Mein Konzept

Weingarten:
Auf meinen insgesamt fünf Hektar Weingarten kann ich vieles falsch machen, mache aber hoffentlich alles richtig..
Reben sind im Allgemeinen resistente und robuste Pflanzen, die Minusgrade genauso verkraften wie Hitze und mit wenig Wasser auskommen. Ihre Wurzeln sprengen sich über Jahrzehnte ihren Weg durch den Fels. Gleichzeitig sind sie aber auch sensibel: Sie reagieren subtil auf Feuchtigkeit und Kühle zum falschen Zeitpunkt, revanchieren sich bei Nährstoffmangel oder zu hohem Ertrag und sind das ganze Jahr über anfällig für Krankheiten. In den knapp drei Jahrzehnten, die ich jetzt schon in meinen Weingärten arbeite, habe ich immer wieder Überraschungen erlebt, Neues gelernt und fortwährend Erfahrungen gesammelt. Heute kenne ich jeden meiner Rebstöcke und weiß, was er braucht. Ich arbeite mit vielen biologischen Anleihen, wobei mir die völlige Umstellung aufgrund des notwendigen Kupfereinsatzes bei Peronospora bisher nicht sinnvoll erschien. Ziel der Arbeit im Weingarten ist es, letztlich über widerstandsfähige Rebstcke auf gesunden Böden zu verfüügen, an denen perfekte Trauben reifen - zum einen um klare, präzise, strukturierte, bekömmliche und harmonische Weine in die Flasche zu bekommen, zum anderen um zu demonstrieren, wie unterschiedlich sich die jeweiligen Weingärten, mein Terroir, im Wein widerspiegeln.

Vinifikation:
Die Arbeit im Keller soll die Interpretation dessen sein, was in den Monaten davor im Weingarten geschehen ist. Kurz gesagt: Wir wollen möglichst perfekten Trauben die Möglichkeit geben, sich ohne große Eingriffe in Wein zu verwandeln. Weine entstehen nicht von selbst. Daher ist die Arbeit des Winzers nicht bereits mit dem Einbringen der Lese beendet. Vielmehr geht es gerade auch im Keller darum, die richtigen Aktionen zum richtigen Zeitpunkt zu setzen. Manche Entscheidungen sind freilich grundsätzlich und somit zeitlos. Wir vergären ganz bewusst nicht spontan, aber mit völlig neutralen Hefen. Wir regulieren die Temperatur vor allem, um keine aufdringlichen Primäraromen in den Wein zu bekommen. Wir geben den Weinen Zeit und lassen sie oft lange auf der Feinhefe. Vor allem unsere Lagenweine bekommen die Möglichkeit, sich in großen Holzfässern zu entwickeln. Wir glauben an Jahrgangsunterschiede und respektieren daher die Tatsache, dass Wein alljährlich anders schmeckt. Wir schwefeln wenig und filtern dezent vor der Füllung. Der Rest ist bewusster Verzicht: Wir verwenden keine Enzyme, keine Chaptalisierung, keine Osmose, keine Aromabehandlungen und nichts, was die schöne neue Welt des Weins sonst noch so bietet.

Steinterrassen:
Steht man am Kamm der Bruck oder Schön, sieht man ihren Fuß nicht. Blickt man von unten hinauf, bewundert man staunend die unzähligen Trockensteinmauern, die den Berg halten. Trockensteinmauern gibt es überall dort, wo es steil ist, und das ist es fast überall im Graben. Die Humusauflage ist dünn, speziell in den höheren, windigeren Lagen. Immer wieder scheint hier Schiefer durch. Dazwischen wachsen Flughafer, Mohn und Federgras, Eidechsen und Schmetterlinge haben hier eine Heimat gefunden. Die Trockensteinmauern der Wachauer Weinterrassen sind uralte Machwerke und stehen paradigmatisch für eine langsam gewachsene Ökostruktur. Akribisch wurden Steinschichten aufeinander gelegt, oft mehrere Meter hoch. Diese Mauern sind als Lebensraum, Brutstätte, Schattenplatz, Rückzugshöhle und Unterschlupf unentbehrlich für die vielfältige Flora und Fauna der Terrassenlandschaft. Vor allem jedoch sind sie die einzige Möglichkeit, um in der Wachau terrassierten Weinbau zu betreiben. Sie sind wasserdurchlässig und doch ein wesentlicher Erosionsschutz. Sie halten den Spitzer Graben gleichsam zusammen, drücken ihm ihren Stempel auf, schaffen vielfache Lebensnischen und sind Eckpfeiler eines langsam gewachsenen aber essentiellen Kulturraums.