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Aktuell: Das Buch zur Galanacht des Schüttelreims ist da! Vor etlichen Jahren sinnierte ich mit einem Bekannten unvorsichtigerweise darüber, wie schwierig es wohl sei, einen Schüttelreim zu finden. Damit war der gesellige Teil des Abends vorbei. Während unsere Frauen noch munter plauderten, starrten wir beide nur stumpf ins Leere. Etwa alle 15 Minuten meinte einer von uns beiden seufzend: "Ich glaube, ich habe einen!" Damit war das Fieber endgültig ausgebrochen. Unser nächstes Treffen begann schon damit, dass wir beide zufällig ein Blatt Papier mit dabei hatten, von dem wir einander stolz die Ausbeute der letzten Wochen vorlasen. Mich hat dieses Fieber erst nach vier Jahren wieder (weitgehend) losgelassen. Das Resultat ist auf den folgenden Seiten zu finden - viel Vergnügen! |
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| Was ist eigentlich ein Schüttelreim? | Leserinnen und Lesern dieser Seiten haben mir schon etliche lustige Verse
zugeschickt. Leider waren es oft gar keine Schüttelreime, sondern einfach zwei Zeilen,
die sich reimen. Das sind aber lediglich Knüttelverse, liebe Freunde der
Dichtkunst! Beim Schüttelreim werden dagegen bei zwei Worten oder Silben die am Anfang stehenden Mitlaute vertauscht. Dadurch muss sich wieder ein sinnvolles Wort- oder Silbenpaar ergeben, wie z.B. 'Schlingen fangen - fingen Schlangen'. Die Schwierigkeit besteht also darin, ein passendes Wortpaar zu finden. Mit diesem wird dann der eigentliche Reim gebastelt - fertig. Das obige Beispiel erlaubt eine Variante des Schüttelreims, bei der nicht die Mitlaute, sondern die Selbstlaute vertauscht werden. So entstehen zusätzlich die Wortpaare 'Schlangen fingen - fangen Schlingen'. Auf dieser Grundlage könnte man nun einen sogenannten 'vierfachen ' Schüttelreim aufbauen, übrigens eine Spezialität des unvergessenen Meisterschüttlers Franz Mittler. |
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| Natürlich genieße ich es, wenn jemand nach der Lektüre meiner Schüttelreimsammlung meint: "Großartig! So etwas würde mir im Leben nicht einfallen." Davon war ich vor etlichen Jahren auch überzeugt, meine ersten Schüttelreime entstanden daher nach der Methode 'stundenlanges dumpfes Brüten'. Dann kam ich dahinter, dass man sich durch methodisches Vorgehen eine Menge Arbeit ersparen kann. Wie das funktioniert, verrate ich hier selbstlos, auch wenn ich damit an meinem eigenen Nimbus kratze. Es gibt mehrere Methoden, um zum Ziel zu kommen: | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Dumpfes Brüten: | Man probiert solange, irgendwelche Wortpaare umzudrehen, bis man durch Zufall auf einen Schüttelreim stolpert. Langwierig und von wenigen Erfolgserlebnissen begleitet. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Zwanghaftes Schütteln: | Sobald man im Gespräch oder beim Lesen ein Wort mit mehr als zwei Silben hört, wird es geschüttelt. Durch das Gesetz der großen Zahl stößt man dabei im Lauf der Zeit zwangsläufig auf einige brauchbare Reime. Führt dazu, dass das Sozialleben ein wenig leidet, weil man ständig etwas abwesend erscheint. Andererseits ist dies eine auch für den Westeuropäer akzeptable Form, höhere Bewusstseinszustände zu erreichen. Bei eingefleischten Schüttlern stellen sich diese nach einiger Zeit immer wieder spontan, d.h. ohne bewusste Anstrengung ein. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Ein
algorithmischer Ansatz: (Logischerweise der für einen Informatiker ansprechendste Weg)
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| Noch ein algorithmischer Ansatz: |
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| Die Matrix- Methode: | Klingt doch beeindruckend, oder? Im Prinzip handelt es sich um eine effektive Kombination der oben angeführten Methoden. Man schreibt Wörter in eine Tabelle, und zwar nach folgendem Muster: | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Jetzt braucht man nur vier Kästchen suchen, die Im Nu erhält man so aus der obigen Tabelle die Schüttler: Schar Bau - Bar schau, Das ist übrigens mittlerweile eine meiner Lieblingsmethoden. |
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| Diese systematische Vorgangsweise legt die Vermutung nahe, dass man
'schüttelfähige' Wortpaare auch mit Computer-Unterstützung finden könnte. Bei einem
eigenen Versuch im Rahmen eines C++-Kurses habe ich mich leider komplett in einem
Gestrüpp von Pointern und verketteten Listen verhaspelt. Daher bleibe ich einfach bei der
'biologischen' Methode. Ich selbst verwende beim 'Schütteln' meistens eine Mischung aus allen Methoden. Wenn Du einen anderen Weg benutzt oder gefunden hast, würde ich gerne mehr darüber erfahren. |
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| ...und was dann? | Wieso was dann? War's das nicht schon? Oh nein! Früher dachte ich, mit dem Finden eines Reims sei es bereits getan. Die Lektüre vieler formal richtiger, aber dennoch langweiliger und gequälter Reime hat meine Ansicht geändert. Mittlerweile weiß ich, dass der wirkliche Reiz erst darin liegt, mit diesem Ausgangsmaterial quasi Miniaturgeschichten zu basteln, die in sich schlüssig und unterhaltsam sind. Ein guter Schüttelreim sollte auch dann noch gefallen, wenn man sich das 'geschüttelte' wegdenkt. Er sollte auch grammatikalisch und vom Versmaß her nicht holpern. Dazu kann ich keine Regeln anbieten, nur die Empfehlung, sich an großen Vorbildern zu orientieren. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Lesetips: | Für alle, denen diese Tips noch immer zu wenig sind, gibt es mittlerweile spezielle Bücher und Lexika. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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© Johannes Widi (jowidi@myself.com)
1995 - 2008 |
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