Entwicklung des Zollwesens
im österreich-ungarischen Grenzraum

Bezirk Jennersdorf


 

Vorläufer des Zollwesens
(Straßenzoll, Dreißigstämter)

Wenn wir uns mit der Entwicklung des Zollwesens im Burgenland befassen, müssen wir in die ungarische Geschichte zurückblicken; erst von 1921 an - mit dem Anschluß des Landes an Österreich - geht die Entwicklung mit dem österreichischen Zollwesen konform.

Unter den Arpadenkönigen gab es Vorläufer zum Zollwesen. Etwa im Gesetzbuch des Ungarkönigs Ladislaus I. (1077-1095), der bestimmt, dass ausländische Käufer, beim Grenzübertritt von einem Boten des Grenzgespans/Grenzgrafen begleitet, vom König selbst die Erlaubnis zum Kauf erwirken müssen. (Die Grenze war wohl bewacht, jedoch wurde noch kein Zoll eingehoben.)
Unter Andreas II. kam 1209 zum ersten Mal der Ausdruck "tricesima" vor. Wer in deutsche Lande Waren ausführte, zahlte für jeden beladenen Wagen 3, für jedes Pferd 2, für jedes Rind bzw. für jeweils 3 Schweine 1 Denar. (Das war jedoch nur ein Straßenzoll, kein Grenzzoll.)
Erst die Anjoukönige Karl Robert und Ludwig setzten noch vor 1370 bei Ein- und Ausfuhr den 30. Teil der Ware als Zoll fest. Das "Dreißigstel" war jedoch nicht immer der 30. Teil des Warenwertes. Ferdinand I (1526-1564) ließ an der Grenze nur den Ausfuhrzoll einheben, der Einfuhrzoll mußte von den Händlern zumeist an die Städte bezahlt werden, in denen die Waren gelagert und verkauft wurden.

Die Amtsstationen des Dreißigstzolls im westungarischen Raum zogen sich - einer langen Kette ähnlich - entlang der alten Staatsgrenze im Norden von der Donau nach Süden bis zur Murmündung in die Drau.

Einer Aufzeichnung von 1538 nach hatte der Dreißigst von Rudersdorf in neun Ortschaften Filial-Dreißigstämter, darunter in Kaltenbrunn, Henndorf, Jennersdorf und Welten.
Zumindest seit der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts wird der Rudersdorfer Dreißigst zusammen mit desn slawonischen Dreißigstämtern administriert. Hauptdreißigstamt im sogenannten "Windischland", das von Güns bis Karlovac reichte - eine 300 km lange ungarische Zolllinie - war Nedelitz gegenüber von Pettau, da dort die Haupthandelswege von Italien nach Ungarn führten. Die bei Fürstenfeld und Radkersburg von Steier sowie von Rann in Kroatien nach Ungarn führenden Handelswege dienten weniger dem Fernhandel, sondern eher dem Handel mittlerer Reichweite (Eisen, Eisenwaren, Salz gegen ungarisches Getreide, ungarischen Wein, Honig und ungarisches Vieh).

Das Dreißigstamt, eine königliche Mautstelle, befand sich in Jennersdorf in der Mitte des Ortes gegenüber dem Hügel, der heute noch "Dreißigerriegel" genannt wird (Friedhofsberg). Vor dem Haus befand sich ein Zollschranken. Dieses Zollamt geht sicherlich schon auf das Mittelalter zurück. Die Dreißigerhäuser (Zollhäuser) in Rudersdorf und Jennersdorf wurden durch die Deutschen im Jahre 1633 niedergebrannt. Auch Dörfer wurden dabei vernichtet. Dies geht aus einer Aufzeichnung eines Dreißigsteinnehmers hervor.


 

Die Beamten des Dreißigstzollwesens

Den Beamtenapparat des Dreißigstzollwesens stellten zunächst hauptsächlich Adelige oder bemittelte Bürger der Gegend. Für nichtadelige, persönlich freie Leute führte der Weg zur Aufnahme in den königlichen Dienst durch das Studium, schöne Schriftkenntnis und durch Sprachenkenntnisse in Latein, Deutsch, Ungarisch und zuweilen auch in Kroatisch. In den Reihen der kleinen Angestellten, der Überreiter, waren in erster Linie befreite Untertanen (Libertini) oder ausgediente Soldaten zu finden. Die Stellung der Dreißigstbeamten war nicht sehr begehrt, denn die Verantwortung war groß, die Besoldung dagegen gering, sodass man einen Nebenerwerb, eine "oeconomicola" besitzen mußte.

Die Lage der Dreißigstbeamten war in der Zeit des Rákóczi-Unabhängigkeitskampfes (1703-1711) besonders schwierig. Sie waren königliche Beamte, mußten sich aber oft auch den Umständen - hier einem gegen den Herrscher gerichteten Aufstand - fügen. Die meisten Dreißiger erlitten Verfolgung, und dies nicht so sehr von den Behörden, die in den vom kuruzzischen Militär eroberten Gebieten eingerichtet worden waren, sondern vielmehr vom Militär selber, das, nur ungenügend besoldet, sich auf Hab und Gut der königstreu gebliebenen Beamten stürzte. Der Rudersdorfer und Jennersdorfer Dreißiger Johann Vinkovics zum Beispiel verlor binnen einer Nacht sein ganzes Vermögen im Werte von 8.700 Gulden. Er beklagte den Verlust von fünf Pferden, 82 Stück Rindvieh und 257 Stück Schafen. Auch vor dem kaiserlichen Militär, das gegen die Kuruzzen zu Felde zog, waren die Dreißiger nicht in Sicherheit. Zudem führte der Dreißigerdienst bei vielen Beamten zum Ruin, da die ungarische Hofkammer nach kriegerischen Auseinandersetzungen die Rückstände von den Beamten bzw. von ihren Nachkommen rücksichtslos eintrieb.

In den nun folgenden ruhigeren Zeiten verstärkte sich der deutsch, der Wiener Einfluß. Anstelle der gelegentlich schon sozusagen erblich gewordenen Dreißigstamtsträger lokalen Adels trat immer mehr ein ständig wechselndes Fachbeamtentum. Dieses rekrutierte sich zumeist aus Soldaten oder Soldatenkindern, solchen, die über keinen Besitz verfügten und recht oft auch nicht dem Lande entstammten, in dem sie eingesetzt waren. Sie waren daher theoretisch jederzeit abrufbar. Zugleich wurden sie seßhaft im Lande und trugen zur kulturellen Bereicherung des Landes bei.


 

Entwicklung der Zollwache
im Bezirk Jennersdorf

Von den schrecklichen Tragödien an der Staatsgrenze
bis zum Gleichenberger Abkommen

Mit dem Anschluß des Burgenlandes an Österreich im Jahre 1921 wurde in Tauka, Minihof-Liebau, Neumarkt/Raab, Mogersdorf und in Heiligenkreuz Zollwachabteilungen eingerichtet. In Bonisdorf, Neumarkt/Raab, Mogersdorf und Heiligenkreuz waren Zollämter stationiert. Ein Auslandszollamt/Eisenbahnzollamt war in St. Gotthard eingerichtet, das mit den Zöllnern aus Mogersdorf besetzt war. Am 1. Juli 1920 waren in Österreich das Zollrecht, das Zollverfahren und die Zollzugsanweisung in Kraft getreten. Über die Staatsgrenze zu Jugoslawien wurde damals überwiegend Handel mit Vieh und Obst betrieben, und die Doppelwohnsitzer hatten die Möglichkeit, ihre jenseits der Grenze gelegenen Grundstücke zu bearbeiten.

In Neumarkt/Raab war ein Zollposten stationiert. Dessen HIGA (Hilfsgrenzangestellten) waren im jetzigen Gasthaus Holzman untergebracht. Das Zollamt befand sich in einem kleinen Holzhäuschen unterhalb des Gasthauses. Erst in den Jahren 1932-1933 wurde ein aus Mauerwerk gefestigtes Zollhaus (jetziges Katzianerhaus) errichtet.


Erste Zollwachabteilung Neumarkt/Raab 1921

Das Zollahus in Mogersdorf, in dem das Zollamt und die Zollwachabteilung untergebracht waren, wurde im Jahre 1925 fertiggestellt. Es bestand damals ein reger Grenzverkehr mit Ungarn, vorallem mit St. Gotthard, wo viele Menschen Arbeit fanden und einige Studenten das Gymnasium besuchten. Viele Leute spazierten über die Grenze und machten einen Sonntagsausflug, denn in Ungarn waren das Essen und die Getränke verhältnismäßig billig.
Die Zollwache versah im Grenzhäuschen den Dienst. Auch im Grenzüberwachungsdienst waren die Beamten tätig. Dieser Dienst war sehr wichtig, da viele Schmuggler ihr Unwesen trieben.

In den 30er Jahren wurde die Möglichkeit geschaffen, dass österreichische Grenzgänger mit den "Hausstands-(Grenz-)karten" aus Jugoslawien eine festgesetzte Menge an Mehl, Eiern und Fleisch nach Österreich ohne Entrichtung von Zöllen oder sonstigen Eingangsabgaben einführen durften. Als die wirtschaftliche Notlage spürbar wurde, nahm der Schmuggel in diesem Gebiet stark zu. Wie gefährlich der Dienst damals war, beweist die Tatsache, dass am 25. Juli 1934 der Zollwachebeamte Rev.Insp. Robert Jarosch in Ausübung seines Dienstes im Gemeindegebiet von Tauka erschossen wurde.

In der Zeit von 1936 bis 1939 wurden in Kalch drei Zollhäuser mit eigener Zollwachabteilung und der Zollposten Kalch als Übertrittsstelle errichtet. Zwischen 1938 und 1945 wurde der Grenzüberwachungsdienst von Zollbeamten und Hilfsgrenzangestellten der deutschen Reichsfinanzverwaltung versehen. In Tauka selbst wurden im Jahre 1939 ein Zollgebäude und eine Grenzaufsichtsstelle errichtet. (Grenzaufsichtsstelle statt Zollwachabteilung).

Während des Zweiten Weltkrieges hatten alle Gütertransportbewegungen über das Zollamt Bonisdorf vorwiegend militärischen Charakter. Der Zollposten Kalch war während dieser Zeit durchgehend geschlossen. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurde durch das Zollüberleitungsgesetz vom Jahre 1946 das Österreichische Zollgesetz mit dem Stande vom 13. März 1938 wieder in Kraft gesetzt. Jedoch war ein Personen- und Warenverkehr vorerst nicht möglich. So war etwa der Zollposten Kalch anfangs von russischen Soldaten besetzt.

Der Eisenbahnverkehr nach Ungarn wurde am 8. Mai 1945 eingestellt und am 1. Juni 1946 wieder aufgenommen. Das Eisenbahnzollamt befand sich bis 1953 in St. Gotthard. Die an den Grenzen Mogersdorf und St. Gotthard Dienst verrichtenden Beamten waren in den Zollhäusern in Weichselbaum und Mogersdorf untergeracht. Es wurden nur sehr wenige Züge geführt. Die tägliche Frequenz: ein Personenzug in der Ausreise (mit diesem Zug fuhren die Zöllner am Morgen nach Ungarn) und je ein Güterzug in der Ein- und Ausfuhr. Transportiert wurden überwiegend Holz und Gereide. In der Nachkriegszeit herrschte kein guter Kontakt, eher ein umso größeres Mißtrauen zwischen den österreichischen Zöllnern und den ungarischen Grenzbeamten. So wurden auch die österreichischen Zöllner jeden Tag einer genauen Grenzübertrittsausweis- und Gepäckskontrolle unterzogen.

Die Schmuggeltätigkeit war zu dieser Zeit sehr stark, sodass Tag und Nacht Grenzüberwachungsdienst durchgeführt werden mußte. Geschmuggelt wurde sehr häufig von der heimischen Ortsbevölkerung, mitunter sogar in russischen Uniformen. Begehrte Schmuggelwaren nach Ungarn waren Salz und Laugenstein. Aus Ungarn wurden Gebrauchsgegenstände, Lebensmittel, Medikamente und Wein geschmuggelt. Auch lebende Tiere wie Pferde, Kühe und Schweine waren ein begehrtes Schmuggelgut.

Die Ausrüstung und Bewaffung der dienstverrichtenden Hilfszollwachangestellten (HIWA) war sehr unterschiedlich und mangelhaft. So wurden Dienstwaffen und Uniformen aller Gattungen vorgefunden. Größtenteils wurden jedoch französische Karabiner getragen. Bedingt durch die stark um sich greifende Schmuggeltätigkeit wurde die Grenze in Doppelstreifen kontrolliert. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage wurde beinahe von jedermann Waren illegal über die Grenze gebracht. Als Umschlagplätze, für Umladungen und zum Verstecken der geschmuggelten Waren wurde das "Niemandsland", das ist das Gebiet zwischen dem österreichischen Zollamt und der Staatsgrenze, bevorzugt. Dafür besonders ideal geignet waren das Umfeld der Zollämter Heiligenkreuz und Neumarkt. So wurden oft unter landwirtschaftlichen Fuhrwerken diverse Waren versteckt und so ohne Stellung durch den Zoll gebracht. Für einen Grenzübertritt war ein Grenzübergangsschein, der von den Russen genaustens kontrolliert wurde, erforderlich.

Im Jahre 1948 wurde die Zollwachabteilung Neumarkt/Raab nach St. Martin/Raab verlegt. Ab 1949 gab es auch schon eine einheitliche Uniformierung und Bewaffnung. Der Inspizierungsbereich hatte eine Ausdehnung von Strem bis Kalch. Als Inspizierungsfahrzeug diente ein in Heiligenkreuz eingestellter amerikanischer Jeep.
Zollwachabteilung St. Martin/Raab 1947
vor dem Zollamt Neumarkt/Raab

Im Jahre 1948 kam es zum zweiten Mal im Raum Minihof-Liebau - Tauka zu einem tragischen Zwischenfall. Der prov. Zollwachrevisor Andreas Sampl wurde von unbekannten Tätern ermordet.
Das Zollamt Bonisdorf wurde 1949 wieder an der Grenze beim Gasthaus Rogan untergebracht.

Die Grenzverhältnisse besserten sich ert mit Inkrafttreten des Gleichenberger Abkommens zwischen Österreich und Jugoslawien zwecks Regelung des kleinen Grenzverkehrs im Jahre 1953. Aufgrund dieses Abkommens durften Doppelbesitzer ihre Grundstücke im jenseitigen Grenzbezirk wieder bewirtschaften, und die sonstigen Grenzbewohner konnten mit dem sogenannten Dauergrenzschein in den gegenüberliegenden Grenzbezirk reisen sowie Besuche und Einkäufe machen. Zur Überwachung des kleinen Grenzverkehrs wurde am sogenannten Pelzereck in Tauka zusätzlich ein Grenzübergang errichtet, der nur an bestimmten Tagen und zu bestimmten Zeiten geöffnet war und auch jetzt noch ist.
Die Bestimmungen über den kleinen Grenzverkehr wurden von Zeit zu Zeit erweitert und fanden im Katastropfenwinter 1962/63 ihren Höhepunkt, wo von österreichischen Bauern zur Aufarbeitung des Schneebruchholzes jugoslawische Staatsbürger beschäftigt werden konnten. Die Arbeitsbewilligungen wurden von einer mobilen Außenstelle des Arbeitsamtes beim Zollamt erteilt.

Am 25. Oktober 1968 wurde beim Zollamt Bonisdorf der internationale Reiseverkehr wieder zugelassen. Die Paß- und Zollkontrollen wurden von den Zollwachebeamten vorgenommen. Mit dem Bau der neuen Bundesstraße war auch ein Zollamtsneubau erforderlich. Dieser wurde im Herbst 1980 bezogen.

Im Zuge der Umorganisation der Zollwache wurde am 19. November 1962 die Zollwachabteilung in Mogersdorf aufgelassen und als Außenstelle der Zollwachabteilung Heiligenkreuz unterstellt. 1968 wurde auch diese Außenstelle geschlossen. 1979 wurde die Zollwachdienststelle in Minihof-Liebau aufgelassen.
Ab März 1953 wurde das
Zollamt St. Gotthard nach Jennersdorf verlegt. Die Zoll- und Paßkontrollen werden seither im Reiseverkehr im fahrenden Zug vorgenommen; die Güterabfertigung wird im Bahnhof Jennersdorf vorgenommen.

Sehr umfangreiche Tätigkeiten bringen auch die Hausverzollungen (Hausbeschau) in den Bezirken Jennersdorf, Güssing, Fürstenfeld und Feldbach mit sich, die von den Beamten des Zollamtes Jennersdorf durchgeführt werden. Bis 1992 war das Zollamt im alten Bahnhofsgebäude untergebracht. Da die Räumlichkeiten unzureichend waren, wurde mit dem Zollamtsneubau und einer Adaptierung des Bahnhofes begonnen. Während der Bauarbeiten war das Amt provisorisch in Wohncontainern untergebrachte. Im Dezember 1993 wurde das neue Zollamt bezogen. Auch die Zollwachabteilung Neumarkt/Raab wurde zu diesem Zeitpunkt nach Jennersdorf verlegt.

Mit 1. Jänner 1995, dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union, sind große Umstrukturierungen der Zollverwaltung vorgegeben. Die Vollziehung der Verbrauchssteuern wird in Anpassung an die Europäische Union den Zollämtern übertragen. Die Vollziehung der zollrechtlichen Bestimmungen hat ausschließlich nach dem Zollkodex der EU zu erfolgen.

Das Abgabenverwaltungsorganisationsgesetz (AVOG) wurde geändert, die Zollämter Jennersdorf und Heiligenkreuz wurden zu einem gemeinsamen Zollamt zusammengefaßt, wobei das Stammamt beim bisherigen Zollamt Heiligenkreuz situiert wurde. Die Zuständigkeit der Zollämter wurde im AVOG neu definiert, dem Zollamt Jennersdorf wurde neben seinen Aufgaben bei der Grenzabfertigung im Güter- und Reiseverkehr auch ein Außendienstbereich zugewiesen. Dieser umfaßt die politschen Bezirke Feldbach, Fürstenfeld, Güssing und Jennersdorf.
Im März des Jahres 1995 nahm die gemeinschaftliche Abfertigungsanlage für den Güterverkehr als vorgeschobene österreichsiche Zolldienststelle in Rabafüszes (HU) den Betrieb auf, wodurch raschere Grenzabfertigungen erwartet werden können.

 

Zurück                                                                                                     Zurück zur Startseite