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Integrale Psychologie

Zusammenfassung des Buches von Ken Wilber nach einem Artikel auf seiner Homepage 

Entwicklungsstadien:

Farbe

Entwicklungsstufen (Piaget, Gebser,Wilber)

Körper-Erfahrung

Selbstsystem

(Regenbogen)

Nondual (Integrale Mystik, Sahaja Samadhi, Turiyatita – jenseits von Turiya, One Taste, Siddha – 1.Langeweile, 2. gewöhnlich, nichts Besonderes, Einfach das, nicht mehr)

 

Nondual

Klares Licht

Turiya (der Zeuge, der nicht als Objekt wahrgenommen werden kann) Subjektive Permanenz, ununterbrochenes Zeugenbewusstsein

Direkte Erfahrung des

suprakausalen Körpers, "

Blaue Perle" - klares Licht

(Svabhavikakaya)

Transpersonal

Ultraviolett

Kausal (lucider Tiefschlaf, Formlose Mystik, Nirvikalpa Samadhi, Weiser – Weite, Freiheit, Raum, Befreiung, unbewegt, schwarzes Beinaheerlangen) 

Direkte Erfahrung des

kausalen Körpers -schwarz

(Dharmakaya)

Violett

Subtil (lucides Träumen, Gottesmystik, Savikalpa Samadhi, stabile Meditation auf subtile Formen, Heiliger – friedlich, visionär, apokalyptisch, prophetisch)

Direkte Erfahrung des

subtilen Körpers - weiß

(Sambhogakaya)

Indigo

Psychisch“ (Naturmystik, Schamane, Yogi – Verehrung, Wunder, ich bin als Mensch unbedeutend, Macht)

Einheitserfahrungen

mit dem

grobstofflichen Bereich - rot

Türkis

Integral, Visionslogik, Schaulogik (integral aperspektivisch)

Direkte Erfahrung des

grobstofflicher Körpers

(Nirmanakaya)

im Wachzustand

Personal

Grün

Pluralistischer Geist, individualistisch, relativistisch

Orange

Rational, Formal operationaler, reflexiver Geist, Einsicht und Verständnis, Wissenschaftliche Haltung (Mathematik), weltzentrisch,

Bernstein

Regel / Rollen Geist, konkret operationaler Geist, Mythisch, magische Kraft haben die Götter, Rituale, Bittgebete, soziozentrisch

Rot

präoperationaler Geist, Magisch, Subjekt und Objekt noch wenig getrennt, frühe Symbole und Konzepte, egozentrisch

Präpersonal

Magenta

Emotional-Sexuell (z. B. Sexualität, Aggression, Hunger, Durst, élan vital, Bioenergie)

Infrarot

Sensomotorisch, Archaisch,Physiosphere, Egozentrisch

Durch die Stadien gibt es Entwicklungsstränge oder Ströme, die sich relativ unabhängig entwickeln können wie Kognition, Moral, Affekte, Bedürfnisse, Ideen über das Gute, Psychosexualität, Motivation, Selbstidentität (Ego), Rollenübernahme, Logisch-mathematische Kompetenz, Sozio-emotionale Kapazität, Weltbild, Werte, verschiedene Linien, die man spirituell nennen könnte (Fürsorge, Offenheit, Sorge, religiöser Glaube, meditative Stadien), musikalische Fähigkeiten, Altruismus, kommunikative Kompetenz, Kreativität, Art der Raum – und Zeitwahrnehmung, Todesangst, Geschlechtsidentität, Empathie.

Eine Person kann in manchen Bereichen sehr weit entwickelt sein (z. B. Cognition) mittel in anderen Bereichen (z. B. Moral) und wenig entwickelt in wieder anderen Bereichen (z. B. Spiritualität)

 Die Entwicklung geht von präkonventionell (Egozentrisch, z. B. emotional sexuell) über konventionell (Soziozentrisch, z. B. Regel/Rollen Bewusstsein) zu postkonventionell (weltzentrisch, z. B. Visionslogik) zu postpostkonventionell (azentrisch, Nondual)

Wirkliche Entwicklungsstadien können nicht übersprungen werden.

Neben den Entwicklungsstufen des Bewusstseins gibt es noch Bewusstseinszustände: Wachen, Träumen und Tiefschlaf.

Der Wachzustand hat den grobstofflichen Leib zum Körper

Der Traumzustand hat den subtilen Leib zum Körper

Der Tiefschlaf hat den kausalen Leib zum Körper.

Es können deshalb höhere Bewusstseinszustände jederzeit als Gipfelerlebnis erfahren werden, weil jeder Mensch täglich einmal alle drei Bewusstseinszustände durchläuft. Es bedarf aber einer regelrechten Schulung auf einem spirituellen Weg, bis diese Bewusstseinszustände dauerhaft erlebt werden können und zu Bewusstseinsstufen werden, die dem Individuum zur Verfügung stehen.

Die Art, wie ein Individuum diese Gipfelerlebnisse interpretiert, hängt weitgehend von der sonstigen Entwicklung des Betroffenen ab. Z. B. wird ein Mensch auf der konkret operationalen Ebene eine Erfahrung auf der subtilen Ebene (z. B. Vision einer Gottheit) sehr buchstäblich und konkret interpretieren. Moses teilte wirklich das rote Meer, und oft sehr ethnozentrisch (nur die, die an meinen Gott glauben, werden gerettet) interpretieren. Andererseits wird ein Mensch mit einer postformalen Denkstruktur eine Erfahrung aus dem subtilen Bereich auf pluralistische, metaphorische, aperspektivische Art interpretieren (z. B.: „Ich habe einen Seinsgrund erfahren, der in allen fühlenden Wesen anwesend ist, aber von allen wird es anders ausgedrückt, keine Ausdrucksform ist dabei besser wie die andere). Jemand direkt auf der transpersonalen Ebene erfährt diese Bereiche in ihrer selbsttranszendierenden Unmittelbarkeit, ohne Konzeptualisierung, sei sie nun pluralistisch oder sonst wie.

Gesamtheitliche integrale Entwicklung ist ein kontinuierlicher Prozess, zeitweise Zustände in permanente Strukturen umzuwandeln, und in dieser integralen Entwicklung können keine Stukturen oder Ebenen Übersprungen werden, oder die Entwicklung ist nicht, das ist die Definition, integral.

Neben den Entwicklungsebenen (Präpersonal – personal – transpersonal), Entwicklungslinien (Denken, Moral,usw.) und Bewusstseinszuständen (wachen, träumen, schlafen), gibt es noch eine Instanz, die das alles koordiniert und zusammenhält, das Selbstsystem.

Die wesentlichste Eigenschaft des Selbstes ist die, dass es sich mit allen Entwicklungsebenen, Strömen und Zuständen identifizieren kann. Dadurch entsteht jeweils eine ganz spezifische Form der Selbstidentität mit bestimmten Trieben und Bedürfnissen. Das Selbst erfährt dabei ebenfalls eine Veränderung, während es sich mit verschiedenen Strukturen identifiziert und weiterentwickelt.

Die Entwicklung erfolgt jeweils über drei Schritte:

Zuerst identifiziert sich das Selbst mit einer neuen Ebene oder Struktur (Drehpunkt) und verschmilzt damit. Es erfährt diese Struktur, dann desidentifiziert es sich damit, es transzendiert die entsprechende Ebene, bewegt sich zur nächsthöheren. Danach integriert es idealerweise die darunterliegende mit der nächsthöheren Ebene.

Bei jedem dieser Schritte kann es bei jedem Drehpunkt zu Fehlentwicklungen oder Pathologien kommen. (fehlgeschlagene Identifikation, fehlgeschlagene Differenzierung /Transzendenz, fehlgeschlagene Integration). Diese Pathologien reichen von psychotisch zu Borderline zu neurotisch zu existentiell zu transpersonal.

Diese Entwicklungswellen oder Drehpunkte überlappen sich dabei stark, deshalb überlappen sich auch die unterschiedlichen Pathologien und Behandlungsstrategien.

Man stellt sich das Selbstsystem am Besten nicht als eine starre Struktur, sondern als ein Graviditätszentrum vor, um das die verschiedenen Ebenen, Linien und Zustände kreisen. Wenn irgendwelche psychischen Aspekte von diesem selbstorganisierenden Zentrum abgetrennt werden, verlassen sie die Umlaufbahn, werden zu bruchstückhaften, abgespaltenen und entfremdeten Teilen der Psyche. Therapie bedeutet deshalb hier immer in Kontakt bringen, sich anfreunden, reintegrieren und zurückbringen dieser abgetrennten Teile der Psyche, zurück in eine Umlaufbahn mit bewusstem Einschließen und Umarmen dieser Teile.

 

Es gibt mindestens sechs Definitionen von Spiritualität:

  1. Die höchsten Stufen einer jeden dieser Linien

  2. Eine seperate Linie

  3. Ein veränderter Bewusstseinszustand

  4. Eine bestimmte Haltung  

  5. Legitime Spiritualität

  6. Authentische Spiritualität

 ad 1.) Wir sprechen oft von den höheren Entwicklungsstufen einer Linie als von spirituell. Z. Beispiel sind die höheren Affekte wie Liebe und Mitgefühl, spirituell, die niedrigeren Gefühle wie Hass und Zorn, nicht. Genauso ist es mit der Bedürfnishierarchie nach Maslow: Selbstverteidigung wird kaum als spirituell betrachtet, wohl hingegen Selbsttranszendenz. Das ist ein legitimer Gebrauch des Wortes, weil die höheren Entwicklungsstufen aller Entwicklungslinien vermehrt spirituelle Qualitäten annehmen.  

Ad 2.) In verschiedenen Spirituellen Traditionen wird die spirituelle Entwicklung als getrennte Entwicklungslinie betrachtet. Sie beginnt oft schon in der Kindheit oder noch früher vor der Zeugung im Bardozustand zwischen zwei Geburten, und entwickelt sich dann über verschiedene genau beschriebene meditative Stadien gemäß der Schulung bis zu den Höchsten Stufen. Diese Ansicht kann erklären, dass jemand spirituell sehr weit entwickelt sein kann, trotzdem aber in anderen Entwicklungslinien (z. B. Moral oder zwischenmenschliche Beziehungen) wenig oder sogar pathologisch entwickelt ist.

 Ad 4.) Diese Definition geht davon aus, dass Spiritualität im Wesentlichen eine bestimmte Haltung oder ein bestimmter Wesenszug ist, den man auf jeder Entwicklungsstufe haben oder nicht haben kann, und diese Haltung – vielleicht liebendes zuvorkommend sein, innerer Friede, Hilfsbereitschaft oder Güte – ist das, was die Spiritualität am meisten auszeichnet. Bei diesem Gebrauch kann man eine spirituelle oder unspirituelle magische Welle haben, eine spirituelle oder unspirituelle mythische Welle, eine spirituelle oder unspirituelle rationale Welle, und so weiter.

 Ad 5.) Legitime Spiritualität versucht, das Selbst auf der Stufe zu stärken, auf der es sich gerade befindet, gleichgültig, ob hoch oder niedrig

 Ad 6.) Authentisch Spiritualität strebt danach, das Selbst (Ego) in seiner Gesamtheit zu transzendieren, oder wenigstens in eine höhere Bewusstseinswelle zu transformieren.

Die ersten drei Definitionen zeigen verschiedene Aspekte authentischer Spiritualität, weil sie versuchen, auf höhere Ebenen zu gelangen.

Die vierte Definition ist eine gute Beschreibung legitimer Spiritualität, weil es versucht, die Gesundheit des Selbst auf jeder Stufe, ganz gleich wie hoch oder niedrig, zu fördern, ohne eine Tendenz, die Ebene wechseln zu wollen.

Alle Definitionen sind gültig und wichtig, weil alle Definitionen auf wichtige Funktionen hinweisen, Spiritualität erfüllen kann. Die Schwierigkeit ist eher die, dass bestimmte Institutionen nur eine dieser Definitionen gelten lassen.

Quadranten:

Wir können alles auf vier Arten betrachten: von innen und von außen, in der Einzahl und in der Mehrzahl.

 Z. B. wir selbst: Ich kann mein jetziges Bewusstsein von innen her phänomenologisch beschreiben: Ich fühle mich müde, angeregt, denke über etwas bestimmtes nach, etc. Diese Sicht verwendet die „Ich“ – Sprache.

Ich kann auf mein Bewusstsein aber auch von außen schauen: jemand kann feststellen, dass ich gerade ein bestimmtes EEG – Muster habe, dass bestimmte Neurotransmitter ein bestimmtes Niveau erreichen, etc. Die Sprache dafür ist die „Es“ – Sprache, die Sprache der objektiven Wissenschaft.

Mein Bewusstsein existiert aber nicht in einem Vakuum, es existiert in einer Gemeinschaft mit anderen Selbsten. Jedes Kollektiv, jede Gruppe, teilt bestimmte Weltsichten (archaisch, magisch, mythisch, rational....) ethische Normen, Moralvorstellungen, Gebräuche, etc. Das können nun Familien, Firmen, Organisationen, Völker, Nationen, die Welt als Ganzes sein. Das Innere eines Kollektives wird in der „Wir“ – Sprache beschrieben, und umfassen alle Bereiche, die du erfahren würdest, wenn du wirklich ein Mitglied einer bestimmten Kultur wärst. (Zur Erklärung: Ich und Du können sich nur verstehen, wenn Wir gemeinsame Werte, Sprache, Normen, etc. teilen)

Man kann aber auch von außen in objektiver Weise auf eine Gruppe blicken, kann sagen, ob es eine Jäger und Sammler Kultur gab, ob es Gartenbau, Ackerbau, Industrie, Informationsstrukturen gab oder gibt, welche objektiven Institutionen, Gebäude, Technologie eine Kultur benutzt, in welchem quantitativen Verhältnis z. B. Geburts- und Sterberate stehen. Die Sprache ist wieder eine versachlichende, objektivierende „Es“ – Sprache, diesmal in der Mehrzahl.

  Wir haben also vier größere Perspektiven: Ich, Es (Einzahl), Wir, Sie (Es in der Mehrzahl). Weil die beiden äußeren, objektiven Dimensionen in der „Es“ – Sprache beschrieben werden, können wir die Vier Quadranten auf drei große Bereiche reduzieren:

Ich, Wir und Es. Oder erste Person, zweite Person und dritte Person. Oder Kunst, Moral und Wissenschaft. Oder das Schöne, das Gute und das Wahre. 

Mein Hauptanliegen ist es, dass jede Stufe, jede Entwicklungslinie und jeder Bewusstseinszustand jeweils vier Quadranten hat, oder drei Hauptdimensionen – Ich, Wir, Es. Dieses Modell, dass alle Quadranten, alle Linien und alle Zustände einschließt, nenne ich manchmal einfach „AQUAL“ – Modell, „All – quadrant, all – level .  

Als Menschen haben wir jederzeit Zugang zu den drei Bewusstseinszuständen wachen, träumen und schlafen, auch ein Kind. Je nach seinem sonstigen Entwicklungszustand wird aber ein Kind seine Erfahrungen anders interpretieren wie ein Erwachsener. Ein Kind kann tatsächlich Erfahrungen des Subtilen und Kausalen machen, trotzdem wird es diese Erfahrungen gemäß seiner präkonventionellen, egozentrischen, präformalen Struktur interpretieren, nicht mit einer postkonventionellen, globalen, weltzentrischen Persönlichkeitsstruktur, die sich noch nicht entwickelt hat. Die drei Bewusstseinszustände sind gegeben, die verschiedenen Stufen und Strukturen des Bewusstseins entwickeln sich über die Zeit hinweg.

 Oberer linker Quadrant (das Innere des Individuums): Damit befasst sich ein Großteil der Arbeit Ken Wilbers, die Entwicklungsmöglichkeiten und die Phänomene des Geistes zu beschreiben und zu klassifizieren.

 Oberer rechter Quadrant (das Äußere, Objektive des Individuums): Welche neurophysiologischen Veränderungen gibt es während spiritueller, religiöser oder außergewöhnlicher Bewusstseinszustände?

Wir müssen die Ergebnisse der Erforschung des Inneren, die sich uns in der Phänomenologie der spirituellen Erfahrung eröffnen, mit den Ergebnissen der objektiven Wissenschaft (kognitive Wissenschaften, Entwicklungspsychologie, Systhemtheorie angewandt auf Gehirnzustände, Neurologie, biologische Psychiatrie etc.) verbinden, wenn sie das noch kommende Ansteigen der Flachlandzugänge (alles reduziert auf die materielle Seite und die niedrigsten molekularen Vorgänge – Quadrant rechts oben, unterste Ebenen) überleben sollen.

 Unterer linker Quadrant (das Innere des Kollektivs)

Wie beeinflussen intersubjektive, ethische, linguistische und kulturelle Bedingungen das Bewusstsein und veränderte Bewusstseinszustände?

Postmodernisten und Konstruktivisten haben richtig beschrieben, wie der Hintergrund der kulturellen Zusammenhänge und gemeinsamen ethischen, sprachlichen und anderen zwischenmenschlichen Übereinkünfte das Bewusstsein und die Erfahrung veränderter Bewusstseinszustände färbt und beeinflusst. Aber sie haben versucht, alles darauf zurückzuführen. Statt das Bewusstsein auf „Es“, auf ein Epiphänomen des Materiellen zurückzuführen, wie es die Vertreter der objektiven Wissenschaften tun, meinen sie, dass der kulturelle Zusammenhang alle Zustände erzeugt, und damit versuchen sie, alle Phänomene auf „Wir“ – Sprache zu reduzieren.

   Unterer rechter Quadrant (das Äußere des Kollektivs)

Wie beeinflussen bestimmte technisch – ökonomischen Bedingungen, Institutionen, wirtschaftliche Voraussetzungen, ökologische und soziale Systeme das Bewusstsein und veränderte Bewusstseinszustände? Dieser Blickwinkel wurde von den Ökologen, Ökofeministinnen, Neomarxisten, dynamischen Systhemtheoretikern und Chaostheoretikern eingenommen, die alle dazu tendieren, die Welt als ein holistisches System von miteinander verwobenen „Es“-en zu sehen. Auch sie tendieren dazu, die anderen Dimensionen des Seins zu ignorieren und das Bewusstsein auf digitale Bits in einem System – Netzwerk zu reduzieren, auf einen Faden im Gewebe des Lebens, oder auf ein holistisches Muster von Flachland „Es“ –en.

Ich meine deshalb, dass jedes umfassende Modell Quadranten, Ebenen Linien Zustände und das Selbst umfassen sollte, und sich damit befassen sollte, wie verschiedenen Seiten der Welt innerlich zusammenhängen, ohne eine Dimension auf Kosten der anderen überzubetonen.

Psychologie, die überleben wird, wird deshalb in ein AQUAL – Rahmenwerk eingebettet sein, das Verhalten, Intention, Kultur und soziale Dimensionen umfasst, die sich alle vom Körper über die Seele bis zum Geist erstrecken. Damit wird integrale Psychologie nicht mehr nur Psychologie sein, sondern ein inhärenter Bestandteil einer umfassend(er)en Kosmologie, und ihre Ausübung wird zu einer Bewegung des Kosmos selbst.

Das „harte Problem“

Dieses Modell hat auch – oder sagt, dass es hat – eine Antwort auf das „harte Problem“ des Bewusstseins, weil es auch tranpersonale Wellen (Stufen) und besonders die nonduale mit einschließt. (Das Problem, wie wir subjektive Erfahrung von der behaupteten objektiven, materiellen, nichterfahrenden Welt bekommen können)

Die Weisheitstraditionen machen in der Regel eine Unterscheidung zwischen absoluter und relativer Wahrheit. Ein integrales Modell legt uns nahe, dass wir von der relativen Seite her annehmen, dass alle Holons vier Quadranten haben, jeweils mit einem Inneren und einem Äußeren, und dass deshalb „subjektive Erfahrung“ und „objektive Materie/Energie“ ganz vom Anfang an gemeinsam erscheinen. Von der absoluten Perspektive aus (Nonduales Bewusstsein) legt uns ein integrales Modell nahe, dass wir die endgültige Antwort auf dieses Problem erst mit Satori (Erleuchtung) wirklich erkennen werden, dem persönlichen Erwachen zum Nondualen s(S)elbst. Der Grund, warum das harte Problem hart bleibt ist der gleiche Grund, warum absolute Wahrheit nicht mit relativen Worten gesagt werden kann. Das Nonduale kann nur durch eine Veränderung im Bewusstsein erkannt werden, nicht durch eine andere Landkarte, Theorie oder durch andere Worte.

 Das harte Problem kehrt schließlich wieder in der Frage nach der tatsächlichen Relation zwischen Objekt und Subjekt, und diese Frage ergibt sich erst in der endgültigen Antwort in Satori. Wir könnten sagen, dass das, was in Satori „gesehen“ wird ist, dass Subjekt und Objekt nondual sind, aber das sind nur Worte, und wenn wir das so sagen, erzeugt das Absolute oder Nonduale nur Paradoxe, Antinomien und Widersprüche (Erg.: z. B.: das schwarze Licht, die schwarze Sonne, etc). Die Nonduale „Antwort“ zum harten Problem kann nur vom nondualen Zustand oder der nondualen Ebene des Bewusstseins selbst gesehen werden, was gewöhnlich Jahre kontemplativer Disziplin braucht, und deshalb keine „Antwort“ ist, die man in einem Buch finden kann – und deshalb wird es das harte Problem für diejenigen bleiben, die ihr eigenes Bewusstsein nicht transformieren.  

Auf der relativen Ebene erfasst man die relative Lösung des Problems der Beziehung zwischen Subjekt und Objekt am besten mit einer bestimmten Form des Panpsychismus, den man bei Leibnitz, Whitehead, Russell, David Chalmers und anderen findet.  

David Chalmers schreibt in einem Artikel im Journal of Consciousness Studies, 1997:  

1)                          „Man wird zu dem Schluss genötigt, dass man keine reduktionistische Erklärung des Bewusstseins geben kann“. Das bedeutet, dass Bewusstsein (oder Erfahrung, oder Protoerfahrung, oder, wie ich technisch sage, Innerlichkeit [Interiority]) eine intrinsische, gegebene Komponente des Kosmos, und sie kann nicht vollständig abgeleitet werden von oder reduziert werden auf etwas anderes. Aus meiner Sicht ist das so, weil jedes Holon ein Innen und ein Außen hat (sowohl in der Ein wie auch in der Mehrzahl). Deshalb wird wahrscheinlich nur ein integrales Modell erfolgreich sein, das die fundamentale Bedeutung des Bewusstseins mit einschließt.

2)                          „Vielleicht wird uns der beste Weg zu so einer integralen Sicht von Russelian gezeigt, der ein Bild entwirft, in dem (proto) Erfahrungs – Eigenschaften eine intrinsische (ursprüngliche) Natur der physischen Realität ausmachen. So ein Bild ist ganz natürlich mit irgendeiner Form von Panpsychismus verbunden.“ Wie ich sagen würde, ist die Idee einfach die, dass die Physik (und Naturwissenschaften als Ganzes) nur die objektiven, äußeren, extrinsischen Bestandteile der Holons eröffnen, deren intrinsische oder innere Bestandteile subjektiv und erfahrungsartig (oder proto-erfahrungsartig) sind. In anderen Worten: Alle Holons haben eine linksseitige und eine rechtsseitige Dimension.

3)                          Wenn wir dieses Innen/Außen – Problem gelöst haben (mit einem modifizierten Panpsychismus, der nahe legt, dass alle Holons ein Innen und ein Außen haben), stehen wir dem nächsten Problem gegenüber. „Das Zweite ist das Problem, wie grundlegende Erfahrungs- oder Proto – Erfahrungsqualitäten auf  mikroskopischem Niveau irgendwie zusammen die Art von komplexer vereinheitlichter Erfahrung konstituieren, die wir machen (Das ist eine Version dessen, was Seager das „Kombinationsproblem“ nennt). „...würden sich nicht diese kleinen Erfahrungen zu einem unregelmäßigen Durcheinander summieren?“ „ Das hinterlässt uns das Kombinationsproblem, welches sicher das härteste ist“.(Chalmer)

Aber dieses Kombinationsproblem ist bereits vor einiger Zeit von der Entwicklungspsychologie und der Whitehead´schen Prozessphilosophie gelöst worden. Im Kern geht das folgendermaßen vor sich: Mit jeder Entwicklungswelle wird das Subjekt der einen Stufe zu einem Objekt der nächsten (Robert Kegan), so dass jede Stufe eine zunehmende Vereinigung aller vorhergehenden Stufen ist. In Whiteheads berühmten Dictum: „Die Vielen werden eines und um eins vermehrt“. Dieser Prozess gibt uns, wenn wir ihn von innen her betrachten, in einer gesunden Entwicklung einen zusammenhängenden und einheitlichen Selbstsinn (der von der Empfindung zur Wahrnehmung zum Impuls zum Bild zum Symbol...und so die Wellen des Großen Nestes aufsteigend, wo jede Welle ihre Vorgänger transzendiert und einschließt – oder sich darüber hinaus bewegt und umschließt, und solcherart die vielen Untereinheiten, die ihm vorausgingen, in eins zusammenfasst. Und so löst jede gesunde Welle das Kombinationsproblem erfolgreich. Dieser gleiche Prozess erscheint im Äußeren, z. B.: viele Atome bilden ein Molekül, viele Moleküle bilden eine Zelle, viele Zellen bilden ein Organ, viele Organe bilden einen Organismus, und so weiter.

 Sowohl im Inneren wie auch im Äußeren ist das Resultat kein „unregelmäßiges Durcheinander“, weil jede Einheit in diesen Reihen tatsächlich ein Holon ist – ein Ganzes, das Teil von anderen Ganzen ist. Sowohl die Innenseiten wie auch die Außenseiten des Kosmos sind aus Holons zusammengesetzt (das heißt, alle Holons haben eine Innen – und  eine Außenseite, in der Ein – und in der Mehrzahl). Deshalb ist das Kombinationsproblem in Wirklichkeit ein inhärenter Bestandteil von Holons in allen Bereichen. Alle vier Quadranten sind aus Ganzen / Teilen oder Holons zusammengesetzt, den ganzen Weg nach oben und nach unten, und weil jedes Holon bereits ein Ganzes / Teil ist, ist jedes existierende Holon eine bestehende Lösung für das Kombinationsproblem. Weit weg davon, dass Holons selten oder abnormal wären sind sie die fundamentalen Ingredientien der Wirklichkeit in allen Bereichen, und deshalb ist das Kombinationsproblem nicht so sehr ein Problem wie ein essentieller Bestandteil des Universums.  

Schließlich möchte ich noch zu meinem früheren Punkt zurückkehren. Das harte Problem kann vielleicht am besten auf der relativen Ebene durch ein holonisches oder integrales Modell gelöst werden. Aber das bleibt trotzdem nur ein konzeptuelles Hilfsmittel auf der relativen Ebene. Du kannst das holonische Modell vollständig lernen und in Erinnerung behalten, und doch kannst du dein Bewusstsein erleben, wie es „hier drinnen“ wohnt, auf dieser Seite deines Gesichtes, und die Welt existiert „da draußen“, dualistisch. Dieser Dualismus wird am Ende überwunden, nicht durch ein Modell, gleichgültig wie „nondualistisch“ es sich nennen mag, sondern nur durch Satori, was eine direkte und radikale Realisation ist (oder Veränderung in der Bewusstseinsebene), und diese Veränderung kann durch kein Modell ausgelöst werden, sondern nur durch lange spirituelle Praxis. Die Mystiker sind sich einig: das harte Problem wird schließlich nur durch die Erleuchtung (auf)gelöst, oder die andauernde Realisierung der nondualen Welle.

Siehe auch: 4 Quadranten | Spektrum des Bewusstseins | Linien der Entwicklung | Bewusstseinszustände | Holarchien und Ken Wilber

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