Weg von der Droge® ist ein sozialpädagogisches Betreuungsangebot an jugendliche Drogenkranke. Im Betreuungsschlüssel 1:1 durchläuft der substanzmißbrauchende Klient die Stationen:
Weg von der Droge® ist eine Methode der sozialpädagogischen Intensiv- und Einzelbetreuung. Ihr Ziel ist, dem Jugendlichen ein drogenfreies Leben zu ermöglichen.
Weg von der Droge® wird zur Zeit ausschließlich für männliche Jugendliche angeboten. Altersgrenzen variieren von Fall zu Fall, als Richtwert kann die Spanne zwischen dem 12. und dem 20. Lebensjahr angegeben werden. Hinsichtlich der Substanzen gibt es keine Einschränkung, besonders gut allerdings sprechen opiatabhängige Jugendliche auf beziehungsintensive Methoden an. Voraussetzung jedoch ist die Bereitschaft zum körperlichen Entzug. Darüber hinaus verlangt das Programm auch die Akzeptanz für die zeitweilige Einschränkung der Bewegungsfreiheit und die Unterordnung unter das Kommando des Helmsman auf dem Narrowboat.
Zentrales Ziel vom Weg von der Droge® ist es, dem Jugendlichen ein drogenfreies Erwachsenwerden zu ermöglichen.
Dieses Ziel enthält im Zeitablauf folgende Teilziele: Nach dem Screening und der Aufnahme in den Weg von der Droge® ist das erste Ziel eine diagnostische Abklärung durch Fachärzte. Medizinische, psychologische und psychiatrische Kofaktoren der Suchterkrankung werden erkannt und finden Eingang in die sozialpädagogische Arbeit. Nach der Abklärung wird als nächstes Ziel der körperliche Entzug umgesetzt. Bei Cannabismißbrauch kann der stationäre Entzug in der Regel entfallen. Als nächstes Etappenziel schließt die drogenfreie Auszeit auf dem Boot nahtlos an. Nach der Rückkehr werden Strategien zur Alltagsbewältigung ohne Rauschmittel entwickelt. Ziel ist letztlich die Unabhängigkeit und Selbständigkeit im abstinenzorientierten Lebensvollzug.
Weg von der Droge® verfügt über ein Zeitbudget von 1200 Sozialpädagogenstunden. Annähernd 75% der Arbeitszeit wird in die Intensivbetreuung auf dem Narrowboat investiert. Die Rückkehr in den Alltag wird mit beinahe einem Viertel der Stunden begleitet, so daß die Eingangsphase entsprechend zügig abgewickelt werden kann. Der schnelle Start kommt auch dem Wunsch nach Veränderung entgegen.
In der Eingangsphase lernen Klient und Betreuer einander kennen. Einerseits wird hier überprüft, ob der Klient mit seinem Betreuer zurecht kommt und andererseits werden Klient und Angehörige über die Methode und das weitere Vorgehen informiert. Die Eingangsphase und die ärztliche Abklärung sollten innerhalb einer Woche abgeschlossen sein. Für den körperlichen Entzug sind je nach befaßter Institution und je Substanz unterschiedliche Zeiten zu veranschlagen, der Rahmen bewegt sich zwischen zwei und vier Wochen.
Idealerweise schließt sich der Transfer zum Narrowboat nahtlos an den körperlichen Entzug an. So wird sicher gestellt, daß der Klient auch unbeeinträchtigt seine drogenfreie Auszeit antreten kann. Die sechs Wochen auf dem Narrowboat bieten eine übersichtliche Tagesstruktur ebenso wie ein Erleben einer naturnahen Landschaft ohne Versuchung zu Drogen zu greifen. Die räumlichen Bedingungen am Boot erlauben eine weitest gehende Kontrolle und Überwachung der Abstinenz. Die Route vermeidet anfänglich städtische Bereiche, so daß die Möglichkeit an Drogen zu gelangen praktisch ausgeschlossen ist.
Für die Dauer von sechs Wochen sind Klient und Sozialpädagoge zu einem Team zusammengeschweißt. Gemeinsames Ziel ist die Bewältigung der Route von rund 1000 Kilometern auf den Inland Waterways. In zunehmendem Maße lernt der Jugendliche Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. In dieser Zeit erfährt der nüchterne Jugendliche ein Begleitungs- und Betreuungsangebot, welches ihm ein Bezugssystem zur Neuorientierung gibt. Perspektiven für eine drogenfreie Zukunft können entworfen und auf Machbarkeit abgetestet werden. Alte Traumata können betrachtet und abgeschlossen werden. In den sechs Wochen am Boot wird der Grundstein und eine Vertrauensbasis für die nachfolgende Rückkehr in den Alltag gelegt.
Nach der Rückkehr gilt es, das Neuerworbene in die Praxis umzusetzen. Für die Dauer etwa eines halben Jahres wird die sozialpädagogische Betreuung mit abnehmender Intensität weitergeführt. In dieser Phase sind die soziale Rehabilitation und der Wiedereinstig in Schule oder Beruf zentrale Themen. Die sozialpädagogische Begleitung soll hier vor allem Hilfe und Unterstützung zur Selbständigkeit bieten.
Rauschdrogen gibt es überallFür die weiteren Betrachtungen soll zunächst der Begriff Rauschdroge präzisiert werden: Für diese Betrachtung gilt zunächst die Definition des Suchtmittelgesetzes, welches einerseits eine taxative Aufzählung der Substanzen als auch eine Wirkungsdefinition beinhaltet. In erster Näherung sind also Produkte von Cannabis Sativa Linne (Gras, Haschisch...), Opiate (Heroin, Morphin,...), Coca-Abkömmlinge (Kokain, Crack...) und synthetische Rauschmittel (Amphetamine, Speed,...) gemeint.
Es gibt heute praktisch keinen Lebensbereich der Jugendlichen welcher als drogenfrei bezeichnet werden kann. Drogen gibt es auf der Straße, in der Schule, im Jugendklub, bei Freunden aber auch in der Wohngemeinschaft, im Wohnheim und im Krisenzentrum. Wenn ein Jugendlicher dazu entschlossen ist, dann hat er praktisch zu jeder Zeit die Möglichkeit an Drogen zu kommen. Ob Drogen konsumiert werden liegt ausschließlich in der Entscheidung der Jugendlichen, erwachsene Bezugspersonen können hier nur einen marginalen Einfluß geltend machen.
Hohe InzidenzPraktisch alle Jugendlichen haben bis zum Erreichen der Volljährigkeit Drogen im Sinne des SMG konsumiert. 60 Prozent der männlichen Jugendlichen zwischen 15 und 18 konsumieren regelmäßig Cannabisprodukte. Bei praktisch allen jugendlichen Straftätern steht die Straftat in Zusammenhang mit Drogen, sei es, daß diese der Beschaffungskriminalität zuzuordnen ist oder sei es, daß die Straftat unter Drogeneinfluß begangen worden ist.
Bezogen auf den Straßenpreis wird in Wien pro Tag zumindest eine Million Euro in Drogen umgesetzt. Im Jahr 2004 wurde in Österreich Kokain um 500 Millionen Euro konsumiert. Das entspricht etwa 17.000 Einzeldosen — pro Tag!
Frühes EinstiegsalterDie Zahl der besonders jungen Drogenkonsumenten ist zuletzt stark angestiegen. 14 jährige schwerst heroinabhängige Burschen sind leider keine Seltenheit. Marihuanakonsum in der sechsten Schulstufe ist bereits zum unter Lehrern vehement beklagten Massenphänomen geworden.
Ambivalenz der ErwachsenenJugendliche haben keine Möglichkeit, klare Einstellungen hinsichtlich des Drogenmißbrauches zu beobachten. Einerseits wird scheinbar tatenlos dem offenen Dealen auf der Straße zugesehen, andererseits werden — in extremis — der Besitz von einigen Gramm Hanfkraut kriminalisiert um dann wiederum die Forderung nach der Freigabe von Marihuana medienwirksam zu erheben. Dazu kommt noch die durchaus zutreffende Beobachtung der Jugendlichen, dass Alkohol als Wirtschaftsfaktor gesehen und gefördert wird. Ceteris paribus für Valium und andere Seelentröster.
Jede Rauschdroge befriedigt typische SüchteEs ist gängiges Wissen, daß Alkohol geeignet ist, Hemmungen abzubauen. Menschen, die Probleme haben, in Gesellschaft aufzutreten, bedienen sich bisweilen einer gewissen Dosis Alkohol um ihre Hemmungen oder Ängste zu überwinden. Und so verwundert es nicht, daß man bei Alkoholkranken signifikant häufiger Menschen mit Soziophobien antrifft.
Nikotin hilft beim Umgang mit Dissonanzen. Besonders harmoniebedürftige Menschen wissen um den befreienden Lungenzug. Wieso ist der Anteil der hochdosiert Nikotinabhängigen in den Sozialberufen so dominierend?
Menschen, die "ständig unter Strom stehen", die permanent Leistung oftmals in kreativen Bereichen erbringen wollen, werden die stimulierende Wirkung von Kokain durchaus zu schätzen wissen.
Ständiger Begleiter der Jugendprostitution ist das Heroin. Sehr oft verselbständigt sich der Kreislauf zwischen Konsum und Beschaffungsprostitution dahingehend, daß die oder der Jugendliche Heroin vor allem deshalb benötigt, um das Arbeitsleid der Prostitution halbwegs ertragen zu können. Sehr oft sind es nämlich sehr sensible und hochintelligente junge Menschen, die dem Heroin auch deshalb verfallen, weil sie die Welt so, wie sie ist, nicht ertragen können.
Seltsamerweise nehmen Verhaltensauffälligkeiten, die dem ADH Syndrom zuzuordnen sind, in den letzten Jahren signifikant zu. Ich halte es für keinen Zufall, daß die meisten exzessiven Marihuanakonsumenten anamnetisch ein ADHS aufzuweisen haben. THC hilft offenbar, das rasante Binnentempo so weit zu verlangsamen, daß der Wirrwarr im Kopf durch Langsamkeit erträglich gemacht wird.
MDMA, Ecstasy und Amphetaminderivate wiederum erzeugen jenes Maß an Ekstase, zu welchem die Konsumenten ohne chemische Keule nicht imstande wären. Reizüberflutet aber geistig wenig rege wäre jenes Etikett, das den typischen Konsumenten dieser Drogengruppe am besten trifft.
Polytoxikomanie ist nur auf den ersten Blick die Antithese zu dem vorhin Erwähnten. Der für diesen Usertyp so charakteristische Wechsel zwischen "schnellen" und "langsamen" Drogen ergibt sich aus einer gegenseitigen Aufschaukelung der jeweils erforderlichen Dosen. Zuletzt ist die Ausscheidung der Substanzen langsamer und kann mit dem "Gift-Nachschub" nicht mehr Schritt halten. Parallel dazu kann auch eine grenzwertige Persönlichkeitsstruktur in dieser Usergruppe gehäuft beobachtet werden: Dem chemischen Durcheinander in der Blutbahn steht ein Durcheinander im Kopf durchaus ebenbürtig gegenüber.
Therapie muß sich auf den Usertyp einstellenUnterschiedliche Substanzklassen erfordern unterschiedliches Nutzungsverhalten. User, welche Drogen mit rascher Anflutung und vergleichsweise kurzer Wirkung bevorzugen benötigen einen anderen therapeutischen Zugang als User, welche an einem möglichst konstanten Spiegel betäubender Substanzen interessiert sind. Neben dieser substanzspezifischen Unterschiede gibt es auch noch Unterschiede hinsichtlich des Dosis – Zeit – Verlaufes. Der Gelegenheitskiffer benötigt ein anderes Herangehen als der Kampfkiffer, der im Tag bis zu 20 Hut inhaliert. Möglicherweise überrascht es, daß Opiate über sehr lange Zeiträume in geringer Dosierung konsumiert werden können, ohne daß die typischen Entzugsschmerzen auftreten.
Nicht zuletzt muß auch das Umfeld der jugendlichen Drogenabhängigen in die Überlegungen einbezogen werden. Gibt es übermächtige Belastungsfaktoren, (Arbeitslosigkeit, Gewalt, ...) welche nicht verändert werden können, dann wird der therapeutische Ansatz vor allem auf Herausnahme und andauernde Veränderung im Leben des Jugendlichen abzielen. Umgekehrt dürfte eine strikt abstinenzorientierte Langzeittherapie bei einem Gelegenheitskiffer therapeutischer Overkill sein.
Abstinenz ohne Alternative ist unmöglichAbstinenz oder kontrollierter Konsum ist nicht die Fragestellung, wenn sicher gestellt sein soll, daß der Klient keine Probleme mit dem SMG hat. Allerdings lehrt schon der Alltag, daß bei der Suchtarbeit oftmals der Teufel mit dem Belzebuben ausgetrieben wird: Wer kennt sie nicht, die tonnenförmig deformierten Ex-Raucher? Hier ist es nicht nur der Wegfall der erwiesenen stoffwechselfördernden Wirkung von Nikotin, sondern es kommt schon ein gutes Maß an Freßsucht hinzu.
An dieser Erkenntnis hat sich jede Arbeit mit Abhängigen zu orientieren. Der Drogenkranke sucht sich sein Gift ja zur Befriedigung bestimmter Bedürfnisse aus. Daher ist es unumgänglich schon im Vorfeld klar zu sehen, welche Alternativen zur Sucht dem Abhängigen angeboten werden kann. Abstinenz als Selbstzweck wird als Ziel nicht akzeptiert; wenn den die Sucht auslösenden Bedürfnissen aber kein anderer Ausweg geboten wird, dann ist der Rückfall vorprogrammiert.
Es gibt optimale Zeitabschnitte für den Einstieg in den AusstiegEine Suchterkrankung erfährt über die Zeit Veränderungen. Wesensmerkmal des Beginnes einer Substanzabhängigkeit ist die Dosissteigerung. Wenngleich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, so läßt sich stets eine Steigerung der Dosis bis zu einem kritischen Punkt beobachten. An diesem kritischen Punkt findet entweder der Wechsel zu einer anderen Substanz statt oder es werden konkrete Schritte zum Ausstieg aus der Sucht gesetzt.
Ein anderer kritischer Punkt ist gegeben, wenn aus einem gelegentlichen Gebrauch einer Substanz der regelmäßige Mißbrauch des Suchtmittels wird. Kennzeichen dafür sind etwa die Etablierung von kontinuierlicher Versorgung mit dem Suchtmittel durch neue "Freunde". Jede Phase von Veränderung im Suchtverhalten bietet potentiell die Chance für einen geglückten Ausstieg, weil hinter der Veränderung die Unzufriedenheit mit dem Bisherigen steht.
Umgekehrt sind alle Phasen verfestigten Verhaltens wenig günstig für den Einstieg in den Ausstieg. Manifester i.v. Mißbrauch über bereits einige Monate ist beispielsweise mit einer besonders ungünstigen Prognose für ein Ausstiegsszenario behaftet.
