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Aktuell:

Fr. 7. Oktober 2016 - Special Event (again):
Die Mega-Galanacht des Schüttelreims
gemeinsam mit Trio Lepschi
und Gunkl im Theater Akzent

Neues Theaterprogramm:
Die Nagerschlacht des Schüttelreims


Vor etlichen Jahren sinnierte ich mit einem Bekannten unvorsichtigerweise darüber, wie schwierig es wohl sei, einen Schüttelreim zu finden. Damit war der gesellige Teil des Abends vorbei. Während unsere Frauen noch munter plauderten, starrten wir beide nur stumpf ins Leere. Etwa alle 15 Minuten meinte einer von uns beiden seufzend: "Ich glaube, ich habe einen!"

Damit war das Fieber endgültig ausgebrochen. Unser nächstes Treffen begann schon damit, dass wir beide ‘zufällig’ ein Blatt Papier mit dabei hatten, von dem wir einander stolz die Ausbeute der letzten Wochen vorlasen. Mich hat dieses Fieber erst nach fünf Jahren wieder (vorübergehend*) losgelassen. Das Resultat ist auf den folgenden Seiten zu finden - viel Vergnügen!

*) Vorübergehend? Ja, denn seit 2011 stehe ich mehrmals im Jahr mit dem "Verein der Freunde des  Schüttelreims mit Sitz in Vaduz" (VdFdSmSiV)" auf der Bühne

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Was ist eigentlich ein Schüttelreim?

...und wie fällt einem so etwas ein?

Leserinnen und Lesern dieser Seiten haben mir schon etliche lustige Verse zugeschickt. Leider waren es oft gar keine Schüttelreime, sondern einfach zwei Zeilen, die sich reimten. Das sind aber lediglich Knüttelverse, liebe Freunde der Dichtkunst!

Beim Schüttelreim werden dagegen bei zwei Worten oder Silben die am Anfang stehenden Mitlaute vertauscht. Dadurch muss sich wieder ein sinnvolles Wort- oder Silbenpaar ergeben, wie z.B. 'Schlingen fangen - fingen Schlangen'. Die Schwierigkeit besteht also darin, ein passendes Wortpaar zu finden. Mit diesem wird dann der eigentliche Reim gebastelt - fertig.

Das obige Beispiel erlaubt eine Variante des Schüttelreims, bei der nicht die Mitlaute, sondern die Selbstlaute vertauscht werden. So entstehen zusätzlich die Wortpaare 'Schlangen fingen - fangen Schlingen'. Auf dieser Grundlage könnte man nun einen sogenannten 'vierfachen ' Schüttelreim aufbauen, übrigens eine Spezialität des unvergessenen Meisterschüttlers Franz Mittler.

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Wie fällt einem so etwas nur ein?

Natürlich genieße ich es, wenn jemand nach der Lektüre meiner Schüttelreimsammlung meint: "Großartig! So etwas würde mir im Leben nicht einfallen." Davon war ich vor etlichen Jahren auch überzeugt, meine ersten Schüttelreime entstanden daher nach der Methode 'stundenlanges dumpfes Brüten'. Dann kam ich dahinter, dass man sich durch methodisches Vorgehen eine Menge Arbeit ersparen kann. Wie das funktioniert, verrate ich hier selbstlos, auch wenn ich damit an meinem eigenen Nimbus kratze. Es gibt mehrere Methoden, um zum Ziel zu kommen:
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Dumpfes Brüten: Man probiert solange, irgendwelche Wortpaare umzudrehen, bis man durch Zufall auf einen Schüttelreim stolpert. Langwierig und von wenigen Erfolgserlebnissen begleitet.
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Zwanghaftes Schütteln: Sobald man im Gespräch oder beim Lesen ein Wort mit mehr als zwei Silben hört, wird es geschüttelt. Durch das Gesetz der großen Zahl stößt man dabei im Lauf der Zeit zwangsläufig auf einige brauchbare Reime. Führt dazu, dass das Sozialleben ein wenig leidet, weil man ständig etwas abwesend erscheint. Andererseits ist dies eine auch für den Westeuropäer akzeptable Form, höhere Bewusstseinszustände zu erreichen. Bei eingefleischten Schüttlern stellen sich diese nach einiger Zeit immer wieder spontan, d.h. ohne bewusste Anstrengung ein.
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Ein algorithmischer Ansatz:

(Logischerweise der für einen Informatiker ansprechendste Weg)
Darf ich dir meine Konsonantensammlung zeigen?

b

kn

schr

bl

kr/cr/chr

schw

br

l

sk

d

m

sl

dr

n

sm

dsch

p

sp

f/v

pf

sph

fj

pfl

spr

fl/vl

pfr

st

fr/vr

pl

str

g

pn

sz

gl

pr

t/th

gn

ps

tr

gr

qu

tsch/cs

gschn

r/rh

tw

gst

s

w

h

sch/sh

wr

j

schl

x

k/c/ch

schm

z

kl/chl/chl

schn

zw

  1. Zuerst sucht man sich ein Wort aus, das in einem Schüttelreim vorkommen soll. Um das Ganze an einem praktischen Beispiel zu verdeutlichen, wählen wir das Wort 'Klaus'.
  2. Als nächstes schreibt man sich alle Worte auf, die sich auf dieses Wort reimen, also z.B. 'aus, Haus, Maus, raus ...'. Je mehr Worte man findet, desto wahrscheinlicher ist man einem Schüttelreim auf der Spur. Wichtig! Reimt sich darauf gar nichts, dann kann man auch nichts dazu schütteln!
  3. Wenn man spontan eine Liste sich reimender Worte aufschreibt, übersieht man in der Regel etliche nützliche Reimkandidaten. Abhilfe schafft hier eine Tabelle der gebräuchlichsten Mitlaute und Mitlautkombinationen, die man der Reihe nach durchprobiert. Meine Version dieser Tabelle stelle ich hier selbst- und kostenlos zur Verfügung.
  4. Aus diesen Worten wählt man eines aus, etwa das Wort 'Haus'.
  5. Nun schreibt man eine Liste von Worten, die mit dem gleichen Selbstlaut beginnen, wie 'Hof, Heim, heben, Hang, hingen, Hunde...'.
  6. Dann wird geprüft, ob eines der Worte sich durch vertauschen der Anfangsbuchstaben in ein anderes sinnvolles Wort verwandeln lässt. In unserem Beispiel würden wir den Buchstaben H durch die Buchstaben Kl ersetzen. Erfreulicherweise finden wir dabei die Worte 'kleben, Klang, klingen'. Mit einem Schlag verfügen wir über drei 'schüttelfähige' Wortpaare, nämlich 'Klaus - heben., Haus - kleben', 'Klaus - Hang, Haus - Klang' und 'Klaus - hingen, Haus - klingen'.
  7. Erscheint einem ein Wortpaar sinnlos, sollte man nicht mit Gewalt versuchen, einen Reim damit zu bilden. Am ehesten hat man bei Worten Erfolg, bei denen sich spontan eine Assoziation einstellt, z.B.:

    Die Glöckchen, die an Klaus hingen,
    hört man im ganzen Haus klingen.

  8. Jetzt kann man sich überlegen, ob einem das Resultat gefällt. Wenn nicht, geht man zurück zu Punkt drei, zwei oder eins und beginnt von vorne.
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Noch ein algorithmischer Ansatz:
  1. Zuerst sucht man ... siehe oben. Wir bleiben beim Beispiel 'Klaus'.
  2. Als nächstes ... detto
  3. Nun sucht man ein Wort, das mit denselben Buchstaben beginnt wie das Ausgangswort, also z. B. 'Klaus - Klette'
  4. Dann schreibt man eine Liste der Worte, die sich auf das zweite Wort reimen, etwa 'Bette, fette, hätte, ...'
  5. Darauf sucht man in beiden Listen nach Worten mit gleichen Anfangsbuchstaben. Wir finden z. B. 'Maus - Mette, raus - rette...'
  6. Jetzt braucht man nur zwei Wortpaare herauspicken und drauflos schütteln. Wobei mir zu

    Maus rette - raus Mette

    momentan beim besten Willen nichts einfällt, obwohl es schüttelt. Aber ich wollte mit diesem Beispiel ohnehin nur den grundlegenden Ansatz demonstrieren.

    Nachtrag (etliche Jahre später):

    Willst' deine Seele retten, Maus,
    dann lauf nicht aus der Metten raus!

    ...wäre eine mögliche Lösung.

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Die Matrix- Methode: Klingt doch beeindruckend, oder? Im Prinzip handelt es sich um eine effektive Kombination der oben angeführten Methoden. Man schreibt Wörter in eine Tabelle, und zwar nach folgendem Muster:
  -> Wörter, die sich reimen
Wörter
mit
gleichen
Anfangs-
buchstaben
  Bau schau Sau
zwar bar Schar  
Zweck   Scheck  
Zwang bang   sang

Jetzt braucht man nur vier Kästchen suchen, die
a) ein Rechteck bilden und
b) Worte enthalten.

Im Nu erhält man so aus der obigen Tabelle die Schüttler:

Schar Bau - Bar schau,
zwar bang - bar Zwang,
sang Bau - bang Sau
usw.

Das ist übrigens mittlerweile eine meiner Lieblingsmethoden.

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Diese systematische Vorgangsweise legt die Vermutung nahe, dass man 'schüttelfähige' Wortpaare auch mit Computer-Unterstützung finden könnte. Bei einem eigenen Versuch im Rahmen eines C++-Kurses habe ich mich leider komplett in einem Gestrüpp von Pointern und verketteten Listen verhaspelt. Daher bleibe ich einfach bei der 'biologischen' Methode.

Ich selbst verwende beim 'Schütteln' meistens eine Mischung aus allen Methoden. Wenn Du einen anderen Weg benutzt oder gefunden hast, würde ich gerne mehr darüber erfahren.

...und was dann? Wieso was dann? War's das nicht schon? Oh nein! Früher dachte ich, mit dem Finden eines Reims sei es bereits getan. Die Lektüre vieler formal richtiger, aber dennoch langweiliger und gequälter Reime hat meine Ansicht geändert. Mittlerweile weiß ich, dass der wirkliche Reiz erst darin liegt, mit diesem Ausgangsmaterial quasi Miniaturgeschichten zu basteln, die in sich schlüssig und unterhaltsam sind. Ein guter Schüttelreim sollte auch dann noch gefallen, wenn man sich das 'geschüttelte' wegdenkt. Außerdem sollte er grammatikalisch und vom Versmaß her nicht holpern. Dazu kann ich in diesem Rahmen keine Regeln anbieten, nur die Empfehlung, sich an großen Vorbildern zu orientieren.
Lesetips: Für alle, denen diese Tips noch immer zu wenig sind, gibt es mittlerweile spezielle Bücher und Lexika.

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© Johannes Widi (jowidi@myself.com) 1995 - 2016
Aktualisiert: 18. September 2016