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Entwicklungsgeschichte von Wallern im Burgenland - bearbeitet von Konrad Unger (c) 2000

In den nachfolgenden Seiten möchte ich einen Überblick über die Entwicklung des Dorfes Wallern von 1683 bis 1914 geben. Als Quelle habe ich das Buch von Pater Graisy "Wallern und die Geschichte seiner Häuser" genommen. Viele Teile davon wurden aus diesem Buch zitiert.

Viele dieser Informationen sind nur mehr den älteren Leuten von Wallern bekannt, jüngere WallernerInnen haben kaum mehr einen Bezug dazu. Viele Begriffe wie Hulden (Holden), Kurialisten, usw. sind zwar noch in Erinnerung, aber woher diese Bezeichnungen stammen ist den meisten unklar. 
Die nachfolgenden Ausführungen sollen ein kleiner Beitrag zum Verstehen der Geschichte von Wallern sein. Interessant ist die Tatsache, dass immer von Häusern geschrieben wird. Dazu eine Erklärung: Bedingt durch die ländliche und bäuerliche Struktur der Siedlung war man sehr orts- und hausverbunden. Das Haus wurde einem der Kinder weitergegeben, die ihr ganzes Leben lang dort gewohnt haben. So kann man über das Haus die einzelnen Generationen zurück verfolgen.

Diese Luftaufnahme stammt aus aus den 30er Jahren und zeigt noch den Großteil des alten Dorf und seiner Häuser wie es nachfolgend beschrieben ist


Der älteste Teil von Wallern ist die Hauptstraße. Die heutige Form hat die Straße nach der zweiten Zerstörung des Ortes durch die Türken im Jahre 1683 bekommen.
Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1269. Über die Größe des Ortes wird in der Urkunde nichts angegeben.
Erst aus einem Dokument vom Jahre 1569 ist festgehalten, dass es damals 23 Lehen-Häuser gegeben hat. Zu einem solchen Haus gehörten 21 Joch Acker und 20 Tagwerk Wiesen. Außerdem gab es einen Hof, der zur Burg Forchtenstein gehört hat. Auf diesem Hof hat das Vieh der Herrschaft überwintert. Wallern und Pamhagen gehörten damals zur Burg Forchtenstein.
Aus dem Jahre 1589 existiert ein Dokument, in dem die Namen jener Leute angegeben sind, die damals in diesen 23 Häusern gewohnt haben. Darunter stehen sehr geläufige Namen, wie Lang, Unger, Schneider. Leider kann keine Verbindung diesen Namen zu den heutigen Trägern der gleichen Namen hergestellt werden.
Der Liste von 1589 ist zu entnehmen, dass es in den 23 Häusern 26 Wirtschaften gegeben hat. In 20 Häusern war je ein Besitzer, in den drei restlichen Häusern waren je zwei Besitzer. Die Häuser mit zwei Besitzern wurden „Halbwirtschaften“ genannt. Die Namen „Söllner“ und „Holden“ werden nicht angeführt.
In der Kirchenchronik von Wallern berichtet Pfarrer Nemethy, dass es um 1750 in Wallern 24 "ganze" und 48 "halbe" Bauern gegeben habe. Unter einem ganzen Bauern verstand man damals einen Bauern, der alleiniger Besitzer einen Hauses war. Waren zwei Bauern auf einem Haus, so wurde von zwei Halbbauern gesprochen.
Ein wichtiges Dokument ist die Urbarial-Liste aus dem Jahre 1767. Auf dieser Liste stehen die Namen aller Bauern, „Söllner“ und "Holden", die es damals in Wallern gab.

Im Jahre 1767 gab es in Wallern folgende Häuser:

28 "ganze" Bauern Das sind 28 Haushalte in 28 Häusern
40 "halbe" Bauern Das sind 40 Haushalte in 20 Häusern
35 "Söllner" Das sind 35 Haushalte in 25 Häusern
Das sind 103 Haushalte in 73 Häusern

Der Ausdruck "Söllner" steht nicht auf der genannten Liste. Da steht der lateinische Ausdruck "inquilini domum habentes". Damit sind Leute gemeint, die ein eigenes Haus gehabt haben. Damals gab es kein Haus ohne Grund.
Außer den Bauern und "Söllnern" stehen noch Familien auf der oben genannten Liste, die als "inquilini domuni non habentes" bezeichnet werden. Das sind jene Leute, die kein Haus und keinen Grund gehabt haben. Davon gab es 8 Familien. In der Umgangssprache wurden diese Bewohner als "Holden" bezeichnet. Das hat sich später geändert.

Nach den erst im Jahre 1852 eingeführten Hausnummern haben diese 73 Häuser, die bis zum Jahre 1767 gebaut waren, die Nummern von 1 bis 109 gehabt.
Neben diesen 73 Häusern, standen im Jahre 1767 auch schon in der Salidergasse das Saliter-Haus und in der Bahnstrasse das Halter-Haus, mit den alten Nummer 112. Seit 1730 hat Wallern eine Kirche.

Auf der Liste vom Jahre 1767 ist auch angegeben, wie viel Grund zu einem Haus gehört hat. Danach hatte:

Ein ganzer Bauer     26 Joch Acker und 5 Tagwerk Wiesen
Ein halber Bauer     13 Joch Acker und zwei-einhalb Tagwerk Wiesen
Ein Söllner hatte     anderthalb Joch Acker und keine Wiese

Zwischen 1767 und etwa 1830 sind 22 Häuser dazu gebaut worden. Nach der alten Nummerierung sind das die Häuser mit den Nummern von 110 - 134. Ausgeklammert muss das Haus mit der Nummer 112 werden. Das ist der alte Hof, der schon 1569 genannt wird und auch noch zu dieser Zeit der Herrschaft gehört hat. Bei diesen neugebauten Häusern sind zwei, in denen je zwei Familien gewohnt haben: 121/124 und 122/123.
Zwischen 1830 und 1852 wurde kein Haus gebaut. Die nächste Urbarial-Liste, stammt aus dem Jahr 1857. Vielleicht sollte es statt 18 57 eher 18 37 heißen. Diese Liste beinhaltet folgende Zahlen:

Um das Jahr 1830 gab es in Wallern 131 Haushalte in 99 Häusern

26 ganze Bauern Das sind 26 Haushalte in 26 Häusern
44 halbe Bauern Das sind 44 Haushalte in 22 Häusern
24 Söllner Das sind 24 Haushalte in 17 Häusern
37 Holden Das sind 37 Haushalte in 34 Häusern

Neu ist hier, dass auch die "Holden" Hausbesitzer waren. Und da es damals kein Haus ohne Grund gegeben hat, so hatten sie auch einen Grundbesitz, wenn es auch nur Wiesen waren.
In den Jahren 1852 - 1853 wurden 24 Häuser dazu gebaut. Das sind die Häuser der "Kurialisten". Diese stehen in der Bahnstraße: von der Ortsmitte zum Bahnhof hin, von Nummer 135 bis 147, dann über die Strasse zum Garten des Hauses 149, wo früher das Haus 150 stand, von diesem hinein bis zum Haus 158. Das sind 22 Häuser. Dazu kommt das Haus 159 in der Salidergasse. Das 24. neugebaute Haus ist das mit der Nummer 149. Das war ein Söllnerhaus. Nun gab es aber 24 Kurilalisten. Dieser 24. war das Haus 115. Diesen Haus stand früher an der Nord-Westecke des Friedhofes.
Nach 1853 wurde wieder längere Zeit nicht gebaut, erst nach dem Jahre 1866 wurden wieder neue Häuser errichtet. In diesem Jahr wurden auch in Wallern die Leute Herr über den bewirtschafteten Grund, den sie bisher nur bearbeiten durften. Aus dem Jahr 1865 existiert noch eine Urbarial-Liste, die folgende Aufzählung beinhaltet:

Im Jahre 1865 gab es in Wallern 154 Haushalte in 122 Häusern.

26 ganze Bauern Das sind 26 Haushalte in 26 Häusern
44 halbe Bauern Das sind 44 Haushalte in 22 Häusern
24 Söllner Das sind 24 Haushalte in 17 Häusern
36 Holden Das sind 36 Haushalte in 33 Häusern
24 Kurialisten Das sind 24 Haushalte in 24 Häusern

Auf dieser Liste steht, wie viel Grund zu jedem Haus gehört hat. Die Angaben auf der Urbarial-Liste aus dem Jahre 1865 über die Besitz-Verhältnisse sind sehr genau. Damals gab es kein Haus ohne dazugehörigen Besitz, auch wenn es nur die Sumpfwiese eines Kurialisten gewesen ist. Wer unter den Bauern Allein-Besitzer eines Hauses war, wurde als ein ganzer Bauer bezeichnet. Waren zwei auf einem Haus, so waren es 2 halbe Bauern.
Auf der genannten Liste stehen 5 Kategorien von Haus-Besitzern:

1. Der ganze Bauer: er hatte 41,080 Joch Acker-Feld und dazu 7,099 Joch Wiesen. Bei den Wiesen gab es minimale Unterschiede, bei Acker-Feld absolut keine. Die Fläche für Haus, Hof und 2 Gärten betrug bei jedem ganzen Bauern 1,026 Joch.

2. Der halbe Bauer: er hatte 20,540 Joch Acker-Feld und dazu 3,549 oder 3,50 Joch Wiesen. Die Fläche für Haus, Hof und 2 Gärten für jeden halben Bauern 0,513 Joch.

3. Der Söllner: er hatte nur 1,487 Joch Acker-Feld und an Wiesen absolut nichts. Die Fläche für Haus, Hof und einen Garten betrug zwischen 0,140 und 0,201 Joch, also unterschiedlich.

4. Der Holde: er hatte kein Acker-Feld, dafür 5 Joch Wiesen und 2,416 oder 2,417 Joch Hutweide. Die Fläche für Haus, Hof und einen Garten betrug zwischen 0,090 und 0,190 Joch.

5. Der Kurialist: er hatte nur 2 Sumpfwiesen. Beide absolut gleich groß, nämlich 1185 Quadratklafter 2 x 1185 = 2370. Dazu kam für jeden Kurialisten eine "Heu - Lege" in der Grösse von 30 Quadratklafter. Das macht einen Besitz von 2400 Quadratklafter. Das sind genau 2 kleine Joch. Die Fläche für Haus und Hof betrug für jeden der 24 Kurialisten 72 Quadratklafter = 0,060 Joch.

Erklärung: 1200 Quadratklafter = 1 Joch, bzw. 1 Quadratklafter = 3,59 Quadratmeter

So genau sind die Angaben auf der Liste, dass bei jedem Acker und jeder Wiese nicht nur die Länge angegeben ist, sondern dreimal auch die Breite.
Zunächst an beiden Enden und dann auch in der Mitte. Daher ist anzunehmen, dass die Burgstallwiese eines ganzen Bauern wirklich 1,869 Joch groß war.
Die Grundablöse ist für Wallern wahrscheinlich im Jahre 1866 erst durchgeführt worden. Von da an waren die Bearbeiter der Felder auch die Besitzer. Im Jahre 1866 begann eine rege Bautätigkeit. Zwischen 1866 und 1914 sind in Wallern die Häuser von Nr. 162 bis Nr. 251 gebaut worden. Mit wenigen Ausnahmen waren es alle Wohnhäuser.
Begonnen wurde in der späteren Rosengasse. Je höher die Hausnummer, um so später wurde das Haus gebaut. Haus 162 wurde im Jahre 1866 gebaut, dass Haus 250 im Jahre 1913.

Die Anzah1 der Bewohner

1748: 600 Einw. 1842: 916 Einw. 1875: 1230 Einw. 1920: 1568 Einw.
1833: 850 Einw. 1869: 1243 Einw. 1900: 1347 Einw. 1971: 2061 Einw.

Im Jahre 1696 hatten Pamhagen und Wallern zusammen 1200 Einwohner.        Bitte umblättern

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