Maria Litschauer - Lebenslauf:

1945 wurden meine Eltern aus ihrer Heimat Südmähren vertrieben. Gleich nach der Grenze, in Laa an der Thaya, musste meine Mutter ihren kleinen Sohn, noch nicht ganz drei Jahre alt, an den Folgen einer Lungenentzündung verstorben, begraben. Mein Vater kam aus der Kriegsgefangenschaft als Invalide zurück. Sie begannen ein neues Leben, mutlos, ohne Hab und Gut, vor allem beherrscht von Trauer und Schmerz.

1947 kam mein Bruder Franz zur Welt und 1953 wurde ich in Wien geboren. Wir hatten eine sehr schöne Kindheit, denn unsere Mutter umgab uns statt mit materiellem Reichtum mit Geborgenheit und hüllte uns in ihre Liebe.

Nach der Schule, Volks-, Haupt- und Handelsschule, begann ich im Unileverkonzern zu arbeiten, wechselte 1972 innerhalb des Konzerns nach München und blieb 2 1/2 Jahre in Bayern. Erstmals in meinem Leben begegnete ich Menschen aus der ganzen Welt. Es wurden Freundschaften von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent geschlossen und manche dieser Beziehungen bestehen heute noch.

Als ich von einer freien Stelle im Afro-Asiatischen Institut in Wien hörte, kehrte ich nach Österreich zurück, bewarb mich, bekam die Stelle und wurde Mitarbeiterin im Studien- und Sozial-, sowie im Kulturreferat. Es begann für mich eine aufregend schöne Zeit, interessant und sehr bereichernd - die Betreuung und Begleitung junger Menschen aus Afrika und Asien, die in Wien studierten. Ich fühlte mich unbeschreiblich wohl.

1978 lernte ich meinen Mann Karl kennen. Er führte im Marchfeld eine Bäckerei. Wir haben 1979 geheiratet und ich blieb an seiner Seite, tauschte das Afro gegen die Backstube. Das war eine enorme Umstellung für mich. Von der Stadt aufs Land, die schwere, ungewohnte Arbeit, Nachtarbeit, Tagwache um 0.30 Uhr, ein rauer Ton, ich weinte um die Herzlichkeit, ich vermisste meine Freunde, ich war sehr unglücklich.

Aber, bald bekam ich mein größtes und schönstes Geschenk, zwei wunderbare Kinder, Florian, er ist 1980 geboren und Daniela, sie kam 1981. Diese beiden Kostbarkeiten haben mich jeden Tag unbeschreiblich glücklich gemacht und sind die größte Freude und das Wichtigste in meinem Leben.

Arbeiten und nicht aufhören zu Träumen, das war mein Leben über 20 Jahre lang. Meine Ehe lief nicht gut. Mein Mann und ich haben unsere nicht glückliche Beziehung im Mai 2002 beendet. Der Bäckereibetrieb wurde geschlossen. Ich konnte das Backhaus behalten, habe es umgebaut, und mir meinen langjährigen Traum verwirklicht – ich habe einen Seminar- und Kulturtreffpunkt eröffnet, für alle Menschen.

Ich liebe das Leben und ich liebe unsere wunderschöne Welt. Ich erfreue mich an ihrer Vielfalt. Für mich gibt es keine Grenzen, Grenzen sind unnatürlich, für mich gibt es nur eine Heimat für alle - die heißt ERDE und nur einen Familiennamen für alle - und der heißt MENSCH.

Vielleicht verdanke ich mein Lebensmotto der traurigen Geschichte meiner Eltern. Man sieht vieles anders, wenn man in eine Familie geboren wird, die aus ihrem Zuhause vertrieben wurde. Damit erklärt sich die Einleitung meines Lebenslaufs. Natürlich verdanke ich einen großen Teil meiner Einstellung dem glücklichen Zusammenleben und den Freundschaften mit Menschen aus aller Welt. Ich möchte es so gerne jenen vermitteln, die es noch nicht fühlen können, dass wir alle Wärme warm empfinden und Kälte kalt. Jedem einzelnen von uns ist die wundervolle Macht gegeben, das Zusammenleben ein bisschen menschlicher zu gestalten.

 

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