pilgerziel von ganz Kärnten und zählte zu. den bedeutendsten Wallfahrtsorten der Monarchie überhaupt. Dies gerade dann, wenn man die genannten Zahlen verdoppelt, was in Anbetracht der kurzen Saison (ohne Fastenzeit, Ostern und “Goldene Sonntage“ im Oktober) mit einiger Berechtigung vertreten werden kann.

Die große Cäsur brachte dann der Erste Weltkrieg mit der Zerstörung des Heiligtums und den neuen Staatsgrenzen. Diese stellen ein Erschwernis für die Besucher aus Kärnten und

Slowenien dar. 1956 schreibt Klier immerhin von 20.000 Besuchern.

Die ethnische Zusammensetzung der Besucher und die Ableitung des Ortsnamens.

Der Versuch einer Analyse der Nationalitätenanteile unter den Besuchern des Heiligen Bergs hilft die Tatsachen zu klären.

Es soll an dieser Stelle die Vermutung geäußert werden, dass der Luschariberg in erster Linie ein Wallfahrtsort der Slowenen und der Windischen war. In der Zeit um 1900 waren drei Viertel der Wallfahrer Slowenen, ein Viertel Deutsche und wenige Italiener.

Dafür, dass es auch schon vorher ähnlich gewesen sein könnte, gibt es einige Indizien. Wie schon erwähnt, wurde die Kirche von Franziskanern aus Krain betreut. Rudolf Waizer, der zu. Ende des vorigen Jahrhunderts den Ort aufgesucht hat, berichtet, dass die Deutschsprachigen in der Minderheit waren. Ebenso schreibt Steinwender, dass besonders die slawische Bevölkerung Kärntens und der angrenzenden Gebiete zu diesem Wallfahrtsort kam.

Ein Blick auf das Liedgut um die Luscharibergwallfahrt zeigt, dass viele slowenische Lieder sich in ihren Texten mit den Legenden um den Gnadenort beschäftigen. Natürlich gibt es auch deutsche Lieder, aber die größere Vielfalt der festgeha1tenen Titel der slowenischen Lieder würde am ehesten in der weiteren Verbreitung der Luschari - Wallfahrt im slowenischen Sprachraum ihre Erklärung finden.

Auch aus der Etymologie des Orteigennamens ergibt sich die große Bedeutung der Wallfahrt für die Slowenen. Luschari, nach Hermann aus “vie‘hari - Berg“ abgeleitet, reicht im Windischen als Bezeichnung vollkommen aus. Ähnlich wie “urbs“ unmissverständlich für den Römer Rom bedeutete.

Ein Lexikon des vergangenen Jahrhunderts bestätigt diese Ableitung. Viš wird dort mit “Höhe“ übersetzt.

Was das Siedlungsgebiet betrifft, liegt der Luschariberg in einem der beiden slowenischen Streifen, die das Kanaltal von Norden nach Süden durchziehen. Gemäß Kranzmayer befindet sich der Ort in einem jener Gebiete Kärntens, die als rein slowenisch benannt gelten können. Andererseits führt Kranzmayer jedoch die Entstehung des Namens Luschari auf eine italienische Umbildung des kirchenlateinischen Wortes „Luciaria“ - Leuchtenberg zurück.

In der Beschreibung des Wallfahrtsortes von Valvasor stoßen wir auf die Betonung, dass der Zulauf aus Krain m besonders stark war.

Natürlich erwähnen auch viele spätere Autoren die Windischen und Slowenen als Wallfahrer von Maria Luschari. So zum Beispiel Haquet: Windische Gailtaler vom Norden, Vonend: Pilger aus Cilly, Marburg, Görz und Gradisca, Hohenauer: Slowenen aus dem Küstenland, Jäger: Slowenen von Krain und Untersteiermark und Grafenauer Slowenen, die in friaulisch Venetien lebten und durch das Fellatal von Süden kamen.

Außer aus den oben erwähnten Orten kamen die Pilger aus folgenden Teilen der Monarchie: Steiermark, Tirol, Oberösterreich, Niederösterreich, Friaul, vereinzelt sogar aus Ungarn und Kroatien.

Der kurze Zeitabstand zwischen dem Tod Joseph II. und der Anordnung Leopold II., die Wallfahrten wieder aufzunehmen, (20.Februar - 15.September 1790) mag nicht zuletzt auf dass starke Drängen der Slowenen zurückzuführen sein. Das ebenso aufgehobene berühmtere Mariazell wird erst 1796 rehabilitiert.

Die Abnahme vom 18. zum 19. Jahrhundert (Halbierung des Besucherstrome) kann auch durch das Auftauchen eines noch zugkräftigeren Wallfahrtsortes für die Slowenen erklärt werden, des Monte Santo bei Görz. Dieser beginnt 1793 aufzublühen.

Die sinkenden Wallfahrerzahlen vor dem Ersten Weltkrieg hatten sicher ihre Ursache auch im Herstellen der Eisenbahn - Verbindungen, die die Wallfahrerprozessionen zurückgehen ließen.

Schon 1866 hatte die Abtretung Friauls den italienischen Pilgern eine Staatsgrenze zwischen Heimatort und Pilgerziel gelegt. Ihr ohnedies geringer Anteil wurde dadurch wohl noch weiter reduziert. Nach dem Ersten Weltkrieg lag dann der Luschariberg in jenem Land, aus dem immer schon der kleinste Prozentsatz von Pilgern gekommen war. Es wurde nicht nur die zerstörte Wallfahrtskirohe erst 1925 wiederhergestellt, sondern für Kärntner und Slowenen ergab sich nun als Wallfahrtshemmnis eine Zoll- und Devisengrenze.

1945, nach dem Zweiten Weltkrieg, war für die Slowenen Tito - Jugoslawiens die Grenze zunächst so gut wie geschlossen.

Im Marienjahr 1954 ging man den schon oben erwähnten interessanten Weg, dass nicht mehr der Pilger das Gnadenbild aufsucht, sondern umgekehrt, was einen völlig neuen Aspekt für die Wallfahrt zu unserer Lieben Frau darstellt.

Ich habe mehrmals die Gelegenheit, in der Kirche von Maria Luschari einen den typischen, mehrsprachig (deutsch - slowenisch - italienisch) gehaltenen Gottesdienst. zu erleben. Nirgends anderswo könnte mit mehr Recht die Muttergottes als Königin Europas angerufen werden als hier.