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Dr.-Ing. Karl Plankentsteiner
Sorgerweg 7
8301 Höf-Präbach
Austria



Anmerkung zum Aufsatz: Video Analysis of Traffic Accident  

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Beispiel eines Massenunfalls mit Tsunamieffekt:

klicken Sie auf das obere Bild um das Video zu starten

Der als Beispiel ausgewählte Massenunfall hat sich schon am 7. Dezember 1994 ereignet und wurde im Jahre 1995 "filmreif" mit der für die Fotogrammetrische Verkehrsunfallanalyse entwickelten CAAD-Software aus den Spuren rekonstruiert. Doch erst jetzt zehn Jahre später ist die Leistungsfähigkeit der Computer ausreichend, um daraus tatsächlich auch einen Film herzustellen und mit einem relativ geringen Speicherbedarf im Internet zu präsentieren.

Auf dem Video ist zu erkennen, wie der dicht gedrängte Fahrzeugpulk beim Erreichen der beiden zuvor verunfallten Fahrzeuge wie eine Tsunamiwelle beim Auflaufen auf ein Riff  seine Tod bringende Energie abladet.

Die Richter im Strafverfahren nach diesem Unfall, bei dem es u.a. auch zwei Todesopfer zu beklagen gab, mussten sich noch selbst an Hand der Fotos, Skizzen, Tabellen und der umfangreichen Gutachtenstexte von den nur schwer vorstellbaren Bewegungsabläufen bei einer Kettenreaktion ein Bild, oder besser gesagt einen Film  machen. Nach den in den Urteilsbegründungen festgehaltenen Sachverhaltsfeststellungen zu schließen sind die wesentlichen Merkmale einer Kettenreaktion dabei unberücksichtigt geblieben. Wesentlich ist aber, dass jeder einzelne Stoß bei einer derartigen Kettenreaktion nur durch das Zusammenwirken aller Beteiligten in der speziellen Form entstehen kann, also auch jener, die nicht unmittelbar an den einzelnen Stößen beteiligt sind. Die isolierte Betrachtung jedes einzelnen Stoßes führt zu einem stark verzerrten (in den Urteilen festgestellten) Sachverhalt und damit sind die darauf basierenden Urteile auch dann als Fehlurteile zu bezeichnen, wenn sie zufällig im Ergebnis richtig sein sollten. - Die wegen des völligen Ignorierens des Tsunamieffektes sachlich falsch begründeten Urteile sind jedoch bei den Bemühungen um eine Hebung der Verkehrssicherheit nicht hilfreich.

Um das Phänomen Massenverkehrsunfall richtig zu verstehen muss man sich in Zukunft vermehrt mit der Entstehung und Fortbewegung von Rück- und Aufstauwellen intensiv auseinandersetzen.

Ergänzende Anmerkung vom 24. August 2005
   

Der Vergleich mit einer Tsunamiwelle bei dem im obigen Video dargestellten Massenverkehrsunfall erweckt bedauerlicher Weise den falschen Eindruck, als könnte man nichts gegen diese Naturgewalt ausrichten. Unter dem Eindruck der derzeitigen Hochwasserkatastrophe in den Alpen drängt sich der Vergleich mit dem dort verwendeten Begriff der Scheitelwelle auf, denn die damit gemeinte alles entscheidende Höhe des maximalen Pegelstandes beim Hochwasser hängt vor allem von den Hochwasser-schutz-bauten im Oberlauf ab. Die durch Schutz-Dämme verringerten Überschwemmungsgebiete und/oder die tiefer gelegten Flussbette fördern den rascheren Wasserabfluss und vergrößern damit die Scheitelwelle im Unterlauf. Im Massenverkehr sind es vor allem die auf den eigenen Vorteil ausgerichteten Ausweich- und Bremsmanöver, welche für die Größe des Unfallenergiepotentials entscheidend sind und dagegen kann man durchaus wirksam vorgehen, wie ein Blick über die eigenen Landesgrenzen hinaus zeigt.

 

In Kalifornien hat beispielsweise das Einordnen in den Verkehrsfluss Priorität gegenüber der sklavischen Einhaltung von Geschwindigkeitsbeschränkungen und durch die freie Spurwahl wird eine möglichst gleichmäßige Verteilung des Verkehrsaufkommens auf alle an manchen Stellen bis zu acht Fahrspuren ermöglicht. Da auf vielspurigen Freeways gelegentlich auch Ladegut verloren wird, vor allem von den beliebten Pickups, konnte ich wiederholt beobachten, wie hier die Autofahrer lieber über verlorene Matratzen fahren, ohne auch nur den geringsten Ausweichversuch in eine der Nachbarfahrstreifen zu unternehmen, der unweigerlich eine Massenkarambolage verursacht hätte. In Europa versucht uns hingegen die Automobilindustrie die Vorzüge von ABS und ESP mit der verbesserten Ausweichmöglichkeit beim Elchtest zu verkaufen, ohne die nachteiligen Folgen dieser Reklame zu bedenken. Was aber vor allem fehlt ist eine an die Erfordernisse des zunehmenden Massenverkehrs angepasste Straßenverkehrsordnung.