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Literaturgattungen

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Das Problem der Gattungen

Unter Gattungen verstand die Poetik von der Antike bis zur Aufklärung Normen für bestimmte Formen der Dichtung, nach denen sich Dichter und Kritiker zu richten hatten. Während es früher nur eine begrenzte Anzahl gab, ist heute die Zahl der Gattungen stark ausgeweitet; der Begriff ist nicht mehr eindeutig. Wir finden z. B. nicht nur den Roman, sondern auch dessen Unterabteilungen als sog. Gattungen: Briefroman, Dialogroman, historischer Roman, Pikariescher Roman, Abenteuerroman usw., also Gruppenbezeichnungen, die von verschiedenen Ordnungsprinzipien, formalen oder inhaltlichen, abgeleitet sind.

Die moderne Gattungstheorie beschränkt die Arten nicht; sie kennt reine« und gemischte« und macht den Autoren keine Vorschriften; sie beschreibt die vorhandenen Arten, statt genau definierte zu fordern. Zwischen diesen Extremen fehlt es nicht an Versuchen, Gattungssysteme aufzustellen und gegeneinander abzugrenzen. Eine eindeutige Lösung dieses - ältesten - Problems der Literaturwissenschaft ist aber schon deswegen nicht möglich, weil jedes neue Werk der Literatur die bestehenden theoretischen Fixierungen ungültig machen kann.

Seit dem 18. Jh. hat sich in Deutschland die Einteilung in die drei Naturformen der Poesie« (Goethe), Lyrik, Epik und Dramatik, durchgesetzt. Welchem der drei ein Werk zugehört, lässt sich an Form und Art der Äußerung ablesen: Wo sich ein Einzelner in gebundener Form über innere Zustände auslässt, handelt es sich um Lyrik, wo uns etwas erzählt wird (in gebundener oder ungebundener Form), um Epik, wo sich verkleidete Menschen auf einem bestimmten Schauplatz im Dialog äußern, um Dramatik. Aber diese Begriffe werden auch in einem anderen Sinne verwendet.

Eine Erzählung zum Beispiel kann so spannend sein, dass wir sie als dramatisch empfinden; ein Theaterstück kann erzählende Partien enthalten, so dass wir es episch nennen; ein Roman kann lyrische Stellen aufweisen. Unabhängig von der Dichtung wenden wir die drei Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch an; Ein Streit kann dramatisch sein, ein Motiv lyrisch, ein Erlebnis wie ein Roman. »Die Begriffe lyrisch, episch, dramatisch sind literaturwissenschaftliche Namen für fundamentale Möglichkeiten des menschlichen Daseins überhaupt« (Staiger).

Die zuletzt genannten Grundhaltungen  wollen wir mit den Adjektiven lyrisch, episch, dramatisch bezeichnen, die Darbietungsform  mit den Substantiven Lyrik, Epik, Dramatik. Als vierte Gattung kann das Didaktische gelten; da es zweckbestimmt ist, liegt es außerhalb der eigentlichen Dichtung. Gattungen im engeren Sinne, Arten oder Typen, sind Lied, Novelle, Tragödie usw. Während die Grundhaltung auch an Bruchstücken deutlich wird, das Lyrische z. B. an wenigen Zeilen, kann man diese Arten oder Typen nur im Ganzen erfassen, das Lied nur, wenn man es bis zum letzten Wort gelesen hat.

Weltbildverlag GmbH, Autorin: Dr. Annemarie van Rinsum, ISBN 3-89350-164-9