Mediation            -               der andere Weg Konflikte zu lösen



               Mediation - Eine Brücke vom Konflikt zum Konsens

Konflikte sind nicht zu fürchten, sondern zu regeln, sie wollen gekonnt ausgetragen werden. Ein eigenverantwortlicher Weg, dies mit Hilfe eines neutralen Dritten zu tun, ist die Mediation.

Bereiche, in denen Mediation Erfolg verspricht: Trennung, Scheidung, Erbstreitigkeiten, schulische Differenzen, Wirtschafts- und Arbeitskonflikte, Nachbarschaftsprobleme etc.  

Vor einiger Zeit war ich auf der Suche nach einem „Streit“-Fall für die Abschlussarbeit meiner Mediationsausbildung. Ich fragte einige Bekannte, ob sie nicht jemanden kennen, der sich in einem Konflikt befindet und diesen mit Hilfe einer Mediation und mit mir als Mediatorin klären möchte. Da nahm mich David, mein Sechsjähriger, zur Seite und meinte: „Mama, nimm doch einfach den Kuckuck und den Esel!“

Wie so oft wusste ich nicht, was mein Junior von mir wollte. Als er meinen Gesichtsausdruck sah, ergänzte er: „… die hatten einen Streit!“ – Ich war gerührt. Das war’s! Immer wenn ich diese Anekdote jemanden erzählte, musste ich lachen. Und lachen hilft immer. Schon wenig später bekam ich meinen Abschlussfall. Die Idee, die beiden tierischen Gesellen zu mediieren, hat mich aber nicht mehr verlassen.

Mit Vergnügen habe ich mir das alte Kinderlied „Der Kuckuck und der Esel“, genauer angeschaut und festgestellt: Am Beispiel dieser streitbaren Viecher lässt sich die Methode ganz gut erklären, vor allem mit dem nötigen tierischen Ernst.

Der Kuckuck und der Esel, die hatten einen Streit, wer wohl am besten sänge, wer wohl am besten sänge zur schönen Maienzeit, zur schönen Maienzeit.

Über Geschmack kann man, wie wir wissen, streiten, aber wie will man ihn verhandeln?

Oft sind derartige Geschmacksdiskussionen nur Symptomträger für tiefer liegende Konflikte. Für alte Kränkungen, die nicht ausgeredet wurden, für Missverständnisse oder falsche Annahmen. Die Mediatorin· erhellt durch professionelles Nachfragen diese Altlasten, die in diesem Konflikt mitschwingen beziehungsweise für ihn verantwortlich sind, indem sie taucht. Sie sieht nicht nur die Spitze des Eisbergs, sondern sie holt die Muscheln vom Meeresgrund. Nicht alle, nur jene, die für das Verständnis des Konfliktes wichtig sind.

Die Kommunikation läuft immer über die Mediatorin, die den beiden Parteien neutral, in der Fachsprache allparteilich, gegenübersitzt. Das heißt, der Kuckuck und der Esel sind mir gleich lieb, ich hege keine spezielle Vorliebe für sture langohrige Vierbeiner noch für Piepmätze, die ihre Eier in fremde Nester legen. Ich versuche mich in die Situation beider einzufühlen, bin den Klienten gegenüber sozusagen empathisch. Ich höre mir aktiv, sehr interessiert, an, wie es zu diesem Streit gekommen ist. Häufig wiederhole ich Gesagtes, manchmal im gleichen Wortlaut, manchmal mit eigenen Worten. Das nicht deswegen, weil mir selber nichts Gescheites einfällt, sondern weil dadurch die Kontrahenten die Möglichkeit bekommen Sachverhalte zu hören, die durch ihre Verstricktheit oft jahrelang nicht bei ihnen angekommen sind. Außerdem gewährleistet dieses Wiederholen oder Spiegeln, wie wir es nennen, dass ich als Mediatorin sicher bin, die Sachlage richtig verstanden zu haben.

In unserem Streitfall „Kuckuck versus Esel“ könnte ich folgendermaßen vorgehen: Ich würde mich mit beiden an einen runden Tisch setzen und ihnen kurzerhand die Grundvoraussetzungen für eine Mediation darlegen:

Eine davon ist die Freiwilligkeit. Die Parteien nehmen freiwillig an den Sitzungen teil, und alle Beteiligten, auch die Mediatorin, haben jederzeit das Recht, die Mediation zu beenden. Die Klienten verpflichten sich zur Offenheit und zum gegenseitigen Vertrauensschutz. Die Mediatorin unterliegt der Schweigepflicht. Im Mediationsvertrag werden diese Punkte sowie die Vereinbarung, zu welchen Anteilen die Kosten geteilt werden, festgehalten. Alle erklären sich bereit, auf jedwede Gewalt zu verzichten und fair zu verhandeln. Für dieses faire Verhandeln müssen einige Kommunikationsregeln beachtet werden.

Der Kuckuck sprach: „Das kann ich“ und fing gleich an zu schrei’n. „Ich aber kann es besser, ich aber kann es besser“, fiel gleich der Esel ein, fiel gleich der Esel ein.

Am Beispiel unseres Streitpaares würde ich den Esel darauf hinweisen, dass wir vereinbart haben, uns nicht zu unterbrechen. Dass er aber noch genügend Zeit finden wird, seine Anliegen vorzubringen. Beim Kuckuck würde ich nachfragen: „Sie haben gesagt, ‚das kann ich’. Was meinen Sie damit? Was können Sie? Möchten Sie mir das vielleicht näher erklären. Welches Bedürfnis steht hinter Ihrem Singen? Was brauchen Sie, damit Sie das Gefühl haben, gehört zu werden oder gut bei Ihrem Publikum anzukommen?“ Adäquate Fragen stelle ich dann auch dem Esel.

Die Bedürfnisse jedes Einzelnen werden gehört und berücksichtigt. Es werden gemeinsam Lösungen für einen Konsens gesucht. Zuletzt wird einen Vereinbarung getroffen, die für alle Beteiligten gut lebbar ist. Und im günstigsten Fall geht eine Mediation aus wie unser Kinderlied:

Das klang so schön und lieblich, so schön von fern und nah. Sie sangen alle beide, sie sangen alle beide „Kuck-kuck, kuck-kuck, i-a, kuck-kuck, kuck-kuck, i-a.

 

Weitere Informationen finden Sie unter:
http://www.oebm.at

http://www.aspr.ac.at/museum/mediation_abc.pdf


· Der Einfachheit halber schreibe ich aus meiner Sicht „Mediatorin“, wohl wissend dass es auch den Herrn Mediator gibt.

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