Interessante Fälle  & Diskussionsbeiträge  

 

 

siehe auch die Links

 

   

 

es handelt sich im folgenden um interessante und sauber dokumentierte Fälle, die im Rahmen eines "Quizzes" in der Mailing Liste der Homöopathie-Zeitschrift (letztes Issue "Krebs" ganz fantastisch) veröffentlicht wurden und die durchaus "Lehrcharakter" haben.

 

Die Fälle sind jeweils mit Erlaubnis der Patienten anonym sowie der Erlaubnis und Angabe des Behandlers veröffentlicht

 

 

   
   

 

 

 

 

 

Case Abszess der Brust

 

-----Ursprüngliche Nachricht----- Von: Tjado Galic <mailto:t.galic@t-online.de>

An: mailingliste Forun <mailto:liste@homeopathie-zeitschrift.de>

Gesendet: Donnerstag, 15. Februar 2001 19:20

 

Hallo Teilnehmer; mein Vorschlag, ein netter Quiz mit gut gelaufenen Fällen; wer Lust hat macht mit. D.h. Vorschläge für Analyse, Rubriken und Mittel

 

Hier ein Bsp., akute Fallaufnahme 21.11.00

 

Patientin ge. 1967; 3 Woche nach Entbindung (2.SS)

 

Seit 1. Woche zunehmende Verhärtung (steinhart) in rechter Brust ; jetzt 7-10 cm lang, ca. 4 cm breit; äußerer unterer und oberer Quadrant sowie in den oberen inneren Quadranten hinein. Li. Brust o.B.

Extreme Furcht vor Abszeß. Hatte sie nach der ersten SS in der 4. Woche, war damals stationär über 3 Wochen mit Drainage unter hochdosierten Antibiotika in der Klinik; war dieselbe Stelle wie jetzt. Damals wurde schließlich eine operative Abszeßresektion (ca. 1/2 Liter) vorgenommen.

Befund: keine sichtbaren Entzündungszeichen, keine Venenstauung, die Schwellung ist indolent und palpatorisch scharf abgrenzbar; Lkn. axillär und supraclaviculär nicht tastbar. Starke Schweißbildung vom Hals bis zum Bauchnabel. Subfebrile Temperatur, Puls 90 RR 130/85.

Stillen bereitet interessanterweise keine Schwierigkeiten, Mammille schmerzhaft bei Berührung, keine ausstrahlenden Schmerzen; der Milchfluß hat sich aus der Brust in den letzten beiden Tagen deutlich verringert.

Beobachtung: die Patientin wirkt ängstlich nervös, schreckhaft; tastet alle 5 min ganz unwillkürlich an ihrer Brust herum, ob sich was verändert (nachgefragt), fragt mehr als sie berichtet, will alles ganz genau wissen, ..was passiert wenn?... wirkt verzweifelt, wenn ich jetzt nicht mehr stillen kann, schaut ihr Baby an und weint.

 

Gefragt:

Auslöser war Familienfest vor 1 Woche; selbst: "habe mein Nest zu früh verlassen, muß immer die Erwartungen anderer erfüllen"

Nach ihren Ängsten befragt, fängt sie an zu weinen und erzählt viele, viele Details vom Familienfest, wer hat wann, wem, was usw...

Besonderes Ereignis: 1996 starb ihr Vater (Herzinfarkt mit 53 Jahren) , hat sie bis heute nicht verarbeitet, "hat seinen ersten Enkel nie kennengelernt"

 

Gefragt habe ich noch eine spezielle Schweißmodalität, kann ich aber jetzt nicht verraten. Das Rumdrücken an der Brust habe ich ihr übrigens strengstens verboten, wegen einer Rubrik (sie hat allerdings ein anderes Mittel als dieses bekommen)

 

Verordnung....... in MK einmalig als Wasserauflösung schluckweise trinken (1 Glob. in 1 Glas )

 

Verlauf:

selber Abend: weniger ängstlich, Brust fühlt sich weicher an, Milchfluß hat zugenommen, sehr müde, die NAcht dann 14 h am Stck, geschlafen.

3 Tage später: Rückbildung der Verhärtung um 90 %, Reststelle unterer äußerer Quadrant, keine Verzweiflung mehr

 

1 Wo. später: Bericht der Hebamme: entzündlicher, stinkender Lochienfluß zurückgegangen, Riß in der Vagina komplett verheilt, der vorher anfing sich zu verhärten (hatte ich bei der Fallaufnahme gar nicht gewußt und auch nicht gefragt, wie peinlich, aber so kommts halt)

 

2 Wo später keine Beschwerden mehr, soviel Energie wie lange nicht mehr

 

Letzter Kontakt Anfang Februar, seither keine Beschwerden mehr, viele Träume von Vergangenheit, Situationen vom Vater, jetzt versöhnter und nur noch ein bischen traurig....

Keine Wdh. des Mittels.

Viel Spaß Tjado (freue mich auf Vorschläge)

 

 

 

Die Auflösung

 

Guten Morgen Ihr Lieben,

gestern Abend habe ich es nicht mehr geschafft. Also hier bitteschön, was habe ich gemacht ?

 

1. Mir war mulmig, so groß und so hart, habe ich noch nicht gesehen (und dann diese

Vorgeschichte....)

 

2. Ich habe zuerst an Phytolacca gedacht.

 

3. Ich habe ins Repertorium geschaut .

 

Brust Abszeß Mammae, drohend in alten Narben

Brust Verhärtung Mammae nach Abszeß

Dann viel mir auf, wie verschwitzt sie war und dann habe ich sie gefragt, wo sie

denn am meisten schwitzt, da legt sie ihre Hand spontan aufs Sternum

Brust Schweiß Brustbein

 

4. Dann habe ich gedacht daß kanns doch nicht sein, drei Minnirubriken zusammen nur ein Mittel, Du mußt noch was Besseres finden:

5. Ein Stündchen habe ich dann noch mit ihr verbracht und fand nix, was irgendwie nützlich ist, bis eine Sache vieleicht (so habe ich gedacht):

 

Wieso erzählt sie alles so haarklein

Rubr.: Gemüt Kleinigkeiten sind bedeutsam ?? Kann ich die nehmen, seltsam...

 

6. Ich habe ihr einfach Graphites MK gegeben

 

 

 

 

 

7. Ich habe ihr verboten an der Brust rumzudrücken, wie ihr ja schon mitüberlegt habt, wegen Krebs nach Quetschung => CON.!!!

 

8. Ich habe mich gewundert das das Ding in drei Tagen einfach verschwunden ist und der stinkende Wochenfluß und die Verhärtung in der Vagina auch, von der mir die Hebamme später erzählt hat (eigentlich haben sich alle gwundert).

 

 

9. DD: bei Phytolacca habe ich gezögert, weil es gar nicht wehtat und Phyt. hat nach meiner bisherigen Erfahrung schlimme Schmerzen bei Mastitis, so wie Boericke das wunderbar beschreibt.

 

Con. hätte ich überprüft und versucht zu bestätigen, wenn Graph. nichts gebracht hätte, vermutlich wär es dazu aber nicht gekommen, weil ich sie dann doch in die Klinik geschickt hätte...

 

10. Retrospektiv: Unser Repertorium ist doch ein ganz schön präzises Werkzeug

Liebe Grüße Tjado

Lust auf mehr Rätsel??

 

   
   

 

   
   

 

 

 

homoeopathie-zeitschrift.de-admin@lists.equinux.net; im Auftrag von; Tjado Galic [t.galic@t-online.de] Mi 21.02.01 20:42

 

 

Fall Gedeihschwäche, von Tjado Galic

 

Hai,

hier ein kleiner Rätselfall für Profis:

Säugling, 2,5 Wochen alt

Geburtsgewicht 3100gr, 49 cm

40 Wo. Geburtseinleitung nach Blasensprung ohne Wehen in Klinik

 

V.a. Übertragung und Amnioninfektionssyndrom (dann nicht bestätigt)

APGAR 8/10/10

 

Hauptanliegen: ".. massive Trinkschwäche, ist nervös, wimmert und kriegt einfach nichts in sich rein, weder Brust noch Flasche..."

Jetzt abgenommen auf 2200 gr, wenn sie nicht innerhalb der nächsten Tage anfängt zu trinken, ist stationäre aufnahme in Kinderklink vorgesehen; Eltern TOTAL VERZWEIFELT

 

Befund zum Zeitpunkt der Fallaufnahme:

Das Kleine quiekt und winselt ein bischen, hypotone Gesamterscheinung, Kopf fällt zur Seite; spontan heftige Mororeaktion mit Streckung der Arme; beids. Augen verklebt und eitrig (war von Anfang, hatte aber keine Cedre-Prophylaxe auf Wunsch der Eltern), Nabel noch verbunden, noch nicht verheilt.

 

Starke Stigmata eines Frühgeborenen mit faltiger Haut, abgemagerte Extremitäten, feuchtkalte Füße ("...kann Wärme aber noch halten-sagt die gute Hebamme...")

Das wars, was ich an Infos finden konnte

Viel Spaß, Tjado

 

 

 

 

 

die Auflösung

 

Hallo Rätslis,

zum Wochenanfang die Auflösung:

Allgemeines:

DIe Fallaufnahme war am Freitag (Nov. 00), am Montag sollte die Kleine in die Klinik, habe also allen Mut zusammengenommen und gesagt, wir versuchen es jetzt.

Am Bedrohlichsten war die Abmagerung mit der faltigen Haut, sie hat Hunger aber trinkt nicht, warum ist nicht klar?? Schwäche? keine Ahnung:

 

Rubriken:

Allgemeines Abmagerung mit Heißhunger

Extremitäten Abmagerung Beine (sah faltig aus wie bei Frühgeborenen)

 

Das suppende Auge, habe ich zwei Rubriken zusammengenommen:

Opthalmia neonatorum

Striktur des Tränenkanals (ist ja sehr oft bei den Kleinen, die Augenentzündungen nicht loswerden)  Anmk Retzek: laut Künzli eine sehr bewährte Rubrik! Nur das Mittel steht nicht in den Rubriken im Complete Repertory drinnen

 

 

Dann außerdem, der nicht verheilte Nabel, ohne Interpretation einfach:

Abdomen Absonderung Nabel

und die motorische Hypotonie

Kopf halten, unfähig (müssen die Kleinen können, sonst bleiben die Atemwege ja nicht frei, wenn man auf die Seite rutscht)

 

 

 

 

Das Mittel ist ABROTANUM, habe ich in 200 K gegeben

 

Reaktion (kurz und prägnant gerafft):

ganzen Sammstag geschlafen, dann wach geworden, und getrunken an der Brust (Mutter weint am Telefon, sie hört überhaput nicht mehr auf)

abwarten

 

nach 1 Woche: jetzt regelmäßige Mahlzeiten 5x/d, 2x/nachts, 500 gr zugenommen, keine Augenentzündung mehr, war nach 2 Tagen weg, NAbel komplett verheilt

 

2 Wochen später

wieder unruhig, trinkt schlechter, Auge leicht gelb

wdh. Abrot. 200 K

Follow up Mitte Februar

seitdem alles stabil, ist eine kleine "Speckbacke" geworden

jetzt alle Reflexe normal, keine motorischen Auffälligkeiten (Kinderarzt war auch sehr zufrieden mit der Entwicklung)

Abwarten

DAs wars, liebe Grüße, Tjado

 

 

 

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: xxxxxxx

Gesendet: Montag, 26. Februar 2001 18:14

Betreff: Auflösung Tjado


Hallo Tjado,

 

mir geht es ähnlich wie xxxx  bei der Auflösung des Rätsels über Trinkschwäche.

Bisher hab ich die Rubrik: Abmagerung bei Heißhunger

immer so verstanden und auch ausschließlich so verwendet, wenn jemand gut ißt und trotzdem an Gewicht verliert.Ein ungewöhnliches und deshalb sehr wichtiges Symptom.

Wenn jemand aber nichts ißt und deshalb an Gewicht verliert ist das Symptom aus meiner Sicht wertlos.

Vielleicht hilfst du uns ja auf die Sprünge.

 

Danke xxxx

 

 

 

Antwort von Tjado

 

 

Ja xxxx,

 

Du hast mit Deiner Rubrikendeutung natürlich recht. Ganz grundsätzlich würde ich die Rubrik auch so verwenden.

Meine Überlegung in diesem Fall war folgende:

 

Warum sie nichts zu sich nehmen kann weiß keiner, fragen kann man sie ja nicht, aus der Beboachtung ist es auch nicht klar.

 

Sicher ist nur, es ist ein Zustand von starker Abmagerung bei einem Säugling, der offensichtlich Hunger hat, aber nicht trinkt. Die Rubrik ist ziemlich gut und ich wollte in keinem Falle ein Mittel übersehen, deswegen habe ich sie mit dazugenommen. Viele Symptome gab es ja nicht... Für die Essenz des Falles hätten die Rubriken:

 

Absonderung Nabel

Kopf halten geht nicht

Abmagerung Beine

 

völlig gereicht, um Abrotanum zu finden, v.a. wenn man es dann in der M.M. nachliest. Allerdings wäre das nicht korrekt, Euch bei der Lösung das nicht zu sagen, was ich genau gemacht habe, weil ich das ja nur aus der Nachschau sagen kann, hinterher ist man ja immer schlauer... Deine Nachfrage ist also ganz gut und freut mich sehr, weil sie zeigt, daß es vielleicht falsch war diese Rubrik zu nehmen.

 

Andererseits wird hier auch ein Problem des Repertoriums deutlich. Ehrlich gesagt habe ich nicht im Kopf, warum welches Mittel in dieser Rubrik steht. Gleichzeitig bin ich aber überzeugt davon, wenn man anfängt das nachzulesen, in der M.M. und aus Fällen, daß man da auf völlig verschiedene Zustände trifft, denen der Begriff der Rubrik so sicher nicht gerecht wird.

 

Danke Tjado

   
     
       
     
     

Rotwein verschlechtert

ich hab eine vergleichsweise einfache "technische" Frage, ich find nämlich

keine "befriedigende" Rubrik:

Rotwein verschlimmert, und zwar derart, dass es sich im Magen sauer anfühlt,

so wie beim sauren Aufstoßen, aber eben OHNE Aufstoßen. Unwohlsein im Magen

(nicht als Übelkeit oder Schmerzen zu spezifizieren, kein Sodbrennen.)

Inzwischen auch: Abneigung gegen Rotwein

(Das ist einfach:

Synthesis: Allgemeines>Speisen>Wein-agg.(viele Mittel)

>(Rotwein - nur 1 Mittel)

Kent: Magen, Abneigung, Wein (Rotwein nicht erwähnt))

Weißwein, Sekt, Bier, "scharfe" Alkoholika, andere saure Getränke (z.B.

Kaffee, O-Saft) oder Speisen: alles problemlos.

Wie find ich diese ROTWEIN-Rubrik!?

 

 

Antwort (T.Galic)

Hi Rebecca,

hier kommt ein Trick von einem Bordeuaux-Liebhaber:

Rotwein => wenn es explizit Rotwein ist, sollte man wissen, das die Fässer

zum Lagern geschwefelt werden (zumindest bei "richtigem Wein"), also man

kann da auch ein bischen um die Ecke denken und

General. Sulphur, abuse of

anschauen

dann hättest Du als Hauptmittel PULS. Merc. und Sep. zur Überlegung

Liebe Grüße Tjado

 

 
   

Ad Heringsche Regel (T.Galic)

 

Hi xxxxx,
 
ich habe gewußt, das Du da nachhakst, wenn ich sowas schreibe, wie bei der Reaktion auf xxxxxx  Mail.
 
Also selber eingebrockt löffle ich mal los, das Süppchen:
 
Die Heringsche Regel, einschließlich ihrer Auswirkungen, wie sie mir in der Ausbildung beigebracht und ich auch ganz folgsam gelernt habe, geht so:
 
1. Krankheit geht von außen nach innen. Gültig dabei ist die Hierarchie, Gemüt => Körper (von Gehirn, Einzelorganen => paarige Organe bis Haut), nach kybernetischem Konzept, was ist fürs Überleben am wichtigsten.
 
2. Heilung verläuft umgekehrt, und zwar:
    =>  2.a von innen nach außen
    =>  2.b von wichtigen Organen zu weniger wichtigen Organen (s.o.)
    =>  2.c von oben nach unten
    =>  2.d.in umgekehrter Reihenfolge des Erscheinens der Symptome
 
So, in der Praxis ist mir folgendes begegnet (hier gehts gar nicht um Mittel, sondern nur um Verläufe und mir gehts ganz KONKRET darum zu gucken, nicht ums philosophieren oder sowas):
 
2.a.1. Krebspatient, kriegt Mittel aufgrund der Totalität der Symptome, Energie besser, Gemüt besser, Allgemeinebene besser ich freue mich (auf dem Wege der Heilung, so dachte ich) und dann: => der Krebs wächst weiter.
 
2.a.2 Krebspatient zwei, gebe Mittel aufgrund anderer Analysestrategie (einseitiger Fall), die Energie geht schlecht, die Depression ist schlimmer und der Tumor geht weg. Ist das jetzt Unterdrückung, frage ich mich, wird der jetzt psychotisch und ich habs vergurkt?? Dann schön weiterbehandelt, die Depression ist echt suizidal, nicht beeinflußbar und zwei Jahre später geht sie dann weg, NACH einer GRIPPE !! mit sehr "peripheren körperlichen Symptomen", die ich homöopathisch behandelt habe.
 
2.b.1. Patient mit chronischer Osteomyelitis im Kiefer, soll amputiert werden, der ganze Unterkiefer, kriegt seit 10 Jahren dauerhaft Antibiotika, jetzt Mittel von mir, nachdem alle Antibiotika abgesetzt sind, dann Erstverschlimmerung für 1 Woche, dann dramatische Besserung, dann kriegt er einen Hautausschlag (hatte er noch nie) und ich freue mich, Energie super wie vor 10 Jahren, Schwellung zurückgegangen, keine Schmerzen mehr, drei Wochen später Herzinfarkt, tot.
 
2.b.2 Patient mit konversionsneurotischen Beschwerden, alles schlimm, alles funktionell, viele larvierte Ängste, Familie nichts auffälliges, alle gesund, alt geworden, selber nicht körperlich krank; ich gebe Mittel, Neurosesymptome besser, viel besser. Dann drei Monate später Asthma => Notfall in Klinik massive Cortisongaben etc... danach plötzlich Neurodermitis, aber mental geht es im wunderbar, die ganze Zeit, wirklich gut, leider ist er Musiker, Sänger => und jetzt ? Ist das jetzt gut ? Ist das eine Kur Richtung Heilung ? Nö, oder??
 
2.c Fall eines Kollegen, Patientin mit Neurodermitis, schwer, im Gesicht und schlimmen Ängsten, dann Mittel, dann Ängste besser, danach Ekzem breitet sich am ganzen Körper aus und ihr fallen ALLE Haare aus, dann heilt die Haut, erst GEsicht, dann Körper, dann Arme zum Schluß die Beine und Füße, alle freuen sich, es geht ihr gut Prognose KURATIV geheilt! Und dann ein halbes Jahr später, hat sie wieder Neurodermitis und zwar fängt es wieder an, im Gesicht. Wir haben ihr ein anderes Mittel gesucht, die Haut bessert sich massiv, sie kriegt wieder die Ängste, die bleiben, für ein halbes Jahr, dann verschwinden die und die Haut ist weiterhin o.k., bis jetzt.
 
So, wie erklärt man das, mit der Heringschen Regel?
Ich kann das gar nicht erklären damit, besser gesagt, gibts für mich nur zwei Möglichkeiten:
 
1. Ich bin ein Scheißhomöopath und schließe sofort meine Praxis, weil bei mir die Leute schlimmer dran sind, wenn ich sie behandle, weil ich alles in sie hineintreibe!
 
2. Die Regel ist Scheiße und stimmt gar nicht, jedenfalls nicht im Sinne einer festen Regel, oder wie manche sagen im Sinne eines GESETZTES.
 
Ja, und dann habe ich natürlich nach einer Antwort gesucht und möchte zwei interessante Sachen dazu zum Besten geben, die ich gefunden habe, die mir sehr sehr geholfen haben:
 
1. Candegabe / Carrara; Praxis der reinen Homöopathie
 
        => ist ein ganz beeindruckendes Buch, nur leider verkompliziert geschrieben und genauso beschissen übersetzt...(halt, kein Vorwurf, Kai ich denke, Du hast das beste rausgeholt, also zurück mit dem Vorwurf)
 
Aber was schreibt er, auf Seite 32, als ich das gelesen habe, ist mir doch der Unterkiefer runtergeklappt:
 
"Der Mensch ist, wie alles Lebende, vom Standpunkt der Physik aus betrachtet, ein offenes biologisches System und tauscht Energie, Materie und Informationen mit der Welt aus. Durch äußerern Einfluß, ein krankmachendes Agens, unterhält das Lebewesen einen instabilen Zustand, Empfänglichkeit oder individuelle Prädisposition, der eine Verstärkung der inneren Strömungen ermöglicht und gleichzeitig,
NACHDEM EIN KRITISCHER PUNKT ÜBERWUNDEN WIRD, einen WECHSEL DER GESAMTHEIT, eine NEUE ORDNUNG DER EXISTENZ ermöglicht, dessen Folgen sich in den verschiednen Komponenten des Organismus durch Zeichen und Symptome ausdrücken müssen. ...Das Gemüt erfaßt die Veränderungen als erstes, weil das Gehirn der Teil des Organismus mit der größten Komplexität, höherer Dichte an Energiefluß und geringerer Entropie ist.
 
(Anm.: Entropie ist ja ein schwieriges Wort! Es bezeichnet eine Zustandsgröße der Thermodynamik, welche ein Maß für die Ordnung bzw. Unordnung eines abgeschlossenen Systems, darstellt. Je ausgeglichener die Energieverteilung des Systems, desto höher die Entropie - wenn ich es mal Physik so richtig verstanden habe)
 
Folgerung:
Die Heringsche Regel kann demzufolge so wie definiert, keine absolute Regel sein!
 
Offene Systeme gehen also von einem Zustand zunehmender Entropie ab einem kritischen Punkt in einen NEUEN Zustand der Existenz über.
 
CANDEGABE weiter (folgerichtig und logisch):
 
In Bezug auf die krankhafte Konstitution zeigt sich die Gesamtheit der Ausdrucksmöglichkeiten hierarchisch auf zwei Ebenen:
 
1. vom Gemüt zum Körper
2. von der Vergangenheit zur Gegenwart
 
Das verstehe ich so (so eine vorläufige Idee):
Krankheit kann sich ausschließlich als dynamischer Prozess auf diesen beiden Ebenen ausdrücken. Also kann auch Heilung nicht anders begriffen werden, als eben eine neue existentielle Zustandsform (wie Krankheit auch), des sich selbstorganisierenden lebendigen Systems sowohl was die Komplexität angeht (Hierarchie des Organismus) und in der Zeit (Hierarchie im Lebensprozeß).
 
Folglich kommt bei heilender Wirkung des homöopathischen Mittels eine neue Seinsebene zustande, welche auf einem neuen inneren Organisationszustand liegt Damit das passiert, muß alles, was zum bisherigen Ungleichgewichtszustand gehört zunächst zunehmen (mit sinkender Entropie = zunehmender Instabilität) und sich dann mitumwandeln. Deshalb kommen alte nicht geheilte Symptome oder Zustände zutage und zeigen mit ihrem Verschwinden einschließlich der jetzigen Pathologie tatsächlich eine Heilung an. Dies geschieht eben schön zeitlich hierarchisch.
 
Krankheit verschwindet also in umgekehrter Reihenfolge des Erscheinens der Symptome; das macht sicher einen Sinn und läßt sich - zumindest bei mir, in der Praxis sicher bestätigen, wenn es so läuft.
 
Die anderen Aspekte der Regel, folglich gilt: kann so sein, muß aber nicht, klar??!
 
Kleine Pause, uff.
 
Dann habe ich noch was gefunden:
 
Andre Saine, The Method, Lectures on pure classical homeopathy
 
    => also auch ein extrem gutes Buch und zwar aus einem Grund:
der liebe Kollege hat sich die Mühe gemacht, zu allen Aussagen, die URSPRUNGSQUELLEN zu finden, sozusagen das Original! Nix abgeschriebens !  
 
und rausgefunden hat er (S.2-19 im Buch): => sehr zu meinem Erstaunen:
 
die Heringsche Regel ist gar nicht von Hering, hat der so nie gesagt. Kent hat sie eingeführt 1911, als THESE (aber sehr dogmatisch, wie er ja so war der gute Kent, so moralisch, er als Swedenborganhänger...) und schwups wars Gesetz und Ordnung...
und seitdem schreibens alle brav ab, ohne nachzukontrollieren...
 
Was hat Hering eigentlich gesagt, Andre hats gefunden, 1857 in Analytical Therapeutic of mind:
 
" For a person to be thoroughly cured the symptoms will disappear in the reverse order of apperance."
 
Das wars
 
Liebe Grüße Tjado
   
   

 

   
   

 

   
   

 

   
   

 

   
   

 

   
   

 

   
   

 

   
   

 

   
   

 

   
   

 

   
   

 

   
   

 

   
   

 

   

 

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