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Inge Ellen Plattner: klassische Homöopathie - Erkennen und verantwortlich handeln.

diese Review wurde in gekürzter Version ("Rezension") in der Homöopathie-Zeitschrift 2/01 abgedruckt. Nachfolgend meine Fallanalyse eines interessanten chronischen Falles (Neurodermitis S.250 in Fr. Plattners Buch)

1.  Rezension

2.  Beispiel für interessante Überlegungen

3.  Fallanalyse Case Neurodermitis, Seite 250

Erstanamnese

Theoretische Überlegungen zum chronischen Fall

Wieso Antipsorika

Hierarchisierung

Repertorisation

Verlaufsanalyse

 

 

Inge Ellen Plattner: klassische Homöopathie - Erkennen und verantwortlich handeln.

Aus der Praxis einer klassischen Homöopathien

 

Ein spannender Titel: endlich jemand, der sich der Tragweite seiner Therapien bewusst ist!

Erstes Durchblättern gibt einen tollen Eindruck: viele Kasuistiken, sogar mit Repertorisationen, mit langen Verläufen. Immer wieder nahm ich es in die Hand, begann hier, dann da zu lesen, dann von vorne und wurde trotzdem nicht ganz schlau:

Dieses Werk versprüht zweifellos einen gewissen „Charme“, nämlich den Charme des „alltäglichen“, desjenigen, was man in einer Praxis eben erlebt: nämlich dass der Anspruch zwischen „etwas erkennen“ und „verantwortlich“ handeln leider oft nicht 100% erfüllt werden kann. Aus ganz banalen Problemen, die in den präsentierten Kasuistiken immer wieder durchscheinen:

  • es bleibt bei einer Folgekonsultation oder Telefon-Konsultation zuwenig Zeit ausreichend zu dokumentieren, Patient und Behandler vergessen unweigerlich, später kann man dann meistens nur raten.
  • Fehlen einer Niederschrift der Analysestrategie und Gedankengänge: wieso habe ich dieses Mittel jetzt verordnet – sodass man einen Mittelwechsel ganz sicher ein Jahr später nicht mehr nachvollziehen kann
  • rasche Abfertigung eines chronischen Patienten mit einem neuen Mittel aufgrund 2er jetzt gerade aktueller Leitsymptome.
  • sehr gute und differenzierte Anamnese, dann aber Mittelgabe "aus dem Bauch" oder ohne Hierarchisierung aufgrund der Totalität aller Symptome, wobei durch Eintippen von mehreren sinngleichen (und nahezu Mittel-identen) Rubriken in den Computer bestimmte Mittel überbetont werden.
  • einige Sätze aus einem Seminar oder Buch, die hängengeblieben sind und die Richtung einer Anamnese oder Auswertung einseitig beeinflussen
  • ........  .......... ..........

 

All diesen so typischen Problemen einer vollen Praxis begegnete ich in Fr. Plattners Buch. Es ehrt ihre Ehrlichkeit und gibt dem Buch eine ganz aussergewöhnliche Note. Wer noch – ausser Dr. Spinedi – publizierte Fälle, die schlecht laufen, bis man nach Jahren erst versteht was sich wirklich abspielt zum Lernen und Üben?! Das sind Fälle und Fall-Verläufe, wie sie das Leben schreibt – wer etwas anderes behauptet, möge mich als Schüler akzeptieren.

Dahingehend ist dieses Werk absolut empfehlenswert für den Anfänger, der fast immer euphorisch in die Praxis läuft um dann zu sehen, dass „die einfachen Dinge“, wie zB eine banale Otitis, eine Angina usw. durchaus grosse Herausforderungen darstellen können, dass man selber an diesen schweren, multimiasmatischen chronischen Fällen und deren Verlauf verzweifeln kann.

 

Charme auch, weil die Fälle dann trotzdem immer zu laufen beginnen, weil die Homöopathie und die Lebenskraft so wunderbar sind und wir nach einem Jahr mit einem oder mehreren falschen Mitteln endlich aufgrund unberührter oder neu aufgetretener Symptome auf ein gutes Mittel hingewiesen werden.

 

Und natürlich sind viele, viele schöne Heilungsberichte und manch sensationeller Erfolg zu finden, aber – wie so oft im Leben – das Glatte, "das Schöne" füllt den Bauch zuwenig.

 

Nach einigen Seiten tritt ein "Ermüdungseffekt" ein: es ist bei den meist guten Anamnesen oft selbst bei abgedruckter Repertorisation die Arzneiwahl (aufgrund der oben zitierten fehlenden Hierarchisierung) nicht recht nachzuvollziehen, die Mittelfolgen sind weder durchsichtig noch logisch, das Buch steckt voller eingeworfener Plattitüden, so einfach hingeworfene Aussagen, zT ohne direkten Bezug zum umgebenden Text – die in einem Buch doch an sich irgendeiner Begründung oder einer Referenz bedürften? Als ob es sich um Skizzen handeln würde, als ob das Buch nicht fertig editiert worden ist, auf der Stufe des Diktates stehen blieb. Frage an den Verlag: gab es denn hier keinen Lektor, der rezensierte?

Auf manchen Seiten hat man das Gefühl, man hat irgendwas nicht gehört, so als ob man ein wichtiges Gespräch zwischen 2 erfahrenen Homöopathen aus der Entfernung belauschen würde, der Wind den einen oder anderen Satz ans Ohr trägt und das Bedürfnis erweckt „ach würd ich das Gespräch nur ganz erfahren, ich würde vieles gewinnen!“ Es bleibt durchaus der Eindruck, dass hier etwas bedeutungsvolles unfertig ist, ein David im Granitblock versteckt, dass Fr. Plattner nicht nur große Erfahrung sondern auch große Einsicht in die Homöopathie besitzt, aber es fehlt trotz der fantastischen Seitenfülle die Struktur, um dies darzulegen. Hier sei im Vergleich dazu auf Tjado Galics makellose Kasuistik in diesem Journal verwiesen.

Die Mittelgaben von Fr. Plattner (zB Seite 147: LM 18 für 3 Monate) in jenen chronischen Fällen, die nicht zur sofortigen Heilung führen, sind schwer zu beurteilen:

bei einer nicht passenden Q-Potenz sieht man ja innerhalb von Tagen die wegweisenden Symptome des besseren auftauchen, nach 3 Monaten findet sich nur mehr die Arzneimittelprüfung oder Spätverschlechterung[1]. Bei derartigen Therapien hüpft man praktisch nur mehr von Arzneimittel-Prüfung zu Arzneimittel-Prüfung, wie wir es wunderschön dokumentiert vorfinden im Sepia Fall auf der Seite 250[2]. Allerdings sind diese Abläufe im Buch bei guter Erstanamnese durch nachfolgend schwache Verlaufs-Dokumentation selten so klar sichtbar.

 

Dann wieder:

- gedanklich bemerkenswerte und interessante Analogien

- bemerkenswerte Beobachtungen

- ehrliches Eingeständnis von Behandlungsproblemen bzw. der Führung eines Falles

 

All dies macht das Buch für mich zu einer interessanten Erwerbung:

- Entbehrlich, da man im Verhältnis zum Umfang (600 Seiten) verhältnismässig wenig für die eigene Praxis mitnimmt, vielleicht sogar für den nicht so sattelfesten Homöopathen gefährlich aufgrund der Oberflächlichkeit mancher Aussagen, die ohne jedwedige Erklärung oder Referenz nur als Meinung gelten können.

- charmant – da die Probleme der Praxis so unverblümt aufgezeigt werden

- lehrreich, da zwischen den Zeilen immer wieder ein Goldkorn versteckt ist, eine interessante Rubrik, eine schöne Analogie, ein wichtiger Hinweis, den man so noch nicht gesehen oder erfahren hat.

 

Hier war kein Meister am Werk, hier arbeitet eine bemühte und anständige Homöopathin, kämpft wie viele von uns um ein besseres Verständnis, um deutlichere Einsicht in die zugrundeliegenden Dynamiken und Prozesse zu gewinnen.

Ob das genügt 600 Seiten zu füllen? Ob das gerechtfertigt ist?

Letztlich glaube ich „ja“, letztlich überwiegt das positive Gefühl über den immer aufkommenden Kritikaster, der bei jedem 3ten Satz einwirft „das stimmt so nicht“, „wo kommt das her, das kann man nicht einfach so behaupten“, „das wäre ja sehr interessant, aber ein Satz dazu ist zuwenig“.

 

Man muss sich bewusst sein dass das Verhältnis: Erkenntnis pro Seite unvergleichbar geringer ist zu den Highlights der letzten Jahre, wie zB Risch/Labordes Hereditäre chronische Krankheiten oder Gienows Psora, deren Werke unmittelbaren und sofortigen Einfluss auf die weiteren Analysen in der eigenen Ordination zeitigen.

Daher: ich behalte Inge Platters Buch in Ehren.



[1] hier verweise ich ganz dringend auf die ausgezeichnet steuerbare Verwendung der Q-Potenzen, wie sie in der Klinik von Dr. Spinedi in Orselina bei schwersten, vorwiegend Krebs-Patienten eingesetzt wird. Es handelt sich dabei um die Orginal-Prozedur von Hahnemann. Man findet eine exakte Anleitung darüber im fantastischen Kinderheilkunde Buch von G. Hauptmann bzw. auf meiner Website

[2] dass diese mittel-sensible Patientin nach mehreren Jahren massiver nacheinander folgender Arzneimittelprüfungen (die Lebenskraft hat uns unter Mercurius mit folgender Reaktion das schönste Geschenk dargebracht: EXTREMITIES; SWELLING; Elbow; hot and red) die Homöopathie abbrechen will, würde ich nicht unbedingt als "Thuja-Indikation" werten. Gerade dieser Fall zeigt ganz klar die Notwendigkeiten einer sauberen Fall-Führung und Hierarchisierung der Charakteristika sowie Verlaufsparameter. Es ehrt Fr. Plattner diesen Fall publiziert zu haben, ich finde ihn diesbezüglich exemplarisch und habe eine Analyse auf meine Website gelegt.

 

Beispiele für interessante Überlegungen und Analogien

zB S. 457 Case eines Kindes mit Hirn-Tumor, operiert und mit postoperativen Shunt-Problemen (schönes Therapie-Ergebnis mit Phosphor - Silicea – Lycopodium):

aufgrund tuberkulinischer Belastung und 5 Pertussi-Impfungen folgende Rubrikenwahl (Rubriken entsprechend den Rubriken der Orginal-Repertorisation von Fr. Plattner)

 

1.Chest; PHTHISIS pulmonalis (67)

2. Head; INFLAMMATION, of; Brain (28)

3. Head; INFLAMMATION, of; Brain; tubercular (9)

4. Head; INFLAMMATION, of; Brain; meninges (29)

 

Als Erklärung für die Rubrikenwahl folgt im Buch folgender Text:

- 1: das tuberkulinische Terrain wurde aktiviert

- 2 bis 4: sind die ergänzenden Rubriken zu Modalitäten – Impfung, nach, bei Impffolgen. Das entsprechend disponierte Kind reagiert besonders empfindlich, auch auf Impfungen.

 

Prinzipiell erachte ich die Überlegungen als sehr interessant und diskutabel, die durchgeführte Praxis als gefährlich:

1. die Rubrik „akute Tuberkulose“ ist gottseidank gross genug, sodass beinahe alle wichtigen Tumor-Mittel und Antipsorika vorkommen, man verliert also kein praxisrelevantes Mittel (ausser ev. Arg.-nit). Ob diese Rubrik tatsächlich optimal für eine „theoretisch postulierte Aktivierung einer Tuberkulinie“ herhalten darf, wird nirgendwo begründet oder erklärt.

2. indem man Rubrik 2-4 nebeneinander in der Repertorisaton anführt, kommt es zu einer massiven Verstärkung gewisser Mittel in der Repertorisation. Wenn man tatsächlich eine spezielle Rubrik für Impffolgen hieraus kreieren wollte, müsste man ev. korrekterweise diese 3 Rubriken additiv kombinieren:

- combined Inflammation Brain, Tubercular, meninges (42)

Oder auch nicht? Dies sind ja tatsächlich ganz elementare Fragen für die Praxis, die korrekterweise nicht so oberflächlich gehandhabt werden dürfte.

Gottseidank kam in diesem Fall das bewährteste Hirn-Tumor-Mittel, Phos[1], heraus und das Kind bekam dieses Mittel längere Zeit in sehr vorsichtiger Dosierung.

 

Anderes Beispiel für eine sehr interessante Bemerkung: Seite 147: öfters gesehen: Spinnen verlassen das Haus, wenn die (Spinnen-) Phobie besiegt ist und kehren zurück, falls die Ängste wieder auftreten

 

 

Fallbesprechung mit grundlegende Überlegungen zur Therapie chronischer Krankheiten

prinzipielle Überlegungen zur Auswertung einer tiefen chronischen Störung

 

da wir in den Zeitschriften fast immer nur „Singel Remedy Cases“ vorgeführt bekommen, die in ihrer Klarheit und Eindringlichkeit den Behandler beeindruckt haben und die ein Mittel besonders verdeutlichen mögen, was aber – bis auf auserwählte Homöopathen, die am Podium immer nur solche Fälle zu haben reklamieren – was also eher die Ausnahme in der Praxis, nicht die Regel darstellt, möchte ich mich gern eines Falles aus dem Buch von Fr. Plattner bedienen, der sauber und ehrlich dokumentiert ist und die Schwierigkeiten der praktischen Handhabung eines schweren, polymiasmatisch vorbelasteten Fall ganz exemplarisch demonstriert.

 

Der Fall im Buch von Frau Plattner auf der Seite 250, „Neurodermitis“ demonstriert die typische Praxis solcher Fälle ausgezeichnet. Für das ehrliche Abdrucken eines derartigen schwierig verlaufenden Falles sei Fr. Plattner die allergrösste Hochachtung ausgesprochen. Ich glaube, man kann gerade bei der Analyse eines solchen Falles wesentlich mehr über die Prinzipien der Homöopathie bei schweren chronischen Fällen lernen, als bei den sonst üblichen Ein-Mittel-hat-bis-zum-Karma-geheilten-Jubelfällen.

 

Da dieser Fall und seine Komplikationen sowie die therapeutischen Probleme und Fehler dabei recht typisch für derartige Patienten ist, möchte ich den Fall genauer analysieren.

 

Erstanamnese (zusammengefasst)

vom April 1993, die 1959 geborene Patientin hatte 1980 Durchfälle, seit 82 Neurodermitis (23jährig), 1983 Darmfistel-OP, seit ihrer ersten Schwangerschaft Hypertonie, damals auch mehrmalige Hämorrhoiden-Operation, Haarausfall seit der Schwangerschaft, Haare schwer zu bändigen, Mastdarmvorfall, chron. Sinusitiden, rez. Lippen-Herpes, Z.n. Schilddrüsenunterfunktion, Harnwegsinfekte, Kopfweh bei Fön, Schwindel / Schwebegefühl. Immer schon Ohnmacht bei Grippen, Anginen, Fieber, Infekten, Schmerz. Schlank, gepflegt, pingelig, unruhig und eilig. Abneigung gegen Hausarbeit, Furcht dass etwas passieren kann, seit Beta-Blocker Gefühl verrückt zu werden.

Mütterliche Seite: Krebs, Tuberkulose

Väterliche Seite: Krebs, GM väterlicherseits: 3 Kinder nach Impfung verstorben[2]

 

Hinweis zur Herangehensweise an einen „chronischen Fall“

hier sehen wir einen tiefen, chronischen, „miasmatischen“ Fall (das heisst, die Störung ist vermutlich tw. ererbt, jedenfalls das Resultat einer einzigen tiefsitzenden Störung, die durch allopathische Manipulationen vertieft und verstärkt worden ist).

 

Dies bedeutet automatisch, dass wir mit einem tiefwirksamen, s.g. Antipsorikum arbeiten müssen, denn mit „oberflächlichen Mitteln“ können wir diese tiefe Störung, die die Substanz des Körpers bereits durchdringt und pathologische Veränderungen durchführt (Fisteln, chron. Eiterungen, Haare unkämmbar, Fieberblasen, Schilddrüsenunterfunktion, Mastdarmvorfall) nicht ausreichend angreifen.

 

Der Einwand „moderner“ Homöopathen[3]: „jedes Mittel kann ein Antipsorikum sein, wenn es wirklich passt“ – muss man mit Künzli beantworten: ja, auch Stramonium kann ein „Konstitutionsmittel“ sein, welches ganz tiefwirkende chronische Störungen behandeln kann, aber das sieht man im Leben 2 oder 3 mal, wohingegen man Lyc, Sep, Nat-mur, Sulph, .... Störungen täglich 2-3x sehen kann.

Polemischer ausgedrückt: für die meisten Homöopathen reicht die Kapazität eben nicht dafür, 2.000 Mittel zu verstehen, und trotzdem müssen wir Fälle wie den oben zitierten – die TÄGLICH in die Praxis kommen - sauber lösen können[4]. Ohne die manchmal fantastischen Erfolge mit einem kleinen Mittel schmälern zu wollen ist es daher notwendig, ein gutes, fundiertes „klassisches“ Rüstzeug zu haben, um in diesen „miasmatischen“ Fällen mit den 14-20 Mitteln, die wir in der Praxis häufig benutzen und daher gut kennen[5] ebenfalls derartige Fälle erfolgreich führen zu können.

Die Erfolge sind dabei u.U. nicht so spektakulär wie mit Falkenblut oder Technetium-iodatum[6], aber langfristig trotzdem sehr zufriedenstellend[7], die Therapien sauber und durchsichtig. Hier herrscht KEIN Widerspruch zwischen den modernen Mental-State Homöopathen und den „Homöomechanikern“[8], diese Synthese wird zur zeit wohl am besten durch Mangellavori demonstriert. Ich kann hier durchaus aus eigener Erfahrung sprechen (siehe Biographie).

 

Wieso Antipsorika?

Hahnemanns Erfahrungen nach 37 Jahren erfolgreicher homöopathischer Praxis[9] (ohne den Fallschirm einer funktionierenden Schulmedizin im Hintergrund zu haben !!!) war: mit vielen Mitteln kann ich wunderbare Erfolge erzielen, aber der Patient kommt wieder, wieder und wieder, jedesmal kränker um schliesslich an einer Krankheit zu versterben. Nach 12 jähriger Analyse all seiner erfolgreich behandelten Fälle[10], kam er zur „Theorie der Chronischen Krankheit“:

hinter all den Einzelmanifestationen (zB: Hämorrhoiden, unwilliges Haar, Fieberblasen, Blutdruck, Fistel, Unruhe und Eile ....) steht eine einzige Störung.

Typische Hinweise auf eine derartige tiefgehende Störung („Miasmatische Störung“) sind ganz bestimmte  Symptome, vorzüglich Symptome die nicht funktioneller Art sind (zB Hypertonie), sondern die die Substanz des Körpers direkt betreffen (Hämorrhoiden, Fisteln, Fieberblasen ...). Hahnemann gab uns hier eine recht vollständige Liste dieser Symptome

Hahnemann fand in dieser bis heute von keinem Homöopathen nachexerzierten Kraftanstrengung, dass nur ganz gewisse Mittel die Möglichkeit mitbringen, diese tiefreichende Störung tatsächlich substanziell zu berühren und zu vermindern, nämlich jene Mittel, die auch die Kraft besassen, in den Arzneimittelprüfungen, der Toxikologie  und nach der klinischen Erfahrung eine gewisse Gruppe von Symptomen – die Symptome der latenten und ausbrechenden Psora - zu erzeugen bzw. zu heilen[11]. Man sollte im Lichte der tatsächlichen Forschungsarbeit und Erfahrung Hahnemanns (siehe die Fußnote) derartige Erkenntnisse nicht leichtfertig wegwischen und durch theoretische Konzepte ersetzen, besonders, wenn man selber vielleicht gerade erst einige Jahre in der Praxis ist und erst einige hundert Fälle Erfahrung hat.

Die unglaublich wichtige Liste der Symptome der latenten und ausbrechenden Psora besagen: wenn derartige Symptome bei einem Patienten auftreten, sollten sie tunlichst durch das gewählte Mittel abgedeckt sein, denn sonst ist nicht gewährleistet, dass die Störung in ihrem ganzen Ausmass, bis in die Tiefe hinein behandelt wird.

 

Die Praxis zeigt, dass „thematisch gut gewählte Mittel“, die die wichtigen Beschwerden der latenten und ausbrechenden Psora unberührt lassen, oft erstaunliche Besserungen funktioneller Beschwerden und des Geistes-Gemüts-Zustandes bewirken können, trotzdem aber arrodiert das chronische Geschehen die Gesundheit des Patienten versteckt in der Tiefe weiter und „plötzlich“ – trotz vorher gutem Zustand und „guter Therapie“ kommt es zum Auftreten einer sehr schwerwiegenden Erkrankung[12].

Eine guter Hinweis für die Praxis sind zB jene Rubriken, die nach Künzli im Repertorium Generale mit einem Punkt markiert sind. Diese Rubriken betreffen fast immer Symptome der latenten oder ausbrechenden Psora und können in der Auswertung durchaus eliminativen Charakter haben.

 

Nebenbei bemerkt: Wenn wir uns - wie es uns Hahnemann in §153[13] gelehrt hat - vorallem derartiger $153er Symptome in der Vorauswahl bedienen, fallen praktisch alle „kleinen“ und neuen Mittel weg.

 

Hierarchisierung der Symptome des präsentierten Falles

die oben sehr verkürzte Anamnese ergäbe in etwa folgende Hierarchisierung[14]:

 

I) §153 – auffallende, frappierende, ungewöhnliche, „Charakteristische Symptome“[15]

  • Ohnmacht bei Fieber frappierend, ungewöhnlich, auffallendes funktionelles Symptom welches eine Störung der Kreislaufregulation des Körpers betrifft, dass es seit Kindheit vorhanden ist verstärkt den auffallenden Charakter (Historisches Symptom nach ... Candegabe).
  • Darmfistel: sehr gute Rubrik, zutiefst miasmatisches Symptom, muss unbedingt vom Mittel getroffen werden.
  • mehrfach OP Hämorrhoiden in Grav und später, seither Hypertonie: Hämorrhoiden in Grav[16] sind nicht so auffallend da häuffig, aber: mehrmalige Hämorrhoiden–OP in der Schwangerschaft, mit Langzeitfolge Hypertonie ist doch sehr sehr auffallend, auch später noch hatte sie Hämorrhoiden OP
  • (ev. Ail. unterdrückte Hämorrhoiden – wenn dies wirklich so deutlich als Ursache für die Fistel und die Hypertonie vorhanden ist, was aus der abgedruckten Anamnese nicht zweifelsfrei angenommen werden kann.)
  • (Mastdarmvorfallmit 122 Mittel wenig brauchbare Rubrik, wenn es auch frappiert im Zusammenhang mit den Multiplen Hämorrhoiden und Durchfällen à daher nach 5 - Lokalsymptom)

 

II) auffallende, gut beobachtbare und objektive Geistes und Gemüts-Symptome[17]

  • Unruhe und Eile
  • übertrieben perfektionistisch
  • übertrieben sparsam
  • Träumt wiederholt davon, dass ihre Kinder aus dem Fenster fallen sehr wichtig, da dies Träume als deutlichste Hinweise auf den wirklichen Mental State dienen. Leider – wie meistens bei den State-Symptomen - nicht sehr gut direkt repertorisierbar, hier schleppt man sich leicht Interpretationen und Theorien ein.
  • (Furcht vor drohendem Unheil: Rubrik sehr gross und damit nicht differenzierend, auch handelt es sich um ein typisches Allgemeingefühl jedes tief miasmatisch Belasteten Patienten, vorzugsweise der Sykotiker)
  • (Furcht vor Geisteskrankheit: wie oben)

 

 

III) deutliche Allgemeinsymptome, Symptome der Regulation und Ausscheidung des Körpers

  • chron Sinusitis, Mandeleiterung
  • Schwindel m Schwebegefühl
  • Benommenheit beim Aufstehen
  • Herpes an Lippen
  • Haare unkämmbar (ev. nach I)
  • SD-Unterfunktion in Grav
  • Hosenbund unverträglich
  • Meer verbessert
  • Menses klumpig und schwarz
  • Hosenbund unverträglich
  • Heisshunger auf Schokolade nachts
  • Fön

 

V) Lokal-Symptome

  • HP bei Fön
  • Neurodermitis
  • Bindehautentzündung
  • Mandeleiterungen
  • Mastdarmvorfall
  • Nierenbecken-Entzündung
  • Bronchitis
  • Schmerzen im re. Unterbauch
  • Gebärmutter-Entzündung
  • .........

 Repertorisation

 

 

 

diese Repertorisation (unvollständig, ich hab nur einen Teil der Symptome eingetippt) zeigt jetzt nur das Prinzip:

  1. die 1er Symptome (§153) müssen jedenfalls gedeckt sein, mit denen „eliminieren“ wir[18].
  2. Es bleiben daher nach der Repertorisation der §153 Symptome nur mehr Sulph, Sep und Petr, denn Nux-v, Puls, Ign und Bell sind keine Antipsorika und fallen daher weg, wenn man den Therapie-Ansatz antimiasmatisch und nicht palliativ setzen möchte.
  3. Mithilfe der Symptome des GG-Zustandes (bei der Patientin: pingelig, eilig, geizig, Abneigung gegen Hausarbeit, ...) können wir nach §211[19] eher Sepia[20] denn Sulphur differenzieren (hier gibt die abgedruckte Anamnese keine völlige Klarheit her).
  4. die „Lokalsymptome“ sind in der Praxis nahezu bedeutungslos[21].

 

 

Verlauf

Zurück zu Plattner: auf S253 gibt sie uns dann „Ideen und mögliche Mittelwahl“ für diese Patientin (Orginalzitate in Kursiv)

Sulphur: Unterdrückung

Medorrhinum: Unruhe, Eile, besser am Meer, Einzelkind (unfreiwillig),

Lac-can: ständiger Wechsel der Seiten, Schwebegefühl, Nebenhöhlen, Herzbeschwerden

Nux-vom: unterdrückte Hämorrhoiden

Lachesis: als ob was im Hals steckt, Blasenprobleme, schwarze Menses

Carcinosinum: Windpocken im Erwachsenenalter, besser am Meer

Sepia: Heisshunger auf Schokolade, Gefühl des Schwebens, Haarausfall, Fistel, Prolaps, Sinusitis, Cystitis, Scheidenpilze

Nat-mur: Struma, Hautprobleme, Nebenhöhlen (Höhlenmittel), besser am Meer

Silicea: TBC in der Familie, Eiterungen, Darmfisteln (tuberkulinisch, syphilitisch), Impfungen, Ohnmacht nach Schmerzen.

 

Plattner beginnt 4/93 mit Sulphur[22], was durchaus wohlbegründet ist und eine gute Mittelwahl erscheint.

 

Nach einem Monat einer LM-Potenz (2x wö 1 Tropfen) kommen die Sepia-Symptome stärker (Scheidenpilz tritt auf, NH-Eiterung[23]), auch die Haut wird schlechter.

 

Sie bleibt trotz gegenteiliger Information des Körpers auf Sulph[24]

 

Juni 1993: Haut abgeheilt

 

September 1993: Hypertone Krise à deutlicher Hinweis auf Unterdrückung durch Sulphur

Plattner wechselt jetzt auf Thuja LM 18. Im Buch gibt sie die Begründung: fam. Impfschaden vtls, hier gehe ich von Pocken aus, auch Hochdruck und Windpocken 1992.

Impfschaden für diese Patientin und Pocken sind hier völlig theoretisiert[25], die aktuellen Beschwerden geben wenig Hinweis auf Thuja (an der letzten Stelle in Plattners eigener Repertorisation).

 

Oktober 93: Haut extrem schlecht, tiefe Risse in den Händen – Thuja fehlt in dieser Rubrik, Sepia vorhanden – gibt Thuja weiter

 

Januar 1994: Konjunktivitis, sehr starke Monats-Blutung, Haut ist besser, Beta-Blocker mit Reserpinium ausgeschlichen

 

Mai 1994: eitriger Ausschlag rechte Hand mit Lymphknoten-Schwellung [Unterdrückung!] à Merc LM6

dann: ans Meer gefahren:  extremer Schub,Hautausschläge am ganzen Körper, Ellbogen eine Schwellung wie ein Ei:

EXTREMITIES; SWELLING; Elbow; hot and red (K1197, G990) (1) nur Mercurius im 3ten Grad, also eine wunderschöne Arzneimittelprüfung.

Augenlider rissig und offen, Herpes an den Lippen

 

Repertorisation der jetzt aktuellen „Akut-Symptome“

à gibt Nat-mur LM18

 

Juli 1994: ödematöse Schwellung des rechten Handgelenks und Unterarms, rechte Armbeuge offen. Patientin will Therapie abbrechen, sie hat jetzt genug und „Scheissangst“.

 

 

jede der Reaktionen des Körpers zeigen deutlich in eine Richtung.

Jetzt verliert Fr. Plattner ganz den Faden, geht zur Lokaltherapie über: Apis D12 i.W. mit Arsen D12

dann Anthracinum LM6 täglich 1gtt.

 

Haut ist fast normal, Blutdruck seit April normal, Riesen-Hämorrhoide gekommen à Arsen D12 weiter (wieso??)

 

September 94: Haut heilt, aber Blutdruck steigt – Unruhezustände à Arsen absetzen

 

Oktober 94: NH-Eiterung links, Hautausschlag Hals und Arme, Gefühl als sei etwas im Linken Hals à Lachesis LM18

 

Dezember 94: Patientin beschwert sich: die Haut hat mit Lachesis geeitert und Lymphödem, nach Antibiotikum sofort besser à Pause

 

März 1995: Harnwegsinfekte rezidivierend, Zyklus verkürzt, Blutdruck schwankend à Canth D12, dann Sepia LM 18 (2 Flaschen, dann 1 Gabe Sepia 200)

 

daraufhin: Sofort Ekzem und starker Ausfluss, Blutdruck stabil. Im Laufe des Jahres: Warzen am Busen, rez. Cysten am Ovar, Blutdruck stabil

 

März 1996: Haut ist gut

 

Mai 1996: Blutdruck normal, Haut wieder schlechter, hat Herpes, keine Cystitis mehr

 

Juli 1996: Carcinosin verordnet

wieso?? Wird nirgends erklärt. Wenn das Mittel Sepia, das sich in der ersten Auswertung an 2ter Stelle etabliert, das nach jeder Q-Potenz durch die Reaktionen des Körpers bestätigt wird bei einer derartig tiefgehenden Störung nach 1 Gabe einer 200er mit 35 Tagen Wirkdauer endlich für 1 Jahr soetwas wie Ruhe gebracht hatte, wieso wird jetzt dieses Mittel gewechselt.

Patientin will es (Carc) .....  nicht nehmen, bekommt dann Cortison vom Hausarzt.

 

nach Carcinosin Mastitis rechte Brust, Notarzt, Schwllung von Armen und Beinen, bekommt 80mg Cortison pro Tag und Antibiotika à Nux-v LM6

 

 

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es wird wieder sehr unruhig, eine Arzneimittelprüfung folgt auf die andere, viele mittel werden gegeben so geht es über mehrere Seiten weiter und fort:

es folgen viele Abszesse, Eiterungen, Mastitiden, schliesslich nach 2 jährigen Irrwegen mit vielen verschiedenen Mitteln, die immer nur aufgrund aktueller Leitsymptomen gewählt werden, die Ankunft bei Silicea, welches Ruhe einkehren lässt.

Dann nach 2 jähriger Besserung nachdem die Mutter erkrankt wieder ein Rückfall, die Haut ist wieder offen, nässt und eitert – Patientin nimmt Cortison, will das alles nicht mehr mitmachen, bekommt daher wegen

Misstrauen gegenüber der gebenden Haltung anderer, Verschlossenheit, Schuldgefühle und extreme Gewissenhaftigkeit, verstecken/verbergen wieder Thuja LM30.

 

Daraufhin bricht diese Fallschilderung kommentarlos ab (wie nahezu alle Fälle im Buch).

 

 

Ich zitiere diesen zufällig ausgewählten Fall[26] nicht um die Arbeit von Fr. Plattner zu kritisieren, sondern voller Respekt vor ihrem Mut und Stärke: derartige Fälle zu tragen, die Patienten zu motivieren ist nicht selbstverständlich, die Probleme die sich ergeben sind ganz typische Probleme nicht nur bei Ihr sondern sicher in vielen Praxen, auch immer wieder einmal in meiner eigenen.

Im Gegenteil, gerade, weil sie derartige Fälle so ehrlich und offen publiziert[27] ist Fr. Plattners Buch einzigartig und glaubwürdig, können diese Fälle bei einer genauen Analyse lehrreich sein[28]., man kann ganz großartig die Natur der Lebenskraft, die klare Wirksamkeit der Homöopathie, des Similegesetzes, der Paragraphen über die Mittelwirkung, das Konzept der chronischen Krankheit und ihre Behandlung studieren.

Dafür sei Sie aufrichtig bedankt.

 

 



[1] Erfahrungen aus der Klinik von Dr. Spinedi sowie eigene Erfahrung

[2] das wären, wenn ich es richtig verstehe, die Geschwister des Vaters, was ja massivste Auswirkungen systemischer Art auf die Patientin hätte. Hier halte ich eine durchgreifende Besserung ohne eine gute Familienaufstellung für nahezu unmöglich. Aber Vorsicht: die Familienaufstellung ist vielleicht noch höher potenziert als die Homöopathie und kann u.U. bei einem falschen Mittel eine jahrelange Verschlechterung zur Folge haben. Hier empfielt es sich wirklich einen besonders gut ausgebildeten Therapeuten zu suchen!!

[3] „Hahnemann würde heute auch mit Lac-leoninum und Falkenblut arbeiten wenn er die Möglichkeit zur Entwicklung gehabt hätte“

[4] selbst Scholten gesteht, dass er nur 10% seiner Fälle nach seiner eigenen Methodik löst (blaues Buch), im persönlichen Gespräch (Wien 1999) meinte er, höchstens 20% der Fälle auf diese Art und Weise. Besucher in Sankarans Praxis fanden sich sehr frustriert über den Alltag und die wirklichen Erfolge dort. Andererseits konnte Boenninghausen mit 120 Mittel fantastischste Erfolge erzielen, wie in seinem Artikel Tridiarium homöopathikum aus den kleinen Schriften eindrucks gezeigt.

[5] Überlieferte Aussage von P. Schmid und J. Künzli, nach Spinedi, Bad Imnau 1999. Entspricht sehr gut einer Aufstellung aller Mittel, die in der Clinica St. Croce in Orselina (Dr. Spinedi) in den ersten beiden Jahren verwendet wurden. S.g. „kleine Mittel“ stellen Raritäten dar, die Erfolge bei allerschwersten – meist schulmedizinisch austherapierten Erkrankungen – sind mit den klassischen 2ß Polychresten beeindruckend.

[6] wobei in den Zeitschriften und Büchern zu den „kleinen Mitteln“ meistens spezifische Lebensthemen und daraus folgende funktionelle Störungen behandelt werden, seltener die chronischen Störungen mit tiefergehenden Veränderungen der Substanz des Leibes. Hier plädiere ich sehr für eine „Individualisierung“ der Homöopathie: wir benötigen verschiedene Herangehensweisen für verschiedene Störungen. In meiner Praxis öffnet ein erfolgreich angewendetes kleines Mittel einen Fall, eliminiert einen Layer, entfernt eine Schichte – oft fantastisch in der Geschwindigkeit und Tiefe der Persönlichkeits-„Befreiung“, aber nahezu immer entwickelten sich in der Folge Beschwerden eines Polychrests und dieses durfte dann ganz nachhaltig wirken, was es u.U. vor der Entfernung der Schichte durch das kleine Mittel nicht tat.

[7] Dr. Spinedi zitiert in seiner Klinik eine > 90% Heilung von nicht organüberschreitenden Tumoren, im wesentlichen mit 14 Mitteln (Bad Imnau 1999), eine > 50% -Stabilisierung (Heilung aufgrund der zu kurzen Beobachtungszeit von bisher 5 Jahren nicht

[8] Peter König in der AHZ anno 1991 in Antwort auf den Vorwurf der „Psychodünstlerei“ durch einen strengen „Klassischen“ Kollegen.

[9] Hahnemanns Promotion zum Arzt 1779, bereits 1782 erste Veröffentlichung der Verwendung von Hepar-sulphuris, Veröffentlichung des Werkes „Unterricht für Wundärzte“ 1789 (ein umfassendes Werk welches damals glänzende Reviews bekam mit doppelt so vielen Paragraphen als sie im Organon zu finden sind) – dort die erstmalige Beschreibung einer homöopathischen Heilung der Syphilis durch „Erregung des Mercurial-Fiebers“. 1790 der Chinarindenversuch – Beschreibung der Simileregel. Erstmalige Erwähnung des Begriffes „psorisch“ war 1805 (das sind 26 Jahre klinischer, praktischer Erfahrung), 1828 – nach 49 Jahren praktischer Erfahrung mit Patienten und 38 Jahre nach der Formulierung des Similegesetzes die Publikation der Theorie der „Chronischen Krankheiten“. Entwicklung der Q-Potenzen in Paris ab 1936, arbeitet am Organon 6 bis zum Lebensende 1942 (nach 63 jähriger Erfahrung in der Praxis, 52 Jahre davon als deklarierter Homöopath) [nach Laborde/Risch HCK und Stahl Briefwechsel zw. Hahnemann und Boenninghausen]

[10] nach seiner Aussage: ich habe über 12 Jahre lang nur mehr jede 3te Nacht geschlafen, jeweils 2 Nächte lang die Fälle chronisch Erkrankter rückblickend analysiert

[11] Symptome der latenten und ausbrechenden Psora in Chronische Krankheiten, Band 1.

[12] siehe die Artikel und Diskussionen in Homeopathic Links .... „why do Homeopaths die of Cancer“, siehe vorallem die Biographie von Patel in Risch/Labords Meilensteinbuch hereditäre chronische Krankheiten, Seite 295ff.

[13] §153 Bei dieser Aufsuchung eines homöopathisch specifischen Heilmittels, das ist, bei dieser Gegeneinanderhaltung des Zeichen-Inbegriffs der natürlichen Krankheit gegen die Symptomenreihen der vorhandenen Arnzneien um unter diesen eine, dem zu heilenden Uebel in Aehnlichkeit entsprechende Kunstkrankheits-Potenz zufinden, sind die auffallendern, sonderlichen, ungewöhnlichen und eigenheitlichen (charakteristischen) Zeichen und Symptome des Krankheitsfalles, besonders und fast einzig fest in´s Auge zu fassen; denn vorzüglich diesen, müssen sehr ähnliche, in der Symptomenreihe der gesuchten Arznei entsprechen, wenn sie die passendste zur Heilung sein soll. Die allgemeinern und unbestimmtern: Eßlust-Mangel, Kopfweh, Mattigkeit, unruhiger Schlaf, Unbehaglichkeit u.s.w., verdienen in dieser Allgemeinheit und wenn sie nicht näher bezeichnet sind, wenig Aufmerksamkeit, da man so etwas Allgemeines fast bei jeder Krankheit und jeder Arznei sieht.

[14] die Reihenfolge ist chronologisch dem Auftreten im Orginaltext entsprechend

[15] charakteristisch kann ein Symptom werden durch: Lokalisation, Modalität, ..... à siehe Repertorium der Charakteristika von Barthel.

Im Einzelfall kann ein kleines Lokalsymptom (zB Warze auf der Nase) sehr wohl das auffallendste Symptom werden (dieses Symptom wäre zB auffallend durch die Lokalisation und auffallend an sich, da es den Inbegriff einer Sykotischen Störung repräsentieren könnte). Natürlich sind auch wirklich deutliche Symptome, die den Mental State tatsächlich charakterisieren, auffallende „1er“ Symptome – hier besteht jedoch immer die Gefahr der Interpretation, daher ist es besser beim Vorhandensein von objektiven 1er Symptomen diese in der Elimination vorzuziehen.

[16] Schwangerschaft, Pupertät, Klimakterium sind Stressoren im biologischen Ablauf des Menschen, die eine „latente Störung“ provozieren und zum Ausbruch bringen können.

[17] nach Spinedi kann man hier eine Subdifferenzierung treffen in

Mental State (nach Sankaran, wenn der erfasst werden kann)

Symptome die das Überleben des Individuums gefärden (Suicid ...)

Symptome die das Überleben der Rasse betreffen (Mordgelüste, Abneigung gegen Sex, ..

[18] in jedem Computer-Programm besteht die Möglichkeit die Mittel-Anzeige auf nur jene Mittel zu beschränken, welche in einer oder mehreren bestimmten Rubriken vorkommen. Dabei gibt es auch immer die Möglichkeit Rubriken zu kombinieren. Diese Methode nennt man „Eliminative Repertorisation“. Früher – als man manuell repertorisiert hat, kam die „künstlerische Repertorisation“ dem gleich (kreuzen zweier wichtiger und relativ kleiner Rubriken, sodann weitere Repertorisation mit nur mehr den beiden Rubriken gemeinsamen Mitteln).

[19] Dieß geht so weit, daß bei homöopathischer Wahl eines Heilmittels, der Gemüthszustand des Kranken oft am meisten den Ausschlag giebt, als Zeichen von bestimmter Eigenheit, welches dem genau beobachtenden Arzte unter allen am wenigsten verborgen bleiben kann. (d.h. die Hinweise auf den Mental State geben den Ausschlag, nachdem wir mit §153 Symptomen vorausgewählt haben, wobei natürlich auch ganz ganz deutliche und charakteristische Symptome des Mental States in der Auswertung eliminativen Charakter erhalten können).

[20] in der Praxis hat sich die von Künzli über Spinedi überlieferte Regel: man kann Sepia in jenen Rubriken nachtragen, in denen Nat-mur vorkommt gut bewährt – in unserem Beispiel dürfen wir also auch Sepia als Mittel für unterdrückte Hämorrhoiden annehmen.

Eine eigene Beobachtung von mir ist, dass man Lyc. auch in jenen Rubriken nehmen kann, in denen Alumina vorkommt – nicht verwunderlich, da Lyc. ja zu 60% des Verbrennungsrückstandes ja aus Aluminium besteht.

[21] die immer wieder aufgebrachten Differenz zwischen der Boenninghausen – Methode und dieser hier vorgestellten Hierarchisierung nach Kent sind künstlich und in der Praxis nicht existent: ein auffallendes, charakteristisches Hauptsymptom wird – eben aus jenem Grund – in den ersten Grad hierarchisiert und bestimmt daher die weitere Auswertung vollkommen. Jedes Symptom kann – wenn es §153 gewertet wird, den Fall bestimmen. Spinedi löste schwerste Krebspathologien über das Lokalsymptom „blauer Knoten“, „Warze am Kinn“, „Riss am After“, weil dies eben ein für die Krankheit §153 Lokal-Symptome darstellt und damit höhere Wertigkeit als ein gut beobachtbares Gemütssymptom bekommt.

[22] Nachdem Plattner die unterdrückten Hämorrhoiden am höchsten wertete fiel ihr die Sepia wegen der Nichtbeachtung des in der Praxis wichtigen Künzli-Hinweises „Sepia auch dort mitzunehmen, wo Nat-mur deutlich vorkommt“, raus.

[23] in diesen beiden Rubriken aus dem Complete Repertory v4.5 fehlen zB Sulphur

GENERALITIES; INFLAMMATION; chronic; sinusitis (77)

NOSE; CATARRH; extending to; frontal sinuses (71)

[24] ich möchte dies hier durchaus nicht „kritisierend“ zitieren, das sind einfach die Probleme der Praxis, ein Teil der Symptome bessern sich, ein Teil ist gleich, irgendwas ist neu in einem tiefen chronischen Fall. Oft erst in der Rück- oder Zusammenschau wird klar, was sich abgespielt hat..

[25] wenn schon phantasieren, dann würde ich annehmen, dass – nachdem der Vater 3 Geschwister durch Impfung verloren hat – eine tiefe Nat-mur Schiene in dieser Familie verläuft. Systemisch kann des Vaters Mutter zu keiner emotionellen Hingabe mehr fähig gewesen sein, der Vater wird daher emotionell stark deplitiert und gerät in einen „Nat-“ Zustand, die Patientin wächst dadurch väterlicherseits in einer deutlichen Nat-mur / Nat-carb Dynamik auf. Aber wiegesagt, dies ist alles Theorie und Hypothese, nur die Symptome zählen.

[26] ich habe einfach das Buch aufgeschlagen und den dabei geöffneten Fall als „Beispiel“ herangezogen.

[27] mir ist sonst nur Dr. Spinedi bekannt, der in seinen Seminaren auch immer wieder einmal die „schlecht“ verlaufenden Fälle, seine Behandlungs-„Fehler“ zur Demonstrationszwecken präsentiert.

[28] Die Fälle an sich, so wie sie sind, kommentarlos, werden wohl viele verwirren.

 

 

 

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