Ein mal Westen und zurück...

... oder die Wasserschlacht am Bodensee


Der folgende Artikel stammt aus der Zeitschrift "Austro Classic" und wurde vom Clubmitglied Markus Czeland geschrieben.

Bilder Gesamtwertung            

Ja, so hören wir wieder von einander. (Wir kennen uns von meinem Bericht über das "car & ski Rallye-weekend" "Nichts neues im Westen?". Ich bin der kleine rote MG B GHN3L-98489 aus Wien, der öfter mal was erzählt).

Die ersten Schneeflocken sind gefallen und die meisten von uns werden nochmals liebevoll gepflegt, mit allerlei Flüssigkeiten versorgt, und sodann ins Winterquartier gebracht. Doch für mich gab es noch Einiges zu erleben.

Wie im Juni bereits befürchtet, hetzt mich mein Besitzer noch an den 680 km von Wien entfernten Bodensee, denn der MG Drivers Club Österreich hat zur "1. Int. Bodenseerallye" gerufen. Aber das gefällt mir an meinem derzeitigen Besitzer, er ist ein richtiger MG Driver, kein Weg ist ihm für eine tolle Veranstaltung zu weit, und keine Mühe zu groß. Stets beeindrucken wir unsere Freunde durch unsere Leistungsfähigkeit.

Angefangen hat alles mit einer Einladung die per Post zu meinem Besitzer gelangte. Von Familienmitgliedern und Freunden kaum ernstgenommen, stellte mein Besitzer (vom MG und Rallye Virus befallen) eine Teilnahme selbstverständlich zu keiner Zeit in Frage. Da ja Vorarlberg doch ein Stück von Wien, wo wir unser normales Leben verbringen, entfernt ist, haben alle unsere Freunde bei diesem Gedanken geschmunzelt. Doch der Termin kam näher und plötzlich bemerkte ich, daß es sogar schon einen Beifahrer gibt - als ausführendes Element der Sache erfährt unsereins (Karre) sowas natürlich als letzter. Ich kam noch schnell zum Service, und als sich herausstellte, daß an diesem Wochenende keine Autoreisezüge von Wien nach Vorarlberg und zurück gehen, war mir klar, es wird ein intensives Wochenende und keine normale Spazierfahrt werden.

Es ist soweit, Freitag Nachmittag, 10. Oktober 1997. Die Crew nimmt Platz, und wir quälen uns durch den Berufsverkehr zur Westausfahrt. Nachdem wir endlich den städtischen Verkehr hinter uns gebracht haben, setzt mein Pilot auf der Westautobahn zum Renntempo an. Doch diese Freude laß ich meiner Besatzung nur kurz, vor St. Valentin beginne ich ein Geräusch aus der Getriebegegend vorzuspielen, eine alte Dame ist schließlich kein Rennwagen. Und wie ich‘s mir gedacht habe, in St. Valentin machten wir bei den netten Herrn vom ÖAMTC die erste Rast. Die haben mich dort kurz durchgecheckt und gaben meinem Fahrer die Erkenntnis mit auf den Weg, "Des is a oalter Engländer, der darf a bisserl singen." Dadurch etwas zur Vernunft gebracht, ging es wieder weiter. Mein Besitzer hat sich nun wieder langsam an die zuvor gefahrene Geschwindigkeit herangetastet. Hat doch was genützt, das ich mich mal wieder bemerkbar gemacht habe. Doch was ist nun? – Es beginnt zu regnen, und als wir dann Salzburg passieren, schüttet es in Strömen. Eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 60 km/h ist das Höchste der Gefühle (erkennt sogar mein Besitzer). Die durch die widrigen Witterungsverhältnisse verursachten Verzögerungen erlauben uns erst um Mitternacht eine Ankunft bei unserem Clubkollegen Herbert Fohgrub in Bregenz, der uns freundlicherweise Garage und Bett zur Übernachtung angeboten hat.

Am nächsten Morgen bekam ich noch meine Streicheleinheiten in Form von Öl-, Wasser- etc. "Final Check", bevor es nach Dornbirn zum Start der 1. Int. Bodenseerallye geht. Am Startplatz im Gütle angekommen, mußte ich feststellen, daß bereits über 150 Zuschauer vor Ort sind und die teilnehmenden Fahrzeuge bewundern. Und ich, als kleiner roter B, im Schatten von 38 anderen, zum Teil edleren Gefährten eher unauffällig bin. Aber mit einem Kennzeichen aus Wien, und mit eigener Kraft auf der Straße angereist, war auch ich etwas Besonderes. Sogar einer meiner großen Brüder, der MGC-GT der Familie Fellner aus Wien, war zu meiner Freude da, mit dem konnte ich mich wenigstens auf wienerisch unterhalten. Die meisten anderen Fahrzeuge sprachen diese komische Sprache, die ich in Imst schon gehört, und bereits etwas gelernt habe, (Vorarlbergerisch, und ähnlich klingende Dialekte). Neben mir kamen alle meinen Verwandten aus Abingdon, die nach dem Krieg gebaut wurden und sogar ein TA Bj. 1938 und natürlich unsere Freunde von Mercedes, Porsche, Jaguar, Austin Healy, Triumph, Sunbeam, Puch, ein Talbot Lago America und viele andere zum Stehen. Wir hatten aber wenig Zeit um uns zu beschnuppern. Es sprach sich schnell herum, daß wir kurz vor dem ersten Höhepunkt der Veranstaltung standen.

Eine abgesperrte, 7 km lange und sehr kurvenreiche Bergstrecke mit in Stein gehauenen Tunnels wartete bereits darauf, von uns in zügigem Tempo befahren zu werden. Dies jedoch in einer vom Fahrer vorher bekanntgegebenen Durchschnittsgeschwindigkeit. Die vielen Zuschauer und die Präsenz der Medien in Form von Zeitungen und dem ORF dürften die Piloten in eine Art Rennfieber gebracht haben, denn sie gaben uns ganz schön die Sporen. In Ebnit angekommen, so heißt das wunderschön gelegene Bergdorf oberhalb Dornbirns, mußten die Team’s noch die Sonderprüfung "Reifenkegeln" absolvieren (Goodyear gegen Bierflaschen).
So blieb uns Fahrzeugen Zeit, unsere Bremsen, Kühlsysteme und andere lebenswichtigen Organe abzukühlen zu lassen, bevor es wieder zur Talfahrt ging. Die Bergwertung war für den ersten Tag die einzige zu fahrende Prüfung, was mir recht war, denn ich war von der Anreise noch etwas müde.

Am Sonntag ging es dann so richtig los. Wir trafen uns in Bregenz bei der Fußgängerpromenade am Schiffshafen. Es regnete bereits ein wenig. Die Teilnehmer ließen sich jedoch dadurch nicht ihre gute Laune verderben, bei der Startlinie mit einer kleinen Schnapsflasche beschenkt, starteten sie zur Bodensee Etappe, stets mit der Hoffnung, daß sich das Wetter bessern würde. Die Strecke führte uns auf schweizerischen Straßen, die sich am Rohrschacherberg hoch über den See erheben und auch am Bodenseeufer entlang führten. Es waren wunderschöne, mit Herbstlaub bedeckte, Straßen, und man konnte oft auf den Bodensee hinabblicken. Der Weg führte uns durch eine sehr beeindruckende und pittoreske Landschaft und wurde durch anspruchsvolle, interessante und witzige Sonderprüfungen aufgelockert. Besonders lustig war ja die Aufgabe für die Teams: Bringen Sie mir bitte in diesem Gefäß 1/4 l Bodenseewasser, und schätzen Sie die Wassertemperatur. Nicht nur die Fahrer des TC’s und TF’s haben sich kurz überlegt, ob sie nicht die Fußmatten auswinden sollen, Wasser war ja ausreichend im Fahrzeuginneren. Diese sind ja stets ohne Seitenscheiben gefahren, da kam das Wasser nicht nur von oben, sondern auch von den Wasserfontänen der vorbeifahrenden Fahrzeugen des Gegenverkehrs ins Fahrzeuginnere. Wer jedoch 2.000 km durch Deutschland, im Team "MG Forever" fährt, den kann sowas nicht erschüttern. (An dieser Stelle schöne Grüße an die Clubmitglieder Franz (TC) und Kurt (TF), sowie an deren Kopiloten)

"Für uns Oldtimer kam die erste Erholung auf der Bodenseefähre von Konstanz nach Meersburg, in der wir dicht gedrängt wieder einmal untereinander Kontakt aufnehmen konnten. Der MG Drivers Club Österreich gab sich sehr viel Mühe, die 35 angetretenen Team’s bei guter Laune zu halten. So gab es bei den Sonderprüfungen zu Essen und an die notwendigen Aufwärmpausen wurde gedacht - war ja bei den gegebenen Witterungsbedingungen schon sehr von Vorteil. Garagen gab es nicht, denn wir Engländer sind so ein Wetter ja gewohnt. Das Ziel fand sich dann in Kressbronn, am deutschen Bodenseeufer. Da kamen auch meine Verwandten endlich einmal zur Ruhe, und so konnte ich mich mit jenen TC’s und TF’s aus der Schweiz oder dem A’s, B’s und C’s aus Deutschland und Österreich unterhalten, die kurz nach der Geburt in Abingdon in Kontinentaleuropa verblieben sind oder wieder hierher zurückgekehrt sind.

Die Veranstaltung trägt die Bezeichnung "International" zu recht im Titel. International war die Streckenführung, der Teilnehmerkreis und sogar das Organisationsteam setzte sich aus Mitgliedern aus zwei Nationen zusammen. Also, ein vereintes Europa existiert und funktioniert!

In einem Gasthaus wurden noch unsere Piloten als Sieger gefeiert und ich bereitete mich währenddessen auf meine lange Heimreise vor, denn wir sollten noch diese Nacht wieder in Wien ankommen. Den Preis für die weiteste Anreise teilte ich mit einem grünen MG C, der ebenfalls aus Wien anreiste. Wir bekamen als Dank von der Firma BP eine Tankfüllung spendiert, und konnten auf der Heimreise somit den edlen Tropfen aus unsere Heimat konsumieren.

Daß es die 680 km nach Wien wieder in Strömen regnete erwähne ich nur ungern, trotzdem kamen wir nach 6 1/2 Stunden in Wien an. Etwas erschöpft zwar, aber keiner an Bord hatte es bereut, die 1.600 km zurück gelegt zu haben, denn was das Organisationsteam des MG Drivers Club Österreich uns die zwei Tage an Erlebnis, Eindrücken und Geschenken mitgegeben hat, wiegt alle Strapazen mehr als auf.

Somit kann der Winterschlummer in der Garage beginnen, denn es gibt wieder viel zu träumen in der kalten Zeit des Jahres. Wir dürfen uns bereits auf die nächste Saison freuen, wenn es wieder heißt "Safety Fast" - auf zur 2. Int. Bodenserallye.

 

Euer GHN3L-98489.


Für das Sponsoring und der Bereitstellung von Sach- und Sonderpreisen bedankt sich der MG Drivers Club Österreich bei

BP, Goodyear Austria, Volksbank, Zürich Kosmos Versicherungen,
Rover Austria, Castrol


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