Unter Michael Maders Leitung formte das junge Orchester am Sonntag im Hyposaal ein Streicherensemble, das reich an Möglichkeiten ist und qualitativ alle Beachtung verdient.

INNSBRUCK. Hindemiths Trauermusik, Händels Concerto grosso op.6 Nr. 11, Mozarts Divertimento KV 136 und Schoskakowitschs Kammersymphonie op. 110a: Da gelang müheloser Wechsel der Klangsprache und damit jeweils ein individuelles Klangbild. Einzig Händel war stilistisch anfechtbar. Insgesamt wird der Zuhörer in einen ernsthaften Prozess der Auseinandersetzung einbezogen. Schostakowitsch verleugnete nicht die Zeichen seiner Zeit und bei Mozart wurde ausgerechnet im langsamen Satz, der um einen Herzschlag zu schnell kam, deutlich, dass auch an einem Klangideal gearbeitet wird. Die zwölf Musiker und Musikerinnen des Streicherkerns der Kammerphilharmonie Tyrol, lf wie sie sich am Sonntag präsentierte, sind Mitglieder des li Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck: lf Hervorragende Musiker, wie die klangvolle, souveräneVioline von Konzertmeister Walter Enko, die sonore Bratsche von Hindemith-Solist Reinhard Koll, das Solocello von Hsing-Yi Chen und auch die sehr durchhörbaren übrigen Streicher preisgaben.

Die Kammerphilharmonie Tyrol unter Michael Mader führte Mozarts selten gespielte Kurzoper ¿Bastien und Bastienne" im HYPO-Saal konzertant auf.

gs4 INNSBRUCK (ber). Der Oper ging eine Einführung mit Musikbeispielen voraus. Der Komponist Alfred Huber referierte dabei die Grundideen des Mozartschen Opernschaffens und die Oboisten Konrad und Ning Ching Zeller ließen durch Arienbearbeitungen die Zusammenhänge dieses frühen uvres zu den späten Meisterwerken hörbar werden. Bedauerlich nur, dass die lobenswerte Einführung in einem Satzbau gehalten war, der zwar zum Lesen geeignet ist, als Vortrag jedoch den Zuhörern unnötig erschöpfende Konzentration abverlangte. Neu auch der glänzende Einfall, während der Opernaufführung einen Klavierauszug an die Wand des Saals zu projizieren, um den kompositorischen Verlauf optisch verfolgen zu können. ¿Bastien und Bastienne¿, dessen Sujet auf J.J. Rousseau zurückgeht und als anti-rationalistischer Gegenpol zum damaligen Weltbild verstanden werden kann, handelt von Bastienne, die versucht, ihren Geliebten Bastien zurückzugewinnen, der sie versetzt hat. Colas, ein vermeintlicher Zauberer, rät ihr dazu, sich zum Schein ebenso leichtsinnig wie Bastien zu verhalten und zu tun, als wäre er ihr gleichgültig. Bastienne beherzigt diesen Rat, woraufhin Bastien in Eifersucht gerät und zu ihr zurückkehrt. Am Ende rühmen beide Colas vermeintliche Zauberkunst, die sie wieder zusammengeführt hat. Die Sänger deuteten das Werk, dem zwölfjährigen Komponisten entsprechend, in kindlicher Naivität das Heitere hervorhebend. Nachdem Max Bauer kurzfristig erkrankt war, sprang Thomas Wechselberger für die Rolle des Bastien ein, den er als köstlich eitle und etwas unbedarfte Person darstellte. Der Bassist Wolfgang Schellenberg machte den Colas mit amüsierter Ironie deutlich. Anja Scholz, mit ihrem Sopran im kleinen HYPO-Saal tendenziell etwas laut, mimte die Bastienne als kecke Person, der es weniger um große Gefühle geht als darum, ihren Willen durchzusetzen. Das neunköpfige Kammerorchester mit Konzertmeister Walter Enko trug mit seiner großen Spielfreude zum Erfolg bei.

Die reine Anmut


Unter dem Motto "Streicher-virtous" konzertierte die Kammerphilharmonie Tyrol unter der Leitung von Michael Mader Sonntag Nachmittag im Hypo Saal.


INNSBRUCK (hau). Georg Friedrich Händels Concerto Grosso Opus 6 Nr. 4 in die Kategorie "virtuos "einzuordnen wäre allerdings leicht übertieben, die Art der Darbietung wurde den hehren Ansprüchen allerdings in jeder Beziehung gerecht. Durchsichtige Stimmführung, klangliche Eleganz, melodiöse Gelöstheit und hochgestimmte Bewegtheit erfuhren glaskare Akzentuierung.


Gefordert war dann Walter Enko als Solist in Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert in d - Moll. Alles geriet im leicht und locker. Von winzigen Irritationen abgesehen, realisierte er den feingeistigen Sinn des Frühwerks als das was es ist, als Anmut der Anmut willen. Behutsamen Umgang mit dem Werk bewiesen auch Enkos dreizehn Musiker- KollegInnen, die dem Solisten in den zartesten piano Passagen, in denen es dieses Werk zu entdecken gilt, gefühlvoll zur Seite standen.


Welch wunderschönen Klangkörper, kultiviert in Ton und Klanglichkeit, Michael Mader mit der Kammerphilharmonie Tyrol geformt hat, sollte sich in Peter Illytsch Tschaikowskys Streicherserenade C-Dur Opus 48 erweisen. Wenn sich im bekannten zweiten Satz die Musiker walzerselig im Takt bewegen, überträgt sich das nicht nur aus optischen Gründen und auch nicht zwangsläufig auf das Publikum, sondern nur, wenn wie am Sonntag alles in sich stimmt.


Reich schattierte dynamische Akzent und nie erlahmende Artikulationen machten das Stück zum Erlebnis. Mader fühlt in jedem Satz des Werkes eine Geschichte: Von verführerischen Melodien im zweiten Satz, von Schwermut im dritten und vom fröhlichen russischen Landleben im vierten Satz ließ er seine Kammerphilharmonie spannend und unterhaltend erzählen.

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