Maria Rain

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Legenden und Sagen:

Die Gründung von Maria Rain


Auf sonniger Höhe, 130 Meter über dem Draufluß, liegt das liebliche Dorf Maria Rain. Seine weithin grüßende Wallfahrtskirche mit den zwei Zwiebeltürmen steht wunderschön vor der gewaltigen Felsenmauer der Koschuta.

Wie Maria Rain zu seiner schönen Kirche kam, erzählt eine sinnvolle Sage.

In den bitteren Jahren der Türkenzeit kamen jene Horden wieder einmal in die kärntnerischen Täler. Die Zisterziensermönche von Viktring bangten um ihr schönes Kloster und um die darin aufbewahrten Kostbarkeiten. In der Klosterkirche befand sich als heiligstes Kleinod eine goldene Monstranz, die drei Tropfen vom Blut Jesu enthielt. Wenn diese Monstranz ein Kranker im rechten Glauben küßte, so wurde er wieder gesund.

Die Mönche erfuhren frühzeitig das Nahen der Türken und wollten ihr wertvollstes Heiligtum unbedingt in Sicherheit bringen. Nach kurzer Überlegung entschloß man sich, die Monstranz in das benachbarte Maria Rain zu schaffen, das damals ziemlich abseits der Straße inmitten eines dichten Waldes lag. In jener Zeit gab es dort nur eine Einsiedelei hoch über der Drau, und man hoffte, daß die Türken diese Einschicht nicht finden würden.

Es war ein strahlender Frühlingsmorgen als sich viel Volk aus Viktring und Klagenfurt vor der Klosterkirche versammelte, um der kostbaren Monstranz mit der heiligen Reliquie das Geleit zu geben. Die Pilger schritten hinter der Ortschaft Stein mitten über junge Äcker und taufrische Felder hinauf gegen den Sattel und durch den dichten Wald zur Einsiedelei. Auf dem ganzen Weg, den sie mit ihrem Heiligtum etwas abseits der Straße eingeschlagen hatten, standen keine Halme und keine Blumen mehr aufrecht; zu arg hatten sie die schweren Schritte der Pilger in den Boden gedrückt. Die Bauern, denen diese Felder gehörten, murrten zwar etwas, waren jedoch nicht ernsthaft böse. Nur ein Bauer geriet über die zu Boden getretene Saat so in Wut, daß er auf die Pilger fluchte und sie in alle Winde verwünschte. Die Viktringer aber achteten nicht auf die häßlichen Schimpfworte, sondern traten mit ihrer kostbaren Monstranz in die Einsiedelei, soweit diese die gläubigen Menschen fassen konnte.

Als die Patres wieder aus der Kapelle kamen, standen alle Halme aufrecht auf den Fluren und nickten mit ihren Köpfchen der Sonne entgegen. Niemand merkte mehr die Spuren der Pilger. Nur auf dem Feld des Lästerers blieben die Gräser wie in den Boden gestampft. Nun schämte sich der grimmige Mann und tat den Schwur, anstelle der kleinen Kapelle eine Kirche erbauen zu lassen, wenn sich auch die Halme auf seinen Äckern und Wiesen wieder aufrichteten.

Tatsächlich geschah dies, und als die Türkennot aus dem Land gebannt war, baute der reuige Bauer dort, wo früher die Einsiedelei stand, jene stattliche Kirche, die in Maria Rain viel bewundert wird.

Aus Matthias MAIERBRUGGER "Kärntner Sagenbuch"
Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 1999, S. 248 - 249

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