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Aufgaben der Herrschaften

... Natürlich entstanden auch dem Grundherren Verpflichtungen gegenüber dem "Bauersmann", der eine Hube für ihn bebaute. Als Überbegriff könnte man die Worte "Schutz und Schirm" gebrauchen.
So war es Aufgabe des Herren, seinen Untertanen und dessen Angehörige oder sonstigen am Hofe beschäftigten Personen, bei drohender Gefahr durch Kriege oder anderen aggressiven Handlungen in seiner Burg Unterschlupf zu bieten.
Auch hatte der Grundherr für seinen Untertanen als "Anwalt" aufzutreten, sollte sich dieser wegen begangenen Fehlverhaltens vor Gericht verantworten müssen oder selbst als Kläger auftreten. Von daher leitet sich auch der Ausdruck "Hintersasse" ab, weil der als Geklagter oder Kläger vor Gericht geladene Bauer hinter seinem "Herrn" sitzen musste.
Auch als Mittler zwischen Landesverwaltung und Bauern trat der Grundherr in Erscheinung. So zum Beispiel waren sie für das Einheben von Steuern verantwortlich, die an das Land gingen.
Eine besondere Stellung im Reigen der Grundherrschaften, die in unserem Gemeindegebiet Lehen zu vergeben hatten, nahm die Herrschaft Hollenburg ein. Als Inhaberin der Gerichtsbarkeit hatte sie Aufgaben zu erfüllen, die weit über die gewöhnlicher Herrschaften hinaus gingen. "HOLLENBVRG, Von Der Hintern Seiten" (VALVASOR 1688) So fielen in ihren Aufgabenbereich das Rekrutierungswesen, polizeiliche Aufgaben, die Gewerbeaufsicht, das Sozial- und Schulwesen, das Einheben von Zöllen und das Verkehrwesen. Eine wesentlichste Aufgabe war die Rechtsprechung über Menschen die auf Gütern in ihrem Gerichtssprengel lebten. Da die Juristdiktion ein starkes Machtinstrument war, kam es immer wieder zu Streitigkeiten mit dem zweitgrößten Grundherrn im Sprengel, den Viktringer Mönchen. Daher schlossen die beiden 1418 einen Vertrag, in dem das Kloster Viktring die "Burgfriedmäßigkeit" über seine Güter zugesprochen bekam. Es war dem Abt von Viktring nun möglich, über seine Untertanen die "niedere Gerichtsbarkeit" auszuüben. Unter die niederer Gerichtsbarkeit fielen Vergehen, die nicht mit der Todesstrafe bedroht waren. Bei solchen sprach man von "Blutgerichtsbarkeit".
Wie die angeführten Aufgaben erahnen lassen, waren für ihre Vollziehung ein großer Beamtenstab nötig. Er verschlang eine hohe Summe Geld, so dass die Herrschaft Hollenburg zu Beginn des 19. Jahrhunderts schon mit größeren Geldschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Aber auch die "Aufklärung", die das Bild des freien Menschen hinaustrug hatte ihren Anteil, dass die Hollenburg gegen Mitte des 19. Jahrhunderts ihre bis dahin in privater Hand gelegenen Verwaltungsaufgaben an staatliche Stellen abgeben musste.

Ende der Grundherrschaft

Die Reformen, die von Maria Theresia und Josef II. ausgingen und als eine Einleitung der "Bauernbefreiung" betrachtet werden können, konnten größere Bauernunruhen nicht verhindern. Als eine ihrer Auswirkungen wurde im Dezember 1846 für den Bauern die Möglichkeit geschaffen, grundherrschaftliche Arbeitsleistungen und Zehentrechte finanziell abzulösen. Auch das war zu wenig. Es kam im Jahr 1848 zu einer Revolution, in deren Sog sich die Befreiung der Bauern aus ihrem grundherrschaftlichen Joch ergab.
Am 26. Juli 1848 stellte der Reichtagsabgeordnete Hans Kudlich den Antrag, das Untertänigkeitsverhältnis samt allen daraus entspringenden Rechten und Pflichten aufzuheben. Der Antrag wurde angenommen und am 7. September 1848 ein Patent erlassen. Auf dessen Grundlage erfolgte die Aufhebung der Grundherrschaft und die Aufteilung, des meist um die Ortschaften gelegen, Gemeinschaftsbesitzes.
Für die eigentliche Entlastung waren noch viele Durchführungsbestimmungen zu erlassen und es zogen noch viele Jahre ins Land, bis sie abgeschlossen war. Um für keinen der Beteiligten finanziell unerträgliche Belastungen zu schaffen, wurde die Regelung getroffen, dass ein Drittel des Wertes der Bauerngüter der Bauer selbst erstatten musste, ein Drittel das Land zahlte und das letzte Drittel durch die Grundherrschaft selbst zu tragen war. Man schuf auch Arten der Ratenzahlung, mit denen der Bauer die Möglichkeit erhielt, Robot- und Zehentleistungen finanziell abzulösen.
Das letzte Kapitel der "Bauernbefreiung" war die Aufteilung des Gemeinschaftsbesitzes in den einzelnen Ortschaften. Sie dauerte noch bis in das 20. Jahrhundert hinein. Um sich die Schwierigkeiten, die dabei aufgetreten sind besser vorstellen zu können, wird im Folgenden die Aufteilung der "Ortschafts-" und der "Freiweide" in Angern etwas ausführlicher beschrieben.
Am 5. Juli 1853 erließ Franz Josef der Erste, von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich etc., das kaiserliche Patent, auf dessen Grundlage die Aufteilung des Gemeinschaftsbesitzes der Ortschaft Angern erfolgen musste. Sie war bis dorthin noch Eigentum der Teilgenossen "Tropper", "Pobunz", "Karou" und "Raab". Die beiden Grundstücke, das Größere "Freiweide" und das Kleinere "Ortschaftsweide" genannt, hatten zusammen eine Fläche von ca. 25 ha und lagen zum größten Teil im Dreieck: Angern - Nadram - Obertöllern.
Eingeleitet wurde das Verfahren auf Grundlage eines Erkenntnisses der "k. u. k. Landes-Kommission für agrarische Operationen" vom 5. April 1899. Diese Landes-Kommission, die auf Anordnung der Ministerien für Inneres bestellt worden war, hatte eine Local-Kommission untergeordnet. Ihre Aufgabe bestand in der Durchführung der "Operation".
Zuerst war es notwendig, die in Frage kommenden Grundstücke neu zu vermessen. Bei dieser Vermessung teilte man die einzelnen Parzellen zugleich in die Kulturgattungen "Wiese" und "Hutweide" ein. Hierauf konnte der Preis pro Hektar für die ermittelten Wertklassen festgelegt werden. Zum Beispiel hatte ein Hektar Hutweide der Wertklasse I einen Preis von 360 Kronen und ein Hektar der Wertklasse IV kostete nach dieser Bewertung 176 Kronen.
Anschließend ermittelte man den Gesamtwert der vermessenen Fläche. Er betrug 6659 Kronen und vier Heller. Da jeder der vier Teilgenossen Anspruch auf 3/12 der Gesamtfläche gehabt hätte, wäre die Gesamtsumme durch vier zu teilen gewesen und der Anteil eines jeden als Geldwert wäre festgestanden. Diese an sich einfache Aufteilung scheiterte jedoch an einem Servitutsrecht.
Ein Kaufvertrag, der um ca. 1850 zwischen Raab in Angern einerseits und Andrejz in Obertöllern und Illtsch in Toppelsdorf andererseits geschlossen worden war, verzögerte den Vorgang. Gemäß diesem hatten die beiden Letztgenannten ein Weiderecht am Anteil des Raab. Die zwei Servitutsberechtigten waren daher in die Teilung einzubinden. Das Problem wurde so gelöst, dass man den Anteil des Raab nochmals in drei Teile teilte. Dabei aber das Drittel des Raab um 100 K höher berechnet als das der zwei Servitutsberechtigten.
Es galt noch eine Hürde zu nehmen. Und zwar wurde es im Zuge einer Grenzberichtigung notwendig, den Bauern Brod und Jure in Toppelsdorf eine Grundfläche von 705 m2 abzukaufen, deren Kaufpreis von den Teilgenossen getragen werden musste. Zuletzt entschloss sich noch der Teilgenosse Raab, dem Illtschbauern einen Teil seines Servitutsrechtes abzukaufen.
Nachdem dies alles geregelt war, rechnete man den Geldwert, der jedem der Teilgenossen zugesprochen worden war, in Grundfläche um und konnte somit an die Aufteilung der einzelnen Parzellen gehen.
Die Wege blieben im gemeinsamen Eigentum der Teilgenossen und Servitutsberechtigten. Es musste eine Lösung zu deren Verwaltung und Instandhaltung gefunden werden. In dieser Angelegenheit kam es zu folgender Übereinkunft: Kleinere Ausbesserungsarbeiten hatte derjenige durchzuführen, der den reparaturbedürftigen Weg am meisten nutzte. Sollten jedoch größere Wegherstellungen notwendig werden, sind diese nach Weisung eines "Rottmannes" durchzuführen. Der Rottmann wurde so ermittelt, dass 1903 vulgo Raab, 1904 Illtsch, 1905 Andrejtz, 1906 Tropper, 1907 Pobunz und 1908 Karo als solcher zu fungieren hatte, worauf die Reihenfolge von vorne wieder begann. Der Rottmann konnte als einziger eine Besitzerversammlung einberufen. Die Funktion des Rottmannes ist heute noch in der Bevölkerung bekannt, wird aber nicht mehr vollzogen.
An diesem Beispiel ist gut zu erkennen unter welchen Schwierigkeiten die Ablöse bzw. Aufteilung der vormals in herrschaftlichem Besitz befindlichen Güter abgelaufen sein musste. Noch bedeutender wird der Vorgang, wenn man sich vor Augen hält, dass mit ihm den Bauern ein über tausend Jahre auf ihren Schultern lastendes Joch abgenommen wurde.



Aus Hannes KASTRUN "Maria Rain" - im Wandel der Zeit; Eigenverlag 2000, S. 47-50

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