Re: ballesterer fm - Der Schattenmann
Geschrieben von .uk am 17. März 2004 13:37:42:

Schattenmann: Die Geschäfte des Skender Fani
Eine der schillernsten Figuren am österr. Transfermarkt ist auch eine der
unnahbarsten.
Stefan Kraft hat sich über die Karriere von Dr. Skender Fani erkundigt.
Seine Kanzlei ist nicht protzig, ebenso wenig sein Auftreten. Eher schon betont
zurückhaltend. Skender Fanis gepflegte Sprechweise und sein unverwechselbarer Schnurrbart
kennen die Fernsehzuschauer nur aus der Vergangenheit (Bemerkung .uk : das TV-Volk
sollte bei Fußballübertragungen etwas genauer hinschauen...).
"Low profil" nennt er das, in den Medien ist er meistens schlecht weggekommen,
weswegen ihm geringes Aufsehen Recht ist. Die großen Schlagzeilen macht er schon lange
nicht mehr, die Zeiten sensationeller Transfers seine Schützlinge Ende der 70iger Jahre
und in den 80gern sind passe. Ins Fadenkreuz der Öffentlichkeit geriet Fani mit der
Gründung und dem Untergang der Rapid AG Anfang der 90er.
Seither sind seine Transfers österr. Spieler weniger geworden und auch im aktiven
Vereinsleben fuellt er keinen Posten mehr aus (Bemerkung .uk : Skender Fani ist
nachwievor Mitglied des SK Rapid ! )
Väterlicher Freund
Im Gegensatz zur Konkurrenz von Jürgen Werner bis Peter Artner besitzt Skender Fani
keine offizielle FIFA-Lizenz, um seine Spieler zu vermarkten. "Bei Anwälten geht man
davon aus, dass sie seriös sind", erklärt Fani diesen Umstand.
Die Liste der österr. Spieler, die er in seiner über zwei Jahrzehnte andauernden
Karriere im Profi-Fußball vertreten hat, ist beeindruckend: Krankl, Prohaska, Polster,
Rodax, Schachner, Herzog, Konrad, Wohlfahrt, Wetl und Pogatetz sind nur einige der Namen
auf seiner Klientenliste. Mit Kleinvieh hat er sich dabei nicht beschäftigt: Dem
Sportmagazin verriet er seine Devise: "Ein kleiner Spielertransfer macht genauo
soviel Arbeit wie ein Großer. Also mach' ich gleich einen Großen." Über seine
Klienten in anderen Ländern will Fani nichts verlautbaren. Nur über seine guten Kontakte
zu allerlei Klubs in der internat. Arena erzählt er gerne: Real Madrid, Barcelona, Roma,
Juventus, Bayern, Dortmund oder Bremen seien mit dem Namen Fani vertraut.
Wie es dazu kam, daß er der erste, namenhafte österr. Spielervermittler wurde ?
Als Sportreporter lernte er während des Jusstudiums zahlreiche Kicker kennen und als
aktiver Fußballer traf er sie auch am Spielfeld. Als die Stars Krankl und Prohaska zu
Barcelona bzw. Inter wechselten, baten sie Fani um Rat.
Verantwortlich für den Erfolg macht Fani auch seine soziale Kompetenz: "Ich habe
mich immer als mehr gesehen als nur der Verfasser eines Transfervertrages. Meinen Spielern
habe ich auch in den täglichen Dingen des Lebens eine Beratung geben wollen." Denn:
"Zum Großteil sind es junge Burschen, die keine besondere Ausbildung genossen haben.
Fußballer kennen sich im Leben nicht so aus und benötigen Hilfe. So ist es gekommen,
daß einige von ihnen picken geblieben sind und ich jetzt noch immer mit ihnen befreundet
bin."
Die Zeiten, in denen Skender Fani einzig auf die Freundschaft eines Spielers bauen konnte,
sind vorbei: Während bei Krankl und Schachner gar keine schriftlichen Beratungsverträge
notwendig waren, wird mittlerweile alles auf Papier festgehalten.
"Die Versuchung ist heutzutage groß dem ursprünglichen Manager untreu zu werden.
Ein gewisser Verfall der Sitten ist eingetreten." Verantwortlich macht Fani dafür
die "Heerschar an Beratern", die "schon bei den Halbwüchsigen Schlange
stehen."
Zu seinen derzeitigen Klienten macht Fani nur wenige Angaben.
"In Österreich gibt es kaum gute Fußballer, daher habe ich nur wenige heimische
Spieler unter Vertrag." Thomas Flögel ist einer von ihnen, auch Roland Linz und
Martin Amerhauser lassen sich von Fani beraten.
Grün-Weiß bis in den Tod
Im Büro des Anwalts Fani steht eine Nachbildung der Schale von Rapids Meistertitel
1982. "Als Rapidler kommt man auf die Welt und man geht wieder als Rapidler",
gibt Fani seine Verbundenheit im Interview mit dem ballesterer Ausdruck.
Ins Hanappi-Stadion geht Skender Fani hin und wieder, "zu den Derbies", erzählt
er. "Er erhält einen Platz auf der Presseloge, VIP-Ticket kann er sich derzeit ja
gar keines kaufen, da der VIP-Club diese Saison durch Jahreskarten ausverkauft ist",
heißt es dazu emotionslos aus dem Büro der Rapid-Vereinsleitung.
Die Treue Fanis zu Rapid verblüfft: Das Desaster der AG, die Fani im August 1991
mitgegründet hat, führten zu gewaltigen Streitereien in Hütteldorf, in deren Verlauf
Fani via TV alle Funktionen in der AG zurücklegte. Bei den Fans hätten Präsident Heinz
Holzbach und der Autor des Rapid-Buches "Die unendliche grün-weiße
Geschichte", Franz Binder, den Eindruck erweckt, er wäre Schuld gewesen, so
Rapid-Mitglied Fani. Dabei habe er zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs gar keine Funktion
mehr ausgeübt.
"Ich kann Ihnen versichern, wäre ich dort geblieben, wäre die AG sicher nicht in
Konkurs gegangen".
Binder schreibt in seiner Rapid-Biographie über die damaligen Ereignisse: "Der
Verein war plötzlich in eine Abhängigkeit geraten, mit einer AG, die hauptsächlich die
Interessen des Dr. Fani und seines Freundes Krankl fördern sollte."
Fani hingegen sieht das naturgemäß anders: "Mein großer Fehler war, daß ich das
Geld der Rapid-AG dazu verwendet habe, die Schulden, die Holzbach und Benya angehäuft
hatten, zu begleichen Stattdessen hätte ich Rapid bei Null übernehmen sollen. Aber das
wollte ich dem Benya nicht antun."
Mit der Verhaftung von Michael Margules, Fanis Freund und Vorstand der Rapid AG, im März
1991 in den USA begann die Aktie des Vereins in den Keller zu purzeln.
Margules wurde wegen Geldwäsche in den USA verurteilt.
Eine bekannte Episode der Rapid AG betrifft den nachwievor flüchtigen Geschäftsführer
der Baufirma Howe AG, Alejandro Hom-Rusch. Howe dürfte (mit Hilfe gefälschter Dokumente)
über eine Milliarde (!!!) Schulden bei der Bank Burgenland angehäuft haben, Hom-Rusch
verschwand nach dem Bekanntwerden des Skandals. Anfang der 90er-Jahre saß Hom-Rusch noch
im Aufsichtsrat der Rapid AG.
Skender Fani hingegen amtierte als Aufsichtsrat bei Howe. Die "Presse" schrie im
Jahr 2000 über diesen Rollentausch: "Eine Hand wäscht die andere".
Die Stronach-Connection
Mit der Howe AG verbindet Fani noch ein weiteres Detail. Eine der größten Baustellen
des Unternehmens befand sich in Oberwaltersdorf: Die Niederlassung von Magna Europe.
Magna-Eigentümer Stronach zählt Fani wiederum zu seinen guten Freunden.

Daß dadurch auch Geschäfte mit der Wiener Austria herausschauen verneint Skender Fani
mit Bestimmtheit. Als geborener Grün-Weißer will er sich keine Nähe zum Stadtrivalen
nachsagen lassen:
"Wenn der Stronach sagt: 'Komm, geh' ma die Austria anschauen', dann geh' ich hin,
weil er mein Freund ist." Wenn 's sein muß, fliegt Fani (im Interview mit dem
Ballesterer trägt er eine violette Krawatte) dafür auch zum Trainingslager ins spanische
Marbella. Und läßt alte Freundschaften in die Brüche gehen:
"Den Herbert Prohaska hat es sehr verletzt, dass ihn der Stronach als Austria-Trainer
abberufen hat. Aber der Stronach hat ihm in der Folge den Sportdirektor-Posten angeboten.
Da hat sich der Herbert nicht geschickt verhalten, als er das Angebot abgelehnt hat."
Wäre es nach Fani gegangen würden heute die Millionen nicht bei der Austria fließen,
sondern bei seinem Lieblingsklub: "Ich würde mir wünschen, daß der Stronach Rapid
sponsert. Diese Gelegenheit gab es am Anfang, als Stronach nach Österreich kam. Er hat
sich zuerst Rapid zugewendet. Leider Gottes haben ihn dort einige Leute verärgert und
weggeschickt, so daß er zur Austria gekommen ist."
Zur Transferpolitik der Austria meint Fani: "Die Fehlentscheidungen kann man nicht
dem Stronach anlasten. Das waren die Leute, mit denen er sich umgeben hat, die die
Entscheidungen getroffen haben." (Bemerkung .uk : Welche Leute damit wohl gemeint
sein können, hmmm... forza - Schitzo-Skender ! ).
Wobei Fani, wie erwähnt, damit nichts zu tun gehabt haben will.
Gerüchte um seine Beteiligung beim Wechsel des Total-Flops Asanovic zur Austria hat er
schon vor drei Jahren im Sportmagazin dementiert: "Ich hab' dem Friedl Koncilia nur
die Telefonnummer besorgt."
Polster und Porno
Stronach und Fani treffen nicht nur in der VIP-Box des Horr-Stadions zusammen, sondern
auch in Florida, wo beide in Palm Peach einen Zweitwohnsitz unterhalten.
In Florida befindet sich auch der Firmensitz von "Consulier Engineering", einem
Autozulieferbetrieb, der im selben Geschäftsfeld wie die Magna International Inc. tätig
ist. Skender Fani übt lau dem "Business Wire" vom November 1999 bei
"Consulier Engineering" einen Vorstandsposten aus. Auf der Webseite der Firma
findet sich außer dem Logo keinerlei Information über das Unternehmen.
Mehr zu sehen bekommt man beim Internet-Auftritt des Erotik-TV-Anbieters "New
Frontier Media" aus Colorado, wo Skender Fani nach nach dem Informationen des
Wirtschaftsblatts "Forbes" ebenfalls im Vorstand sitzt und bereits gute Gewinne
mit den Aktien der Firma gemacht hat. "New Frontier Media" versorgt die
amerikanischen Kabelhaushalte mit sechs verschiedenen Erotik-Kanälen, weiters werden
pornographische Inhalte über das Internet vertrieben.
Auch in Österreich macht Skender Fani zahlreiche Geschäfte abseits des Fußballs, so ist
er etwa Geschäftsführer der "Toni Polster Werbegesellschaft" und
Gesellschafter bei einem asiatischen Nudellokal in der Wiener Innenstadt.
Menschliche Enttäuschungen
Nicht immer verliefen Fanis Geschäfte reibungslos. Etwa als Hans Krankl Trainer beim
FC Tirol wurde. Die Gerichte sahen es als bestaetigt an, daß der damalige Tiroler
Vorstandssprecher Klaus Mair, dem heutigen Teamchef 3,6 Millionen ATS "Handgeld"
gezhalt hat. Als Krankls Berater nahm Skender Fani den Betrag in Empfang. Wegen Anstiftung
zur Angabenhinterziehung wurde Fani als Bestimmungstäter zu einer unbedingten Geldstrafe
von 200.000 ATS verurteilt. Im selben Prozeß erging auch ein Urteil gegen den
FP-Politiker Meischberger, dem Vertreter von Peter Stöger gegenüber dem FC Tirol,
ebenfalls wegen Anstiftung zur Abgabenhinterziehung.
"Mit Tirol habe ich nichts zu tun gehabt" (Bemerkung .uk : was für eine
Überraschung ! ), läßt Fani im Interview eine gewisse Vergeßlichkeit erkennen.
Auf den Prozeß angesprochen, fällt es dem Anwalt nach kurzer Nachdenkpause wieder ein:
"Eine im höchstem Maße unerfreuliche Erinnerung. Wobei ich nachwievor überzeugt
bin, daß es eine politische Sache war."
Einen weiteren Prozeß verlor Skender Fani gegen den ehemaligen Teamtorhüter Michael
Konsel im Februar 2001. Es ging um Fanis Honorar für die Vertragsverhandlungen mit AS
Roma. Das Gericht gab schlußendlich Konsel recht, der anstatt der von Fani geforderten
1,7 Millionen ATS nur 420.000 ATS zu bezahlen hatte. Als "menschlich
unbefriedigend" bezeichnet Fani heute die Affäre Konsel. Wahrscheinlich auch, weil
der Torhüter einer der wenigen Klienten ist, die öffentliche Kritik an der Institution
Skender Fani verlautbaren ließen.
Konsel: "Fani hat mich menschlich schwer enttäuscht und mein Vertrauen
mißbraucht".
Fotos: © Austria-Fanclub Bad Vöslau