Aus den Kanonischen Visitationen der Diözese
Raab im 17. Jahrhundert
von Pater Josef Graisy
Bearbeitet von Konrad Unger
(c) 2011, zur Verfügung gestellt von
Martin Steiner.
| Pamhagen - Wallern | Zusammenfassung Wallern | Tadten |
Pamhagen und Wallern - Visitation ab dem Jahr 1652
Die Evangelische Kirchenvisitation von Pamhagen und
Wallern 1652
Am 18. September wurde zu Pamhagen im Komitat Wieselburg die Kirche
visitiert, die der Kreuzerhöhung geweiht ist. Durchgeführt wurde diese
Visitation von folgenden Herren:
Gregor Musay, Superintendent des Augsburgischen Bekenntnisses des Gebietes
diesseits der Donau, Matthäus Müller, Pastor der Kirche zu Güns und Senior
der benachbarten Kirchen, Gottfried Rupert, zur Zeit Pfarrer der Gemeinden
Illmitz und Apetlon, Christoph Melchior de Zuana, Pfarrer von Pamhagen und
Wallern.
Bei der Besprechung waren anwesend
Georg Kyrein, Richter von Pamhagen, 33 Jahre alt, Ambrosius Phlilipp,
Kirchenvater, Andreas Muhr, 47 Jahre alt, Michael Gutschl, 60 Jahre alt,
Johannes Andert, 50, Matthias Obrecht, 35 Georg Hauser, 70 Jahre alt.
Aus der Filiale Wallern waren anwesend
Ambrosius Kyrein, Richter von Wallern, 45 Jahre alt, Augustinus Unger, 48
Jahre, Martin Schneider, 30 Jahre alt.
Gemeinsam und einzeln nahmen sie, sich auf ihr gutes Gewissen berufend, zu
folgenden Punkten Stellung:
Dem Seelsorger betreffend
Die ganze Gemeinde der Gläubigen lobt die Treue und den Eifer des Herrn
Pfarrers. Sein Lebenswandel sei innerhalb des einen Jahres so lobens- und
empfehlenswert gewesen, dass ihm in der ganzen Gemeinde niemand etwas
Nachteiliges nachsagen könne. Soweit es auf sie ankäme würden sie bitten,
dass er für weitere Jahre bei ihnen bleiben möge. Da er aber von höherer
Autorität des Komitates Ödenburg abberufen würde, könnten sie sich dem nicht
widersetzen.
Damit nun nach Abberufung des Herrn Zuana die Pfarre nicht unbesetzt bliebe,
waren wir Visitatoren der Meinung, für einen Nachfolger sorgen zu müssen.
Kraft unserer pastoralen Vollmacht bestellten wir als Nachfolger Herrn
Wolfgang Matthäus Müller, einen fein gebildeten und überaus gelehrten Herrn.
Er ist der Sohn des Seniors des ehrwürdigen Konsistoriums und Pfarrers von
Güns, Matthias Müller, der ja als Mit-Visitator hier anwesend war. Wir
beschlossen, dass der Nachfolger auf der kommenden Kirchensynode zu
Lutzmannsburg im Komitat Ödenburg für sein Amt bestellt werden sollte.
Was seine Gläubigen betrifft, hatte der Pfarrer nur über einen zu klagen,
nämlich über einen Simon Plausper. Schon der verstorbene Herr Bachmann, wie
auch sein Nachfolger, haben ihn ermahnt, doch zu den Sakramenten zu gehen.
Sie sind in sein Haus gegangen, haben ihn in den Pfarrhof rufen lassen. Es
hat alles nichts genützt. Er ist so hart geworden, dass er den anderen
Gläubigen Ärgernis gibt. Wir haben ihn kommen lassen. Mit erhobener Hand hat
er uns und der ganzen Gemeinde versprochen, sich zu bessern und sich bereit
erklärt, wieder zu den Sakramenten zu kommen.
Über die Kirche
Die Kirche steht auf einer Anhöhe zwischen der Mutterpfarre und der Filiale.
Sie ist ohne jegliches Einkommen.
Vorhanden sind:
Zwei Kelche mit Schalen, einer in der Mutterkirche, aus Silber, aber
vergoldet, der andere in der Filiale, aus Kupfer, jedoch auch vergoldet.
Auf den Altären und an der Kanzel sind Tücher. Speisekelche sind 13
vorhanden. Sie werden vom Pfarrer aufbewahrt und vom Kirchenvater in Ordnung
gehalten.
Vorhanden sind auch drei Zinnkrüge.
In der Filiale Balla befinden sich:
Ein Teppich, drei Altartücher, ein Krug mittlerer Größe und 2
Messingleuchter.
Zur Kirche gehören auch:
Eine deutsche Bibelkonkordanz von Konrad Agricola. Das Konzil von
Trient, in deutscher Sprache. Ein Summarium über die Bibel. Zwei Exemplare
der "Agenda Austriaca", eines in der Kirche, eines im Ort. Josephus
Historicus: "De Antiquitatibus" und "de bellis Judaicis”.
Es sind drei Glocken vorhanden, eine im Kirchturm, die zweite im Ort und die
dritte in der Filiale Balla.
Über den Besitz der Pfarre
Im Ort Pamhagen befindet sich das Pfarrhaus. Es ist gegen Norden hin
gelegen. Die Nachbarn sind auf der Westseite Andreas Muhr, auf der Ostseite
Georg Patsch.
Zur Pfarre gehört ein Acker, genannt "Pfennig-Bühel". Auf diesem können
fünfeinhalb Motzen Frucht angebaut werden. Pflügen und Anbauen besorgen die
Bewohner von Wallern. Jetzt aus Gefälligkeit, früher war es Pflicht. Das
Saatgut muss der Pfarrer stellen.
Hinter dem Haus des Veit Schaffer und dem Garten des Johann Andert hat der
Pfarrer auch einen Garten. Wiesen sind zwei vorhanden, die eine im "Pfaffendinstrath"
erbringt pro Jahr 25 Fuhren Heu, die zweite, genannt die "Pfaffengrub", 8
Fuhren. Diese zweite kann aber nur dann gemäht werden, wenn die angrenzenden
Felder bebaut sind. Wenn aber diese Felder brachliegen und abgeweidet
werden, bekommt der Pfarrer von der Filiale als Ersatz eine Wiese im
sogenannten "Brandgraben".
Das Mähen der Wiesen besorgen in beiden Gemeinden die jungen Männer, das
Zusammentragen besorgen die Mädchen. Der Pfarrer stellt dafür das Essen und
den Trunk. Das Einfahren des Heues erfolgt in Wallern jetzt aus Pflicht, in
Pamhagen jedoch freiwillig, wenn der Pfarrer darum ersucht.
Über das Einkommen des Pfarrers
In der Mutterkirche
An Geld jährlich 60 Gulden. Dazu anstatt des "Sechzehntels" pro Jahr 4
Gulden. Für den Frühgottesdienst zahlen die Pamhagener pro Haus im Jahr ein
Viertel Metzen Weizen. Das macht im ganzen 16 Metzen. An jedem Mittwoch
erhält der Pfarrer vom jeden Fischfang bei dem mehr als 15 Fische gefangen
worden sind, je einen Fisch, den der Richter einfordern muss. Sind es
weniger als 15, dann bekommt er nichts.
Zusätzliche Einkommen
Für eine Hochzeit zahlten sie früher 20 Denare, jetzt sind es 50. Bei einer
Taufe zahlen die Taufpaten je einen Groschen. Bei einem Fürgang geben die
Leute einen Laib Brot und ein Huhn, oder 6 Groschen. Für ein Begräbnis mit
Predigt einen Gulden und fünf Denare, ohne Predigt einen Laib Brot und ein
Huhn, oder wieder 6 Groschen.
Sind Burschen oder Mädchen zum ersten mal Taufpaten, schenken sie dem Herrn
Pfarrer ein Paar Handschuhe oder Ähnliches. Jedoch weder Holz noch Schilf.
Im Winter allerdings können sie auch Holz geben. In diesem Fall muss aber
der Herr Pfarrer das Holz abholen lassen.
Das Einkommen aus der Filiale Balla
Hier bekommt der Pfarrer jährlich 30 Gulden. Anstelle des "Sechzehntels"
erhält er hier 3 Gulden. Von der Wiese in dieser Gemeinde erhält er 6 Fuhren
Heu. Auch hier erhält er von jedem Fischfang einen Fisch. Bei Hochzeiten,
Taufen und Begräbnissen erhält er dasselbe wie in Pamhagen.
Über die Aufgaben des Pfarrers
Der Pfarrer muss an Sonntagen in der Kirche predigen. An Feiertagen muss er
nach alter Gewohnheit nach dem Gottesdienst in Pamhagen auch in Wallern
predigen. Wenn aber die Wallerner einmal eine Kirche haben werden, die zu
bauen sie versprochen haben, dann wird geregelt werden, wann und wie der
Pfarrer auch zu ihnen kommen wird. So oft er aber jetzt schon zu ihnen
kommt, muss er mit dem Wagen abgeholt und nach dem Essen wieder
zurückgebracht werden.
Über die Schule
In Pamhagen befindet sich seit Menschengedenken eine
Schule. Sie befindet sich im südlichen Teil des Ortes. Nachbar der Schule
ist Andreas Fleischhacker. Der jetzige Schulmeister heißt Felix Sadolinus
und kommt aus Böhmen.
Über das Einkommen des Lehrers
Der Lehrer bekommt pro Person, die bereits beim Abendmahl war, einen halben
Groschen. Von jedem Haus einen Laib Brot und für jedes Kind 25 Denare und
eine Fuhr Schilf-Rohr. Für seine Schreibarbeiten bekommt der Lehrer einen
Metzen Getreide. Für ein Begräbnis bekommt er 2 Groschen. Der Lehrer muss
mit den Kindern auch singen und in der Kirche spielen.
In Wallern gibt es kein Schulhaus, Unterricht wird aber gegeben von einem
alten Mann, dem die Gemeinde aus Gefälligkeit 14 Gulden und vier Metzen
Frucht gibt. Dazu erhält er noch für jedes Kind, das er unterrichtet 25
Denare.
Anmerkungen
Dieser Bericht über die Evangelische Kirchenvisitation der Gemeinden
Pamhagen und Wallern aus dem Jahre 1652 stammt aus einer Arbeit des Herrn
Peter Jandrisevits mit dem Titel: "Urkunden und Dokumente über das
Burgenland aus den Jahren 1550 – 1660.
Diese Arbeit ist nicht gedruckt, sondern nur mit einer Schreibmaschine
geschrieben. Es sollen nur drei Exemplare davon in lateinischer Sprache
existieren. Eines davon war zur Zeit dieser meiner Arbeit im
Burgenländischen Priesterseminar in Wien. Von dort konnte ich mir das Buch
ausborgen, den Bericht abschreiben und übersetzen. Vom dem Latein schreibt
Jandrisewits selbst, dass es voller Fehler sei. Es war nicht immer leicht,
einen richtigen Sinn herauszulesen.
Einige Ausdrücke bedürfen einer Erklärung.
Da ist die Rede von einem Sechzehntel. Damit ist gemeint der sechzehnte
Teil von jenen Abgaben, die ein Bauer dem Bischof in Raab zu leisten hatte.
Das war der zehnte Teil von allen Feldfrüchten, die er im Jahr geerntet hat.
Bei den Einkommensangaben des Pfarrers und Lehrers kommen diese Geldwerte
vor: Gulden - Kreuzer - Schilling - Groschen – Denare.
Zur Orientierung mögen diese Angaben dienen
Ein Gulden waren 60 Kreuzer, oder 20 Groschen, oder 100 Denare, oder 8
Schilling.
Um eine ungefähre Vorstellung zu bekommen, was man mit einem Gulden hat
damals kaufen können, beachte man die Angabe, dass der Pfarrer für eine
Leiche ohne Predigt, oder bei einem Fürgang bekommen hat: einen Laib Brot
und ein Huhn, oder 6 Groschen.
Aus der Zelt der Kaiserin Maria Theresia, die allerdings 100 Jahre später
gelebt hat, stammen folgende Vergleiche. Ein Maurer oder Zimmermann
verdiente pro Tag 25 Kreuzer, ohne Kost. Oder, ein Schaf kostete damals zwei
bis drei Gulden, ein Ochs zwischen 40 und 60 Gulden.
Zu beachten ist, dass in damaliger Zeit Pfarrer und Lehrer von der Gemeinde
bezahlt worden sind.
Visitation im Jahr 1659
Am selben Tag
(8. März) visitierte ich die Kirche, die dem Heiligen Kreuz geweiht ist. Sie
sieht aus, wie auch sonst die Kirchen der Nicht-Katholiken aussehen. Das
Kirchweihfest feiern sie am Sonntag nach dem Fest Kreuz-Erhöhung. Der Turm
ist aus Steinen gebaut und hat eine Glocke. Der Friedhof ist mit einer
Mauer umgeben. Der Fußboden der Kirche ist mit Steinen ausgelegt, die Decke
besteht aus Holz. In der Kirche sind 4 Altäre. Der Hauptaltar zeigt ein Bild
des Gekreuzigten, auf Holz gemalt. Auf dem ersten Seitenaltar steht die
steinerne Kanzel, über den zweiten führt eine Treppe auf das Chor, der
dritte Seitenaltar steht leer da. Das Chor ist ein Doppel-Chor und hat auch
eine Orgel.
Antipendien sind zwei vorhanden, beide von einfacher Art. Altartücher gibt
es zwei und dazu zwei Unterlagen. Vorhanden sind auch 2 bronzene
Kerzenleuchter, ein Kelch aus vergoldetem Silber mit entsprechender Patene.
Einkommen hat die Kirche keines. Für den Bau sind beide Gemeinden
verantwortlich. Den Friedhof haben sie auch gemeinsam. Der Mesner ist
Lutheraner. Für seinen Dienst erhält er nichts.
Die Bewohner sind alle Häretiker, ganz harte Lutheraner, ausgenommen ein
Fleischhauer und einige wenige Knechte. Man kann sich gar nicht erinnern, ob
je ein katholischer Seelsorger hier war. Der Pfarrer heißt
Anton Schubert, stammt aus Schlesien und ist ein eifriger Häretiker. Von
den Seinen wird er ob seines Eifers gelobt.
Als Einkommen bekommt er von Pamhagen 60 Gulden. Dazu bekam er auch früher
von jedem Haus einen halben Motzen Weizen. Jetzt allerdings ist es um die
Hälfte heruntergegangen. An vier Tagen der Woche hält er in Pamhagen
Gottesdienst. Er hat auch zwei Joch bebaubares Feld, das die Bauern von
Wallern ackern müssen. Für die Ernte sorgt er selbst. Desgleichen hat er in
Pamhagen auch eine Wiese. Diese wird von jungen Burschen gemäht. Mädchen
sorgen für die Heuarbeit. Dafür gibt er den jungen Leuten ein Mittag- oder
Abendessen. Heimgefahren wird das Heu von den Bauern.
An diese Wiese hier in Pamhagen stößt ein Fischteich an, genannt "Taffenteich".
Wie aus früheren Visitationen zu ersehen ist, hat dieser Teich früher dem
Pfarrer gehört. Jetzt beansprucht ihn ein Bauer. Die Fischer sind
verpflichtet, bei einem Fang von wenigstens 16 Fischen, einen dem Pfarrer
abzuliefern, was nicht alle tun.
Der Pfarrer erhält für eine Trauung 50 Denare, für eine Taufe 30, für einen
Fürsegen ein Brot und ein Huhn, für Begräbnis mit Predigt 1 Imperial, ohne
Predigt, ein Brot und ein Huhn, für eine Krankenkommunion 10 Denare.
Wallern - hier Ballern genannt - ist eine Filiale von Pamhagen. Da
selbst ist keine Kirche. Diese Gemeinde zahlt dem Pfarrer 30 Gulden pro
Jahr. Dazu 6 Fuhren Schilfrohr. In Wallern hat der Pfarrer 2 Wiesen, die so
bearbeitet werden, wie in Pamhagen. Auch die Stolgebühren sind die gleichen.
Die Bewohner sind auch hier alle Deutsche und auch Häretiker, ausgenommen
zwei Kleinhäusler, ein Schmied, einige Knechte und Mägde.
In Pamhagen gibt es einen Schulmeister namens Johannes
Klein. Er stammt aus Siebenbürgen, ist fleißig im Unterrichten der
Kinder. Für jedes Kind bekommt er 25 Denare, ob er ihnen Lesen oder
Schreiben beibringt. Dazu bekommt er von jeder Person, die schon zur Beichte
geht, 2 Groschen. Desgleichen von jedem Haus ein Brot.
Das Pfarrhaus und die Schule müssen von der Gemeinde Pamhagen gebaut werden.
Der Prädikant pflegt an den einzelnen Feiertagen in die Filiale Wallern
(Bollern) zu gehen, um in einem Haus Gottesdienst zu halten. Deshalb gibt es
in der Filiale eine Glocke, die an einem Holzgestell hängt, um damit das
Zeichen zum Gottesdienst zu geben. Auch am Morgen und Abend wird damit
geläutet.
Visitation im Jahr 1663 - Wechsel des
Gutsherrn - Wechsel der Religion...
Am 25. Januar visitierte ich die Kirche, die dem Heiligen Kreuz geweiht ist.
Das Weihefest feiern sie am Sonntag nach Kreuz-Erhöhung. Der vordere Teil
der Kirche hat ein Gewölbe, der größere Teil der Kirche aber ein Gebälk. Die
Kanzel ist aus Stein, das Chor aus Holz. Altäre im Ganzen vier. Der
Hauptaltar zeigt Bilder, die übrigen drei sind wegen der Sorglosigkeit der
Häretiker außer Gebrauch. Der Turm ist aus Stein, gut gedeckt, der Friedhof
mit einer Mauer umgeben. Die Kirche steht auf einer Anhöhe.
Die Kleinodien der Kirche
Vorhanden sind:
1 Kelch aus vergoldetem Kupfer mit zwei Patenen aus
vergoldetem Silber, 1 Messbuch, 1 Burse, 1 Kelchtüchlein, 2 Korporalien, 6
Kelch-Velen, 1 Kanontafel, vier Kerzenleuchter aus Bronze, ein Taufbecken
aus Stein, ein Kupfergefäß für das Weihwasser, zwei Antipendien, sechs
leinene Tüchlein, 2 Zinngefäße für die heiligen Öle, eine Dose für das
geweihte Salz, eine Gottesdienstordnung, zwei kleine Altäre, eines für
Pamhagen, eines für Wallern, eine Altarglocke zwei Teppiche, eine Orgel,
einen tragbaren Altar, eine Truhe für die Messkleider und einen Chorrock.
Einkünfte hat die Kirche keine. An Geld sind 7 Gulden und 50 Denare
vorhanden. Ausstehend sind 34 Gulden.
Das Pfarrhaus ist recht brauchbar. Der Pfarre gehören zwei Joch Acker, drei
Wiesen, zwei Gärten und ein Fischteich. Der Pfarrer des Ortes heißt Paul
Fetaplanicz. Er hat seine Studien in Wien abgeschlossen. Er hat
Philosophie studiert, spricht Deutsch und Kroatisch, wurde in Raab geweiht.
Er macht mehr aus sich, als er sollte. Seine Neukatholiken fasst er zu hart
an. Wenn sie nicht bezahlen, was sie sollen, wird er auch gewalttätig,
besonders, wenn er getrunken hat. Das wird bestätigt durch einen Überfall
auf den Nachtwächter, den er erst unlängst des Nachts im Rausch geschlagen
hat. Einen anderen hat er sogar blutig geschlagen, auch den Schulmeister. Er
trinkt überhaupt gern und vergisst bei seinen Unterhaltungen die Kranken.
Ein Beweis ist für diese Tatsache, dass ein Kranker ohne Beichte gestorben
ist.
Das Einkommen des Pfarrers
Er hat eine Filiale, Bollern genannt. Von dieser Gemeinde bekommt er 30
Gulden und 6 Fuhren Schilfrohr. Zwei Wiesen werden dort für ihn bearbeitet.
Dazu bekommt er von jedem Ganzen Haus einen Metzen Weizen, von jedem Halben
die Hälfte, in Pamhagen bekommt er 60 Gulden und auch von jedem Ganzen Haus
einen Metzen Frucht, von einem halben die Hälfte.
Stolgebühren
Für Trauung 40 Denare, Taufe 30, Fürsegen 1 Brot und 1 Huhn, für
Begräbnis mit Predigt einen Imperial, ohne Predigt 1 Gulden, für
Krankenkommunion 10 Denare.
Die Bewohner sind neubekehrte Katholiken. Als Lehrer haben sie einen
Deutschen, der auch die Orgel spielt. Seine Bezahlung ist die gleiche wie
zur Zeit der Visitation vom Jahre 1659.
Visitation im Jahr 1680
Am 21. Mai visitierte ich die Kirche, die Gott und dem Heiligen Kreuz
geweiht ist. Der Ort gehört zu den Besitzungen des Grafen Esterhazy. Von wem
die Kirche gebaut ist und auf wessen Kosten weiß man nicht. Ob sie
konsekriert ist, weiß man gleichfalls nicht. Das Patrozinium feiern sie am
Sonntag nach Kreuz-Erhöhung. Der Altar-Raum ist mit einem Gewölbe
ausgestattet, der übrige Teil der Kirche zeigt ein Gebälk, das angestrichen
ist. Die Kanzel ist aus Stein, das Chor aus Holz, der Turm wieder aus
Steinen. Im Turm hängt eine Glocke. In der Mitte des Ortes steht ein zweiter
Turm, in dem auch eine Glocke hängt. Ob die Glocken geweiht sind, weiß man
nicht.
Das Taufbecken ist aus Stein, jedoch ohne Deckel und auch nicht gut
geschützt. Außerdem fehlt ein Gefäß, sei es aus Kupfer oder aus Bronze, zur
Aufbewahrung des Taufwassers. Dem Pfarrer wird auferlegt, durch die
Kirchenväter dafür zu sorgen. Auch wurde dem Herrn Pfarrer unter Androhung
einer Strafe aufgetragen, die Taufen nicht in Häusern zu spenden, besonders
nicht zur Sommerzeit. Anders ist es im Winter oder bei unguter Witterung,
weil die Kirche weit vom Ort entfernt ist. Desgleichen im Notfall.
Die Kirche hat einen Altar, bunt angestrichen und frisch vergoldet, für
diesen Ort recht schön. Er wird auch Kreuz-Altar genannt. Wie die ganze
Kirche ist auch der Altar nicht konsekriert. Der Friedhof ist mit einer
Mauer umgeben.
Kleinodien, heilige Gefäße und Paramente
Vorhanden sind: 1 Kelch aus vergoldetem Kupfer mit Patene, Ciborium ist
keines da, wohl ein vergoldeter Becher aus Silber. Das Allerheiligste ist in
einem Korporale aufbewahrt, das sich in einem Tabernakel befindet, wohl
sauber aber zu wenig gesichert. Der Gemeinde und dem Herrn Pfarrer ist
aufgetragen, sich um ein Ciborium zu kümmern, das wenigstens aus vergoldetem
Kupfer bestehen muss. Weiters sind vorhanden: 5 Kelchtüchlein, 2 Pallen, 3
Korporalien, 2 alte und schadhafte Bursen. Sie haben jedoch Material für
neue, wofür der Pfarrer sorgen will. Kelch-Velen gibt es 10, davon 4 aus
Stoff, 6 aus Leinen, Messbuch 1, Altartücher 2, Leuchter 2, beide aus
Kupfer.
Da sind auch 2 Messkleider, 2 Alben, 2 Messkännchen, ein Rauchfass mit
Schiffchen, Kanontafeln, Begräbniskreuz, eine Fahne für Prozessionen und ein
Buch für die Taufen und Ehen.
Einkommen hat die Kirche keines. In der Kasse sind ungefähr 50 Gulden. Der
Herr Pfarrer heißt Gregor Stanicz. Er ist ein Kroate, 32 Jahre alt
und spricht gut Deutsch. Er hat Moraltheologie studiert, wurde von Leopold
Kollonich, Bischof von Wr. Neustadt, geweiht und von unserm Bischof
installiert. Der Pfarrhof ist baufällig. Die Gemeinde wurde von mir
aufmerksam gemacht und der Herr Graf schriftlich gebeten für den Pfarrhof zu
sorgen.
Einkommen des Pfarrers
Von Pamhagen hat er 64 Gulden, dazu von jedem Haus ein Viertel Metzen
Weizen. Die Wiese wird so bearbeitet, wie schon zur Zeit der lutherischen
Pfarrer. Der Acker wird von der Filiale geackert. Er ist 2 Joch groß, Holz
bekommt er von der Gemeinde. Dazu hat er noch 2 kleine Gärten.
Stolgebühren
Von der ersten Taufe, "Naitauf" genannt, bekommt er einen Imperial, wie das
auch in den anderen Orten des Grafen der Fall ist. Wenn es aber Zwillinge
sind, so bleibt es doch bei diesem einem Imperial, weil das nicht von
Menschen abhängt, sondern von Gott.
Schulmeister ist in Pamhagen Georg Hon. Er stammt aus St. Johann, ist
29 Jahre alt und katholisch. Es gibt in Pamhagen auch ein Schulhaus. Die
Gemeinde zahlt dem Lehrer für jede Person, die schon gebeichtet hat, pro
Jahr den vorgeschriebenen halben Groschen und pro Haus einen Laib Brot. Von
einer Taufe erhält der Lehrer zwei Groschen, von einer Trauung 6 Groschen.
Darin ist die Schreibarbeit eingeschlossen. Vom Fürsegen bekommt er 1
Groschen, vom Erwachsenenbegräbnis 6, vom Kinderbegräbnis 3, für gesungene
Messe 5, stille Messe 2 Groschen.
Wallern - Pagus Bollensis genannt - gehört auch dem Grafen, hat keine
Kirche, ist Filiale zu Pamhagen - Pomok genannt. Die Gemeinde gibt
dem Pfarrer jährlich 30 Gulden, als Sechzehntel 3 Gulden und sorgt für die
eine Wiese. Von jedem Haus erhält der Pfarrer noch ein viertel Motzen
Frucht.
Schulmeister in Wallern ist Matthias Haring. Er ist deutscher
Abstammung, kommt aus Donnerskirchen, ist Katholik und 44 Jahre alt. Die
Zahlung an Geld erfolgt wie in Pamhagen. Von jedem Haus bekommt er, außer
dem Laib Brot, noch einen viertel Metzen Weizen. Für das Läuten der Glocke
einen zweiten Laib Brot pro Haus. Dazu kommt noch ein Joch Acker und zwei
Wagen Heu.
Visitation im Jahr 1696
Am selben Tag (6. 0kt.) visitierte ich die Kirche, die Gott und dem Heiligen
Kreuz zu Ehren gebaut ist. Der Ort gehört zu den Besitzungen des Fürsten
Paul Esterhazy, der Palatin von Ungarn ist. Von wem und auf wessen Kosten
sie gebaut ist, weiß man nicht. Auch nicht, ob sie konsekriert ist. Das Fest
feiern sie am Sonntag nach Kreuz-Erhöhung. Der Altarraum hat ein Gewölbe,
der übrige Teil ein Gebälk, das angestrichen ist. Die Kanzel ist aus Stein,
das Chor aus Holz, der Turm gleichfalls aus Stein. Im Turm hängt eine
Glocke. Ein zweiter Turm steht im Dorf, darin ist auch eine Glocke. Ob die
Glocken geweiht sind, weiß man nicht.
In der Kirche steht ein Altar, mit einem leeren Tabernakel. Er ist auch dem
Heiligen Kreuz geweiht. Der Altar zeigt das Bild des Gekreuzigten über dem
Bild der Heiligsten Dreifaltigkeit. Zu beiden Seiten des Altares stehen die
Statuen des Hl. Josef und der Jungfrau Maria, beide aus Holz geschnitzt. Es
gibt auch eine Statue der Mutter Gottes mit dem Jesuskind, eine Nachbildung
des Bildes in Frauenkirchen. Die Kirche ist ganz mit Ziegeln ausgelegt. Der
Friedhof ist im Zustand des Zerfalls, die Mauer herum teilweise eingestürzt.
Kleinodien, Heilige Gefäße und Paramente der Kirche
Vorhanden sind ein Kelch mit silberner Schale und kupfernem Fuß, der aber
vergoldet ist. Dazu eine Patene aus gleichem Material, Kelchtücher sind 5
da, alle unsauber und schmutzig. Dazu ist doch noch ein sauberes da,
Korporalien gibt es 6, Albe 1, Chorrock 1, Kelch-Velen 3, alle drei
verblasst. Burse ist eine da und die ist zerrissen, Palla 1, Cingulum 1,
Messkännchen 2 aus Zinn mit einem Unterteller, Messkleider 2, mit
dazugehörigen Stolen und Manipeln. Dazu noch ein langes grünes Velum, ein
Becher aus vergoldetem Silber, Fahnen für Prozessionen 6, Antipendium 1.
Eine Dose für das heilige Öl, 4 bronzene Leuchter, 4 hölzerne, ein Rituale
und ein Matrikenbuch.
Der Herr Pfarrer heißt Georg Milkovich. Er ist ein Kroate, der auch
Deutsch und Ungarisch spricht. Er hat Philosophie und Moral studiert, wurde
vom Herrn Gubasoczy, Bischof von Nitra geweiht und ist rechtmäßig
installiert.
Einkommen des Pfarrers
Von Pamhagen bekommt er jährlich 64 Gulden. Dazu von jedem Haus ein
viertel Metzen Frucht. Er hat in Pamhagen eine Wiese. Sie wird bearbeitet
wie zur Zeit der Prädikanten.
Der Pfarrer hat in Pamhagen einen Acker mit zwei Joch. Holz wird von der
Gemeinde gestellt. Er hat auch zwei Gärten in Pamhagen. Die Sache mit dem
Fischteich, der ihm von der Gemeinde abgesprochen wird, muss mittels einer
Untersuchung bereinigt werden.
Stolgebühren
Der Pfarrer bekommt von einer Trauung einen Imperial, von den
Eheverkündigungen 6 Groschen, von der ersten Taufe, "Nay-Tauff" genannt,
einen Imperial, von der zweiten Taufe 1 Gulden, von der dritten 75 Denare.
Das ist in den anderen Besitzungen des Fürsten genauso. Bei Zwillingen gilt
die gleiche Regel, weil ein solcher Fall nicht vom Willen des Menschen,
sondern von Gottes Fügung abhängt. Von einem Fürsegen bekommt der Pfarrer
ein Huhn, ein Brot und zwei Groschen. Wird ein Erwachsener begraben, erhält
er einen Imperial. Wenn er dabei eine Predigt hält, gibt es einen zweiten
Imperial. Für ein Kinderbegräbnis bekommt er 7 Groschen. Für eine stille
Messe werden 10 Groschen, für eine gesungene 1 Gulden bezahlt. Um Ostern
darf er durch 8 Tage hindurch "Ausschank" halten, was als Gemeinde Ausschank
gilt. Das ist in anderen Gemeinden des Fürsten auch so. Der Pfarrer bekommt
auch die Hälfte vom Fang jener Fische, die "Ost-Fische" genannt werden. Die
andere Hälfte solcher Fische bekommt der Richter. Diese Fische stammen von
jenen Ladungen, die an Mittwochen gemacht und nach Wien gefahren werden, um
dort auf dem Mittagstisch zu landen. Von einer anderen Sorte, "Segen-Fisch"
genannt, bekommt er auch die Hälfte, oder Pfarrer und Richter erhalten dafür
das entsprechende Geld. Das Sechzehntel wird in Pamhagen verweigert.
Schulmeister ist in Pamhagen ein gewisser Johannes Vagabundus.
Jährlich bekommt er von jeder Person, die schon beichten geht, einen halben
Groschen und vom jedem Haus einen Laib Brot. Von einer Taufe bekommt er 2
Groschen, von einer Trauung mit Schreibarbeiten 6 Groschen. Von einem
Fürsegen 1, von einem Erwachsenenbegräbnis 6, Kinderbegräbnis 3 Groschen.
Für gesungene Messe 5, für stille Messe 2 Groschen.
Wallern (Pagus
Bollensis)
Der Ort gehört auch dem Fürsten Esterhazy. Die Gemeinde zahlt dem
Pfarrer 30 Gulden und anstatt dem Sechzehntel 3 Gulden. Es müsste eigentlich
in Naturalien gezahlt werden. Wiese hat er hier eine, eigentlich noch eine
zweite. Diese liegt zwischen den Äckern der Bauern. Wenn die Äcker nicht
bebaut werden, kann auch die Wiese nicht gemäht werden. Dann gibt ihm die
Gemeinde freiwillig eine andere als Ersatz. Die ist ohnehin besser.
Schulmeister in Wallern ist Michael Tehel. Er ist Katholik und 40
Jahre alt. Bezahlung und Stolgebühren sind die gleichen wie in Pamhagen.
Dazu zahlt ihm die Gemeinde jährlich noch 8 Gulden, jedes Haus ein viertel
Metzen Weizen und ein Brot. Für Glocken-Läuten einen zweiten Laib Brot. Er
hat auch einen kleinen Acker und zwei Fuhren Heu.
Die Pfarrangehörigen sind Deutsche, harte und matte Katholiken, In beiden
Gemeinden zusammen sind es 1020 Seelen.
Am Schluss der Visitation lautet das Urteil
Pamhagen
Die Kirche ist armselig, gleichsam verödet. Der Friedhof vom Verfall
bedroht. Auf so einem großen Hotter kein Stück Grund für die Kirche. Die
Pfarrkinder sind kalte Katholiken, denen ein rauer und bequemer Pfarrer alle
Gewohnheiten gestattet. Ihm selber verweigern sie den genannten Fischteich
und das Sechzehntel.
Wallern
Hier gibt es die gleichen kalten Katholiken. Doch geben sie wenigstens 3
Gulden als Ersatz für das Sechzehntel, was sie eigentlich in Naturalien
geben sollten.
Aus den Kanonischen Visitationen der Diözese Raab im 17. Jahrhundert - Zusammenfassung über
Wallern - Bala - Ballern - Bollern
Wallern war bis zum Jahr 1734 eine Filiale von Pamhagen. In allen Berichten
über Pamhagen wird auch von der Filiale Wallern gesprochen. Hier folgt eine
Zusammenfassung von dem, was in den einzelnen Berichten über Wallern gesagt
wird.
1659
Der Ort gehört, wie auch Pamhagen, zu Forchtenstein.
Die Visitation fand am 8. März statt. Die Kirche, dem hl. Kreuz geweiht,
stand außerhalb des Ortes Pamhagen auf einer Anhöhe. Es heißt ausdrücklich,
dass die Filiale Ballern keine Kirche hatte. Der gemeinsame Pfarrer hieß
Anton Schubert und stammte aus Schlesien. Die Gemeinde Wallern zahlte ihm 30
Gulden pro Jahr. Dazu 6 Fuhren Schilfrohr. In Wallern hatte der Prediger 2
Wiesen, die von Burschen gemäht wurden. Die Heuarbeit haben die Mädchen
geleistet.
Die Bewohner waren alle Deutsche und Häretiker, ausgenommen zwei
Kleinhäusler, ein Schmied, einige Knechte und Mägde. In der Mitte des Dorfes
befand sich ein Holzgestelle mit einer Glocke. Von einer Schule in Wallern
wird nichts berichtet. Auch nichts von einem Lehrer.
1663
Zur Zeit dieser Visitation waren die Bewohner beider Orte bereits
alle wieder katholisch. Aus dem an anderer Stelle erwähnten Matrikelbuch der
beiden Gemeinden aus den Jahren 1652 - 1660 kann man ersehen, dass der 1659
genannte Prediger Anton Schubert im Monat Mai 1660 seine Tätigkeit beendet
hat. Graf Paul Esterhazy, dem beide Gemeinden gehört haben, war der große
Gegenreformator des heutigen nördlichen Burgenlandes.
Im Seewinkel gehörten die Gemeinden Pamhagen - Wallern und Illmitz - Apetlon
ihm. Alle vier Gemeinden sind im Jahre 1660,
wenigstens nach außen hin, wieder katholisch
gemacht worden.
Der erste bekannte katholische Pfarrer war Paul Fetaplanicz, wie der Name
schon verrät, ein Kroate. Die Filiale heißt hier Bollern. Der katholische
Geistliche bekommt das, was früher der häretische bekommen hat.
Von den Bewohnern heißt es, dass sie bekehrte Katholiken sind. Über den
Lehrer wird nur berichtet, dass er ein Deutscher ist. Ob auch einer in
Wallern war, darüber wird nichts gesagt. Schulgebäude war sicher keines da.
1680
Der Pfarrer heißt Gregor Stanicz, ein Kroate. Diesmal wird auch
von einem Lehrer in Wallern berichtet. Er heißt Matthias Haring. Er ist
deutscher Abstammung und kommt aus Donnerskirchen.
1696
Diesmal heißt der Pfarrer Georg Milkovich. Er ist Kroate, der auch Deutsch
und Ungarisch spricht, Schulmeister ist Michael Tehel.
Die Pfarrkinder sind alle Deutsche, harte und matte Katholiken. In beiden
Gemeinden zusammen gibt es 1020 Seelen.
Aus den Kanonischen Visitationen der Diözese Raab im 17. Jahrhundert
Tadten = Tetén - Téten
1659
Der Ort hat mehrere Herren.
Am 9. März visitierte ich die Kirche, die den heiligen Kosmas und Damian
geweiht ist. Früher feierten sie das Kirchweihfest am Tag der heiligen
Kosmas und Damian. Die Gemeinde hat das Weihefest auf den Tag des hl.
Erzengels Michael verlegt, weil es für sie vorteilhafter ist. Endlich dürfen
sie Wein aus schenken. Und so feiern sie es mit Tanzen, Trinken und
Gastmählern.
Die Kirche hat keinen Turm, gleicht mehr einem gewöhnlichen Haus, hat keinen
Altar, keine Bilder, ist ganz nach Art der Nicht-Katholiken. Die Sakristei
hat ein Gewölbe, die Kanzel ist aus Stein, das Chor aus Holz.
Vorhanden sind: 1 Behang für die Kanzel, 2 Altartücher mit 2 Unterlagen, 2
lange Tücher, 1 Kelch aus Bronze, nicht vergoldet und eine Patene aus
vergoldetem Silber. Die Kirche ist gut gedeckt, der Friedhof mit einer Mauer
umgeben. Auf dem Dach der Kirche befindet sich eine Glocke. Die Kirche ist
öd und leer, weil sie gar kein Einkommen hat. Die Pfarrangehörigen sind alle
lutherische Ungarn. Einige deutsche Kleinhäusler und Kroaten-Familien sind
katholisch. Man kann sich nicht erinnern, ob jemals ein katholischer
Priester hier war.
Das Pfarrhaus ist recht brauchbar. Die Gemeinde muss dafür aufkommen. Der
hiesige Prädikant heißt Georg Thuroczi und ist ein alter Mann, dem die
Gemeinde 50 Gulden zahlt. Er hat auch 4 Joch Grund, der von der Gemeinde
bearbeitet wird. Auch hat er zwei Joch Wiesen, um die sich ebenfalls die
Gemeinde kümmert. Vorhanden ist auch ein Fischteich.
Von einer Trauung bekommt er 60 Denare, von einem Begräbnis 25, mit Predigt
50. Von einer Taufe bekommt er ein Brot und einen Kapaun, oder statt dessen
3 Groschen. Von einem Fürsegen gleichfalls einen Kapaun und ein Brot, für
Krankenkommunion 15 Denare. Von der Gemeinde hat er auch jährlich 15 Wagen
Holz und ebensoviel Schilf.
Die Schule ist gut gebaut. Schulmeister ist Michael Martinides. Er
unterrichtet die Kinder und bekommt für jedes Kind die vorgeschriebenen 25
Denare. Dazu bekommt er von jedem Haus einen halben Metzen Weizen und 2
Groschen. Von einer Trauung erhält er 10 Denare. Außerdem hat er noch 5
Wagen Holz und ebenso viel Schilf.
1663
Der Ort gehört mehreren Herren.
Am 26. Januar visitierte ich die Kirche, die den hl. Kosmas und Damian
geweiht ist. (Anmerkung des Übersetzers - die Feier des Festes und die
Beschreibung der Kirche ist wie im Jahre 1659).
Ein häretischer Prädikant betreut die Gemeinde. Als ich die Visitation
vornehmen wollte, suchte er sie zu verhindern. Schließlich gab er doch
meinem Drängen nach und ließ mich in die Kirche, wo ich mir alles ansah. Das
Pfarrhaus und die Schule sind in Ordnung. Was sein und des Lehrers Einkommen
betrifft, ist alles so wie im Jahre 1659. Als ich hier die Visitation
beendet hatte, überquerte ich den See und unterbrach die Visitation, wie es
der Bischof gewünscht hatte.
1680
Am 24. Mai visitierte ich die Kirche in Tadten, die den hl. Kosmas und
Damian geweiht ist. Ob sie konsekriert ist, weiß man nicht. Das Fest ist
früher an deren Festtag gefeiert worden, seit aber die Gemeinde stärker
protestantisch geworden ist, begannen sie vor etwa 40 Jahren das sogenannte
"Egyhaz napjai" = Kirchtag am Michaels Tag zu feiern. Das kommt daher, weil
zu dieser Zeit die Gemeinde selber "Ausschank" hat, wie mir der Richter
Stephan Szabo und einige Geschworene versichert haben.
Bemerkung des Übersetzers: hier wird wieder die Kirche beschrieben.
Gegenüber den früheren Berichten wird jetzt bedeutend mehr über die
Innenausstattung der Kirche berichtet. Aus dem Bericht von 1680 geht klar
hervor, dass katholischer Gottesdienst in der Kirche gehalten wurde.
Eine Beispiele aus der Aufzählung der vorhandenen Gegenstände.
Vorhanden sind: 2 Messgewänder, ein Kelch aus vergoldetem Silber, ein
Messbuch, ein Rituale, ein Gefäß für Aufbewahrung des Weihwassers,
Kanontafeln u.s.w. (die Aufzählung würde zu lange dauern).
Einkommen hat die Kirche keines. Die Pfarre wird betreut von den
Franziskanern Patres aus Frauenkirchen. Das nur vorläufig, bis der Bischof
anders disponiert. Sie bekommen pro Jahr 50 Gulden, haben 10 Joch Grund, der
von den Pfarrkindern bearbeitet wird. Das Saatgut stellen die Patres. Sie
haben auch einen Fischteich. Von einer Trauung erhalten sie 1 Gulden, von
einer Taufe 6 Groschen, von einem Begräbnis 1 Gulden. Von einer Fürsegnung 1
Huhn und ein Brot.
Schulmeister ist Georg Venzus. Er bekommt von jedem Verheiratetem einen
halben Metzen Weizen,10 Denare und ein Brot. Von einem Begräbnis 5 Groschen,
2 für das Läuten und 3 für den Gesang. Er hat auch einen Acker, den die
Gemeinde bearbeitet. Die Schule ist in einem guten Zustand. Weil der Ort
groß ist, kommen auch genug Kinder in die Schule.
1696
Der Ort gehört verschiedenen Herren, darunter Graf Franz
Esterhazy, Paul Bezeredi, Sigismund Schostich, Petrus Balog.
Am 6. Oktober visitierte ich die Kirche im Ort Tetény. Sie ist den hl.
Kosmas und Damian geweiht. Hier wird wiederholt, was schon 1680 geschrieben
wurde, danach bringt der Bericht etwas Neues.
Im Jahre 1683 ging wegen Nachlässigkeit der Häretiker alles, was im Bericht
vom Jahre 1680 an Paramenten und Geräten aufgezählt worden ist, an den Feind
verloren.
Die Güter der Kirche: Sie besitzt in Wüst-Somerein einen ganzen Hof, von dem
jetzt Elek Miklos pro Jahr 6 Gulden an Abgaben zahlt. Diesen Hof hat seine
Großmutter Elisabeth Darabos der Kirche als frommes Legat vermacht. An Geld
sind zur Zeit 12 Gulden vorhanden. Im Ort ist auch ein Acker, den ein
gewisser Janos Hattos der Kirche weggenommen hat. Jetzt beanspruchen
Bankovicz Georg und Stautinger Janos. Beide gehören dem Herrn Paul Bezeredi.
Die Kirche hat auch einen Fischteich. Er heißt "Schraiber See".
Die Pfarre wird jetzt von einem lutherischen Prediger betreut, vor dem die
Franziskaner Patres zurückgewichen sind. In der Pfarre gibt es 690 Seelen:
510 Lutheraner und 140 Katholiken.
In der Zusammenfassung heißt es:
Die Kirche ist arm, das Dach mit Schilf gedeckt. Über den Acker, der der
Kirche genommen wurde, muss mit Herrn Bezeredi gesprochen werden.
Anmerkung des Übersetzers: Die Franziskaner Patres scheinen von
Frauenkirchen aus die Katholiken betreut zu haben, Kirche und Pfarrhof ist
wohl wieder in den Händen der Häretiker. Von einer Schule wird diesmal
nichts gesagt. Das Türkenjahr 1683 hat auch hier Zerstörung gebracht.
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