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Frühzeitig
schon trieben die Heidebauern mit ihren Feldprodukten Handel, doch mussten sie
weit ihre Waren fahren, um die nächstgelegene Bahnstation zu erreichen. Was lag
daher näher, als das Bestreben, angeschlossen zu werden an das Netz der
Schiene. Dieses Bestreben führte zur Gründung der Neusiedlersee-Bahn
Aktiengesellschaft, die unter Mitbeteiligung der interessierten Gemeinden im
Jahre 1896 ins Leben gerufen wurde. Es wurde der Bau der Eisenbahnlinie von
Gelldömölk nach Nezsider (Neusiedl am See) im Anschluss an die schon
bestehende Eisenbahnlinie der Raab-Ödenburg-Ebenfurter beschlossen.
Der
Bahnbau wurde im Jahre 1897 begonnen und konnte am 18. Dezember 1897 als beendet
angesehen werden. An diesem Tage verkehrte der Eröffnungszug, der, - wie
derzeit (1937) noch in Wallern als Ruheständler lebende, als erster Bahnwärter
in dem Bahnwärterhaus Nr. 17 Dienst versehende Unterbeamte, Georg Igaz
erzählt, - aus einer Lokomotive und zwei Waggons bestand. Den Zug führte
der Lokomotivführer Sarik vom Heizhaus in Sopron, der zu diesem besonderen
Anlass den Dienst In Zylinder und Feiertagsgewand versah.
Eine
Abordnung des Gemeinderates der Gemeinde Wallern unter der Führung des Bürgermeisters
Franz Michlits begrüßte die Teilnehmer an der Eröffnungsfahrt.
Am
19. Dezember 1897 wurde der fahrplanmäßige Verkehr mit dem Zug Nr. 102
aufgenommen usw. mit je einem Zugspaar früh und abends, wobei die beiden Abendzüge
als gemischte Züge auch der Frachtenbeförderung dienten. Stationsleiter bei
der Linieneröffnung war in Valla - so die ungarische Bezeichnung der Station -
Karl Hackstock, der bis 1903 diese Stelle inne hatte, während den
Weichenstellerdienst der Unterbeamte Josef Szakados versah.
Im
Jahre 1899 wurde das Verlademagazin verängert. In diesem Lagerschuppen, der ca.
40 m lang aus Holz gebaut war, wurden die Landesprodukte gesammelt und zur
Verladung gebracht. Später diente er zur Einlagerung des Torfes, der in dem Fürstlich
Eszterházyschen Torfbruch gewonnen wurde und zum Versand gelangte. Die
monatliche Verfrachtung des Torfes betrug oft 35 - 40 Waggonladungen. Im Jahre
1908 fiel der Verladeschuppen einem Brande zum Opfer.
Im
Jahre 1912 wurde die Verladestation durch Anlage eines dritten Gleises erweitert
und so konnte nun in dem Bahnhofe ein Kreuzen und Vorfahren der Züge erfolgen.
Das
Gebiet des Waasens war seinerzeit ein ergiebiges Heuproduktionsgebiet.
Hauptlieferant war der Bauer Josef Engelbert. Auf der Hutweide hinter dem
Bahnhofe standen große Heutristen, von welchen mittels Heupressmaschinen das
Heu versandbereit gemacht wurden. Mit der fortschreitenden Entwässerung des
Waasens zwecks Gewinnung von Ackerland ist die Heuergiebigkeit zurückgegangen
und dient heute nur mehr der Selbstversorgung.
Der
Zuckerrübenanbau war anfangs sehr gering. Wenige Landwirte hatten einige kleine
Flächen mit Zuckerrüben bebaut. Die damals aus dem Gebiet um Wallern Zuckerrüben
beziehende Petöházer Zuckerfabrik hatte eine lange Kampagne. Die Rübenverladung
dauerte vom Oktober bis Feber.
Das
Jahr 1914 brachte dem Bahnhofe eine größere Belastung: Einrückende und
heimkehrende Soldaten, Städter, die zur Lebensmittelversorgung auf das flache
Land kamen, Verwundetenzüge und Militärtransporte. Diese Hebung des Verkehrs
bedingte abermals eine Erweiterung des Verladeplatzes, die im Jahre 1916 durch
Verlängerung des Verladegleises 1 erfolgt.
Vom
Jahre 1903 bis 1918 war Johann Poos Stationsvorstand, ihn folgte bis 1921 Frau Göllner.
Im Jahre 1923 wurde Matthäus Bacsich sen. mit der Führung des Bahnhofes
betraut.
Dem
Bahnhof Wallern erwuchsen nach dem Kriege neue Aufgaben. Der Zuckerrübenanbau
wurde stark betrieben. Österreich strebte die Selbstversorgung mit Zucker an.
Das Gleis 3 wurde zur Waggonaufstellung verlängert, gleichzeitig wurde ein
Sturzgleis gebaut. Die Fürstl. Eszterházysche Gutsverwaltung in Tadten baute
eine 7 km lange Kleinbahn zum Bahnhofe Wallern, damit man die Zuckerrüben der
Gemeinden Tadten und Andau bringen konnte.
Am
6. September 1924 wurde der Bahnhof Wallern der Fernschreibleitung der österr.
Linie angeschlossen.
Im
Jahre 1925 wurde der 1923 abgebrannte Güterschuppen neu aufgebaut. Gleichzeitig
wurde das Stationsgebäude vergrößert.
Am
1. März 1925 wurde im österr. Eisenbahnverkehr die Schillingrechnung eingeführt.
Seit
1.10.1928 wurde auf der Strecke Parndorf-Eszterháza der Personenzugverkehr mit
Triebwagenzügen durchgeführt. Im Herbst des selben Jahres wurde das Gleis 4
gebaut und der Verladeplatz zum teil gepflastert.
15.
August 1930: Die Personenzüge werden durch den Fahrdienstleiter mit dem
Befehlsstab abgefertigt.
Bahnoberoffizial
Matthäus Bacsich sen. trat am 4. Mai 1936 in den Ruhestand und Bahnoffizial
Franz Stangl übernahm am 4. Mai 1936 die Leitung des Bahnhofes. Im gleichen
Jahr wurde durch den Burgenländischen Rübenbauernbund ein Melassebehälter mit
Pumpe auf den Bahngrund errichtet.
Um
die Entladung der Rübenschnitte zu erleichtern, wurde neben dem Gleis 4 ein
Ladeplatz durch Pflasterung geschaffen und eine Verbindungsstraße zur
Bezirksstraße gebaut.
Mit
dem 4. Mai übernahm Bahnobersekretär Johann Mozes die Leitung des Bahnhofes,
nachdem Franz Stangl versetzt wurde.
Michael
Bacsich trat am 15. November 1941 als Fahrdienstleiter am Bahnhof Wallern ein.
Im September des selben Jahres wurde am Ortsausgang nach St. Andrä eine
Niederlassung der Bastfaser G.m.b.H. Fehrbellin errichtet. Die überaus große
Zufuhr von Hanf machte es erforderlich, dass im September 1942 ein Schleppgleis
zur Fabrik gebaut wurde.
Ostern
1945: Die Deutschen Truppen ziehen sich aus Ungarn zurück, sie sprengen die
Weichen, um nachfolgenden Russen den Vormarsch zu erschweren. Bahnhofvorstand
und Fahrdienstleiter flüchten mit ihren Familien mit dem letzten Personenzug
nach Westen. Weichensteller Karl C s e r übernimmt
aus eigener Initiative den Schutz des Bahnhofes, sorgt - so lange er konnte - für
die Ordnung und rettete manches Bahngut und Privateigentum vor Plünderung.
Durch Wachsamkeit und rechtzeitiges Abgeben von Haltsignalen gelingt es ihm vor
der Einfahrt in den Bahnhof die Entgleisung eines frühmorgens heranbrausenden,
schwer beladenen ungarischen Munitionszuges zu verhindern, der nach Westen
strebte. Das Magazin brannte zum zweiten Male ab. Die im Bahnhof stehenden etwa
90 Waggons mit Kleidern, Lebensmitteln usw. der ungarischen Wehrmacht wurden von
der Ortsbevölkerung ausgeräumt.
Im
Sommer 1945 kehren der Bahnhofsvorstand und der Fahrdienstleiter zurück, doch
es gibt nichts zu "leiten", denn der Verkehr steht still, nur einige
Russenzüge stören die Verkehrsruhe.
Im
Jahre 1946 verkehren Personenzüge nur fallweise, erst gegen Herbst wurde täglich
ein Personenzug in beiden Richtungen geführt. Die Waggontüren schließen
schlecht, die Fenster sind meistens mit Brettern vernagelt, denn die
Glasscheiben sind zertrümmert. Die Züge sind überfüllt, keine Beleuchtung,
im Winter keine Heizung.
Im
nächsten Jahr normalisiert sich langsam die Lage, es verkehren täglich schon
zwei Personenzugspaare, hin und wieder kommt ein Lastzug.
Der
Stationsvorstand Johann Mozes muss im April 1949 vor den Russen flüchten, denn
sie verdächtigen ihn der Spionage. Da sie den nach Oberösterreich, in die
amerikanische Besatzungszone Geflüchteten nicht haben konnten, verschleppten
sie seinen Sohn, Otto, der 6 Jahre lang in russischer Gefangenschaft war.
Der
Zuckerrübenverladeplatz ist seit Herbst 1955 elektrisch beleuchtet.
Nach
Mozes war Stefan Makrai vom Oktober
1949 bis März 1956 der Leiter der Station. Ihm folgte ab März 1956 Matthäus
Bacsich jun. als Stationsvorstand.
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