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NOMOLI DIE WÄCHTER DER "HIMMELSSTEINE"
Unbekanntes aus Sierra Leone in Westafrika


"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt."
William Shakespeare (1564-1616)


Der afrikanische Kontinent birgt eine ungeheure Vielfalt von Kulturen. Eine bedeutende Rolle im täglichen Leben und in den Stammesreligionen spielen die Mythen, Volksmärchen und Legenden. Sie erzählen vom Ursprung eines Volkes und beantworten die Frage "woher kommen wir?" auf unterschiedliche Weise. Die meisten Überlieferungen wurden über viele Generationen mündlich weitergegeben. Die wenigen schriftlichen Aufzeichnungen, von europäischen Missionaren festgehalten, spiegeln oft mehr die damalige europäische Auffassung von Moral wieder, und weniger die ursächliche Bedeutung afrikanischer Mythologie. Zudem umfasst die afrikanische Sprachenfamilie weit über 1.000 Dialekte, sodass die mythologischen Ursprünge bisher nur unzureichend erfasst oder untersucht worden sind.


Eine alte Legende über geheimnisvolle Steine und Skulpturen stammt aus dem Gebiet der heutigen westafrikanischen Republik Sierra Leone. Bei Grabungen nach Diamanten stießen einheimische Arbeiter immer wieder auf etwa 40 cm große Steinskulpturen, deren Herkunft ungeklärt ist. Die geologischen Erdschichten, in denen diese Figuren gefunden wurden, weisen auf ein sagenhaftes Alter zwischen 2.500 und 17.000 Jahre hin. Eine Datierung, die mit den bisherigen Erkenntnissen der Archäologie nicht konform geht.


Woher stammen diese geheimnisvollen Steinfiguren? Sind es Hinterlassenschaften einer fremden, vor langer Zeit untergegangenen Kultur? Obwohl das Alter der Statuetten sehr hoch eingeschätzt wird und bekannt ist, dass sie keine Gemeinsamkeiten mit dem Stil der lokalen Bevölkerung vom Stamm der Mande haben, ist es für Ethnologen - nach heutigem Wissenstand - nicht möglich zu bestimmen, aus welcher Kultur die Findlinge stammen.


Afrikanische Mythen beschreiben, wie Dinge zustande gekommen sind und versuchen gleichzeitig zu erklären, warum sie sich verändert haben. Oft sind es spirituelle Fragen und Geheimnisse, die aufgezeigt werden: Wie ist die Welt entstanden? Woher kommen Männer und Frauen? Oder - woher stammen die glitzernden Diamanten? Eine alte Legende glaubt dafür die Antwort zu kennen: Vor Urzeiten soll ein Engelvolk im Himmel gelebt haben, das durch sein schlechtes Verhalten den allmächtigen Allah erzürnte. Als Strafe wurden die Engel in Menschen verwandelt und auf die Erde verbannt. Die aufgefundenen Nomoli-Statuen sollen Erinnerungen an diese ehemals göttlichen Wesen sein.


Mit diesen rätselhaften Figuren werden noch andere mysteriöse Funde in Verbindung gebracht - die sogenannten blauen "Sky stones". Sie wurden ebenfalls in Sierra Leone in größeren Mengen aufgefunden.


Eine kürzlich durchgeführte Röntgendiffraktionsanalyse im staatlichen Edelsteininstitut des Naturhistorischen Museums in Wien bestätigte, dass sie künstlich geschaffene Produkte sind. Das Rätsel bleibt dennoch bestehen und viele Fragen ungeklärt: wie kamen die Steine zu ihrem Fundplatz nahe der Hauptstadt Freetown? Wer hat sie wann geschaffen? Wie entstand daraus die Legende von den "Himmelssteinen" und ihren Wächtern - den Nomoli?


Nomoli - Skulptur aus Granit
Nomoli-Plastiken, wie diese rätselhafte Steinfigur, werden in westafrikanischen Stammesreligionen besondere verehrt. Die meisten Figuren wurden in Liberia, Sierra Leone, Guinea und der Elfenbeinküste aufgefunden. Zum Teil in geologischen Schichten, die 10 bks 12 Meter unter der Erdeoberfläche liegen und ein sehr hohes Alter der Skulpturen vermuten lassen. Einige solcher Stücke sollen sogar noch in einer Tiefe von 50 Metern entdeckt worden sein.
Fundort: Kono, östliche Provinz in der Republik Sierra Leone, sowie Liberia, Guinea und Elfenbeinküste, Westafrika Leihgeber: Sammlung Forgione, Rom, Italien


Nomoli - Skultpur aus Stein
Diese kleinere Steinfigur ist die ungewöhnlichste und zugleich älteste aus den Nomoli-Artefakten. Mutmaßliches Alter: 17.000 Jahre. Bei ihrem Auffinden stellte man ein Geräusch fest, sobald man die Figur bewegte. Ein Bildhauer untersuchte die Statuette und brach ein Stück heraus. Dabei wurde nicht nur ein Hohlraum entdeckt, sondern ebenso eine darin befindliche erbensgroße Metallkugel. Wie kam sie in den harten Stein? Welche Bedeutung muss ihr beigemessen werden? Hat der unbekannte Hersteller ein tieferer Zweck damit bewirkt, den wir noch nicht erkennen? Metallurgische Analysen in Wien könnten demnächst die Antwort liefern.
Fundort: Grabungen in der Nähe von Freetown, westliche Provinz, Sierra Leone, Westafrika Leihgeber: Sammlung Pitoni, Italien


"Sky - Stones" - Ein Stück Himmel?
Die „Sky stones“ verbindet eine phantastische Legende: Sie erzählt davon, dass der Himmelsabschnitt, den die Nomoli bewohnten, zu Stein wurde. Er zersplitterte und fiel als Felsbrocken auf die Erde. Jene Sterne, die sich in diesem Teil des Himmels befanden, wurden ebenfalls zerstört und Bruchstücke davon auf die Erde geschleudert. Leuchtende Überreste sind, laut Erzählung, die Diamanten. Lediglich erfundene Volksmärchen? Oder gibt es für diese Legende eine historische Grundlage? Einheimische verweisen auf Grabungsplätze, wo in 40 bis 40 cm Tiefe etliche blaue Steine in unterschiedlicher Größe gefunden wurden. Die kobaltähnliche Farbe erinnert tatsächlich an das helle Blau am Mittagshimmel. Einige Stücke, die in verschiedenen Laboratorien analysiert wurden, brachten Erstaunliches zu Tage: Es handelt sich nicht um Türkise oder andere in der Natur vorkommende Produkte, wie ursprünglich vermutet, sondern um künstliche Elemente: Die pulverisierten Proben ergaben eine Zusammensetzung von 77% Sauerstoff, 20% Kohlenstoff und Kalk, sowie Silizium und andere Materialien.
Fundort: Grabungen in der Nähe von Freetown, westliche Provinz, Sierra Leone, Westafrika Leihgeber: Sammlung Pitoni, Italien