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Interessengemeinschaft
Böhmerwald
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für eine langfristig positive Entwicklung von Mensch & Natur
im Böhmerwald
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Sorgenliste
zur geplanten Radaranlage am Hochficht/Böhmerwald
Hintergrund
Die AustroControl GmbH plant auf dem 1.338 m hohen Hochfichtgipfel im österr. Böhmerwald die Errichtung einer neuen Radaranlage. Der Standort befindet sich direkt am Gipfel bei der Bergstation der Hochfichtbahn unmittelbar an der Staatsgrenze zu Tschechen und somit an der Grenze zum Nationalpark Sumava. Der Standort liegt weiters im Europaschutzgebiet Natura2000 Böhmerwald-Mühltäler. Laut Einreichplan der AustroControl vom 20.3.2005 beträgt die Anlagenhöhe etwas mehr als 50 m. Die Rede ist von einer beanspruchten Grundfläche von mindestens 1000 m2. Das Erscheinungsbild der Anlage ist ein Turm mit einer runden Kuppel (siehe unten).
Der AustroControl
GmbH stehen in Österreich derzeit mehrere Radaranlagen zur Verfügung
- auf der Koralpe in Kärnten, auf dem Buschberg im Weinviertel, auf dem
Feichtberg im Sauwald,
Die Anlage im oö Sauwald soll bei einem etwaigen
Neubau einer Anlage auf dem Hochficht geschlossen werden.
Zeitplan lt. AustroControl GmbH: Bauverhandlung Ende Juni 2005 - Baubeginn Sommer
2005 - Fertigstellung/Inbetriebnahme Herbst 2006
"Sorgenliste"
zur geplanten Radar-Station
Die
Interessengemeinschaft Böhmerwald stellt für die besorgte Bevölkerung
sinnvolle Fragen:
> Gibt
es eine ausgewogene Information?
> Wer informiert die betroffene Bevölkerung?
> Wie geht man mit unseren Nachbarn (40 m vom tschechischen Nationalpark) um?
> Wird das Böhmerwaldbild zerstört?
> Gilt gleiches Recht - Naturschutz und Natura 2000 - für alle oder vor allem für unsere Bauern?
> Gibt
es Nachteile für den Tourismus?
> Was ist mit den Auswirkungen auf den regionalen und vor allem dem im Trend
liegenden sanften Tourismus?
> Wie weit und wie stark strahlt diese zusätzliche Strahlungsquelle?
> Wie wirkt sich die geplante Dauer-Radarstrahlung langfristig für Mensch und Natur aus?
> Wozu wird diese Radar-Station auf unserem Hochficht tatsächlich benötigt?
> Warum diese Eile? Warum soll bereits im Sommer 2005 gebaut werden?
> Wer
profitiert davon?
> Passiert die Wertschöpfung ausschließlich bei der Wiener Firma
AustroControll GesmbH?
> Was kostet die Errichtung und der Betrieb der Anlage? Wieviel Geld wird langfristig wo und von wem damit verdient?
geäußerte Argumente aus der Bevölkerung
optische
Beeinträchtigung
> optische
Beeinträchtigung im Umkreis von mindestens 100 km (Österreich, Tschechien,
Bayern)
> nachhaltige Beeinträchtigung und Schädigung des freien Böhmerwaldhorizontes
> Beeinträchtigung des Böhmerwaldhorizonts vor allem auch für
die tschechische Seite
> die Radaranlage würde den Waldhorizont um das 5-fache überragen
Natur & Umwelt
> Landschaftszerstörung und Landschaftsverbrauch
> Infrastrukturmaßnahmen in einem äußerst sensiblen Waldökosystem
(Straßenbau, Starkstromkabel, Planierung,
)
> Erosion
> Waldschlägerungen in Kammlage (Bergfichtenwald mit seltenen Arten,
einzigartiges Biotop für Ö)
> negative Auswirkungen auf die Vogelwelt
> mögliche negative Auswirkungen auf den Wasserhaushalt
> mögliche weitere Zunahme des Flugverkehrs (Leuchtturmeffekt) mit vermehrten
Emissionen
> Ausbau der Flughäfen im Umkreis zu erwarten mit vermehrtem Flugverkehr
(auf Grund besserer Radarabdeckung!)
> jagdliche Nachteile - Verlust von Ruhegebieten; vermehrte Beunruhigung
von Wildtieren
Nationalpark,
Natura2000
> Verschlechterung des Natura2000-Gebietes Böhmerwald-Mühltäler
> Beeinträchtigung des Nationalparks Sumava auf tschechischer Seite
> UNESCO-Biosphärenreservat Sumava (MaB)
Verlust
von Lebensqualität - Kultur
> Verlust an Lebensqualität für die einheimische
Bevölkerung
> Verlust von Landschaftsästhetik
> kulturhistorische
Verantwortung - Stichwort: Adalbert Stifter
> wahrnehmungspsychologische Aspekte -
Stichwort: bedrohliche Wirkung der Anlage, Verlust von Einzigartigkeit und Unversehrtheit
der Landschaft, Verlust von Schönheit der Landschaft
wirtschaftliche
und touristische Nachteile
> keine nachhaltige
wirtschaftliche Wertschöpfung in der Region
> wirtschaftliche Wertschöpfung ist in Wien (Verkauf der Radardaten
durch die Firma AustroControl GmbH)
> Vernichtung von touristischem Kapital - Stichwort: schöne Landschaft
> touristische Nachteile - intakte Natur versus Radaranlage
> Imageverlust der Tourismusregion Böhmerwald
> mögliche Wertminderung von Immobilien
> weniger Erhöhung der Flugsicherheit sondern vielmehr Ausdehnung des
Wirkungsbereiches der AustroControl GmbH als Motivation
(AustroControl ist eine GmbH mit folgendem Text im Leitbild:
Wir erfüllen die Erwartungen unseres Gesellschafters ... sowie Wertsteigerung
unseres Unternehmens.)
Strahlung
> neue Strahlungsquelle - die Summe aus vielen unterschiedlichen Strahlungsquellen
(Granit, Mobilfunk, Radar,
) macht die Belastung
> negative Auswirkungen der Radarstrahlung - postulierte Unbedenklichkeit
kann wissenschaftlich nicht garantiert werden ... Studien!
demokratiepolitische Defizite
> undemokratische Vorgehensweise seitens des Betreibers -
fehlende Einbindung der Bevölkerung
> zwischenstaatlicher Aspekt - fehlende Einbindung der Tschechischen Republik
in die Planung
> Sicherheitsaspekt - Stichwort: Anschläge und Angriffe
im Krisenfall
mögliche Alternativen
+ Nullvariante
+ Modernisierung der bestehenden Anlage im Sauwald auf den neuesten Stand der
Technik
--- ev. kann somit der vermeintliche Standortnachteil kompensiert werden
+ Kooperation mit der bestehenden Radaranlage am Gr.Arber in Bayern (der Gr. Arber ist noch höher - 1.456 m - als der Hochficht, nur 70 km Luftlinie entfernt und wenig ausgelastet) - Stichwort: gemeinsames Europa - EU
+ unverzügliche Offenlegung aller Planungen, Entwürfe und Finanzströme seitens der Betreiber
+ Information und Einbindung der Bevölkerung und des Nachbarstaates Tschechien
+ eingehende Auseinandersetzung und Berücksichtigung nationaler und internationaler naturschutzrechtlicher Verpflichtungen (OÖ Natur- und Landschaftsschutzgesetz, FFH-Richtlinie und Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union, UNESCO-Programm Man&Biosphere, UN-Biodiversitätskonvention, ...)
+ Einbindung von nationalen und internationalen Experten (Biologen, Ornithologen, Geographen, Ökologen, Nationalparkdirektion, Hydrologen, Psychologen, Risikoforschern, Kulturhistorikern, Ärzten, Tourismusfachleuten, ...)
+ eingehende Prüfung aller räumlichen und technischen Alternativen sowie generell der Notwendigkeit einer neuen Anlage
Böhmerwald im
Besonderen
Die Mittelgebirgslandschaft des Böhmerwaldes stellt das letzte große
zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas dar und erstreckt sich über
die Länder Deutschland, Tschechien und Österreich. Wegen seines einzigartigen
Charakters, den vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten und dem überaus
reizvollen Landschaftsbild stehen weite Teile des Böhmerwaldes unter Schutz.
Die höchsten Erhebungen des Böhmerwaldes, also Seehöhen über
1100 m sind einzigartige Lebensräume. Der Bergfichtenwald beherbergt hier
besonders seltene Tiere und Pflanzen und der Wald selbst entfaltet hier seinen
ganz besonderen Reiz - es ist der Hochwald Adalbert Stifters. Als größte
Schutzgebiete sind der Nationalpark Bayerischer Wald, der Nationalpark Sumava/Böhmerwald
sowie die Europaschutzgebiete Natura2000 zu nennen.
Der Hochficht gehört zum südlichen Herzstück einer der schönsten Erholungslandschaften Mitteleuropas in der Dreiländerregion Tschechien-Österreich-Deutschland. Seine Nord und Osthänge bilden Kernzonen des tschechischen Nationalparks Sumava. Kaum anderswo sind die Höhenzonen unserer Wälder auf engstem Raum so vollständig zu erleben wie hier am Hochficht. Kaum anderswo sind sanfte, unzerstörte Waldhorizonte in dieser Weite und Ruhe erhalten wie hier bei uns, in der Landschaft Adalbert Stifters. Unsere Region hat durch ihren Naturreichtum allergrößte Potenziale der Wertschöpfung über einen stillen, naturschonenden und sozialverträglichen Qualitäts-Tourismus. Potenziale, die zusammen mit den Nachbarn durch die europäische Einigung erst noch weiter ausgeschöpft werden müssen. Diese Chance können wir nur nutzen und für unsere Nachfahren erhalten, wenn die besondere Ruhe, Geschlossenheit und Schönheit des Landschaftsbildes bewahrt wird. Wir sollten erkennen, dass aus der Nachbarschaft der Nationalparke in Tschechien und Bayern auch auf unserer oberösterreichischen Seite der Grenzen Ansehen und Wert geschöpft werden kann.
Mit der Bebauung
des Hochfichts auf oberösterreichischer Seite durch eine Radarstation,
die noch aus 100 km Entfernung den ganzen Horizont des Böhmerwaldes beeinträchtigen
würde, wären die Weichen in die völlig falsche Richtung gestellt.
Nicht nur, dass wir unseren Nachbarn, die mit der Ausweisung der Nationalparke
für den Schutz des Böhmerwaldes Vorbildliches geleistet haben, einen
rücksichtslosen Gewaltakt der Naturzerstörung unmittelbar an der Grenze
vorführen und zumuten - auch die Ziele unseres eigenen oberösterreichischen
Beitrages zur Erhaltung des europäischen Naturerbes sind in Frage gestellt.
Die drohende Zerstörung des einzigartigen Landschaftsbildes stellt uns
die dringliche Frage, wie wir mit diesem gemeinsamen Erbe auch im Blick auf
die uns nachfolgenden Generationen hier in unserer Heimat am Böhmerwald
umgehen wollen.
Der freie Böhmerwaldhorizont von österreichischer Seite aus. Links der Plöckenstein (1.378 m) und rechts der Hochficht (1.338 m) - der geplante Standort der Radaranlage. Der österreichische Böhmerwald ist Teil des Europaschutzgebietes Natura2000 Böhmerwald-Mühltäler.

Der Hochficht/Smrcina von
südböhmischer Seite aus. Schön zu erkennen sind die ausgedehnten
Bergmischwälder und der Bergfichtenwald am Gipfel.
Dieses Gebiet ist Kernzone des Nationalparks Sumava/Böhmerwald sowie UNESCO-Biosphärenreservat..

Der Hochficht im Frühlingskleid.
Auch auf der österreichischen Südseite - ausgedehnte Bergmischwälder
mit einzigartig
ausgeprägter Höhenstufung.

Der Hochficht im Herbstaspekt.

Radaranlage am Haunsberg bei Salzburg.

Radaranlage Kolomansberg (Salzburg)

Radaranlage Kolomansberg (Salzburg)

Radaranlage Speikkogel (Koralpe)

Radaranlage Steinmandl (Weinviertel)

Luftbild des Gipfelbereiches
des Gr.Arbers (1.456 m) im angrenzenden Bayerischen Wald.
Weitgehende Landschaftszerstörung durch Straßen, Gebäude, Radar,
Planierungen, ...
Eine gemeinsame Nutzung
dieser bestehenden Radaranlage durch Deutschland, Österreich und Tschechien
könnte neue Landschaftszerstörung und Geld sparen.
Übersichtskarte: Sichtbarkeit
vom und zum Hochfichtgipfel (weiß - es besteht Sichtkontakt, schwarz es
besteht kein Sichtkontakt) - Ausschnitt Mühlviertel



Südansicht
des geplanten Radarturmes am Hochficht aus dem Einreichplan der AustroControl
GmbH vom 20.03.2005. Zu beachten die Gesamthöhe von 50,05
m.
Alle bisherigen Höhenangaben der AustroControl waren daher stets falsch.


oben: Einreichplan Gesamtansicht
(verkleinert)
unten: interessant ist die Vorkehrung zur Anbringung von Richtfunkantennen

Lage der geplanten Radarstation Hochficht:
im Waldeck zwischen Krumauerabfahrt im Norden und Standardabfahrt im Osten -
unweit der Bergstation der Sesselbahn und der Staatsgrenze.
Einreichplan vom 20.3.2005 als pdf (Turm
und Nebengebäude - Wassertank, Fäkaltank, Asphalt-Vorplatz, Trafostation,
Zaun)
Spendenkonto: KNR 4204-003760, BLZ 20334, Sparkasse Mühlviertel-West