49er Team Dominik und Daniel Kocholl

 

Wie segelt man den 49er?

Die typischen Kenterungen

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Dieses Skiff - die Zweimann One-Design-Version der legendären 18 Footer ist mit konventionellen Segelbooten nur schwer zu vergleichen. Es liegt irgendwo zwischen einem 470er, einem Katamaran und den Surfern.

 

Das Einwassern:

Ist eines der heikelsten Situationen eines Segeltages. Der 49er hat ohne darauf balancierende Mannschaft auch bei Flaute im Hafen die eigenwillige Tendenz sofort umzukippen, da der Schwerpunkt weit über der Wasserlinie liegt.

 

Die Wildbahn

Draußen in der freien Wildbahn, fühlt sich der 49er - oder dessen Mannschaft? - viel wohler als im engen Hafen. Je schneller man fährt, desto leichter geht's - das ist wie beim Radfahren: Mit 0,00 km/h ist es schwer im Sattel zu bleiben.

Geschwindigkeit ist also durchaus erwünscht und hat einen entscheidenden Nebeneffekt: Das Ausnutzen des immer stärker werdenden scheinbaren Windes. Vor dem Wind wird auch gekreuzt - beide stehen im Trapez und die Windanzeiger an den Wanten zeigen immer nach hinten. Auf diese Art und Weise kann der 49er bei 20 kn Wind eine Leegeschwindigkeit (V-Lee) von über 20 kn haben - ist also schneller in Lee als ein in den Luftstrom gesetzter Luftballon. Die durch die hohen Geschwindigkeiten entstehenden Fliehkräfte des Riggs müssen manchmal genutzt und in anderen Situationen gezähmt werden.

 Ab vier Beaufort gibt es nur mehr eine effektive Möglichkeit um das Boot an einer rasanten Gleitfahrt zu hindern: der Masttop muß das Wasser berühren - so hat man noch eine kleine Chance sich etwas entspannen zu können.

Da man ständig das Gewicht verlagern muß, wird auf dem Boot fast nur gestanden, maximal gekniet - wenn man sitzt ist man zu langsam bei der Gewichtsverlagerung.

 Das Problem sind bei stärkerem Wind vor allem die Böen und hohe Wellen, auf die blitzschnell mit mehreren synchronen Handlungen reagiert werden muß. Die Mannschaft muß sehr gut eingespielt sein, dies vor allem dadurch, daß der Vorschoter auf der Kreuz die Großschot fährt. Oberstes Ziel muß immer sein, daß Boot völlig aufrecht zu segeln - sonst fängt das Gewicht des Riggs an zu wirken.

 Etwas problematisch ist (wie bei einigen anderen Segelfahrzeugen mit großen Spinnakern auch) die Sicht nach Lee - damit es aber nicht zum Blindflug wird - wird oft gehalst und der Steuermann versucht sich die Kurse der anderen Boote zu merken, bzw. vorauszuahnen.

 

Die typischen Kenterungen im 49er

Nose-Dive:

Wenn Segler normaler Yachten/Jollen eine Kenterung dieser Art sehen, so bleibt ihnen meist der Mund offen stehen: "Aha, auch über den Bug kann man kentern!". Die Häufigkeit des Nose-Dives ist v.a. abhängig von der Wellenhöhe und kommt oft beim Abfallen auf den Vorwindkurs vor. Dabei preßt der ansteigende Segeldruck den extrem schmalen Bug unter Wasser und das Skiff "stolpert" bei recht hoher Geschwindigkeit über denselben. Das kann blitzschnell gehen und die Crew fliegt weit nach vorn.

 

Action: * * * *

Häufigkeit: * *

Gefährlichkeit: * * * *

Leekenterung:

Diese passiert bei zu langsamer oder nicht ausreichender Reaktion auf eine Bö. Für die Crew, die im Trapez steht, stellt sich dann die Frage nach der Absprungrichtung. Denn weder Großbaum noch Segel sind konstruiert worden um als Sprungtuch zu dienen. Es gibt also nur 2 Möglichkeiten: entweder sich aus dem Trapez aushängen und fallen lassen (Achtung Schwert) oder hinter das Achterliek des Großsegels zu springen.

 

Action: * *

Häufigkeit: *

Gefährlichkeit: * * *

Double Teabag

Der Double Teabag passiert immer dann, wenn die Reaktion auf Windlöcher, Schraler, Abdeckungen oder ausrauchende Schoten zu lange dauert.

Folge: Die beiden Trapezartisten liegen im Wasser und können zusehen wie das Rigg langsam auf sie zukommt. Diese Situation kann mit Geschick und Glück aber auch für einen "Wasserstart" wie beim Surfen genutzt werden, wobei die schwimmende Crew über Schoten und Pinnenausleger Druck erzeugt bis die Füße den Ausleger erreichen.

 

Action: *

Häufigkeit: * *

Gefährlichkeit:

Nach hinten kentern:

Nur zu Showzwecken, kommt sonst (fast) nie vor.

 

Action: * *

Häufigkeit:

Gefährlichkeit: *

 

 

Das Regattasegeln

Daß im 49er nicht taktisch gesegelt wird ist eine weitverbreitete Irrmeinung. Es ist aber nicht so sehr der 3 Grad Winddreher - wie zB im durch die Rumpfgeschwindigkeit eingeengten Soling - entscheidend, sondern vielmehr die Windstärkenunterschiede auf dem Kurs. Abwinde und Abdeckungen durch andere Boote wirken sich auf Hochleistungsskiffs, wie den 49er, viel gravierender aus, als auf andere Bootstypen. In international stark besetzten Einheitsklassen wird immer taktisch gesegelt - Bootsbeherrschung und einwandfreie Manöver sind natürlich eine Voraussetzung dafür.

 

Der wesentliche Unterschied vom 49er zu anderen Klassen ist, daß man viel, viel schneller denken muß. Das Boot ist sehr schnell, die Manöver gehen schnell, das heißt die Situationen ändern sich rasant und es werden Kurzwettfahrten gesegelt. Als passender Vergleich fällt mir Blitzschach ein.

 

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