Vergil, Aeneis III, 613 ff.

Achaemenides erzählt vom Kyklopenabenteuer des Odysseus:

    613    "Sum patria ex Ithaca, comes infelicis Ulixi,
    614    nomine Achaemenides, Troiam genitore Adamasto
    615    paupere1 (mansissetque utinam fortuna!2) profectus.
    616    hic me, dum trepidi crudelia limina linquunt,
    617    immemores3 socii vasto Cyclopis in antro
    618    deseruere. domus4 sanie dapibusque cruentis,
    619    intus opaca, ingens. ipse5 arduus6 altaque pulsat
    620    sidera (di, talem terris avertite pestem!)
    621    nec visu facilis nec dictu adfabilis ulli;
    622    visceribus miserorum et sanguine vescitur atro.
    623    vidi egomet, duo de numero cum corpora nostro7
    624    prensa manu magna medio resupinus in antro
    625    frangeret ad saxum sanieque8 aspersa natarent
    626    limina; vidi, atro cum membra fluentia tabo9
    627    manderet et tepidi10 tremerent sub dentibus artus.
    628    haud impune quidem; nec11 talia passus Ulixes
    629    oblitusve sui est Ithacus discrimine12 tanto.
    630    nam simul13 expletus14 dapibus vinoque sepultus
    631    cervicem inflexam posuit iacuitque per antrum
    632    immensus saniem eructans et frusta cruento
    633    per somnum commixta mero nos magna precati
    634    numina sortitique vices15 una undique circum
    635    fundimur et telo16 lumen terebramus acuto
    636    ingens, quod torva solum sub fronte latebat,
    637    Argolici clipei aut Phoebeae lampadis instar,
    638    et tandem laeti sociorum ulciscimur umbras.
    639    sed fugite, o miseri, fugite atque ab litore funem
    640    rumpite!"

1 genitore Adamasto paupere: Abl.abs.kausal; 2 fortuna: mein altes Schicksal; 3 immemores (mei); 4 domus: ein Haus voll von...; 5 ipse = Polyphemus; 6 arduus (est): riesenhaft; 7 nostro = nostrorum; 8 sanies: frisch vergossenes Blut; 9 tabum, i: Blut; 10 tepidus: noch warm; 11 nec: denn nicht; 12 discrimen = periculum; 13 simul: sowie, sobald; 14 explere: sättigen; 

Übersetzung

Ich bin daheim in Ithaka, ein Begleiter des unglücklichen Odysseus, mit dem Namen Achaemenides, und weil mein Vater Adamastus arm war, brach ich nach Troja auf (wäre doch mein Schicksal das alte geblieben!) Hier ließen mich, während sie ängstlich die grausamen Schwellen (des Zyklopen) verließen, die Kameraden in der riesigen Höhle des Zyklopen zurück und dachten nicht an mich. Ein Haus voll Verwesung und grausigen Speisen, innen finster und gewaltig. Er selbst ist riesenhaft und stößt an die hohem Gestirne (o Götter, wendet ab von der Welt dieses Verderben!), weder für jemanden erträglich anzuschauen, noch Worten zugänglich; er nährt sich vom Fleisch und dunklem Blut unglückseliger (Menschen). Ich habe selbst gesehen, als er zwei Körper von der Zahl der Unseren mit seiner Riesenhand packte und rückwärts gebeugt mitten in der Höhle an den Felsen schmetterte und die Schwelle vom frisch vergossenen Blut schwamm; ich sah zu, als er die von dunklem Blut triefenden Körper verzehrte und die noch warmen Glieder zwischen den Zähnen zuckten. Allerdings nicht ungestraft; denn nicht duldete solches der Ithaker Odysseus, noch er vergaß seiner selbst in so großer Gefahr. Denn sobald er gesättigt vom Mahl und betrunken vom Wein seinen gebeugten Nacken zur Ruhe gelegt hatte, riesengroß in der Höhle lag und im Schlaf Geifer und Fleischstücke vermischt mit blutrotem Wein ausrülpste, flehten wir die großen Götter an, verlosten die Rollen, stürzen zugleich von überall her auf ihn und durchbohrten mit dem gespitzten Pfahl sein riesiges Auge, das sich als einziges tief in der finsteren Stirn versteckte und rächten froh endlich die Schatten der Freunde. Aber flieht, o ihr Unglücklichen, flieht und kappt das Tau von der Küste!"

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