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Verslehre - Hexameter

o   Lange Silben können betont oder unbetont sein

o   Kurze Silben sind immer unbetont

o   Nach einer unbetonten langen Silbe oder zwei kurzen muß eine betonte folgen

o   Die erste Silbe im Vers ist immer lang und betont und bei den letzten zwei Wörtern des Verses stimmen Wort- und Versbetonung öberein: dícere fórmas - mutástis et íllas - orígine múndi - víndice núllo - rectúmque colébat... damit stehen drei von sechs betonten Silben (Hebungen) fest

o   Ein Diphthong (ae, au, eu, oe)ist immer lang

o   Eine Silbe, auf die mindestens zwei Konsonanten folgen, ist ebenfalls lang (animús mutatas)

o   Lang sind bei der a-, e- und i-Konj.: Infinitive: laudáre, laudári, monére, monéri...

o   Lang ist bei der a- und i-Konj. das P.P.P.: laudátus, audítus

o   Lang sind bei der a-, e- und i-Konj. die Imperative: laudáte, monéte, audíte

o   Lang ist bei der a- und o-Dekl. der Abl. Sg.: sponte suá, nulló cogente, patulá Iovis...

 

Das Zusammentreffen von Vokal (+m) am Wortende mit (h+) Vokal am Anfang des folgenden Wortes (= Hiat) wird vermieden durch:
1. Elision : primaqu(e) ab - saep(e) ubi - peregrin(um) ut - quant(um) (h)aec - perqu(e) (h)iemes.
2. Aphärese : nur bei es bzw. est wird das e nicht gesprochen: sata (e)st - nimium (e)st - via (e)st
3. Synizese : de-inde = deinde

Zur Bezeichnung der Quantität einer Silbe sind in der Verslehre folgende Zeichen üblich:
Das kleinste Element in einem Vers (mindestens 2 Kürzen) ist das Metrum oder der Versfuß. Die wichtigsten Versfüße sind folgende Grundversfüße :


 

Der Hexameter besteht aus 6 Daktylen, der letzte Versfuß ist aber immer zweisilbig, d.h. ein Trochäus oder ein Spondäus (anceps). Für einen Daktylus kann auch ein Spondeus stehen (die zwei Kürzen können durch eine Länge ersetzt werden) - im 5. Versfuß sehr selten (versus spondiacus). Der Hexameter hat also folgendes Schema: 

    

 

Durch die Anhäufung von Spondeen (Längen) bewirkt der Dichter eine gewisse Verzögerung, Feierlichkeit, Getragenheit und in Verbindung mit dunklen Vokalen (a, o, u) etwas Drohendes, Unheilvolles, Gewaltiges:

    ignavus bubo, dirum mortalibus omen

    luctantes ventos tempestatesque sonoras.
   
   

Mit vielen Daktylen (Kürzen) drückt der Dichter Lebhaftigkeit und in Verbindung mit hellen Vokalen (e,i, (ae, y)) Fröhlichkeit aus (action!).
    L
aetus abit gaudetque malo Berecynthius heros

    donec eris sospes, II multos numerabis amicos

   
 

Die vielen Kürzen drücken die Schnelligkeit der Pferde und die p Alliteration das Stampfen ihrer Hufe aus

    quadrupedante putrem sonitu quatit ungula campum  

   

 

Die vielen Kürzen drücken die Schnelligkeit der flüchtenden Zeit aus:

    Sed fugit interea fugit irreperabile tempus
   

   

Bei häufiger Elision und / oder Aphärese hat man das Gefühl der Unbeholfenheit, der Schwerfälligkeit, der Aufregung, es kann auch ein Weinen... ausgedrückt werden.
    m
onstr(um) horrend(um), inform(e), ingens, cui lumen ademptum 

     

 

Der Pentameter zerfällt in 2 Teile (Hemistichien). Der erste Teil besteht aus 2 Daktylen oder Spondeen und einer langen Silbe, die den Schluss eines Wortes bildet. Der 2. Teil besteht immer aus 2 Daktylen und einer langen oder kurzen Silbe am Ende des Verses.

    Tempora si fuerint II nubila solus eris.

    Candida pax homines, II trux decet ira feras.

   

     

Sprechpausen (Zäsuren):

Für das Verstehen der sprachlichen Struktur eines Hexameters - wichtig für das Übersetzen - sind die Sprechpausen oder Zäsuren.

 

 

1. – Pause nach dem 3. Halbfuß (= 2. Hebung): Trithemimeres (caesura semiternaria)

2. – Pause nach dem 5. Halbfuß (= 3. Hebung): Penthemimeres (caesura quinaria)

3. – Pause nach der 1. Kürze des 3. Daktylus: trochäische Zäsur  (κατ τρίτον τροχαον)

4. – Pause nach dem 7. Halbfuß (= 4. Hebung): Hephthemimeres (caesura septenaria)

5. - Pause nach dem 4. Fuß:bukolische Diärese

 

1. Zäsur nach dem 3. Halbfuß (= caesura semiternaria) d. h. nach der 2. Hebung (Betonung) in Verbindung mit einer Zäsur nach dem 7. Halbfuß (= caesura semiseptenaria) d. h. nach der 4. Hebung (Betonung):
   

 

2. Die häufigste Sprechpause findet sich nach dem 5. Halbfuß (= caesura semiquinaria) d. h. nach der 3. Hebung (Betonung) und ist meistens mit einem Satzzeichen verbunden:  

 

 

    urbs antiqua fuit, II Tyrii tenuere coloni.

 

3. Seltener ist die caesura trochaica - kata triton trochaion (nach dem 3. Trochäus d. h. nach der ersten Kürze des 3. Versfußes): 

 

    o passi graviora, II dabit deus his quoque finem

 

4. Zäsur nach dem 7. Halbfuß (= caesura semiseptenaria) d. h. nach der 4. Hebung (Betonung)

    omne nefas II fugitque pudor II verumque fidesque

               betont                                     betont             betont                 betont                 

    in quorum II subiere locum II fraudesque dolique

                                                       betont                betont

    Musa, mihi II causas memora, II quo numine laeso

    quidve dolens II regina deum II tot volvere casus

    insignem II pietate virum, II tot adire labores

    impulerit. II

    Infandum II regina iubesII renovare dolorem

 

5. Bukolische Diärese Pause nach dem 4. Fuß des Hexameters - vor allem in der Hirtendichtung (Bukolik)

    et breve ver II spatiis II exegit II quattuor annum  (Ovid teilt durch die 3 Zäsuren das Jahr in 4 Teile)

                s.ternaria    s.quinaria    buk.Diär.

     obstruat, at caelum certe patet; II ibimus illac!
 

6. Interpunktionszäsur

    donec eris sospes, II multos numerabis amicos

    Musa, II mihi causas memora, quo numine laeso

    o passi graviora, II dabit deus his quoque finem

 

Ein Elegisches Distichon besteht aus einem Hexameter und einem Pentameter:

  

      

   Donec eris sospes, II multos numerabis amicos

        Tempora si fuerint II nubila solus eris.

   Venturae memores II iam nunc estote senectae:

        sic nullum vobis II tempus abibit iners.

   Dic, II hospes, II Spartae II nos t(e) hic II vidisse iacentes

        Dum sanctis patriae II legibus obsequimur.

  cum repeto noctem, II qua tot mihi cara reliqui,
     l
abitur ex oculis II nunc quoque gutta meis.


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