2008 Radreise Kufstein - Stockholm


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Die Entdeckung der Langsamkeit - Mit dem Rad von Kufstein nach Stockholm
The Discovery of Slowness - Kufstein to Stockholm by bicycle

kufstein - berlin (1202 km)

27.6.08 Kufstein - Wasserburg - Walpertskirchen 118 km

Losradeln bei Nebel, mystische Stimmung. Am Inn teilweise grobschottrige Rumpelwege, nicht Vredestein-1,35"-Reifen-freundlich!
Wasserburg ein hübsches Städtchen mit Skulpturenrundgang an dem Wall der Innsschleife entlang.
In Walpertskirchen Dorffest mit verspätetem Sonnwendfeuer und herrlicher Erbeerbowle.

28.6.08 Walpertskirchen - Kelheim 122 km

Radeln durch das Hopfenanbaugebiet mit kleineren Verirrungen. Vor Kelheim mehr Höhenmeter als man dieser Gegend zutrauen würde.

29.6.08 Kelheim - Regensburg - Sulzbach-Rosenberg 125 km

Dem Donauradweg nach Regensburg folgend. In Regensburg herrlichen Dom mit lateinischem Chor bei der Sonntagsmesse genossen.
Dann beginnt das absolute Highlight der ersten Tage: Naabtal-Radweg und Fünf-Flüsse-Radweg. Idyllische Flusslandschaften, idyllische Örtchen: Kallmünz einer der schönsten Orte, die ich je gesehen habe, und im Gegensatz zu anderen wunderschönen Orten absolut touristenfrei (die Deutschen sind ja hier keine Touristen).
Wermutstropfen: 3 Patschen bei Dorli, die in Kallmünz aufgibt und ein Taxi nach Sulzbach-Rosenberg (noch 47 km) bestellt. Die Strecke, die sie versäumt, ist dann noch eine traumhafte Flusslandschaft in sanfte Hügel eingebettet.
Abends Großes Altstadtfest in Sulzbach-Rosenberg, dazu noch das WM-Finale .- und wir nächtigen mittendrin und müssen uns durch Menschenmassen, Pappbecher und Grillnebel bis zum Hotel durch die Fanzone kämpfen. Dazu ein Abend mit 24° - herrlich

30.6.08 Sulzbach-Rosenberg - Pegnitz 56 km

ab heute geht's alleine weiter: jetzt beginnen die Höhenmeter. Diese Fränkische Schweiz (warum heißt sie wohl so?), dieses ewige Auf und Ab, diese Mohnblumen am Feldrand, die weite Hügellandschaft, dieser zentimetertiefe Kies auf den Radwegen, diese absolute, fast gespenstische Menschenleere auf endlosen Wegen durch dunkle Wälder, diese einsamen Seerosenteiche (einer beschwommen)

1.7.08 Pegnitz - Bayreuth - Bischofsgrün 92 km, 1350 Hm

Bayreuth sehenswert, sympathisch. Wagner-Museum besucht (Wagner dadurch nicht sympathischer). Radwegweiser mitten in der Stadt sensationell, dann verstecken sie sich gekonnt hinter Büschen (Umwege vorprogrammiert)
Dann weite Anstiege bei über 30°, frage erschöpft bei Gästehaus nach Zimmer, bin natürlich der einzige Gast und dann zu müde wieder 100 Hm hinunter zum Gasthaus zu gehen/radeln - aber ein Vorteil des Alleinradelns ist, dass niemand sagt iss-doch-du-bist eh-so-dünn, sondern dass ich einfach in der Abensonne in der frisch gemähten Bauernwiese liegen und einen Müsliriegel hinunterwürgen kann.

2.7.08 Bischofsgrün - Saaldorf 103 km, 1187 Hm

Schwarzenbach an der Saale: dort hat Jean Paul unterrrichtet, man lernt nie aus.
In Blankenberg rettet mich der Friedhof vor dem Verdursten, eine freundliche ältere Dame zeigt mir sogar den versteckten Wasserhahn.
Saaldorf idyllischer Ort an der seenartigen Saale. Wäre bei uns voll von Events. Hier: nichts. 30minütige Suche, bis mich privates Gästehaus aufnimmt (16,-). Dann 20minütiges Radeln zu ehemaligem DDR-Ferienheim an der gegenüberliegen Flussseite. Bin natürlich der einzige Gast, kriege aber glatt was zum Essen. Abends noch Energie für Hügelbesteigung (zu Fuß!) für grandiosen Sonnenuntergang

3.7.08 Saaldorf - Saalfeld ca. 100 km, 1155 Hm

Fragen über Fragen... Warum ist es immer so heiß, wenn ich auf Radltour bin?
Warum gibt es in den Orten keine Gasthäuser, keine Shops, keine Brunnen - nur Getränkegroßmärkte (ein Hohn, sie sind immer geschlossen, arbeiten vielleicht nachts...)
Warum leiten die den Saale-Radweg immer auf und ab? Damit ich zwischen 2 Hügeldörfern 300 Hm tiefer unten die Saale per Fähre überqueren kann (für 1,60 - natürlich als einziger Fahrgast)
Wo sind andere Radler (vielleicht Erklärung s. vorige Frage)
Warum sind die Radwegschilder so gut versteckt - vorwiegend an den Abfahrten, wo man endlich einmal Fahrtwind haben will?
Warum gibt's grad heut ein Gewitter, wo mir gestern mein Kotflügel gestohlen worden ist?
Und warum riecht's in Saalfeld nach Buttersäure?? (mögliche Erklärung selbst gefunden: Schokoladefabrik)

4.7. 08 Saalfeld - Weimar 80 km

Eine zentrale philosphische Frage als Nachtrag: was ist eigentlich Rückenwind?
Saale-Radweg zur Strafe kurz verlassen, es gibt auch andere: der Ilm-Radweg führt erstens nach Weimar, ist zweitens gut beschriftet und verläuft drittens schön brav der Ilm entlang.
Sollte ich je gesagt habe, dass es in Tirol am meisten Nacktschnecken gibt, so nehme ich das sofort zurück. Bei 25 km/h und entsprechender Fahrtechnik könnte man hier mühelos 40 Schnecken / min töten und so zur Wiederherstellung des biologischen Gleichgewichts einen Beitrag leisten. Aber ich, ohne Kotflügel... und die sind ja nicht in meinem Garten...
Weimar: Stadt der toten Dichter, ein wunderschönes schmuckes Städtchen, da ist sogar ein bisschen was los! Suche als Herberge das von Weimarer Exstudenten auf der Hütte in Kolm-Saigurns nach einigen Bieren empfohlene Hababusch und mache eine Zeitreise in die 70er. Hat jemand schon den Begriff "organisiertes Chaos" geprägt? (Wenn nicht: Copyright:
Ingrid) - das findet hier statt. Die Dusche - ein Vorgeschmack auf morgen (Buchenwald)?
Schild am Eingang des Hostels: Gelegentlich dauert es länger als 5 Minuten bis jemand zur Tür kommen kann! Wenn die Tür nicht geöffnet wird, probiert bitte auch die anderen Klingeln, wartet eine Weile, klingelt nochmals überall, wartet, klingelt wieder, usw. bis jemand öffnet. Manchmal ist es hilfreich, dreimal kurz hintereinander zu klingeln. Wenn alle diese Maßnahmen nach 10 Minuten keinen Erfolg haben, versucht uns bitte über die unten angeführten Telefonnummern zu erreichen... (es folgen 14 Telefonnummern, von Robert, Heinrich, Jan, Bernd, Tina usf.)

Dann Weimar-Besichtigung als Literaturfan: Goethe-Haus, Goethe-Gartenhaus, Frau-von-Stein-Haus, Schiller-Haus, Nationaltheater mit Goethe-Schiller-Denkmal. Am Abend kommt allerdings Shakespeare dran (im Nationaltheater): ein bisschen albern, ein bisschen klamaukhaft, aber es gibt wohl auch bessere Regisseurinnen ;-)

5.7.08 Weimar - Buchenwald - Weißenfels
Angst vor Kommerzialisierung von Buchenwald erweist sich als unbegründet. Eintritt und Führung sind kostenlos, lediglich freiwillige Spenden sind erbeten (und werden auch gegeben). Die zweieinhalbstündige Führung lässt einen mit sprachloser Beklemmung über das Unfassbare zurück. Was mich verwundert ist, wie schnell das Gegenwärtige zum Vergangenen wird: es ist Geschichte, ja sogar die DDR-Ära, in der das Lager bis 1950 in derselben Funktion weiter verwendet wurde, wirkt schon historisch.

Rudolf Habringer: Am Jüngsten Tag
Am Jüngsten Tag wird es so sein:
Alle Völker werden sich vor dem Thron Gottes aufstellen, und es wird ein ziemliches Gedränge sein.
Und Gott wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Ziegen trennt.
Dann werden die reichen, die Mächtigen und Potentaten, die Wirtschaftstreibenden, die Spitzenfunktionäre aus Gesellschaft und Politik und auch die Hohe Geistlichkeit zu seiner Rechten Platz nehmen und schließlich in das Himmelreich eingelassen werden.
Die Armen aber, die Unterdrückten, die Trauernden und die Hungernden, dneen es immer wieder versprochen wurde, werden auch diesmal leer ausgehen.
Diese Ungeheuerlichkeit kam jüngst durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit.


Am Nachmittag geht's den Ilmradweg entlang weiter, bis er wieder auf den Saale-Radweg trifft. Dieser führt mich gleich zur Begrüßung einen steilen Berg hinauf zu einer Burg, wo sich dann alle Schilder plötzlich verflüchtigen. Dafür treffe ich die ersten(!) Radler, die sich übrigens genauso verirrt haben. Fahr dann als einzige steilen Singletrail hinunter und sichere mir Packtaschler, die aber auch durch ihre gewaltigen Heckaufbauten behindert sind. Ziel Weißenfels: ein wunderschön restauriertes Städtchen, in dem absolut nichts los ist, Geisterstadt (kommen eigentlich die "Toten Hosen" aus den neuen Bundesländern?). Bin sowohl im (diesmal teuren) Hotel als auch im Lokal am riesigen Hauptplatz im Freien der einzige Gast.

6.7.08 Weißenfels - Merseburg - Dessau 125 km

zwischen Merseburg und Halle kommen mit Tausende (wirklich: 1000e) Radfahrer in blauen Trikots entgegen. Die müssen die ganze Zeit irgendwo eingesperrt gewesen und jetzt plötzlich alle auf einmal freigelassen worden sein. Jeder Hundertste (und das sind viele) ruft mir mahnend zu: falsche Richtung! Erinnert mich an die pflichttreue Aufforderung gestern, als ich bei einem Fußballfeld von einem Feldweg in einen anderen einschwenke: "Beim Abbiegen immer schön Ärmschen rausstrecken!"
Die Zeit der Hügel ist vorbei, die Ebene quält einen dafür ganz plump mit Kopfsteinpflaster -  nur im Wiegetritt befahrbar, Geschwindigkeitsreduzierung auf 8-10 km/h, damit nicht Rucksack und sämtliche am Lenker montierten Geräte hinuntergerüttelt werden.
In Dessau beginnt langsam der Berliner Schmäh: Nur hereinspaziert, junge Frau - sagt der Zimmervermieter, bevor er mir ausführlich schildert, was ich mir morgen unbedingt anschauen muss.

7.7.08 Dessau - Wittenberg 56 km

Berlin muss einen Tag verschoben werden: zu viel kann ich mir nicht entgehen lassen: Dessau Bauhaus (Gropius) und Meisterhäuser (Feiniger, Klee etc.), Wörlitzer Gartenanlagen (Weltkulturerbe) und natürlich Wittenberg: da kann man leicht einen halben Tag auf den Spuren Luthers und von Lukas Cranach sen. und jun. wandern.
Ach ja, da gibt's ja noch das Hundertwasser-Haus in Wittenberg, sein letztes Werk (die wundersame Verwandlung eines Plattenbaus), dessen Eröffnung er nicht mehr erlebte.

8.7.08 Wittenberg - Berlin 118 km

Jute Hufe!
Auf kürzestem Weg neben der Bundesstraße (hervorragender asphaltierter Radweg) über Potsdam nach Berlin. Im Grunewald rase ich erholsam im Windschatten von 2 Rennradlern, die mir zum Abschied anerkennend zurufen: Jute Hufe! - und am Brandenburger Tor erwartet mich Katrin mit einer Flasche Rotkäppchen-Sekt inklusive Sektgläsern.

8.-11.7.08 Berlin

10.7.08 Hohenschönhausen (http://www.stiftung-hsh.de/index.php)

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen befindet sich an einem Ort, der wie kaum ein anderer in Deutschland mit der 44jährigen Geschichte politischer Verfolgung in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR verknüpft ist: Auf dem Gelände einer ehemaligen Großküche im Nordosten Berlins wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein sowjetisches Speziallager errichtet. Nach der Schließung des Lagers im Oktober 1946 entstand im Keller des Gebäudes das zentrale sowjetische Untersuchungsgefängnis für Deutschland. 1951 übernahm das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) das Gefängnis, erweiterte es durch einen Neubau und nutzte es bis 1989 als zentrale Untersuchungshaftanstalt. Tausende politisch Verfolgte waren an diesem Ort inhaftiert, darunter fast alle bekannten DDR-Oppositionellen.
Rund um die Haftanstalt in der Berliner Genslerstraße waren zugleich die zentralen Diensteinheiten ansässig, die beim MfS für strafrechtliche Ermittlungen und Gefängnisse zuständig waren: die Hauptabteilung IX und die Abteilung XIV, die direkt dem Minister für Staatssicherheit Erich Mielke unterstellt waren. Sie kontrollierten sämtliche Ermittlungsabteilungen und Untersuchungshaftanstalten in den fünfzehn DDR-Bezirken und leiteten deren Arbeit an. Der Ort bildete eine Art Zentralstelle kommunistischer Repression in Ostdeutschland.
Die Untersuchungshaftanstalt befand sich in einem militärischen Sperrbezirk, der von der Außenwelt hermetisch abgeschlossen war. In dem Gebiet, das auf keinem Ostberliner Stadtplan eingezeichnet war, residierten noch weitere Diensteinheiten des MfS: der Operativ-technische Sektor (OTS), der u.a. für den Bau von Abhöranlagen zuständig war, die Hauptabteilung IX/11 mit ihrem geheimen NS-Archiv sowie ein Teil des Spionageapparates der Hauptverwaltung A (HVA). Unmittelbar neben dem Gefängnis befand sich bis 1974 das Arbeitslager, in dem bereits verurteilte Strafgefangene für den Staatssicherheitsdienst Zwangsarbeit leisten mussten.

Führung mit Gilbert Furian

Portrait FurianGilbert Furian wurde 1945 in Görlitz geboren. Im Alter von 16 Jahren wurde er in der DDR aus der kommunistischen Freien Deutschen Jugend (FDJ) ausgeschlossen, weil er abweichende politische Meinungen vertrat und Verbindungen zur kirchlichen Jungen Gemeinde unterhielt. Sein angestrebtes Dolmetscherstudium durfte er nicht antreten, sondern musste stattdessen eine Lehre als Verkehrskaufmann machen. 1967 wurde er zum Philosophiestudium an der Karl-Marx-Universität Leipzig zugelassen, drei Jahre später jedoch wieder exmatrikuliert. Gilbert Furian zog daraufhin nach Berlin und arbeitete seit 1971 als Sachbearbeiter für Inventuren und Versicherungen im VEB Wärmeanlagenbau Berlin. Am 27. März 1985 wurde er verhaftet und in die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Berlin-Hohenschönhausen gebracht. Ein Jahr später verurteilte ihn das Stadtbezirksgericht Berlin-Lichtenberg wegen "Anfertigens von Aufzeichnungen, die geeignet sind, den Interessen der DDR zu schaden" zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft. Er kam in die Strafvollzugsanstalt in Cottbus, aus der er im April 1986 von der Bundesrepublik freigekauft und in die DDR entlassen wurde. Anschließend arbeitete er in der Berliner Domkantorei. Im Herbst 1989 gründete er die "Projektgruppe Politische Justiz in der DDR" in der Initiative für Frieden und Menschenrechte (IFM). Er vertrat die Bürgerbewegung "Neues Forum" am Runden Tisch in Berlin-Pankow. Gilbert Furian wurde noch von der letzten, frei gewählten Volkskammer der DDR rehabilitiert, deren Gesetzgebungskommission er angehörte. Er hat mehrere Bücher publiziert und führt seit dem Jahr 2000 Besucher durch die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

12.7.08 Berlin - Burgwall 100 km

Dem Mauerradweg entlang geht es nach Norden. Nach Lübars verlassen wir den Konsumbereich, dann sind Gasthäuser wieder dünn gesät. Dafür herrliche Flusslndschaften, wunderschöne alte Kirchen, interessante Tonstechanlagen bei Zehdenick und eine nette alte Pension "Zur Fähre" direkt am Fluss, hausbootfahrer-Treff.

13.7. 08 Burgwall - Groß Quassow 86 km

Es nordelt:
erste Blaubeeren, unendliche Wälder, Moore und Schilf, Mücken, am Abend Fischsuppe und Rote Grütze.
Unfreiwilliger Gewichtsverlust: vergesse Wechselwäschesack in Pension Zur Fähre...

14.7.08 Groß Quassow - Krakow am See 109 km

Wow (sprich: wo), es owt:
Quassow, Zwenzow, Dratow, Federow, Letschow, Krakow - eine kleine Auswahl.
Glazial geformte Landschaft mit kleinen Hügeln und Mulden. Die Geschwindigkeit variiert im Minutentakt von 8 bis 38 km/h (mehr lässt der Gegenwind auch auf den kurzen Abfahrten nicht zu), dazu schlängeln sich die wunderschönen und bestens präparierten Radwege slalomartig durch die Wälder - lustig zu fahren!
Zwischenstation in Waren, dort ist wirklich etwas los: am Yachthafen am See mediterranes Flair, in der Innenstadt Einkaufsrummel, ja, wirklich: Geschäfte mit jeder Menge Waren (Nomen est omen). Ich kriege eine Ersatzschraube fürs Pedal und sogar eine Unterhose (zwar Größe 40, Altdamenschnitt, aber immerhin!).
Wetter sieht ein bisschen nach Regen aus, deshalb geht's dann gleich weiter. Und schon ist es vorbei mit dem trubel. Bis 19 Uhr ist absolut nichts Übernachtungsmäßiges zu finden. Dann endlich kleiner einfacher billiger netter Campingplatz neben großem, vollem Caravan-Campingplatz (wo es sogar Holzzäume und Hecken um die reservierten Plätze gibt!)

15.7.08 Krakow am See - Rostock 110 km

Moin Moin!
Jetzt wird nicht mehr berlinert, und ich schtrample auch nicht mehr in die Pedale, sondern sstrample. Und zu sstrampeln gibt es viel, denn es bläst mit permanent eine ssteife Brise ins Gesicht. Die ideale Reiseliteratur wäre jetzt Gut gegen Nordwind - warum hab ich das nicht mit, oder wenigstens schon vorher gelesen?
In der Jugendherberge in Rostock erstes Mal "Radlertreff": außer mir gibt es noch 2 Radler dort, einen jungen Dänen und einen etwa 40jährigen Deutschen.
Dialog mit dem 40jährigen (wirkt etwas gesetzt, daher Anrede per Sie):

Ich: Was ist denn Ihre Route?
40jähriger: von Hamburg den Ostseeradweg Richtung Berlin, so 40 km am Tag; nach einer halben Stunde muss ich immer ne Pause machen, da spielen die Knie nich mehr müt, das würd wohl meine letzte lange Reise sein, und mein Lebensgefährte holt mich ja dann auch schon vor Berlin mit dem Auto ab... Und Sie, wo kommen Sie hör?
Ich (schwindelnd, weil ich denke, dass die Weltstadt Innsbruck eher weltbekannt ist als das Städtchen Kufstein am grünen Inn): von Innsbruck
40jähriger: was? Und wie weit soll's noch gehen?
Ich: nach Stockholm
40jähriger (denkt kurz nach): Sind Sie schon im Ruhestand?
Ich (beleidigt): Nein! Ich habe viel Urlaub und mache das, solange ich noch keine Wehwehchen habe! (Ha, Rache ist süß!)


Abendspaziergang am Hafen, Mövengeschrei, Seegeruch, Essen im Hafenrestaurant "Zur Kogge" - Ostsee-Feeling und ungläubiges Staunen, dass ich es tatsächlich bis ans Meer geschafft habe.

16.7.08 Rostock - Gedser - Ulslev

Im Nieselregen Stadtbesichtigung, dann mit Rainlegs nach Warnemünde zum Überseehafen

17.7.08 Ulslev - Sandvig

18.7.08 Sandvig - ?

19.7.08 ? - Ishoj

20.7.08 Ishoj - Kopenhagen - Helsingör

Kopenhagen - Stockholm 1020 km