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Drei
Tage vor der Hochzeit gehen die Bittmänner um und laden die Hochzeitsgäste
ein. Die Bittmänner sind die Taufpaten der Braut und des Bräutigam. Alle, die
auf die Hochzeit gehen, schicken oder bringen Bäckereien, Torten, Geflügel
oder andere Hochzeitsgeschenke in das Brauthaus.
Am Vorabend der Hochzeit wird zur allgemeinen Besichtigung die Wäscheausstattung
der Braut im geöffneten Kasten zur Schau gestellt. Auch die Hochzeitsgeschenke
werden bewundert.
Ist die Braut von einem anderen Ort, so bringen am Tag vor der Hochzeit die
Brautmutter, die Großmutter und andere alte Frauen die Bettwäsche der Braut
mit Wagen.
Die Tuchenten und Polster werden oft durch Stecken aufgespreizt, dass der Wagen
recht voll beladen aussieht. Die Pferde des Fuhrwerks werden von einer Frau
gelenkt.
Der Bräutigam geht am Tage der Hochzeit mit seiner Verwandtschaft zum Haus der
Braut. Wenn der Bräutigam dort ankommt, schickt man ihm ein altes Abwaschweib
entgegen. Die stellt sich als Braut vor, wird aber vom Bräutigam nicht
anerkannt. Erst wenn die richtige Braut kommt, wird sie vom Bräutigam herzlich
begrüßt und der Hochzeitszug bewegt sich dann zum Standesamt und dann zur
Kirche. Einige erscheinen schon am Vortag beim Standesamt zur staatlichen
Trauung und gehen wie die Zeugen sowie die Brauteltern mit.
Heiratet
eine Jungfrau, so geht sie in weiß und trägt einen Myrthenkranz mit Schleier.
Sie wird an der Spitze des Hochzeitszuges
vom Brautführer geführt, hinter ihr geht der Bräutigam mit der Brautführerin,
auch Kranzeljungfer genannt. Hatte die Braut aber schon ein Kind, so trägt sie
ein dunkles Kleid und ein weißes seidenes Kopftuch. Sie geht mit den Weibern
hinter den Männern, die mit dem Bräutigam gehen. Während des Hochzeitszuges
ist alles, was Hände und Füße hat auf der Gasse, um die Brautleute zu sehen.
Es wird hauptsächlich beobachtet, ob die Braut weint und wie sie geht und wie
sie schaut.
Hinter einigen Haustoren warten versteckte Schützen auf die Rückkehr des
Brautzuges aus der Kirche und geben drei Ehrenschüsse ab. Die Hochzeit - in früheren
Jahren sagte man "Muhlzeit" oder "Ehrentag" - wird im
Elternhaus der Braut abgehalten. Wenn die Brautleute aus der Kirche heimkehren,
liegt ein Besen auf der Türschwelle. Steigt die Braut drüber, ohne ihn
aufzuheben, ist es das Zeichen, dass sie eine schlechte Hausfrau wird. In
manchen Häusern überreicht man der Braut eine als Wickelkind eingemachte
Puppe. Die Braut übernimmt sie und behält sie bei sich. Das junge Ehepaar
bleibt bei der Tür stehen und empfängt die Glückwünsche aller Anwesenden. Zuerst wünschen die Eltern der Brautleute alles Gute, dann wünschen die
anderen einen glücklichen Ehestand. Es wird dabei herzzerreißend geweint, denn
das ist Sitte.
Vor
dem Mittagessen beginnt der Tanz, den der Brautführer mit der Braut eröffnet.
Es wird den ganzen Tag gesungen und getanzt. Beim Singen müssen die
Jungverheirateten immer mittun. Beim ersten Tanz wird die Braut mit Zuckerln und
Konfetti beworfen.
Das
Nachtmahl ist um ca. 8 Uhr abends. Es wird wieder frisch gekocht. Gegen Ende des
Nachtmahls kommen die Abwaschweiber mit verbundenen Händen in das Zimmer
mit einem
Schöpflöffel in der Hand und erzählen folgende Geschichte: "Also meine
liaben Herrn, ihr wißt, dass ma bei so anem Ehrentag recht vül Gschirr
braucht. Da ham uns den Hiasl aufgnumma, weil ma denkt ham, das is a tüchtiga
Fuhrmann, mit dem wern ma Gschirr kafn fohn. Wia ma ollas schei aufpackt kobt
ham und scha a scheins Stickl auf da Stroß gfohn sein, dou kimmt a Auta daher
und da Rappl is fuchsteiflswild won und da bledi Hiasl hat a nit gwusst, was a
tuan soll und hat ins mitsamt dem Gschirr in Grabn eingschmissn. Alle in
Ohnmacht sein ma glegn und ham uns nit rihrn können. Das Bluit is ins af alle
Seitn oigrunna. Da Hiasl hot uns afn Wogn gschmissn und is mit uns auf und davon
gfohn. Das Gschirr ham ma ollas liegnlossn miassn, wal ollas hin woa. So wos
args ham ma derlebn miassn. Derbarmts enk, meine liabn Hearrn und nehmts enk z´Herzn
und spendt´s a bissl dazui, dass uns da Schodn goar so schwar follt!"
Hierauf
gehen die "verunglückten" Frauen von Gast zu Gast und sammeln mit
ihren Schöpflöffeln die Spenden ein.
Gegen
10 Uhr abends kommen zum Hochzeitshaus die ungeladenen Gäste: Mädchen und
Burschen, sie kommen zu den "Wilden Tänze". Drei Stückl werden
gespielt und alles tanzt untereinander.
Zu
Mitternacht gibt es wieder zu essen; entweder Paprikasch oder Gulyas. Nach dem
Essen, pünktlich zu Mitternacht, wird der Schleier der Braut gelöst und
heruntergetanzt. Sie bekommt dann ein weißes Kopftuch. Die Gäste bleiben
meistens bis ca. 3 Uhr früh beisammen und mit ihnen das Brautpaar. Vorher wird
noch das Lied: "So leb denn wohl, du stilles Haus..." gesungen und
gespielt. Das Lied wird immer mit Schluchzen und Weinen begleitet.
In
der Früh verabschiedet sich der junge Ehemann von seiner Frau und wird mit
Musik nach Hause begleitet. Die Frau folgt ihm erst nach einigen Tagen, meistens
Samstag abend in Begleitung ihrer Taufgoldl oder ihres Vaters.
Stammt die Braut aus einem Nachbarort, wird das Hochzeitsmahl im Hause ihrer Eltern abgehalten. Im Laufe des Nachmittags, gegen Abend, kommen die Jungvermählten und sämtliche Gäste mit geschmückten Wagerln und Pferden ins Dorf und fahren dreimal um die Mariensäule herum, die mitten auf dem Dorfplatz steht. Bei der dritten Umfahrt wirft die Braut einen lebenden Henne unter das umstehende Volk, das sich lebhaft darum balgt.
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