Der Graben

Der Graben:
Das sind 7 Kilometer von Spitz bis nach Mühldorf, zur linken erhebt sich der Jauerling, 1000 Meter hoch und eminenter Klimafaktor. Zur rechten liegen die felsdurchsetzten Terrassen, gleich am Anfang der Setzberg, Heimat meines Spitzer Rieslings. Danach folgen die steilsten und wildesten Lagen der Wachau - Kalkofen, Biern, Schön und Bruck.

Der Graben:
Das ist die Grenze, die des Möglichen und die zum klassischen Waldviertel. Hier herrschen kühle Winde und kalte Nächte über die Landschaft, die geprägt ist von Glimmerschiefer und Trockensteinmauern. Flughafer, Mohn und Federgras gesellen sich an den steilen Terrassen zu alten, krummen und kräftigen Rebstöcken - Riesling, Veltliner und Muskateller.

Der Graben ist mir aber vor allem eines:
Heimat. Hier bin ich aufgewachsen, hier lebe und arbeite ich mit meiner Familie. Hier bin ich verwurzelt - tief und fest wie meine Rebstöcke.

Der Spitzer Graben ist speziell.

Der Graben unterscheidet sich klimatisch, aber auch geologisch von der Donauwachau. Wir haben auch eine andere Mentalität, sind kleinräumiger strukturiert und haben höher Lagen. Letztlich unterscheiden sich dann auch unsere Weine ein wenig von denen, die nur wenige Kilometer weiter an den Hängen der Donau gemacht werden.

Die Böden bestehen fast durchwegs aus reinem Urgestein, das heißt, dass unsere Stöcke in verwittertem Granit wurzeln. Das wiederum bedeutet, dass wir es mit einem leichten, neutralen und sehr sauren Boden zu tun haben, der der Rebsorte seinen ursprünglichen Charakter lässt. Zugleich ist der Boden auch extrem karg und mager, und um ihm ausreichend Nährstoffe zu geben, bringen wir in großen Mengen Humus aus. Das ist eine harte Arbeit in den steilen Terrassen, doch es ist eine, die sich lohnt und die notwendig ist. So regeln wir die Nährstoffaufnahme auf natürliche Weise und halten Trauben und Beeren klein. Das ist wichtig, da in der Schale die Aromastoffe sitzen und kleinere Beeren im Verhältnis dickere Schalen haben.

Warum ich das alles erzähle? - Weil das Wissen um die Rebstöcke alles entscheidend ist. Man muss den Boden, die Stöcke und das Klima verstehen lernen. Wein ist ein komplexes Thema, und die Entscheidungen im Weingarten sind die wichtigsten, die ein Winzer zu fällen hat.