Michael Lorenz

Familie Trampusch - geliebt und totgeschwiegen*

 

Johann Strauss Vaters außereheliche Nachkommenschaft stieß in der Strauss-Forschung nie auf großes Interesse. Die Gründe für das Ausblenden jener doch irgendwie ungenierten Lebensweise, die Strauss Vater an den Tag gelegt hatte, waren nicht nur die Berühmtheit seiner drei komponierenden ehelichen Söhne, sondern auch die Moralvorstellungen einer katholisch geprägten Gesellschaft, in der sich bald nach dem Tod des Komponisten das dominierende Idealbild einer geordneten und legitimen Nachkommenschaft durchsetzte. Fast scheint es, die Wissenschaft habe sich ihren Blick durch ein moralisches Urteil trüben lassen und dieses Kapitel in Strauss’ Leben unter dem Motto "anonyme Bedeutungslosigkeit"[1] beiseite geschoben. Widmen wir uns aber der Biographie eines musikalischen Genies mit wissenschaftlichen Methoden, so hat uns an dieser Persönlichkeit alles zu interessieren und es kann uns nicht gleichgültig sein, wann und wo seine Kinder geboren wurden. Das Urteil der Zeitgenossen fiel noch recht sanft aus. Ein allgemein beliebter Künstler vom Range Strauss’ war nicht an gesellschaftliche Zwänge gebunden und konnte sich private Eskapaden erlauben, die sogar einem Mitglied des Adels gesellschaftliche Ächtung eingebracht hätten. Die geradezu Johann Sebastian Bachisch anmutende Vermehrungsfreudigkeit dieses Mannes manifestierte sich binnen 21 Jahren in 14 Kindern mit zwei Frauen. Die Bezeichnung "Johann Strauss Vater" findet erst unter diesem Aspekt ihren eigentlichen Sinn. Sah Eduard Strauss in seinen Erinnerungen noch "schlechte Freunde" und das "schnellkreisende Blut"[2] seines Vaters als Ursachen für die Intensität dieser eifrigen ehelichen und außerehelichen Vermehrung, so brachte ein Strauss-Biograph in den 1940er-Jahren das lakonische Urteil der Nachwelt mit folgenden Worten zum Ausdruck: "Dämon Weib!"[3]

 

Johann Strauss 1829
Johann Strauss Vater 1829

 

Die zahlreichen Parallelen in den Biographien Joseph Lanners und Johann Strauss’ lassen vermuten, Strauss habe im Ausleben privater Neigungen seinen älteren Kollegen imitieren wollen. Wie Lanner handelte sich auch Strauss eine polizeiliche Anzeige wegen "Musizierens in verbothener Zeit"[4] ein. Wie Lanner heiratete Strauss innerhalb seines sozialen Milieus und wie bei Lanner erwies sich diese Verbindung angesichts seiner sehr erfolgreichen künstlerischen Tätigkeit als nicht stabil, was dazu führte, dass Strauss die eigene Familie verließ und sein privates Glück bei einer jüngeren, offenbar geistesverwandten Frau suchte. Es zeigt sich bei beiden Komponisten nicht nur ein Hang zu polygamer Vermehrung (14 Kinder mit zwei Frauen bei Strauss, neun Kinder mit vier Frauen bei Lanner[5]), sondern auch Merkmale eines noch heute irritierenden, geradezu roh anmutenden Verhaltens in familiären Angelegenheiten. In der Verlassenschaftsabhandlung von Lanners Vater, der 1839 im Bäckenhäusl auf dem Alsergrund starb, ist noch heute das Erstaunen des Sperrskommissärs bemerkbar, der es offenbar nicht fassen kann, dass der so arm und einsam Verstorbene der Vater des berühmten Lanner sein soll. Jenes Kapellmeisters Lanner, der offiziell auf der Laimgrube Nr. 97, inoffiziell aber bei seiner Freundin in Döbling wohnt und erst nach über zwei Monaten beim Magistratischen Zivilgericht erscheint, um auf die von seinem Vater hinterlassenen 12 Kreuzer zu verzichten.[6] Die entschlossene Vorgangsweise, die Johann Strauss Vater bei der Gründung seiner neuen Familie an den Tag legte, und die schließlich zur Scheidung führte, erinnert fatal an das Verhalten Lanners. Auch Lanners Ehefrau Franziska beantragte beim Magistratischen Zivilgericht die Scheidung von Tisch und Bett, die am 21. September 1842 rechtskräftig wurde.[7] Die Parallelen Lanner-Strauss erstreckten sich kurioserweise noch bis auf das Verhalten der beiden Witwen. Die von Franziska Lanner 1843 auf der Parte ihres Gatten angebrachte Spitze gegen ihre Nebenbuhlerin: "im Namen ihrer drei unmündigen Kinder [...] sämmtlich geborne Lanner" wurde sechs Jahre später von Anna Strauss wortgetreu imitiert.[8]

 

Johann Strauss' Partezettel mit der von Franziska Lanner inspirierten Spitze "sämmtlich geborne Strauss"

 

Es ist nicht bewiesen, dass Johann Strauss, wie in der Literatur immer wieder angegeben, die Modistin Emilie Trampusch schon 1833 kennenlernte. Herbert Krenn brachte 2002 folgende Theorie ins Spiel: "Nur wenige Monate später [nach 1829] dürfte deren [Trampuschs] Mitbewohnerin Anna Zinagl die Bekanntschaft mit Joseph Lanner oder Johann Strauss gemacht haben, denn Mitte des Jahres 1830 bezogen Lanner, Strauss und Anna eine gemeinsame Wohnung in der Josephstadt Nr. 76".[9] Diese irrige Vermutung wird durch die Quellen nicht unterstützt und basiert auf einer Fehldatierung eines Konskriptionsbogens der "Aelternlosen Ledigen [sic!]" des Hauses Josefstadt 76, der nicht von 1830, sondern aus dem Jahr 1823 stammt, als beide Musiker noch unverheiratet waren.[10] Strauss und Lanner waren zu diesem Zeitpunkt Untermieter von Louise Durrié, einer aus Frankreich stammenden Hofratswitwe.[11] Der Zeitpunkt des frühesten Zusammentreffens von Strauss und Trampusch lässt sich ausschließlich aufgrund des Geburtsdatums des ersten gemeinsamen Kindes Emilie auf das Jahr 1834 einschränken. Emilie Trampusch wurde angeblich am 30. Juli 1814 in Saar in Mähren (heute Žďar nad Sázavou) geboren.[12] Ihr Vater Johann, der Herbert Krenns quellenlosen Angaben zufolge 1820 starb[13], wird in den Wiener Quellen als "Kamerialarzt", "Oberarzt" und "K.K. Regimentsarzt" bezeichnet, der Geburtsname ihrer Mutter lautete Antonia Haas. Mit Emilie kam auch ihre jüngere Schwester Julia Trampusch nach Wien. Sie wird 1831 in einem Konskriptionsbogen des Hauses Stadt 1097 als Magd des Ungarisch-Siebenbürgischen Hofagenten Ludwig von Advarnoky genannt.[14] 1834 arbeitete Julia Trampusch im Haus "Zum goldenen Stern" in der Rotenturmstraße als Magd beim Großhandlungsgesellschafter Moritz Porges (dem Stammvater einer bedeutenden Edelsteinhändlerdynastie).[15]

 

Die erste dokumentierte Adresse Emilie Trampuschs ist das Haus Stadt 555 (heute Tuchlauben 16, ein Neubau), wo am 18. Mai 1835 Johann Strauss’ Tochter Emilie Theresia Johanna zur Welt kam.[16] Ihr Pate war der aus St. Pölten stammende Rechnungsoffizial der K.K. Hofkriegsbuchhaltung Joseph Berger, der als Wohnungsnachbar der Familie Strauss im Hirschenhaus offenbar mit Johann Strauss befreundet war.[17] Als Hebamme fungierte die im Haus "Zum Goldenen Kegel" auf der Schottenbastei wohnende Schneidersgattin Anna Sedlak[18], die sich mit Emilie Trampusch anfreundete und in deren Wohnung noch drei weitere Kinder von Johann Strauss zur Welt kommen sollten. Anna Strauss erfuhr wohl erst im Jahr 1836 von dritter Seite von der Untreue ihres Mannes, denn in einem Brief aus München vom 11. Oktober 1835 nennt er sie noch "Liebe Netti" und verabschiedet sich mit den Worten "es küsset dich vielmals Dein Strauss".[19] Emilie Trampuschs erster Sohn wurde ebenfalls im Haus Tuchlauben 555 geboren und am Tag nach seiner Geburt am 29. Mai 1836 in der Peterskirche auf die Namen Johann Wilhelm getauft.[20] Die Wahl des ersten Vornamens könnte auch dem Andenken des Großvaters Johann Trampusch gegolten haben. Dass dieser Namen, wie in der Literatur vermutet wurde, einer gezielten Provokation der Ehefrau Strauss diente, ist nicht erwiesen. Als Stellvertreter des Paten Joseph Berger fungierte die im Geburtshaus wohnende Apothekerswitwe Theresia Müller. Im Herbst 1836 verließ Emilie Trampusch Wien, um Johann Strauss auf seiner Tournee durch Deutschland zu begleiten. Herbert Krenns Behauptung, sie sei über ein Jahr lang bis Oktober 1837 mit ihrem Geliebten auf Reisen gewesen[21], ist falsch, denn Strauss kehrte schon am 30. Dezember 1836 nach Wien zurück. 1837 übersiedelte Emilie Trampusch in eine Wohnung im Haus Stadt 164, die ihr wohl Johann Strauss über seine Freunde und Besitzer dieses Hauses[22] Franz Mosée und Ignaz Carl Aufricht verschafft hatte. In diesem Gebäude (Tiefer Graben 9, heute ein Neubau) erblickte am 19. November 1837 um halb neun Uhr früh Clementina Emilia Trampusch das Licht der Welt.[23] Johann Strauss befand sich zu diesem Zeitpunkt nicht in Wien. Das Kind wurde am folgenden Tag von der "K. K. Beamtensgattin" Therese Staudner in der Schottenkirche zur Taufe gehoben. Der aus Znaim stammende Ingrossist der Stadtbuchhaltung Jacob Staudner und seine Frau wohnten zu diesem Zeitpunkt im Gebäude der Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft unter den Weißgerbern[24]. Als sie ein paar Jahre zuvor in der Leopoldstadt, in unmittelbarer Nachbarschaft der Karmelitenkirche ansässig gewesen waren, hatten sie offenbar Johann Strauss’ Bekanntschaft gemacht. Die Beschäftigung mit den Taufpaten der unehelichen Kinder von Johann Strauss Vater führt uns auf das bisher zu Unrecht vernachlässigte Gebiet seiner Freunde abseits seiner musikalischen Tätigkeit. Die Patin des nächsten Kindes Carl Joseph, das am 20. Juli 1840 im Haus Stadt Nr. 806 (das heute nicht mehr existierende Eckhaus Singerstraße/Seilerstätte) geboren wurde und am folgenden Tag in St. Stephan getauft wurde[25], war Maria Aufricht, die dritte Frau und Witwe des am 24. Juli 1838 in Baden verstorbenen bürgerlichen Branntweiners Ignaz Carl Aufricht. Aufricht war ein durchaus wohlhabender Geschäftsmann und seine Freundschaft mit Strauss hatte wohl auch eine musikalische Basis, denn er besaß ein wertvolles Klavier von Schantz, das nach seinem Tod um 120 fl. CM verkauft wurde.[26] Die beiden lernten einander sicher in den frühen 1830er-Jahren kennen als Aufricht mit seiner Familie im Hirschenhaus wohnte. Als bester Freund von Franz Mosée (der zweimal sein Trauzeuge war[27]) gehörte Ignaz Aufricht zu jener Freundesrunde, die 1833 in Mosées Kaffeehaus in der Leopoldstadt 586 dem illegalen Glückspiel gefrönt hatte und im Jahr 1835 zu Geldstrafen verurteilt wurde.[28] Johann Strauss und Aron Klempner waren damals die einzigen, die nicht gegen das Urteil Hofrekurs erhoben und die Geldstrafe sofort zahlten.[29] Der Mitbesitzer des Sperl (und Trauzeuge Joseph Lanners) Joseph Scherzer, der ebenfalls zu den verurteilten Glücksspielern gehört hatte, wurde 1838 zum Vormund von Ignaz Aufrichts Kindern ernannt. Maria Aufricht war am 10. Jänner 1842 auch Taufpatin von Strauss’ Sohn Joseph Moritz Trampusch, der schon im Alter von zehn Tagen an Durchfall starb.[30] Emilie Trampusch wohnte zu diesem Zeitpunkt schon im späteren Sterbehaus ihres Geliebten in der Kumpfgasse. Auch ihr Sohn Carl Joseph war schon nach zwei Wochen an Fraisen gestorben.[31] Beide Kinder wurden auf dem Friedhof St. Marx begraben.

 

Maria Wilhelmina Trampusch wurde am 25. April 1843 bei Anna Sedlak auf der Schottenbastei geboren und am folgenden Tag in der Schottenkirche getauft. In der Taufeintragung wird Emilie Trampusch als "Weißnäherin" bezeichnet.[32] Maria Wilhelmina Trampusch starb am 4. November 1849 an Scharlach[33] und wurde auf Wunsch ihrer Mutter auf dem Döblinger Friedhof in unmittelbarer Nähe des noch frischen Grabes ihres Vaters beerdigt. Im Gräberbuch findet sich folgender Vermerk: "6ter November [1849] / Frau Trambusch ihr Kind / Rükwärts beim Strauß / Aus der Stadt / ligt [sic] beim Strauß neben Tran / hat ein Mo[nu]ment".[34]


Friedhofsbuch 1849
Die Eintragung vom 6. November 1849 im Döblinger Friedhofsbuch

 

Die Maria Trampuschs Begräbnis betreffende Eintragung im Sterbebuch der Pfarre Döbling (Tom. 2, fol. 170)

 

Die Tatsache, dass Clementine Trampusch, die immer beschuldigt wurde, ihren Vater mit Scharlach angesteckt zu haben, die Krankheit überlebte, während Maria kurz nach ihrem Vater daran starb, gibt Anlass zur Vermutung, dass die Infektion umgekehrt erfolgte: Johann Strauss infizierte seine Kinder mit Scharlach. Das nächste Kind, Theresia Karolina wurde am 22. September 1844 um 1h Nachts ebenfalls in Anna Sedlaks Wohnung auf der Schottenbastei geboren.[35] Wie schon bei ihrer älteren Schwester ein Jahr zuvor, fungierte die Tochter der Hebamme Maria Sedlak als Taufpatin. Auch Theresia Trampusch erlag der selben Krankheit wie ihr Vater: sie starb am 2. August 1851 im Kinderspital im Allgemeinen Krankenhaus an Scharlach[36] und wurde wie ihre Schwester Maria auf dem Döblinger Friedhof begraben. Wieder ist die Eintragung im Friedhofsbuch von Interesse: "6 [August 1851] Straus[!]/Kind 7 [Jahre]".[37] Anlässlich der Einsegnung ihrer Tochter bezeichnete sich Emilie als "Privatierswitwe". Wilhelmine Trampusch, das achte und letzte uneheliche Kind von Johann Strauss Vater, wurde am 26. Mai 1846 um halb vier Uhr früh ebenfalls im Haus "Zum Goldenen Kegel" geboren.[38] Anna Sedlak brachte das Kind am selben Tag in die Schottenkirche, wo es von ihrer elfjährigen Schwester Emilie zur Taufe gehoben wurde. Taufpatinnen dieses Alters waren selten, aber möglich. Franziska Jahns fungierte schon im Alter von zwölf Jahren als Patin zweier Geschwister ihres zukünftigen Ehemannes Joseph Lanner.

 

Wilhelmine Trampuschs Taufeintragung vom 26. Mai 1846 (Pfarre Schotten, Tom. 52, fol. 38)

 

Das Kind wurde in die Obhut einer Pflegemutter namens Theresia Penkhe auf der Landstraße 122 gegeben, die am 8. Juni 1846 dem Pfarrer von St. Rochus den Tod des Kindes meldete. Entweder irrte sich der Pfarrer, oder Frau Penkhe wollte die Herkunft des Kindes verschleiern, denn die Eintragung im Sterbebuch der Pfarre lautet: "Dem H[errn] Emil [sic] Trampusch Privatier, s. K. Wilhelmine Rk 14 Tag, Fraisen, [am] 9t dto [nach] St. Marx".[39] Ein Emil Trampusch scheint in den Findbüchern des Wiener Magistrats nicht auf.

 

In seiner Liste der Kinder Emilie Trampuschs nennt Jäger-Sunstenau auch eine Leopoldine Trampusch, die im "November 1850" geboren worden sein soll.[40] Herbert Krenn datiert die Geburt dieser angeblichen Tochter sogar mit "November 1849" und reiht sie unter Johann Strauss’ Nachkommen. Da eine Taufeintragung dieser Leopoldine bisher nicht gefunden werden konnte, ist nicht anzunehmen, dass sie mit Strauss oder Emilie Trampusch verwandt war. Am 13. Juli 1880 starb im Haus Burggasse 7 eine Handarbeiterin Leopoldine Trampusch an "Lungenschwindsucht"[41], der betreffende Verlassenschaftsakt aus dem Bestand des Bezirksgerichts Sechshaus ist jedoch nicht erhalten.[42]

 

Wie Joseph Lanner war sich auch Johann Strauss der Tatsache bewusst, dass er seine Geliebte und ihre unmündigen Kinder für den Fall seines Todes finanziell absichern musste. Doch angesichts der großen Kinderschar und seiner Freigiebigkeit schon zu Lebzeiten mussten diesbezügliche Pläne scheitern. Vergleicht man Strauss' Verlassenschaftsabhandlung mit jener Lanners, so fällt bei Strauss sofort das völlige Fehlen immobiler Wertanlagen und jeglicher Wertpapiere ins Auge. Die bescheidene Summe von 7.235 Gulden, auf die die Fahrnisse des Komponisten vorerst geschätzt wurden, kennzeichnet das gähnende finanzielle Loch in der Strauss’schen Verlassenschaft. In der Familie Strauss wurde das Gerücht kolportiert, Johann Strauss habe seiner Geliebten noch zu Lebzeiten 30.000 Gulden geschenkt.[43] Zwei Szenarien sind denkbar: entweder war dieses Vermögen schon im Jahr 1849 verbraucht, oder es war tatsächlich Emilie Trampusch geschenkt worden, um es der Verlassenschaftssperre zu entziehen. In diesem Fall hätte sie aber eine außergewöhnliches Talent zur Geldvernichtung gehabt, denn 1859 war sie bereits mittellos und musste die finanzielle Unterstützung ihres Sohnes in Anspruch nehmen. Joseph Lanner hatte zweifellos mehr Talent zur Vorsorge und eine bessere Hand für Geld. Im September 1842 gab er – als folgte er einer Vorahnung – seiner 16 Jahre jüngeren Freundin Marie Kraus[44] 3.900 Gulden Conventionsmünze bar auf die Hand, um ihr den Ankauf des Hauses Döbling Nr. 214, in dem beide wohnten, zu ermöglichen.[45] So war sie nach seinem Tod versorgt und konnte aus der Verlassenschaft sogar noch eine Mietzinsforderung in der Höhe von 50 fl plus Zinsen geltend machen.[46] Franziska Lanner war in der Schwarzenberg’schen Pensionsanstalt versichert und der Wert der Haussätze in Joseph Lanners Verlassenschaft belief sich auf stattliche 10.700 Gulden.[47] Johann Strauss aber war offenbar nie auf den Gedanken gekommen, seine Einkünfte in Immobilien zu investieren. Mit seinem Testament vom 10. Oktober 1847[48], in welchem er seine Lebensgefährtin und ihre Kinder zu Universalerben einsetzte, glaubte er ausreichend Vorsorge getroffen zu haben. Am 11. Oktober fügte er diesem Dokument noch eine Schenkungsurkunde hinzu, in der er Emilie Trampusch seine gesamte Habe überschrieb.[49] Aufgrund dieses Dokuments hatte sie es gar nicht nötig, nach Strauss’ Tod die gemeinsame Wohnung auszuräumen, wie es bösartige, wohl von Anna Strauss lancierte Verleumdungen behaupteten. Strauss’ Verlassenschaftsabhandlung beweist die vollkommene Haltlosigkeit dieser Gerüchte.[50]

 

Von der jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzung um das Erbe profitierten schließlich am meisten die beiden Anwälte und der Verleger Carl Haslinger, dem es gelang den Preis der hinterlassenen Musikalien um 1.000 Gulden zu drücken. Die Streitparteien schienen an einer schnellen Einigung nicht interessiert zu sein. Im März 1851 findet sich der folgende Vermerk im Gerichtsakt: "Sowohl die Pflichttheils=, als Testamentserben wurden bereits wiederholt zu Abhandlungs=Tagsatzungen vorgeladen, es erschien aber immer entweder nur Einige derselben oder gar Niemand." Emilie Trampusch und ihre drei überlebenden Kinder erbten schließlich 970, die fünf Mitglieder der Familie Strauss erhielten jeder circa 194 Gulden. Zum Vergleich: als Joseph Lanners Geliebte Marie Kraus am 27. September 1843 das Sterbehaus ihres Lebensgefährten verkaufte, erhielt sie dafür 4.000 Gulden Conventionsmünze.[51] Zum Zeitpunkt der Geburt von Lanners posthumem Sohn Joseph Carl Maria[52] am 6. Oktober 1843 war Marie Kraus fürs erste finanziell abgesichert.

 

Joseph Carl Maria
Die Taufeintragung von Joseph Lanners posthumem Sohn Joseph Carl Maria Kraus (Pfarre Döbling, Taufbuch III, fol. 183)

 

Am 5. März 1849 beantragte Johann Strauss für sich und die Musiker seines Orchesters Pässe für seine letzte Tournee, die ihn nach Deutschland und England führen sollte.[53] Am 30. Mai 1849, also während sich Johann Strauss in England aufhielt, beantragte Emilie Trampusch beim Wiener Magistrat einen für sechs Monate gültigen Reisepass nach London.[54] Ihr Cavent (Bürge und Auskunftgeber) war der Inhaber des Hernalser Casinos Franz Unger. Damit ist zwar noch nicht bewiesen, dass Trampusch tatsächlich nach London reiste, um dort Johann Strauss zu treffen; wir sollten uns aber von der Überzeugung verabschieden, dass Strauss nach 1836 sein Liebesleben stets von seiner beruflichen Tätigkeit im Ausland zu trennen wußte.

 

Was wurde aus Emilie Trampusch und ihren Kindern? Hier sind noch viele Fragen unbeantwortet und ein Gemisch aus Legenden und Hörensagen erschwert die Forschung. Emilie gebar am 29. April 1851 einen Sohn Ernst Emil, dessen Vater unbekannt ist. Die Taufpatin des Kindes Eva Worell wohnte zwar in der selben Wohnung des Hauses Stadt 841 (Partei 1), aber wegen der Bezeichnung der Mutter als "Angeblich Anna Tramposch ledigen Standes Handarbeiterin"[55] kann diese Schwangerschaft nicht mit absoluter Sicherheit Emilie Trampusch zugeschrieben werden. Ernst Emil Trampusch wurde einer Antonia Wetscherscha in Margarethen Nr. 115 übergeben, wo er am 18. Juli 1851 an Wasserkopf starb.[56] Am 6. Dezember 1852 kam Emilie Trampusch um einen für vier Jahre gültigen Reisepass "nach Ödenburg und die KK Kronländer"[57] ein. Der Heimatschein, den sie laut Konskriptionsbogen[58] im Jahr 1854 erhielt, scheint in den Einschreitprotokollen des Magistrats nicht auf.[59] Im ersten Band von Lehmanns Adressbuch (1859) ist sie als "Privat., Stadt, Grünangergasse 841"[60] verzeichnet, 1859 soll sie den Angaben Ignaz Löwys zufolge in ärmlichen Verhältnissen mit ihrer Tochter Emilie in Krems gelebt haben. 1864 übersiedelten die beiden angeblich zurück nach Wien. Dass Emilie Trampusch dann (wie Löwy 1878 schreibt) als Wasserträgerin in einer kleine Kellerwohnung unter den Weißgerbern gewohnt haben soll, erscheint allerdings zweifelhaft, denn am 17. Oktober 1865 beantragte sie für sich und ihre Tochter einen Pass auf drei Jahre in die deutschen Bundesstaaten. In ihrem Antrag bezeichnete sie sich als Schauspielerin und gab sich als Witwe aus. Interessant ist die Personenbeschreibung der Emilie Trampusch im Passprotokoll: "Statur: mittel. Gesicht: oval. Augen: braun. Mund und Nase: prop[ortionirt]. Haar: schwarz".[61] Diese Forschungsergebnisse widerlegen Herbert Krenns willkürliche Behauptung, Emilie Trampusch sei am 28. Jänner 1864 gestorben.[62] Es erscheint nun auch absolut plausibel, dass Mutter und Tochter Trampusch mit den beiden Schauspielerinnen "Frau und Fräulein Traumburg (Mütter und Liebhaberinnen)" identisch sind, die 1861 am Theater in St. Pölten auftraten.[63] Nach 1865 verliert sich Emilie Trampuschs Spur. Ihr Name scheint in den Totenbeschauprotokollen des Wiener Magistrats der Jahre 1865 bis 1910 nicht auf und es muss daher angenommen werden, dass sie nicht in Wien starb. Ihre älteste Tochter Emilie soll am 24. November 1853 im Theater in der Josefstadt in der Hauptrolle von Charlotte Birch-Pfeiffers Stück "Pfefferrösel" aufgetreten sein, was aber durch die Rezensionen dieser Aufführung nicht belegt wird.[64] Vielleicht spielte sie eine Nebenrolle. Ein Theaterzettel dieser Vorstellung ist nicht erhalten. Auch das Gerücht, Nestroy habe sie 1854 ans Carl-Theater engagiert, entbehrt jeder dokumentierten Grundlage.[65] 1855 wurde sie im Theater in der Josefstadt als "naive Liebhaberin" besetzt.[66] 1858 gebar Emilie angeblich einen Sohn Adalbert, in der Taufmatrik ist die Mutter dieses Kindes jedoch mit "Sophia Trambusch" angegeben.[67] Ein Jahr später übersiedelte sie nach Krems, wo sie am dortigen Aktientheater als "Frl. Traumbusch" in "jugendlichen und munteren Liebhaberinnenrollen" auftrat.[68] Im Juli 1870 beantragte sie einen Pass für drei Jahre nach Deutschland, Frankreich und England, wo sich ihre Spur verliert; die Wiener Zeitungsberichte des Jahres 1878 über die Trampusch-Kinder enthalten keine Mitteilungen über ihre damaligen Lebensumstände.

 

Paßprotokoll 1865
Eintragung von Mutter und Tochter Trampusch im Passprotokoll 1865 mit dem Hinweis auf einen 1870 der Tochter Emilie ausgestellten Pass

 

Johann Trampusch, der einzige Sohn Emilies, der das Erwachsenenalter erreichte, lebte um 1846 als Kostzögling im Erziehungshaus in Linz[69] und ging dann an die Wiener Neustädter Militär-Akademie, um Offizier zu werden.[70] Allerdings hatte er die schwache Konstitution seines Vaters geerbt und erwies sich als ungeeignet für den Soldatenberuf. In einem Konskriptionsbogen wird er, seinem Halbbruder Johann ganz ähnlich, als "Schwächling" bezeichnet. 1852 verließ er die Akademie und trat als Commis in das bekannte Seidengeschäft "Zur Weißen Taube" des k. k. Hoflieferanten Ernst Krickl[71] ein, wo er es bald zu einem ansehnlichen Einkommen brachte und in der Lage war, seine Familie zu unterstützen. Da seine Freunde immer behaupteten, er sehe Josef Strauss "zum Verwechseln" ähnlich, besuchte er eines Tages den "Sperl" und ließ sich seinen Halbbrüdern vorstellen. Bei Champagner feierte er mit Johann und Josef Verbrüderung. Johann Strauss überredete seinen Halbbruder, seine Stelle als Commis aufzugeben und versprach, ihm über Beziehungen zum Direktor einen gutbezahlte Beamtenposten in der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft zu verschaffen. Außerdem luden die Strauss-Brüder im Überschwang der Wiederfindungsfeier Johann Trampusch zu sich nach Hause ein. Als jedoch Anna Strauss von diesen Plänen erfuhr, verbot sie ihren Söhnen energisch jeden Umgang mit Trampusch und ließ diesen, als er seinen Besuch abstatten wollte, erst gar nicht in die Wohnung. Unglücklicherweise folgte Johann Trampusch dem Rat seines Halbbruders und kündigte seinen Posten bei Krickl ohne sich vorher näher über die Anstellungsbedingungen bei der DDSG informiert zu haben. Zu seiner großen Enttäuschung teilte ihm der Direktor mit, dass er vorerst ein Jahr als unbezahlter Praktikant dienen müsse. Trampusch nahm die Stelle nicht an. Schließlich brachte ihn der ehemalige Freund seines Vaters Carl Friedrich Hirsch als Hauslehrer bei der Familie des Bahninspektors Franz Himmel unter, der ihm auch eine Anstellung bei der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn verschaffte. Ein angeborenes Nierenleiden und die Folgen eines unglücklichen Sturzes führten zu seinem Tod am Morgen des 30. August 1864 im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in der Leopoldstadt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Johann Trampusch im Haus Floridsdorf 80 (heute Gerstlgasse 22) gewohnt. Im Totenbeschauprotokoll, wo er als "Josef Trampusch" aufscheint, ist seine Todesursache mit "Erschöpfung der Kräfte" angegeben.[72] Seine Verlassenschaftsabhandlung ist nicht erhalten. Er wurde am 1. September 1864 auf dem St. Marxer Friedhof begraben. Als sich sein ärmlicher Leichenzug über die Taborstraße bewegte, konnte man zwischen den Vorhängen, die die Fenster des "Hirschenhauses" verhüllten, die Köpfe der Brüder Strauss hervorlugen sehen.[73]

 

Vom traurigen Schicksal Johann Trampuschs und seiner jüngeren Schwester Clementine sind wir durch den Journalisten Ignaz Löwy, einen Jugendfreund von Johann und Eduard Strauss unterrichtet. Löwy war Besitzer und Herausgeber der Zeitschrift "Pikante Blätter", in der er im Sommer 1878 eine Serie mit dem Titel "Die Walzer-Könige" veröffentlichte. In diesen Artikeln wurde auch die Geschichte der drei erwachsenen Trampusch-Kinder erzählt, wobei nicht alle Informationen auf die Goldwaage der Wahrhaftigkeit zu legen sind. Bereits im Jahr 1878 findet sich in diesen Berichten das später von Eduard Strauß wiederholte Schauermärchen, Emilie Trampusch habe nach dem Tod ihres Geliebten die Wohnung ausgeräumt und diesen mit offenen Augen auf rohen Brettern liegend zurückgelassen. Am 13. Oktober 1878 veröffentlichten die "Pikanten Blätter" den Leserbrief eines anonymen Beamten, in welchem dieser die Redaktion darauf hinwies, dass Clementine Trampusch noch am Leben sei und als Blumenmacherin ein ärmliches Dasein friste. Von ihrem Halbbruder, dem Hofballmusikdirektor erhalte sie keine Unterstützung und der Beamte regte an, "Die löbliche Redaction wolle gefälligst sich dieses armen Wesens annehmen und gütigst dahin wirken, dass dieselbe durch Verwendung der löblichen Redaction vielleicht doch einer kleinen Unterstützung von Seite des Herrn Strauß theilhaft werden könne."[74] Die "Pikanten Blätter" riefen nun zu Spenden auf und widmete dem edlen Zweck zehn Gulden. Am selben Tag erschien Clementine Trampusch in der Redaktion. Der Bericht Ignaz Löwys über den Besuch von Johann Strauss’ Tochter beschreibt auf berührende Weise das Schicksal eines verlassenen Aschenbrödels, das nie die Gelegenheit bekam, das Königsschloss zu betreten. Er sei hier im Original zitiert:

 

Fräulein Clementine Trampusch, die Tochter des Johann Strauß sen., erschien Sonntag Vormittags in unserer Redaction.

     Sie ist einfach aber reinlich gekleidet, ihr Gesicht zeigt, trotz der abgehärmten Züge, eine auffallende Aehnlichkeit mit Johann Strauß jun.

     Schüchtern in ihrem Auftreten schien sie anfangs unentschlossen die 10 fl., welche wir ihr einhändigten, anzunehmen. Erst als ihr der Herausgeber versicherte, er sei ein Bekannter ihres Vaters und ein Freund ihres verstorbenen Bruders Johann Trampusch gewesen und als er ihr die Photographie beider zeigte, brach sie in Thränen aus und ersuchte, ihr das Bild des guten Bruders (das des Vaters trug sie bei sich) zu überlassen. Dasselbe wurde ihr zugesagt, sobald es copirt sein werde.

     Mit zitternden Händen bat sie um diese Freundlichkeit und wurde etwas zutraulicher im Gespräche.

     Sie erzählte, wie sie als kleines Kind der Liebling ihres Vaters gewesen und wie nach dem Tode desselben ihre Leidensgeschichte begann. Ihre Mutter quälte sie oft, weil sie in ihren Augen als die Mörderin des Vater Strauß galt, der von ihr den Scharlach geerbt.

     Sie erzählte weiter, wie die Mutter einmal in einem Wuthausbruche ihr den Kopf so lange gegen die Mauer gestoßen habe, bis sie das Bewußtsein und für lange Zeit das Gedächtnis verlor.

     Aus Ybbs, wohin man sie damals gebracht, sei sie später barfuß nach Wien gegangen, um doch wieder ihre Geschwister zu sehen.

     Die Mutter habe ihr dann eine abseits gelegene Kammer angewiesen, deren ganze Einrichtung aus einem Strohsacke bestand.

     Die Arme wurde von ihrer Mutter in einer Weise mißhandelt, dass die Nachbarschaft mit polizeilicher Anzeige drohte, was auch die Ursache gewesen sein mag, dass die Mutter mit ihrer älteren Tochter eines Tages verschwand und sie hilflos zurückließ.

     Ihr Bruder brachte sie in das Kloster "Töchter des göttlichen Erlösers", wo sie einige Jahre verblieb. Nach dem Austritte aus dem Kloster fand sie Beschäftigung bei einer Kunstblumenmacherin, in deren kleinen Fabrik sie heute noch um einen Wochenlohn von 3 fl. Arbeitet. Im Verlaufe des Gespräches schilderte sie, wie es immer schwerer werde, mit diesem knappen Einkommen die Bedürfnisse zu decken; eine kleine Kammer, die sie seit Jahren bewohnt, müsse sie nun aufgeben, da sie heute bei der theueren Zeit den Monatszins von 5 fl. Nicht erschwingen könne.

     Als sie sich vor zwei Jahren an den glücklicheren Sohn ihres Vaters, den k. k. Hofball=Musikdirector Johann Strauß, in ihrer Noth um eine Unterstützung wandte, übergab ihr derselbe 15 fl. Mit dem Bedeuten, für ihr weiteres Fortkommen Sorge tragen zu wollen.

     Bei ihrem nächsten Vorsprechen in der Villa Strauß (Hetzendorferstraße) erzählte ihr Johann, dass Kunstblumenmacherinnen eben für Amerika engagirt und bis 2 Dollars pro Tag bezahlt werden.

     Sie möge sich zu diesem Zwecke nur dem amerikanischen Gesandten vorstellen, die Kosten der Reise werde er bestreiten.

     Im ersten Augenblicke war ihr diese Art für ihr weiteres Fortkommen zu sorgen, nicht ganz erwünscht; erst auf Zureden, an welchem sich auch Frau Jetty Strauß betheiligte (indem sie ihr verschiedene Präservative gegen die Seekrankheit empfahl), wollte sie sich zu der Fahrt entschließen. Aus der Reise wurde nichts, da man ihr in der amerikanischen Gesandtschaft bedeutete sie sei für die Ueberfahrt zu schwach.[75]

 

Infolge dieses Berichts wurde die Sammlung für Clementine Trampusch fortgesetzt. Ein beliebter Wiener Kapellmeister, dessen Identität nicht verraten wurde, veranstaltete zu ihren Gunsten ein Konzert und nach einer von dem Regenschori Löwenstamm durchgeführte Sammlung unter Mitgliedern des Neubauer Gesangvereins "Sängerlust" belief sich der Gesamtbetrag, der Clementine Trampusch übergeben werden konnte, auf 50 Gulden und 30 Kreuzer. Clementine Trampuschs weiteres Schicksal ist unbekannt.

 

Das statistisch erwiesene Verhalten untreuer Ehepartner erlaubt die Vermutung, dass auch Johann Strauss schon vor seiner Lebensgemeinschaft mit Emilie Trampusch außereheliche Beziehungen pflegte. Besondere Beachtung verdient hier sein bisher ungeklärtes Verhältnis zu Antonia Radinger, der er 1830 seine "Fra Diavolo Cotillons" op. 41 widmete. Radinger wurde am 23. April 1802 als Tochter des Kaufmanns Joseph Schoberlechner und der Cäcilia Freiin Managetta von Lerchenau geboren[76], war also eine Cousine des Pianisten Franz Schoberlechner. Am 5. Dezember 1826 heiratete sie den Tuchhändler Ernest Radinger, mit dem sie drei Kinder hatte.[77] Bezeichnend ist eine Passage aus dem 1833 geschriebenen Testament ihres Schwiegervaters Johann Radinger: "[Da] Mein Sohn [sich] von seinem ausschweifenden, boshaften, zänkischen u. schlecht haushälterischen Weib getrennt hat, und ich in der Hoffnung lebe, und auch damit sterben werde, dass er sich niemals mit ihr vereinigen wird, somit in Stand gesetzt ist, seinen Haushalt fortwährend in Ordnung u. in gehörigen Verhältnissen zu seinem Einkommen führen zu können, [...]."[78]

 

Im Zuge der Erforschung der unehelichen Nachkommenschaft von Johann Strauss Vater zeigen sich interessante psychologische Aspekte. Da ist die Geliebte, die Strauss das bieten kann, was ihm bei der Ehefrau offenbar fehlt. Ihre menschlichen Unzulänglichkeiten, ihr Hang zu Geldverschwendung und Kindesmisshandlung muss Strauss erkannt haben, doch er toleriert das, oder will es nicht bemerken und liefert sich vollkommen dieser Frau aus. Das Mitgefühl der Nachwelt ist ihm sicher. Da ist die betrogene Ehefrau, die ihren Mann rasend gehasst haben muß, wie nur eine Frau einen Mann hassen kann, den sie einst geliebt hat. Sie bedient sich geschickt der Flüsterpropaganda und streut im Kampf um die öffentliche Meinung gegen die Konkurrentin unwahre Gerüchte aus, deren unausrottbare Reste sich noch heute in Zeitungsartikeln finden.[79] Da sind die drei überlebenden unehelichen Kinder, die keine Chance haben, jemals von der gesellschaftlichen Stellung ihres Vaters zu profitieren. Und da ist zuletzt der reiche Walzerkönig, der seine bettelarme Halbschwester mit einem Bagatellbetrag abspeist und sie nach Amerika schicken will. Eine kleine Geschichte zum Schluss soll zeigen, dass es nicht so einfach ist, die Familien Strauss und Trampusch mit einem Blick in gut und böse einzuteilen: Ein Strauss’sche Familienlegende erzählt, Emilie Trampusch habe, als sie mittellos in Wien lebte, sich von Hunger getrieben auf den Döblinger Friedhof begeben und die beiden Laternen vom Grab ihres Geliebten abmontiert, um sie für ein paar Groschen zu verkaufen.[80] Das ist die Oberfläche der Historie. Forschen wir etwas tiefer, so erfahren wir, dass Johann Trampusch, als er sah, dass sich niemand um das Grab seines Vaters kümmerte, diese beiden Laternen angeschafft hatte und sie jedes Jahr am 25. September anzündete. Erst nach der Heirat von Johann Strauss Sohn mit Henriette Treffz sorgte diese alljährlich für Beleuchtung und Bekränzung des Grabes an dem Sterbetag des durch seine Werke unsterblichen Meisters.

 

Strauss 1846

Unterschrift von Johann Strauss Vater vom 25. November 1846

Die Kinder von Emilie Trampusch und Johann Strauss

 

  1. Emilie Theresia Johanna, Schauspielerin, geb. 18. Mai 1835 Wien Stadt 555, gest. nach 1870.
  2. Johann Wilhelm, Bahnbeamter, geb. 28. Mai. 1836 Wien Stadt 555, gest. 30. August 1864 Wien Leopoldstadt, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Erschöpfung.
  3. Clementina Emilia Elisabetha Theresia, Blumenmacherin, geb. 19. November 1837 Wien Stadt 164, gest. nach 1878.
  4. Carl Joseph, geb. 20. Juli 1840 Wien Stadt 806, gest. 11. August 1840 Stadt 806, Fraisen.
  5. Joseph Moritz, geb. 8. Jänner 1842 Wien Stadt 817, gest. 18. Jänner 1842 Stadt 817, Durchfall.
  6. Maria Wilhelmine, geb. 25. April 1843 Wien Stadt 127, gest. 4. November 1849 Stadt 829, Scharlach.
  7. Theresia Karolina, geb. 22. September 1844 Wien Stadt 127, gest. 2. August 1851 Wien Allgemeines Krankenhaus, Scharlach.
  8. Wilhelmine, geb. 26. Mai 1846 Wien Stadt 127, gest. 8. Juni 1846 Wien Landstraße 122, Fraisen.


 

[*] Dieser Aufsatz ist Isabella Nadrag gewidmet, die seine Entstehung mitverfolgte. (Wegen Schlamperei des Herausgebers fehlt diese Widmung in der Druckfassung.)

[1] Hanns Jäger-Sunstenau, Johann Strauß. Der Walzerkönig und seine Dynastie, Jugend und Volk, Wien 1965, 55.

[2] Eduard Strauß, Erinnerungen, Deuticke, Leipzig und Wien 1906, 14.

[3] Franz Farga, Lanner und Strauß, Humboldt-Verlag Wien 1948, 46.

[4] Niederösterreichisches Landesarchiv, Handschrift Noe Reg. 20/57, lit. S, 43.

[5] Auch nach der Entdeckung von bisher drei unehelichen Kindern Lanners kann die Erforschung seiner Progenitur noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden.

[6] WStLA, Magistratisches Zivilgericht (Mag. ZG), A2, Fasz. 2 - 3971/1839. Lanner erwarb für seinen Vater kein eigenes Grab auf dem Allgemeinen Währinger Friedhof. Der erhaltene Grabstein ist ein Kenotaph aus dem Jahr 1905. Zahlreiche neue Quellen zu Lanner präsentiert der Aufsatz des Autors "Korrekturen und Ergänzungen zur Biografie Joseph Lanners" (in Vorbereitung).

[7] WStLA, Mag. ZG, Contentiosa 1842, lit. L, 68, u. 1843 lit. L, 17, sowie Grundbuch (GB) 148/10, fol. 291v.

[8] Joseph Wimmer wies bereits 1895 auf diese Parallele hin: "Klassisch und noch gar nicht beachtet, ist es nun, dass ihr [Franziska Lanner] diesen Coup die Witwe Johann Strauss’ nachgemacht hat. Der Partezettel beginnt genau nach derselben Formel." WStLB, I. N. 194.402.

[9] Herbert Krenn, "Wer war Emilie Trambusch?", in: Wiener Bonbons 1/2002, 14. Da Krenns Quellenarbeit zu einem großen Teil nicht nachvollziehbar ist und sich mehrere seiner Angaben als pure Erfindung herausstellten, kann sein Aufsatz wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genügen.

[10] WStLA, Hauptarchivsakten (HA), Persönlichkeiten L 4/3, fol. 9. Die von einem anonymen Archivar auf dem Konskriptionsbogen vermerkte Jahreszahl "1830" ist die Ursache jener Fehldatierung, die von Brusatti übernommen und als vermutlich eskapistische Gründung einer "Künstler-WG im Underground mit freien Formen der Liebe" präsentiert wurde. Otto Brusatti (mit Isabella Sommer), Joseph Lanner, Böhlau 2001, 57. Anna Zinagl war nicht die Geliebte der Komponisten, sondern die Magd der Hauptmieterin. Zinagl ist wahrscheinlich identisch mit jener um 1807 in Nußdorf geborenen Köchin, die 1855 in Klosterneuburg starb. WStLA, KB Stadt 468/30v, und NÖLA, BG Klosterneuburg, Verlassenschaftsabhandlung 1084/1855.

[11] WStLA, Konskriptionsbogen (KB) Josefstadt 76/8.

[12] Krenn, Wiener Bonbons 1/2002, 14. Die Saarer Matriken bestätigen Krenns Angabe nicht.

[13] Ebd. Krenn gibt für Emilie Trampuschs Mutter das Todesjahr 1829 an. Auf zwei Konskriptionsbögen der Jahre 1843 und 1846 findet sich jedoch der Vermerk "die Mutter lebt in Böhmen". WStLA, KB Stadt 817/100 u. 102.

[14] WStLA, KB Stadt 1097/35 u. 67. Herbert Krenns Behauptung, Emilie Trampusch habe mit ihrer Schwester in den Häusern Stadt 1097 und 731 gewohnt, ist nicht durch die Konskriptionsbögen belegbar. Krenn 1/2002, 15f. Es ist ebenso nicht beweisbar, dass Anna Zinagl (1807-1855) 1829 im Haus Stadt 1097 wohnte.

[15] WStLA, KB Stadt 731/22v.

[16] Pfarrarchiv St. Michael, St. Peter, Taufbuch Tom. III, 238.

[17] Staatsschematismus 1837, 377, u. WStLA, KB Leopoldstadt 314/7, 54r u. 60v.

[18] WStLA, KB Stadt 127/11 u. 43. Ein Verwandtschaftsverhältnis Anna Sedlaks mit dem Liechtenstein’schen Kapellmeister Wenzel Sedlak (1776-1851) konnte nicht nachgewiesen werden.

[19] WStLB, I.N. 224.077.

[20] Pfarrarchiv St. Michael, St. Peter, Taufbuch Tom. III, 269. In der Taufeintragung wird Trampuschs Vater als "Oberarzt in Iglau" bezeichnet. Krenn gibt Johann Trampuschs Sterbejahr mit 1820 an, nennt aber keinen Sterbeort. Krenn, Wiener Bonbons 1/2002, 14.

[21] Krenn, Wiener Bonbons 2002/1, 15.

[22] WStLA, GB 1/30, fol. 55v u. 56r, sowie 1/31, fol. 55r.

[23] Pfarre Schotten, Taufbuch Tom. 50, fol. 195.

[24] WStLA, KB Weißgärber 1/8. Staatsschematismus 1831, 662, u. 1837, 694.

[25] Pfarre St. Stephan, Taufbuch Tom. 113, fol. 218.

[26] WStLA, Mag. ZG, A2, Fasz. 2 - 708/1838. Aufricht hinterließ ein geschätztes Vermögen von 43.533 fl CM.

[27] Pfarrarchiv St. Leopold, St. Joseph Trauungsbuch 1821-39, 507 f., und Pfarre St. Johann Nepomuk, Trauungsbuch Tom. III, fol. 204.

[28] Ernst Weizmann, "Wie Strauß Vater polizeilich verurteilt wurde", in: Neues Wiener Tagblatt, 18. Oktober 1925, Nr. 286, 23ff. Jäger-Sunstenau zitiert diesen Artikel nur unvollständig. Die von Weizmann erwähnte Indexeintragung über eine Untersuchung gegen Johann Strauss wegen "Straßenexzeß" im Jahr 1844 betrifft nicht den Komponisten. Niederösterreichisches Landesarchiv, HS Noe Reg. 20/65, lit. S, 65.

[29] Niederösterreichisches Landesarchiv, HS Noe Reg 20/56, lit. S, 60. Diese umfangreiche Indexeintragung war bisher unbekannt.

[30] St. Stephan, Taufbuch Tom. 113, fol. 360, u. Totenbuch Tom. 43, fol. 219.

[31] Ebd., fol. 145.

[32] Pfarre Schotten, Taufbuch Tom 51, fol. 145. Krenn bezeichnet Trampusch fälschlich als "Weißmacherin". Krenn, Wiener Bonbons, 1/2002. 16. Krenns Behauptung, Emilie Trampusch habe auch im Haus Stadt 127 gewohnt, ist nicht belegt.

[33] WStLA, Totenbeschauprotokoll (TBP) Bd. 205, lit. T, fol. 17v.

[34] WStLA, Sterbeverzeichnisse und Friedhofsbücher 2-XIX-D-1 (Alter Döblinger Friedhof), 1. Die Tatsache, dass Jäger-Sunstenau als Maria Trampuschs Todestag das frei erfundene Datum "5. Juli 1853" angibt, nimmt seinen genealogischen Angaben ihre Glaubwürdigkeit.

[35] Pfarre Schotten, Taufbuch Tom 51, fol. 194.

[36] Pfarre Alservorstadt, Totenbuch 1851/52, fol. 78.

[37] WStLA, Sterbeverzeichnisse und Friedhofsbücher 2-XIX-D-1, 5.

[38] Pfarre Schotten, Taufbuch Tom. 52, fol. 38.

[39] Pfarre St. Rochus, Totenbuch Tom. 12, fol. 114.

[40] Jäger-Sunstenau 1965, 55.

[41] WStLA, Sterbeverzeichnisse und Friedhofsbücher XV-B-3, fol. 176.

[42] WStLA, Bezirksgericht Sechshaus, D 1796/1880.

[43] Eduard Strauß, Erinnerungen, 15.

[44] Marie Kraus wurde am 15. August 1817 im Haus Stadt 568 (heute Graben 21, Neubau von 1835) geboren und in der Peterskirche getauft. Pfarrarchiv St. Michael, Taufbuch St. Peter Tom. II, 379. Ihre Eltern, der aus der Oberpfalz stammende bürgerliche Greisler Wolfgang Kraus und die in Weinhaus geborene Hauerstochter Anna Steinbrecher hatten am 16. Februar 1817 in Weinhaus geheiratet. Pfarre Weinhaus, Trauungsbuch Tom. II, fol. 52. 1823 heiratete Kraus’ Bruder Friedrich Anna Steinbrechers Schwester Josepha. Ebd. fol. 65.

[45] WStLA, GB 30/18, fol. 181r. Sämtliche Angaben in der Literatur über die Erbauung von Lanners Sterbehaus in Oberdöbling, die auf einem Feuilleton im "Neuen Wiener Tagblatt" vom 14. April 1907 beruhen, sind falsch. Lanner war weder Bauherr noch jemals Besitzer dieses Hauses, das schon im Jahr 1837 von Franz von Albert erbaut worden war. WStLA, GB 30/4, fol. 229. Zur Familie von Albert vgl. Michael Lorenz, "Gottfried Ignaz von Ployers Haus in Döbling – eine vergessene Mozartstätte", in: Acta Mozartiana, 47. Jg., Heft 1/2, Juni 2000, 19.

[46] In Unkenntnis der Besitzverhältnisse brachte Franziska Lanner am 28. April 1843 eine Pränotierung auf das Haus Döbling 214 in der Höhe von 2.000 fl ein, die abgewiesen wurde. Auch ihre 1845 beim Zivilgericht eingebrachte Klage gegen Marie Kraus auf "Ersatz der 3.900 fl CM" war in beiden Instanzen erfolglos. WStLA, GB 30/27, fol. 230v u. 232r, sowie WStLA, Mag. ZG, Contentiosa 1845, lit. L, 75, u. 1846, lit. L, 21.

[47] Es handelte sich um die Häuser Josefstadt 218 (Wickenburggasse 4, Haussatz von 7.000 fl) u. 171 (Albertgasse 31, 2.500 fl), sowie Nikolsdorf 37 (Stolberggasse 10, 1.200 fl). WStLA, HA Persönlichkeiten, L 4/2, fol. 3.

[48] WStLA, Mag. ZG, A2, Fasz. 2 - 8466/1849 (HA Persönlichkeiten, S 28).

[49] Diese Schenkungsurkunde wird im Verlassenschaftsakt erwähnt. Sie ist verschollen.

[50] Allein das Mobiliar im angeblich ausgeräumten Schlafzimmer wurde auf einen Wert von ca. 88 fl CM geschätzt.

[51] WStLA, GB 30/18, fol. 198.

[52] Pfarre St. Paul in Döbling, Taufbuch Tom. III, fol. 183. Bei der Taufe am 7. Oktober 1843 fungierte Marie Kraus’ Cousine Katharina Kraus als Patin. Das Kind starb am 13. Mai 1844 an Fraisen. WStLA, TBP Bd. 195. Der Zivilgerichtsakt über die Ernennung von Wolfgang Kraus zum Vormund seines Enkels (Mag. ZG, A3, Fasz. 3 - 921/1844) ist nicht erhalten. Als ihr Vater Wolfgang Kraus am 17. Mai 1850 starb, war Marie Kraus nicht mehr am Leben. WStLA, Mag. ZG, A2, Fasz. 2 - 4062/1850.

[53] Diese Eintragung im Passprotokoll fehlt bei Jäger-Sunstenau. WStLA, Passprotokoll 1849 (B4/43), fol. 102-108.

[54] WStLA, Passprotokoll 1849 (B4/43), fol. 292.

[55] Pfarrarchiv St. Michael, St. Peter, Taufbuch Tom. V, fol. 179, Nr. 32. Eva Worell (bei Krenn "Morell") brachte das Kind zur Taufe nach St. Peter und signierte als "Stummechen" (Stubenmädchen). Im Konskriptionsbogen scheint Worell als "Eva Wordl [geb.] 1816 Dienstmagd [von] Heringsee [das heutige Haringsee im Marchfeld] bei Wien" auf. WStLA, KB Stadt 841/25v. Worell wurde am 11. Februar 1813 als Tochter des Schusters Joseph Worell geboren. Pfarre Haringsee, Taufbuch Tom. 2, pag. 71.

[56] WStLA, TBP 209, lit. T, fol. 12r. Das Haus "Zur Goldenen Sonne", heute Schönbrunner Straße 54, Neubau.

[57] WStLA, Passprotokoll 1852/II (B4/51), fol. 1133.

[58] WStLA, KB 841/19.

[59] Die von Herbert Krenn genannte "erhaltene Heimatrolle" Emilie Trampuschs (aus einer Zeit, als es das Heimatrecht noch nicht gab) konnte im Bestand des Konskriptionsamts des Wiener Magistrats und der Magistratsabteilung 61 nicht gefunden werden. Sie existiert nicht.

[60] Adolph Lehmann, Lehmann's Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Handels- und Gewerbe-Adreßbuch für die k.k. Reichshaupt und Residenzstadt Wien und Umgebung, Wien 1859, 813.

[61] WStLA, Passprotokoll 1865 (B4/74), fol. 358.

[62] Krenn, Wiener Bonbons 2/2002, 17. Krenn hält die 1864 im St. Elisabeth Spital verstorbene, aus Jassenitz in Mähren stammende Magd Juliane Trampusch für Emilie Trampusch. Im Zuge dieser irrigen Annahme erklärt er Emilies angebliche Wohnadresse "Weißgerber Lände" für identisch mit der Adresse des Spitals in der Ungargasse 63. Juliana Trampusch wurde 1823 geboren, als ihr angeblicher Vater Johann Trampusch schon drei Jahre tot war. WStLA, TBP Bd. 283, lit. T. Die Verlassenschaftsabhandlung dieser falschen Emilie, aus der Krenn erfahren haben will, dass sie 100 Gulden hinterließ, ist nicht erhalten.

[63] Deutscher Bühnenalmanach 1861, hrsg. v. A. Heinrich, Berlin 1861, 214.

[64] Wiener Allgemeine Theaterzeitung, 26. November 1853, Nr. 270, 1131.

[65] Auf den Programmzetteln des Carl-Theaters aus den Jahren 1854-57 im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde scheint Emilie Trampusch nicht auf.

[66] Deutscher Bühnenalmanach 1855, hrsg. v. A. Heinrich, Berlin 1855, 375.

[67] Pfarre St. Stephan, Taufbuch Tom. 117, fol. 213. Der Kellner Adalbert Trampusch beantragte 1887 eine Reisepass "ins Inland und Ausland bis zur Controlle 1888". WStLA, Passprotokoll 1887 (B4/97), fol. 199.

[68] Deutscher Bühnenalmanach 1859, Berlin 1859, 235.

[69] WStLA, KB 841/19.

[70] Die Informationen zu Johann Trampusch basieren auf Ignaz Löwys Bericht in seiner Zeitschrift "Wiener Pikante Blätter", III. Jg., Nr. 32, 4. August 1878, 2.

[71] Zu Krickl s. WStLA, Merkantil- und Wechselgericht Fasz. 3, I. Reihe, lit. K, Nr. 460. Krenns Angabe, Johann Trampusch sei "Ende des Jahres 1853" in Krickls Geschäft eingetreten, wird durch die Aussagen Ignaz Löwys nicht belegt.

[72] WStLA, TBP Bd. 283, lit. S., fol. 48. Johann Trampuschs Partezettel lautete: "Mehrere Freunde des Herrn Johann Trampusch, Beamten der k. k. a. priv. Kaiser Ferdinands=Nordbahn geben seinen Verwandten und sonstigen Bekannten die betrübende Nachricht, dass derselbe heute Morgens 5 ¾ Uhr, nach einer langwierigen schmerzhaften Krankheit und Empfang der heiligen Sterbesacramente, im 29. Lebensjahre, selig in dem Herrn entschlafen ist. Die entseelte Hülle des Verblichenen wird am 1. September 1864, Nachmittags 4 ½ Uhr bei den P. P. Barmherzigen in der Leopoldstadt eingesegnet, sodann auf den St. Marxer Friedhof überführt und daselbst beerdigt." "Die Walzer-Könige", in: Wiener Pikante Blätter (Hrsg. Ignaz Löwy), III. Jg., Nr. 43, 20. Oktober 1878, 5.

[73] Ebd., Nr. 32, 4. August 1878, 2.

[74] Wiener Pikante Blätter, III. Jg., Nr. 42, 13. Oktober 1878, 5.

[75] Ebd., Nr. 43, 20. Oktober 1878, 5.

[76] St. Stephan, Taufbuch Tom. 102, fol. 149.

[77] St. Stephan, Trauungsbuch Tom. 86a, fol. 79. Einer der Trauzeugen war Vinzenz Neuling, Bierbrauer, Musiker, Erfinder und Besitzer des "Hirschenhauses" in der Leopoldstadt.

[78] WStLA, Mag. ZG, A10, Testament 39/1839. Ernest Radinger, der am 20. Juli 1859 starb, hatte nach seiner Scheidung mit einer Crescenzia Jany einen unehelichen Sohn, der ebenfalls Ernest Radinger hieß. WStLA, Bezirksgericht Wieden, Testament 98/1859. Antonia Radinger war 1859 nicht mehr am Leben.

[79] Otto Brusatti, "Der DJ des Vormärz", in: Die Presse, Spectrum, 6. März 2004; und Ljubiša Tošić, "Vorgeiger und Ich-AG der guten Laune", in: Der Standard, 12. März 2004, 31.

[80] Eduard Strauß, Erinnerungen, 15.


Dieser Vortrag wurde am 10. März 2004 beim Johann Strauss Vater Symposium in Wien gehalten und am 7. April 2004 erstmals online veröffentlicht. Die Druckfassung dieses Aufsatzes erschien wegen Unfähigkeit zweier Herausgeber erst 2011 im Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien, Band 62/63 (2006/2007), 135-149. © 2004/2011 © Michael Lorenz. Alle Rechte vorbehalten.                      Website counter