"Die ZOLLWACHE ist ein uniformierter,bewaffneter Wachkörper des Bundes"


§ 15 Abs. 1 ZollR-DG

Inhalt:


Geschichte

Das Recht des Staates, Steuern oder Gefälle einzuheben, wurde im Mittelalter durch dringende Geldnot vielfach an Privatleute verpachtet oder verkauft. Immer mehr wurde die Zollerhebung an die Grenzen des Staatsgebietes verlagert und die Wachtruppen trugen verschiedene Namen, waren jedoch weder durch besondere Kleidung noch durch Abzeichen gekennzeichnet. Als jedoch im Jahre 1526 die Länder der ungarischen und böhmischen Krone an das Haus habsburg fielen, errichtete man ein staatliches Gefällenpersonal, die so genannten "Überreiter". Diese waren keine Finanzwachorgane, sondern einfache Wächter ohne jede höhere Bildung. Durch die drastische Erhöhung der Zölle und Abgaben und die Erlassung von Verboten nach den napoleonischen Kriegen, begann der Schleichhandel zu blühen. Dashalb wurden zur Verstärkung den Überreitern so genannte "Portatschen" zur Seite gestellt. Weiters wurden teils berittene und unberittene "Bankalisten", sowie ein Militärgrenzkordon aus halbinvaliden ehemaligen Soldaten, die uneinheitlich uniformiert und bewaffnet waren, zum Grenzdienst eingestellt. Sie waren den Militärbehörden unsterstellt und konnten die Aufgaben einer effizienten Überwachung der Zollgrenze nicht erfüllen.

1830   Durch kaiserliche Entschließung vom 24. Oktober 1829 und mit Hofkammerdekret vom 10. Oktober 1830, Zahl 5882 wird ein nicht mehr dem Militär, sondern der k.k. Hofkammer unterstehender uniformierter, bewaffneter Zivilwachkörper mit der Bezeichnung "Gränzwache" mit 14.326 Bediensteten errichtet. Die ursprüngliche Absicht, als Bezeichnung "Grenzaufsicht" zu wählen wird verworfen, da sich das Wort "Aufsicht" für das Grenzwachkorps in der Lombardei und in Venetien nur schwer in das Italienische übersetzen ließ, während das Wort "Wache" leicht in "Guardia" übersetzt werden kann.
1835   Um auch im Innern Gefällsübertretungen zu verhindern und zu entdecken, bei den ausübenden Gefällsämtern Hilfsleistungen zu verrichten, die indirekt besteuerten Gewerbe, wie Brauereien, Branntweinbrennereien und Zuckerfabriken durch periodische Amtshandlungen der Nachschau zu kontrollieren, wird mit Hofkammerdekret vom 22. April 1835, Zahl 16.113 eine "Gefällenwache" nach dem Muster der Grenzwache mit 8.336 Bediensteten errichtet.
1843   Die Organisation zweier großer Wachanstalten ist umständlich und aufwändig, vielfach doppelgleisig. Daher werden mit allerhöchster Entschließung und Hofkammerdekret vom 21. April 1843, Zahl 14.831 die in den deutschen, galizischen und lombardisch-venetianischen Provinzen bisher bestandenen beiden Wachanstalten "Gränz- und Gefällenwache" unter dem Namen "k.k. Finanzwache" beziehungsweise "Guardia di finanza" vereinigt.
1848   Die k.k. allgemeine Hofkammer zu Wien wird in Fianzministerium umbenannt.
1850   An Stelle der seit 1830 bestehenden "Cameral-Gefällen-Verwaltungen" treten mit Erlass des Finanzministeriums vom 21. Mai 1850 mit Wirksamkeit vom 1. Juni 1850 Finanzlandesdirektionen (in Linz, Salzburg, Triest, Troppau und Czernowitz). Der Statthalter des jeweiligen Kronlandes wird zum Präsidenten bestimmt; ihm wird als zweiter Vorsteher der Behörde ein Beamter mit dem Titel eines Vicepräsidenten beigegeben.
Für den Dienst der Finanzwache zur See im Küstenlande und Dalmatien stehen in Triest, Pola, Zara Spalato und Kotor 6 Dampfer mit Geschützen, 3 Dampfboote und Benzinmotorboote in Verwendung.
Die Fiananzwache hat auch ihren Dienst an der Verzehrungssteuer-Linie und bei den Linienämtern der "geschlossenen" Städte Wien, Linz, Graz, Lember, Laibach, Innsbruck, Triest, Prag und Brünn zu versehen.

1853   Eine probeweise Reorganisierung der Fianzwache findet auf Grund des ersten Zoll- und Handeslvertrages mit Preußen in Vorarlberg mit Lichtenstein und längs des Deutschen Zollvereins bis Niederschlesien sowie im Freihafen von Triest und im Amtsprengel des k.k. Hauptzollamtes in Wien statt.
1858   Durch den Erlass des Finanzministeriums vom 11. Mai 1858, Zahl 2108 wird die im Jahre 1853 probeweise eingeführte Reorganisation der Finanzwache als definitive Umgestaltung angeordnet und mit Erlass vom 30. Oktober 1858, Zahl 5503 eine besondere "Dienstvorschrift für die Finanzwache im Grenzbezirke" erlassen.
1863   Auf Grund eines Erlasses des Finanzministeriums vom 19. November 1862 wird in Brünn der erste Lehrkurs zur Vorbereitung für die "Praktische Prüfung aus dem Verzehrungssteuerfache" abgehalten.
1867   Durch die in diesem Jahre eingetretene politische Teilung des einheitlichen Kaiserstaates in zwei selbständige Reichshälften (Dualismus) werden ungarische "Untertanen" aus der Finanzwache des diesseitigen Reichsgebietes und vice versa ausgeschieden. Dieser Umstand bringt eine namhafte Überschreitung des systemisierten Standes der Fianzwache.
Zur Anschaffung und Instandhaltung der Amtskleidung, der Bett-Erfordernisse und des Riemenzeuges nebst Munition erhält jeder ohne Unterschied der Charge: An Bekleidungsbeitrag 36 fl. 50 kr., an Bettrelutum der Ledige 8 fl., der Verehelichte oder Witwer mit Kindern 12 fl. und an Rüstzeugpauschale 1 fl. 50 kr. jährlich.

1882   Eine namhafte Vermehrung der Berufspflichten der Finanzwache bringt die Modifizierung der Fleischsteuer, des Spielkartenstempels sowie die Einführung der "Kunst- und Halbweinsteuer" und der Mineralölverbrauchssteuer mit den Gesetzen vom 30. März bzw. 26. März 1882.
Mit allerhöchster Entschließung vom 12. Juni 1882 wird für die Finanzwache zur See eine neue Uniformierungsvorschrift erlassen und mit dem Fianzministerialerlass vom 20. Juni 1882, Zahl 18.413 eine allgemeine Kasernordnung und Exerzierinstruktion herausgegeben.

1886   In der Haupt- und Residenzstadt Wien wird dem Wunsche der Finanzwache Rechnung getragen und die Herausgabe der "Zollämter- und Finanzwach-Zeitung" gestattet.
1890   Im April des Jahres beträgt der systemisierte Stand der k.k. Fianzwache 9.533 Mann, welche den Finanzlandesdirektionen, den Finanzdirektionen und den k.k. Hauptzollämtern in Triest, Prag und Wien unterstellt sind.
1892   Von der galizischen Finanzwache wird in Lemberg eine Fachzeitschrift in polnischer Sprache, der "Dvutygodnik galicyjskiej c.k. strazy skarbu" gegründet und herausgegeben.
1902   Eine wesentliche Absorbierung der Finanzwache nimmt die Aufstellung der "Bierwürzekontrollmessapparate" in jenen Braustätten, deren Erzeugung 20.000 hl übersteigt in Anspruch. Die erste Inbetriebsetzung des Messapparates findet am 25. September 1902 in Wien-Simmeringer Braustätte statt.
In Prag wird die Fachzeitschrift "Finanzwach-Revue" gegründet.


Finanzwachabteilung Braunau/OÖ 1902

1907   Nach jahrelanger Tätigkeit der Fachpresse und der an dieser beteiligten Bediensteten der Fianzwache gelingt es, die Regierung zur Herausgabe einer neuen Dienstvorschrift zu bewegen, welche am 17. März 1907 die "Allerhöchste Sanktion" erhält.
Eine wensentliche Änderung ist, dass die Bezeichnung Mannschaft durch "Unterbeamte" ersetzt wird. Weiters werden die Strafbestimmungen der alten Vorschrift aufgehoben und auf die Fianzwachunterbeamten haben die Bestimmungen der Dienstpragmatik Anwendung zu finden.
In Wien, Prag, Brünn und Lemberg werden die ersten Vorbereitungskurse für die Fianzwachprüfung, und in Wien, Prag, Lemberg, Innsbruck und Triest die Zollkurse ausschließlich für die Finanzwache eröffnet.

1914   Mit der Kriegserklärung Österreichs an Serbien am 28. Juli beginnt ein gnadenloser Krieg, von dem vor allem zu Kriegsbeginn die Finanzwache durch ihre Postierung an den Grenzen der Monarchie betroffen ist.
1918   Am 12. November wird die Republik Österreich ausgerufen. Die schwarz-gelbe Fahne der Habsburger wird von den Masten des Parlamentes herabgeholt und die rot-weiß-rote Fahne der Republik Österreich aufgezogen.
Die Fianzwache verliert nicht nur den Zusatz "k.k."; 940 Kriegstote aus den Reihen der Finanzwache, - etwa 10 Prozent des Gesamtstandes - sind zu beklagen.
Österreich ist klein geworden. Böhmen, Mähren, Schlesien, Galizien, Bukowin, Südtirol, Istrien mit Triest und Pola, Bosnien, die Herzegowina, Krain, Dalmatien und Teile Kärntens und der Steiermark werden selbständige Staaten oder gehören nach dem Frieden von Saint Germain zu anderen Staaten.

1920   Die Fianzwach-Unterbeamten werden zu Staatsbeamten. Mit dem Zollgesetz vom 10. Juni 1920 wird die Finanzwache in "Zollwache" umbenannt, doch die zur "Steueraufsicht" eingesetzten Beamten werden von der Zollwache getrennt und als Zivilbeamte der allgemeinen Verwaltung unterstellt.
1921   Durch den Friedensvertrag von Trianon wird aber das deutschsprachige Westungarn als Burgenland und neuntes Bundesland der Republik Österreich angeschlossen.
Am 28. August werden 25 Zollwachebeamte und 75 Gendarmeriebeamte, die von Kirchschalg in Niederösterreich ins Burgenland vorrücken, um in Vollziehung ihrer Dienstpflicht an die Aufstellung der notwendigen Grenzstationen zu schreiten, von ungarischen Freischärlern mit Maschinengewehren und Handgranaten bedroht und eingesperrt. Erst am 8. November lässt man sie nach einer Intervention der Regierung frei.

1925   Zur Ausbildung der neu aufgenommenen Beamtenanwärter werden in Wien, Linz und Kufstein Unterrichtabteilungen eingerichtet; nach bestandener Prüfung und praktischer Verwendung im Dienstbetrieb, kann der Anwärter, falls er sich bewährt, als Beamter angestellt werden.
Die erste Fachprüfung ist bei den Zolloberämtern in Wien, Linz, Graz und Innsbruck, die höhere Fachprüfung aber nur beim Zolloberamt (heute etwa die Geschäftsabteilung 3 der Fianzlandesdirektionen) in Wien abzulegen.


Zollwachabteilung Rechnitz/Bgld 1927

1930   Die äußerst trieste wirtschaftliche Lage Österreichs in den Dreißigerjahren mit etwa 600.000 Arbeitslosen, führt unter anderem an der ungarischen Grenze zum Schmuggel ungeahnten Ausmaßes, dem die Zollwache nur mit Unterstützung des Bundesheeres begegnen kann.
1938   In den frühen Morgenstunden des 12. März beginnt der Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich. Die Welt sieht tatenlos zu. Die Zollwache, die über höheren Befehl die Schranken zu öffnen hat, muss zusehen. Beamte der deutschen Reichsfinanzverwaltung übernehmen die wichtigen Posten. Wer von den Zollwachebeamten einen "Ariernachweis" erbringen kann, wird in die Reichsfinanzverwaltung überstellt, die anderen werden entlassen. Aber auch die meisten der in die Reichsfinanzverwaltung übernommenen müssen schon bald ihren Dienst an der polnisch-russischen Grenze versehen. Sanok-Nord und Sanok-Süd sind die neuen Dienststellen der Beamten.
1945   Der Krieg ist zu Ende; viele der Beamten kehren nicht mehr zurück. Österreich ist ein von fremden Truppen besetztes Land; aber es hat wieder eine eigene Verwaltung, wenn auch mit eingeschränkten Befugnissen. Unter großen Schwierigkeiten geht man an den Aufbau der Zollverwaltung. Die Zollwache erhält eine neue graue Uniform.
Die Zollwachabteilungen an der Grenze werden in Kontrollabschnitte gegliedert; jedem dieser Kontrollabschnitte steht ein Kontrollabschnittsleiter vor.
Die Amtstitel der Zollwachebeamten lauten: Revisor, Oberrevisor, Kontrollor, Oberkontrollor, Inspektor, Gruppeninspektor, Oberinspektor (1. und 2. Klasse). Anfänglich werden auch "HIZWA" (Hilfszollwachmänner) und "HIGA" (Hilfsgrenzangestellte) bedienstet.

1947   Mit Erlass des Bundesministeriums für Finanzen vom 16. August, Zl. 21.567-22/1947 wird der Zollwachdienst durch die Umwandlung der Kontrollabschnitte in Zollwachabteilungsinspektorate neu organisiert. Als besondere Aufgabe werden den Abteilungsinspektoren die "Einsetzung und Überwachung von Motorradpatrouillen im Grenzbezirk", die "Herstellung eines ständigen Kontaktes mit den Bürgermeistern und Bezirkshauptmannschaften", die "Überwachung der Verwendung und der Instandhaltung von Kraftfahrzeugen und Fahrrädern" sowie die "Überwachung der Ausbildung, Verwendung und Pflege der Diensthunde" aufgetragen. Die Leiter der Inspektorate sind Beamte der Verwendungsgruppe W1.
Die Ausbildung und Schulung der Zollwachebeamten erfolgt in Wien vorerst in zwei Räumen am Dachboden des Hauses Vordere Zollamtsstraße Nr. 5; das Beheizen der Räume während der kalten Jahreszeit ist nicht nur wegen des fehlenden Brennmaterials unmöglich. Der erste Unterrichtskurs findet in der Zeit vom 15. Mai bis 14. August 1947 unter der Leitung von Zollwach-Oberinspektor Emil Kostron und Zollwach-Inspektor Josef Holzmüller statt.
Die "Zollschule" übersiedelt aber schon bald in die Kalvarienberggasse im 17. Wiener Gemeindebezirk in eine gemeinsame Ausbildungsstätte mit den Beamten der zivilen Verwaltung.

1950   In Graz übergibt der englische Hochkommissär gebrauchte Motorräder (Type Triumph 500) mit Beiwagen der Zollwache.
1951   In Wien wird der erste Vorbereitungslehrgang zur Fachprüfung für leitende Zollwachebeamte abgehalten.
1955   Am 15. Mai wird der Staatsvertrag im Wiener Belvedere feierlich unterzeichnet. "Österreich ist frei". Im Juni dieses Jahres wird bei der Zollwache, vorerst nur zwischen den Zollbooten auf der Donau, der Sprechfunkverkehr eingeführt.
1956   Die Zollwache an der Ostgrenze Österreichs, nun einheitlich mit dem Karabiner M-1 und der Pistole Walther PPK 7,65 bewaffnet, hat eine außergewöhnliche Bewährungsprobe zu bestehen. Der Volksaufstand in Ungarn und die damit verbundene Massenflucht nach Österreich.
Auch der Dienst an der Grenze zu Italien ist in diesen Jahren der Bombenanschläge und Unruhen in Südtirol ein gefährlicher.

1957   Die gesamte Ausbildung der Zollwachebeamten erfolgt seit März dieses Jahres bundesweit an der "Zollwachunterrichtsabteilung" in Gebäuden der ehemaligen Deutschmeisterkaserne am Rennweg in Wien.
Mit 1. Juli werden auf Grund der 3. Novelle der Dienstzweigeverordnung für Wachebeamte im Bundesdienst (BGBl.Nr. 135 vom 25. Juni 1957) neue Amtstitel für die leitenden Beamten eingeführt; dies sind die Offiziersdienstgrade mit dem Zusatz "Zollwach-". ähnlich den Offiziersdienstgraden des Bundesheeres. Sie lauten: Leutnant, Oberleutnant, Rittmeister (2. Klasse und 1. Klasse), Major (2. Klasse und 1. Klasse), Oberstleutnant und Oberst.

1969   Mit Erlass des Bundesministeriums für Finanzen vom 23. Mai 1969, Z. 405 461-22a/69, wird für die Zollwache ein Korpsabzeichen eingeführt. Seit 1.12.1969 haben alle Zollwachebeamten das Korpsabzeichen an der Uniform zu tragen.
1978   Mit 1. Jänner gelten im Exekutivdienst und somit auch bei der Zollwache neue Amtstitel: Inspektor, Revier-, Bezirks-, Gruppen- und Abteilungsinspektor. Bei den Beamten der Verwendungsgruppe W1 (E1) wird der Zusatz "Zollwach" nicht mehr geführt; der Amtstitel Rittmeister wird auf Hauptmann geändert.
Mit 31. März werden die Abteilungsinspektorate aufgelassen und zum geringen Teil in "Außenstellen des Inspizierungsdienstes" umgewandelt
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1982   Mit Erlass des Bundesministeriums für Finanzen werden die ersten "Mobilen Einsatzgruppen" (MEG) eingeführt.
1989   Im September bezieht die Bundes Zoll- und Zollwachschule im Bundesamtsgebäude Erdberg ein ihren Erfordernissen entsprechendes Quartier.
1995   Mit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union kommt es wohl zur größten Umgestaltung des Wachkörpers seit seinem Bestehen. Die "Streifabteilungen" entlang der grünen Grenze werden aufgelassen, da der Grenzdienst der Bundesgendarmerie die Grenzüberwachung an den meisten Abschnitten übernimmt. Von den etwa 4300 Zollwachebeamten Österreichs verbleiben 2304 (Stand am 31. Dezember 1999) im Finanzresort.

 

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Korpsabzeichen der Österreichischen Zollwache

Mit Erlass des Bundesministeriums für Finanzen vom 23. Mai 1969, Z. 405 461-22a/69, wird für die Zollwache ein Korpsabzeichen eingeführt. Seit 1.12.1969 haben alle Zollwachebeamten das Korpsabzeichen an der Uniform zu tragen.

Das Abzeichen zeigt die hinter einem schraffierten Horizontbalken emporwachsende obere Hälfte des Bundeswappen der Republik Österreich, an welche sich unterhalb des Horizontbalkens ein stilisierter Fahrstreifen, dessen Schnittpunkt mit der Zollgrenze angedeutet ist, anschließt, sowie eine aus Lorbeerblättern und Eichenlaub gebundene Umkränzung, die in die obere Hälfte des Abzeichens hineinreicht.

Erklärung der Symbole:

Bundeswappen = Wache für die Republik Österreich
Horizontbalken = die Grenze, auf vorderstem Posten
Fahrstreifen = Verkehr auf Zollstraßen und Nebenwegen
Eichenlaub = Tapferkeit
Lorbeerblätter = Ruhm und Ehre

 

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Von "Zollbuden" zu modernen Zollabfertigungszentren

Schon in den alten Evangelientexten sind die Zöllner unter dem Namen "TELONES" erwähnt. Das spätere lateinische "Census" deutet an, dass der Tribut an den römischen Kaiser von anderen Abgaben unterschieden wurde. Solche waren unter anderem Wegezölle, Brückenzölle sowie Kopfsteuern. Der "Zoll" oder wie man früher sagte "die Maut", gehört zu den ältesten Steuern. Diese Abgaben wurden damals nicht von Beamten, sondern von Steuerpächtern eingehoben.

Bei der ältesten Zoll- und Wirtschaftsurkunden Österreichs ist die "Raffelstettener Zollordnung", die um 904/905 in Raffelstetten (OÖ) niedergeschrieben wurde. Dies königliche Zollordnung sollte die auf der Donau durch die Mark reisenden bayrischen Kaufleute von ungerechten und untragbaren Zollgebühren schützen. Unter anderem heißt es in dieser Zollordnung "Wenn aber ein freier Mann diesen rechtmäßigen Markt übergehen sollte, ohne dort etwas zu zahlen oder zu erklären, und der dann überführt wird. soll im das Schiff samt Ladung weggenommen werden."

Um die Durchführung der zollrechtlichen Bestimmungen entsprechend Gewähr leisten, die Einhebung der Zölle sichern und die Wareneinfuhr auf "Umwegen" verhindern zu können, musste ein geeignetes System der Überwachung geschaffen werden. Zunächst wurden die Verkehrswege an den Eintrittsstellen von Maut- und Zollbuden und Zollschranken gesichert. Abseits dieser Verkehrswege gelegene Gebiete wurden durch "Bereitung" von Grenzreitern beaufsichtigt. Nach dem Motto "Zoll macht den Säckel voll" erfuhr das Zollregal im Mittelalter eine extreme Auslegung. Für alles und jedes verlieh der Kaiser das Zollrecht, aber ebenso weitherzig wurden auch Adelige, Klöster und ganze Städte davon befeit.


Gmünd Bleylebenstraße 1929

Der Straßenzwang ging so weit, dass in einer aus dem Jahre 1342 erhaltenen Verordnung in Tirol ... "den zollern gewalt daz selbe guet und chaufmanschaft in ze nehmen und in ze twingen" ... erteilt wurde. Die gewaltsame Verbringung zu Zollstätten scheint also die Praxis gewesen zu sein.

Zollstätten fanden sich meist an großen Handelsstraßen. Eine solche wichtige Handelsstraße führte in den Süden über den Brenner, wo bereits um 1300 bis 1350 das "domus theleonearius" und "drei Zollhäuser" an den Eintrittsstellen nach Bozen erwähnt werden. Nach Norden führte eine verkehrsreiche Handelsstraße über Regensburg, Augsburg, Nürnberg und endete sich teilend an den Küsten der Nord- und Ostsee. An der Donau lagen die Zollstätten meist dort, wo der Strom ein Ental verlässt, wie in Aschach, Linz, Ybbs, Stein und Wien.

Standen Zollstätten außerhalb der Städte so war der Schutz vor Beraubungen nötig. Hakenbüchsen, Handbüchsen, Armbrüste und oft tonnenweise Schießpulver sind geschichtlich bei verschiedenen Zollstätten erwähnt, so dass sogar teilweise von Zollburgen die Rede ist. Mittelpunkt eines Zollhauses war immer eine eisenbeschlagene Zollkiste. In diese wurden die Tageseinnahmen aus den Zollbüchsen entleert. Auch "technische" Einrichtungen waren vorhanden, z.B. ist aus dem Jahr 1486 am Lueg für Waren aus Venedig eine große Waage mit mächtigen Ketten bekannt, auf der ganze Fuhrwerke mit ihrer Last gewogen werden konnten. Wechselstuben und Wirtshäuser waren auch öfters nahe der Zollhäuser errichtet; den Zöllnern war das Betreiben der Schankwirtschaft verboten. Vielfach war vor der Zollstätte eine Stange aufgestellt, die als Zeichen der Zollerhebung galt, auch in Hamburg bildet der "Nederbom" (Nierbaum) die Marke, dessen Überfahren mit dem Schiff die Zollpflicht auslöste.

Bemerkenswert sind die ehemaligen Gebräuche, die man als Meldepflicht ansehen kann. Beispielsweise in Nauders/Tirol bestand um 1427 die Pflicht, dass derjenige, der zollpflichtige Waren an der Zollstätte vorbeiführte, dort dreimal - so laut er konnte - zu rufen hatte. Da die Zollstätten nicht ständig besetzt waren, konnte nach dreimaligem Ruf der Warenführer, wenn kein Zöllner erschien, die Weiterfahrt antreten. Wurde er später bemerkt, so hatte er nur den gewöhnlichen Zoll zu bezahlen. Beschuldigte der Zöllner aber den Reisenden der Zollhinterziehung, so musste letzterer zehn heilige Eide schwören, dass er nach dem Zöllner gerufen hatte, wodurch er sich jeglicher Strafe wegen Zollhinterziehung befreite. Unterließ der Reisende aber den dreimaligen Ruf vor der Zollstätte, so machte er sich des Schmuggels schuldig. Der Schwabenspiegel um 1275 enthält eine ähnliche Bestimmung.


Zollamt Spielfeld 1956
Innerhalb des Reiches und der Länder gab es zahlreiche Zollgrenzen, so dass eine Ware innerhalb Österreichs mehrmals verzollt werden musste. Erst 1784 erfolgte die Aufhebung der Zwischenzoll-Linien der deutschen, böhmischen und galizischen Erbländer. Nur die österreichsich-ungarische Zoll-Linie bestand weiter.

Nach und nach wurden Zollämter mit unterschiedlichen Zuständigkeiten errichtet. Holzhütten, die als Zollstätten dienten, wurden durch Gebäude ersetzt. Da seinerzeit auch in Österreich, wie in den meisten europäischen Ländern, Linksverkehr herrschte, wurden dies Kontrollhäuschen bzw. -gebäude meist auf der linken Straßenseite in Richtung Grenze aufgestellt.

Besonders während der Kriegswirren und nach den Weltkriegen wurden Zollämter wieder geschlossen, später aber vereinzelt vorübergehend wieder geöffnet. Beispielsweise zählte damals zu den meist frequentierten Zollämtern Niederösterreichs das Zollamt Schlag bei Litschau. Über dieses Amt wurden Geschirr und Tonwaren nach Österreich einfeführt. In der Ausfuhr wurden große Mengen Holz abgefertigt. Nach dem zweiten Weltkrieg bestand zwar das Zollamt Schlag, es war jedoch bis auf wenige Ausnahmen kein Grenzverkehr möglich. Die endgültige Schließung dürfte 1948 erfolgt sein. Heute befindet sich dort ein Zollposten der nur über die Sommermonate für Fußgänger und Radfahrer geöffnet ist.

Nach der "Ostöffnung" und dem Fall des "Eisernen Vorhanges" im Jahr 1989 kam es zu zahlreichen Wiedereröffnungen von "Zollposten". Die letzte Eröffnung eines derartigen Überganges nach Tschechien erfolgte am 31. Jänner 2000 in Pyhrabruck/Niederösterreich unter großer Beteiligung der Bevölkerung beider Staaten. Vizekanzler a.D. Dr. Alois Mock, "Mr. Europa", war Festredner und unterstrich damit die Bedeutung dieses völkerverbindenden Projektes.

Mit dem Beitritt Österreichs zu Europäischen Union am 1. Jänner 1995 wurde die österreichische Zollverwaltung in einem noch nie dagewesenen Ausmaß gefordert. Umfangreiche organisatorische Maßnahmen waren - wie sonst bei keinem Verwaltungszweig der Republik Österreich - unabdingbar. Mehr als 100 Zollstellen an den Grenzen zu Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wurden geschlossen.

Wie in der Vergangenheit haben die österreichischen Zöllnerinnen und Zöllner aller Verwendungsebenen auch diese Herausforderung (vielfach gänzlich neue Bestimmungen, neue oder geänderte Begriffe, neue Formvorschriften für Anmeldungen etc.) beispielhaft umgesetzt. Die Erfüllung der Vielzahl der gesetzlichen Aufträge macht Spezialisierung und ständige Weiterbildung unverzichtbar. Insbesondere die große Reihe der Aufgaben zum Schutze der Menschen, der Wirtschaft, der Natur, des Verbrauchers etc. verlangt allen Zöllnern ein umfangreiches Fachwissen ab. Dieses hohe fachliche Niveau der Zollwache- und Zollbeamten auf zahlreichen Gebieten findet besondere Anerkennung und Schätzung sowohl bei den Behörden, als auch bei der Wirtschaft.

Die neuen Grenzzollämter sind die erste Visitenkarte Österreichs, ja seit jüngster Zeit der Europäischen Union. Der erste Eindruck ist immer der stärkste und er soll daher auch immer der beste sein. Dazu tragen die entsprechend ausgebauten Grenzzollämter bei. Den wesentlichsten Beitrag leisten aber die vielen Zollwachebeamtinnen und -beamten, die den verantwortungsvollen und schwierigen Dienst mit überdurchschnittlichem Einsatz entgegentreten. Dass dies mit Erfolg möglich ist, ist umso beachtenswerter, zumal es nicht immer leicht ist, Uneinsichtigen gegenüber den entsprechenden Gleichmut zu bewahren und den gesetzlichen Aufträgen objektiv nachzukommen.


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Diensthunde


"Dass mir der Hund das Liebste sei,
sagst Du, oh Mensch, sei Sünde.
Der Hund blieb mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde!"

Als Jäger nutzte schon der Homo Sapiens die hundeähnlichen Laufraubtiere, die seine Lebensräume umlagerten. Man fütterte die Tiere und nahm sie als Jagdgefährten und Beschützer auf.

Nach den Weltkriegen und der Wiedererrichtung der österreichischen Zollwache machte man sich die Fähigkeiten dieser Gefährten zu Nutze. 1951 wurden die ersten Hunde zur Sicherung der österreichischen Grenze in den Dienst gestellt. Zur Bekämpfung der Geisel unserer Zeit, dem Drogenschmuggel, wurden neben der Schutzhundeausbildung ab 1972 auch Suchtgifthunde trainiert, denen erstaunliche Erfolge auf diesem Gebiet der Kriminalitätsbekämpfung zu verdanken sind.

An der "Balkanroute" bildete das Zollamt Spielfeld einen idealen Platz, Diensthunde auszubilden und einzusetzen. Daher wurde auch 1982 die Diensthundeschule von Baumgarten/NÖ nach Graßnitzberg/Stmk. verlegt. Dort dehnte der neue Leiter, Walter Walch, die Suchtgiftausbildung entsprechend der Entwicklung auch auf "härtere" Drogen, wie Heroin, Kokain, Opium, etc., aus.

Es stehen derzeit Schutz-, Fährten-, Lawinen- und Suchtgifthunde zur Verfügung. Waffen- und Sprengstoffspürhunde werden neuerdings mit Unterstützung des deutschen Zolls ausgebildet.

Neben dem Training der Diensthunde, deren Rassen primär "Deutscher Schäfer" und "Labrador" sind, erfahren auch die Diensthundeführer eine spezielle Ausbildung. Turniere, die vor allem der Motivation und dem Trainingsanreiz dienen aber auch den Erfahrungsaustausch der Diensthundeführer zwischen den Exekutivkörpern des In- und Auslandes fördern, werden von den Beamtinnen und Beamten der Zollwache mit hervorragenden Ergebnissen bestritten.

Leitgedanke des Zollwachediensthundewesens:

"DER HUND IST FREUND UND HELFER DES MENSCHEN IN ALLEN LEBENSLAGEN. WIRD ER ALS FREUND BEHANDELT, IST ER EIN SICH BEDINGUNGSLOS DER EINANDER ERGÄNZENDEN GEMEINSCHAFT UNTERWERFENDES LEBEWESEN!"

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NEU!: DIE ZOLLWACHE IM ÖSTERREICH-UNGARISCHEN GRENZRAUM

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