ÖSTERREICH IN DER ZWISCHENKRIEGSZEIT

Vom Kaiserreich zur Republik

1916 starb Kaiser Franz Joseph, sein Nachfolger wurde Erzherzog Franz Ferdinand, der Österr.-Ung. aus dem Krieg herausführen wollte.

Da Deutschland zu keinem Frieden bereit war, wandte sich Kaiser Karl heimlich an seinen Schwager Sixtus , der den SIXTUS BRIEF der franz. Regierung vorlegen sollte. Er ging darin auf die Friedensbedingungen Frankreichs ein, das heißt ,er anerkannte die Forderungen Frankreichs nach der Rückgabe Elsass- Lothringens und die Wiederherstellung Belgiens als souveräner Staat. Auch Serbien sollte wieder hergestellt werden und einen Zugang zum Meer erhalten.

Frankreich und England waren zu Verhandlungen bereit, Italien wollte jedoch nicht auf die im Londoner Vertrag (1915) versprochenen Gebiete: Südtirol, Kanaltal, Triest, Teile Dalmatiens verzichten.

Da Kaiser Karl nicht bereit war, sich von Deutschland zu trennen und einen Separatfrieden zu schließen, scheiterte dieser Plan. Nun erkannten die Alliierten die Forderungen nach Unabhängigkeit der Nationen Österreich-Ungarn an.

Als 1918 der Brief veröffentlicht wurde, war Deutschland brüskiert. Karl distanzierte sich von diesem Schreiben.

Auch konnte Karl sich nicht zu einer grundlegenden Umgestaltung der Österr. Ungar. Monarchie entschließen.

Dies führte zur Gründung der

"Tschechischen Republik" unter Präsident Thomas MASARYK im Okt. 1918

Die österr. Kroaten, Serben und Slowenen schlossen sich mit Serbien zusammen und gründeten einen unabhängigen südslawischen Staat.(Okt. 1919) ( SHS- Staaten)

Im" MANIFEST an die VÖLKER" (Okt.1918) versuchte Karl der Auflösung der Monarchie entgegenzutreten.

Allen Nationen sollte das Selbstbestimmungsrecht als Grundlage für einen föderativen Aufbau der Monarchie gewährt werden. In Cisleithanien konstituierte sich die "Provisorische Nationalversammlung für Deutsch-Österreich". Transleithanien war davon nicht betroffen.

Österreich-Ungarn 1918

Das Manifest Kaiser Karls über die föderative Gestaltung der Monarchie kam zu spät. Die Vierzehn Punkte Präs. Wilsons (Selbstbestimmungsrecht der Völker) beschleunigten die Auflösung der Monarchie. Der Sieg der Italiener bei Vittorio Veneto führte zur Gefangennahme von 350.000 österr. Soldaten. Am 3. November 1918 Waffenstillstand zwischen den Allierten und Österreich-Ungarn.

Am 11.November 1918 verzichtete Kaiser Karl auf die Regierung.

12. November 1918 Ausrufung der Republik.

Österreich- Ungarn zerfiel in so genannte "Nachfolgestaaten": Ungarn (verlor zwei Drittel des Staatsgebietes), Tschechoslowakei (Slowakei war stets Teil des Königreiches Ungarn),

Friedensvertrag von Saint-Germain (bei Paris) der Allierten mit Österreich (1919):

Die Siegermächte erklärten den neuen Staat als Rechtsnachfolger der Habsurgermonarchie. Nach Ausspruch eines Konferenzteilnehmers (der spätere franz. Präsident Clemenceau) war Österreich "was übrig bleibt".

 

Im Burgenland (ehemals Westungarn) wurde nur in Ödenburg ein Abstimmung abgehalten, die zu Gunsten von Ungarn ausfiel. Der Name Burgenland leitet sich von den Namen der westungarischen Komitate (Ödenburg, Eisenburg, Wieselburg, Pressburg) ab.

In Kärnten gab es zwei Abstimmungszonen A und B. Da in der Zone A die Mehrheit für den Verbleib bei Österreich stimmte, entfiel die Abstimmung in der Zone B (Klagenfurt und Umgebung).

In Wien konstituierte sich eine provisorische Nationalversammlung. Gleichzeitig wirken sich die Räterepubliken in München und Budapest, sowie die Revolution in Russland auf das innenpolitische Klima in Österreich aus: Putschversuch der Kommunisten in Wien im April 1919.

Am 1. Oktober 1920 erhielt die Republik ihre Verfassung. Sie war von Universitätsprofessor Hans Kelsen ausgearbeitet worden und stellte einen Kompromiss zwischen zentralistischen und föderalistischen Ideen dar. Zu Grunde lag ein Zweikammernsystem, bestehend aus Nationalrat und Bundesrat (der nur ein aufschiebendes Veto besaß). Als Staatsoberhaupt fungierte ein Bundespräsident mit recht geringen Befugnissen, der durch die Bundesversammlung (Nationalrat und Bundesrat) gewählt werden sollte. Durch die Verfassung wurde Wien als eigenes Bundesland von Niederösterreich getrennt. Dadurch war Österreich zu einer demokratischen Republik geworden, deren Recht vom Volk ausging.

Die ersten Wahlen im März 1919 (zum ersten Mal auch mit Frauenwahlrecht) zeigten folgendes Ergebnis: Sozialdemokraten (72 Mandate), Christlich-Soziale (69), Deutsch-Nationale (26), u.a.

Dr. Karl Renner wird Staatskanzler.

In den Neuwahlen von 1920 wird die chr.-soz. Partei die stimmenstärkste: Sozialdemokraten gingen in Opposition. Dr.Michael Hainisch wird Bundespräsident. 1929: Verfassungsnovelle zur Wahl des Bundesräsidenten (ab 1929 direkt vom Volk gewählt).

Bald zeigte sich, dass der Staat und Regierung mit der wirtschaftlichen Notlage nicht fertig werden konnten. Es erhob sich die Frage, ob Österreich überhaupt lebensfähig sei. Die Agrargebiete,, Industriegebiete und Rohstoffquellen der Monarchie waren zum Großteil in den Nachfolgestaaten, von denen nur geringe Einfuhren in das arme Österreich kamen, dessen Währung ständig sank. Infolge des immensen Umlaufes an Papiergeld verlor die Währung an Wert, was zu einer Inflation führte und große Teile der Bevölkerung in Not brachte, denn nicht nur alle Ersparnisse wurden vernichtet, auch die Entlohnung litt unter dieser Entwertung des Geldes. Ein schwunghafter Handel um Sachgüter und Bodenwerte setzte ein. Im Dezember 1921 kam es in Wien zu schweren Ausschreitungen und Plünderungen. Bundeskanzler Schober (1921/22) war es nicht möglich, die Währungssituation zu bessern. Der Vertrag von Lana mit der Tschechoslowakei (1921) brachte einen größeren Kredit, jedoch mit der Auflage, auf die sudentendeutsche Gebiete zu verzichten.

Bundeskanzler Dr. Ignaz Seipel, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Christlich-sozialen Partei, versuchte die Währung zu stabilisieren. Das westliche Ausland wollte jedoch die österreichischen Finanzen unter direkter Kontrolle haben. Die Entwertung der Krone ging weiter. Direkte Appelle an die Großmächte blieben ungehört. Seipel wandte sich an den Völkerbund (in Genf). In einer eindrucksvollen Rede schilderte er die Not der Bevölkerung, und wies auf das kulturelle Erbe hin, das der neue Staat als Nachfolger des Habsburgerreiches zu verwalten habe.

Währungsreform

Die Folge waren die "Genfer Protokolle" (1922): eine Völkerbundanleihe in der Höhe von 650 Millionen Goldkronen. Bedingung war die Unabhängigkeit von Deutschland und Kontrolle durch den Völkerbund. Die Notenpresse wurde stillgelegt, die österr. Nationalbank gegründet, die Staatsausgaben wurden gekürzt (Entlassung von 100 000 Beamten).

Durch die Inflation wurde Ende 1924 die Schilling-Währung eingeführt: 10 000 Kronen = 1 Schilling.

Inflation 1924: Neue Freie Presse .... 3000 Kr

1 kg Butter.... 80 000 Kr (1914...2,2 Kr.)

Dem Finanzminister Viktor Kienböck gelang die Stabilisierung der Währung.

Die Wahlen von 1923 brachten den Christlichsozialen 82, den Sozialisten 68, den Großdeutschen 10 und dem Landbund 5 Mandate. 1924 – 1926 war Rudolf Ramek Bundeskanzler, der dann von Seipel abgelöst wurde.

Die Sozialgesetzgebung der Ersten Republik

Die Heimkehr der Soldaten nach dem Ersten Weltkrieg bildete für die junge Republik ein großes Problem, da geeignete Arbeitsplätze fehlten. Es wurde daher ein eigenes Amt für Arbeitsvermittlung geschaffen. Weiters wurden die Altersversicherung und Sozialversicherung reformiert. Am dringlichsten jedoch war das Arbeitslosenproblem.

Österreich hatten damals bereits den Ruf eines führenden Sozialstaates. Es entstanden das Gesetz über den Achtstundentag, das Arbeiterurlaubergesetz, das dem Arbeiter einen bezahlten Urlaub sicherte. Die Arbeitslosenfürsorge gewährte Existenzmittel für die Zeit der Entlassung. Kollketivverträge regelten den gesetzlichen Mindeslohn. Lehrlingsschutz, Kündigung und Abfertigung wurden gesetzlich festgelegt, genauso wie Heimarbeit und Kinderarbeit, Nachtarbeit für Frauen und Jugendliche, sowie die Schaffung von Arbeiter- und Gewerbekammern. Ferdinand Hanusch und Josef Resch standen hinter diesen sozialen Reformen. Wien galt als Beispiel sozialdemokratischer Sozialpolitik: Kindergärten, öffentliche Bäder, medizinische Beratung, städtische Büchereien und der Bau von Tausenden Gemeindewohungen (z.B. Karl Marx Hof, Goethe Hof, Schlingerhof u.v.a)

Die Wehrverbände

Die heimkehrenden Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg bildeten Heimatwehren, Bauernwehren, Arbeiterwehren und wurden auch in Burgenland und Kärnten als Abwehrkämpfer eingesetzt.

Der Republikanische Schutzbund

Gegründet 1924, zum Teil aus Furcht vor einer Restauration der Monarchie, sollte ein Gegengewicht zu den Heimwehren sein. Seit dem Austritt der Sozialdemokraten aus der Regierung hatten sie keine Kontrolle über das Bundesheer. Der Schutzbund war im Gegensatz zu den Heimwehren zentral organisiert. Nach 1934 flohen viele Schutzbündler in die Tschechoslowakei und in die Sowjetunion; manchen beteiligten sich am spanischen Bürgerkrieg (Internationale Brigaden gegen General Franco). Die Waffen wurden z.T. aus der Tschechoslowakei geliefert. Gleich wie die Heimwehren hatten sie ihre sonntäglichen Aufmärsche.

Die Heimwehren

Die Heimwehren waren nicht zentral gelenkt und waren in den Bundesländern stark verankert. Sie hatten z.T. enge Beziehungen zu den Freikorpsverbänden in Deutschland. Dr. Richard Steidle stand den Christlichsozialen nahe; Walter Pfrimer stand den Deutschnationalen nahe. Waldemar Pabst, ehemaliger Major des deutschen Generalstabs, organisierete die gesamtösterreichische Heimwehrbewegung. Später wurden Waffen aus Deutschland geliefert. Die Verbindungen reichten nach Italien (Benito Mussolini).

 

 

Die innenpolitische Krise von 1927

Ursachen für die schwere Krise der Demokratie waren die starken Spannungen zwischen den beiden großen Parteien. So genannte "Selbstschutzverbände" führten häufig zu Zusammenstößen. Sie waren zahlenmäßig stärker als das Bundesheer.

Der republikanische Schutzbund stand den Sozialdemokraten nahe und aus den Heimwehren hatten sich Frontkämpfervereinigungen entwickelt. (Die Heimwehren waren rechtsgerichtet).

1927 hatte ein Zusammenstoß zwischen Schutzbund und Heimwehr in Schattendorf (Burgenland) zwei Todesopfer gefordert. Schwer wiegender jedoch war der Freispruch der Täter durch ein Geschworenengericht. Der Unmut der Sozialdemokraten äußerte sich durch emotionale Artikel in der Arbeiterzeitung und durch Demonstrationen in Wien: im Zuge der sozialdemokratischen Demonstration vom 15.Juli 1927 wurde der Justizpalast angezündet. Der sozialdem. Bürgermeister Karl Seitz versuchte die Massen zu beruhigen, trotzdem kam es zu einem Blutbad. Die Exekutive eröffnete das Feuer – es gab 90 Tote, darunter 5 Polizisten.

Zwei Jahre später, 1931, kam es zu einem anderen innenpolitischen Vorfall, dem Pfrimer Putsch in der Steiermark. Pfrimer, unterstützt von der Industrie und Italien, scheiterte bereits am ersten Tag.

Die Weltwirtschaftskrise, von den USA ausgehend (Zusammenbruch der New Yorker Börse am 24. Okt.1929), führte zum Zusammenbruch der Creditanstalt. Die Wirtschaft wurde durch eine neuerliche Völkerbundanleihe von 1932 in der Höhe von 300 Mio S saniert.

Die Ausschaltung des Parlaments

Im März 1933 kam es im Nationalrat wegen der Gültigkeit eines Stimmzettels zu einer heftigen Debatte, die zum Rücktritt aller drei Parlamentspräsidenten führte (Dr. Renner, Dr.Strammer, Dr. Straffner). Der seit 1932 regierende Bundeskanzler, Dr. Dollfuß, versuchte in Anlehnung an das faschistische Italien (Benito Mussolini) in Österreich einen autoriären Kurs einschlagen zu können. Der Bundespräsident (Miklas) berief den Nationalrat nicht wieder ein und Dollfuß regierte mit Notverordnungen (kriegswirtschaftliches Ermächigtigungsgsetz von 1917). Im März 1933 wurde der republikanische Schutzbund aufgelöst, im Mai die kommunistische Partei, ebenso wurde der Mai-Aufmarsch verboten. Dollfuß versuchte mit der Gründung der Vaterländischen Front (überparteilich) alle regierungstreuen Österreicher zu erfassen.

Gleichzeitig stiegen die Spannungen mit dem Deutschen Reich. Die Nationalsozialisten versuchten durch Gewaltakte, Sprengung von Telefonzellen und Propaganda die Macht in Österreich zu gewinnen. Um den Fremdenverkehr und damit die Wirtschaft zu treffen, verhängte Deutschland die "Tausend-Mark-Sperre": für Reisen nach Österreich hatten deutsche Bürger 1000 Mark zu bezahlen. Die Regierung Dollfuß reagierte mit dem Verbot der NSDAP in Österreich.

Dollfuß wurde von Italien (Mussolini) unterstützt. Weiters wollten die Heimwehrführer Starhemberg und Fey einen Staat nach italienischen Vorbild. Dazu kommt, dass Dollfuß die Sozialenzykliken "Rerum Novarum" und "Quadragesimo Anno" politisch interpretierte: er wollte einen christlichen Sozialstaat auf ständischer Grundlage. Seine ständische Verfassung (Mai 1934) wurde jedoch nicht vollständig ausgeführt. Sie sah vor:

den Berufsständen sollten entscheidende Funktionen zukommen, die Wahl des Bundespräsidenten sollte durch die Bürgermeister erfolgen, der Bundesrat (59 Mitglieder) sollte über die Regierungsvorschläge abstimmen. Der Ständestaat sollte eine starke autoritäre Führung haben und richtete sich gegen Kapitalismus, Marxismus, Nationalismus und gegen den Parteienstaat.

Der Bürgerkrieg

Die innenpolitischen Auseinandersetzungen entzündeten sich 1934 in Linz. Richard Bernaschek leistete im Hotel Schiff Widerstand, als die Exekutive nach Waffen zu suchen begann. Die Sozialdemokratische Partei rief zum Generalstreik auf, es kam in vielen Orten Österreichs zu Kämpfen, am heftigsten in Wien. Bundesheer gemeinsam mit der Exekutive brachen den Widerstand. Die neuerrichteten Gemeindebauten waren Zentren des Widerstandes. So etwa wurde der Karl Marx Hof (Heiligenstadt) von der Stadtbahntrasse beschossen, oder der Schlingerhof in Floridsdorf. Der Bürgerkrieg dauerte drei Tage und hinterließ etwa 300 Tote. Neun Schutzbundangehörige wurden hingerichtet. Andere flohen ins Ausland (z.B. nach Brünn). Die Sozialdemokratische Parei wurde verboten.

Der Juli-Putsch von 1934

Im gleichen Jahr kam es im Juli zum nationalsozialistischen Putsch. Am 25. Juli 1934 gelang es 154 uniformierten Putschisten der illegalen NSDAP ins Bundeskanzleramt einzudringen. Dollfuß wurde von Otto Planetta angeschossen und starb auch dort. Der Wiener Rundfunk wurde vorübergehend besetzt. Rintelen sollte neuer Bundeskanzler werden. Die Anführer der Putsches wurden hingerichtet, die eigentliche Drahzieher des Putsches saßen in Deutschland und waren für die österreichische Justiz nicht greifbar. Auch in anderen Teilen Österreichs kam es zu nationalsozialistischen Putschversuchen, die keine Mehrheit in der Bevölkerung fanden.

Dr. Karl Schuschnigg wurde Nachfolger von Dollfuß. In den "römischen Protokollen" vom August 1934 unterstützte Italien die Unabhängigkeit Österreichs gegenüber Deutschland.

Italiens Krieg in Abessinien (Äthiopien) 1935/36 führte es zu einer Entzweiung mit England und zur Annäherung an Deutschland. Vorraussetzung dafür war die Distanzierung zu Österreich. Die im März 1936 unterzeichneten Zusatzprotokolle zum römischen Pakt schränkten Österreichs außenpolitische Bewegungsfreiheit ein. Da entschloss sich Schuschnigg zu einem Abkommen mit Deutschland.

Das Juli-Abkommen mit Deutschland (11.Juli 1936). Deutschland anerkennt die Souveränität Österreichs, Amnestie für inhaftierte Nationalsozialisten, Aufnahme der "nationalen Opposition" in die Regierung, Österreich bekenne sich als deutscher Staat. Dafür wurde die 1000-Mark-Sperre aufgehoben. Radikale Kreise der Vaterländischen Front und der Nationalsozialisten lehnten den Vertrag ab.

1936 führten Unstimmigkeiten in der Führung der Heimwehren zu deren Aufllösung durch die Regierung.

Mussolinis Deutschlandbesuch im September 1937 gab Hitler Handlungsfreiheit für Österreich. Die Achse Rom – Berlin war gefestigt. Mussolini war am weiteren Schicksal Österreichs nicht mehr interessiert, die Westmächte würden Österreich kaum unterstützen. Österreich war isoliert.

Der Anschluss

Am 12. Februar 1938 lud Hitler den österreichischen Bundeskanzler zu einer Unterredung nach Berchtesgaden ein. Dort wurde Schuschnigg massiv unter Druck gesetzt. Hitler drohte mit einer militärischen Intervention. Der Kanzler ernannte zwar den Rechtsanwalt Seyß-Inquart zum Sicherheitsminister (später Bundeskanzler), nahm aber auch einen Vertreter der Linken in die Regierung. Da die Linksopposition den Nationalsozialismus als größte Gefahr betrachtete, war sie bereit den österreichischen Unabhängigkeitskampf zu unterstützen. Schuschnigg rief das Volk zu einer Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Österreichs auf. Hitler erzwang die Absage der Volksabstimmung. Sie wurde am 10.April nach dem Einmarsch der deutschen Truppen durchgeführt und ergab eine große Mehrheit für Deutschland. An den Grenzen standen deutsche Truppen, in ganz Österreich gewannen die Nationalsozialisten an Bedeutung. Unter dem Eindruck der bevorstehenden militärischen Intervention trat der Bundeskanzler zurück. Bundespräsident Miklas berief Seyß-Inquart zum neuen Bundeskanzler. Zu diesem Zeitpunkt hatte Hitler bereits den Befehl zum Einmarsch der Truppen gegeben. Am Morgen des 13.März 1938 begann der Einmarsch. Hitler verkündete am Wiener Heldenplatz den "Eintritt seiner Heimat" ins Deutsche Reich.

Mit Hilfe der Gestapo wurden in den nächsten Wochen etwa 60.000 Menschen verhaftet, es setzte die Emigration der Juden ein und in Wien wurden Wohnungen "arisiert", d.h. jüdische Bürger aus ihnen vertrieben. Nur wenige Staaten protestieren gegen den Anschluss, darunter Mexiko, Spanien, Sowjetunion. Der Schilling wird durch die Reichsmark ersetzt. (1 RM = S 1.50).