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Im Innsbrucker "Volksboten" stand zu lesen: In ihrer unermüdlichen und wie selbstverständlich wirkenden Hilfsbereitschaft gegenüber den vielen Tausenden von ungarischen Flüchtlingen gab und gibt die Grenzbevölkerung des österreichischen Burgenlandes ganz Europa ein Beispiel. Ganz besonders aber muss das Dorf Wallern hervorgehoben werden. Dort brauchte kein Stützpunkt des Roten Kreuzes oder eine andere Hilfsorganisation errichtet werden. Die Bauern, Arbeiter und Handwerker des Dorfes rechen es sich zur Ehre an, den Flüchtlingsstrom, der Nacht für Nacht über die Grenze kommt, allein zu bewältigen.
Nacht für Nacht fahren die Burschen mit Traktoren hinaus an den Einser-Kanal und bringen die erschöpften, frierenden, durchnäßten Ungarn ins Dorf. Im Auffanglager werden die Flüchtlinge gelabt, können ihre Kleider trocknen und wechseln. Dann nehmen sie die Wallerner in ihre Häuser auf, wo sie schlafen können. Jede Familie versorgt "ihre" Flüchtlinge, bis sie, meist erst am nächsten Abend, von den Autobussen abgeholt werden - und von der Grenze der nächste Schub kommt -. 800 waren es schon manche Nacht, aber keiner musste im Auffanglager zurückbleiben. Mehr als 6.000 waren es bisher insgesamt. Wochenlang kam das Dorf auch für die Verpflegung allein auf, bis es einfach über seine Kräfte ging. Seither schickt das Rote Kreuz Lebensmittel zur Unterstützung. Aber die unmittelbare Hilfe leisten die Wallerner weiterhin allein. Soweit im Innsbrucker "Volksboten".
Und dies ist keine Übertreibung. Als der Flüchtlingsstrom begann und immer mehr und mehr Flüchtlinge - Männer, Frauen und Kinder - über den Kanal kamen, zeigte sich das gute Herz unserer Bevölkerung. Ohne Unterschied, ob reich oder arm, jedes Haus wetteiferte im Helfen. Im Auffanglager in der "Alten Schule" waren die Flüchtlinge immer nur kurze Zeit, denn es kamen immer wieder Frauen und Männer, die die Armen in die Wohnung zum Essen und schlafen mitnahmen. Die meisten Flüchtlinge waren wirklich zum erbarmen. Viele kamen aus Budapest, andere von noch weiter her. Alle mussten durch Wiesen und Wälder über Äcker und unwegsame Gelände 30 - 40 und mehr km in ständiger Todesangst bei Nacht und Nebel bis zur österreichischen Grenze marschieren. Und dann standen sie vor dem Kanal, dem letzten Hindernis in die Freiheit. Die mit einem ortskundigen Führer kamen, konnten den Kanal trocknen Fußes überqueren, denn es stand zu dieser Zeit zufällig ein Baggerschiff im Kanal, von welchem ein schmaler Steg zum österreichischen Ufer führte.
Auf diesem Wege war das Herüberkommen verhältnismäßig einfach. Die Schiffsbesatzung und die Grenzsoldaten, die den Flüchtlingen behilflich waren oder zumindest beide Augen zudrückten, ließen sich aber ihre Hilfsbereitschaft gut bezahlen. Sie verlangten bis zu 1.000 Forint oder Schmuck - Ringe, Ohrgehänge usw. - für das Durchschleusen. Mittellose ließen sie auch so durchgehen. Außer den Juden kamen fast alle mittellos bei uns an, nur mit dem, was sie am Leibe hatten. und das war meistens recht fadenscheinig und arm. Trotz der winterlichen Kälte durchschwammen mehrere junge Männer und Kanal, denn sie kamen ohne Führer und sahen keine andere Möglichkeit zur Übersetzung. Manchmal irrten sie stundenlang mit durchnäßten Kleidern in der Nacht herum, bis sie endlich ganz durchfroren in Dorf fanden. Die Hunde schlugen an, Hoflampen wurden aufgedreht, hilfsbereite Menschen riefen die vor Kälte schnappernden Ungarn ins Haus, halfen ihnen aus dem nassen, eisigen Kleidern und steckten sie dann in die warmen Betten, die sie selbst vor Kürze verlassen hatten. Beispiele der tätigen Nächstenliebe sah man täglich. Als von der katholischen Hilfsorganisation "Caritas" und vom Roten Kreuz der Aufruf zum Spenden für die ungarischen Flüchtlinge erging, beteiligte sich noch jedes Haus mit Geld und Sachspenden, obwohl schon jeder bisher an Kleidungsstücken und Wäsche alles Entbehrliche hergegeben hatte.
Bald
errichteten obige Hilfsorganisationen und der Malteser-Ritterorden in einer
Klasse der Volksschule ein Kleiderlager, wo jeder Flüchtling ordentlich
eingekleidet wurde. Diese Arbeit verrichteten die Lehrerinnen unter Leitung der
Frau Schuldirektor Mollay. Auch andere hilfsbereite Frauen widmeten ihre
Freizeit dem guten Werk. Als das Rote Kreuz für die Verpflegung der Flüchtlinge
sorgte, bemühte sich die Frau Oberamtmann Tschida mit ihren Helferinnen, den
Hunger der Flüchtlinge zu stillen. Für die Kranken sorgte unser Gemeindearzt
Dr. Böhme. Die Organisation der ganzen Hilfsaktion oblag dem Herrn Pfarrer
Haider, dem Herrn Oberamtmann Tschida und dem Herrn Bürgermeister Fink, die Tag
und Nacht zur Verfügung standen, wenn es galt, die Flüchtlinge mit Autobussen
weiter zu transportieren oder fehlendes nachzuschaffen. Rühmlich wollen wir
auch der freiwilligen Feuerwehr gedenken, die Tag und Nacht in dem Auffanglager
Bereitschaftsdienst versah, sowie der Männer und Burschen, die in den Nächten
mit Traktoren entlang der Grenze auf und abfuhren, um die Flüchtlinge
aufzulesen, und so schnell wie möglich ins Dorf zu bringen.
Unsere
Bevölkerung hat die Bewährung in dieser Notzeit glänzend bestanden. Ihr
goldenes Herz, ihre tätige Nächstenliebe soll nicht vergessen sein, sondern in
Erinnerung bleiben als leuchtendes Beispiel für spätere Generationen.
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