Johannes Chrysostomos

"Die Gnade deines Mundes flammte auf gleich einer Fackel und erleuchtete die Welt; sie offenbarte die Schätze der Freigebigkeit und zeigte uns die Höhe der Demut. Nun, da du uns mit deinen Worten belehrtest, Vater Johannes Chrysostomos, bitte Christus, das Wort, dass unsere Seelen gerettet werden."

(Tropar zum Fest des hl. Johannes Chrysostomos)

 

"Vom Himmel empfingst du die göttliche Gnade und mit deinem Mund lehrtest du alle, den einen Gott in der Dreifaltigkeit anzubeten, Johannes Chrysostomos, allseliger, ehrwürdiger, 
geziemend loben wir dich, denn du bist der Lehrer, der uns das Göttliche offenbart."

(Kontakion zum Fest des hl. Johannes Chrysostomos)

 

Foto: Ikone aus dem Kloster Gregorios auf dem hl. Berg Athos

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Der hl. Johannes Chrysostomos, zuletzt Bischof und damit Patriarch von Konstantinopel, der Hauptstadt des Oströmischen Reiches, gilt als einer der größten Prediger der Kirche. Der Umfang seiner literarischen Produktion ist größer als der aller anderen Schriftsteller des Ostens, soweit ihre Erzeugnisse erhalten sind. Sein Schrifttum ist eine unerschöpfliche Fundgrube für den Theologen, wie auch den Archäologen und Kulturhistoriker.

Die Reden des Chrysostomos fesseln sowohl durch ihren Inhalt als auch durch ihre oratorisch wirksame Darbietung. Seine Predigten, deren Vortrag oft zwei Stunden gedauert hat, ermüden nicht; denn sie sind meisterhaft belebt durch Bilder und Gleichnisse, knüpfen in Einleitung und Schluss an Zeitverhältnisse an und schweifen oft zu abseits liegenden interessanten Gegenständen ab. So erhielt er mit Recht den Beinamen "Goldmund" (griechisch: Chysostomos; kirchenslavisch: Zlatoust; rumänisch: Gură de Aur).

Ob die "Chrysostomosliturie" zu Recht nach ihm benannt wurde, ist in der Fachwelt umstritten. Sicher ist jedoch, dass die byzantinische Liturgie in ihrer Ausgestaltung dem gottesdienstlichen Vorbild von Antiochien verpflichtet ist, wo sowohl die leibliche wie auch geistige Wiege des Heiligen stand.

Einige Daten sollen einen kurzen Überblick über sein Leben gewähren.

zwischen 344
 und 345






372

geboren in Antiochien

Das genaue Geburtsjahr ist unbekannt. Der Vater, ein Offizier aus vornehmen Geschlecht, verstarb früh. Erzogen wurde er von seiner Mutter Anthura.

Seine Lehrer sind der Philosoph Andragathios und der berühmte heidnische Rhetor Libanios.

empfängt er die Taufe.

Im Haus seiner Mutter führt er zunächst ein streng asketisches Leben, dann lebt er 6 Jahre als Mönch in der Bergeinsamkeit in der Nähe der Stadt.

Seit seiner Taufe empfängt er zusammen mit Theodor, dem späteren Bischof von Mopsuestia, durch seinen Umgang mit Diodor von Tarsos theologischen Unterricht.

381

wird er zu Diakon,

386 

zum Priester geweiht.

12 Jahre versieht er in der Hauptkirche das Predigtamt und begründet damit seinen Ruhm als Prediger.

397 wird Johannes Nachfolger des Patriarchen Nektarios von Konstantinopel. Auf Befehl des Kaisers Arkadius wird der sich sträubende große Prediger durch eine List in die Hauptstadt entführt, wo ihn Patriarch Theophilos von Alexandrien (sein späterer Gegner) die bischöfliche Weihe erteilt.

Er wirkt beispielhaft durch große Einfachheit und Anspruchslosigkeit. Seine reichen Einkünfte verwendete er zur Errichtung von Krankenhäuser und zum Wohl der Armen. Sein reformatorischer Eifer, mit dem er bemüht war, Missstände im kirchlichen Leben abzustellen, machte ihn bald in einflussreichen Kreisen unbeliebt.  

403/404 Durch eine Synode abgesetzt und vom Kaiser verbannt, kurzzeitig noch einmal zurückgerufen, stirbt er am
14. 9. 407 in Komana Pontika (heute: Gumenek in der nordöstlichen Türkei)
Fest- bzw. Gedenktage:
Orthodoxe Kirche: 13. November
14. September
27. Jänner (Überführung der der Gebeine)
30. Jänner (Fest der 3 Hierarchen Basileios, Gregorios der Theologe und Johannes Chrysostomos)

Katholische Kirche

27. Jänner 

Evangelische Kirche

13. September

Verwendete Literatur:
B. Altaner Patrologie, Freiburg (1960)
Handbuch der Ostkirchenkunde, Bd. II, Düsseldorf (1989)
Die Heiligen in ihrer Zeit, Bd. I, Mainz (1966)
R. Brändle Johannes Chrysostomos, Stuttgart (1999)

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