Tumorerkrankungen - Kinder-Onkologie


©Franz-Martin Fink, http://www.fmf.at


An Krebs erkranken jährlich 14 von 100.000 Kindern unter 15 Jahren. Zusätzlich erkranken noch etliche Jugendliche jenseits des 15. Lebensjahres an Krebserkrankungen, die denjenigen des Kindesalters entsprechen. Jährlich werden ca. 200 Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen von Kinderonkologen in Österreich neu diagnostiziert und behandelt.
Es herrschen akute Leukämien (Blutkrebs, bösartige Erkrankungen der Blutbildung) und Lymphome (Lymphknotenkrebs, bösartige bösartige Erkrankungen der Lymphknoten) vor. Daneben treten eine Vielzahl verschiedener solider Tumoren auf, die von den verschiedensten Organen oder Körperteilen ausgehen können.
Neben den Hirntumoren handelt es sich fast ausschließlich um sogenannte embryonale Geschwülste oder um Geschwülste des Binde- und Stützgewebes. Fast ausnahmslos zeigen sie sich hochempfindlich gegenüber modernen Krebsbehandlungen.
Im Gegensatz zu den Krebserkrankungen des Erwachsenen kommen epitheliale Geschwülste (Karzinome) fast nie vor (unter 1%).

Onkologische Untersuchung

Die Abklärung eines Leukämie- oder Tumorverdachts erfolgt durch eine gründliche ärztliche Untersuchung sowie durch gezielte Blutuntersuchungen. Stets werden auch andere Verfahren zusätzlich herangezogen, z.B. Röntgenaufnahmen, Ultraschalluntersuchungen, Computertomographie, u.a.m.

Wichtigste Krankheitszeichen bei Krebserkrankungen von Kindern und Jugendlichen

Akute Leukämien
Hinweisend auf eine akute Leukämie ist insbesondere eine Blutungsneigung (Auftreten von Blutergüssen oder Hautblutungen ohne erinnerliche Verletzung) zusammen mit Blutarmut (Blässe, Anämie), oft in Verbindung mit einem deutlichen Leistungsabfall.

Maligne Lymphome
Lymphknotenvergrößerungen, die über Wochen bestehen, stellen das führende Zeichen dafür dar.

Hirntumoren
Koordinationsstörungen der Bewegungen (unsicherer Gang, unsicheres Greifen) und Hirndruckzeichen (Kopfschmerzen, Nüchternerbrechen, Bewußtseinstrübung) sind die häufigsten Zeichen.
Seltener finden sich Lähmungen von Hirnnerven (Gesichtslähmung, plötzliches Schielen, Doppelbilder) oder Verhaltensauffälligkeiten.

Neuroblastom
Dieser Tumor tritt als Geschwulst im Bauch - oder Brustraum (erkennbar durch großen Bauch mit evtl. tastbarer Geschwulst bzw. durch Atemstörungen einschließlich chronisch anhaltendem Husten), seltener am Hals auf.

Nephroblastom (Wilms´Tumor)
Dieser Nierentumor fällt meist durch eine Vergrößerung des Bauches mit tastbarer Geschwulst auf, seltener bestehen Bauchschmerzen.

Rhabdomyosarkom
Je nach Ort des Tumors variieren die Zeichen der Erkrankung: Hervortreten eines Auges, Schwellung im Bereich eines Hodens, tastbare Unterbauchgeschwulst, Schwellungen im Bereich der Extremitätenmuskulatur, etc.

Osteosarkom und Ewing´s Sarkom
Schmerzen im Bereich eines Beines bzw. des Beckens sind Frühzeichen dieser Tumoren, später treten evtl. sichtbare Schwellungen dazu.

Behandlung der Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

Behandlung akuter Leukämien
Durch den Einsatz hochwirksamer Medikamente (Chemotherapie) sind diese Leukämien großteils heilbar. Innerhalb weniger Wochen gelingt es bei praktisch allen Patienten mit ALL und etwa 80% derjenigen mit AML, die Leukämie zum Verschwinden zu bringen. Dreiviertel der an ALL und etwa die Häfte der an AML erkrankten Kinder und Jugendlichen bleiben dann auch wirklich gesund.

Behandlung maligner Lymphome
Beide Arten von Lymphknotenkrebs sind bei Kindern und Jugendlichen exzellent behandelbar und werden bei über 80 % der Erkrankten durch Chemotherapie - zum Teil kombiniert mit Strahlentherapie - geheilt.

Behandlung solider Tumoren
Diese erfolgt fast immer durch eine Kombination verschiedener Verfahren. Ein oft gutes Ansprechen auf Chemotherapie ermöglicht zusammen mit der operativen Entfernung und gegebenenfalls Strahlentherapie eine hohe Heilungswahrscheinlichkeit.
Gutartige Hirntumoren können entfernt werden und treten meist nicht wieder auf. Hirntumoren hingegen, die nicht entfernt werden können oder ein bösartiges Wachstumsverhalten zeigen, können nur durch kombinierte Behandlungen bei der Hälfte der Kinder geheilt werden.
Lokalisierte Stadien (ohne Ausbreitung) des Neuroblastoms sind oft durch alleinige Operation heilbar. Neuroblastome des Säuglings stellen meist günstige Varianten des Neuroblastoms dar. Trotz häufig vorliegender Ausbreitung im Körper (Metastasierung) bilden sie sich bei vielen Kinder selbständig zurück oder können durch minimale Chemo- oder Strahlentherapie geheilt werden.
Die besten Heilungsaussichten bietet der Wilms´Tumor. Fast alle Kinder mit lokalisiertem Tumor und mehr als die Hälfte der Kinder mit Metastasen werden geheilt. Auch knapp zwei Drittel der Patienten mit Weichteil-, Osteo- und Ewingsarkomen werden geheilt. Durch den Einsatz von Chemo- und Strahlentherapie kann meist organ- bzw. extremitätenerhaltend operiert werden.

Belastungen durch die Krebstherapie

Die Behandlungen erfolgen im ersten Halbjahr überwiegend in der Klinik, wobei in der Regel Behandlungen über wenige Tage mit kurzen Ruhepausen zu Hause abwechseln.
Neben den Risiken durch die Erkrankung und deren Behandlung (Infektionen, Blutungen) treten auch erhebliche Belastungen im psychosozialen Bereich auf (Auseinandersetzung mit der lebensbedrohenden Krebserkrankung, Behinderung des Schulbesuchs bzw. der Lehrausbildung, erhöhter Pflegeaufwand durch die Eltern, etc.). Dem wird in onkologischen Zentren für Kinder und Jugendliche durch eine integrale Betreuung durch ein Team spezialisierter Ärzte, Schwestern, Pfleger, Psychologen, Kindergärtnerin, Lehrerin und Sozialarbeiterin Rechnung getragen.