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Interessante Fälle & Diskussionsbeiträge
siehe auch die Links
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es
handelt sich im folgenden um interessante und sauber dokumentierte Fälle,
die im Rahmen eines "Quizzes" in der Mailing
Liste der Homöopathie-Zeitschrift
(letztes Issue "Krebs" ganz fantastisch) veröffentlicht wurden
und die durchaus "Lehrcharakter" haben. Die
Fälle sind jeweils mit Erlaubnis der Patienten anonym sowie der Erlaubnis
und Angabe des Behandlers veröffentlicht
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Case
Abszess der Brust
-----Ursprüngliche
Nachricht----- Von: Tjado
Galic <mailto:t.galic@t-online.de>
An: mailingliste
Forun <mailto:liste@homeopathie-zeitschrift.de>
Gesendet:
Donnerstag, 15. Februar 2001 19:20
Hallo
Teilnehmer; mein Vorschlag, ein netter Quiz mit gut gelaufenen Fällen;
wer Lust hat macht mit. D.h. Vorschläge für Analyse, Rubriken und Mittel
Hier ein Bsp.,
akute Fallaufnahme 21.11.00
Patientin ge.
1967; 3 Woche nach Entbindung (2.SS)
Seit 1.
Woche zunehmende Verhärtung (steinhart) in rechter Brust ; jetzt 7-10 cm
lang, ca. 4 cm breit; äußerer unterer und oberer Quadrant sowie in den
oberen inneren Quadranten hinein. Li. Brust o.B.
Extreme
Furcht vor Abszeß. Hatte sie nach der ersten SS in der 4. Woche, war
damals stationär über 3 Wochen mit Drainage unter hochdosierten
Antibiotika in der Klinik; war dieselbe Stelle wie jetzt. Damals wurde
schließlich eine operative Abszeßresektion (ca. 1/2 Liter) vorgenommen.
Befund:
keine sichtbaren Entzündungszeichen, keine Venenstauung, die Schwellung
ist indolent und palpatorisch scharf abgrenzbar; Lkn. axillär und
supraclaviculär nicht tastbar. Starke Schweißbildung vom Hals bis zum
Bauchnabel. Subfebrile Temperatur, Puls 90 RR 130/85.
Stillen
bereitet interessanterweise keine Schwierigkeiten, Mammille schmerzhaft
bei Berührung, keine ausstrahlenden Schmerzen; der Milchfluß hat sich
aus der Brust in den letzten beiden Tagen deutlich verringert.
Beobachtung:
die Patientin wirkt ängstlich nervös, schreckhaft; tastet alle 5 min
ganz unwillkürlich an ihrer Brust herum, ob sich was verändert
(nachgefragt), fragt mehr als sie berichtet, will alles ganz genau wissen,
..was passiert wenn?... wirkt verzweifelt, wenn ich jetzt nicht mehr
stillen kann, schaut ihr Baby an und weint.
Gefragt:
Auslöser
war Familienfest vor 1 Woche; selbst: "habe mein Nest zu früh
verlassen, muß immer die Erwartungen anderer erfüllen"
Nach ihren
Ängsten befragt, fängt sie an zu weinen und erzählt viele, viele
Details vom Familienfest, wer hat wann, wem, was usw...
Besonderes
Ereignis: 1996 starb ihr Vater (Herzinfarkt mit 53 Jahren) , hat sie bis
heute nicht verarbeitet, "hat seinen ersten Enkel nie kennengelernt"
Gefragt habe
ich noch eine spezielle Schweißmodalität, kann ich aber jetzt nicht
verraten. Das Rumdrücken an der Brust habe ich ihr übrigens strengstens
verboten, wegen einer Rubrik (sie hat allerdings ein anderes Mittel als
dieses bekommen)
Verordnung.......
in MK einmalig als Wasserauflösung schluckweise trinken (1 Glob. in 1
Glas )
Verlauf:
selber
Abend: weniger ängstlich, Brust fühlt sich weicher an, Milchfluß hat
zugenommen, sehr müde, die NAcht dann 14 h am Stck, geschlafen.
3 Tage
später: Rückbildung der Verhärtung um 90 %, Reststelle unterer
äußerer Quadrant, keine Verzweiflung mehr
1 Wo.
später: Bericht der Hebamme: entzündlicher, stinkender Lochienfluß
zurückgegangen, Riß in der Vagina komplett verheilt, der vorher anfing
sich zu verhärten (hatte ich bei der Fallaufnahme gar nicht gewußt und
auch nicht gefragt, wie peinlich, aber so kommts halt)
2 Wo später
keine Beschwerden mehr, soviel Energie wie lange nicht mehr
Letzter
Kontakt Anfang Februar, seither keine Beschwerden mehr, viele Träume von
Vergangenheit, Situationen vom Vater, jetzt versöhnter und nur noch ein
bischen traurig....
Keine Wdh.
des Mittels.
Viel Spaß
Tjado (freue mich auf Vorschläge)
Die
Auflösung
Guten Morgen
Ihr Lieben,
gestern
Abend habe ich es nicht mehr geschafft. Also hier bitteschön, was habe
ich gemacht ?
1. Mir war
mulmig, so groß und so hart, habe ich noch nicht gesehen (und dann diese
Vorgeschichte....)
2. Ich habe
zuerst an Phytolacca gedacht.
3. Ich habe
ins Repertorium geschaut .
Brust
Abszeß Mammae, drohend in alten Narben
Brust
Verhärtung Mammae nach Abszeß
Dann viel
mir auf, wie verschwitzt sie war und dann habe ich sie gefragt, wo sie
denn am
meisten schwitzt, da legt sie ihre Hand spontan aufs Sternum
Brust
Schweiß Brustbein
4. Dann habe
ich gedacht daß kanns doch nicht sein, drei Minnirubriken zusammen nur
ein Mittel, Du mußt noch was Besseres finden:
5. Ein
Stündchen habe ich dann noch mit ihr verbracht und fand nix, was
irgendwie nützlich ist, bis eine Sache vieleicht (so habe ich gedacht):
Wieso
erzählt sie alles so haarklein
Rubr.:
Gemüt Kleinigkeiten sind bedeutsam ?? Kann ich die nehmen, seltsam...
6. Ich habe
ihr einfach Graphites MK gegeben

7. Ich habe
ihr verboten an der Brust rumzudrücken, wie ihr ja schon mitüberlegt
habt, wegen Krebs nach Quetschung => CON.!!!
8. Ich habe
mich gewundert das das Ding in drei Tagen einfach verschwunden ist und der
stinkende Wochenfluß und die Verhärtung in der Vagina auch, von der mir
die Hebamme später erzählt hat (eigentlich haben sich alle gwundert).

9. DD: bei
Phytolacca habe ich gezögert, weil es gar nicht wehtat und Phyt. hat nach
meiner bisherigen Erfahrung schlimme Schmerzen bei Mastitis, so wie
Boericke das wunderbar beschreibt.
Con. hätte
ich überprüft und versucht zu bestätigen, wenn Graph. nichts gebracht
hätte, vermutlich wär es dazu aber nicht gekommen, weil ich sie dann
doch in die Klinik geschickt hätte...
10.
Retrospektiv: Unser Repertorium ist doch ein ganz schön präzises
Werkzeug
Liebe
Grüße Tjado
Lust auf
mehr Rätsel??
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homoeopathie-zeitschrift.de-admin@lists.equinux.net; im Auftrag von; Tjado Galic
[t.galic@t-online.de] Mi 21.02.01 20:42
Fall
Gedeihschwäche, von Tjado Galic
Hai,
hier ein
kleiner Rätselfall für Profis:
Säugling,
2,5 Wochen alt
Geburtsgewicht
3100gr, 49 cm
40 Wo.
Geburtseinleitung nach Blasensprung ohne Wehen in Klinik
V.a.
Übertragung und Amnioninfektionssyndrom (dann nicht bestätigt)
APGAR
8/10/10
Hauptanliegen:
".. massive Trinkschwäche, ist nervös, wimmert und kriegt einfach
nichts in sich rein, weder Brust noch Flasche..."
Jetzt
abgenommen auf 2200 gr, wenn sie nicht innerhalb der nächsten Tage
anfängt zu trinken, ist stationäre aufnahme in Kinderklink vorgesehen;
Eltern TOTAL VERZWEIFELT
Befund zum
Zeitpunkt der Fallaufnahme:
Das Kleine
quiekt und winselt ein bischen, hypotone Gesamterscheinung, Kopf fällt
zur Seite; spontan heftige Mororeaktion mit Streckung der Arme; beids.
Augen verklebt und eitrig (war von Anfang, hatte aber keine
Cedre-Prophylaxe auf Wunsch der Eltern), Nabel noch verbunden, noch nicht
verheilt.
Starke
Stigmata eines Frühgeborenen mit faltiger Haut, abgemagerte
Extremitäten, feuchtkalte Füße ("...kann Wärme aber noch
halten-sagt die gute Hebamme...")
Das wars,
was ich an Infos finden konnte
Viel Spaß,
Tjado
die
Auflösung
Hallo
Rätslis,
zum
Wochenanfang die Auflösung:
Allgemeines:
DIe
Fallaufnahme war am Freitag (Nov. 00), am Montag sollte die Kleine in die
Klinik, habe also allen Mut zusammengenommen und gesagt, wir versuchen es
jetzt.
Am
Bedrohlichsten war die Abmagerung mit der faltigen Haut, sie hat Hunger
aber trinkt nicht, warum ist nicht klar?? Schwäche? keine Ahnung:
Rubriken:
Allgemeines
Abmagerung mit Heißhunger
Extremitäten
Abmagerung Beine (sah faltig aus wie bei Frühgeborenen)
Das suppende
Auge, habe ich zwei Rubriken zusammengenommen:
Opthalmia
neonatorum
Striktur des
Tränenkanals (ist ja sehr oft bei den Kleinen, die Augenentzündungen
nicht loswerden) Anmk Retzek:
laut Künzli eine sehr bewährte Rubrik! Nur das Mittel steht nicht in den
Rubriken im Complete Repertory drinnen
Dann
außerdem, der nicht verheilte Nabel, ohne Interpretation einfach:
Abdomen
Absonderung Nabel
und die
motorische Hypotonie
Kopf halten,
unfähig (müssen die Kleinen können, sonst bleiben die Atemwege ja nicht
frei, wenn man auf die Seite rutscht)

Das Mittel
ist ABROTANUM, habe ich in 200 K gegeben
Reaktion
(kurz und prägnant gerafft):
ganzen
Sammstag geschlafen, dann wach geworden, und getrunken an der Brust
(Mutter weint am Telefon, sie hört überhaput nicht mehr auf)
abwarten
nach 1
Woche: jetzt regelmäßige Mahlzeiten 5x/d, 2x/nachts, 500 gr zugenommen,
keine Augenentzündung mehr, war nach 2 Tagen weg, NAbel komplett verheilt
2 Wochen
später
wieder
unruhig, trinkt schlechter, Auge leicht gelb
wdh. Abrot.
200 K
Follow up
Mitte Februar
seitdem
alles stabil, ist eine kleine "Speckbacke" geworden
jetzt alle
Reflexe normal, keine motorischen Auffälligkeiten (Kinderarzt war auch
sehr zufrieden mit der Entwicklung)
Abwarten
DAs wars,
liebe Grüße, Tjado
-----Ursprüngliche
Nachricht-----
Gesendet:
Montag, 26. Februar 2001 18:14
mir
geht es ähnlich wie xxxx bei der Auflösung des Rätsels über
Trinkschwäche.
Bisher
hab ich die Rubrik: Abmagerung bei Heißhunger
immer
so verstanden und auch ausschließlich so verwendet, wenn jemand gut ißt
und trotzdem an Gewicht verliert.Ein ungewöhnliches und deshalb sehr
wichtiges Symptom.
Wenn
jemand aber nichts ißt und deshalb an Gewicht verliert ist
das Symptom aus meiner Sicht wertlos.
Vielleicht
hilfst du uns ja auf die Sprünge.
Antwort von Tjado
Du
hast mit Deiner Rubrikendeutung natürlich recht. Ganz grundsätzlich würde
ich die Rubrik auch so verwenden.
Meine
Überlegung in diesem Fall war folgende:
Warum
sie nichts zu sich nehmen kann weiß keiner, fragen kann man sie ja
nicht, aus der Beboachtung ist es auch nicht klar.
Sicher
ist nur, es ist ein Zustand von starker Abmagerung bei einem Säugling,
der offensichtlich Hunger hat, aber nicht trinkt. Die Rubrik ist
ziemlich gut und ich wollte in keinem Falle ein Mittel übersehen,
deswegen habe ich sie mit dazugenommen. Viele Symptome gab es ja
nicht... Für die Essenz des Falles hätten die Rubriken:
völlig
gereicht, um Abrotanum zu finden, v.a. wenn man es dann in der M.M.
nachliest. Allerdings wäre das nicht korrekt, Euch bei der Lösung das
nicht zu sagen, was ich genau gemacht habe, weil ich das ja nur aus der
Nachschau sagen kann, hinterher ist man ja immer schlauer... Deine
Nachfrage ist also ganz gut und freut mich sehr, weil sie zeigt,
daß es vielleicht falsch war diese Rubrik zu nehmen.
Andererseits wird
hier auch ein Problem des Repertoriums deutlich. Ehrlich gesagt habe ich
nicht im Kopf, warum welches Mittel in dieser Rubrik steht. Gleichzeitig
bin ich aber überzeugt davon, wenn man anfängt das nachzulesen, in der
M.M. und aus Fällen, daß man da auf völlig verschiedene Zustände
trifft, denen der Begriff der Rubrik so sicher nicht gerecht wird.
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ich hab eine vergleichsweise einfache "technische" Frage, ich
find nämlich
keine "befriedigende" Rubrik:
Rotwein verschlimmert, und zwar derart, dass es sich im Magen sauer
anfühlt,
so wie beim sauren Aufstoßen, aber eben OHNE Aufstoßen. Unwohlsein im
Magen
(nicht als Übelkeit oder Schmerzen zu spezifizieren, kein Sodbrennen.)
Inzwischen auch: Abneigung gegen Rotwein
(Das ist einfach:
Synthesis: Allgemeines>Speisen>Wein-agg.(viele Mittel)
>(Rotwein - nur 1 Mittel)
Kent: Magen, Abneigung, Wein (Rotwein nicht erwähnt))
Weißwein, Sekt, Bier, "scharfe" Alkoholika, andere saure
Getränke (z.B.
Kaffee, O-Saft) oder Speisen: alles problemlos.
Wie find ich diese ROTWEIN-Rubrik!?
Antwort (T.Galic)
Hi Rebecca,
hier kommt ein Trick von einem Bordeuaux-Liebhaber:
Rotwein => wenn es explizit Rotwein ist, sollte man wissen, das die
Fässer
zum Lagern geschwefelt werden (zumindest bei "richtigem Wein"),
also man
kann da auch ein bischen um die Ecke denken und
General. Sulphur, abuse of
anschauen
dann hättest Du als Hauptmittel PULS. Merc. und Sep. zur Überlegung
Liebe Grüße Tjado
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Hi xxxxx,
ich habe gewußt, das Du da nachhakst, wenn ich sowas
schreibe, wie bei der Reaktion auf xxxxxx Mail.
Also selber eingebrockt löffle ich mal los, das Süppchen:
Die Heringsche Regel, einschließlich ihrer Auswirkungen,
wie sie mir in der Ausbildung beigebracht und ich auch ganz folgsam
gelernt habe, geht so:
1. Krankheit geht von außen nach innen. Gültig dabei
ist die Hierarchie, Gemüt => Körper (von Gehirn, Einzelorganen
=> paarige Organe bis Haut), nach kybernetischem Konzept, was
ist fürs Überleben am wichtigsten.
2. Heilung verläuft umgekehrt, und zwar:
=> 2.a von innen nach außen
=> 2.b von wichtigen Organen
zu weniger wichtigen Organen (s.o.)
=> 2.c von oben nach unten
=> 2.d.in umgekehrter
Reihenfolge des Erscheinens der Symptome
So, in der Praxis ist mir folgendes begegnet (hier gehts
gar nicht um Mittel, sondern nur um Verläufe und mir gehts ganz KONKRET
darum zu gucken, nicht ums philosophieren oder sowas):
2.a.1. Krebspatient, kriegt Mittel aufgrund der Totalität
der Symptome, Energie besser, Gemüt besser, Allgemeinebene besser ich
freue mich (auf dem Wege der Heilung, so dachte ich) und dann: => der
Krebs wächst weiter.
2.a.2 Krebspatient zwei, gebe Mittel aufgrund anderer
Analysestrategie (einseitiger Fall), die Energie geht schlecht, die
Depression ist schlimmer und der Tumor geht weg. Ist das jetzt Unterdrückung,
frage ich mich, wird der jetzt psychotisch und ich habs vergurkt?? Dann
schön weiterbehandelt, die Depression ist echt suizidal, nicht beeinflußbar und
zwei Jahre später geht sie dann weg, NACH einer GRIPPE !! mit sehr
"peripheren körperlichen Symptomen", die ich homöopathisch
behandelt habe.
2.b.1. Patient mit chronischer Osteomyelitis im Kiefer,
soll amputiert werden, der ganze Unterkiefer, kriegt seit 10 Jahren
dauerhaft Antibiotika, jetzt Mittel von mir, nachdem alle Antibiotika
abgesetzt sind, dann Erstverschlimmerung für 1 Woche, dann dramatische
Besserung, dann kriegt er einen Hautausschlag (hatte er noch nie) und
ich freue mich, Energie super wie vor 10 Jahren, Schwellung zurückgegangen,
keine Schmerzen mehr, drei Wochen später Herzinfarkt, tot.
2.b.2 Patient mit konversionsneurotischen Beschwerden,
alles schlimm, alles funktionell, viele larvierte Ängste, Familie
nichts auffälliges, alle gesund, alt geworden, selber nicht körperlich
krank; ich gebe Mittel, Neurosesymptome besser, viel besser. Dann drei
Monate später Asthma => Notfall in Klinik massive Cortisongaben
etc... danach plötzlich Neurodermitis, aber mental geht es im
wunderbar, die ganze Zeit, wirklich gut, leider ist er Musiker, Sänger
=> und jetzt ? Ist das jetzt gut ? Ist das eine Kur Richtung Heilung
? Nö, oder??
2.c Fall eines Kollegen, Patientin mit Neurodermitis,
schwer, im Gesicht und schlimmen Ängsten, dann Mittel, dann Ängste
besser, danach Ekzem breitet sich am ganzen Körper aus und ihr
fallen ALLE Haare aus, dann heilt die Haut, erst GEsicht, dann Körper,
dann Arme zum Schluß die Beine und Füße, alle freuen sich, es geht
ihr gut Prognose KURATIV geheilt! Und dann ein halbes Jahr später, hat
sie wieder Neurodermitis und zwar fängt es wieder an, im Gesicht. Wir
haben ihr ein anderes Mittel gesucht, die Haut bessert sich massiv, sie
kriegt wieder die Ängste, die bleiben, für ein halbes Jahr, dann
verschwinden die und die Haut ist weiterhin o.k., bis jetzt.
So, wie erklärt man das, mit der Heringschen Regel?
Ich kann das gar nicht erklären damit, besser gesagt,
gibts für mich nur zwei Möglichkeiten:
1. Ich bin ein Scheißhomöopath und schließe sofort
meine Praxis, weil bei mir die Leute schlimmer dran sind, wenn ich sie
behandle, weil ich alles in sie hineintreibe!
2. Die Regel ist Scheiße und stimmt gar nicht,
jedenfalls nicht im Sinne einer festen Regel, oder wie manche sagen im
Sinne eines GESETZTES.
Ja, und dann habe ich natürlich nach einer Antwort
gesucht und möchte zwei interessante Sachen dazu zum Besten geben, die
ich gefunden habe, die mir sehr sehr geholfen haben:
1. Candegabe / Carrara; Praxis der reinen Homöopathie
=> ist ein
ganz beeindruckendes Buch, nur leider verkompliziert geschrieben und
genauso beschissen übersetzt...(halt, kein Vorwurf, Kai ich denke, Du
hast das beste rausgeholt, also zurück mit dem Vorwurf)
Aber was schreibt er, auf Seite 32, als ich das gelesen
habe, ist mir doch der Unterkiefer runtergeklappt:
"Der Mensch ist, wie alles Lebende, vom Standpunkt
der Physik aus betrachtet, ein offenes biologisches System und tauscht
Energie, Materie und Informationen mit der Welt aus. Durch äußerern
Einfluß, ein krankmachendes Agens, unterhält das Lebewesen einen
instabilen Zustand, Empfänglichkeit oder individuelle Prädisposition,
der eine Verstärkung der inneren Strömungen ermöglicht und
gleichzeitig,
NACHDEM EIN KRITISCHER PUNKT ÜBERWUNDEN WIRD, einen
WECHSEL DER GESAMTHEIT, eine NEUE ORDNUNG DER EXISTENZ ermöglicht,
dessen Folgen sich in den verschiednen Komponenten des Organismus durch
Zeichen und Symptome ausdrücken müssen. ...Das Gemüt erfaßt die Veränderungen
als erstes, weil das Gehirn der Teil des Organismus mit der größten
Komplexität, höherer Dichte an Energiefluß und geringerer Entropie
ist.
(Anm.: Entropie ist ja ein schwieriges Wort! Es
bezeichnet eine Zustandsgröße der Thermodynamik, welche ein Maß für
die Ordnung bzw. Unordnung eines abgeschlossenen Systems, darstellt. Je
ausgeglichener die Energieverteilung des Systems, desto höher die
Entropie - wenn ich es mal Physik so richtig verstanden habe)
Folgerung:
Die Heringsche Regel kann demzufolge so wie definiert,
keine absolute Regel sein!
Offene Systeme gehen also von einem Zustand zunehmender
Entropie ab einem kritischen Punkt in einen NEUEN Zustand der
Existenz über.
CANDEGABE weiter (folgerichtig und logisch):
In Bezug auf die krankhafte Konstitution zeigt sich die
Gesamtheit der Ausdrucksmöglichkeiten hierarchisch auf zwei Ebenen:
1. vom Gemüt zum Körper
2. von der Vergangenheit zur Gegenwart
Das verstehe ich so (so eine vorläufige Idee):
Krankheit kann sich ausschließlich als dynamischer
Prozess auf diesen beiden Ebenen ausdrücken. Also kann auch Heilung
nicht anders begriffen werden, als eben eine neue existentielle
Zustandsform (wie Krankheit auch), des sich selbstorganisierenden
lebendigen Systems sowohl was die Komplexität angeht (Hierarchie des
Organismus) und in der Zeit (Hierarchie im Lebensprozeß).
Folglich kommt bei heilender Wirkung des homöopathischen
Mittels eine neue Seinsebene zustande, welche auf einem neuen
inneren Organisationszustand liegt Damit das passiert, muß alles, was
zum bisherigen Ungleichgewichtszustand gehört zunächst zunehmen (mit
sinkender Entropie = zunehmender Instabilität) und sich dann
mitumwandeln. Deshalb kommen alte nicht geheilte Symptome oder Zustände
zutage und zeigen mit ihrem Verschwinden einschließlich der
jetzigen Pathologie tatsächlich eine Heilung an. Dies geschieht eben
schön zeitlich hierarchisch.
Krankheit verschwindet also in umgekehrter Reihenfolge
des Erscheinens der Symptome; das macht sicher einen Sinn und läßt
sich - zumindest bei mir, in der Praxis sicher bestätigen, wenn es
so läuft.
Die anderen Aspekte der Regel, folglich gilt: kann so
sein, muß aber nicht, klar??!
Kleine Pause, uff.
Dann habe ich noch was gefunden:
Andre Saine, The Method, Lectures on pure classical
homeopathy
=> also auch ein extrem gutes Buch
und zwar aus einem Grund:
der liebe Kollege hat sich die Mühe gemacht, zu allen
Aussagen, die URSPRUNGSQUELLEN zu finden, sozusagen das Original! Nix
abgeschriebens !
und rausgefunden hat er (S.2-19 im Buch): => sehr zu
meinem Erstaunen:
die Heringsche Regel ist gar nicht von
Hering, hat der so nie gesagt. Kent hat sie eingeführt 1911, als THESE
(aber sehr dogmatisch, wie er ja so war der gute Kent, so moralisch, er
als Swedenborganhänger...) und schwups wars Gesetz und Ordnung...
und seitdem schreibens alle brav ab, ohne
nachzukontrollieren...
Was hat Hering eigentlich gesagt, Andre hats gefunden,
1857 in Analytical Therapeutic of mind:
" For a person to be thoroughly cured the
symptoms will disappear in the reverse order of apperance."
Das wars
Liebe Grüße Tjado
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