Köttmannsdorf

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Legenden und Sagen:

Die Salkweiber von Köttmannsdorf


Im Rosental konnte man in früheren Jahrhunderten ab und zu den Salkweibern begegnen, die dort eine ähnliche Rolle spielten wie in Oberkärnten die Saligen Frauen. Es waren dies schöne Frauen mit leider unförrmigen Füßen. Sie bewohnten die Höhlen am Ufer der Drau, die besonders am Nordufer häufig zu finden sind, wo die Sattnitzberge mitunter steil vom Fluß ansteigen. Die Salkweiber waren menschenscheu und nährten sich von Fischen. Wenn sie aber zufällig mit dem einen oder anderen Menschen zusammentrafen, so zeigten sie sich sehr hilfsbereit.

In Köttmannsdorf, das sich auf einer sonnigen Terrasse über dem linken Drauufer ausbreitet, hatten die Bewohner einige interessante Begegnungen mit den Salkweibern, die in den steilen Felsen unweit des Dorfes hausten. Ihre Höhle soll sogar ein Fenster und eine Tür besessen haben. Es wird behauptet, daß sich beim Wolf in Dornach bei Kappel an der Drau lange die eiserne Tür einer solchen Höhlenwohnung befunden habe.

Bei Köttmannsdorf lebte eine arme Bäuerin, die jeden Morgen sehr früh aufstand, um mit all ihrer Arbeit fertig zu werden. Während sie einmal schon vor dem Morgenläuten auf den Acker hinausging, um das reife Korn zu schneiden, schlich ein Salkweib in die Stube und legte sich ins Bett der Bäuerin, um sich auch einmal menschenwürdig auszuruhen. Als die Bäuerin nach Hause kam und die Schöne in ihrem Bett sah, schlich sie auf den Zehenspitzen hinzu und hob das lange, bis auf den Boden wallende Goldhaar auf das Bett. Darob erwachte die Schlafende, zog ein Haar aus ihrer schweren Strähne und reichte es der Bäuerin mit den Worten: "Setze dieses Haar auf dein Spinnrad, und die Leinwand wird in deinem Haus niemals ausgehen. Nur darfst du beim Spinnen nicht die Geduld verlieren!" Darauf verschwand die geisterhafte Frau.

Nun war die Bäuerin aber neugierig, was es mit diesem Haar für eine Bewandtnis habe. Sie setzte sich ans Rad und begann zu spinnen. Siehe da, der Faden nahm kein Ende, auch nicht zu Mittag, und auch nicht am Abend. Und in den folgenden Jahren war der goldene Faden immer noch auf dem Spinnrad.

Die Leinwand dieses Hauses galt jetzt weit und breit als die beste, und die Bäuerin gelangte bald zu großem Wohlstand. Aber einmal war die Frau schlechter Laune, als sie am Spinnrad saß. "Wird denn der Faden gar kein Ende nehmen?" rief sie. Kaum war der Vorwurf ihrem Mund entschlüpft, so war auch das Spinnrad leer. Die Bäuerin hatte aber in den letzten Jahren bereits soviel erworben, daß sie die folgende Zeit ohne Sorgen leben konnte.

Einmal ging ein Köttmannsdorfer Bauer vor Weihnachten aus dem Nachbardorf heimzu. Als er gerade über seine verschneiten Felder schlenderte, rief vom Felsen am Drauufer eine Stimme zu ihm herauf. "Bauer, sä' Bohnen!" Da der Bauer gerade gut aufgelegt war, ging er auf den vermeintlichen Scherz ein und säte ein ganzes Schaff voll Bohnen in den kalten Schnee. Als er am nächsten Morgen wieder an der bewußten Stelle vorüberkam, sah er hochgewachsene grüne Ranken, an denen freilich die Fruchthülsen fehlten. Als er mit Staunen dieses Naturwunder im Schnee betrachtete, hörte er dieselbe Stimme wie am Tag zuvor: "Bauer, laß deine Schweine aus dem Stall!"'

Der Bauer befolgte auch diese Aufforderung. Die Tiere stapften durch den Schnee und fielen grunzend über die grünen Stengel her. Der Mann freute sich mit den Schweinen, die mitten im Winter ein grünes Futter gefunden hatten. Als er aber näher hinsah, bemerkte er, daß die hohlen Stengel mit großen Bohnen dicht angefüllt waren. Nun holte der Bauer seine Frau, und beide waren voll Freude über den winterlichen Segen. Den edlen Salkweibern blieben sie Zeit ihres Lebens dankbar.

Aus Matthias MAIERBRUGGER "Kärntner Sagenbuch"
Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 1999, S. 245 - 246

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