Mozarts Haftungserklärung

Michael Lorenz

 

Mozarts Haftungserklärung für Freystädtler. Eine Chronologie

 

Im Verlauf einer Forschungsarbeit zur Biographie des Klaviermeisters, Komponisten und Mozartschülers Franz Jakob Freystädtler, die mit umfangreichen Recherchen in unbearbeiteten Primärquellen verbunden war, kam es bereits zu mehreren überraschenden Funden zur Biographie Mozarts. Mozart gab im Herbst 1786 ein schönes Zeugnis seiner Freundschaft zu einem Schüler, der sich unversehens wegen Verdacht des Diebstahls im Polizeiarrest wiederfand. Wegen der massiven Aktenvernichtung im Bestand der Niederösterreichischen Stadthalterei[1] (Niederösterreichisches Landesarchiv), des Hofkriegsrats (Kriegsarchiv) und des Magistratisches Zivilgerichts (Wiener Stadt- und Landesarchiv) können die Ereignisse zwischen September 1786 und April 1787 leider nur fragmentarisch rekonstruiert werden.

 

1. Freystädtlers finanzielle Situation im Jahr 1786

 

Franz Jakob Freystädtler befand sich im Frühjahr 1786 in einer überaus schwierigen finanziellen Lage. Er war seit September 1782 in München als Klavierlehrer tätig, wo er im Vertrauen auf den baldigen Tod seines kranken Vaters schon zu dessen Lebzeiten Schulden auf das zu erwartende Erbe machte. Als er nicht in der Lage war, seine ungeduldig werdenden Gläubiger zu befriedigen, wurde er von der Münchner Polizei arretiert. Genauere Informationen zu Freystädtlers Vorgangsweise sind in den behördlichen Protokollen der folgenden Jahre erhalten. In der Sitzung des Salzburger Hofrats am 26. Mai 1789, in der die Auszahlung des Freystädtlerschen Erbes zur Verhandlung kam, werden die Ereignisse des Jahres 1786 rückblickend beschrieben:

 

 

Dieser Freystädtler hat bereits schon sub pkto 9. April 1788 nachdem er durch ungestime und respectlose theils an hiesiges Stadtgericht, und theils an Stadtmagistrat erlassene Zuschriften sein väterliches Erbgut pr: 919 f 53 x [2] nicht erhalten können, durch den Lit[enziat] Zauner bey dieser Justiz=Stelle gegen gedachtes Stadtgericht eine Beschwerde eingelegt, welche demselben umkerend 12. ejusdem durch Befehl um Erläuterungsbericht zugefertiget worden.

 

Der hierüber erstattete Bericht von 9. May darauf gibt des völleren Inhalts zu entnehmen, daß dieser Freystadtlerische Sohn schon bey Lebzeiten seines Vaters ein leichtsinniger, jedoch sehr fähiger Mensch zum Klavier schlagen gewesen, dabey aber unerachtet der Correction seines Vaters einen nicht geringen Hang zur Verschwendung gezeüget habe. Derselbe ist auch wehrender Zeit seines Aufenthalts zu München, wo er doch sein zimliches Auskommen verdient hatte, wegen Schulden in Civil=Arrest gesetzt worden, wovon er sich, weil seine Ältern für ihn nichts bezahlen wollten, lediglich dadurch loßgemacht, daß er bey dem Oberrichteramt zu München die Creditores auf seine hier sicher zu suchen habende Erbschaft angewiesen habe;

 

wie dann bemeltes Ober=Richter Amt nach der Hand auf desselben väterliches Erbgut um den Arrest nachgesucht, auch von dem alhiesigen Stadtgericht 151 f. 12 Xer erhalten hat.[3]

 

 

Nach dem Tod des Vaters wurden Freystädtlers Schulden in München durch das Salzburger Stadtgericht vom Erbe abgezogen und am 16. Jänner 1788 an das Münchner Oberrichteramt geschickt.[4] Von den in der Erbsverteilung vom 11. Jänner 1788 ausgewiesenen 1071 Gulden und fünf Kreuzer des väterlichen Erbes[5] blieben nach Abzug der Schulden, Zinsen, Advokatsdeserviten und Gerichtsgebühren nur 421 Gulden übrig.[6]Zu der genannten, schon beim Münchner Stadtgericht eingeklagten Summe von 151 Gulden kamen noch weitere Forderungen: Rosina Huber, „Weingastgeberin zum römischen König[7]“ in München (15f 24x), ein Herr „Tomaso in München“ (31f 54x), Valentin Worowsky Kupferhändler (10f 48x) und Philipp Luger[8], bürgerlicher Hutmacher in Salzburg (4f). Beim letzten Außenstand handelt es sich noch um einen Teil der Altschulden des Jahres 1782, die wohl auch ein Grund für Freystädtlers Abreise nach München gewesen waren. Eine Salzburger Forderung war auch jene über 16f 37x. des Franz Müllechner „bürgerlicher Schneider=Meister alhier“. Freystädtlers Mutter hatte sich erweichen lassen und ihrem Sohn bereits 280 Gulden und 50 Kreuzer vorgestreckt, die sie 1789 ebenfalls vom Erbe einbehalten sollte.[9]

 

2. Ein Fortepiano wird vermißt

 

Freystädtlers Versuch, sich in München irgendwie durchzuschwindeln endete in einer prekären Fehlspekulation, denn sein Vater Johann Jacob Freystädtler sollte – wohl nach langer Krankheit – erst am 4. Juli 1787[10] sterben. Freystädtlers Abreise von München im Mai 1786 erfolgte mit großer Wahrscheinlichkeit fluchtartig unter dem Druck der Gläubiger. Er erwartete sich im „Klavierland“ Wien besseres Auskommen, vermittelnde Hilfe durch Mozart und einen beruflichen Neuanfang an einem Ort, wo er endlich den zweifelhaften Ruf der Salzburger Jugendjahre hinter sich lassen konnte. Am 13. Mai 1786 traf er in Wien ein.[11]

 

Doch bald wurde er von seinen Münchner Problemen eingeholt. Ein „Pfalzbayerischer Hauptmann“ namens Haißer hatte 1786 vermutlich in Form eines Darlehens Freystädtlers Hilfe in Anspruch genommen, bei dessen Rückzahlung es zu einem Mißverständnis kam. Freystädtler forderte das Geld von Haißer und schritt, als dieser die Bezahlung hinauszögerte, zur Selbsthilfe: da er die Zahlung nicht abwarten wollte und Haißer sich im Mai 1786 nicht in München befand, nahm er das Klavier, das der Hauptmann ihm geliehen hatte, kurzerhand nach Wien mit. Nach dem Studium der Akten erscheint hingegen Freystädtlers Darstellung der Ereignisse ebenso plausibel: der Hauptmann habe ihm zur Begleichung der Schuld das Klavier übergeben und ihm gesagt, er solle es verkaufen. Haißer hielt sich im Mai 1786 in Straubing auf und bemerkte Freystädtlers Verschwinden erst bei seiner Rückkehr nach München. Bei seinem Kommandanten beantragte er schriftlich die sofortige polizeiliche Arretierung und Vernehmung dieses Salzburger Klaviermeisters, dessen Name ihm leider entfallen war. Haißers Vorgesetzte verzögerten jedoch alle Nachforschungen: was für Sinn sollte es auch haben, im Ausland einen anonymen Pianisten ausfindig machen zu wollen? Der Stab des Regiments Wahl unterschätzte aber Haißers Hartnäckigkeit und die Fähigkeiten der Wiener Polizei.

 

Auf der Tagesordnung der Sitzung des Wiener Hofkriegsrats am Mittwoch den 13. September 1786 stand ein Ersuchen des Stadtkommandanten von Straubing,[12] einen „gewißen Jacob Freystadtler“ ausfindig zu machen:

 

 

Nrus & Datum

Sessionis.         Sessio 73 dd 13 Sept 1786

Nrus. Exhibiti.         1079.

Exhibens.         Gavillet Obrister und Stadt

Commendant zu Straubingen.

Heiser Hauptmann

Freystadter Claviermeister

 

Inhalt des Exhibit.            dd 3ten dieß, übersendet ein Promemoria des Khurpfälzisch Bayrischen Hauptmanns Heiser. welcher um Verfügung bittet, womit ein gewißer Jacob Freystadtler Klaviermeister von Salzburg wegen eines ihm geliehenen großen Forte Piano zur Red gestellet, auf seine des Supp[len]tens Unkösten in Verhaft genommen, und vom Erfolg eine Nachricht gegeben werde.

                                                [Beilage] 1 Stück

 

Erledigung des Exhibiti.            dem Regierungs Präsidenten Grafen von Bergen wird dieses Ansuchen der Commendantschaft zu Straubingen als ein dahin gehöriger Gegenstand zur weiteren einleitenden Veranlassung übergeben.

 

Expedit.            an den Regierungs Presidenten Grafen Bergen

 

Datum der

Erledigung des Exhibiti. 16t 7ber 1786

Nrus des

Fascicul. 40

Nrus des Stuck. 190

 

 

Am 23. September 1786 langte diese, die Arretierung Freystädtlers betreffende Note des Hofkriegsrats bei der Niederösterreichischen Statthalterei[13] ein.

 

 

Zahl der Stücke.       21275/1335

Tag der Einlangung.      23 [September 1786]

Referent.         Graf v Hartig[14]

 

Von wem die Stücke

eingelanget? und

deren Gegenstand.            Note des Hofkriegsraths, das Ansuchen des Pfalzbayerischen Hauptmanns Haisser um die Arretierung eines sicheren Freystädler betreffend

 

Tag der Entscheidung.   25 [September]

Tag der Ausfertigung.      25.

Registrationsfaszikel

in welchem das Stück

zu finden.         G. 27

 

 

Zu diesem Zeitpunkt war Freystädtler schon in Gewahrsam der Polizei, denn der Bericht über seine „Ausfindigmachung“[15] lag der Regierung bereits am 30. September vor.

 

 

Zahl der Stücke.      21798/1370

Tag der Einlangung.      30 [September]

Referent.         G v Hartig

 

Von wem die Stücke

eingelanget? und

deren Gegenstand.            Polizey Oberdirektions Bericht den ausfindig gemachten Jakob Freystädtler betreffend

 

Tag der Entscheidung.   3 [Oktober]

Tag der Ausfertigung.      4.[Oktober]

Registrationsfaszikel

in welchem das Stück

zu finden.                          G. 27

 

 

Die Obrigkeit hatte es nicht eilig: erst am 9. Oktober 1786 widmete sie sich dem Bericht der Polizeioberdirektion[16] über die von Freystädtler gemachte Aussage.

 

 

Zahl der Stücke.      22549/1403

Tag der Einlangung.      9 [Oktober]

Referent.         G v Hartig

 

Von wem die Stücke

eingelanget? und

deren Gegenstand.            Polizeyoberdirektions Bericht die

vom Jakob Freystädtler aufgenommene Aussage betreffend

 

Tag der Entscheidung.   13 [Oktober]

Tag der Ausfertigung.      16

            17. [Oktober]

Registrationsfaszikel

in welchem das Stück

zu finden.                          G. 27

 

 

Am folgenden Tag traf bei der Regierungsstelle eine schriftliche Bitte Freystädtlers ein: „selber bittet des Arrestes entlassen zu werden“[17].

 

 

Zahl der Stücke:      22637/1408

Tag der Einlangung:      10 [Oktober]

Referent.         G v. Hartig

Von wem die Stücke

eingelanget? und

deren Gegenstand.            Freystädtler Jakob bittet um

Entlassung vom Arreste[18]

Tag der Entscheidung.   13 [Oktober]

Tag der Ausfertigung:.   11 Oktob:

Registrationsfaszikel

in welchem das Stück

zu finden.         G. 27[19]

 

 

Hof des Polizeihauses
Der Hof des alten Polizeihauses in der Sterngasse


Die Regierung wartete drei Tage[20] mit der Entscheidung zur Freilassung des mutmaßlichen Klavierdiebes und es kam erst am 13. Oktober zur Ausfertigung eines Haftentlassungsbescheides für Freystädtler. Die Situation hatte eine entscheidende Wendung erfahren. „Kapellmeister Mozart“, Freund und Lehrer des Verdächtigen stellte eine Kaution und konnte das Mißtrauen der Obrigkeit mit einer schriftlichen Erklärung ausräumen, für Freystädtler auf die Dauer des gerichtlichen Streits zu haften. Der Inhalt der Aussage Freystädtlers wird in den Protokollen der Stadthalterei nicht behandelt. Aus dem Bericht der Regierung an den Hofkriegsrat geht jedoch hervor, daß Freystädtler das Klavier als Ersatz für Hauptmann Haißers Schulden zurückbehalten hatte und der Meinung war, daß er auf 30 Gulden verzichtet und Haißer eigentlich ein gutes Geschäft gemacht habe.[21] Auch Mozarts Kautionsleistung ist durch das Protokoll des Hofkriegsrates dokumentiert. Am 21. Oktober 1786 kam dieses Exhibens[22] im Hofkriegsrat zum Vortrag:

 

 

Nrus & Datum

Sessionis.         Sessio 84 dd 21 Octob 1786

Nrus. Exhibiti.         1264

Exhibens.         N: O: Regierung.

 

Freystädtler Jacob

Haiser H[au]ptm[ann]

Mozard Capellmeister

 

Inhalt des Exhibit.            dd 13ten dieß, erinnert auf die Nota von 16 Sept: N 1079. daß der Jacob Freystadtler zwar in Arrest genommen, jedoch auf sein Angab, daß der pfalzbayrische Hauptmann Haiser ihme beiläufig 80 fl schuldig sey, das mit sich genommene Forte piano aber nur höchstens 50 fl werth wäre und er Freystadtler an seiner Schuld annehmen wolle, so habe man ihm eins weilen gegen Zurückbehaltung des vorbemelten Forte piano und der Caution des Kapellmeisters Mozart des Arrests zu entlaßen befunden.

                                                ·/· [Beilagen] 2 Stück

                                               ab Excell[iss]imo

 

Erledigung des Exhibiti. Reponatur

                                               videat G[ene]ral Com[man]do zur Verständigung der Comendantschaft zu Straubingen

Datum der

Erledigung des Exhibiti. den 25 8ber 1786

Nrus des

Fascicul. 58

Nrus des Stuck. 743

 

 

Mozard im Hofkriegsrat


Freystädtlers Haft ist für die Dauer von 14 Tagen (etwa 29. September bis 13. Oktober) dokumentarisch belegt.[23] Es dauerte fast zwei Monate, bis sich Hauptmann Haißer wieder bei der Niederösterreichischen Regierung[24] meldete:

 

 

Zahl der Stücke:      27483/11761

Tag der Einlangung:      15 [Dezember]

Referent:         von Hackher[25]

 

Von wem die Stücke

eingelanget? und

deren Gegenstand:      v. Heißer wirkl[icher] Hauptmann zu Pfalz

Bayern: um Zurückstellung seines Klaviers, und Erweisung der von dem Jakob Freystädtler an ihn machenden Schuldforderung.

 

Tag der Entscheidung:   19 [Dezember]

Tag der Ausfertigung:      29.

Registrationsfaszikel

in welchem das Stück

zu finden:                                    G. 27

 

 

Es ist nicht feststellbar, ob Freystädtler seine Forderung an Haißer glaubhaft belegen konnte. Der Hofkriegsrat widmete sich in der ersten Sitzung des Jahres 1787 der im Departement F zur Beratung stehenden Causa Haißer gegen Freystädtler[26]:

 

 

Nrus & Datum

Sessionis.         Sessio 1 dd 2 Jan 787

Nrus. Exhibiti.         1.

Exhibens.         Pergen Graf President.

der N: O. Regierung.

Heisser Hauptmann

Freystaedter Claviermeister

Inhalt des Exhibit. pra[e]s[entatum] den 29 Xber 1786.

dd 19ten dies, theillet mit ad N 1264. das von dem Khurpfälzischen Hauptmann Haiser eingelangte Schreiben, worinne er um gerichtliche Assistenz wieder den hiesigen Klaviermeister Freystadter wegen seiner an ihn habenden Forderung machet, und erinnret anbei, daß dem Supplicanten diese seine Schuld beim hiesigen Magistrat als der behörigen Gerichtsstelle zu betreiben, und hierwegen einen Vertretter fürzuwählen bevorstehe, daher hievon durch Behörde verständiget, und hiernach angeleitet werden mögte.

                                                / 1 Stück         ab Excell[iss]imo

 

Erledigung des Exhibiti. Reponat[ur]

                                               videat G[ene]ral Com[man]do zur umständlichen Verbescheidung des Hauptmann Heisser durch die Comendantschaft zu Straubingen unter Zurückstellung des allegierten attestats.

                                                                       [Kanzleivermerk]

 

Datum der

Erledigung des Exhibiti. den 6ten Janner 1787

Nrus des

Fascicul. 58

Nrus des Stuck.                        6

 

 


Assistenzansuchen 1786


 

Es kam nun zu einem Verfahren vor dem Wiener magistratischen Zivilgericht, das durch langes, wohl dienstlich bedingtes Abwarten Haißers verzögert wurde. Mozart brach am 8. Jänner 1787[27] nach Prag auf, um dort auf Einladung „einer Gesellschaft grosser kenner und Liebhaber“[28] Konzerte zu geben und Aufführungen des „Figaro“ beizuwohnen. In seinem Brief vom 15. Jänner an Gottfried von Jacquin schickte er den bekannten Gruß an „Gaulimauli“ in Wien. Freystädtler, von dem in der Literatur schon oft vermutet wurde, er habe die Reisegesellschaft nach Prag begleitet, hätte aber wegen seines Gerichtsverfahrens auch dann in Wien bleiben müssen, wenn er über die finanziellen Mittel zur Reise verfügt hätte. In den Contentiosa des Wiener Magistrats[29] begegnen wir am 16. April 1787 erneut der Forderung Hauptmann Haißers, der den Wert seines Klaviers natürlich höher einschätzte als Freystädtler:

 

 

Numerus des Exhibiti.      10420

Namen.            Freistättler

 

Inhalt des Geschäfts.            N: Musicus von Salzburg @ [contra] N: v: Heisser Hauptmann wegen Entschädigung über ein von dem Geklagten entwendetes Klavier p. 100f Ersuchschreiben von Straubing

dto: 16ten April 1787

Repon. sub Fasc.      7

Numerus der Registratur.   369

 

 

Mag. Zivilgericht


Der Akt des magistratischen Zivilgerichts Faszikel 7 – 369/1787 ist nicht erhalten und der Ausgang des Gerichtsverfahrens ist daher ungewiß. Mozarts Bürgschaftsrevers für Freystädtler befand sich zu diesem Zeitpunkt noch bei der Niederösterreichischen Regierung und Mozart ersuchte am 18. April – fünf Tage vor seiner Übersiedlung von der Stadt auf die Landstraße zu Georgi 1787 – schriftlich um die Rückstellung dieses Dokuments. Entweder war die Causa zu einem gerichtlichen Abschluß gekommen, oder Mozart war mißtrauisch geworden und sah sich mit der Möglichkeit konfrontiert, noch für weitere Forderungen an seinen Freund haftbar gemacht zu werden. Die Mozarts Gesuch betreffende Eintragung im Index der Stadthalterei[30], Gruppe G aus 1787 lautet:

 

 

Gegenstand.            Mozart

Wolfgang Gesuch um Zurukstellung des für den Jakob Freystädtler eingelegten Bürgschafts Instruments: 24t April

Numer des

Einreichungsprotokolls

nach der Ordnung, wie

sie in demselben gelaufen.            8565.

Numero des Faszikels in

welchem diese Stücke

zu finden.                                    G. 27

 

 

Index 1787

 

 

Die betreffende Eintragung unter Freystädtlers Namen:

 

 

Gegenstand.                                    Freystädtler

Jakob, den wegen ihme von dem Mozart eingelegt zurükforderenden Revers b[e]t[reffend]: 24t April

[w. oben][31]

 

 

Im Einreichungsprotokoll der Landesstelle[32] kommt noch einmal Mozarts Haftungserklärung zur Sprache:

 

 

Jahr 1787

Monat April

Zahl der Stücke.                        8565

Tag der Einlangung.                        18 [April]

 

Referent.                                     von Hackher

Von wem die Stücke

eingelanget? und

deren Gegenstand.                   Mozart Wolfgang Amadeus:

um Erfolgung des für den Jakob Freystädter eingelegten Reverses, für ihn bis zur Endigung des zwischen selbem und dem H[au]ptmann Grafen von Heister[33] wegen eines Fortepiano obwaltenden Streites zu haften.

 

Tag der

Entscheidung.                                    24:

Tag der

Ausfertigung:                                    22 May

Registratursfaszikel

in welchem das Stück

zu finden:                                    G. 27.

 

 

Mozarts Reversrückforderung


 

Mit der Rücksendung von Mozarts Haftungserklärung endet diese Affäre in den Akten. Weitere Spuren des Gerichtsverfahrens konnten auch in den späteren Jahrgängen der Protokolle und Contentiosa nicht gefunden werden. Wer war nun jener bayerische Militär, der Freystädtler ins Gefängnis stecken ließ und sogar den Wiener Hofkriegsrat belästigte, um sein Fortepiano zurückzubekommen?

 

3. Hauptmann Anton David Haißer

 

Laut Musterlisten des Regiments Wahl[34] stammte der lutherische Anton David Haißer (so seine eigenhändige Unterschrift, ansonsten auch: „de Haiser, von Haißer, Häuser“) aus Hanau im Hessischen[35], wo er um 1760 geboren wurde. Er war zunächst Fähnrich in kurmainzischen Diensten, kaufte sich aber Mitte 1785 vom Hauptmann Jakob von Camerlo dessen Stelle beim kurbayerischen Regiment Wahl. Als Bürgerlicher, Lutheraner und Ausländer kam er von Anfang an im dortigen Offizierskorps nicht zurecht. Seine notorischen Beschwerden wurden zunächst unterdrückt, 1790 kam es jedoch zum Skandal: auf Haißers Anzeige hin förderte eine Untersuchungskommission gravierende Mißstände und Korruption zutage. Der Regimentskommandeur und sein Vertreter wurden strafversetzt, sechs weitere Offiziere für 14 Tage in Arrest gesteckt. Der Regimentsinhaber Graf von der Wahl verlor wegen Bestechlichkeit seine Ehrenstelle. In der über tausend Blatt umfassenden Untersuchungsakte im Bayerischen Kriegsarchiv [36] sind auch die Notizen des Regimentsauditors vorhanden, die dieser niederschrieb, als Haißer 1786 Rechtshilfe gegen einen „Claviermeister“ begehrte, dem er zwar ein teures Fortepiano übergeben hatte, dessen Namen ihm aber entfallen war.[37]

 

 

Heißers Taufe

Haißers Taufeintragung (Stadtarchiv Hanau)

 

 

Zum Kurfürstlichen Hochlöblichen Hof=   Durchlauchtester Kurfürst

Kriegsrath in München         Gnädigster Herr Herr!

Straubing den 13n 9ber 1786

 

 

G[ehorsamst]       Schon vor sehr geraumer Zeit übergabe der dießseitige Hauptmann Heißer ein gehorsamstes Pro Memoria übergeben, hierinen führet er vor, daß ein gewißer Claviermeister ihme, wehrend seines absents sein in München ein Forte Piano pr 100f im Anschlag fort: und nacher Wienn genommen hätte, das Regiments=Commando möchte also an das Oberrichteramte dahin schreiben, deme auftragen, daß dieser Claviermeister (dessen damals angegebener Nammen nicht mehr wissent) arretiret : das Clavier entweder hieher gesendet : oder in Wien sub offerenti verkauft werden solte.

 

Da das Pro Memoria überhaupts sehr unschicklich verfaßt ware, so gabe ich solches demselben mit einer Note zurücke, indem a: nicht bekannt, daß ein Oberrichteramte in Wien : so wie hier existirre. b: daß es behutsamm eingerreichet seyn müsse, indem es oft in einer so grossen Stadt leute von gleichen Nammen, und Characteer gebe; c: daß es ratione einer Caution: und weiterer Processen viele Unkösten dann Verdrüßlichkeiten absezen könnte. sohin werde das nöthige vorgekehrt werden. Hauptmann Heiser, der ohnedem schon öfters einige Übereilungen begangen, kam weiters nicht mehr.

 

 

Haißers Vorgesetzte, die mit den andauernden Beschwerden des Hauptmanns schon unliebsame Erfahrung hatten, versuchten diese seltsame Anzeige, die sich in offenbar völlig aussichtsloser Weise gegen einen namenlosen Ausländer richtete, unter Vorgabe formaler Gründe zu unterdrücken. Doch Haißer empfand diese Vorgangsweise als provokante Verweigerung jeder Rechtshilfe. Nachdem er offenbar während des Sommers 1786 aus gut informierter Quelle einen Hinweis auf Freystädtlers Identität erhalten hatte, wandte er sich unter Mißachtung des Dienstwegs an den Regimentskommandanten Oberst de Gavillet. Außerdem richtete er mehrere Schreiben an österreichische Militärs, von denen er sich Unterstützung erhoffte. Einer dieser Adressaten war Karl Fürst von Lichtenstein, zu diesem Zeitpunkt „commandierender General in Niederösterreich und Wien“ und Praeses des K.K. Militärgerichtes, des „Judicium Delegatum Militare Mixtum“.[38] Weiters ergibt sich aus dem Akt, daß Haißer auch den in Linz befindlichen Inhaber des 16. Infanterieregiments[39], Feldmarschall Ludwig Freiherrn von Terzy brieflich belästigte. Eine Eintragung im Bayerischen Hofkriegsratsprotokoll gibt sogar Anlaß zur Vermutung, Haißer habe Freystädtler in Linz vermutet und von Terzy tatsächlich eine Antwort erhalten:

 

 

99. Über Bericht des Graf Wahl inf[anterie] Regiments wegen dem Hauptmann Heißer von sicheren zu Linz arretirten Freystadel mitgenommenen Forte Pianno. hinwider hätte die Antwortt des Gouvernium zu Linz dem Hauptmann Heiser zur Wissenschaft zu comuniciren.[40]

 

 

Der bayerische Regimentsauditor war über dieses eigenmächtige Vorgehen Haißers empört:

 

 

Gestert kam mir von der Post ein verschlossenes Schreiben und zwar unter meiner Addresse zu, es befremdete mich sehr, als ich ersahe, daß ein K: K: General Commando mir avisiret, daß dieser Claviermeister wirklich arretiret, solcher selbsten eine Forderung an den Hauptmann Heiser machet, und das Forte Piano durch Schätzung von Kennern nicht höher als 40 bis 50f. taxiret worden. Anbey auch ganz fein zu verstehen gegeben wird, daß es also dem Hauptmann besser wäre, wenn er das Forte piano dem Claviermeister überließe: am meisten aber, wer nacher Wienn in dieser Causa geschrieben haben muß, ich ließ erkundigte mich bey dem hiesigen Comandanten Oberst de Gavillet erkundigen, und hier wurde erst gewahr, daß sich Hauptmann Heiser Heimlich, unter dem vorwand dahin gewendet: daß das regiment ihm alle Unterstüzung in dieser Sache abgeschlagen; und dieser das promemoria an den Fürsten von Lichtenstein mit einem gehorsamsten Brief begleitet habe; wie weit Hauptmann Heiser sich vergangen; da keines weegs wahr, daß ich ihme die Unterstüzung untersaget: sondern nur zu einer ostensibleren einrichtung seines promemoria (weil es besonders in das Ausland gehet) angewiesen, ist offenbahr, weil ich aber mit einem so Hohen ausländischen Gubernio zu thun, so will ich solches Euer Kurfürstlichen Durchlaucht gehorsamst berichten: um gnädigste Verhaltens befehle bitten: das anhero ergangene original Schreiben anschlüßen: dann mich in aller Unterthänigkeit empfehlen.

 

S[einer] K[urfürst] D[iener]    U[nterthänigst] G[ehorsamst]

 

 

Drei Tage später wurde der folgende, zusammenfassende Bericht verfaßt.

 

 

   V:[ide]         Nota

 

1mo ist der Klaviermeister Freÿstadl auf Gutsteehung deß Kapelmeisters Flosard[41] in Wienn entzwischen deß Personal Arrests entlassen worden

 

2do giebt er vor, das Forte Pianno von H[errn] Hauptmann zum Verkaufen erhalten zu haben.

 

3.io solle solches durch Schäzung nicht höcher als auf 40 bis 50 f. taxiret worden seyn.

 

4.to giebt Freystadl vor Herr Hauptmann seyen ihm 80 f. schuldig, will also das Forte Pianno unpartheyisch geschäzter dann ihm überlassen haben endlich

 

5:to sehete ein K: K: Gubernium gerne, wenn diese Sache in Güte auseinander geglichen würde.

 

Herr Hauptmann hat also gleich wohlen seine habende Einwendung an die Behörde nach Wienn abergehen zu lassen.

 

Da die Umstände es nun ächter erlauben, daß in der zwischen dem dießseitigen Herrn Hauptmann Heißer: dann dem Klaviermeister Freystadl (welcher dermalen zu Wienn mit Stadt Arrest beleget) obwaltenden privat Sache, in betref eines mitgenommen worden seyn sollenden Forte Pianno : dann zu fordern haben sollender Schuld; sich Entzlicher zu erklären, so wird hiemit freundschäftlich versichert: wie daß Herrn Hauptmann Heiser, der gemeßene Auftrag beschehen, diese privat Sache engstens selbst aus zu machen und sich in Wienn gleichwohlen um einen Mandatarium umzusehen.

 

Nachdem durch freundschaftliche avise gewahr geworden, daß die Sache zwischen den dießseitigen Hauptmann Heißer: dann deß zu Wienn gegen gestelter caution deß Kapelmeister Flosard interim mit Stadt Arrest belegten Klaviermeister Freystadel, wegen einem von ersteren mitgenommenen Forte Pianno, nun aber von diesen zu suchen habender Forderung, durch den K: K: Hofkriegsrath gegangen, so habe solches, wie es nemlich die ganze lage: und umstände erforderten, ebenfals zum Kurfürstlichen Hochlöblichen Hofkriegsrath nach München gehorsamst einberichtet. Damit man aber keines=weges auf den irrigen Schluß kommen könnte, als wäre hierorts ein Saumsaal, so will ich hiemit freundschäftlich die Erklärung machen, daß noch bis dato keine gnädigste Entschließung erfolget, die aber keines weges, im erhaltungs=fall, zur Beförderung deß ganzen zu communicirren ermangeln werde.

Straubing den 24  16t 9ber 1786.

 

Kapelmeister FLOSARD


Der überraschende, durch Haißers Hartnäckigkeit verursachte Fahndungserfolg bewog seine Vorgesetzten, ihm die offizielle Unterstützung nicht länger zu verweigern. Am 30. November 1786 kam die Sache in den Münchner Akten zu einem Abschluß:

 

 

[...] wo sohin fals er erst nach der Hand vom Regiment Unterstüzung bedürfe, das weiter erfolgen werde. solte Herr Hauptmann mit seinem Auftrag sich zu lange verweillen, wird von der geeigneten Stelle von Wienn ohnehin an ihn das nöthige directe erlassen werden.

Straubing den 30t 9ber 1786.[42]

 

 

Die Stellung Haißers bei seinem Regiment besserte sich auch nach dem im Jahr 1790 gewonnenen Prozeß gegen seine Vorgesetzten nicht. Dies lag zum guten Teil daran, daß er ein rechthaberischer Mann war, der jede Kleinigkeit sofort als persönlichen Angriff nahm. Man legte ihm daher nahe, seine Stelle zu veräußern, und als dies nicht geschah, wurde er 1792 zur Dienstleistung zum 8. Füsilierregiment nach Neuburg a.d. Donau kommandiert. Auch dort schuf er sich Feinde, so daß die Aufforderung zum Chargenverkauf 1795 erneuert wurde. Als er 1796 wieder eine umfangreiche Klage einreichte, wurde er Ende des Jahres gezwungen, seine Stelle um 8.000 Gulden zu verkaufen. Was aus ihm später wurde, war nicht festzustellen. In der Klage von 1796 gibt er an, 1791/92 in Wien über den Eintritt in kaiserliche Dienste verhandelt und gegenwärtig, also 1796, die Gelegenheit zum Übertritt in hessische Dienste zu haben. Von den angeblichen Verhandlungen in Wiens fand sich keine Spur in den Protokollen des Hofkriegsrates. Haißer trat auch später nicht in die k. k. österreichische Armee ein.[43]

 

4. Schlußbemerkungen

 

Es mutet zunächst kurios an, daß beide mit dem Streit befaßten Behörden den eigenen Landsmann für den Schuldigen hielten. Die hochgestellten Kanäle, derer sich Haißer bei seinen Anträgen bediente und sein angeblicher Adelstitel führten in Wien zur sofortigen Verhaftung des „gewißen Freystädter“ und zur unverzüglichen Konfiskation des Klaviers. Betrachten wir Haißers Ruf als notorischer Querulant und seine Verantwortung bei seinem Straubinger Regiment – er wußte nicht einmal mehr den Namen des Mannes, dem er sein wertvolles Klavier überlassen hatte – so sind wir geneigt, Freystädtlers Version der Ereignisse für glaubwürdiger zu halten. Unabhängig von der Schuldfrage, die sich nicht mehr klären läßt, ruft uns Mozarts hilfsbereites Verhalten auch die Worte seines Vaters aus dem Jahr 1778 in Erinnerung: „[...] an dem ich meinen Sohn, an nichts anderm mehr kenne, als an dem fehler, daß er allen Leuten auf das erste Wort glaubt, sein zu gutes Herz durch schmeicheleyen und gute schöne Worte blos stellt [...], dem Nutzen fremder Leute seinen eignen Ruhm und Nutzen [...] aufzuopfern;“[44] Freystädtler stand im Frühjahr 1787 tief in Mozarts Schuld und es erhellen sich nun nicht nur die Hintergründe seines von Mozart erfundenen Spitznamens „Der Salzburgerlump in Wien“[45], sondern auch jener Kopierarbeiten, die er zu dieser Zeit für Mozart erledigte. Seine Mitarbeit bei der Reinschrift des Streichquintetts KV 516[46] im Mai 1787 war wohl nur ein geringer Teil seiner Leistungen und es ist anzunehmen, daß auch die Abschrift des Klavierkonzerts KV 456[47] mit Mozarts Kautionsstellung in Zusammenhang steht.

 

Freystädtler mußte noch lange auf sein Geld warten. Der Salzburger Hofrat erklärte, die Erbschaft nicht eher außer Landes gehen zu lassen, bevor Freystädtler ein „obrigkeitliches Zeugnis einer haltbaren Versorgung“ und einen „Revers de non amplius revertendo“[48] beigebracht habe. Nachdem mehrere Eingaben in Salzburg ohne Erfolg geblieben waren, bemühte Freystädtler am 30. August 1788 den Wiener Magistrat, der jedoch aus Salzburg ebenfalls einen abschlägigen Bescheid erhielt.[49] Die Beschaffung eines obrigkeitlichen Versorgungszeugnisses war unmöglich, da Freystädtler kein festes Einkommen vorweisen konnte. Im Jahr 1789 legte er darum den Salzburger Behörden Bestätigungen „seines besonderen Fleisses und im Unterricht Geben ausserordentlicher Geschicklichkeit, den seines gegenwärthig sittlichen Characters von Musikliebhabern sowohl als Meistern“[50] vor, wobei es als sicher gelten kann, daß ihm Mozart auch bei dieser Gelegenheit mit einem schriftlichen Zeugnis zu Hilfe kam.[51] Im Sommer 1789 kam Freystädtler schließlich auf die Idee, dem Hofrat eine in Aussicht stehende, gut bezahlte Anstellung als Korrepetitor an der Rigaer Oper[52] zu präsentieren: seit 10. Juli 1789 solle er sich bereits in Riga befinden und man möge doch endlich ein Einsehen haben. Am 28. August 1789 bewilligte schließlich der Fürsterzbischof mit zwei Jahren Verspätung die Auszahlung des väterlichen Erbteils und Freystädtler begann sofort, mehrere Kompositionen für Klavier stechen zu lassen. Zwischen 1790 und 1837 war er – als Komponist manchmal mit sehr unfreundlichen Rezensionen bedacht[53] – einer der besten Klavierlehrer Wiens, scheute jedoch im Gegensatz zu seinen vielen weniger begabten Kollegen das Licht der Öffentlichkeit.[54] Das lag wohl auch daran, daß er mehr als zwanzig Jahre mit der Wirtstochter Anna Königshuber (5. März 1785[55] – 17. Juni 1843) in wilder Ehe lebte. Dieser Beziehung entstammte auch ein Sohn, der am 7. Juni 1813 auf den Namen Sigmund Franz getauft wurde.[56] Weitere Einzelheiten zu Freystädtlers Biographie bleiben einer selbständigen Publikation vorbehalten.



[1] Vom Bestand der Gruppe G (Polizei) der Statthalterei zwischen 1782 und 1812 ist nur der Inhalt einer einzigen Schachtel erhalten. Der einzige erhaltene Polizeiakt der 1780er Jahre (Faszikel G 11) hat bereits eine gewisse Prominenz erlangt: „Im Archiv der Niederösterreichischen Landesregierung befinden sich polizeiliche Protokoll- und Kanzleibücher ab dem Jahre 1782, [...] die dazugehörigen Quellen wurden jedoch ausnahmslos skartiert; mit Ausnahme einer Anordnung betreffend die Regulierung des Leithaflusses.“ Hermann Leitner, Der geheime Dienst der Polizei in seinen Anfängen zur Zeit des Österreichischen Absolutismus, Phil. Diss., Wien 1994, S. 16.

[2] Dieser Betrag ist nicht korrekt, es ging zu diesem Zeitpunkt tatsächlich um 699 f 36 x Reichswährung

[3] Salzburger Landesarchiv, Hofratsrelationen 1789/I, fol. 714v-715v. Dies ist eine der bisher unbekannten Quellen Breitingers. Vgl. Friedrich Breitinger Mozarts Salzburger Freund Gaulimauli, in: Salzburger Volksblatt, Folge 187, 82. Jg., 14., 15. u. 16. August 1959, S. 6. Der Bericht vom 9. Mai und Freystädtlers respektlose Briefe sind nicht erhalten. Im genannten Hofratsprotokoll vom 9. April 1788 wird die Angelegenheit nicht erwähnt. Weitere Informationen zu Freystädtlers Biographie in: Michael Lorenz, Franz Jakob Freystädtler. Neue Forschungsergebnisse zu seiner Biographie und seinen Spuren im Werk Mozarts, Acta Mozartiana, Heft 3/4, 1997, S. 85-108. Die Geduld des Advokaten Zauner, der 1787 und 1788 Freystädtlers Anwalt in Salzburg war, wurde im Laufe des Streites um das väterliche Erbe ebenfalls auf eine harte Probe gestellt: „Es seye aber eben auf Lit Zauner durch ungestime und unhöflich erhaltene Zuschriften von Freystadtler solchermassen disgustirt worden, daß er immittelst das Patrocinium für diesen Querelanten aufgegeben, und sich wegen Anlegung dieses Erbguts nicht mehr angenommen habe.“ Salzburger Landesarchiv, Hofratsrelationen 1789/I, fol. 716v.

[4]1 Schreiben an das Oberrichteramt München ddo 16ten Jänner 1788 mit 151 f. 12 kr beschwert samt Bibal“ Salzburger Landesarchiv, Stadt- und Urbangerichtsprotokoll 741/1789, S. 588.

[5] Ibid., S. 585. Johann Jacob Freystädtlers Nachlaß hatte den Schätzwert von 2.285 Gulden 6 Kreuzer, wovon dem Sohn gemäß dem Ehevertrag der Eltern vom 31. Jänner 1759 die Hälfte zustand. Davon wurden noch weitere Sperr- und Inventurkosten abgezogen. Da ein Teil des Erbes aus Schuldscheinen bestand, erhöhte sich der Betrag später.

[6] Bei den vorliegenden Summen handelt es sich stets um Reichswährung im 24-Gulden-Fuß. 1.000 Gulden Salzburger Währung hatten den Wert von 833 Gulden 20 Kreuzer Wiener Währung. Die Auszahlung des väterlichen Erbes betreffend schreibt Mozart am 1. August 1787 an seine Schwester: „[...] nicht im Reichsgeld, sondern in Wiener geld [...]“Mozart, Briefe und Aufzeichnungen, Bauer/Deutsch, Bd. IV, Nr. 1061, S. 52.

[7] Das Weingasthaus „Zum römischen König“, heute Kaufingerstraße 9, wurde von der Familie Franz Hubers geführt und gehörte zu den vornehmsten Gasthäusern der Stadt. Es erhielt seinen Namen anläßlich der Vermählung Josephs II. Helmuth Stahleder, Haus- und Straßennamen der Münchner Altstadt, Hugendubel, München 1992, S. 505.

[8] Philipp Luger, bürgerlicher Hutmachermeister, besaß "die Hälfte des Bodens über eine Stiege" (1. Stockwerk) des Hauses mit der Konskriptionsnummer 299 (Binderhaus im Gstättenviertel). Dort wohnte Philipp Luger (59 Jahre alt) mit seiner um ein Jahr jüngeren Frau Gertraud Stollzin und seinen beiden Töchtern Josepha (25) und Elisabeth (24). Salzburger Landesarchiv, Geheimes Archiv XVII/18 1/2, S. 270. Valentin Worowsky wird in der Salzburger Seelenbeschreibung von 1794 nicht genannt und war offensichtlich einer der Münchner Gläubiger. Ich danke Dr. Hubert Schopf (Salzburger Landesarchiv) für die freundlich erteilte Auskunft.

[9] SLA, Stadt- und Urbangerichtsprotokoll 1789, S. 586.

[10] Die Todesursache wurde mit „kalter Brand“ angegeben. Konsistorialarchiv Salzburg, Totenbuch St. Andrä, Tom. 3, 1769-1801, S. 161.

[11] Gustav Schilling, Encyclopädie der gesamten musikalischen Wissenschaften oder Universal=Lexicon der Tonkunst, Stuttgart 1836-38, Bd. III, S. 56.

[12] Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv, Protokoll des Hofkriegsrats 1786, Departement F, S. 941. Die horizontale Anlage sämtlicher Protokolle wird hier vertikal wiedergegeben, die drei Spalten ohne Eintragung (weitere Äußerungen über Gegenstände, Asservanten, etc.) im Hofkriegsratsprotokoll wurden zugunsten der Lesbarkeit weggelassen.

[13] Niederösterreichisches Landesarchiv, Handschrift d. Niederösterreichischen Regierung 1/11, Einreichungsprotokoll der Landesstelle 1786, Nr. 21275.

[14] „Anton Graf von Hartig, n. ö. ständischer Abgeordneter, Rath des Herrenstandes“, Hof= und Staatsschematismus der röm. kaiserl. auch kaiserl. königl. und erzherzöglichen Haupt= und Residenzstadt Wien, Joseph Gerold, Wien 1787, S. 150.

[15] NÖLA, HS d. Nö. Reg. 1/11, Nr. 21798.

[16] NÖLA, HS d. Nö. Reg. 1/12, Nr. 22549.

[17] NÖLA, HS d. Nö. Reg. 20/7, Index lit. FV 1786, S. 17.

[18] Das Wiener Polizeigefangenenhaus befand sich seit 1783 im Gebäude des ehemaligen Klosters der Unbeschuhten Karmelitinnen („Siebenbüchnerinnen“), Konskriptionsnummer 453 u. 455, heute ungefähr der Bereich Marc Aurel-Str. 9/Salzgries 1. Das Gebäude wurde 1885 abgebrochen. „Policeyhaus in der Sterngasse, Nro 466. Hier werden blos die sogenannten Policeiverbrechen z.B. Rauferey, u. dergl. bestraft. In diesem Hause werden auch die Schuldner verwahrt, kurz alle Verbrecher, die nicht zum Criminalgericht gehören.“ Ignaz de Luca, Wiens gegenwärtiger Zustand unter Josephs Regierung, Georg Philipp Wucherer, Wien 1787, S. 256. Anläßlich eines Gefangenenbesuches beschrieb Schönholz, der dieses Polizeihaus „die Bastille Wiens“ nannte, seinen Eindruck folgendermaßen: „Es ging von da eine schmale, dunkle Treppe empor ins erste Stockwerk, dessen Korridor mehr einem Schlauch glich, so verdüstert und verrußt waren die Wände, so verschmutzt das in Scherben getretene Pflaster. Schon jetzt erschwerte eine dumpfe, mit widrigem Speisen und Bettgeruche vermischte Luft das Atmen. Was man hier ferner gewahrte, erinnerte an Polen und Bonapartes Ausspruch: daß er dort ein fünftes Element, den Schmutz gefunden.“ Friedrich Anton von Schönholz, Traditionen zur Charakteristik Österreichs, eingeleitet u. erläutert v. Gustav Gugitz, Georg Müller, München 1914, Bd. II, S. 214f. Es sind zwei Photographien des Polizeihauses bekannt. Der Innenhof von Nr. 453 in südlicher Richtung in: Schönholz, Bd. II, S. 217 und der Hof von Nr. 455 nach Osten.Wien, Hist. Mus., I.N. 189.264.

[19] Niederösterreichisches Landesarchiv, Handschrift der Nö Regierung 1/12, Nr. 22637.

[20] Die Ausfertigung des Bescheids erfolgte schon zwei Tage früher.

[21] Diese Sichtweise wird auch durch den Bericht des Regimentsauditors an den Bayerischen Hofkriegsrat untermauert, demzufolge Freystädtler das Fortepiano „vom Hauptmann zum verkaufen erhalten“ habe.

[22] Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv, Protokoll des Hofkriegsrats 1786, Departement F, S. 1067. Mozarts Name scheint natürlich auch in den Indizes des Hofkriegsrats auf. Departement F, 1786 und 1787 (Litt. M, „Partheyen“), HKR Bände Nr. 1974 u. 2066.

[23] Die Inquisitenprotokolle der Wiener Polizei sind nicht erhalten, die Verzeichnisse der Arrestanten wurden bis auf jenes von 1784 (Österreichisches Staatsarchiv, AVA, Pergen-Akten V/A4, fol. 32-38) beim Brand des Justizpalastes vernichtet. Wie es Freystädtler in der Haft ergangen sein mag, läßt sich aus der „Hausordnung für das Polizey=Arbeitshaus von 1787“ ersehen: „Die Kost, ist für alle Sträflinge ohne Rücksicht auf das Geschlecht gleich eingeführt, und bestehet solche in einem Seidl Suppen von wenigen Hülsen-Früchten, und aufgeschnittenen Brod, dann ferner in einem Seitl gekochten Hülsenfrüchten, als Erbsen, Linsen, Bohnen u. d.gl. Jeder Zugenuß muß wohl eingebrannt seyn und jeder Sträfling bekommt täglich ein Laibl Brod [...] welches aber schon durchschnitten ist, weil keiner der Arrestanten weder Messer noch Gabel haben darf. [...] Die Abspeisung geschieht nur alle 24 Stunden [...] täglich um 11 Uhr, jedesmal im Beyseyn des Polizey-Wache-Hauptmanns [...]“. Österreichisches Staatsarchiv, AVA, Pergen-Akten V/A4 H1, fol. 385v u. 386r. „Die Liegestatt [...] besteht solche besonders zur Erhaltung der Reinigkeit lediglich in den in den Schlafzimmern an den Wänden hergestellten Lagerpritschen oder sogenannten Pablatschen, worauf sich aber weder ein Strohsack, noch Polster oder Decke befindet [...].“ Ibid., fol. 386v. Sicherheit des Hauses, Keinem Arrestanten wird gestattet, Tabak zu rauchen. [...] Eben so werden die Sträflinge gleich bey ihrem Eintritte in’s Haus in den Arbeits- und Schlafzimmern so eingetheilt, daß zu Vermeidung aller Kollision weder Männer noch Weiber von eben derselben Kameradschaft zusammen treffen können. In den Zimmern muß sich alles ruhig betragen, weswegen Tag und Nacht in jedem Gange eine Schildwache stehet, welche bey den Thüren in den darin angebrachten Öffnungen öfters nachsehen muß, ob alles ruhig sey, [...]“. Ibid., fol. 388v u. 389v.

[24] NÖLA, HS der Nö Reg. 1/12, Nr. 27483. Die fünf diesen Fall betreffenden Eintragung im Index Gruppe G des Jahres 1786 der Stadthalterei (HS der Noe Regierung 20/7, S. 17) lauten:

Freystädtler Jakob, wegen dessen Arrestierung mit Note des G[ene]ral Com[an]do anhergelangtes

-------------------         Gesuch des Hauptmann Haißer 21275, G27.

-------------------         B[eri]cht der Polizeydirection 21798, G27.

-------------------         weiterer B[eri]cht der Polizey Direction 9 October 22549, G27.

-------------------         selber bittet des Arrestes entlassen zu werden 22637, G27 (vgl. Fußnote 17).

-------------------         Gegenforderung: 19ter Xbris 27483, G27.

Die Indizes der Stadthalterei wurden bis zum Jahr 1800 durchsucht, sie enthalten aber keine weitere, diese Sache betreffende Eintragung. Auch im Bestand der Ober-Polizeidirektion des NÖLA und der Hauptregistratur des Wiener Magistrats unter Faszikel 16 u. 17 (Polizei- u. Sicherheitsakten , bzw. Zuchthaus- u. Arrestantenakten) konnten keine diesbezüglichen Dokumente gefunden werden.

[25] „Franz Joseph Edler von Hackher zu Hart, Rath des Gelehrten Standes“, Hof= und Staatsschematismus, Wien 1787, S. 150.

[26] Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv, Protokoll des Hofkriegsrats 1787, Departement F, S. 1.

[27] Mozarts Eintragung ins Stammbuch Edmund Webers: „Wien d. 8ten jenner, Morgens um 5 Uhr vor der abreise.“ Mozart, Briefe und Aufzeichnungen, Gesamtausgabe hrsg. von der ISM Salzburg, gesammelt und erläutert von Wilhelm A. Bauer und Otto Erich Deutsch, Kassel 1962-75, Bd. IV, Nr. 1019, S. 6.

[28] Brief Leopold Mozarts an seine Tochter, Bauer/Deutsch IV, S. 7, Nr. 1020.

[29] Wiener Stadt- und Landesarchiv, Magistratisches Zivilgericht, Contentiosa 1787, lit. E-M, S. 53.  Die identische Eintragung unter dem Namen „Heißer“ befindet sich in diesem Band auf S. 61.

[30] NÖLA, HS d. Nö. Reg. 20/8, Lit. M, S. 6.

[31] Ibid., Lit. FV, S. .9. Die folgende Eintragung im Index betrifft zufällig: „Verbrecher kriminalische [...]“

[32] NÖLA, HS d. Nö. Reg. 1/14, Nr. 8565.

[33] Hier liegt ein Irrtum des Schreibers vor, der offenbar annahm, es handle sich um den Offizier Philipp Graf von Heister (25. 12. 1745 – 7. 3. 1826). Heister war Commandant des 21. Infanterie Regiments und Mitglied der Loge „Zur neugekrönten Hoffnung“. Hauptmann Haißers Adelsprädikat konnte nicht belegt werden.

[34] Bayerisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv, A VI 4d, 4. IR, Bund 47.

[35] In den Hanauer Kirchenbüchern konnte Haißer nicht eindeutig identifiziert werden. Unter den über 30 Kindern mehrer Familien Heuser (neben Heißer und Heußer die häufigste Schreibweise), die zwischen 1748 und 1764 in der lutheranischen Johanneskirche getauft wurden, entspricht ein Johann David Heißer, geboren am 11. Mai 1756, Sohn des Johann AndreasHeißer Heißer senior , „Bürger und Eisenhändler in der vorstadt“ und der Christina Sybilla Heißer, geb. Witt am ehesten dem späteren Hauptmann. Stadtarchiv Hanau, Taufbuch Johanneskirche Tom. 4, S. 95. Der am 27. März 1748 geborene Johann Anton Heusser, Sohn des Jeremias Heusser, dürfte wegen des Geburtsjahres nicht in Frage kommen. Taufbuch Johanneskirche Tom. 3, S. 260. Mit der Angabe „aus Hanau“ kann jedoch auch die Grafschaft Hanau gemeint sein und Anton David Haißer kann ebenso aus einer der umliegenden Ortschaften stammen. Der Name Heuser (Häuser) kommt im Raum Frankfurt häufig vor. Vgl. Heinrich Heuser, Ahnenliste Heuser, Sonderdruck aus „Deutsches Familienarchiv“, Bd. 25, Verlag Degener & Co, Neustadt an der Aisch 1964. Mein herzlicher Dank gilt Familie Walther, Frankfurt am Main.

[36] Bayerisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv, A VI 4d, 4. IR, Bunde 14 und 15. Ich danke Dr. Tröger (Bayerisches Kriegsarchiv) sehr herzlich für die freundliche Hilfe.

[37] Ibid., Untersuchungsakte Haißer, A VI 4d, 4. IR Bund 14, fol. 306-309. Die Aufzeichnungen des Regimentsauditors sind die einzigen, zu dieser Sache erhaltenen Primärakten.

[38] Hof= und Staatsschematismus, 1787, S. 145f.

[39] Oestreichischer Miliz-Almanach für das Jahr 1790, Nürnberg und Wien bey Johann Adam Stein und Graeffer dem jüngern, S. 18. Terzy war 1790 in Graz stationiert. Zu Terzy s. auch: Constant von Wurzbach, Biographisches Lexicon des Kaiserthums Österreich, Wien 1856-1891, Bd. 44, S. 17f.

[40] Bayerisches Kriegsarchiv, Hofkriegsratsprotokoll, Band 282.

[41] Die wohl auf einem Lesefehler beruhende Schreibweise „Flosard“ vermittelt ein eindrückliches Bild von Mozarts Bekanntheitsgrad in der kurbayerischen Armee.

[42] Bayerisches Kriegsarchiv, Untersuchungsakte Haißer, A VI 4d, 4. IR Bund 14, fol. 309.

[43] Die Protokolle des Hofkriegsrates wurden bis zum Jahr 1800 ohne Ergebnis durchsucht, auch in der Personalkartei des Österreichischen Kriegsarchivs scheint Haißer nicht auf.

[44] Brief Leopold Mozarts vom 12. Februar 1778. Mozart, Briefe und Aufzeichnungen, Bauer/Deutsch, Bd. II, Nr. 422, S. 273.

[45] Dies ist die korrekte Schreibweise des Titels von KV 509b, die nur bei Jahn zu finden ist. Jahn schrieb noch das Original ab, das sich im Besitz von Aloys Fuchs befand. Otto Jahn, W. A. Mozart, 4 Bände, Breitkopf&Härtel, Leipzig 1856, Bd. II, Beilage XI, S. 514.

[46] Lorenz, Franz Jakob Freystädtler, Acta Mozartiana 3/4 1979, S. 101ff. Es ist hinzuzufügen, daß die Seite 21r des Manuskripts von KV 516 noch von Mozarts Hand stammt.

[47] ONB, Mus. Hs. 39.742.

[48] „[...] es ist [...] die allgemeine Beobachtung bey Emigration, und ausser Landes bringung eines inländischen Vermögens, damit nicht die Auswandernden, oder die, so ihr Vermögen in das Ausland ziehen, nach verzöhrten Gut mit leeren Händen oder wohl gar mit Weib, und Kindern zur Last des Erzstiftes wiederum herein gedrungen werden, [...], SLA, Hofratsrelationen 1789/I, fol. 717v.

[49] WStLA, Offiziosa des magistratischen Zivilgerichts, 1788, lit. FVU, S. 194. Der betreffende Akt Fasz. 2 – 2383/1788 ist nicht erhalten.

[50] „Der Fortschritt, den Bittsteller laut beygebrachten Zeugnissen überhaupt in der Tonkunst machte, der sittliche Caracter, den Selber gegenwärtig begleitet, sprechen allerdings für ihn das Wort, und müssen ihn zuversichtlich um so mehr Gesuchs Willfährde hoffen lassen, als selber durch Beyfall der besten Künstler und Kennern aufgemuntert, sich Ehre und Vortheil zu verschaffen in thätigstem Begrife steht“. SLA, Hofratsrelationen 1789/II, fol. 1217.

[51] Freystädtler bat den Hofrat am 17. August 1789 um Rücksendung aller Zeugnisse. Ibid., fol. 1216v.

[52] Freystädtler ging nie nach Riga, aber der Raffinesse seiner auf einigen plausiblen Details beruhenden Vorgangsweise, können wir unsere Anerkennung nicht versagen. Nach dem Tod der Mutter 1799 kam es zu einem noch länger dauernden Streit mit der Salzburger Obrigkeit. Freystädtler gelang es 1803 erneut, den Hofrat – diesmal unter Vorspiegelung einer Aussicht auf einen lebenslangen Pensionsbezug – zur Herausgabe seines Erbes zu bringen, wobei ihm auch die politischen Ereignisse dieses Jahres zu Hilfe kamen.

[53] Vgl. Musikalische Korrespondenz der teutschen Filarmonischen Gesellschaft für das Jahr 1791, Speyer, 13.4. 1791, Nr. 15, Sp. 113f.

[54] „Bey dieser Gelegenheit kann Ref. nicht unterdrücken, Herrn Freystädtler als einen sehr geschickten, geübten und talentvollen Musiklehrer zu preisen, dessen Verdienste seit dreyßig Jahren in Wien anerkannt sind, von welchen aber vielleicht darum nicht so viel gesprochen wird, weil er die Öffentlichkeit so gern vermeidet.“ Allgemeine Theaterzeitung und Unterhaltungsblatt für Freunde der Kunst, Literatur und des geselligen Lebens, 7. April 1825, Nr. 42, S. 171.

[55] Dompfarre St. Stephan, Taufbuch Tom. 98, fol. 278v.

[56] Pfarrarchiv St. Michael, Taufbuch St. Peter, Tom. II, S. 284. Anna Königshuber war damals Dienstmagd bei ihrem Schwager, dem Bierwirt Joseph Hauser im Haus Stadt 1134. Als Pate fungierte Freystädtlers langjähriger Freund, der Verleger Sigmund Anton Steiner, dem er schon 1806 eine Liedersammlung gewidmet hatte. Vgl. Allgemeine Musikalische Zeitung, 16. Juli 1806, Nr. 42, Sp. 665. Der dort genannte „Sigismund Stelner“ ist ein Druckfehler.


Erschienen in: Mozart-Jahrbuch 1998, Bärenreiter, Kassel 2000. © Michael Lorenz, 2001. Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved.

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