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Epochen der deutschsprachigen Literatur

Barock

Periodisierung 

Die Periodisierung, die Zusammenfassung mehrerer Jahrzehnte zu einer Periode oder Epoche, ist ein Problem der Geschichtsschreibung. Ein Kunstwerk ist jedoch nicht nur ein geschichtliches Phänomen; denn es kann überzeitlich sein. So kam eine Reihe von Literaturwissenschaftlern zu der Auffassung, dass man das Einmalige an einem Kunstwerk zeigen und es interpretieren solle ohne Rücksicht auf Geschichtliches und Biographisches (Benedetto Croce, Emil Staiger, Wolfgang Kayser, der »New Criticism«). 

Nach einer Fehde zwischen historischer und ahistorischer Literaturbetrachtung ist man heute dafür, beide Seiten sich ergänzen zu lassen, denn man kommt schwer ohne Periodisierung aus. Die Periodisierung kann zur Interpretation eines Werkes hilfreich sein, denn sie setzt Einzelheiten in einen Zusammenhang, der ihre Bedeutung bis zu der des Wortes mitbestimmt. »Knecht« z. B. ist etwas anderes, je nachdem, ob es in der Romantik (Brentano) oder im sozialistischen Realismus (Brecht) gebraucht wird; »eitel« bedeutet im Barock vergänglich; »Witz« in der Aufklärung Denkfähigkeit, schnelle Auffassung. 

Ein anderes Problem ist, ob die Perioden bloße Ordnungsbegriffe oder Wesensbegriffe sind. Im ersten Fall gliedert man nach Jahrhunderten, Regierungszeiten oder wichtigen Ereignissen, im zweiten will man eine innere Struktur einfangen. Wenn der Literarhistoriker eine Periode herausarbeitet, so sucht er in den Dichtungen und theoretischen Schriften Gemeinsames: Stiltendenzen, Worte, Gedanken, ästhetische und ethische Werte. Diese Elemente fügt er zu einer sinnvollen Einheit zusammen, die er gegen die vorangehende und die nachfolgende Zeit abgrenzt. Er entdeckt dabei Vorläufer und Nachfolger, Parallelen in anderen Ländern und anderen Kunstarten oder Wissenschaften, bedingende Faktoren aus dem sozialen und politischen Leben. 

Wir unterscheiden eine Periode von einer anderen durch eine Reihe von Merkmalen, die einzeln jederzeit vorkommen können, aber in der bestimmten Zusammenstellung und Betonung typisch für eine Epoche sind. Man kann immer Elemente einer Periode bereits in der vorhergegangenen finden, denn sie kommen nicht aus dem Nichts; aber hier haben sie sich noch nicht zu dem zeittypischen Ganzen zusammengeschlossen, sie beherrschen noch nicht das Denken der kulturbildenden sozialen Schicht. Ebenso wenig verschwindet das Neue von heute auf morgen, aber es verliert die schöpferische Kraft. Die Grenzen der Perioden sind also fließend. 

Es lässt sich auch nicht leugnen, dass jede Periodisierung etwas Künstliches an sich hat und ihre Gültigkeit nur relativ ist. Sie muss ständig neu überarbeitet werden, denn die Gesichtspunkte, nach denen ausgewählt wurde, ändern sich (Geistesgeschichte, Stil, Struktur). Von einer zeitlichen Entfernung her lassen sich mehrere Generationen zu einer gemeinsamen Stil- und Geistesepoche zusammenfassen. 

Schwieriger wird es, je näher man der eigenen Zeit kommt; das Gemeinsame lässt sich hinter den vielen Einzelheiten nicht erkennen, deshalb ist eine Periodisierung in kürzere Zeitabstände leichter. Die Darstellung, die hier folgt, will über die gebräuchlichen Begriffe orientieren. Sie vereinfacht komplexe Zusammenhänge. Jede Vereinfachung vergröbert und verfälscht, vor allem dadurch, dass Schwerpunkte gebildet werden und dafür anderes nicht angeführt wird. Erst das genauere Studium einer Epoche rückt solche Verschiebungen zurecht.

 

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