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Hexen - und Geistergeschichten

Mitte des 19. Jahrhunderts!

Der verhexte Fingerhut

Als die Frau des Bauern Andreas Lang, die geborene Rosalia Summer 4 Jahre alt war, fand sie auf der Straße im Graben einen Fingerhut. Sie trug ihn nach Hause und zeigte ihn ihrer Mutter. Diese schickte das Kind mit dem Auftrage zurück, den Fingerhut wieder auf den Fundort zu bringen. Das Kind tat es. Abends, als sie alle schliefen, fing das Kind zu schreien an und schrie die ganze Nacht hindurch, ohne sich besänftigen zu lassen. Dies dauerte 14 Tage lang. Die Eltern waren schon ganz verzweifelt, denn sie wussten keinen Rat. In ihrer Ratlosigkeit gingen sie zur alten Janisch-Base, die für alle Beschwerden ein Mittel wusste. Auf ihr Anraten nähten sie in den Saum des Hemdsärmels des Kindes den Docht einer geweihten Kerze und siehe da, das Kind hörte auf zu weinen und das Übel war behoben.
(Erzählt von der Mutter des Kindes, Frau Maria Summer, 1.1.1944.)

Der Kroiß- Vetter und die Hexen

Wie alte Leute erzählen, wohnte einst im jetzigen Engerthaus ein Mann namens Stefan Kroiß. Diesem geschah es öfters, wenn er nachts durch die Gasse ging, dass ihm Frauenstimmen zuriefen: "In Kasimir sind so schöne Häuser!" Dann packten ihn die Hexen und ritten auf ihm in den genannten Ort. Am anderen Tag war er dann todmüde und abgeschunden. Die Hexen holten ihn auch nachts aus seiner Stube. Als er auf seinem Totenbette lag, ging in seinem Fenster eine schwarze Bruthenne auf und ab, die sich nicht verscheuen ließ. Erst als er den letzten Atemzug machte, verschwand die Henne. Sie war eine Hexe.

Nach einer anderen Version sollen die Hexen den Kroiß- Vetter in einen Schimmel verwandelt haben auf dem sie nach Kasimir (Ort bei Halbturn in Ungarn) geritten sind.

Der Grünrock

Im Hause Hauptstraße 11 wohnte ein gewisser Sebastian Legl . Er fuhr eines Tages mit seiner Zille in den Waasen um Heu zu mähen. Im ganzen Waasen war kein Mensch zu sehen. Der Wastl dachte sich: "Teufl eini, machst an Juhezer, vielleicht rührt sich jemand." Das tat er auch. Bald hörte er auch ein fernes "Hulio" als Antwort. Dies wiederholte sich mehrmals. Das Jauchzen kam immer näher. Er mähte weiter, auf einmal tauchte vor ihm eine männliche Gestalt auf, die einen grünen Rock trug. Der "Grünrock" wie er genannt wird, sprach kein Wort, sondern ging immer neben dem Mäher einher. Es wurde Mittag und Legl nahm sein Brot und seinen Speck hervor, um sich zu stärken. Er bot auch dem unheimlichen Essen an, denn der Fremde wich nicht von seiner Seite. Obwohl Legl ursprünglich die Nacht im Waasen verbringen wollte, entschloss er sich jetzt, nach Hause zu fahren. Er sprang in seine Zille, stieß diese rasch vom Ufer ab und wollte entfliehen. Genau so flink war aber der Grünrock, der ebenfalls in die Zille sprang und mitfuhr. Daheim wich er ihm auch nicht von der Ferse. In seiner Not ging Legl zum Pfarrer, um dort Rat zu holen. Der Pfarrer schrieb ihm einen Brief, den drückte er dem Grünrock in die Hand worauf sich dieser entfernte. Seit der Zeit sah ihn niemand mehr.
(Erzählt von Andreas Schneider, Wallern, Hauptstraße 9 und von Josef Salz, Bahnstraße 28, 1.2.1944)

Der Leier Franzl und die Hexen

Die Schmied-Leier wohnten in der Hauptstraße. Sie hatten einen Sohn, Namens Franz, der durch die Hexen schwer lungenkrank war und auf dem Fuße eine offene Wunde hatte. Er trug einen Kittel, der aber nach dem Waschen während des Trocknens immer wieder verschwand. Auch wenn der Boden gesperrt war, fehlte am anderen Tage der Kittel, während die anderen Wäschestücke unberührt blieben. Nachtwächter beobachteten wiederholt in der Nacht Donnerrollen und Blitzen auf dem Boden, ohne das sie die Ursache herausfinden konnte. Dies wiederholte sich solange der Bub lebte. An diesen Vorgängen sollen die Hexen Schuld gewesen sein.

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