Klagenfurt

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Legenden und Sagen:

Der Lindwurm in Klagenfurt


Als der Kärntner Herzog von der Karnburg aus das Land regierte, breitete sich dort, wo heute Klagenfurt liegt, ein großes Moor aus. Wildes Gestrüpp wuchs aus dem feuchten Moos, und fast immer brütete ein dichter Nebel über dieser Landschaft. Die unwirtliche Gegend, welche sich vom Wörther See weit nach Osten erstreckte, betrat nur selten eines Mensches Fuß. Doch auf den umliegenden Bergen wohnten fleißige Bauern. Wehe aber, wenn sich ihre Rinder oder Schafe zu nahe an das Sumpfgebiet heranwagten oder sich gar im nebligen Moor verirrten - sie kamen nicht mehr zurück.

Neuer Platz, Klagenfurt 1926 Im Sumpf hauste nämlich ein Lindwurm, ein unheimlicher Drache geflügelt und von einem schuppigen Panzer bedeckt. Wie ein Pfeil schoß der scheußliche Wurm auf seine Opfer los und verschlang Tiere und Menschen. Darum wagte sich niemand in seine Nähe. Selbst die tapfersten Männer fürchteten sein dumpfes Geheul und sein fürchterliches Knurren, das besonders bei schlechtem Wetter zu hören war.

Weil der Lindwurm immer gefräßiger wurde ließ der Herzog auf einer erhöhten Stelle am Rande des Sumpfes einen festen Turm bauen. Dann wurden weit und breit die Männer zusammengerufen, und der Herzog gebot ihnen, vom Turm aus das Ungeheuer durch List oder Gewalt zu erledigen. "Wer den Lindwurm zur Strecke bringt", rief der Herr des Landes, "dem gehören der Turm und das Land ringsum, und er bekommt noch reichen Lohn. Er soll frei sein, und wäre er nur ein Knecht!"

Nun taten sich wirklich einige Knechte zusammen. Sie banden einen fetten Stier an eine lange Kette, an der ein mächtiger Widerhaken befestigt war. Die Männer versteckten sich im Turm und konnten durch die kleinen Fenster die Gegend überschauen. Das Brüllen des gefesselten Stieres hallte fürchterlich über den Sumpf Lind lockte das Ungeheuer aus seinem Versteck. Gierig schoß es daher, und mit seinen Flügeln peitschte er das Wasser und den Morast auf. Weit öffnete er seinen schauerlichen Rachen, in dem unheimliche Zähne steckten. Mit seinen spitzen Krallen stürzte sich der Drache auf den zitternden Stier und begann, ihn zu verschlingen. Jetzt drang aber der gewaltige Widerhaken in seinen Gaumen, und wie ein Fisch an der Angel schlug er mit dem riesigen Schwanz wütend um sich. Je lebhafter der Lindwurm an der Kette zerrte, desto tiefer drang das spitze Eisen in seinen Rachen ein. Nun stiegen die Knechte aus dem Turm und erschlugen das Ungeheuer mit ihren Keulen.

Neuer Platz, Klagenfurt Das ganze Land war froh, als es von der furchtbaren Plage befreit war. An der Stelle des Turmes erbaute der Herzog ein schönes Schloß. Das umliegende Land wurde gerodet und trockengelegt. Bald konnten hier die Bauern den Pflug durch das Erdreich führen. Um das Schloß herum erbauten sie Häuser, und aus jener Ansiedlung soll sich später die Stadt Klagenfurt entwickelt haben.

Zum Andenken an den Kampf mit dem Drachen erhielt dir Hauptstadt Kärntens ein Stadtwappen, auf dem der Turm mit dem Lindwurm zu sehen ist. Und auf dein Neuen Platz in Klagenfurt wurde vor 300 Jahren ein großer Lindwurm aus Stein aufgestellt, dem sein Bezwinger mit erhobener Keule gegenübersteht. Dieser steinerne Lindwurm wird heute noch von jedem Besucher gebührend bewundert.

Aus Matthias MAIERBRUGGER "Kärntner Sagenbuch"
Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 1999, S. 224 - 225

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